Historie Aktuelles

Auf vielfachen Wunsch sammeln wir hier wichtige ältere Nachrichten, die wir unter "Aktuelles" bisher veröffentlicht haben.

26.06.2015   Zwischenbericht von Dr. Michaela Schumacher jetzt abrufbar

Bei ihrem Ausscheiden aus dem Amt der Missbrauchsbeauftragten für den Orden der Redemptoristen hat Frau Dr. Michaela Schumacher einen kurzen Zwischenbericht erstellt, der jetzt endlich unter http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/ich-bin-nicht-verj%C3%A4hrt/  abrufbar ist.

 

 

22.06.2015   Wissenschaftlichkeit des sog. Präventionskonzeptes "Kein Täter werden" (Charité Berlin, Prof. Beier) fragwürdig

Aus Wikipedia: "Das Forschungsprojekt „Kein Täter werden“ wurde 2005 unter der Leitung von Klaus Michael Beier ins Leben gerufen. Im Gegensatz zu bestehenden Therapieangeboten für bereits straffällig gewordene Personen, sogenannte Hellfeldtäter, entstand mit dem Berliner Projekt weltweit erstmals ein Angebot, welches sich speziell an Menschen richtet, die noch nicht straffällig wurden oder solche, die zwar bereits sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben und/oder Missbrauchsabbildungen (sogenannte Kinderpornografie) konsumiert haben, jedoch nicht justizbekannt sind, sogenannte Dunkelfeldtäter.[1] Die Teilnahme steht aber auch Personen offen, die bereits wegen entsprechender Taten angezeigt oder verurteilt wurden und gegebenenfalls verhängte Strafen vollständig verbüßt haben.[2] Die Teilnahme ist kostenlos und durch die Schweigepflicht geschützt.

Mittlerweile wird das Projekt auch in Kiel, Regensburg, Leipzig, Hannover, Hamburg, Stralsund, Gießen, Düsseldorf sowie in Ulm angeboten. Die Standorte haben sich im Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden" zusammengeschlossen und arbeiten nach gemeinsamen Qualitätsstandards. Weitere Standorte sind geplant. Ziel ist der Auf- und Ausbau eines Netzwerks zur bundesweiten Etablierung der primären Prävention sexueller Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen. Seit 2009 wird die Therapie auch den Konsumenten von Missbrauchsabbildungen (so genannte Kinderpornografie) angeboten.

Finanziert wurde das Projekt in den ersten Jahren durch die Volkswagenstiftung Hannover und durch die Opferschutzorganisation Hänsel & Gretel, seit 2008 wird der Berliner Standort des Projektes durch das Bundesjustizministerium finanziert. Die anderen Standorte werden von verschiedenen Landesministerien gefördert. 2005 erhielt das Projekt den Politikaward, 2006 den Bscher-Medienpreis und 2007 den Deutschen Förderpreis Kriminalprävention.[3][4]

Hintergrund

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge (siehe https://www.kein-taeter-werden.de/story/18/3818.html) haben rund ein Prozent der Männer auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien. Das bedeutet, dass bei ihnen eine teilweise oder ausschließliche sexuelle Neigung im Sinne einer Pädophilie vorliegt. Demnach fühlen sich in Deutschland ca. 250.000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren sexuell zu Kindern hingezogen.

Die Ursachen einer Pädophilie sind weitgehend unbekannt. Tatsache dagegen ist, dass viele der Betroffenen – in der großen Mehrheit Männer – erhebliche Schwierigkeiten haben, mit ihrer sexuellen Präferenz zu leben. In der Regel treten Unsicherheiten oder Ängste auf, wenn sie ihre Neigung erstmals bemerken. Viele der Betroffenen erkennen das Auftreten sexueller Gedanken an Kinder als Problem und wissen, dass deren Umsetzung tabu ist. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, mit diesem Wissen umzugehen. Die Neigung belastet Beziehungen zu (Sexual-)Partnern oder macht sie oft unmöglich. Fest steht: Es kann zu vielfältigen Problemen in der normalen Lebensführung kommen. Vielen gelingt es nicht, ihre Neigungen dauerhaft zu kontrollieren. Sie nutzen Missbrauchsabbildungen im Internet oder begehen sexuelle Übergriffe auf Kinder. Diese Handlungen haben nicht nur für die Opfer schwerwiegende körperliche und seelische Folgen, sondern sind zudem Straftaten, die erhebliche gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Folgende Selbstbeobachtungen geben Anlass zur Vermutung, dass eine Pädophilie vorliegt:

• Sexuelle Erregung beim Betrachten von oder beim Kontakt zu Kindern • Sexuell erregende Fantasien, in denen Kinder eine Rolle spielen • Konsum von Missbrauchsabbildungen im Internet

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet kostenlose und schweigepflichtgeschützte Behandlung für Personen, die eine sexuelle Neigung zu Kindern verspüren und therapeutische Hilfe suchen. Wer teilnehmen will, muss bezüglich seiner auf Kinder gerichteten sexuellen Impulse über ein Problembewusstsein verfügen und von sich aus therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen.

Therapeutische Ansätze

Das primäre Ziel einer Therapie besteht darin, sexuelle Handlungen an Kindern und den Konsum von Missbrauchsabbildungen zu verhindern. In Einzel- und Gruppentherapien lernen die Teilnehmer, ihre Impulse zu kontrollieren und Verhaltensmuster, die den sexuellen Missbrauch begünstigen, zu vermeiden. Weitere Ziele sind die Aufdeckung von Wahrnehmungs- und Interpretationsfehlern der Teilnehmer bezüglich des Verhaltens von Kindern sowie die Stärkung der Empathiefähigkeit.[5]

Bei dem für die Therapie verwendeten Handbuch, dem "BEDIT – The Berlin Dissexuality Therapy Program", handelt es sich um eine angepasste Version des im Hellfeld verwendeten Sex Offender Treatment Programmes.

Einbezogen in das Therapieprogramm werden: • Personen, die bislang keine Straftaten (sexuelle Übergriffe, Konsum von Kinderpornografie, etc.) begangen haben, aber befürchten, diese in der Zukunft zu begehen • Personen, die bereits Straftaten begangen haben, aber den Strafverfolgungsbehörden (noch) nicht bekannt sind • Personen, die bereits Straftaten begangen haben und dafür angezeigt und/oder rechtskräftig verurteilt wurden, vorausgesetzt, dass sie ihre Strafe vollständig verbüßt haben, nicht mehr unter Aufsicht durch die Justiz stehen und somit alle rechtlichen Angelegenheiten abgeschlossen sind

Nicht einbezogen in das Therapieprogramm werden Personen, gegen die aktuell wegen möglicher Straftaten ermittelt wird, die ihre Strafe nicht vollständig verbüßt haben und/oder deren Urteil Auflagen bzw. Bewährung beinhaltet.

Die gesamte Therapie erfolgt kostenlos und unter Schweigepflicht.

Ziel der Therapie ist es, Probleme im Umgang mit der sexuellen Neigung zu bewältigen. Dazu gehört insbesondere, das eigene Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt.

Im Verlauf der Therapie erlernen die Teilnehmer daher • die angemessene Wahrnehmung und Bewertung ihrer sexuellen Wünsche und Bedürfnisse • die Identifizierung und Bewältigung gefährlicher Entwicklungen • Strategien zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen

Die Therapie findet wöchentlich in Gruppen sowie bei Bedarf auch in Einzelgesprächen und unter Einbeziehung Angehöriger statt. Die Behandlung folgt einem strukturierten Therapieplan, berücksichtigt aber die individuellen Bedürfnisse und erfolgt in Absprache mit den Teilnehmern. Sie integriert psychotherapeutische, sexualwissenschaftliche, medizinische und psychologische Ansätze sowie die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Unterstützung. [6]"

 

In der aktuellen Ausgabe (1/2015) der Zeitschrift "Kindesmisshandlung und -vernachlässigung" ist ein ausführlicher kritischer Artikel erschienen, der grundlegende Kritik am Projekt "kein Täter werden" der Sexualwissenschaft der Berliner Charite formuliert. Er hinterfragt, ob es überhaupt so etwas wie "Pädophilie gibt", weist darauf hin, dass selbst, wenn dies angenommen wird, die sogenannte "Präferenzstörung Pädophilie" keineswegs unheilbar ist und begründet warum die diagnostischen Methoden der Charite nicht tauglich sind. Autor des lesenswerten Artikels ist Herr Schlingmann, Leiter von Tauwetter in Berlin, der bekannten "Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren" (http://www.tauwetter.de/aktuelles.html)

 

Hier der ausgezeichnete Beitrag zum Download:

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18.06.2015  Hearing des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Rörig zum Thema: „Forschung zu sexueller Gewalt –Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“

Heute findet in Berlin ein beachtenswertes Hearing statt zum Thema "Forschung und Aufarbeitung" Hierzu die Presseerklärung des Unabhängigen Beauftragten:

 

Rörig: „Die enorme Dimension von sexuellem Missbrauch muss sich in den Forschungsanstrengungen widerspiegeln:Wir brauchen mehr Wissen und mehr Vernetzung der Forschungsdisziplinen mit der Praxis vor Ort, wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen!“
Berlin, 18.06.2015. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Europa rund 18 Millionen Kinder von sexueller Gewalt betroffen. Die deutsche Traumafolgekostenstudie spricht von rund 11 Milliarden Euro jährlich, die durch die Folgen von sexuellem Missbrauch und anderer belastender Kindheitserlebnisse in Deutschland entstehen. Angesichts dieser Größenordnung werden auf dem heutigen Hearing „Forschung zu sexueller Gewalt – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, und seines Beirates rund 250 Expertinnen und Experten über die Verantwortung von Wissenschaft und Forschung im Themenfeld des sexuellen Missbrauchs diskutieren und den künftigen Handlungsbedarf erörtern.
Rörig: „In der Vergangenheit wurde sexueller Missbrauch oft als gesellschaftliches Randphänomen betrachtet und stellte auch im Bereich von Wissenschaft und Forschung allenfalls ein Nischenthema dar. Heute wissen wir, dass die Dimension von sexuellem Missbrauch ein Problem mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen darstellt. Dies sollte sich auch im Engagement von Wissenschaft und Forschung abbilden. Mit dem Hearing möchten wir Expertinnen und Experten ein Forum bieten, sich über zentrale Forschungsfragen auszutauschen und gemeinsame Empfehlungen für die Zukunft zu entwickeln.“
Eröffnet wurde das Hearing durch Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. In ihrem Grußwort unterstrich sie die Bedeutung von Forschung zu sexuellem Missbrauch in Deutschland: „Schon bei der Arbeit am Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch im Jahre 2010 wurde festgestellt, dass es nur wenig wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu diesem Thema gibt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat deshalb sehr schnell die Forschungsförderung auf den Weg gebracht und dafür rund 35 Millionen Euro bereitgestellt. Ziel war und ist der Aufbau einer Wissenschafts- und Forschungslandschaft, die gesicherte Erkenntnisse zum Kindesmissbrauch, zur Prävention und zur Hilfe für Betroffene bereitstellt. Mittlerweile gehört Deutschland zu den führenden Ländern in diesem Forschungsbereich.“
Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm und Sprecher der „Konzeptgruppe Forschung“ im Beirat des Unabhängigen Beauftragten betonte in seiner heutigen Keynote: „Kinderschutz und insbesondere der Schutz vor sexuellem Missbrauch gehören zu den größten Gesundheitsherausforderungen in der Welt und in Europa. Wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen, müssen wir die Forschung zu sexuellem Missbrauch künftig noch weiter im wissenschaftlichen Mainstream verorten. Dies erfordert auch, vermehrt fächerübergreifend in transdisziplinären Forschungsinitiativen zu arbeiten. Darüber hinaus müssen wir dringend Forschungsprioritäten definieren, ein kontinuierliches Monitoring etablieren, welches die Folgen von Verbesserungen in Prävention und Intervention erfasst, sowie die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass wir über die richtigen Themen forschen und gleichzeitig die richtigen Antworten auch in der Praxis ankommen.“
Zudem soll auf dem Hearing erörtert werden, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen für Forschung in diesem Bereich eingesetzt werden und wie Forschungsförderung künftig durch weiterführende Forschungsinstrumente wie beispielsweise Graduiertenkollegs, Forschergruppen und Sonderforschungsbereiche vertieft werden kann.
Eine weitere zentrale Fragestellung des Hearings wird sein, wie Akteure der Praxis, beispielsweise Fachberatungsstellen, Kitas, Schulen, aber auch Betroffene, mit ihren jeweils spezifischen Perspektiven und Expertisen frühzeitig in Forschungsvorhaben eingebunden werden können, welchen ethischen Standards die Forschung über und mit Betroffenen genügen muss und wie Forschung mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung verknüpft werden sollte.
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Das Hearing findet heute von 10 bis 18 Uhr in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt. Im Herbst 2015 sollen die Ergebnisse in einem Forderungskatalog veröffentlicht werden. Das Forschungshearing ist das 5. Hearing des Unabhängigen Beauftragten im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Dialog Kindesmissbrauch“, die sich mit Themen befasst, die aus Sicht des Unabhängigen Beauftragten und seines Beirats in Politik und Gesellschaft weiter erörtert werden sollten.

 

Der Beauftragte stellt weitergehende Informationen auf seiner Homepage zur Verfügung: http://beauftragter-missbrauch.de/nc/presse-service/pressemitteilungen/

 

Hier die wichtigsten Hinweise zum direkten Download (Programmflyer, Eckpunkte Forderungen, Bonner Ethikerklärung, Häufigkeitsangaben zu Gewalt und Missbrauch in der Kindheit, Traumafolgekosten, WHO zur Prävention

 

 

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3_Eckpunkte_Forderungen_Hearing.pdf
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8_Häufigkeitsangaben_Fegert_et_al._Forum
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7_Bonner Ethik Erklärung_gefördert vom B
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9_Traumafolgekostenstudie.pdf
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11_Broschüre WHO_Prävention_dt. Kurzfass
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17.06.2015   Besonderer Missbrauchsfall durch Kinderarzt in Augsburg

Ähnlich wie der Missbrauch durch Priester durch die dem Priester zugesprochene "Heiligkeit" oder der durch Lehrer durch das Konzept der Nähe zum Kind (Odenwaldschule) erleichtert sein kann, ist auch Missbrauch im medizinischen Bereich durch die besondere heilende Autorität des Arztes erleichtert. Hier ein aktueller Fall aus Augsburg:

 

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_74408490/kinderarzt-soll-13-jungen-missbraucht-haben.html

 

 

10.06.2015    Matthias Katsch zum perfekten Tatort

Matthias Katsch spricht  in der Zeitschrift "Kontext" über den perfekten Tatort am Beispiel Korntal. Matthias Katsch war Schüler des Berliner Canisius-Kollegs und hat die dortigen sexuellen Übergriffe 2010 öffentlich gemacht. Er saß am Runden Tisch des Missbrauchsbeauftragten und hat den Eckigen Tisch für Betroffene gegründet. Dass nun auch die evangelische Kirche mit Korntal ihren Skandal hat, überrascht ihn nicht. Ein Interview, das verstehen lässt- ein Interview, das zeigt, wie die Sicht von Betroffenen  eine Analyse nach vorne bringt.

 

 

http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/219/der-perfekte-tatort-2931.html

 

Besonders lesenswert.

 

 

10.06.2015 Vatikan will Vertuschung von Missbrauch auch strafrechtlich ahnden

28.05.2015   Pressemeldungen über einen deutlichen Rückgang der Gewalt gegen Kinder in Deutschland in den letzten Jahren sind falsch

Rechtsmediziner können kaum einen Rückgang der Gewalt feststellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62952

 

 

 

28.05.2015  Wichtige Korrektur: Termin des nächsten Treffens Orden und Betroffene

Das nächste Gespräch des Ordens der Redemptoristen und der Gruppe der Betroffenen findet nicht wie unten fälschlich angekündigt am 16.01. 2016 statt sondern ist für den 23.01. 2016 in Köln avisiert.

 

 

27.05.2015   Ein Beispiel für die Aufarbeitung in der evangelischen Kirche: Korntal

Hier zwei Verweise auf lesenswerte Berichte, die sich mit der Aufarbeitung von Missbrauch und Gewalt im evangelischen Heim "Korntal" auseinandersetzen:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.missbrauchsfaelle-korntal-ein-stetes-werben-fuer-den-langen-weg.6a4b6144-b163-4479-b782-f02fb7401d0f.html

http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/217/neun-quadratmeter-harmonie-2912.html

 

14.04.2015 Gemeinsame Tagung Betroffenkreis und Ordensmitglieder der Redemptoristen in Köln

 

 

Am 11.4.2015 fand in Köln die Fortsetzung der Tagung zum Thema "Missbrauch- Trauma- Traumafolgen" statt. Referent war, wie schon im November, Herr Spitczok von Brisinski. Moderiert wurde das Treffen wie inzwischen schon so viele Male von Frau Haardt-Becker.

Vorweggeschickt sei, dass bedauerlicher Weise der angedachte, gleiche Teilnehmerkreis wie im November nicht zustande kam, da einige Patres aufgrund der Osterwoche anderweitig im Einsatz waren. Umso erfreulicher, dass der Kreis erstmalig durch Pater Paulus erweitert wurde.

Auch auf Seiten der Betroffenen gab es einen „Neuzugang“, der sowohl im Internat in Bous  als auch später im Internat in Bonn war. Zum ersten Mal wurde auch von Bous über Gewalt gegen Schüler (Pater S.) berichtet. Sein bewegender Bericht über den sexuellen Übergriff von Pater S.  in Bonn und die Folgen sorgten wie schon bei so vielen anderen Berichten in den letzten Jahren für tiefe Betroffenheit. D.M. ist im Übrigen  einer derer, die sich gewehrt haben. Und wie! Er ohrfeigte den Präfekten, so dass dieser hinterrücks aufs offene Bett fiel. Das "Opfer" bezahlte dafür einen hohen Preis. Der Internatsleiter verwies ihn am selben Tag von Schule und Internat wegen des tätlichen Angriffs. Den Beteuerungen des Jungen, der betroffene Pater habe sich an ihm vergriffen, wurde nicht geglaubt. Ihm wurde erst gar nicht zugehört. Stattdessen fing er sich  die schmerzenden Ohrfeigen des Leiters ein und musste die verbale Demütigung des Leiters gegenüber seinem Vater , der am nächsten Tag im Internat erscheinen musste, ertragen. Das Opfer war "der Böse" und "der Lügner" sowieso. Widerworte hatte es nicht zu geben.

Tatsächlich hat das „Sich wehren“  nicht dazu geführt, den Übergriff besser zu verarbeiten als die, die ihn hinnahmen, sondern sich viel eher und direkter gegen den Betroffenen selbst gewandt. Das Leben dieses ehemaligen Schülers ist später keineswegs mit weniger Problemen  als das der meisten anderen Opfer verlaufen: beschädigt bis ins Mark.

 

Bei aller Traurigkeit, den Kreis der Betroffenen erweitern zu müssen, haben wir uns gefreut, dass Herr M. den Weg nach Köln und in die Gruppe gefunden hat.

 

Zum ersten Mal mit dabei war auch der zum Ende des vergangenen Jahres  berufene Missbrauchsbeauftragte Herr Günter Niehüser, der zusammen mit Sr. Martina Kohler in Zukunft als Ansprechpartner zur Verfügung stehen wird.

Herr Niehüser überzeugte bei seiner Vorstellung und später auch in der Diskussion durch seine breit gefächerten Erfahrungen und sein Wissen im Bereich „Sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche.“

 

Nach dieser intensiven Vorstellungsrunde folgte die Fortsetzung der Traumatagung, in der es diesmal schwerpunktmäßig darum ging, welche institutionellen Strukturen Missbrauchsgeschehen in Internaten eines Ordens ermöglicht haben und wie Täter hier agiert haben, um ihre Ziele zu verfolgen. Wie schon im November verstand Herr Spitczok von Brisinski durch eingehende Skizzen an der Flipchart seine Erläuterungen zu verdeutlichen. Herr Spitzcok stellt entsprechende Skizzen auf seiner Homepage zur Verfügung (wir weisen dann darauf hin)

 

In der anschließenden  Diskussion waren insbesondere die Schilderungen von Pater ten Winkel interessant, der den Täter Pater S. in jungen Jahren als Mitbruder und Arbeitskollege im Internat erlebte, ohne etwas von seinen pädophilen Neigungen zu ahnen. Pater ten Winkel konnte enorm viel dazu beitragen, Täterstrategien zu beschreiben:  Pater S. machte sich unentbehrlich und erhielt für seine pädagogische „Durchschlagskraft“ die Bewunderung der anderen Präfekten und auch der Lehrer. Die dabei angewendete körperliche Gewalt gegen Schüler führte in Teilen zwar zu innerer Distanzierung aber auch zu Neid auf den sichtbaren Erfolg. Offensichtlich war, dass die körperliche Gewalt von der Internatsleitung gebilligt und sogar gewünscht wurde und Pater S.  das besondere Wohlwollen des Leiters genoss.

 

Erfreulicher Weise konnten am Rande des Treffens die Erinnerungen eines anderen Betroffenen durch weitere Zeitzeugen untermauert werden. So fügt sich in diesem Fall über einen langen Zeitraum Stück für Stück der Tatumstände zusammen und trägt hoffentlich positiv zum Verarbeitungsprozess bei.

 

In der Abschlussrunde bekundeten alle Teilnehmer den Eindruck, dass das Treffen in einer erstaunlich entspannten und offenen Atmosphäre stattgefunden hat. Betont wurde von Seiten der Betroffenen, wie wichtig ihnen inzwischen diese Zusammenkünfte in Köln sind und dass eine Fortsetzung sehr gewünscht ist. Dies auch im Hinblick darauf, weiteren Betroffenen, die sich bislang nicht gemeldet haben, die Möglichkeit offen zu halten, zu diesem Kreis dazu zu stoßen.

 

In diesem Zusammenhang sei zum Schluss der Missbrauchsbeauftragte des Ordens zitiert, der davor warnte, sich der Illusion hinzugeben, dass in kirchlichen Institutionen der Missbrauch gestern war und heute kein Missbrauch mehr stattfinden würde.

 

Wir bedanken uns bei allen, die mit ihrem Engagement und ihrer Offenheit zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben und würden es sehr begrüßen, wenn der Orden an dem angeschobenen Prozess der internen Reflektion weiter arbeiten würde.

 

Das nächste Gespräch wird voraussichtlich am 23.1.2016 in Köln stattfinden.

 

 

27.03. 2015   Aufarbeitungsbericht zum institutionellen Missbrauch im Benediktinerstift Kremsmünster nach zweijähriger Forschungsarbeit veröffentlicht

 

Dem Studienbericht zufolge kam es im Benediktinerstift Kremsmünster seit 1950 bis zum Bekanntwerden der Taten im Jahr 2010 zu 350 Fällen sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt.

Zwei Jahre lang untersuchte das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) unter der Leitung des Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Heiner Keupp die Missbrauchsfälle des österreichischen Klosterinternats.
Für die Planung und Durchführung der Studie wurden von Anfang an Betroffene miteinbezogen. Den Kern der Untersuchung bildeten ausführliche Interviews mit ehemaligen Schülern, Angehörigen, Patres und weltlichen Angestellten. Schriftliche Materialien wie Gerichtsakten, Briefe oder Protokollnotizen ergänzten die Auswertung.

Unter folgendem Link steht der Forschungsbericht zum Download auf der Website des IPP zur Verfügung: http://www.ipp-muenchen.de/

 

(Textübernahme aus: http://beauftragter-missbrauch.de/presse-service/meldungen/detail/news/aufarbeitungsbericht-zu-institutionellen-missbrauch-im-benediktinerstift-kremsmuenster-in-oesterreic/)

 

 

23.03.2015   Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten Rörig hat sich konstitutiert- Herzlichen Glückwunsch und auf gute Zusammenarbeit!

Konstituierung Betroffenenrat


Der Betroffenenrat, bestehend aus 15 Mitgliedern, wird in den kommenden Jahren die Arbeit des Missbrauchsbeauftragten begleiten. Die Mitglieder wurden durch ein Auswahlgremium – bestehend aus dem Missbrauchsbeauftragten und vier vom Deutschen Bundestag vorgeschlagenen Expertinnen – aus rund 200 Bewerbungen ausgewählt.
Berlin, 23.03.2015. Mit der heutigen ersten Zusammenkunft des Betroffenenrats wird die im Koalitionsvertrag der Großen Koalition vorgesehene Beteiligung von Betroffenen auf Bundesebene verwirklicht. Dies war stets eine zentrale Forderung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig.
Rörig: „Das heutige Datum ist ein wichtiger Meilenstein für die Anerkennung Betroffener sexueller Gewalt in der Kindheit. Exakt fünf Jahre nach Einrichtung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ haben Betroffene endlich ein Gremium, durch das sie auf Bundesebene kontinuierlich im Themenfeld des sexuellen Missbrauchs mitwirken können. Ich danke allen Bewerberinnen und Bewerbern für ihren Mut und ihren Gestaltungswillen. Die 15 berufenen Mitglieder des Betroffenenrats bündeln zusammen vielfältige Erfahrungen und Expertisen. Sie sind hochmotiviert, sich für die Belange von Betroffenen auf Bundesebene zu engagieren. Ihr enormer Wissensschatz ist für meine Arbeit unverzichtbar. Ich freue mich sehr auf die künftige Zusammenarbeit.“
Pressemitteilung

Dem Betroffenenrat gehören 10 Frauen und 5 Männer an. Die Mitglieder kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, ihr Alter reicht von Mitte 20 bis Anfang 60 Jahre. Bei der Auswahl wurden die verschiedenen Kontexte des sexuellen Kindesmissbrauchs wie beispielsweise Missbrauch in der Familie/im sozialem Umfeld, in der Institution – konfessionell/nicht konfessionell sowie durch Fremdtäter/innen oder im Rahmen von ritueller/organisierter Gewalt berücksichtigt.
Der Betroffenenrat wird sich mehrmals im Jahr treffen, als nächstes im Frühjahr 2015 zu einer ersten Klausurtagung in Berlin.
Dem Auswahlgremium gehörten neben dem Missbrauchsbeauftragten vier aus dem Deutschen Bundestag fraktionsübergreifend vorgeschlagene Mitglieder an: Prof. Dr. Sabine Andresen, Goethe-Universität Frankfurt/Main, Dr. Heide-Rose Brückner, Kinderfreundliche Kommunen e. V., Marlene Rupprecht, Mitglied des Deutschen Bundestages 1996–2013, und Julia von Weiler, Innocence in Danger e. V.

 

Leider ist von uns trotz Bewerbung von Sylvia Witte und Dieter Beckmann niemand berufen worden. Wir hoffen, dass wir gut vertreten sind.

 


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20.03.2015  Staatliche Schulbehörde beginnt sich ihrer Verantwortung zu stellen- Missbrauch an Darmstädter Schule

Alles, was die Schulbehörde im Fall des Darmstädter Lehrers Buß bisher unternommen oder eben nicht unternommen hat, schien eher auf Komplizenschaft denn auf Aufarbeitung hinaus zu laufen. Als dann auch noch die Personalakte für unauffindbar erklärt wurde, wähnte man sich in die Zeit vom Beginn der Bundesrepublik zurück versetzt, als es darum ging, massenhaft jedwedes Belastungsmaterial über die Tätigkeiten von Beamten im Dritten Reich verschwinden zu lassen. Jetzt hat es 10 Jahre nach der Verurteilung und 7 Jahre nach dem Tod des Täters ein gemeinsames Gespräch von Betroffenen und staatlicher Schulbehörde gegeben, auf dem gemeinsamer Aufarbeitungswille demonstriert und in ersten Schritten umgesetzt wurde.

 

 

http://taz.de/Aufklaerung-sexuellen-Missbrauchs/!156676/

 

 

Zusätzlich gibt es eine Homepage der Betroffenen, die deshalb so einmalig ist, weil zum ersten Mal privates Material eines Täters (Tagebuch, Brief) veröffentlicht wird. Für die Aufarbeitung eine wahre Fundgrube von Einsichtsmöglichkeiten.

 

 

http://missbrauchte-jungs.de/

 

 

 

 

 

15.03.2015  Link zum Feature der TAZ "Verlorene Jungs" (siehe 14.03.2015)

Artikel musste wegen einer evtl. Verletzung von Persönlichkeitsrechten entfernt werden

 

 

14.03.2015 TAZ- Artikel von heute zum Missbrauch an einer hessischen Schule. Missbrauchstäter schreibt Tagebuch. Ein unglaublicher Text!

Der Text selbst ist heute noch nicht im Internet bzw. auf TAZ. de zu finden. Journalistisch vielleicht der beste Text zum Thema.

 

Hier ein Hinweis auf die Hintergründe des Textes: http://www.taz.de/Aufklaerung-paedophiler-Taten/!156363/

10.03.2015  Film "Verfehlung" startet am 26. März in den Kinos. Sehenswert, weil Filmemacher selbst Priesteramtskandidat gewesen ist. Film hat schon seinen ersten Preis gewonnen.

09.03.2015   Hinweis auf Feature "Das Schweigen der Männer"- ein Feature zum Missbrauch in der Kath. Kirche im 1. Fernsehprogramm am 16. März (Montag) um 23.30 Uhr

 

Die Autoren des Films sind bekannt für ihre ausgezeichneten und ausgewogenen Features. Unbedingt sehens- oder aufnehmenswert!

 

"Die Autoren Birgit Wärnke und Sebastian Bellwinkel haben hinter die Mauern der katholischen Kirche geschaut. Sie fragen nach, wie frei die Wissenschaftler wirklich forschen können, ob die neuen kircheninternen Leitlinien zum Umgang mit den Tätern konsequent umgesetzt werden und welche Rolle die Ordensgemeinschaften spielen, in deren Zuständigkeit viele Schulen und Internate liegen. Der Film fragt auch nach den Verantwortlichen und lässt namhafte Katholiken zu Wort kommen, die die Verbindung von Priesteramt und Zölibat hinterfragen. Sexualpsychologen weisen darauf hin, dass der Zölibat Männer mit gestörter Sexualität anziehe und selbst bei psychisch gesunden Priestern zu einer "seelischen Unterernährung" führen könne.

 

Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle kommen Bischöfe, Ordensleute und Opfer zu Wort. Kritiker beobachten, dass es der katholischen Kirche zuweilen mehr um das Wohl der Täter aus den eigenen Reihen als um das Schicksal der Opfer geht. Manche befürchten, die groß angekündigte wissenschaftliche Aufarbeitung sei nicht viel mehr als eine PR-Aktion der Bischöfe." (Aus der Vorankündigung)

 

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/ndr/Missbrauch-Kirche-das-Schweigen-der-Maenner-100.html

08.03.2015 Transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrung

Zur transgenerationalen Weitergabe traumatischer Erfahrung hat das Deutsche Ärzteblatt einen aufschlussreichen Artikel veröffentlicht. Hier der Link:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50781/Kindesmissbrauch-Den-Teufelskreis-transgenerationaler-Traumatisierung-durchbrechen

 

Zum Schweigen der Männer siehe auch den Filmhinweis

06.03.2015  Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs kündigt neues Präventionsmaterial und veränderte Homepage an

 

 

Missbrauchsbeauftragter bietet Schulen, Sportvereinen und Praxen  neues Informationsmaterial für die Prävention von sexueller Gewalt

Neu gestaltete Homepage des Beauftragten erweitert das Informationsangebot insbesondere zu Prävention, Hilfen und rechtlichen Fragen.

 

Angefügt finden Sie die Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, zu seinem neuen Informationsangebot.

 

 

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PM_Neue Präventionsmaterialien_Relaunch
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05.03.2015    Allseitige Empörung über Edathys abgebrühte Zockerei mit der Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit

 

 

 

 

http://www.fr-online.de/politik/sebastian-edathy--gestaendnis--empoert-politiker-und-promis,1472596,30039776.html

 

Der Obmann der Unionsfraktion im Edathy-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Armin Schuster, forderte die Staatsanwaltschaft auf, der Einstellung des Verfahrens nicht zuzustimmen, solange Edathy die Summe noch nicht überwiesen habe. Denn die Entscheidung basiere auf falschen Voraussetzungen, da weder ein Geständnis vorliege noch Reue zu erkennen sei. Die Menschen empöre das zu Recht. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, hatte bereits am Dienstag erklärt, sie könne die Weigerung des Kinderschutzbunds, die 5000 Euro nicht anzunehmen, gut nachvollziehen. Der Obmann der Linksfraktion, Frank Tempel, äußerte sich ebenso kritisch.

 

Auch die Betroffenen des Redemptoristenordens bzw. des Collegium Josephinums kennen dieses Ausreizen und an die Grenze gehen und Zocken ihrer Täter sehr gut. Fast meint man, sie legten es darauf an, dass ihre Taten entdeckt würden. Tatsächlich scheint die egozentrierte Bedürftigkeit dieser Täter so hoch, dass es ihnen ein unverzichtbarer Kick wird,  unter Beweis zu stellen, dass ihnen aber auch niemand etwas kann. Das Spiel, das Edathy treibt, macht ihn nur noch verdächtiger. Es ist schon unglaublich, vor dem zweiten Prozesstag auf dem Weg zum Gericht triumphierend zu tönen, der Wahrheit eine Gasse, kurz danach ein mit der Staatsanwaltschaft bereits abgesprochenes Geständnis abzulegen (die Ermittlungesergebniss entsprechen der Wahrheit) und dann zu behaupten, man habe kein Geständnis abgelegt. Dieses typisch triumphierende egomanische Auftreten der Täter hat es auch uns als Opfer zusätzlich zu Scham und den anderen Faktoren so erschwert, sich zu wehren und zu reden. Fremd ist uns Betroffenen der Ablauf des Edathy- Theaters nicht, gleichwohl sind auch wir empört und empfinden Verachtung für das schlechte Schauspiel.

02.03.2015    Erschütterung in der Leitung des Benediktinerordens (Kloster Ettal) groß- aber wenig überzeugend

 

 

http://www.merkur-online.de/bayern/nach-missbrauchsgestaendnis-falschen-geglaubt-4773831.html

 

Der konservative Merkur berichtet heute über das Geständnis von Pater Georg zum Missbrauch an seinen Schülern, weitaus ausführlicher berichtet er aber über Erschütterung und Bestürzung in der Leitung des Ordens. Die Opfer sind schon im Nachrang. Angesichts der detaillierten Vorwürfe der Opfer und der Geschichte des Missbrauchs in Ettal wirken Erschütterung und Bestürzung der Ordensleitung allerdings wenig überzeugend in ihrer Larmoyanz bezüglich der Opfer. Die "Bestürzung" und das Jammern über sich selbst mag dabegen durchaus echt und nicht gespielt sein. Nur weiß man nicht wirklich, ob es aus Erschütterung daraus resultiert, was die Opfer erlitten haben oder daraus, dass einmal mehr das "Mauern" nicht mehr geholfen hat. Der dem Kloster Ettal in vielerlei nahestehende Merkur verrät darüber vielleicht doch mehr als man erst denkt: der Artikel beschäftigt sich nur in zweiter Linie mit den Opfern, in erster Linie und ausführlicher mit dem Kloster und dem Orden. Dass der Angriff auf die Glaubwürdigkeit der Opfer in sein Gegenteil umschlug, weil der Täter selbst diesmal nicht "stark" und abgezockt genug war, kann schon im Mark erschüttern- wie wir verstehen. Möglicherweise war der Panzer des Täters dünner als der des Ordens. Zu dünn eben, um das Lügengebäude angesichts der anwesenden Zeugen zu verteidigen bzw. die Opfer direkt und öffentlich zu konfrontieren und der Unglaubwürdigkeit zu bezichtigen, um im nächsten Schritt möglicherweise Zeugen und Opfer wegen Verleumdung zu belangen- gegen Schmerzensgeldzahlung versteht sich.

 

Das Zocken bis über die Grenze gehört bekanntlich immer zum Handwerkskasten des Missbrauchs- Täters. Hier in Ettal 2015 haben die Vorgesetzten gleich mitgezockt. War diese Zockersolidarität in den 50 bis in die 90er Jahre noch  mehr oder weniger üblich und für Betroffene aus jener Zeit nicht unerwartet, so verwundert sie heute nach 5 Jahre währenden Aufarbeitungsversuchen unterschiedlicher Güte doch sehr. Dass auch 2015 Verantwortliche zum gleichen Handwerkszeug wie der Täter, zur Diffamierung der Opfer, greifen und  Täter darauf bauen können, dass sie Unterstützung in der Leitung finden, ist schon aller "Erschütterung" wert und zeigt, wie sehr solche und ähnliche Institutionen noch am Beginn des Begreifens stehen. Leitung hat sich hier zum Mittäter gemacht, weil ihr in ihrer Zockersolidarität das Schicksal der Opfer gleichermaßen gleichgültig ist wie dem Täter. Fast möchte man fragen, welche Schuld schwerer wiegt, die erste des Täters oder die zweite seiner Mittäter, die versuchen, die Opfer noch um das Letzte zu bringen, das ihnen gehört: ihre eigene Geschichte.

 

Wenig Empathie der Verantwortlichen in die Opfer hätte hier im konkreten Fall schon gereicht, um an der Glaubwürdigkeit der Zeugen nicht zu zweifeln. Selbstmitleid im Stile "Wir haben doch alles getan. Was hätten wir denn noch tun können?" ist das Schlechteste, was dem Abt dazu einfallen kann.

27.02.2015  Der Ettaler Prozess: Erschütterung der Glaubwürdigkeit, Geständnis des Täters und soziale Zockerei - differenzierter Bericht in der Süddeutschen

 

 

http://www.sueddeutsche.de/bayern/kloster-ettal-pater-gesteht-missbrauch-1.2369779

 

Vermutlich ist der Hintergrund für das überraschende Geständnis die Tatsache, dass weitere Zeugen aufgetaucht sind, möglicherweise auch Dokumente.

 

Dr. Deckers als Anwalt (siehe unsere gestrige Meldung) ist Profi durch und durch. Er wird seinen Mandanten davon überzeugt haben, dass damit die ursprüngliche Strategie der Einschüchterung und Leumundsschädigung der Opfer hinfällig geworden ist. Darum wohl auch das berühmte Hinterzimmergespräch mit dem entsprechenden „Deal“.  

 

Am Täter zeigt sich wie so oft: eines der Kernmerkmale der Pädokriminellen ist ihr Hang zur sozialen Zockerei. Sie missbrauchen schließlich ihr kindliches Opfer beim Besuch bei ihm zu Hause oder in der Kirche unter der Gefahr der Entdeckung, sie laden Kinderpornos herunter auf dem Server des Bundestages und und. Sie lügen und tun das ohne rot zu werden, sie tun es öffentlich und unter Anschuldigungen der Opfer. Sie müssen sich und andere versuchen. Solche Leute merken erst, dass Schluss ist, wenn man ihnen die Wand zum Dagegenrennen direkt vor den Kopf hält.

 

http://www.kath.net/news/49635

 

Noch im Januar sah alles ganz anders aus:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kloster-ettal-pater-bestreitet-vor-gericht-sexuellen-missbrauch-a-1014430.html

 

27.02.2015    Öffentliches Hearing des Unabhängigen Beauftragten am 18. Juni in Berlin.

Gemeinsam mit seinem Beirat lädt der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig,

am 18. Juni 2015 im Zeitraum von 10.00 – 18.00 Uhr zu einem öffentlichen Hearing zum Thema Forschung nach Berlin ein.

 

Die Veranstaltung der Reihe „Dialog Kindesmissbrauch – Forderungen und Perspektiven“ wird sich mit den Fragen beschäftigen, wie Forschung im Themenbereich des sexuellen Missbrauchs stärker im wissenschaftlichen Mainstream verankert werden kann und wie wissenschaftliche Ergebnisse der Forschung besser in die Praxis übertragen werden können. Veranstaltungsort ist die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin. 

 

Unser Kommentar: Eine Teilnahme an Veranstaltungen des Unabhängigen Beauftragten ist immer ein Gewinn

26.02.2015    Gemeinsame Fachtagung des Vereins "Missbrauchsopfer Josephinum und Redemptoristen"mit dem Orden der Redemptoristen krankheitsbedingt verschoben

Die für den 28.02.2015 geplante Fachtagung zum Thema "Folgen von Traumatisierung durch Missbrauch" ist kurzfristig auf den 11. oder 18.04. verschoben worden. Angesichts vieler fehlender Mitglieder und vor allem des Referenten blieb keine andere Wahl.

26.02.2015   Missbrauchsprozess in Ettal nimmt überraschende Wende

Die Täterseite (Orden der Benediktiner) hatte mit dem prominenten Rechtsanwalt Dr. Deckers ("Erfinder" der Nullhypothese, so vom Bundesgerichtshof in die allgemeine Rechtssprechung höchstrichterlich übernommen) schwerstes Geschütz aufgefahren, um die Glaubhaftigkeit einzelner Zeugenaussagen zu erschüttern. In der Presseöffentlichkeit wurde der Zweifel an der richtigen Darstellung einzelner Gegebenheiten schon als "Erschütterung der Glaubwürdigkeit" des Zeugen dargestellt. Jetzt nimmt der Prozess eine plötzliche Wendung durch das überraschende Geständnis des Täters, das die Tat in ein schärferes Licht setzt, als es der Zeuge erinnert. Eine bemerkenswerte Entwicklung. Ein Urteil wird im April erwartet.

 

 

 

http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/missbrauch-ettal-moench-prozess-102.html

24.04.2015 Das Bistum Regensburg anerkennt das erlittene Leid ehemaliger Domspatzen mit einer Zahlung von je 2500,00€

Das Bistum Regensburg zahlt jedem der Gewaltopfer in Anerkennung des erlittenen Unrechts 2500,00€:

 

 

 

http://www.regensburg-digital.de/das-bistum-zahlt-schmerzensgeld-fuer-koerperverletzungen/25022015/

08.02.2015  Rosa von Praunheim dreht bewegenden Film zum Tabuthema "Missbrauch durch die Mutter" (Triggergefahr)

Rosa von Praunheim hat einen schonungslosen Film zum Tabuthema weiblichen bzw. mütterlichen Missbrauchs gedreht. Der Film heißt "Härte". Praunheim setzt sich im Film an Hand der Biografie von Andreas Marquardt mit dem Thema, aber auch mit dem selbst durch seine eigene Mutter erlittenen Missbrauch auseinander. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass sowohl der Film als auch Berichte zum Film eine hohe Trigger- Gefahr bedeuten.

 

 

http://www.berliner-zeitung.de/film/rosa-von-praunheims-neuer-film--haerte--dein-schwanz-gehoert-mir-,10809184,29759986.html

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/film-rosa-von-praunheim-bricht-tabu_id_4458598.html

 

2011 berichtete der Spiegel schon einmal über missbrauchende Frauen/Mütter. Auch Andreas Marquardt kam in dem Artikel zu Wort. Analog seiner Biografie wurde jetzt ein Film gedreht, von dem zu hoffen ist, dass er für die notwendigen Diskussionen sorgt. Hoffentlich wird das Thema in der öffentlichen Diskussion nicht so reduziert, dass es nur noch heißt: „aus einem von der Mutter missbrauchten Jungen wird ein Schläger und Zuhälter“. Das wäre fatal. Es gibt viele Hinweise darauf, dass gerade missbrauchende Priester zumindest ein hochproblematisches Nähe- Verhältnis zur eigenen Mutter hatten bzw. möglicherweise in ihrer Kindheit sogar missbraucht worden sind. Auch einer der Täter aus dem Orden der Redemptoristen weist ein entsprechendes Profil auf.

 

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sexueller-missbrauch-durch-frauen-verkehrte-lust-a-788332.html

 

 

 

07.02.2015   Opferbefragung der Uni Heidelberg zum Thema Missbrauch und Strafanzeige

Hier der Link:

 

http://www.opferbefragung.de/

07.02.2015     Aktuelle Urteile zu sexuellem Missbrauch durch Priester

Wir möchten auf zwei aktuelle Urteile hinweisen. Das erste Urteil:

 

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/viersen/willicher-priester-zu-sechs-jahr

 

 

Zu diesem Urteil:

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KG Marc Pfarrer Urteil, Welle Niederrhei
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DPA Nachrichtendienst vom 6.2.2015.doc
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Express online vom 6.2.2015.doc
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KNA vom 6.2.2015.doc
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06.02.2015  Papst stellt sich klar gegen jede Vertuschung von Missbrauch

 

Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, sexuellen Kindesmissbrauch durch katholische Priester nicht zu vertuschen. Ein entsprechendes Schreiben aus Luxemburg ist bekannt geworden.

 

http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/20210137

 

 

06.02.2015  Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, nimmt Stellung zur Aufarbeitung des sog. Missbrauchsskandals

 

http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=47580&key=standard_podcasting_hr_info_thema&mediakey=podcast/hr_info_thema/hr_info_thema_20150128_58227290&type=a

 

 

Es geht in dem Interview, das mit Matthias Katsch anlässlich des Jubiläums des „Canisius-Day“ geführt wurde, unter Anderem um den folgenden Satz von Robert Zollitsch, der damals als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz drei Wochen nach Bekanntwerden der Serienkriminalität an der Canisiusschule verlautbarte: „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist immer ein abscheuliches Verbrechen. Und ich entschuldige mich im Namen der Katholischen Kirche Deutschlands bei Allen, die Opfer eines solchen Verbrechens wurden“.

 

So gut dieser Satz auch erstmal klingt, wirft er doch Fragen auf:

 

  • Wieso muss ein Erzbischof der Katholischen Kirche Deutschlands in seiner ersten Erklärung nach Ausbruch eines Medientsunamis, der die Kirche in eine ihrer schwersten Krisen ihrer jüngeren Geschichte stürzt, extra betonen, dass sexueller Missbrauch immer ein Verbrechen ist? Gibt es sexuellen Missbrauch, der kein Verbrechen ist? Ist Klerikern sexuelle Übergriffigkeit etwa so vertraut gewesen, dass ihnen jedes Unrechtsbewusstsein dafür abhanden gekommen war und das "Immer" erst jetzt eine neue Leitlinie darstellt?
  • Warum wählt er an Stelle der korrekten Formulierung „Ich bitte im Namen der Katholischen Kirche Deutschlands Alle, die Opfer eines solchen Verbrechens wurden, um Entschuldigung“ den Satz: „Und ich entschuldige mich…?

 

Der Prozess der Entschuldigung folgt im sozialen Miteinander bestimmten Regeln. Bei Banalitäten reicht ein genuscheltes „Tschuldigung“. Vielleicht. Aber bei einem Verbrechen gegen das Menschsein? Da kann allenfalls um Entschuldigung gebeten werden. Aber auch dazu war es zu früh, insofern die ungeschriebenen sozialen Regeln für Entschuldung von Straftaten überhaupt nicht eingehalten waren, ja teilweise bis heute nicht eingehalten sind.

 

Seine Opfer um Verzeihung zu bitten, heißt im sozialen Reglement des Täter- Opferausgleichs (auch rein juristisch verstanden): 

 

  1. Aufklärung des Sachverhaltes
  2. Anerkenntnis der ermittelten Schuld
  3. Täter/Verantwortliche unterbreiten ein Angebot zur Güte
  4. Opfer/Opfervertreter und Täter/Verantwortliche verhandeln über das Angebot
  5. Wenn man sich einig wird: Entschuldung evtl. sogar Verzeihen seitens des Opfers

 

Der Verantwortliche hier, Bischof Zollitsch, setzte gekonnt und manipulativ darauf, dass die Opfer des sozialen Friedens willens sind zu vergeben, ohne dass vorab die Schritte 1 – 4 gegangen worden sind. Mit der fatalen, aber möglicherweise beabsichtigten Folge: Wenn die Opfer die Entschuldigung nicht annehmen, liegt der Schwarze Peter wieder bei ihnen. (Hier mehr zum Entschuldungsverfahren: http://www.aufrecht.net/utu/verzeihen.html) Die Öffentlichkeit reagierte zumindest in Teilen prompt: "Was wollt ihr Opfer denn noch und schon wieder? Denen geht es nur ums Geld!"

 

Dass dies mindestens unbewusst im Kalkül der Katholischen Kirche lag, ist mehr als naheliegend, haben doch Zollitsch und sein Pressebüro damals sich drei lange Wochen Zeit genommen, um an ihrer ersten Stellungnahme zu feilen. Herausgekommen ist ein entlarvender Satz. Er erntlarvt den Unwillen zur Aufarbeitung und zum Schuldanerkenntnis, er entlarvt erschreckenden Mangel an sozial angemessenen Umgangsformen oder mindestens Unerfahrenheit damit im Alltag. Das dahinter stehende Denkgebäude beleuchtet den Hintergrund, warum Vieles danach schrecklich schief gegangen ist und auch heute noch das Meiste in den Kinderschuhen steckt:

  • Aufarbeitung hier und da, mehr oder weniger- aber nicht grundlegend und bei geöffneten Archiven und in Beteiligung der Betroffenen.
  • Geldzahlungen als Anerkennung des zugefügten Leids ohne individuell zugemessene Entschädigung und ohne Beteiligung der Betroffenen.
  • Gespräche und Verhandlungen mit den Betroffenen hier und da, hier mehr, da weniger, aber nicht grundsätzlich
  • und und...

 

 

Hat sich überhaupt etwas verändert?

Wir hoffen mit Matthias Katsch Ja sagen zu können. Wir stimmen zu: Es hat Veränderungen gegeben. Es ist zu wenig. Aber es ist mehr als Nichts.

 

 

04.02.2015  Wie kann Aufarbeitung gelingen? Braucht Aufarbeitung Ahndung? Braucht sie Wiedergutmachung und wie kann sie aussehen? Fragen, mit denen sich die Betroffenen am Aloisiuskolleg in Bonn noch immer herumschlagen müssen trotz vieler öffentlicher Bekundungen von Schuld und trotz Bitten um Verzeihung.

Im Generalanzeiger von heute dazu ein Interview mit dem Provinzial der Jesuiten, Pater Stefan Kiechle:

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/orden-vertraut-pater-schneider-article1553485.html

 

Ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie (noch) unter:

 

http://www.anselmneft.de/2012/12/12/warum-jesuitenprovinzial-stefan-kiechle-dem-ehemaligen-ako-rektor-pater-schneider-nicht-sein-vertrauen-aussprechen-sollte/

 

 

 

03.02.2015    Opfer des Aloisiuskollegs klagen über Blockade

03.02.2015    Kardinal Woelki beurlaubt einen Pfarrer. Die Wogen schlagen hoch.

30.01.2015   Es ist soweit: Bundestag beschließt Kommission zur gesellschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

 

Am 30. Januar 2015 debattierten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages über die Einrichtung einer Unabhängigen Kommission zur systematischen und umfassenden Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Deutschland- endlich.

Hier Text und Bild:

 

 

http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/18/18083.pdf#page=63

 

https://www.youtube.com/watch?v=urBb7vBlTQQ&feature=youtu.be

 

 

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Johannes-Wilhelm Rörig verfolgte die bewegende Debatte von der Besuchertribüne des Bundestages.

 

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Zusammen mit rund 20 Betroffenen hörte er engagierte und eindrückliche Reden von Vertretern aller Parteien, die sich parteiübergreifend für die Einrichtung einer Unabhängigen Kommission zur systematischen und umfassenden Aufarbeitung aussprachen und die Bundesregierung aufforderten, diese Kommission entsprechend auszustatten.

 

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Alle Redner würdigten das Engagement von Betroffenen und die Arbeit von Herrn Rörig. Der Antrag der Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD wurde zur weiteren Beratung in die Ausschüsse überwiesen.

Hier die Pressemitteilung des Missbrauchsbeauftragten mit dem Titel: „Grünes Licht des Bundestages ist wegweisend für die Aufarbeitung von Missbrauch!“

Weitere Informationen auf der Internetseite des UBSKM

 

Beeindruckend die Redebeiträge einzelner Abgeordneter. Hervorgehoben sei der Beitrag der Abgeordneten Christina Schwarzer von der CDU/CSU:

 

 

 

„Aber nicht nur mit dem Tragen des weißen Kreuzes leisten wir unseren Beitrag dazu, dass die so wichtige Debatte zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im institutionellen und privaten Bereich nicht verstummt. Es darf nicht nur eine Bundestagsdebatte, sondern muss auch eine gesellschaftliche Debatte sein und bleiben. Das sind wir den Opfern schuldig, die vor fünf Jahren einen unbeschreiblichen Mut aufgebracht haben und mit ihren Qualen an die Öffentlichkeit gegangen sind. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, welche Kraft es braucht, diesen Schritt zu gehen, welche Belastungen an den Menschen zerren. Allein schon die Angst vor Unverständnis, Bagatellisierung, Ignoranz oder Leugnung hält viele Opfer davon ab, zu sprechen. Da Angst kein gutes Gefühl ist, schweigen viele. Das Wort „Danke“ ist heute schon oft gefallen. Ich glaube, man kann es nicht oft genug sagen: Danke für den Mut, den Sie bewiesen haben!“

 

Dieser Redeauszug beschreibt auch, wer hauptsächlich dafür gesorgt hat, dass es endlich soweit ist. Es waren eben nicht im Wesentlichen die FunktionärInnen, PolitikerInnen und ExpertenInnen in den Institutionen, die für Kinderschutz zuständig sind, sondern von Anfang an vor allem mutige Opfer und Mitbetroffene. Auch wir selbst dürfen stolz auf uns sein.

 

 

 

 

 

 

26.01.2015 Fünf Jahre ist es her, dass über institutionellen Missbrauch auch in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Dank an die Opfer, die das Schweigen gebrochen haben.

 

Ende Januar 2010 löste ein Zeitungsbericht über Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg eine Lawine von weiteren Betroffenenberichten in anderen Institutionen aus. Unter anderem meldeten sich auch die ersten Opfer aus dem Umfeld des Ordens der Redemptoristen.

 

Heute zogen der Unabhängige Beauftragte, die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Andresen, der ehemalige Schulleiter vom Canisius-Kolleg P. Mertes SJ sowie Betroffene in Berlin eine kritische Bilanz.

 

Hier erfahren Sie mehr: www.beauftragter-missbrauch.de

 

Sie können aber auch die entsprechende Stellungnahme des Beauftragten als PDF herunterladen:

 

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Missbrauchsbeauftragter_Der Skandal daue
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Dass die Presseberichte zu diesem "Jubiläum" kaum noch zählbar sind,scheint mittlerweile selbstverständlich. Das ist ein Fortschritt für die Sache des Kinderschutzes. Der Inhalt der meisten Presseberichte stößt allerdings bei uns als den Betroffenen auf zorniges Unverständnis, wenn wir es milde ausdrücken: Herr Pater Klaus Mertes hat den Skandal entgegen allen Behauptungen nicht losgetreten, losgetreten haben ihn die Opfer, die ihr Schweigen gebrochen haben. Sie und nicht Pater Mertes gehören auf die Pressebilder und ihnen gehört der Dank der Gesellschaft. Pater Mertes war einer der Ersten, die zugehört haben. Dass das "Zuhören", wenn man über ein schweres Verbrechen informiert wird, bis dahin nicht zum kirchlichen und gesellschaftlichen Umgang mit sexuellem Missbrauch gehörte, ist der Skandal hinter dem Skandal und es ist die zweite Schuld der Verantwortlichen in den verschiedenen Institutionen. Diese zweite Schuld wiegt schwer wie die erste. Manche meinen, sie wiege schwerer, insofern es menschlich verständlich erscheint, dass Täter ihre Taten nicht selbst zur Anzeige bringen. Dass Menschen dabei zugeschaut haben, wie Täter anderen Menschen Gewalt angetan und nichts dagegen unternommen haben, dass sie gar die Täter deckten- machte für die Betroffenen ihr Leben erst richtig zur Hölle.  Dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Rehabiliation der Betroffenen (Hilfessysteme) immer noch in den Anfängen stecken und dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Ahndung dieser Verbrechen (Verjährungsfristen) ebenfalls ungenügend sind, ist die dritte Schuld derer, die nicht begreifen wollen, dass Kinder Schutz brauchen, wenn sie Zukunft gewinnen wollen. Wir bedanken uns also bei Pater Klaus Mertes für das Zuhören, auch wenn es in unserer Gesellschaft zumindest ungewöhnlich ist, sich für Selbstverständlichkeiten  zu bedanken. Es erscheint in diesem Fall gewiss angebracht.

 

 

 

Der heutige Tag ist für uns Anlass, dem Orden der Redemptoristen gegenüber unseren Respekt zu äußern für die Art und Weise, wie er ab 2010 uns zugehört hat und dass er das auch heute noch tut. Er hat die Zuhörerschaft im letzten Jahr gar über die Leitung des Ordens hinaus auf weitere Ordensmitglieder ausgeweitet.

 

 

 

 

 

02.12.2014  Bericht im Ärzteblatt zu den Folgen "katholischen" Missbrauchs: das Vertrauen in Religion bleibt für immer gebrochen. Religiösität auch im weitesten Sinne fällt als Coping- Strategie weg.

01.12.2014   "Heilige Macht" des Priesters, "Heil- Macht" des Arztes -  Arzt wird in England extrem hart bestraft, weil er seine Machtposition schamlos ausgenutzt hat zum Missbrauch an Kindern.

In England ist ein missbrauchender Arzt extrem hart bestraft worden, weil er seine Machtposition ausnutzte. Diese besondere zugesprochene heilende Macht ist vergleichbar der zugesprochenenen heiligen Macht des Priesters. Es ist wahrscheinlich, dass zumindest in England ein missbrauchender Priester heute mit einer harten Strafe rechnen müsste.


Hier der Link:

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_72006386/englischer-arzt-missbrauchte-schwer-kranke-jungen-.html



27.11.2014 Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (Pfeiffer) veröffentlicht Missbrauchsstudie zum Missbrauch durch katholische Priester

Das KFN hat nach der Kündigung des Vertrages mit der Katholischen Kirche seinerseits eine kleine Studie veranlasst. Die Ergebnisse liegen jetzt vor:


Presseerklärung.pdf
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Buchkapitel_Fazit.pdf
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20.11.2014   Tagung findet auch im Netz Beachtung

Auf Regensburg Digital findet gerade eine Diskussion statt zum Aufarbeitungsprozess. In einem Kommentarbeitrag wird auch auf unsere Meldung zur Tagung am Samstag Bezug genommen. Hier der Link:

http://www.regensburg-digital.de/es-gibt-noch-viel-gespraechs-und-aufarbeitungsbedarf/



15.11.2014   Missbrauchsopfer beeindruckt durch Fachtagung des Ordens der Redemptoristen gemeinsam mit dem Verein der Betroffenen zum Thema: "Missbrauch- Trauma- Traumafolgen"

Das hat es unseres Wissens auch noch nicht gegeben, dass eine kirchliche Institution, die mit Missbrauchsvorwürfen an einzelne Mitglieder konfrontiert ist, die von Missbrauch Betroffenen schlichtweg beeindruckt. So geschehen gestern. Bisher haben die institutionell Betroffenen allgemein ja eher den Eindruck, dass sie jede Bewegung der Institution mühsam erkämpfen müssen und dass sie der Institution immer hinterher laufen müssen.

 

Imponiert hat schon die Bereitschaft der Ordensleitung in gemeinsamer Federführung von Verein und Orden eine solche Tagung zu planen und zu organisieren.

 

Imponiert hat die Bereitschaft des Ordens, die Tagung zu finanzieren sowohl was die Kosten des Referenten aus dem fernen Berlin anbetrifft als auch die Kosten für die zusätzliche fachliche Moderation als auch die Reise- und Übernachtungskosten der Betroffenen unabhängig vom Ort der Anreise. Vielen Dank.

 

Bestochen hat uns die schiere Anzahl der Ordensmitglieder dieses kleinen Ordens, die bereit waren, an diesem Tag nach Köln zu kommen, um mit den Betroffenen gemeinsam zu arbeiten. Und das an einem Samstag, der für Priester, deren Hauptarbeitszeit für gewöhnlich das Wochenende ist, sicher nicht der günstigste ist, um andere Dinge zu betreiben.

 

 

Dem ausgezeichneten Referenten, Herrn Spitzock von Brisinski, gelang es mit seinem Input zur Traumaforschung dem Tag die notwendige innere Struktur zu geben und sowohl für die Betroffenen selbst wie auch für die mittelbar Betroffenen aus der Täter- Institution neue Impulse zu setzen zum besseren Verständnis dessen, was sexueller Missbrauch in den Betroffenen aber auch in der verantwortlichen Institution anrichtet.

 

 

Immer wieder waren durchaus die Klippen sichtbar, die das gemeinsame Gespräch grundsätzlich erschweren: die Frage nach Wahrheit und Richtigkeit der beiderseitigen Darstellungen als auch die Tatsache, dass bei Betroffenen den Angehörigen der Institution gegenüber auch im persönlichen Umgang und Gespräch Misstrauen schnell die Oberhand gewinnen kann (durchaus verständlich) und Skepsis bleibt wie umgekehrt und ebenfalls durchaus verständlich, dass Mitglieder der Institution sich grundsätzlich schon angegriffen fühlen und in schiere Verteidigungshaltung gehen, wenn Opfer auch nur kritische Anmerkungen zu Strukturen der Institution machen. Die gemeinsame Arbeit konnte aber dank gewohnt professioneller Moderation durch Frau Hardt- Becker immer aufrecht erhalten und auf eine neue Stufe geführt werden.

 

Wirklich eingeschlagen bei den Betroffenen hat aber die Schlussfolgerung, die Pater Heitkamp aus Essen für sich aus diesem Tag gezogen hat: „Wir müssen auch nach innen gucken. Wir haben viele unter uns, die ebenfalls im Internat waren, teilweise unter denselben Leuten, von denen wir heute wissen, dass sie Täter waren. Was ist eigentlich mit denen? Welche Hilfen brauchen die vielleicht?“

Dass das Schweigen dieser „Mitbrüder“ nicht heißen muss, dass es ihnen gut geht und das Schweigen nicht heißt, dass etwas nicht geschehen sein könnte- dass eine Institution nach innen schauen will und nicht nur danach strebt, dass der „Skandal“ bald aus der Welt sei, mit einem solchen Ergebnis haben die Betroffenen nicht gerechnet. Ein Orden, der nach Opfern unter seinen Mitgliedern zu suchen begönne, das wäre denn schon eine außerordentliche neue Dimension im Aufarbeitungsprozess.

 

Werte Ordensleute: Sie imponieren uns.

 

Nachgeschoben sei, dass eine Fortsetzung dieses Tages mit der gleichen Besetzung für den 28.Febr. 2015 vereinbart wurde.

24.10.2014   Sexuelle Ausbeutung und Esoterikszene

Wie gefährlich Heilsversprechen sein können, wird immer wieder deutlich auf dem Gebiet der Psychotherapie allgemein wie besonders auf dem der psychotherapeutisch angehauchten Esoterikszene:


http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/186/toedlicher-blick-in-die-kranke-seele-2505.html




23.10.2014   Keine Toleranz in der Rechtsprechung bei geplantem Kindesmissbrauch in den USA

Wir als Missbrauchsopfer sind weit davon entfernt, unmäßige Vergeltung in der Rechtsprechung bei Straftaten im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu fordern- egal welche persönlichen Rachegefühle wir in uns tragen. Trotzdem oder deshalb gilt: es muss in jedem Fall ein Strafrecht geschaffen werden, dass die Täter nicht auch noch zu Straftaten ermutigt. Manchmal lohnt sich dann doch der Blick über den Teich, wo ein deutscher Lehrer wegen geplantem (!) Kindesmissbrauch zu 15 Jahren Haft und weiteren bedeutenden Einschränkungen seiner Lebensvollzüge verurteilt worden ist.


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kindesmissbrauch-lehrer-aus-schleswig-holstein-muss-in-us-haft-a-995270.html

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/justiz/id_71280436/geplanter-kindesmissbrauch-15-jahre-haft-fuer-deutschen-lehrer-in-den-usa.html


Der Täter muss sich in Deutschland wie im Schlaraffenland gefühlt haben.

23.10.2014    Grüne gegen Toleranz bei Sexualstraftaten

Wie Netzwerk B berichtet, gibt es auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Hamburg einen Antrag einer großen Gruppe von Delegierten, die jede Toleranz bei Sexualstraftaten und Pädokriminalität ablehnen. Siehe hierzu den Link:

https://netzwerkb.org/2014/10/23/keine-toleranz-fur-pado-kriminalitat-und-sexualstraftaten/

 

Die Begründung allerdings- die spricht für sich und verrät zumindest wenig ernsthafte Diskussion. Alles nur Schein? Alles nur kleinliche Kritik?:


„Begründung:

Für uns GRÜNE war die Pädophilie-Aufarbeitung unserer Parteigeschichte im Wahljahr 2013 eine heikle Angelegenheit, die uns Stimmen gekostet hat. Umso mehr sollten wir

jetzt deutlich machen, dass wir Pädo-Kriminalität und Sexualstraftaten keinesfalls tolerieren, sondern uns geschlossen dagegen zur Wehr setzen. Null Toleranz für

Pädo-Kriminalität und Sexualstraftaten! Aus Sorge um die Arbeitsplatz-Perspektiven von Pädo-Kriminellen und Sexualstraftätern sollten wir die Betroffenen nicht vergessen: Sie vor weiteren Übergriffen zu schützen ist in dem Fall eindeutig das höherwertige Gut.“

 

Sprachlich eine Katastrophe. Fast möchte man sagen, solche grassen sprachlichen (und inhaltlichen) Fehlleistungen haben wir doch bisher nur der Katholischen Kirche zugetraut.  Solche Fehlleistungen erschweren es immer wieder, dem Aufarbeitungswillen der einzelnen Institutionen zu vertrauen.

 

Bischof Ackermann unterlaufen solche Fehler mittlerweile nur noch selten oder gar nicht mehr. Liegt es an gewonnener Einsicht oder guter Politikberatung? Heißt das auch, dass den Betroffenen in der katholischen Kirche mittlerweile mehr Gerechtigkeit widerfährt als anderswo?

 

 

 

22.10.2014 Einladung der Betroffenen zu einem Thementag durch die Ordensleitung der Redemptoristen gemeinsam mit dem Verein der Missbrauchsopfer am 15. Nov. 2014

Endlich liegt sie vor uns: die gemeinsame Einladung der von Missbrauch durch Ordensangehörige Betroffenen und von Ordensangehörigen zu einem Thementag "Traumatisierung durch Missbrauch" in Köln. Wir bedanken uns, dass der Orden unsere Anregung aus dem letzten Treffen aufgenommen hat und überdies alle Kosten des Tages trägt. Ein - wie wir meinen- beachtlicher Schritt in Aufarbeitung und Wiedergutmachung.


Fanden die Gespräche mit dem Orden bisher in kleinem Kreise statt, so ist der Kreis diesmal auf Ordensseite deutlich ausgeweitet: Ihre Teilnahme haben unter anderen auch Pater Heitkamp (selbst Internatsschüler in Bonn in den 60er Jahren) und Pater Cholewszinski (selbst Internatsschüler in Bonn in den 50er Jahren, später kurzzeitig Präfekt in Glanerbrück und Nachfolger von Pater Welzel in der Internatsleitung in Bonn) zugesagt. Wir freuen uns.

 

Einladung_Koeln.pdf
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21.10.2015 Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten endlich so installiert, dass Bewerbungen möglich sind. Bewerbungen sind bis zum 21.11.2014 erwünscht.

Wir möchten auf die Möglichkeit hinweisen, sich für den neu zu bildenden Betroffenenrat zu bewerben. Was hier etabliert wird, bietet Opfern sexueller Ausbeutung und sexualisierter Misshandlung eine einmalige Chance, sich betroffenenpolitisch zu engagieren. Und das im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements.

Ehrenamt im besten Sinne.


Näheres dazu hier: http://www.beauftragter-missbrauch.de/


Auszug aus der Presseerklärung
“Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch können die Arbeit des
Missbrauchsbeauftragten künftig kontinuierlich begleiten und sich daran beteiligen.
Hierfür wird ein Betroffenenrat auf Bundesebene eingerichtet. Das
Bewerbungsverfahren startet heute. Bewerbungsschluss ist am 21. November 2014.”

01.10.2014   Zum Film und zur Fernsehdiskussion

Wir begrüßen die Entscheidung der ARD, den Film "Die Auserwählten" auszustrahlen, auch wenn wir um die Verkürzung in der Darstellung der Dämonie eines Gerold Becker und in der Darstellung der Hintergründe des institutionellen Missbrauchs wissen. Das Problem der Wahrung der Persönlichkeitsrechte ist uns sehr bewusst. Aber hier gilt: kein Einzelner kann  das alleinige Recht auf Authenzität geltend machen, wenn das Dargestellte vielen genau so oder ähnlich widerfahren ist. Das, was Andreas Huckele in seinem bewegenden Buch "Hört mich denn keiner schreien?" beschrieben hat, hat er tatsächlich nicht als Einziger erlebt- sondern viele Schüler der Odenwaldschule haben dies so und nicht anders erlebt. Hier kann es kein Urheberrecht geben. So traurig das auch ist: das, was Andreas Huckele erlebt hat, ist schicksalhafterweise gleichzeitig "geistiges Eigentum" aller betroffenen Mitschüler, ausdrücklich auch derer, die sich im Betroffenenverein "Glasbrechen" organisiert haben. Ohne das Wort Schicksal überstrapazieren zu wollen, aber sogar wir, die wir in einem katholischen Internat missbraucht wurden, finden uns schicksalhafterweise im  "geistigen Eigentum" eines Andreas Huckele wieder und sind daher immer dankbar gewesen für sein frühes Buch und besonders dafür, so früh an die Öffentlichkeit gegangen zu sein.

Der Verein "Glasbrechen" hat sich im Übrigen für den Film und für die Ausstrahlung ausgesprochen. Eine gute Entscheidung, wie wir meinen.


Jetzt steht wohl auch die Teilnehmerliste der Diskussion unter Leitung von Anne Will fest. Die Besetzung heute Abend:


http://daserste.ndr.de/annewill/


 




30.09.2014   Film "Die Auserwählten" wird ausgestrahlt

Siehe hierzu den interessanten Beitrag der FAZ und die nachfolgenden Kommentare von Lesern:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ard-film-ueber-odenwaldschule-eine-geschichte-vieler-opfer-13180603.html

29.09.2014 Kritische Fragen an den Film "Die Auserwählten"

Im Hintergrund wird um die Ausstrahlung des Films am Mittwoch mit unterschiedlichen Argumenten gekämpft. Einerseits würden wir die mögliche Nicht- Ausstrahlung bedauern, weil der Film emotional in der Missbrauchsdebatte erreichen könnte, was in der Debatte rational bisher nicht erreicht worden ist. Andererseits verstehen wir als Opfer eines anderen Systems die Opfer, die durch den Film ihre eigene Lebensgeschichte ohne Möglichkeit der Einflussnahme ausgeschlachtet sehen und damit auch erneut zum Opfer werden (der Film ist zu wenig fiktional, die Personen sind erkennbar und sozusagen 1:1 in einen Spielfilm übersetzt). Die Opfer, deren Geschichte hier gespielt wird, haben das Recht darüber zu entscheiden, ob der Film ausgestrahlt werden darf oder nicht.

 

Bedenklich ist auch, dass der Film die dämonische Gestalt von Gerold Becker in der Person von Ulrich Tukur sicher bestens besetzt hat, dass aber dennoch die wirkliche Dämonie des Mannes nicht gezeigt oder gar aufgearbeitet wird, vielleicht auch nicht dargestellt werden kann. Wir als institutionelle Opfer katholischen Missbrauchs wissen um die Dämonie der Täter, die ja darin besteht, uns selbst am Missbrauch an uns selbst zu (beteiligen)- wissen aber auch darum, wieso es ihnen möglich war: der Missbrauch war durch die höhere Macht des Priesters geheiligt und unsere Opferung schien also gerechtfertigt vor Gott und uns selbst, das repressive System und die Mauern ringsum taten das Ihrige dazu.  Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Opfer selbst haben also Erklärungsmöglichkeiten für die Verbrechen in der katholischen Kirche finden können- und auch das hat geholfen, um weiter leben zu können. Wie es aber möglich gewesen ist, dass ein geradezu provokant offenes und kritisches, auf Nichteinordnung angelegtes System - die Odenwaldschule ist geradezu das Gegenmodell zum katholischen Internat-, einem Oberverbrecher Becker und anderen alle Möglichkeiten des Missbrauchs von Kindern gestattete, das ist zu wenig aufgearbeitet geschweige denn verstanden. Wir als katholische institutionelle Opfer sind wie alle Missbrauchsopfer für ihr mögliches Leben zerstört worden,  aber wir konnten uns in der Regel von der Ideologie von Heiligung und Repression distanzieren und auch intellektuell befreien. Wie viel schwerer es für Betroffene der Odenwaldschule sein mag, die Ideologie der Nähe und der emanzipatorischen Menschheits- Rettung durch Reformpädagogik als notwendige Bedingung des eigenen Missbrauchtwerdens zu durchschauen und auszuhalten, vermögen wir kaum zu ahnen. Einen Hinweis auf diese Schwierigkeit oder auch Unmöglichkeit  geben die am Missbrauch nicht unmittelbar beteiligten Lehrer an der Odenwaldschule, die das Offensichtliche und Nahe-liegende weder sehen wollten noch konnten und besonders die, die dem Oberguru Becker nicht folgten und dennoch nichts unternahmen und sich auch heute noch wegducken.

 

Zur Diskussion siehe folgende Links:

http://pisaversteher.com/2014/09/27/2779/

http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/koeln/Kritik-an-Film-ueber-Odenwaldschule-WDR-rein-fiktive-Aufarbeitung-article1462000.html

http://juliaweiler.wordpress.com/2014/09/28/eine-vertane-chance/

https://netzwerkb.org/2014/09/27/so-viel-kaltschnauzigkeit-hatte-ich-nicht-erwartet/




 

 

25.09.2014    Vorankündigung: Mutiger Spielfilm zum Missbrauch an der Odenwaldschule am 1. Oktober in der ARD. Danach Diskussion zum Film und zum Thema mit Adrian Koerfer

 

Am 1. Oktober wird die ARD einen Themenabend veranstalten. Beginn: 20.15 "Die Auserwählten" (Film über den Missbrauch an der OWS (Odenwaldschule). Die Hauptrolle (Schulleiter Becker) spielt Ulrich Tukur. Dann Tagesthemen. Danach "Anne Will" mit Tilman Jens (Ex- Odenwaldschüler), Alice Schwarzer, N.N. und Adrian Koerfer (Ex- Odenwaldschüler und Missbrauchsopfer). Unbedingt ansehen- meinen wir.

 

Aus der Ankündigung: Ende der 1970er-Jahre. Begeistert tritt die 29-jährige Petra Grust (Julia Jentsch) ihre Stelle als Biologielehrerin an der Odenwaldschule (OSO) an, der legendären Vorzeige-Einrichtung der Reformpädagogik. Das Vertrauen des charismatischen und berühmten Schulleiters Simon Pistorius (Ulrich Tukur) ehrt sie. Doch der Inter-natsalltag ist irritierend. Schüler und Lehrer beiderlei Geschlechts benutzen dieselben Duschen, junge Schüler trinken Alkohol und rauchen, und ein Kollege hat sogar ein Verhältnis mit einer minderjährigen Schülerin. Petra wird auf den 13-jährigen Frank Hoffmann (Leon Seidel) aufmerksam, der verstört wirkt und offensichtlich Probleme hat. Sie nimmt sich seiner an, findet aber nicht heraus, was mit ihm ist. Mit der Zeit befällt sie ein schrecklicher Verdacht: Sie sieht im Wald einen Lehrer mit einem nackten Jungen; sie sieht, wie Pistorius eine Dusche verlässt, unter der ein verzweifelter Frank kauert. Petra fragt nach. Doch ihre Kollegen wollen von all dem nichts wissen. Auch Franks bester Freund Erik (Béla Gabor Lenz) wird von Pistorius missbraucht. Als er seiner Mutter davon erzählt, muss er die Schule wegen Drogenbesitzes verlassen. Frank ist verzweifelt. Als er erfährt, dass er mit Pistorius sogar die Ferien verbringen soll, droht er mit Selbstmord. Petra begreift mehr und mehr, was Pistorius mit ihm macht. Doch Franks Vater Helmut (Rainer Bock), Vorsitzender des Trägervereins der Schule, glaubt lieber dem scheinbar untadeligen Schulleiter als seinem Sohn und der jungen Lehrerin. Petra bittet ihren Freund, einen Journalisten, Recherchen über den berühmten Reformpädagogen anzustellen. Doch gegen Pistorius' Netzwerk aus Beziehungen bis in die höchsten Kreise ist sie letztendlich machtlos. 30 Jahre später begegnen sich Frank (Patrick Joswig) und Petra (Johanna Gastdorf) wieder. Als Lehrerin hat sie nie wieder gearbeitet. Aus der Vorankündigung der HÖR- ZU.

25.09.2014    Nachdem Erzbischof bzw. Nuntius Wesolowski bereits strafweise laisiert wurde, ist er offensichtlich wegen akuter Fluchtgefahr im Vatikan arrestiert

Hierzu ein interessanter Artikel aus der App der Süddeutschen Zeitung:

 

Aussenpolitik, 25.09.2014
Katholische Kirche
Test für den Vatikan
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Von Stefan Ulrich

Wenn der Ausschuss der Vereinten Nationen gegen Folter den Vatikan unter Beschuss nimmt, dann muss es um einen gravierenden Fall gehen. Die mutmaßlichen Verfehlungen des früheren Erzbischofs und Diplomaten der Päpste Józef Wesołowski sind ein solcher Fall. Der polnische Geistliche soll in seiner Zeit als Nuntius in der Dominikanischen Republik regelmäßig Kinder missbraucht haben. Zeugen schilderten, er habe in den Armenvierteln von Santo Domingo Ausschau nach Jungen gehalten und diesen Geld für Sex gegeben. Im Mai erklärte der UN-Ausschuss gegen Folter, der Fall werde zum Test, ob der Vatikan wirklich massiv gegen Kinderschänder vorgehe. Er müsse den Erzbischof entweder an die Dominikanische Republik ausliefern, oder ihm im Vatikan den Prozess machen. Denn Wesołowski ist vatikanischer Staatsbürger.

Jetzt hat die Justiz des Papstes eine starke Antwort gegeben. Am Dienstagnachmittag verhafteten Gendarmen Wesołowski auf dem Gelände des Kirchenstaats. Der Vorwurf des Staatsanwalts beim vatikanischen Tribunal erster Instanz: schwerer Kindesmissbrauch. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit kam der 66-jährige Ex-Erzbischof nicht ins Gefängnis, sondern wurde unter Hausarrest gestellt. Dort muss er jetzt auf seinen Strafprozess warten. Der Fall erregt in Italien großes Aufsehen. Es sei das erste Mal, dass ein ehemals hoher Geistlicher im Vatikan verhaftet werde, heißt es. Und das auch noch wegen Kindesmissbrauchs. Italienische Kommentatoren loben, dies zeige, dass es Papst Franziskus ernst meine, wenn er "null Toleranz" gegen Pädophile predige.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betont, der Papst selbst habe angeordnet, die vatikanische Justiz solle schnell und mit der nötigen Strenge gegen Wesołowski vorgehen. Damit wird zugleich klar, dass der frühere Nuntius weder an die Dominikanische Republik noch an Polen ausgeliefert wird, das dies ebenfalls verlangt hat. In Polen gibt es eine ganze Reihe ähnlicher Skandale, weswegen es auch zu Verurteilungen kam. Der Fall des Erzbischofs gilt dort aber als der gewichtigste.

Wesołowski, der 1972 in Krakau vom späteren Papst Johannes Paul II. zum Priester geweiht wurde, seit 1999 als Nuntius in verschiedenen Ländern arbeitete und 2013 zwangsweise in den Laienstand versetzt wurde, kommt nun vor ein irdisches Gericht des Heiligen Vaters. Die Vatikan-Justiz ähnelt dabei in vielen Belangen der italienischen Justiz, etwa bei der Strafprozessordnung und beim Strafgesetzbuch. Es gibt auch im Vatikan Staatsanwälte, Untersuchungsrichter und drei Gerichtsinstanzen. Die Ermittlungen sind geheim. Die Prozesse selbst werden dagegen öffentlich im Palazzo del Tribunale an der Piazza Santa Marta abgehalten. Entscheiden die Richter auf eine Gefängnisstrafe, so kann der Vatikan beantragen, den Verurteilten in einem italienischen Gefängnis einzusperren. Eine Besonderheit gibt es noch in der Vatikan-Justiz: Der Papst kann jederzeit eingreifen und auch gegen die Meinung von Staatsanwälten und Richtern zu Gunsten des Angeklagten entscheiden.

Im Fall Wesołowski will der Vatikan aller Welt beweisen, dass er entschlossen gegen pädophile Priester vorgeht und nichts verheimlicht. Das war nicht immer so, im Gegenteil. Über Jahrzehnte wurden in vielen Ländern zahlreiche Kinder von katholischen Geistlichen missbraucht. Die Verbrechen wurden oft vertuscht, teilweise mit Wissen und Willen zuständiger Bischöfe. In den vergangenen Jahren kam das Ausmaß des Skandals ans Licht, zum Beispiel in Irland, den USA und Deutschland. Auch der Vatikan geriet unter Druck. Es war dann Papst Benedikt XVI., der einen Kurswechsel vollzog. Er traf sich mehrfach mit Missbrauchsopfern, entschuldigte sich für die Verbrechen und versetzte Hunderte verdächtige Priester in den Laienstand.

Franziskus machte rasch klar, dass er diese Linie weiterführen wolle. So empfahl er im April 2013 seiner Glaubenskongregation, in Missbrauchsfällen entschlossen vorzugehen. Auch setzte er eine Untersuchungskommission unter Vorsitz des Erzbischofs von Boston ein. Ihr gehört die Irin Marie Collins an, die als Mädchen von einem Priester missbraucht wurde. Im Mai sagte Franziskus vor Journalisten, ein Priester, der Kinder missbrauche, "verrät den Körper des Herren". Es sei so, als halte er eine schwarze Messe ab. Die Kirche müsse da mit "null Toleranz" vorgehen.


Stefan Ulrich
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Nach dem Jurastudium in München und Freiburg, Assessorexamen und Promotion zum Presserecht kam Stefan Ulrich 1994 als Volontär zur Süddeutschen Zeitung. Redakteur im Nachrichten- und im Außenpolitik-Ressort. Von 2005 bis 2009 Italien- und Vatikan-Korrespondent in Rom. Von 2009 bis 2013 Frankreich-Korrespondent in Paris. In den Auslandsjahren entstanden die Bücher "Quattro Stagioni", "Arrivederci, Roma!" und "Bonjour la France!". Im Sommer 2013 zurück in die Zentrale nach München, freiwillig. Theodor Wolff Preis. Deutsch-Italienischer Journalistenpreis.

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23.09.2014   Papst Franziskus stellt Erzbischof Wesolowski unter Hausarrest


Tatsächlich ein ungewöhnliches Vorgehen des Papstes: Erzbischof Wesolowski steht wegen Missbrauchsvorwürfen unter Hausarrest im Vatikan. Die andere Seite: Er ist damit auch der weltlichen Justiz entzogen.


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kindesmissbrauch-vatikan-stellt-ex-erzbischof-unter-hausarrest-a-993384.html

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_71137188/vatikan-stellt-ex-nuntius-josef-wesolowski-unter-hausarrest.html

18.09.2014 Bundesregierung legt Gesetzentwurf zur Verschärfung des Sexualstrafrechts vor:

 

Wir begrüßen die Initiative von Justizminister Maas zur Verschärfung des Sexualstrafrechts. Die Gesetzesvorlage sieht vor, dass die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch von Kindern erst mit 30 Jahren einsetzt. Sie dauert dann 20  Jahre. Das ist ein entscheidender Fortschritt gegenüber der bisherigen Gesetzeslage. Wir bedauern sehr, dass die Gesetzesvorlage nicht weiter geht und die Verjährungsfrist (wie in den meisten anderen Ländern) nicht vollständig aufhebt. Verjährungsfristen schützen ausschließlich den Täter.

 

Tatsächlich würde- bezogen auf unsere Betroffenengruppe- die vorgesehene Sexualstrafrechts-Änderung eben nichts verändern: die Taten wären weiter strafrechtlich nicht verfolgbar, Schmerzensgeld oder Ähnliches deshalb auch nicht einklagbar. Wer sein Schweigen später brechen würde als es die Srafverfolgungsmöglichkeit zulässt, bleibt angewiesen auf den Goodwill des Täters oder der Täterorganisation, damit sein Reden nicht seinerseits strafrechtlich verfolgt wird. Eine Tat, die verjährt ist, hat eben in der Logik der Verjährungsfristen auch nie stattgefunden. Ein unhaltbarer Zustand.

 

Trotzdem schließen wir uns der Pressemitteilung des Sprechers des Eckigen Tisches Heiko Schnitzler an:  „Dieses Gesetz ist ein wichtiger Meilenstein. Es wird höchste Zeit, dass die Verjährungsfrist für sexuelle Übergriffe auf Kinder verlängert und das Strafmaß für den Besitz von kinderpornographischem Material erhöht wird“, sagte Heiko Schnitzler, Sprecher des Eckigen Tischs Bonn.

 

Die Gruppe begrüße vor allem auch, dass Justizminister Maas nun auch Aufnahmen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung, so genannte Posingbilder, zu kinderpornographischen Fotos zählt. „Wer solche Bilder aufnimmt und besitzt, macht sich nun also auch schon strafbar. Es geht hier also nicht mehr nur noch um Bilder, auf denen Kinder sexuelle Handlungen ausführen“, sagte Schnitzler. "Das Fotografieren von fremden nackten Kindern ist nun also endlich verboten."

 

Als Link lesenwert:

http://www.freenet.de/nachrichten/topnews/regierung-billigt-verschaerfung-von-sexualstrafrecht_4554938_533312.html


Der allfällige Einwurf der Grünen, der Gesetzentwurf zur Pornografie gehe zu weit und schränke unnötig persönliche Freiheit ein, ruft Unverständnis hervor.

 

Wir setzen uns dafür ein, dass im Gesetzgebungsverfahren die Verjährungsfrist mindestens noch um 10 Jahre verlängert oder ganz abgeschafft wird. Den bisherigen Argumentationen ist hier nichts hinzuzufügen:

Argumente zum Wegfall der Verjährungsfristen bei Sexuellem Missbrauch
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17.09.2014  Vorbesprechung zum Treffen von Redemptoristen und Missbrauchs- Betroffenen am 15.11.2014 in Köln


Wir freuen uns, dass es am 15.11. 2014 eine erste gemeinsame Begegnung von Betroffenengruppe und Ordensmitgliedern außerhalb des bisherigen engen Kreises geben wird. Der Orden hat zusammen mit der Betroffenengruppe einen gemeinsamen Studientag in Köln organisiert, den der Orden auch vollständig finanziert. Der Studientag steht unter dem Thema: "Sexuelle Gewalt- Traumatisierung von Opfern und Täterorganisation". Referent wird Herr Spitczok von Brisinski sein. Die Moderation übernimmt in bewährter Form Frau Hardt- Becker. Ziel der Veranstaltung soll sein, dass beide Seiten mit Hilfe eines explizierten Traumabegriffs die individuellen wie institutionellen Folgen sexualisierter Gewalt besser verstehen- als Grundlage einer weiterführenden Aufarbeitung mit besseren Gelingensbedingungen.


Wir bedanken uns für das besondere persönliche und finanzielle Engagement der Ordensleitung und wünschen uns, dass möglichst viele Ordensmitglieder und möglichst viele Betroffene teilnehmen können. Im gemeinsamen Vorgespräch verständigten wir uns darauf, den Teilnehmerkreis auf Ordensmitglieder und direkt Betroffene zu begrenzen, um die vorhersehbare Komplexität des gemeinsamen Treffens nicht noch zu erhöhen. Wir bitten hier um das besondere Verständnis vor allem derer, die als sogenannte Mitbetroffene (z.B. Angehörige) an diesem Studientag nicht teilnehmen können.



28.08.2014  Rückblick auf das, was sich bewährt hat

Die verschiedenen Initiativen haben in diesen Tagen einen Rückblick auf das gewagt, was sich im ehrenamtlichen Engagement von Missbrauchsbetroffenen seit 2010 bewährt hat und wofür zu arbeiten sich weiter lohnt:

 

Das ehrenamtliche politische Engagement von Missbrauchsbetroffenen in Rückschau

 

 

Was sich bisher bewährt hat 

 

 

Vor über viereinhalb Jahren, im Januar 2010 begann mit den Berichten über Missbrauchsfälle am Canisiuskolleg Berlin eine breit angelegte öffentliche Debatte, die seitdem nicht mehr abgerissen ist. Im März desselben Jahres trat Frau Dr. Christine Bergmann ihr Amt als Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs an, der Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ wurde einberufen. Menschen, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer sexueller Ausbeutung geworden waren, verschafften sich nach und nach Platz und Stimme in einigen politischen Gremien, die mit Aufgaben rund um Aufklärung, Aufarbeitung, Hilfe, Genugtuung und Prävention befasst sind.

 

Im Januar 2012 lud Johannes-Wilhelm Rörig, der Frau Bergmann im Amt nachfolgte, erstmals zum Austausch mit Betroffenen, den „Jour Fixe“ ein. Öffentliche Hearings zu wichtigen Themen wurden veranstaltet, ein Fachbeirat eingesetzt, Kampagnen gestartet, Gesetze angepasst, Arbeitsgruppen gebildet. In den meisten dieser Initiativen ergänzen sich Experten und Betroffene mit ihren jeweiligen Blickwinkeln.

 

Am 10. Juli 2013 nahm der Betroffenenbeirat des EHS-FSM mit damals 13 Mitgliedern seine Arbeit auf. Mittlerweile hat sich die Zahl der Beiräte auf 22 erhöht und wir blicken auf gut ein Jahr engagierte und erfolgreiche Mitarbeit im Erweiterten Hilfesystem zurück.

 

Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Teilhabe von Missbrauchsopfern an politischen Entscheidungsprozessen steht dieses Jahr noch an:  der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarte Betroffenenrat wird berufen werden und dann eng mit dem UBSKM kooperieren.

 

Wir, eine Runde von engagierten Opfern möchten die Gelegenheit ergreifen und aufzeigen, was sich unserer Ansicht nach in der betroffenenpolitischen Arbeit bewährt hat.

 

 

 

1. Die Mischung macht`s

 

Der EHS-Betroffenenbeirat bildet ein Beratungsgremium für Missbrauchsbetroffene, die in den Lenkungsausschüssen der EHS-Fonds mitarbeiten. Gleichzeitig sind alle Beiräte über offizielle und informelle Initiativen und Netzwerke verzahnt.

 

Alle betroffenen KooperationspartnerInnen verstehen sich als ErfahrungsexpertInnen. Das, womit wir uns beschäftigen, haben wir buchstäblich am eigenen Leib erlebt. Unser Blick aufs Thema ist der von innen heraus. Im Gegensatz zu dem der Fachleute, die eine Außensicht beisteuern.

 

Wir engagieren uns ehrenamtlich in verschiedenen rund um das Thema „Missbrauch“ angeordneten Feldern. Manche von uns saßen mit am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“, etliche sind in Gremien des UBSKM, z.B. im Fachbeirat. Die meisten von uns haben an den Jour Fixe teilgenommen, zu denen der UBSKM geladen hatte.

 

Zu uns gehören etwa gleich viele Frauen wie Männer verschiedener Altersstufen, sowohl Einzelbetroffene, Mitglieder von Initiativen und Vereinen, als auch Mitbetroffene, einige von uns sind in informellen Opfernetzwerken. Es sind fast alle Tatorte vertreten. Wir engagieren uns als Opfer aus Internaten, konfessionellen Schulen, Sportvereinen, Kinder- und Jugendheimen. Wir repräsentieren gleichermaßen Menschen, die im Zuge eines Handicaps zu Missbrauchsopfern wurden, wie auch Opfer aus dem familiären Umfeld und dem organisierten sexuellen Missbrauch.

 

Dass auf diese Weise viele verschiedene Informationen zusammen fließen und wir an Themen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen heraus herangehen können, hat sich bislang was unseren Beratungsauftrag angeht bezahlt gemacht.

 

 

2. Gut vernetzt sein

 

Wir alle sind betroffenenpolitisch aktiv und engagieren uns vor allem, um die Perspektive von Missbrauchsopfern in Gesellschaft und Politik einzubringen. Wir möchten, dass mit Opfern statt über sie gesprochen wird. So können wir Meinungen herausarbeiten und Informationen einholen, um sie in die Projekte einzubringen, welche u. A. im Zusammenhang mit der Einrichtung der Stelle des UBSKM entwickelt wurden. 

 

Themen sind: 

 

·         Aufarbeitung

·         Strafrecht 

·         Gesundheitspolitik

·         Hilfen 

·         Prävention

 

Diejenigen von uns, die im EHS-Betroffenenbeirat vertreten sind, halten kontinuierlich Rücksprache mit den Betroffenenvertretungen im Lenkungsausschuss des Fonds Sexueller Missbrauch. So ist ein möglichst direkter Draht zur Basis gegeben.

 

 

3. Sich erreichbare Ziele stecken und sie regelmäßig überprüfen

 

Unsere Grundanliegen sind:

 

·         Verbesserung der Lebensbedingungen für Betroffene

·         Enttabuisierung des Themas

·         Aufarbeitung des Phänomens „sexueller Missbrauch“

·         Stigmatisierung entgegenwirken

·         Reduktion des Phänomens Missbrauch

·         Verbesserungen bei Gesetzgebung und juristischer Praxis

·         Politische Beteiligung der ErfahrungsexpertInnen

     (Betroffenen)   

·         Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches 

·         Eine langfristige politische Einbindung der 

     ErfahrungsexpertInnen (Betroffenen) 

 

Aus diesen Anliegen leiten wir konkrete Teilziele ab, für deren Erarbeitung wir kleine Unterarbeitsgruppen bilden. Per Telefonkonferenz, Rundmail und auf unseren Sitzungen werten wir sie aus und passen unser Vorgehen ggf. an.

 

 

 

4. Durch eine effektive und Ressourcen schonende Zusammenarbeit Kräfte bündeln

 

Unser Engagement ist für alle von uns auch ein Stück persönliche Aufarbeitung. Die Erfahrung, schon früh im Leben auf Grund von gesellschaftlichen und individuellen Defiziten und den Unterlassungen und Fahrlässigkeiten der verantwortlichen Erwachsenen einer besonders ordinären Form von Kriminalität ausgesetzt worden zu sein prägt für das ganze Leben. Der Wunsch hier ein Gegengewicht zu setzen eint uns.

 

Auch wenn „sexueller Missbrauch“ ein sehr negativ besetztes und tabuisiertes Thema ist: bewährt hat sich in unserer Runde, regelmäßig gemeinsam auf das bereits Erreichte zu blicken. Und an Aufgaben zwar grundsätzlich pragmatisch heranzugehen, aber dabei nie den Blick für gesellschaftliche Zusammenhänge zu verlieren.

 

Wir politisch engagierte Betroffene verfügen über sehr unterschiedliche Lebensläufe und Kompetenzen. Deshalb überlegen wir sehr genau, wer welche Aufgabe übernehmen, bzw. welches Projekt durchführen kann.

 

Dadurch, dass wir alle über unsere Zusammenarbeit mit dem UBSKM und ein Engagement in den Gremien des EHS-FSM hinaus noch in verschiedenen anderen Netzwerken aktiv tätig sind, ist es für uns möglich, schnell gezielt Informationen von vielen Opfern einzuholen.

So können wir sowohl zu aktuellen Themen, als auch zu langfristigen Projekten etwas beitragen.

 

 

 

5. Werte leben

 

In unserer Arbeit für demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien einzustehen heißt für uns auch, entschieden gegen rassistische, antisemitische, sexistische oder homophobe Einstellungen vorzugehen. Mit denen wir leider im Zuge unseres Engagements immer wieder konfrontiert werden. Mit Personen und Initiativen, an deren demokratischer und rechtsstaatlicher Orientierung wir Zweifel haben oder die mit extremistischen oder sektenähnlichen Organisationen oder Einzelpersonen im engen Austausch stehen kooperieren wir erst, nachdem unsere Bedenken ausgeräumt sind. 

 

Nicht zuletzt durch unseren umfassenden Austausch auf verschiedenen Ebenen erkennen wir immer mehr, dass sich unser Ansatz, sexuellen Missbrauch als gesamtgesellschaftliches, weit verbreitetes Phänomen und dessen Bekämpfung als kollektive, umfassende Aufgabe zu betrachten bewährt.

 

Wir sind der Ansicht, dass es für ein so komplexes Problem keine einfachen Lösungen geben kann und dass die Missbrauchsbekämpfung etwas ist, was nur langfristig gelingen wird. Dann wenn viele gesellschaftliche Gruppen konstruktiv und friedlich zusammenarbeiten.

 

Uns ist bewusst, dass wir neben der Beratungstätigkeit und Netzwerkarbeit auch Repräsentanten sind. Deshalb bemühen wir uns, kooperativ, sachlich, authentisch und möglichst offen auf alle Beteiligten zuzugehen. Dabei machen wir uns immer wieder klar, dass etwaige Vorbehalte und Widerstände auf die wir dabei stoßen, weniger uns als Personen gelten, als dass sie Zeichen einer allgemeinen grundsätzlichen Verunsicherung was das Thema angeht darstellen.

 

Wir begegnen daher allen Menschen, mit denen wir im Zuge unserer Beiratstätigkeit zu tun haben, mit der gleichen Wertschätzung und mit demselben Respekt, den sie auch uns gegenüber an den Tag legen.

 

 

 

6. Geben und Bekommen

 

Wir alle investieren einen nicht unerheblichen Teil unserer Lebenszeit in die betroffenenpolitische Arbeit. Die meisten von uns setzen dabei auch finanziell zu. Sei es durch Verdienstausfälle, Reisekosten oder Ausgaben, die im Zuge von Veranstaltungen oder durch Info- oder Materialbeschaffung entstehen.

 

Das was wir tun, neudeutsch als „Bürgerschaftliches Engagement“ bezeichnet, wird allerdings auch immer wieder kritisch diskutiert. Eines der vorgebrachten Argumente lautet, dass Ehrenamtler ohne Entgelt Aufgaben übernehmen, die eigentlich der Staat zu leisten habe. Finanziert von der Gesamtheit seiner Mitglieder. Andere mutmaßen beim ehrenamtlichen Einsatz einen verdeckten individuellen Zweck. Zum Beispiel, über die entstehenden Beziehungen in die Administration oder zu Experten an bezahlte Ämter oder Posten zu gelangen.

 

Es ist deshalb für uns betroffenenpolitisch Aktiven wichtig, möglichst genau zu definieren und nach außen darzustellen, welche Kriterien angelegt werden sollen, damit eine Funktion als Ehrenamt bezeichnet werden kann. Wann welche Aufwandsentschädigungen geleistet werden. Und wie damit umzugehen ist, wenn ein Bürgerschaftlich Engagierter im Zuge seiner Aktivitäten, zum Beispiel über Kontakte, die er dabei knüpft berufliche oder private Vorteile erlangt.

 

 

 

Fazit: unsere Heterogenität ist zugleich Vorteil und Herausforderung. Dass Opfer in politischen Entscheidungsprozessen nicht von Experten vertreten, sondern gleichrangig beteiligt werden, ist eine recht neue Entwicklung. „Teilhabe“ ist zwar erwünscht und wird auch zunehmend ermöglicht. Erfordert aber in vielen Bereichen neue Organisationsformen, Umgehensweisen und Einstellungen.

 

Wir freuen uns, dass wir in einem gesellschaftlich derart relevanten Bereich wie dem Umgang mit dem Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Kindern dazu beitragen können, solche neuen Herangehensweisen zu entwickeln.

 

 

Berlin, den 22.August 2014

 

Tina Dewes, Hannah Stiftung gegen sexuelle Gewalt, Mitglied Betroffenenbeirat

Ergänzendes Hilfesystem

Jacqueline Ehmke, Berlin/Brandenburg,“ Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam“, Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kindheit, Mitglied im Betroffenenbeirat u. Lenkungsausschuss EHS-FSM, Mitglied im Fachbeirat des UBSKM

Christian Fischer

Dieter Grah, Glasbrechen e.V., Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem, Mitglied im Fachbeirat des UBSKM

Bernd Held, Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg

Matthias Katsch, Sprecher ECKIGER TISCH, stellv. Vors. Fachbeirat beim

Unabhängigen Beauftragten sexueller Missbrauch, Co-Sprecher Betroffenenbeirat

Ergänzendes Hilfesystem

Marianne Kastrati, „Missbrauch in DDR-Heimen“ e.V. , Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Adrian Koerfer, 1. Vorsitzender Glasbrechen e.V., Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Anselm Kohn, Initiative „Missbrauch in Ahrensburg“

Sigrid Kumberger, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, „Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam“, Opfer von Missbrauch im familiären Umfeld, Co-Sprecherin des Betroffenenbeirates des EHS-FSM

Winfried Ponsens, „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V.“, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Maren Ruden, Brandenburg, Initiative „Die Rose“, Betroffene von sexuellem Missbrauch in der Familie, Mitglied des Lenkungsausschusses EHS-FSM

Hermann Schell, „Schafsbrief“, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Heiko Schnitzler, ECKIGER TISCH BONN, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Thomas Schnitzler, MissBit („Missbrauch-im-Bistum-Trier“), Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Renate Schusch, AG Kinderschutz, stellv. Vorsitzende Aktivverbund e.V., Mitglied Betroffenenbeirat EHS-FSM

Dr. Henning Stein, Monika Stein, Mitglieder Betroffenenbeirat Ergänzendes

Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ e.V.

 

 


03.07.2014 Kloster Ettal: Niemand will mehr ins Internat. Folge des Missbrauchsskandals?

Die Anmeldezahlen sind seit 2010 stark rückläufig. Der das Internat betreibende Benediktinerorden verweist auf den Missbrauchsskandal und darauf folgende Fehleinschätzungen des Ordens.

 

http://www.tz.de/bayern/ettal-niemand-will-nach-missbrauchsskandal-mehr-internat-3673826.html

27.06.2014 Vatikanbotschafter und polnischer Erzbischof von einem Kirchengericht im Vatikan wegen Missbrauchs zu Gefängnis verurteilt

Der Vatikan hat erstmals einen früheren Botschafter wegen sexuellen Missbrauchs des Amtes enthoben. Der frühere Botschafter in der Dominikanischen Republik und polnische Erzbischof Jozef Wesolowski wurde von einem Kirchentribunal verurteilt. Er wurde nicht nur zu einer nur innerkirchlich verstehbaren Strafe (Entzug des Priesteramtes o.ä.) verurteilt sondern auch mit Gefängnis bestraft.

 

Zum ersten Mal in der Neuzeit geht der Vatikan damit gegen einen seiner Angestellten in Bezug auf den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs als staatliche Institution mit all ihren Rechten vor. Der Fall macht augenscheinlich, welche Möglichkeiten dem Vatikan beim Vorgehen gegen Missbrauch offen stehen bzw. immer schon offen gestanden hätten.

 

Das ist die eine Seite. Weil dieses Vorgehen des Vatikans so einmalig ist, drängt sich leicht der Verdacht auf, dass es eine zweite Seite gibt, die sich hinter der ersten verbirgt: es könnte auch um Täterschutz gehen. Wenn der politische Einfluss des Klerus in den einzelnen Ländern oder weltweit (UNO) die Täter in ihren eigenen Reihen nicht mehr vor staatlicher Verfolgung schützen kann, werden die Täter über eine solche Straffestsetzung in Sicherheit gebracht. Noch in den letzten Jahren wurden sie in der Regel versetzt, höchstens laiziert oder in Klöster geschickt. Das reichte meist aus, um die Täter in den Augen der Öffentlichkeit unschädlich zu machen- mit den bekannten Folgen, dass die Täter auch an ihrem neuen Einsatzort missbrauchten. Dieses Vorgehen der Amtskirche ist heute mehr oder weniger obsolet. Jetzt also das bestehende Gefängnis des Vatikans als Strafe zu nutzen, ist gleichzeitig öffentlichkeitswirksam ("Wir tun was"), kann aber auch ein weiterer kluger Schachzug sein, um die Institution selbst zu schützen. Dann handelt man wie man immer gehandelt hat, indem man die Täter in ihrem Einsatz verschoben hat und sie vor staatlicher Strafverfolgung geschützt hat. Man hätte hier das klassische Beispiel dafür, wie Kirche für Täter einen sicheren Ort schafft. Sogenannte sichere Orte für Kinder zu schaffen, scheint in einem solchen Denken weniger vordringlich. Dieser hohe Funktionär ist jedenfalls unter Kontrolle, wenn er seiner Auslieferung durch die Dominikanische Republik nicht widerspricht.

 

Links:

http://www.welt.de/newsticker/news1/article129546228/Ex-Vatikanbotschafter-wegen-Kindesmissbrauchs-verurteilt.html

http://www.donaukurier.de/nachrichten/topnews/Vatikan-Papst-Religion-Missbrauch-Justiz-Ex-Vatikanbotschafter-wegen-Kindesmissbrauchs-verurteilt;art154776,2931246

http://polen-heute.de/mutmasslicher-paedophiler-bischof-aus-klerus-geworfen-97311/

 

27.06.2014 Die Schülerzeitschrift des AKO in Bonn stellt sich in seiner neuen Ausgabe dem Thema "Sexuelle Gewalt" an der eigenen Schule

Wie der Generalanzeiger Bonn berichtet

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/Wahrheiten-aussprechen-article1387242.html

stellt sich die Schülerzeitung des Aloisisiuskollegs in Bonn "AKO Kompakt" der Vergangenheit der eigenen Schule.

 

Wir möchten die Schüler- Redakteure ausdrücklich zu Ihrem Mut beglückwünschen, in der nächsten Schülerzeitung das Thema „Missbrauch“ am AKO anzupacken und auch mit Betroffenen Gespräche zu führen. Es scheint uns ein entscheidender Schritt in der Prävention zu sein, wenn heutige Schüler sich die Geschichte ihrer Schule aneignen. Im "Collegium Josephinum" scheinen die Schüler leider noch nicht so weit zu sein, dass sie sich diesem Thema stellen wollen.

19.06.2014 Ein Offener Brief einer Missbrauchsbetroffenen zu dem Leserbrief des Missbrauchsbeauftragten Scherchel

Eine Missbrauchsbetroffene aus dem Bistum Trier, Frau Claudia Adams setzt sich in einem Offenen Brief mit den Äußerungen des ehemaligen Missbrauchsbeauftragten auseinander. Wir empfinden diese Auseinandersetzung aus dem Bistum Trier deshalb mitteilenswert, weil der Brief in besonderer Weise klar macht, woran die Gespräche der Opfer und der Institution so oft scheitern.  Hier der Brief:

 

Herr Prälat Dr. Scherschel!


Ich beziehe mich auf Ihren öffentlichen Leserbrief zum Artikel "Missbrauchsvorwürfe gegen Trierer Bistumspriester" (TV, 7./8/.9. Juni 2014):

 

Offensichtlich scheint es eines Ihrer derzeit größten Probleme zu sein, dass der „Trierische Volksfreund“ ausgerechnet am Pfingstwochenende (!) obigen Artikel veröffentlichte. Da scheint der Heilige Geist doch tatsächlich - zumindest Ihrer Meinung nach -  das Bistum Trier verfehlt zu haben - aber völlig!

 

Glauben Sie mir, mir wäre es auch lieber gewesen, der Artikel wäre ein paar Jahre früher erschienen, so dass die Verjährungsfrist noch nicht eingetreten wäre und sich der mutmaßliche Täter hätte vor Gericht verantworten müssen. Womöglich hätten sich sogar mögliche weitere Übergriffe an Kindern durch eine sofortige Anzeige verhindern lassen können -  aber dieses Interesse geht aus Ihrem Leserbrief leider nicht hervor. Im Gegenteil – Sie verwenden mehrere Zeilen Ihres Textes auf das Layout des Artikels und echauffieren sich sogar darüber, wie es möglich sein kann, dass man angeblich sogar die „Untaten“  (!!) aufzähle - und das noch am Pfingstwochenende!

 

Ich darf Sie korrigieren, Herr Dr. Scherschel!  Die Anzahl - der von Ihnen durch das Wort „Untaten“ absolut verharmlosten Tatsache - der zum Teil schweren sexuellen Übergriffe sind bis heute nicht bekannt.  Sie selbst scheinen offensichtlich mit den Zahlen zu jonglieren. Bei derzeit 74 bekannten Priestern, die - erfahrungsgemäß nur die Spitze des Eisbergs darstellen - ist davon auszugehen, dass die Anzahl der "Untaten" im hohen dreistelligen Bereich, vermutlich sogar eher im vierstelligen Bereich liegt.  "Lediglich" 74 Priester wurden mit plausiblen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert.  – Viele Vorwürfe wurden von Ihrem Nachfolger, Herr Rütten, als „Distanzunterschreitung“ oder als „nicht plausibel“ eingestuft, da den Betroffenen nicht geglaubt wurde. Die Zahl "74" entspricht also weder der Anzahl der "Untaten", geschweige denn der Zahl der Priester, gegen die überhaupt Vorwürfe erhoben worden sind und von denen einige weiterhin im Einsatz sind - diese Zahl ist nämlich nachweislich noch höher. Denn nachweislich wurde - entgegen Ihrer Behauptung - nicht jeder Priester, gegen den Vorwürfen erhoben wurden, umgehend "beurlaubt". 

 

Ihre Behauptung „Außerdem werden Vorgänge zusammengezählt, die man eigentlich gar nicht zusammenzählen kann, nämlich sowohl nach deutschem Recht strafbare wie auch nicht strafbare Handlungen, denen nur die Kirche wegen ihrer eigenen Gesetze nachgeht“  scheint an Zynismus kaum mehr zu überbieten.

 

Wollen oder können Sie nicht verstehen? - Zur Erinnerung: Ich wurde als Kind während meiner Zeit im Kindergarten mehrfach von dem katholischen Pfarrer vergewaltigt. Ich war 3 (!) Jahre alt, als der Missbrauch begann.. Als ich diese "Untaten" (wie Sie es formulieren)  zur Anzeige brachte, waren die Taten zivil- wie strafrechtlich verjährt.  Der Täter inzwischen verstorben -  Vielleicht war es sein Glück. Zumindest kann ich von Glück sprechen, wenn ich davon ausgehe, dass mein Täter sich nicht an weiteren Kindern vergehen konnte.

 

Verdammt noch einmal, Herr Scherschel, ich erwarte von der Kirche, dass sie WENIGSTENS ihren eigenen Gesetzen nachgeht und kirchenrechtliche Verfahren einleitet und die Priester, die noch am Leben sind, aus dem „Verkehr“ gezogen werden! 

 

Damit es nicht wieder geschieht. Verstehen Sie? – Einen Sexualstraftäter weiterhin im Einsatz zu lassen und dadurch Kinder dieser Gefahr auszusetzen, darf nicht sein. Die Tat mag vielleicht verjährt sein, aber meinen Sie tatsächlich, der Trieb sei auch verjährt? 

 

Es ist unglaublich, dass ausgerechnet Sie, nicht nur in Ihrer Funktion als ehemaliger Ansprechpartner für uns Betroffene – sondern auch als ehemaliger Personalchef (!) - solche Worte äußern!

Sie werden verstehen, dass ich auch an Ihrer Aufrichtigkeit, welche den angeblichen Aufklärungswillen der katholischen Kirche betrifft, zweifle. Schließlich waren Sie über Jahre hinweg der Personalverantwortliche. Und schließlich hatten Sie Zugang zu den Personalakten - deren Vollständigkeit nach wie vor in Frage gestellt wird!  Und ausgerechnet Sie erheben jetzt den moralischen Zeigefinger? Sie - bei dem ich mich frage, ob Sie von sich selbst behaupten können,  ein reines Gewissen zu haben!

 

Wären Sie wenigstens sich selbst gegenüber so ehrlich gewesen und hätten Sie diese Einstellung bereits zu dem Zeitpunkt geäußert, als man Sie zum „Missbrauchsbeauftragten“ ernannte, wäre uns diese Enttäuschung erspart geblieben.

 

Weiter behaupten Sie in Ihrem Leserbrief: „In dieser Statistik finden sich sogar Beschuldigungen gegen Priester, die bereits verstorben waren, als die Vorwürfe erhoben wurden, und die nie die Gelegenheit hatten, sich dazu zu äußern.“ 

 

Herr Dr. Scherschel! Soll ich Ihnen jetzt auch noch meine rechte Wange hinhalten?

 

Ein Schlag ins Gesicht! Mit der flachen Hand. Und das von dem Mann, dem wir Opfer vertrauten. Voller Hoffnung.

 

Wo auch immer Sie auf meinen Täter treffen sollten – mag es nach Ihrem abstrusen Glauben im Himmel oder vielleicht doch in der Hölle sein – fragen Sie ihn. Schauen Sie ihm in die Augen und fragen Sie ihn, was er mit angetan hat. - Und verdammt noch einmal, Herr Dr. Scherschel, schauen Sie mir in die Augen und versuchen Sie, Ihre Anspielung  ("Priester, die verstorben waren als die Vorwürfe erhoben wurden , hatten nie die Gelegenheit, sich dazu zu äußern") aufrecht zu erhalten - nach all der Korrespondenz, die Sie und ich miteinander führten. 

 

„Wohlgemerkt, jeder Missbrauch eines Priesters tut weh und ist zutiefst zu bedauern, weil menschliches Vertrauen missbraucht worden ist.“ – Ja, Herr Dr. Scherschel, der Missbrauch tut weh – allerdings ist nicht nur körperliche Schmerz unsagbar grauenvoll. Dieser Schmerz geht irgendwann vorbei, doch die Seele bleibt verwundet. Ein Leben lang.  Wir Opfer haben lebenslänglich. Jahr für Jahr, Tag für Tag spüren wir die Folgen dieses Schmerzes. – Sie behaupten jedoch, der Missbrauch sei schmerzhaft,  "weil menschliches Vertrauen missbraucht wurde". Oh ja. Dieser Schmerz kommt auch noch hinzu!  Auch unser Vertrauen wurde missbraucht. Ebenso, wie das Vertrauen derer, die uns Kinder der Kirche anvertrauten.  Und genau dieses Vertrauen wurde derart massiv verletzt, dass unsereiner sich komplexe neue  Überlebensstrategien  erarbeiten musste, um überhaupt überleben zu können.  Und in diesem Überlebenskampf trafen sich unserer Wege, als wir Opfer Menschen wie Ihnen erneut Vertrauen entgegenbrachten. Aus der letzten Reserve heraus, in der Hoffnung, man würde uns Glauben schenken, die Taten aufklären und die Wahrheit ans Licht bringen. Damit sich das alles niemals wiederholen würde. - Dasselbe Vertrauen, mit denen wir damals völlig unbedarft als Kinder den Tätern in der katholischen Kirche ausgeliefert waren, haben Sie, Herr Dr. Scherschel,  erneut missbraucht. - Und dies nicht minder schmerzhaft.

Ihre Aussage, dass dies alles "zutiefst bedauernswert" sei, lässt daher weitere Fragen zu: Was bedauern Sie denn angeblich „zutiefst“? – Bedauern Sie den Priester, der seiner Neigung nachgegangen ist? Bedauern Sie Ihren Gott, dass er diese  „Untat“ zuließ? Bedauern Sie, dass so vieles ans Tageslicht kam - wohlwissend, dass es sich hier nur um die Spitze des Eisberges handelt? Oder bedauern Sie, dass es ein paar Betroffenen gelungen ist, ihr Schweigen zu brechen?   Bedauern Sie, dass ausgerechnet am Pfingswochenende ein solcher Artikel erscheint? -  Dann müsste es mir ja schon quasi Leid tun, dass ich Ihnen diese Zeilen an Fronleichnam schreibe. - Aber: Uns Betroffenen ist es gleich, welcher Tag ist. Denn wir leiden täglich. Auch an Sonn- und Feiertagen!

 

Herr Dr. Scherschel, das Einzige, was zu diesem Zeitpunkt bedauernswert ist, ist Ihre offensichtliche Einstellung!  -  Scheinbar sind Sie sich über die Auswirkungen Ihrer Zeilen als ehemaliger Ansprechpartner für Betroffene sexuellen Missbrauchs durch Angehörige der katholischen Kirche nicht bewusst. - Wir haben Ihnen die Tathergänge auf mehreren Seiten detailliert geschildert. Unsereiner musste Personen wie Ihnen den Vertrauensvorschuss geben und Tathergänge möglichst  detailliert schildern - die Angst im Nacken sitzend, dass diese Beschreibung nicht erneut zu sexuellen Handlungen Ihrerseits führten. Wissen Sie, was das für eine Qual war? Solch' grausame Einzelheiten weiterzugeben und sich erneut eiuem Fremden gegenüber "blank zu ziehen" zu müssen,  als wäre der Missbrauch, den wir Jahre zuvor am eigenen Körper erleiden mussten an sich nicht schon grauenvoll genug gewesen? Als würde man alles noch einmal erleben?! Und nicht wissend, in welche Hände die Beschreibung gelang.  Und jetzt dieser gefühlte Schlag ins Gesicht. Ausgerechnet von Ihnen. 

 

Ihre Aussage: „Das war jetzt die 73. Straftat eines Polizisten in den letzten 60 Jahren oder der 75. Missbrauchsfall eines Lehrers seit dem Zweiten Weltkrieg?“ lässt übrigens eindeutig darauf schließen, dass Sie offensichtlich einem großen Denkfehler unterliegen – womöglich aber auch die Realität nicht wahrhaben wollen: Es war nicht die 76. Straftat eines Priesters, sondern es gibt derzeit offiziell 74 Priester im Bistum Trier, die mit plausiblen Tatvorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden! Ich hoffe und wünsche Ihnen,  dass Sie diesen Unterschied begreifen. - Davon ab wage ich stark an Ihrem Verstand  zu zweifeln, wenn Sie als Beispiel nehmen, dass "niemand auf die Idee käme,  die  73.  Straftat eines Polizisten" in Erinnerung zu rufen. Wissen  Sie, warum es niemals dazu kommen wird? - Weil der Polizist bereits vorher seines Amtes enthoben werden würde! - Dass die Kirche allerdings mit erhobenem Zeigefinger auf andere verweist, sind wir Betroffenen bereits gewohnt. Sie, Herr Dr. Scherschel, sollten allerdings nicht ein Beispiel aufnehmen, dass als "Eigentor" bezeichnet wird und das eigene Versagen noch deutlicher macht!

Ihr Hinweis, die "Bürger" seien geschützt, erscheint ebenso aufschlussreich Ihre Sichtweise offenzulegen. Ich gehe davon aus, Sie meinen in diesem Fall die Sexualstraftäter. Warum bezeichnen Sie diese dann nicht als solche?  Nein, Sie betonen sogar, dass man die Täter schützen müsse! - Der Täter steht - wie so oft - im Vordergrund. Ihm wird das Hauptanliegen und die Hauptfürsorge gewidmet. Und das alles im Namen des Herrn.

 Herr Dr. Scherschel, ich gebe Ihnen den Tipp, Ihre Scheuklappen ein wenig hochzuziehen, vielleicht würden Sie dann auch Ihre Aussage revidieren: „Eine solche Statistik, wie sie bei den katholischen Priestern aufgemacht wird, ist bei anderen Bevölkerungsgruppen nicht möglich.“ Diese Aussage entspricht nämlich nachweislich nicht der Wahrheit.  Allerdings gebe ich zu, dass einem solche Statistiken nicht bekannt sein müssen, wenn man sich – scheinbar wie Sie  – nicht damit beschäftigt. Wozu auch, schließlich waren Sie ja lediglich Missbrauchsbeauftragter …?! – Und nach Ihrem Leserbrief zu urteilen: Leider in dieser Funktion völlig fehl am Platz!

 

Weiterhin behaupten Sie: „Obwohl die katholische Kirche als einzige verfolgt, was jenseits der bürgerlichen Verjährungszeiten liegt, wird sie an den Pranger gestellt, als zu lasch“. – Ich hoffe, der Hinweis auf die Vorgehensweise der evangelischen Kirche im Umgang mit verjährten Sexualstraftaten reicht bereits aus, um auch diese Behauptung zu wiederlegen.  

 

Dass die Vorgehensweise sowohl der Aufklärung der Missbrauchsfälle wie auch im Umgang mit der Thematik „Prävention“ aus Betroffenensicht das Handeln der Kirche als „lasch“ bezeichnet wird, dürfte inzwischen also auch bei Ihnen angekommen sein.  Auf der einen Seite freut mich dies  – es zeugt allerdings auch davon, dass Sie die letzten Jahre offensichtlich nicht die ernstzunehmenden Kritiken an der katholischen Kirche verfolgt haben. Und das wiederum  ist für einen ehemaligen Missbrauchsbeauftragten traurig!

 

Ein weiterer trauriger Höhepunkt liest sich im letzten Satz Ihres Leserbriefes: "Danach können wir darüber reden, ob für den Trierer Bischof die Einsetzung einer unabhängigen Kommission erforderlich ist." - Herr Dr. Scherschel! - Sie erheben auf diese Weise von ganz oben herab sinnbildlich den Zeigefinger gegenüber uns Betroffenen und scheuen sich nicht davor, klarzustellen, dass erneut die Kirche bestimmt, was geschieht!

 

Genau wie damals. Zum Tatzeitpunkt. Als die Pfarrer uns gegenüber nach den Taten mit dem Zeigefinger drohten: Wir sollten schweigen. - Der Schmerz, der durch Ihre Zeilen ausgelöst wird, ist derselbe wie damals. Glauben Sie mir!

 

Sie reißen mit dem in Ihrem Leserbrief geäußerten erniedrigenden Gedankengängen eine Wunde auf, deren Heilung womöglich ein Leben lang dauert, insofern man überhaupt von "Heilung" sprechen kann. 


Das,  was Sie mit diesem Leserbrief an Gedankengut geäußert haben, Herr Dr. Scherschel, stellt einen weiteren schmerzhaften Tiefpunkt der Glaubwürdigkeit an einem ernstgemeinten Aufklärungswillen der katholischen Kirche dar.

Fazit:  Durch Ihre Meinung, die Sie, Herr Dr. Scherschel,  in Ihrem Leserbrief veröffentlichten, veranschaulichen Sie als trauriges Beispiel das Versagen der katholischen Kirche - in seiner ganzen Form.

 

Zu den der katholischen Kirche inzwischen zugeschriebenen Attribute wie „scheinheilig“, „unglaubwürdig“, „ täterschützend „ etc.  haben Sie Ihren Teil dazubeigetragen.

 

Sie hätten besser geschwiegen! 

 

Claudia Adams

13.06.2014 Wenig verstanden: Der ehemalige Missbrauchsbeauftragte im Bistum Trier Scherchel äüßert sich in einem Leserbrief zu einem Artikel des "Trierer Volksfreund"s

Auf einen Pressebericht im "Trier Volksfreund" reagiert der ehemalige Missbrauchsbeauftragte des Bistums in einem Leserbrief auf eine Weise, die deutlich macht, wie wenig er wohl von den Betroffenen verstanden hat und wie sehr er möglicherweise seine Tätigkeit als Missbrauchsbeauftragter so verstanden hat, als sei vor allem die Institution Kirche in Schutz zu nehmen. Im Bericht des Volksfreunds wird berichtet, dass der Trierer Bischof Stephan Ackermann einen katholischen Priester der saarländischen Pfarreiengemeinschaft Weiskirchen wegen Missbrauchsvorwürfen beurlaubt hat. Der Geistliche soll Anfang der 80er Jahre eine 16-Jährige im Raum Koblenz missbraucht haben. Nach Angaben des Bistums wurde die Staatsanwaltschaft informiert. Dem Priester wurde zunächst untersagt, öffentlich Gottesdienste zu feiern.

 

Herr Scherchel reagiert mit einem Leserbrief:

 

"Zum Artikel "Missbrauchsvorwürfe gegen Trierer Bistumspriester" (TV vom 7./8./9. Juni):

 

In der Ausgabe von Pfingsten lässt sich der Volksfreund nicht die Gelegenheit entgehen, auf der Titelseite in einer Schlagzeile zu texten: "Missbrauchsvorwürfe gegen Trierer Bistumspriester". Und weiter in hervorgehobener Schrift: "Erneut ist ein katholischer Priester mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert." Im Text werden sogar die Untaten gezählt: "Damit hat sich die Zahl der mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Bistumspriester auf insgesamt 74 erhöht." Nirgendwo wird erwähnt, dass es sich um einen Zeitraum von 60 Jahren handelt und dass in dieser Zeit etwa dreitausend Priester im Bistum Trier tätig waren. Außerdem werden Vorgänge zusammengezählt, die man eigentlich gar nicht zusammenzählen kann, nämlich sowohl nach deutschem Recht strafbare wie auch nicht strafbare Handlungen, denen nur die Kirche wegen ihrer eigenen Gesetze nachgeht. In dieser Statistik finden sich sogar Beschuldigungen gegen Priester, die bereits verstorben waren, als die Vorwürfe erhoben wurden, und die nie die Gelegenheit hatten, sich dazu zu äußern. Wohlgemerkt, jeder Missbrauch eines Priesters tut weh und ist zutiefst zu bedauern, weil menschliches Vertrauen missbraucht worden ist. Aber man hat den Eindruck, dass hier die gesamte Priesterschaft des Bistums kollektiv beschuldigt wird wegen der Vergehen einiger weniger. Hat man denn schon einmal lesen können: Das war jetzt die 73. Straftat eines Polizisten in den letzten 60 Jahren oder der 75. Missbrauchsfall eines Lehrers seit dem Zweiten Weltkrieg? Niemand käme auf eine solche Idee. Bei den Priestern aber tut man es. Die Bürger sind gegen solche Darstellungen durch das Verjährungsrecht geschützt. Jenseits der Verjährungsgrenzen darf nicht ermittelt werden. Also darf auch darüber nicht geschrieben werden, und eine solche Statistik, wie sie bei den katholischen Priestern aufgemacht wird, ist bei anderen Bevölkerungsgruppen nicht möglich. Obwohl die katholische Kirche als einzige verfolgt, was jenseits der bürgerlichen Verjährungszeiten liegt, wird sie an den Pranger gestellt: als zu lasch. Völlig absurd ist es, dem Bischof, der fünf Jahre im Amt ist, Vorwürfe zu machen wegen eines (nach deutschem Recht nicht strafbaren) Missbrauchsfalles vor 34 Jahren. Nachdem der Bischof nach Kenntnis der Beschuldigung sofort die Beurlaubung vom Dienst verfügt hat, zitiert Herr Seydewitz die Äußerung einer Opferinitiative: "Der jüngste Fall zeige, dass die Aufarbeitung in der Kirche nicht funktioniere." Man zeige uns den Minister, der sich für den Missbrauch eines seiner Beamten vor fast vierzig Jahren heute noch in die Pflicht nehmen lässt. Danach können wir darüber reden, ob für den Trierer Bischof die Einsetzung einer unabhängigen Kommission erforderlich ist." Dr. Rainer Scherschel, Trier 

Anm. d. Red.: Herr Scherschel war im Bistum für den Priestereinsatz zuständig und acht Jahre lang Missbrauchsbeauftragter.

 

Der entsprechende Link:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/kolumnen/leserbriefe/Leserbriefe-Katholische-Kirche;art8042,3911833

 

 

Für uns noch einmal ein wichtiger Hinweis darauf, wie sehr der ehemalige Missbrauchsbeauftragte des Ordens Merzbach die Opfer im Blick hatte und sie zur Sprache brachte.

12.06.2014 Kirche Irlands fordert eine gründliche Untersuchung nach dem Fund von 800 Kinderleichen nahe einem katholischen Kinderheim

30.05.2014 Katholikentag Regensburg- Matthias Katsch überreicht Bischof Ackermann Forderungen der Missbrauchsopfer

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion überreichte Matthias Katsch vom Eckigen Tisch Forderungen der Missbrauchsopfer der katholischen Kirche, die von den Unterzeichnern gemeinsam auch mit unserer Unterstützung aufgestellt worden waren. Hier die Forderungen im Original:

Erwartungen an die Katholische Kirche in Deutschland
Forderungen an die Kirche in Deutschland
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22.05.2014 Bemerkenswerte Zusage der Ordensleitung an den Kreis der Betroffenen: Orden bestellt zum nächsten Gesprächtermin einen zusätzlichen Referenten zum Thema und trägt auch die Kosten

Beim letzten Treffen der Missbrauchsopfer mit der Ordensleitung sagte diese zu, zum nächsten Gespräch einen Fach- Referenten einzuladen zum Thema "Traumatische Missbrauchserfahrung und die Folgen. Konsequenzen für die Aufarbeitung". In enger Abstimmung von Gesprächskreis, Verein und Orden wurde ein Referent für das Gespräch am 15.11. 2014 (14.00 bis 18.00) ausgewählt und beauftragt.

Es ist Marec Spitczok von Brisinski. Wir bedanken uns bei der Vorsitzenden des Vereins Frau Witte und dem Provinzial des Ordens Pater Römelt für die Mühe, die sich beide gemacht haben und hoffen, dass zu diesem Termin vielleicht auch weitere Mitglieder des Ordens anwesend sein werden.

 

Genaueres über den Referenten ist zu finden unter:

www.KreativeKommunikation.de

12.05.2014 Überprüfung der Betriebserlaubnis der Odenwaldschule durch die zuständige Bezirksregierung

Eine gute Nachricht, die auch andere "Betreiber" von Schulen in freier Trägerschaft in Unruhe versetzen dürfte. Bisher war es so, dass die Erteilung der Genehmigung die eigentliche Hürde war, wenn man eine Privatschule betreiben wollte. Danach gab es kaum noch Kontrolle. Der Staat beginnt, seine Verantwortung wahrzunehmen:

 

https://www.morgenweb.de/newsticker/heppenheim-ministerium-%C3%BCberpr%C3%BCft-genehmigung-f%C3%BCr-odenwaldschule-1.1695745

 

http://www.n-tv.de/panorama/Odenwaldschule-droht-Aus-article12815576.html

 

In der "Zeit" wurde im Zusammenhang der neuen Vorwürfe ein ausgezeichnetes und lesenswertes "Kommentargespräch" geführt zu einem Interview des ehemaligen Odenwaldlehrers Salman Ansari:


http://www.zeit.de/2014/19/odenwaldschule-salman-ansari?commentstart=129#cid-3632509

 

 

 

 

11.05.2014 Italienische Missbrauchsopfer produzieren ein Video und senden es an Papst Franziskus

Gerne weisen wir auf diese Aktion italienischer Überlebender klerikaler sexueller Gewalt hin, die ein Video produziert und es an Papst Franziskus geschickt haben. Das Video hat englische Untertitel - bitte anschalten:

 

http://retelabuso.org/papafrancesco-il-filmato-shock-della-rete-labuso/

 

 

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5rhnBb3Y8Ww

 

 

11.05.2014 Neuerscheinung zur rechtlichen Verantwortlichkeit des Vatikans bzw. des Papstes für Missbrauchsfälle in der Kath. Kirche

Das Buch des Juristen Geoffrey Robertson hält, was der provokative Titel verspricht, urteilt Peter Kriesel zum 2011 auf Deutsch veröffentlichen Buch „Angeklagt: Der Papst. Die Verantwortlichkeit des Vatikans für Menschenrechtsverletzungen.“

 

http://www.diesseits.de/panorama/rezensionen/1399327200/kann-man-papst-verklagen

 

Geoffrey Robertson QC: Angeklagt: Der Papst: Die Verantwortlichkeit des Vatikans für Menschenrechtsverletzungen. Gabriele-Verlag Das Wort 2011, Broschiert, 400 Seiten, EUR 9,95

11.05.2014 Professoren Lautmann und andere positionieren sich gegen die von Justizminister Maas vorgeschlagene Verschärfung des Sexualstrafrechts

Als Justizminister Maas Mitte April seine Initiative zur Verschärfung des Sexualstrafrechts veröffentlichte, meldete sich prompt eine Gruppe von 27 Experten zu Wort, die von den Medien gleich dankbar zitiert wurden. Zu den Unterzeichnern einer entsprechenden Erklärung gegen die Verschärfung des Sexualstrafrechts gehören die Professoren  Lautmann, Sack, Frommel und Böllinger, die auch schon an anderer Stelle haben deutlich werden lassen, dass sie die Folgen kindlichen Missbrauchs falsch einschätzen:

 

http://criminologia.de/2014/04/keine-weiteren-verschaerfungen-im-sexualstrafrecht

 

http://www.emma.de/artikel/der-justizminister-die-kinderfreunde-316827

09.05.2014 Betroffeneninitiative zum "Missbrauch in DDR- Heimen" gegründet

Uns erreichte die Mitteilung über die erfolgreiche Gründung einer Betroffeneninitiative "Missbrauch in DDR- Heimen". Herzlichen Glückwunsch!

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

gerne informieren wir Sie mit der beiliegenden Pressemitteilung über die Gründung der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“, dem ersten Opferverein ehemaliger DDR-Heimkinder. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie das Engagement ehemaliger DDR-Heimkinder bekanntmachen würden. Insbesondere Betroffenen sexuellen Missbrauch in DDR-Heimen kann damit geholfen werden, um Kontakt zu anderen Betroffenen zu finden, weitere Hilfsmöglichkeiten zu erfahren und sich für das Anliegen des Vereins zu engagieren.

 

Herzlichen Dank und freundliche Grüße

Ihre

Corinna Thalheim

 

Pressemitteilung als Download:

 

PM Betroffeneninitiative Missbrauch in D
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09.05.2014 Aktuelle und bedeutende Quermeinungen zur Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II

Johannes Paul II. hätte in der Missbrauchskrise einschreiten können - doch er tat es nicht.

 

Gestern fragte die Augsburger Allgemeine, ob Johannes Paul II. mit Schuld am Leid der Missbrauchsopfer habe.

 

http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Papst-Johannes-Paul-II-Ist-er-mit-Schuld-am-Leid-von-Missbrauchsopfern-id29615116.html

 

Gleichzeitig meldet sich in der U.S. Zeitschrift National Catholic Reporter ein Insider, der amerikanische Jesuit Tom Doyle, zu Wort. Tom war in den achtziger Jahren in der Nuntiatur in Washington, DC tätig und setzt sich in den letzten 30 Jahren für die Opfer des Klerikermissbrauchs ein. Er vertritt auch Pater Roy kirchenrechtlich als Anwalt.

 

http://www.pater-roy-mein-weg.de/blog3.html

 

 

27.04.2014 Treffende Kommentierung zum Fall Odenwaldschule im "Stern"

Zitat: "Bei jeder anderen Schule wäre es keine Nachricht wert. An jeder anderen Schule wird es auch Lehrer geben, die heimlich Kinderpornografie konsumieren oder nur unter solchem Verdacht in aller Stille entfernt werden. Die Odenwaldschule aber ist nicht wie jede andere Schule. Wollte es nie sein. Stattdessen diente das Musterinternat bis in die 1980er-Jahre führenden Reformpädagogen der Bundesrepublik als eine Art Kinderbordell mit Selbstbedienung – gedeckt von Kollegen, einem sich selbst reproduzierenden Eliteruf und dem Zeitgeist..................."

 

http://www.stern.de/politik/deutschland/was-mich-bewegt-der-fluch-der-odenwaldschule-2105673.html

 

27.04.2014 Zur Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II

Der Tagesanzeiger Zürich fasst die Bedenken gegen die Heiligsprechung unter dem Titel "Unheiliges Schweigen" zusammen:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Unheiliges-Schweigen/story/19007053

Siehe dazu auch die Kommentare zu einem "Zeit"- Artikel im selben Zusammenhang:

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-04/papst-heiligsprechung-menschenmenge?commentstart=33#cid-3583490

26.04.2014 Belgische Theologin Karlijn Demasure leitet Zentrum des Vatikans für Kinderschutz- Anlass zur Hoffnung

Eine belgische Theologin wird als geschäftsführende Direktorin das internationale Zentrum für Kinderschutz (Center for Child Protection, CPP) leiten, das Ende des Jahres von München an die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom übersiedeln soll. Karlijn Demasure lehrt seit 2007 an der Universität Saint Paul im kanadischen Ottawa. Die vierfache Mutter ist ausgewiesene Fachfrau für das Thema Kindesmissbrauch. In ihrem Heimatland gehörte die flämische Theologin auch der kirchlichen Kommission an, die sich mit Klagen über Missbrauch in der belgischen Kirche befasste. Sie arbeitet bereits mit dem Zentrum in München zusammen. Der Psychologie-Professor Pater Hans Zollner, deutscher Jesuit und Vizerektor der Gregoriana, bleibt Vorsitzender des Lenkungsgremiums des CPP. Papst Franziskus berief seinen Mitbruder Zollner jüngst in die neu gegründete vatikanische Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor Missbrauch, das ursprünglich an der vatikanischen Glaubenskongregation angesiedelt sein sollte, voraussichtlich aber direkt dem Papst unterstellt wird.

(rv 23.04.2014 gs)
http://de.radiovaticana.va/news/2014/04/23/italien:_theologin_leitet_zentrum_gegen_kindesmissbrauch/ted-793062

KARLIJN DEMASURE OVER MISBRUIK IN DE KERK
BRUSSEL (KerkNet/Tertio) – De klerikale cultuur en de hiërarchische structuur van de katholieke Kerk werken machtmisbruik - en als onderdeel daarvan ook seksueel misbruik - in de hand. Dat is de mening die psychiaters, theologen sociologen en rechtsgeleerden in Noord-Amerika vertolken. Dat zegt Karlijn Demasure. De Belgische theologe schreef een doctoraal proefschrift over misbruik in pastorale situaties.

“De vaststelling dat seksueel misbruik evenveel in gezinnen voorkomt als in de Kerk, ontslaat de Kerk niet van haar verantwoordelijkheid. Net zoals in het gezin de patriarchale structuren moeten worden aangepakt die aanzetten tot misbruik van de kinderen, zo moet ook de Kerk de structuren durven bijstellen die mee aanleiding kunnen geven tot seksueel misbruik van kinderen.
Het probleem kan niet worden opgelost door strengere selectiecriteria bij de toelating tot het priesterambt, noch door een toename van de supervisie. Het fenomeen heeft te maken met de organisatie van het instituut Kerk en met de klerikale cultuur waarvan het celibaat een onderdeel is”, aldus Demasure.
http://www.kerknet.be/actua/nieuws_detail.php?nieuwsID=92450


Karlijn DEMASURE über Missbrauch in der Kirche
BRÜSSEL (KerkNet / Tertio) – Die klerikale Kultur und die hierarchische Struktur der katholischen Kirche arbeiten dem Machtmissbrauch - und auch als Bestandteil davon dem sexuellen Missbrauchs - in die Hände. Das ist die Ansicht von Psychiatern, Soziologen, Theologen und Juristen in Nordamerika. Das sagt Karlijn Demasure. Die belgische Theologin schrieb eine Doktorarbeit über den Missbrauch in der pastoralen Situationen.
"Die Feststellung, dass sexueller Missbrauch in der Familie ebenso viel wie in der Kirche , entlastet die Kirche nicht ihrer Verantwortung. So wie in der Familie die patriarchalischen Strukturen angegangen werden müssen, die den Missbrauch von Kindern fördern, so muss auch die Kirche wagen die Strukturen anzupassen, die Anlass zu sexuellen Missbrauch von Kindern geben können. Das Problem kann nicht durch strengere Auswahlkriterien für die Zulassung zum Priesteramt gelöst werden, noch durch eine Zunahme von Supervision. Das Phänomen hat mit der Organisation der Institution Kirche und der klerikalen Kultur zu tun,von der die Ehelosigkeit (der Zölibat) ein Teil ist ", sagt Demasure.
http://www.kerknet.be/actua/nieuws_detail.php?nieuwsID=92450

25.04.2014 Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, zum aktuellen Stand der Missbrauchsaufarbeitung- Anlass zur Sorge

25.04.2014 Amtliches Krisengespräch um die Odenwaldschule

Aufsichtsbehörde zwingt Odenwaldschule zum Krisengespräch

Die Aufsichtsbehörde zwingt die Odenwaldschule zu einem Krisengespräch. Das Internat habe ein Ultimatum ohne Ergebnis verstreichen lassen. Das sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), in Heppenheim kurz nach Ablauf der Frist am Freitagmittag.

HEPPENHEIM. g. Die südhessische Schule hat nach einem Missbrauchsskandal aktuell mit einer Kinderporno-Affäre zu schaffen.

Der Landkreis hat die Aufsicht über das Internat der Schule. Das staatliche Schulamt Heppenheim ist für den Schulbetrieb zuständig. Diese Aufsicht oder das übergeordnete Kultusministerium sollen an dem für Dienstag geplanten Krisengespräch ebenfalls teilnehmen.

Ein Lehrer der Schule hat inzwischen den Besitz von Kinderpornos eingeräumt. Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt ist noch nicht klar, ob es sich um Filme oder Fotos handelt. Das müsse noch ermittelt werden. Die Wohnung des inzwischen fristlos entlassenen 32-Jährigen war am 9. April 2014 von der Polizei durchsucht worden.

dpa

24.04.2014 Bizarrer Fall von Exorzismus mit Todesfolge neu aufgearbeitet. Neue Akten des Bistums Würzburg

Ein Bischof genehmigte vor 40 Jahren den Exorzismus, eine sog. Teufels- Austreibung. Am Ende ist die 23-jährige Anneliese Michel, die an Epilepsie leidet, tot. Der Fall löste Kritik an der katholischen Kirche und eine Debatte über ihre Riten aus.

 

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_69117922/exorzismus-von-klingenberg-aufgearbeitet.html

 

vor allem:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/dissertation-zu-exorzismus-tod-und-teufel-1.1936680

24.04.2014 Stellungnahme zur neuesten Entwicklung an der Odenwaldschule

An der Odenwaldschule ist seit 2011 ein Lehrer an Schule und Internat beschäftigt worden, dem die Justiz den Besitz von kinderpornografischem Material vorwirft. Der Lehrer war auch "Vater" einer Familiengruppe im Internat. Der Lehrer ist mittlerweile vom Dienst suspendiert worden. Er stand schon längere Zeit unter besonderer Beobachtung, weil nach Presseberichten Schüler einen entsprechenden Verdacht geschöpft hatten und diesen der Schulleitung mitgeteilt hatten. Diese Presseberichte stehen im Widerspruch zu anderen Einlassungen der Schule, dass der Lehrer sich Schülern gegenüber immer korrekt verhalten habe. Hier unsere Stellungnahme, die in Kooperation mit anderen Opfergruppen erarbeitet wurde:

Stellungnahme Odenwaldschule
Stellungnahme Odenwaldschule.pdf
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23.04.2014 Bericht des Generalanzeigers Bonn zu einem fragwürdigen Urteil in einem besonders schweren Fall familiären Missbrauchs

Ein junges Mädchen ist jahrelang von seinem Stiefvater missbraucht worden. Der Täter wird schließlich mit abenteuerlicher Begründung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Auch in diesem Fall spielen die knappen Verjährungsfristen dem Täter in die Hände. Hier der Bericht des Generalanzeigers:

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Eine-junge-Frau-berichtet-von-ihren-traumatischen-Erfahrungen-article1332866.html

14.04.2014 Artikel in der Osterausgabe der "Zeit" zum Thema Missbrauch mit der Überschrift: Die spirituellen Fallschirmjäger des Vatikans

 

Eine Frau sucht im Kloster des Ordens "Das Werk" Geborgenheit. Sie findet sektenartige Strukturen, wird sexuell missbraucht und ein Opfer religiösen Fundamentalismus:

 

http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-04/katholische-kirche-das-werk-fso

10.04.2014 Umfrage zur Aufarbeitung in der Kath. Kirche bei Publik- Forum. Ankündigung eines Streitgesprächs zum Thema mit Wunnibald Müller und Norbert Denef

Auf www.publik-forum.de läuft aktuell eine online-Umfrage zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche:

„Klärt die Kirche Missbrauchsfälle auf?“

Näheres finden Sie hier: http://www.publik-forum.de/umfrage/sexuelle-gewalt-in-der-kirche?Length=0

 

 

Am Sonntag läuft zum Thema dann auch ein Pro- und Contra.

 

Es streiten sich zu oben genannter Frage:

  • Dr. Wunibald Müller, Psychologe und kath. Theologe, Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach und
  • Norbert Denef, selbst einst Opfer sexueller Gewalt von Kirchenmännern und heute Vorsitzender des „netzwerkB“ für Betroffene von sexualisierter Gewalt.

 

Wir als Verein plädieren für eine unabhängige, staatliche Untersuchung, da es schlicht unrealistisch ist zu erwarten, dass eine Untersuchung, die eine verantwortliche Institution selbst in Auftrag gibt, objektiv genug ist.

 

Die Ergebnisse der kirchlichen Aufarbeitung können selbstverständlich aber in eine übergeordnete Aufarbeitung einfließen.Wir stimmen den Überlegungen, die der Eckige Tisch dazu angestellt hat, zu:

 

http://www.eckiger-tisch.de/2012/01/25/eckiger-tisch-fordert-die-zeitnahe-einrichtung-einer-%E2%80%9Eunabhangigen-untersuchungs-und-anlaufstelle-fur-die-betroffenen-sexuellen-missbrauchs-in-der-katholischen-kirche-uamkk%E2%80%9C/

 

In diesem Zusammenhang erscheint uns bedeutungsvoll, dass vom Vorsitzenden der von Papst Franziskus kürzlich eingesetzten Untersuchungskommission Hans Zollner ein Deutungsmuster zum Sexuellen Missbrauch wiederbelebt wird, das schon für heftigen Widerstand gesorgt hat, als Bischof Mixa und Bischof Müller (Regensburg) es 2010 einbrachten:

 

Auszug:

„Mit einiger Gewissheit können wir vermuten, dass die sexuelle Revolution Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre dazu beigetragen hat, dass die Grenze zwischen dem normalen Körperkontakt mit Kindern und dem sexuellen Übergriff fließend geworden war und dass auch aus ideologischen Gründen sexueller Kontakt zwischen Erwachsenen und Kindern aktiv propagiert und von politischen Lobby-Gruppen bis in Gesetzesentwürfe hinein getragen wurde."

http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_5473/

 

 

 

05.04.2014 Treffen der von Gewalt und Missbrauch Betroffenen mit dem Orden der Redemptoristen

Am Samstag fand ein weiteres Gespräch der Betroffenengruppe mit dem Orden statt. Das Gespräch wurde trotz strittiger Themen wie Bestellung der Missbrauchsbeauftragten und Widerklage des Ordens gegen Dieter B. als sehr konstruktiv und weiterführend empfunden. Wir berichten in den nächsten Tagen.

03.04.2014 Kritische Fragen zur neuen Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz- Stellungnahme von Pater Römelt

In Kooperation der verschiedenen Betroffenengruppen vor allem aus dem institutionellen Bereich ist folgender kritischer Fragenkatalog zur neuen Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz entstanden. Tatsächlich gibt es viele viele Fragezeichen zu dieser Studie, Fragezeichen, die leicht dazu führen können, die Redlichkeit im Aufarbeitungswillen der kath. Kirche in Deutschland anzuzweifeln. Die Unterzeichner findet Ihr am Schluss des Dokuments.

 

Fragen an die Missbrauchsstudie
Fragen Studie DBK April 2014 (2).pdf
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Pater Römelt als Oberer des Redemptoristenordens hat in einer Mail an den Verein in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der Orden der Redemptoristen gerne bereit sei, an der Studie mitzuarbeiten. Er habe dies auch nach Abbruch der ersten Untersuchung Herrn Bischof Ackermann mitgeteilt.

 

Uns freut diese Bereitschaft ganz außerordentlich.

 

 

03.04.2014 Offensive Aufarbeitung durch das Vincentstift im Rheingau

Wir haben schon mehrfach über die vorbildliche Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch im Vincentstift berichtet. Das Vincentstift ist die Einrichtung, in der Ende der 60er Jahre auch der Kindermörder Jürgen Bartsch gequält wurde. Hier ein Link auf eine aktuelle Pressemitteilung zu einer Hotline für Missbrauchsopfer der Heime ab 1970:

http://www.st-vincenzstift.de/nc/aktuelles/presseinformationen/details/article/dr-dr-caspar-soeling-wir-sind-traurig-mit-jedem-der-sich-gemeldet-hat.html

und ein Link auf "Ehemalige Heimkinder" in Aulhausen:

http://www.st-vincenzstift.de/aktuelles/ehemalige-heimkinder.html

 

Siehe auch den heutigen Bericht in der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/neue-berichte-ueber-missbrauch-im-st-vincenzstift-12879251.html

31.03.2014 Kritische Fragen zur neuen Missbrauchsstudie der DBK

Wir bieten Euch hier einige Links, die wir für wichtig erachten, zur neuen Missbrauchsstudie und ein Interview mit Prof.Dr. Norbert Lüdecke als Textausgabe, in der der Kirchenrechtler Lüdecke kritisch zur Studie Stellung nimmt:

 

Eine gute Sendung des WDR "Diesseits von Eden" einschließlich eines Interviews mit dem Kirchenrechtler Prof. Dr. Norbert Lüdecke:

 

http://www.wdr5.de/sendungen/diesseitsvoneden/sendeterminseiten/sendeterminseite740.html

 

Hier ein grundlegender Text von Dr. Norbert Lüdecke von 2010 zu kirchenrechtlichen Fragen des Missbrauchs:

 

http://www.zerg.uni-bonn.de/veranstaltungen/zerg-aktuell/sexueller-missbrauch-von-kindern-und-jugendlichen-durch-priester.-statement-aus-kirchenrechtlicher-sicht-fussnoten

 

Hier der Text des aktuellen Interviews:

 

Prof. Dr. Lüdecke über entscheidende Fragen und das Kernproblem der neuen Missbrauchsstudie

 

„Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ - Das ist der Titel des neuen Forschungsprojekts, das am Montag vorgestellt wurde. Ein Forschungskonsortium von sieben Professoren soll dazu in den nächsten drei Jahren entscheidendes herausfinden. Ein erstes Projekt dieser Art sollte der Hannoveraner Kriminologe Dr. Christian Pfeiffer vor drei Jahren starten: Er hatte sich aber letztes Jahr im Streit mit der Bischofskonferenz getrennt. Verbunden bin ich jetzt mit dem katholischen Kirchenrechtler Norbert Lüdecke von der Universität Bonn. Herr Lüdecke, dass Pfeiffer die Forschung in den Kirchenarchiven aufgegeben hat, das hing mit bestimmten kirchenrechtlichen Regelungen zusammen. Worum ging es da?"
 
Prof. Dr. Lüdecke:  "Also, es kam mehreres zusammen, dass das Projekt gescheitert ist. Ein Hauptgrund war dafür, dass Pfeiffer zugesichert worden war, dass er alle erreichbaren Quellen bekommt. Er hat das verstanden, in dem Sinne, dass er das, was es tatsächlich gibt, einsehen und bearbeiten kann. Die Bischöfe hatten aber von vornherein gemeint, was „rechtlich“ erreichbar ist. Und da gehört - nun ganz entscheidend – ihr Geheimarchiv nicht dazu! 
 
Das Problem: die entscheidenden Materialien müssen aber im Geheimarchiv sein – nämlich alle Verfahren über Sittlichkeitsdelikte. Alles, was es da vor 2000 gibt, muss dort sein, soweit es nicht zehn Jahre nach einem Urteil oder nach dem Tod des Täters vernichtet worden ist, auftragsgemäß. Nach 2000 ist es auch da nicht mehr, sondern in Rom."
 
Moderator: "Nun startet dieses neue Projekt sozusagen mit einer neuen Aufgabenstellung: Man will nicht mehr der Länge nach die Archive durchforsten, aus diesen Gründen, die Sie eben geschildert haben, sondern, man setzt auf eine qualitative Untersuchung, also ausführliche Interviews mit Opfern und Tätern. Ist das also der bessere Weg?"
 
Prof. Dr. Lüdecke: "Also, zunächst einmal: Eine solche „qualitative“ Untersuchung in Bezug auf die Täter, kann, wenn sie gut gemacht ist, eine sinnvolle Ergänzung zu tragfähigen „quantitativen Erhebungen“ sein. So, wie das jetzt aussieht, dass es eine Art „Verlegenheitslösung“ ist, weil man an relevantes Material – weil es vernichtet ist, oder weil es weiterhin nicht rausgegeben ist – gar nicht rankommt, ist es von vorneherein mit einem Makel behaftet.
 
Man muss das nüchtern sehen: Bischof Ackermann hat in der Pressekonferenz von „Wahrheit aufdecken“ und „Transparenz“ gesprochen. Und da hat er auch gesagt, „die Forscher kriegen alles, was wir haben“. – Das geht aber kirchenrechtlich gar nicht. Hat er jetzt gelogen? 
 
Nein, hat er nicht. Aber man muss sich in Sachen Kirche doch schon ziemlich auskennen, um zu bemerken, dass er das Wort „Archiv“ ja überhaupt nicht in den Mund genommen hat. Er hat nur von Personalakten gesprochen, aus denen ausgesuchte Leute ausgesuchte Stellen den Forschern zur Verfügung stellen."
 
Moderator: "Sie sagen, da muss man sich schon gut auskennen in der Kirche. Jetzt ist es ja so, die Forscher, die sich jetzt um dieses Forschungsprojekt beworben haben und den Zuschlag bekommen haben, haben bisher eigentlich nicht im Bereich der Kirche geforscht. Wie ist das denn, muss man den Laden kennen, um kirchenspezifische Muster auch von Missbrauch und Vertuschung zu erkennen oder ist es vielleicht anders herum gerade besser, wenn man keinen „Stallgeruch“ mitbringt?"
 
Prof. Dr. Lüdecke: "Man muss zunächst einmal sagen, da ist schon ein Team von Spitzenforscherinnen und Spitzenforschern auf ihrem Gebiet, ihrem Fachgebiet, zusammengekommen. 
 
Was ich aber in der Tat erstaunlich finde, ist zum einen, dass keiner der beteiligten Forscher dokumentierte Forschungsvorerfahrungen auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs hat, und was ich noch erstaunlicher finde: erklärtermaßen überhaupt keine Vorerfahrung in Sachen Kirche. 
 
Und da habe ich große Bedenken, denn da bin ich überzeugt, dass man ein System, denn es soll ja auch um Systemvergleich gehen, nicht vergleichen kann, weil man es gar nicht kennt. – Damit habe ich wirklich ein Problem."
 
Moderator: "Nun hat Bischof Ackermann in der Vorstellung des Projekts gesagt, man wolle über diese Interviews mit Tätern und Opfern eine „vertiefte Einsicht über das Vorgehen der Täter“ erhalten und über das „Verhalten von Kirchenverantwortlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten“. – Wer ist denn für die männlichen Kleriker und Ordensangehörigen, wie es im Projekttitel heißt, wer ist denn für die verantwortlich?"
 
Prof. Dr. Lüdecke: "Das ist nun die wirklich entscheidende Frage, die mir bei der Studie auch mit der Konzentration auf die Täter und Opfer etwas in den Hintergrund rückt, obwohl sie sich auch damit beschäftigen will. Ich erinnere mich an ein Interview mit Erzbischof Marx im Fernsehmagazin „Panorama“. Dort wurde er gefragt, Bischof Ackermann hätte doch von Vertuschung gesprochen und wie man denn mit Vertuschern in den eigenen Bischofsreihen umgehen würde. Erzbischof Marx, damals nur Erzbischof, hat damals nicht geantwortet und ist ausgewichen. Dann hat die Reporterin aber noch einmal nachgehakt und hat gesagt, hat gefragt: „Was hat das denn für Folgen für solch einen Bischof?“ – Und dann war der Erzbischof sichtlich verstört und hat gesagt: „Keine. Ich verstehe die Frage gar nicht.“
 
Und das ist das Kernproblem. Die Schwierigkeit, überhaupt die Verantwortlichkeit seitens der Hierarchen zu erkennen, geschweige denn, spürbare Konsequenzen dafür zu übernehmen. Und dazu passt nun leider – schon fast entlarvend – die Formulierung von Bischof Ackermann, wenn er davon spricht, dass es auch um Kirchenverantwortliche gehen soll. Entschuldigung – wer sind denn Kirchenverantwortliche?
 
Es gibt in jedem Bistum nur einen einzigen Hauptorganisationsverantwortlichen: Der ist männlich und Bischof. Der Bischof ist in seinem Bistum einziger Gesetzgeber, Richter und Verwalter:  Alles in einer Person.  
Er ist verantwortlich für die Priesterausbildung, er entscheidet, wen er weiht. Er ist verantwortlich – und zwar, alleine verantwortlich – dafür, dass die Priester ihre Standespflichten erfüllen und ihren Dienst ordnungsgemäß absolvieren. Er hat die seelsorgerischen Einrichtungen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu visitieren und korrigierende Maßnahmen zu ergreifen. 
 
Also, es kann doch nicht sein, dass man „Voll-Macht“ beansprucht, aber bei der Verantwortlichkeit dann großzügig zu teilen bereit ist."
 
Moderator: Herzlichen Dank an Dr. Lüdecke, Kirchenrechtler der Universität Bonn
 
(Transkript, ca)

 

 

27.03.2014 Pater Römelt bestätigt und bedauert die Nichtbeteiligung der Orden an der Forschungsstudie der DBK

Pater Römelt, Provinzial der Redemptoristen, bestätigt in einer Mail an den Verein MoJoRed, dass die Deutsche Ordenskonferenz an der Forschungsstudie nicht beteiligt ist. Die Orden sind wohl auch nicht wegen einer Beteiligung angefragt worden. Pater Römelt wiederholt darüber sein Bedauern, dass er seinerzeit schon zum Scheitern der Pfeifferstudie in einem Brief an Herrn Bischof Ackermann geäußert hat. Er betont ausdrücklich, dass der Orden der Redemptoristen sich gerne an einer entsprechenden Studie beteiligen würde.

 

Für die Redemptoristen im Übrigen sind die aktuellen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch von 2013 maßgebend.

26.03.2014 Bundesregierung hält Wort: sie bestätigt den Missbrauchsbeauftragten Rörig für die nächsten 5 Jahre im Amt und richtet sogar Betroffenenrat ein

Am liebsten würden wir ausschließlich gute Nachrichten verkünden wie diese, dass die Bundesregierung zu ihrem Wort steht, mehr als bisher gegen sexuelle Gewalt in der Gesellschaft zu tun.

 

Pressemeitteilung des Bundesfamilienministeriums zur Bestätigung des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung:

 

Bestätigung Beauftragter
PM_Rörig wird weitere fünf Jahre Missbr
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Schreiben an die Betroffenen:

Betroffene
Schreiben Rörig Betroffene (2).pdf
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Bild Schwesig und Rörig. Übergabe Ernennung

Ernennung
Foto Schwesig Rörig (2).jpg
JPG Bild 3.2 MB

25.03.2014 Feature zum Missbrauch am Aloisiuskolleg in Bonn auf WDR 5: Macht Fotos und Jungen

Hier der entsprechende Link zum Nachhören und Download:

 

http://podcast-ww.wdr.de/medstdp/fsk0/37/370004/370004_3758278.mp3

 

 

24.03.2014 Forschungsdesign der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz enttäuscht auf der ganzen Linie. Opfer von Ordenspriestern, Internatsschüler und Heimkinder ausgespart

Vier Jahre hat es gedauert- und herausgekommen ist wenig, allenfalls etwas, was man Feigenblatt nennt.

·       Da erhalten renommierte Experten einen Forschungsauftrag und akzeptieren, dass sie keinen freien Zugang zu den Unterlagen haben.

·       Da wird ein frühester Zeitpunkt der Veröffentlichung mit 2018 genannt. Und bis dahin gibt es keine Information mehr mit dem Hinweis auf eine laufende Untersuchung. Wie geschickt, wenn ich nicht an Aufarbeitung interessiert bin.

·       Da verkündet die Bischofskonferenz groß eine einmalige Studie und beschränkt sie gleichzeitig auf wenige Jahre: zu untersuchender Zeitraum 27 Bistümer mal 68 (1946-2014) Jahre = 2322 Jahre. Tatsächlich untersuchter Zeitraum: 9 Bistümer á 68 Jahre (612)  + 18 Bistümer á 14 Jahre (252)  = 864 Jahre  
tatsächlich untersuchter Zeitraum = 37 %.

·       Die reichste Kirche der Welt, die katholische Kirche Deutschlands, gebiert einen Untersuchungsauftrag, der mit unter 1Million Euro weniger als die Hälfte der Untersuchung kosten soll, die sich die kleine Kirche der Niederlande bereits 2010 zugemutet hat. Die Deetmann- Studie hat über 2 Millionen Euro gekostet. Beschämend!

·       Und dann das: die Orden sind nur insofern berücksichtigt, als sie in einem konkreten Vertragsverhältnis zu einer Diözese standen. Die Opfer der von Orden geführten Internate, Schulen, Heime- sie alle sind es nicht wert, dass auch sie „beforscht“ werden. Ein Schlag ins Gesicht. Kränkend. Entwürdigend. Beschämend.

Wir erwarten, dass der Orden der Redemptoristen Einspruch erhebt, dass er sich einmal öffentlich wehrt für uns.

23.03.2014 Pressemitteilung des Vereins zum Forschungsprojekt der Deutschen Bischofskonferenz, sog. Missbrauchsstudie

Der Verein "Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen" hat heute eine Presseerklärung zur sog. Missbrauchstudie der Deutschen Bischofskonferenz herausgegben, die freundlicherweise auch von anderen Betroffenengruppen unterzeichnet worden ist:

 

 

Pressemitteilung institutioneller Missbrauchsopfer zum Forschungsprojekt der kath. Kirche:“ Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz"

 

 

So erfreulich es ist, dass das lange angekündigte Forschungsprojekt der katholischen Kirche zum Thema "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" endlich Gestalt annimmt, so unklar scheint auch dieses Mal nach bisherigen Informationen das vorgelegte Forschungsdesign zu sein.  Offensichtlich sind alle institutionellen Missbrauchsopfer in Internaten und Heimen - sie unterstanden in der Regel allein der Aufsicht der Orden - aus der Forschung ausgespart.

 

Missbrauchsopfer der kirchlichen Orden mahnen daher an,

 

·       dass generell alle sich außerhalb einer diözesanen Anstellung befindenden Ordensangehörigen zum Bestandteil dieses Forschungsauftrages zählen müssen. Konkret ist im Untersuchungsdesign bisher nur die Rede davon, dass Bistumsakten (in 9 Bistümern ab 1945, der Rest von 2000 an bis heute) untersucht werden. Die Ordensakten werden explizit nicht genannt, befinden sich jedoch unter der Sonderverwaltung der Orden und sind der Bischofskonferenz nicht ohne Zugangserlaubnis zugänglich. Wären also nur die Orden einbezogen, die diözesan tätig waren, wäre das eine gewaltige Untersuchungslücke bzw. würde diese Lücke die Untersuchung marginalisieren und evtl. sogar  wertlos machen.

 

·       dass der Austausch mit und die Beteiligung von Betroffenen, die als Minderjährige sexuellen Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche erleiden mussten, unabdingbar Bestandteil des Forschungsprojektes sein müssen. Die Erfahrungsexpertise der Opfer sollte durch ein transparentes Verfahren schon bei der Entwicklung der Forschungsinstrumente als auch bei der Interpretation der Ergebnisse einbezogen werden. Mindestens ist hier ein stimmberechtigter Beirat ähnlich dem Betroffenenbeirat beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung erforderlich.

 

·       Dass der kirchenrechtlich limitierte Aktenzugang (Geheimarchivverwahrung verjährter Sexualdelikte und diesbezüglicher Kirchenrechtsverfahren/Sanktionen etc.) aufgehoben wird und alle Akten der entsprechenden Bistümer und der Orden von den Forschern eingesehen werden können. Bekanntlich verweigerten im ursprünglichen Forschungsauftrag an Herrn Prof. Dr. Pfeiffer einzelne Bistümer ihr Genehmigung.

 

·       Dass der Untersuchungszeitraum mindestens auf die NS-Zeit ausgedehnt werden sollte. Hier scheint es auch für die Zeit nach 1945 beachtliche Kontinuitäten zu geben bezogen z.B. auf die sog. „Sittlichkeitsprozesse“ 1935-1938. Die Aktenlage ist hier durchaus erkenntnisrelevant für die Analyse der deliktbegünstigenden System- und Rechtsstrukturen der Katholischen Kirche. Die bisherige kritische Aufarbeitung der „Sittlichkeitsprozesse“ hat diese Analyse noch nicht geleistet.

 

 

Unterzeichner:

Winfried Ponsens, Geschäftsführer Verein „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen“,

Matthias Katsch, Sprecher ECKIGER TISCH, stellv. Vors. Fachbeirat beim Unabhängigen Beauftragten sexueller Missbrauch

Tina Dewes, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Jacqueline Ehmke, Lenkungsausschuss Ergänzendes Hilfesystem

Angelika Oetken, Betroffene sexueller Misshandlung in der Kindheit

Maren Ruden, Lenkungsausschuss Ergänzendes Hilfesystem

Hermann Schell, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Heiko Schnitzler, Eckiger Tisch Bonn

Renate Schusch, stellv. Vorsitzende Aktivverbund e.V.

Dr. Henning Stein, Monika Stein, Mitglieder im Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Dieter Grah

PD Dr. Thomas Schnitzler

 

 

Herr Ponsens hat gleichzeitig in einer Mail an Pater Johannes Römelt um nähere Informationen gebeten und nachgefragt, in welcher Form der Orden der Redemptoristen sich an der Studie beteiligt.

16.03.2014 Befremdliche Äußerungen der neuen Missbrauchsbeauftragten des Ordens in der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen

Missbrauchsopfer verfolgen besonders aufmerksam, was der Orden schreibt und wie er handelt. Missbrauchsopfer verfolgen noch aufmerksamer die Worte der Person, die im Orden der Redemptoristen zukünftig für Aufarbeitung und Prävention im Bereich von Gewalt und Missbrauch zuständig  sein wird. Und waren sie schon bei der Auswahl der Beauftragten skeptisch, so sind sie über folgende Wortwahl denn doch mehr als irritiert: