Aktuelles

17.01.2016   Missbrauchsbeauftragter Rörig stellt Expertise zu sexueller Gewalt an Minderjährigen vor- und zwar sexuelle Gewalt im Bereich der Internetkriminalität (z.B. Cybergrooming )

Pressemitteilung

 

Berlin, 17.01.2017

 

 

 

Missbrauchsbeauftragter Rörig stellt Expertise zu sexueller Gewalt an Minderjährigen mittels digitaler Medien vor

 

 

 

Rörig fordert eine auf Dauer angelegte Agenda für digitalen Kinder- und Jugendschutz, mehr Forschung, Prävention und Hilfen bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mittels digitaler Medien und eine Versuchsstrafbarkeit für Cybergrooming: „In der aktuellen Debatte um die digitale Sicherheitsarchitektur müssen auch die sexuellen Cyberattacken gegen Kinder und Jugendliche in den Fokus genommen werden!“

 

 

 

Berlin, 17.01.2017. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, und Mitglieder der „Konzeptgruppe Internet“, einer interdisziplinären Arbeitsgruppe seines Beirats, stellen heute die vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verfasste Expertise „Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien“ vor.

 

 

 

Die Expertise unter der Autorenschaft von Prof. Peer Briken, Institutsdirektor am UKE, sowie Prof. Arne Dekker und Thula Koops, zeigt auf, wie sich sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch die digitalen Medien verändert hat. In dem gleichnamigen Fachgespräch „Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien“ wird heute die Expertise mit über 100 Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und des Kinderschutzes diskutiert. Ziel ist ein Dialog mit allen Verantwortlichen und Entscheidungsträgern, um einen wirksameren Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexueller Gewalt mittels digitaler Medien zu erreichen. […]

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

 

 

im Anhang finden Sie die Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Expertise und weitere Unterlagen der Pressemappe finden Sie unter diesem Link:

 

https://beauftragter-missbrauch.de/nc/presse-service/pressemitteilungen/

 

 

 

 

 

Mit besten Grüßen

 

 

 

Kathleen Bärs

 

Pressereferentin

 

__________________________________

 

 

 

Unabhängiger Beauftragter für Fragen

 

des sexuellen Kindesmissbrauchs

 

 

 

Geschäftsbereich 3 / Presse, Reden, Soziale Medien

 

Postanschrift: Glinkastraße 24, 10117 Berlin

 

Dienstsitz: Kapelle-Ufer 2, 10117 Berlin

 

 

 

Fon: 030 18555 1565

 

Fax:  030 18555 4 1565

 

Mail: kathleen.baers@ubskm.bund.de

 

 

 

www.beauftragter-missbrauch.de

 

Twitter: @ubskm_de

 

 

 

Hilfetelefon: 0800-2255530 (anonym & kostenfrei)

 

www.hilfeportal-missbrauch.de

 

www.kein-raum-fuer-missbrauch.de

 

www.aufarbeitungskommission.de

 

Twitter: @ukask_de

 

 

 

 

 

 

 

12.01.2017  Neuer Schulleiter im AKO in Bad- Godesberg

 

 

Im AKO gibt es einen Nachfolger für Pater Johannes Siebner, der sein Rektorenamt an Pater Martin Löwenstein abgibt. Siebner wurde zum Provinzial berufen. Herr Löwenstein heißt offiziell „Martin, Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg“ und entstammt edlem altem Adel.

 

Pater Löwenstein ist 1961 geboren und 1980 in den Orden eingetreten. Nach den üblichen Ausbildungsabschnitten (Noviziat, Philosophie, Magisterium in der Jugendarbeit in Hamburg und Theologie) war er schon ein erstes Mal für längere Zeit in Bad Godesberg und hat im Kolleg gewohnt.

 

http://www.aloisiuskolleg.de/meldung/neuer-rektor-kommt-von-der-waterkant-an-den-rhein/216

 

Siehe auch den heutigen Bericht im Generalanzeiger:

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Hamburger-Pater-kommt-als-neuer-Rektor-article3447203.html

 

 

11.01.2017   Orden der Redemptoristen entschuldigt sich für sein Vorgehen im Prozess von Dieter B. gegen den Orden im Jahr 2012 und unterstreicht seine Entschuldigung mit einer finanziellen Wiedergutmachung.

 

Am 1.12.2016 haben sich der von Missbrauch im Jahr 1959 Betroffene Dieter B., die Ordensleitung, der Missbrauchsbeauftragte des Ordens und die 1. Vorsitzende des Opfervereins zu einem besonderen Gespräch getroffen- mit beachtlichem Ergebnis:

 

Kurz zur Geschichte: Dieter B. wurde im Jahre 1959 für ca. 4 Wochen probeweise ins Internat der Redemptoristen aufgenommen- und zwar während der Sommerferien. Verantwortlicher Pater war Pater J. L., der nach einer Volksmission in der Gemeinde des Opfers die Eltern des Kindes zu einer solchen probeweisen Aufnahme überreden konnte. Transport im Pater- eigenen VW- Bus. Das Opfer wurde im Internat auf eine Weise eingeschlossen, dass er keinerlei Kontakt nach außen hatte. Er wurde nach seiner Erinnerung mehrfach vergewaltigt, unter anderem auch von besagtem Priester. Der Missbrauchsbeauftragte Merzbach erkannte Dieter B.´s Einlassungen im Jahre 2011 als glaubwürdig an. Als Dieter im Jahr 2012 den Orden wegen verschiedener lebenslanger massiver Beschädigungen auf Schadenersatz (trotz Verjährung) verklagte, fuhr der Orden juristische Einwände auf, die vor allem die Glaubwürdigkeit des Opfers in Frage stellten. Ganz besonders wurde in Abrede gestellt, dass es z.B. solche probeweisen Aufnahmen überhaupt gegeben habe, dass es den beschriebenen Raum gegeben habe etc.  Es erschien vielen Ordensmitgliedern völlig abwegig, dass Pater L. in irgendeiner Weise Jugendlichen gegenüber übergriffig geworden sein könnte, allenfalls sei ihm eine gewisse Selbstherrlichkeit zu eigen gewesen.

 

Durch gemeinsame Recherchen von Ordens- und Vereinsmitgliedern konnten die Angaben des Ordens zur Betreuung von Schülern in den Ferien dahingehend korrigiert werden, dass es solche Aufenthalte damals sehr wohl gegeben hat. Die Recherche des Missbrauchsbeauftragten in den zahlreich vorliegenden Akten zu Pater L. ergab schließlich, dass Pater L. vielfach übergriffig geworden ist (ohne dass es zu einer Strafanzeige, geschweige denn Verurteilung durch ein ordentliches gericht gekommen ist) - man gab sich mit Kontakt- und Aufenthaltsverboten zufrieden. Vor allem erschütterte im Verlauf des Klärungsprozesses ein ärztliches Gutachten (vor der Ordination), das dazu hätte führen müssen, dass Pater L. wegen einschlägiger Vorbelastung erst gar nicht hätte zum Priesteramt zugelassen werden dürfen. Die Akte L. stellt sich dar als eine typische kirchliche Täterakte. Alles wurde dafür getan „die Sache“ unter der Decke zu halten und vor jeder Öffentlichkeit zu verbergen. Das vorliegende Material spricht bezüglich der Täterbiografie eine mehr als deutliche Sprache, obwohl die Akte seinerzeit sogar bei einem Wechsel der Ordensleitung (die neue wollte „mit diesem Dreck“ nichts zu tun haben) bereinigt worden ist.

 

Die herausragenden Zauberkünste des sog. "Zauberpaters" (Auftritt u.a. bei Elsner und bei Gottschalk) und das enorme soziale Engagement des Täters erscheinen nach Studium der Personalakte in einem ganz anderem Licht:  Beides diente wohl letztlich dazu, den Täter unangreifbar erscheinen zu lassen und seine  Verbrechen zu verschleiern bzw. überhaupt erst zu ermöglichen.

Im Gespräch am 1.12. 2016 entschuldigte sich die Ordensleitung für ihr hartes juristisches Vorgehen 2012, „für ihr Unvermögen, in der damaligen Situation angemessen zu reagieren“ und für die Fehler, die im Zusammenhang mit Sexuellem Missbrauch durch den Orden begangen wurden. Die Ordensleitung fragte ausdrücklich nach, ob das Opfer die Entschuldigung akzeptiere. Nach der Bejahung hat die Ordensleitung dem Opfer angeboten, auch in materieller Hinsicht den Schaden durch den Prozess zu kompensieren und nachgefragt, ob es eine Vorstellung gibt, in welcher Höhe dies erfolgen solle. Vereinbart wurde schließlich, seine hohen Prozesskosten aus 2012 zu erstatten.

 

Wir als Opferverein begrüßen die Einigung sehr und zollen der Ordensleitung wie dem Orden als Ganzem unseren hohen Respekt für seine Bereitschaft zur erneuten Aufarbeitung, zur Korrektur und zur schließlichen Wiedergutmachung. Solch aufrechte Haltung scheint uns keine Selbstverständlichkeit zu sein.

 

 

10.01.2017 Presserklärung zum Missbrauch im Sport

 

Zu den Orten, an denen Kinder noch heute besonders gefährdet sind, Missbrauch zu erleiden, gehört der Sport. Ähnlich wie in Kirche und in Medizin gelingt es hier den Tätern besonders gut, ihre Verbrechen zu verschleiern. Anders als bei der Kirche ist der Fokus der Öffentlichkeit auf diesen Tatort kaum ausgerichtet.

 

"Tatort Sport: Sexueller Missbrauch im Freizeit- und
Leistungssport
Sowohl der Leistungs- als auch der Breitensport haben für Kinder- und Jugendliche eine
zentrale Bedeutung. Der Sport kann Lernfeld, berufliche Perspektive, Ausgleich und
Ressource sein. Gleichzeitig bietet er Täterinnen und Tätern geradezu ideale Bedingungen. In
diesem Spannungsfeld tragen sowohl die Sportverbände, als auch alle Erwachsenen, die
innerhalb der dem Sport verbundenen Institutionen aktiv sind, eine große Verantwortung.
Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist gleichermaßen verbreitet, wie es tabuisiert
ist, ihn als solchen zu erkennen und darüber zu sprechen. So erklären sich die zumeist
ungläubigen Reaktionen, wenn Menschen erfahren, dass allein in Deutschland eine Million
Minderjährige leben, die bereits Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind (1). Dabei
stellt gerade die sportliche Betätigung, das Erleben von Gemeinschaft in Vereinen für
Heranwachsende, die es im häuslichen Umfeld und/oder der Schule nicht leicht haben und
wenig Unterstützung erfahren, eine unschätzbare Ressource dar. Drei Millionen Kinder in
Deutschland wachsen in Armut auf (2), 1, 5 Millionen Kinder haben Eltern, die an einer
schweren psychischen, geistigen oder Suchterkrankung leiden und deshalb Probleme haben,
für ihren Nachwuchs zu sorgen (3). Hinzu kommen noch Kinder und Jugendliche mit
Handicaps. Das können Lernstörungen, chronische Erkrankungen, seelische, geistige oder
körperliche Behinderungen sein. Viele dieser Heranwachsenden finden im Sport Halt und
Bestätigung. Der DOSB führt auf seiner Homepage an, dass die Deutsche Sportjugend die
Interessen von 10 Millionen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bündele (4).
Den Sportorganisationen kommt so eine besondere gesellschaftliche Bedeutung zu. Wir
möchten die Verantwortlichen ermutigen, die bestehenden Ansätze in Richtung Aufarbeitung
und Prävention noch auszubauen (5). Vor der Bewilligung von Fördermitteln gerade für den
Spitzensport, sollten die entscheidungsbefugten Gremien der Politik, Wirtschaft und des
Sports zukünftig auf die Einrichtung wirksamer Opferschutzprogramme bestehen.
Berücksichtig werden sollte auch, dass, wenn für bereits anderweitig traumatisierte
Heranwachsende der organisierte Sport zu einem weiteren Tatort wird, die so verursachte
Mehrfachbetroffenheit in ihrer schädlichen Wirkung potenziert werden kann.
Fazit: der Sport bietet Täterinnen und Tätern selten günstige Bedingungen für ihre
Übergriffe. Es liegt an allen involvierten Erwachsenen es ihnen schwer zu machen. Auf dass
auch der Sport keinen Raum für Missbrauch bieten möge."


Berlin-Köpenick, der 7. Januar 2017
Angelika Oetken, Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam, Betroffene Tatort familiäres Umfeld, Co-Sprecherin des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Bernd Held, Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg, Betroffener Tatort Römisch Katholische Kirche, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Jacqueline Ehmke, Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam, Betroffene Tatort Familie, Mitglied im Lenkungsausschuss des Fonds Sexueller Missbrauch
Winfried Ponsens, Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V., Betroffener Tatort Römisch Katholische Kirche, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Sylvia Witte Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V., Betroffene Tatort Römisch Katholische Kirche, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Maren Ruden, Initiative „Die Rose“, Betroffene Tatort Familie, Mitglied im Lenkungsausschuss des Fonds Sexueller Missbrauch
Christian Fischer Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg, Betroffener Tatort Römisch Katholische Kirche, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller
Missbrauch
Henning und Monika Stein, Mitbetroffene Tatort Behinderteneinrichtung, Mitglieder des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Renate Schusch, Aktivverbund e.V., Betroffene Tatort Familie, Mitbetroffene Tatort Organisierter/ritueller Missbrauch, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Sigrid Kumberger, Mitbetroffene Tatort Sport, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch
Thomas Schnitzler, MissBiT, Betroffener Tatort Römisch Katholische Kirche, Mitbetroffener Tatort Sport, Mitglied des Betroffenenbeirats des Fonds Sexueller Missbrauch

 

(1) https://beauftragter-missbrauch.de/presseservice/
pressemitteilungen/detail/news/test/ (Abruf 7.1.2017)
(2) https://www.dkhw.de/unsere-arbeit/schwerpunkte/kinderarmut-indeutschland/?
gclid=COLeoM7UsNECFQ4R0wodxsYBqg (Abruf 7.1.2017)
(3) http://www.psychiatrie.de/bapk/kipsy/ (Abruf 7.1.2017)
(4) https://www.dosb.de/de/jugendsport/ (Abruf 7.1.2017)
(5) https://www.dsj.de/kinderschutz/ (Abruf 7.1.2017)

08.01.2017   Neue Egebnisse einer kritischen Aktensichtung, beachtliche Entschuldigung und Wiedergutmachung des Ordens gegenüber Dieter Beckmann

Manchmal escheint es so, als passiere im Verein gerade so gar nichts. Tatsächlich sind jedoch diese Ruhephasen oft die entscheidenden Phasen erhöhter Aktivität von Recherche und Gespräch. Und tatsächlich: wir als Betroffenenverein und der Orden reden immer noch miteinander, obwohl wir Konflikte miteinander hatten, wonach gegenseitiges Zuhören und Miteinandersprechen eigentlich obsolet zu werden schienen.  Gewiss wünschten wir uns noch immer Manches anders und besser und schneller und parteilicher und engagierter und offener und und. Der aktuelle Anlass:

 

Gerade der härteste Konflikt in unserer gemeinsamen Aufarbeitungsgeschichte, der Konflikt um den von Dieter Beckmann angestrengten Prozess gegen den Orden 2012 und die unerbittlich harte Reaktion des Ordens haben Dieter als Opfer und uns als Betroffenenenvertretung und - so hoffen wir -  auch den Orden entscheidend nach vorne gebracht. Dieter, dessen zerstückelte traumatische Erinnerungsfetzen heute zu einer kohärenten Erinnerung zusammenfinden können, ist gewiss der, der für sich das Wichtigste errungen hat: seine eigene Geschichte und ihre Wahrheit. Er geht nicht als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervor aber doch als Aufrechter. Er hat sein "Wahres Selbst"  auf eine sehr besondere Weise restituieren können. Schmerzvoll bleibt das Geschehen damals und auch sein erster Versuch der Aufarbeitung. Nichts von dem, was er als Kind erleiden musste, ist deshalb besser geworden. Aber vielleicht doch anders. Zumindest kann er selbst und können andere nicht mehr  seine Erinnerung als eine "false memory" denunzieren. Die Wege zu sich selbst sind für die von Missbrauch Betroffenen wahrlich nicht einfach zu gehen.

 

Auch für den Verein markiert das Ergebnis der Recherchen und der Gespräche einen Meilenstein: es hat sich gelohnt, in der Recherche nicht aufzugeben, sich gelohnt, bei der Sache zu bleiben, sich gelohnt, Solidarität zu leben.

 

Zu beurteilen und aufzuschreiben, was der Orden gelernt hat, ist nicht unsere Sache. Unser Dank geht an die Ordensleitung dafür, dass sie es fertig gebracht hat, dazu zu stehen, dass sie mit ihrer Art der Prozessführung einen Fehler gemacht hat und ein Opfer noch ein zweites Mal beschädigt hat. Sie hat sich dafür ausdrücklich entschuldigt und durch Übernahme der damaligen (hohen) Prozesskosten des unterlegenen Klägers Dieter Beckmann Wiedergutmachung geleistet. Fehler einzugestehen und Wiedergutmachung zu leisten, gehört wahrlich nicht zu den einfachen Dingen im Leben, gehört wohl auch nicht zu den Dingen, die kirchlichen Kreisen in den Schoß fallen.

 

Hervorzuheben ist, dass der Missbrauchsbeauftragte des Ordens noch ein zweites Mal  den ausdrücklichen Auftrag der Ordensleitung erhalten hat, diesen Fall mit der ihm eigenen Akribie zu untersuchen. Wir wissen zu schätzen, was es bedeutet, ein so großes Aktenkonvolut durchzuarbeiten und vor allem das in einen Klartext zu bringen, was kirchlicherseits in der Vergangenheit bis zur Unkenntlichkeit  verklausuliert fomuliert und damit verborgen werden sollte.

 

Wenn wir im folgenden den Generalanzeiger zitieren, weil er das Geschhen gut zusammenfasst, soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir die Überschrift anders formuliert hätten: die Entschuldigung betraf gewiss auch das Unrecht vor 57 Jahren, aber dann doch vor allem und ganz besonders das Unrecht von vor vier Jahren. Ja, und statt dem "Erst" hätten wir ein Ausrufezeichen gesetzt. Immerhin.

 

Hier der Artikel aus dem Generalanzeiger:

 

Orden entschuldigt sich erst nach 57 Jahren

 

06.01.2017 BONN. 1959 missbrauchten Geistliche der Redemptoristen einen elfjährigen Jungen. Das Opfer klagte vergeblich vor Gericht. Erst jetzt hat der Orden sich offiziell bei Beckmann entschuldigt.

 

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

 

Es sind vor allem die nächtlichen Gerüche von Schweiß und Sperma, die Dieter Beckmann auch Jahrzehnte nach den Missbrauchstaten nicht mehr loslassen. Es sind diese widerwärtigen Geräusche von Männern, die ihm, dem damals Elfjährigen, Gewalt antaten. Es ist dieser Spalt Licht einer immer nur kurz geöffneten Tür, aus der nie Rettung kam. „Die haben mich als Opfer betrachtet, das sie jede Nacht aufs Neue abriefen“, sagt Beckmann tonlos.

 

„Die“ – das waren Täter aus dem Kreis des Redemptoristenordens, die in den Sommerferien 1959, als die Anlage des Collegiums Josephinum von Schülern leer war, jede Nacht über das in der Stadt fremde Kind herfielen, „Ich war denen ausgeliefert“, sagt Beckmann. „Wenn sie mich penetrierten, habe ich mich starr gestellt.“ Um danach verzweifelt Mutters Nivea-Creme auf die Wunden zu streichen. Erst jetzt hat der Orden sich offiziell bei Beckmann entschuldigt.

 

Aber wie kam ein katholischer Junge aus dem Raum Osnabrück an diesen Ort des Schreckens? Durch Jugendpater L., der habe ihn von seinen frommen, armen Eltern „im Bully“ auf kostenlose Sommerferien abgeholt, erklärt Beckmann. Er spricht von einem damals überregional bekannten „Zauberpater“, der in der Jugendhilfe sehr aktiv war und vor seinem Tod 1999 sogar noch das Bundesverdienstkreuz bekam. Pater L. habe ihn in jenen Sommer mit Zwang in Bonn gehalten.

 

„Es war so dunkel, wenn auch die anderen, noch aggressiveren kamen. Ich sah ihre Gesichter nicht“, sagt der heute 68-Jährige bitter. Über Jahrzehnte verschloss er sich. Und dann, als 2010 der Missbrauchsskandal ausbrach, nahm ihm der Orden seine Leidensgeschichte nicht ab, bis vor ein paar Wochen nicht. Denn in den Akten fand sich keine staatsanwaltschaftliche Untersuchung und keine Anklage gegen Pater L.

 

2013 hatte der GA schon einmal über den Fall berichtet. Da hatte Beckmann mit Mitgliedern des Vereins „Missbrauchsopfer Josephinum und Redemptoristen“ vor dem Landgericht Bonn dafür demonstriert, endlich gehört zu werden. „Wir sind nicht verjährt“, stand auf den Transparenten. „Ich will nicht mehr Opfer im Dunkeln sein, sondern Handelnder“, hatte der pensionierte Lehrer dem GA damals gesagt. Zuvor hatte er Strafanzeige gegen Pater L. gestellt. Die Staatsanwaltschaft Bonn hatte das Verfahren wegen Verjährung eingestellt.

 

2013 klagte er auf ein Schmerzensgeld von symbolischen 5001 Euro – vergeblich. Denn im Landgericht habe der Ordensvertreter rundweg abgestritten, dass auch nur ein Junge 1959 die Sommerferien in den Räumlichkeiten des Collegiums Josephinum verbracht habe, so Beckmann. „Auch nach über 50 Jahren war ich erneut das Opfer.“

 

Drei Jahre lang hat er seither keine Ruhe gelassen. „Wer die Raubtiere loslässt, muss sich auch dafür verantworten“, war seine Devise. Dann trat Günter Niehüser, der neue Missbrauchsbeauftragte des Ordens, auf den Plan und las die Akten gegen den Strich. Und siehe da: Die Beweisdokumente waren alle da. „Die Akten legten durchaus die Glaubwürdigkeit der Erinnerungen von Herrn Beckmann nahe“, sagt Niehüser im Gespräch mit dem GA.

 

Sylvia Witte, Vorsitzende des Opfervereins, wird deutlicher: Es lasse sich beweisen, dass sich im Sommer 1959 sehr wohl von Patres eingeladene Jungen auf dem Bonner Gelände befanden. Und dass Pater L. ein auffälliges Pädophilen-Profil aufwies. Ein Gutachter habe gewarnt und geraten, ihm den Umgang mit Jungen zu untersagen. Doch im Orden habe niemand die Notbremse gezogen.

 

„Herr Niehüser hat das Schleusentor geöffnet, sodass der Ordensprovinzial mir vor Kurzem endlich glaubte und sich bei mir entschuldigte“, freut sich Beckmann. Was Ordensprovinzial Pater Johannes Römelt dem GA bestätigt. „Ich bin sehr froh über die Entwicklung und dass Herr Beckmann meine Entschuldigung angenommen hat.“ Rein juristische Aufarbeitung schlage meist fehl. „Und es tut mir leid, dass es so für Herrn Beckmann noch viel schwerer geworden ist“, so Pater Römelt. Aber es hätten sich gute Gespräche daraus entwickelt. Dafür danke er auch dem Opferverein.

 


Dieter Beckmann hat Depressionen hinter sich. Ihn quälten Bindungsangst und Sinnkrisen. Erst seine Tochter hat Licht in sein Leben gebracht. Sie hat ihm jetzt auch zur Seite gestanden. Beckmann schluckt. Und dankt auch den anderen Betroffenen. „Für uns ist es mit das Wichtigste, sowohl als glaubhafte Zeugen angesehen zu werden als auch die eigene, lange verdrängte Geschichte mit beweisbaren Fakten aus dem Leugnen zu heben“, sagt Winfried Ponsens, Absolvent des Collegiums Josephinum.

 

Sylvia Witte fordert Konsequenzen: dass die Ordenskonferenz eine unabhängige Studie zum Missbrauch in allen Einrichtungen startet. „Und es müssen eindeutige Standards für Missbrauchsbeauftragte festgeschrieben werden.“ Damit Betroffene wie Dieter Beckmann nicht so lange auf Entschuldigungen warten müssen.

 

Missbrauch durch Redemptoristen

 

Bislang hatten die vom Redemptoristenorden in Auftrag gegebenen Aufklärungsberichte 28 Missbrauchsfälle an ehemaligen Internatsschülern hauptsächlich des Bonner Collegium Josephinum und der Ordensschule in Glanerbrück bei Gronau zu Tage gebracht. Es ging um juristisch verjährte Taten aus der Zeit von 1949 bis 1968 und vereinzelt bis in die achtziger Jahre. 16 Patres waren im Visier. Der Fall Dieter Beckmann betritt Neuland: Hier dürfte ein Junge missbrauchst worden sein, der nur in den Ferien Gast im damaligen Bonner Ordensinternat war. Der Betroffenenverein bittet mögliche weitere Opfer oder Zeugen um Kontaktaufnahme: https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/

 

ham

 

 

 

Foto: Dieter Beckmann als Kind in seinem Heimatort im Kreis Verwandeter, etwa zur Zeit der Taten (privat)

 

 

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Orden-entschuldigt-sich-erst-nach-57-Jahren-article3441271.html

 

 

 

https://unheiliger-berg.jimdo.com/eigene-artikel/

 

28.11.2016  Eindrücke vom Kongress "MitSprache" in Berlin

 

Am 18./19.11.2016 fand in Berlin der Kongress MitSprache von Betroffenen für Betroffene von sexualisierter Gewalt und UnterstützerInnen statt. Dieser Kongress wurde ausgerichtet vom Betroffenenrat (*1), Fachgremium beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und fand unter internationaler Beteiligung statt. Teilgenommen hat auch unsere 1. Vorsitzende, Sylvia Witte. Von ihr stammt auch dieser Bericht.

 

"Es ist nicht einfach, die vielen Eindrücke zu schildern, die dieses Treffen verursacht hat. Über 200 Menschen, die direkt oder indirekt vom Thema „sexueller Kindesmissbrauch“ betroffen sind, verbrachten  fast zwei Tage gemeinsam in Workshops, im Plenum, beim Essen und vielen Einzelgesprächen.

Die hervorragende Organisation war an den Bedürfnissen von Betroffenen orientiert: das Fernsehen war nicht zugelassen, Presseleute durften von sich aus niemanden ansprechen, sondern mussten warten, ob Betroffene auf sie zugehen. Es gab Bereiche, in denen nicht fotografiert werden durfte, es gab einen psychologischen Notdienst, einen Rückzugsraum und durchgängig viel zu essen.

Die internationale Beteiligung war beachtlich: mit VertreterInnen aus den USA(*2) Nicaragua(*3), Polen , England(*4) und Spanien. Ebenso waren einige Beratungsstellen wie z.B. Petze und Wildwasser vertreten, sowie VetreterInnen der Unabhängigen Aufarbeitungskommission.

 

Kongress begleitend gab es eine Ausstellung von Betroffenen, in der in Bildern und Texten zumeist das eigene Schicksal seinen Ausdruck fand.

 

Besonders berührt hat hier ein Handzettel, mit dem in den 70er Jahren gehörlose Opfer vor einer Kirche auf den Missbrauch von über 100 Jungen durch Reverent L.C. Murphy aufmerksam gemacht haben. Ein Vertreter der amerikanischen Delegation kennt viele dieser Opfer und hat Fotos gemacht, um diese dann in den USA den betreffenden Menschen zu zeigen. (*5)

In allen Workshops wurden Ergebnisse gesammelt, die der Betroffenenrat bündeln und veröffentlichen wird.

So konnten z.B. im Workshop „Diesmal wollen wir es wirklich wissen“ Wünsche an die Unabhängige Aufarbeitungskommission(*6), die u.a. durch Fr. Dr. Christine Bergmann vertreten wurde, geäußert werden. Genannt wurde z.B. die Einbeziehung von Heimkindern der ehemaligen DDR in die Aufarbeitung, das Herausarbeiten von staatlicher Mitverantwortung, das Hinsehen auf die Tatorte „Strichjungen“ und die  Psychiatrisierung von Betroffenen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass ein gesetzlicher Auftrag notwendig ist. Ausdrücklich wurde von den Mitgliedern der Kommission betont, weiterhin bei Betroffenen für eine Beteiligung zu werben. Dies kann in einem persönlichen Interview, online mit einer schriftlichen Schilderung und der Teilnahme an öffentlichen Hearings geschehen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit in einer Online Befragung Wünsche an die Arbeit der Aufarbeitungskommission zu benennen.

 

Der Workshop „Missbrauch im religiösen Kontext“ zeigte, wie viele Facetten der Begriff „religiös“ auch in diesem Zusammenhang hat (katholischer, evangelischer, freikirchlicher und ritueller Hintergrund) und wie gering vielfach die Möglichkeit einzelner Betroffen ist, sich über das persönliche Schicksal auszutauschen. Erfreulich, dass an dieser Runde auch eine Vertreterin der MGH Studie der DBK teilnahm. Ein Ergebnis aus diesem Workshop: „Kirchenmänner sprechen nicht unsere Sprache und verstehen deswegen oft unsere Forderungen nicht.“

 

In einem internationalen und in englischer Sprache abgehaltenen Workshop wurde sehr deutlich, dass wir in Deutschland im Hinblick auf Beratung, Forschung, finanzielle Unterstützung und Bekanntheit des Themas in der Öffentlichkeit vergleichsweise gut aufgestellt sind. So kämpft z.B. in Nicaragua eine einzige, kleine Gruppe von Frauen allein für die Belange von Opfern und Prävention über die Grenzen ihres Landes hinaus.

Bei unserem direkten Nachbar Polen existiert „Pädophilie“ offiziell nicht. Eine private Stiftung ist die einzige Möglichkeit, als Opfer Unterstützung zu erhalten.

Das SNAP (Survivors Network of those Abused bei Priests) Team aus Amerika war vertreten durch die Gründerin und Präsidentin Barbara Blaine, dem katholischen Geistlichen Tom Doyle und dem ehemaligen Benediktiner Patrick J.Wall (*7). Alle setzten sich innerhalb der weltweit größten Organisation mit über 12.000 Mitgliedern in 56 Ländern seit Jahrzehnten für die Belange von Opfern ein. Ohne ihren Mut, mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zu gehen, bzw. diese Wahrheit zu unterstützen, wären die im Film „Spotlight“ geschilderten Enthüllungen nicht möglich geworden (*8). Viele Opfer wurden in ihren Entschädigungsprozessen gegen die Katholische Kirche begleitet, an denen die Kanzlei Andersen Advocates (*9)maßgeblich beteiligt war.

 

Aus diesem Workshop resultiert der Wunsch nach einer internationalen Vernetzung und einer gemeinsamen Internetplattform.

 

Herr Dr. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) sprach nicht nur Grußworte zu Beginn des Kongresses, sondern war an beiden Tagen und dem gemeinsamen Abschluss anwesend.

Trotz des schwierigen Themas, den bewegenden Schicksalen, die man zumeist nur erahnen konnte und dem intensiven Pensum, hat die Teilnahme an diesem Kongress auch Spaß gemacht. Es ist viel in Bewegung und es wurde in den letzten Jahren viel öffentlich gemacht. Und das schafft wenigstens von Zeit zu Zeit das befreiende Gefühl „Ich bin nicht allein“."

 

 

 

Links:

*1: www.ubskm.de/betroffenenrat/

*2: http://www.snapnetwork.org

*3: http://www.wildwasser-berlin.de/tl_files/wildwasser/Bilder/AguasBravas/Informe%20anual%202015%20WW-dt.pdf

*4: http://www.survivorscollective.co.uk/events

*5: http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Ein-Dokumentarfilm-%C3%BCber-sexuellen-Missbr/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=15745168

*6: https://beauftragter-missbrauch.de/aufarbeitung/aufarbeitung-in-deutschland/

*7: http://www.andersonadvocates.com/Overview

*8: http://www.snapnetwork.org/real_life_heroes

*9: http://www.andersonadvocates.com/

 

VertreterInnen des Betroffenenrats und internationaler Organisationen vor der Gedächtniskirche, Berlin am 20.11.2016

28.11.2016  Unabhängige Aufarbeitungskommission der Bundesregierung arbeitet. Bitte, meldet Euch!

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission Deutschland sucht weiterhin Betroffene, die sich entweder online oder schriftlich oder mündlich zu ihrem Missbrauch äußern möchten. Die persönlichen Anhörungen  im Raum Bonn/ Köln werden von Prof. Bintig durchgeführt, der auch einen lesenswerten Untersuchungsbericht zum Aloisiuskolleg in Bonn erstellt hat. Man kann auch in einer Onlinebefragung Wünsche an die Arbeit der Kommission formulieren. 

 

Die Meldungen können je nach Wunsch vollkommen anonym geschehen. Selbst bei einem persönlichen Gespräch muss kein Name genannt werden.

 

Infos unter: https://beauftragter-missbrauch.de/aufarbeitung/aufarbeitung-in-deutschland/

 

 

Eine Teilnahme ist natürlich auch immer wieder mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie über den Missbrauch hinaus verbunden. Lasst eine solche Chance nicht ungenutzt. Unsere eigenen Erfahrungen sind wichtige Bausteine, um Erkenntnisse zu gewinnen, die in Zukunft Missbrauch erschweren. Ganz im Sinne des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung Rörig: "Kein Raum für Missbrauch"

 

Unterstützung für „verjährte Missbrauchsopfer“

Ako-Dialogrunde verschickt Rundbriefe an Altschüler und Ako-pro-Scouter

 

BONN. Professor Arnfried Bintig, der 2013 seinen Aufklärungsbericht über „Grenzverletzungen im Ako-pro-Scouting am Aloisiuskolleg“ (Ako) veröffentlichte, steht für die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin, in Bonn lokal als Ansprechpartner zur Verfügung. „Niemand muss also nach Berlin fahren“, sagt Bintig. Er erhoffe sich von der Kommissionsarbeit besonders eine Unterstützung von Menschen, deren Fälle vor Gericht "verjährt" seien. So könnten zudem die „Folgen der unsäglich kurzen Verjährungsfristen verdeutlicht und damit mittelfristig mehr Wucht bei der politischen Durchsetzung einer Verlängerung erzielt werden“. Kontakt unter: Tel. 0800 40 300 40 (kostenfrei und anonym) und https://www.aufarbeitungskommission.de/.

 

Die vor kurzem vom Dialogkreis Betroffener mit dem Ako initiierte briefliche Umfrage bei den ehemaligen Ako-Schülern und Ako-pro-Pfadfindern verzeichnet die ersten Rückläufe. „Es gibt kein Abhaken, keinen Schlussstrich, der Prozess der Aufarbeitung ist im Gange, und die Missbrauchsfälle sind Teil der Kollegsgeschichte“, schreibt die Dialogrunde an die Altschüler. Man wisse, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit belastend sein könne. Aber jede Einschätzung sei wichtig.  Kontakt unter dialogrunde@aloisiuskolleg.de. ham

 

http://unheiliger-berg.jimdo.com/aktuell-ako-pro/

 

 

 

21.11 2016  Spendenaufruf der 1. Vorsitzenden des Vereins Sylvia Witte zugunsten einer Initiative in Nicaragua

 

Spendenaufruf
Am 18./19.11.2016 habe ich am Kongress MitSprache von Betroffenen für Betroffene von sexualisierter Gewalt und UnterstützerInnen in Berlin teilgenommen. Dieser Kongress wurde ausgerichtet vom Betroffenenrat, Fachgremium beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und fand unter internationaler Beteiligung statt.
Besonders zu Herzen gegangen ist mir die tapfere Arbeit einer kleinen Gruppe von Frauen, die sich in Nicaragua unter dem Namen „Aguas Bravas Nicaragua“ seit 10 Jahren unter schwierigen Umständen für Kinder und Frauen, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt wurden, sowie in der Prävention, Schulung von Personal, Gründung von Selbsthilfegruppen und Vielem mehr einsetzen. Es ist die einzige Organisation dieser Art in einem Land, in dem in diesem Monat zum vierten Mal ein Staatoberhaupt wiedergewählt wurde, das von seiner Stieftochter des mehrfachen sexuellen Missbrauchs bezichtigt wird.
Spontan hatte ich die Idee, dieser Organisation mit einem kleinen Weihnachtsgeschenk die Arbeit für 2017 ein wenig zu erleichtern und ein Zeichen der Solidarität zu setzen.
Von daher bitte ich bis zum 31.12.2016 um eine Spende auf unserer Vereinskonto:
MoJoRed e.V.
GLS Bank - IBAN DE88 4306 0967 4071 6206 00 - BIC GENODEM1GLS
Stichwort: Aguas Bravas Nicaragua
die wir dann am Ende des Jahres nach Nicaragua weiter leiten werden.
Nähere Informationen findet ihr/finden Sie auf der Seite von:
http://www.wildwasser-berlin.de unter Navigation „Agua Brava Nicaragua“
Jahresbericht 2015:
http://www.wildwasser-berlin.de/tl_files/wildwasser/Bilder/AguasBravas/Informe%20anual%202015%20WW-dt.pdf
Interview mit der Stieftochter Ortegas, Zoilamérica Ortega Murillo:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/nicaragua-interview-mit-daniel-ortegas-stieftochter-zoilamerica-a-1119874.html#ref=rss

 

10.11.2016  Vor 6 Jahren begann, was wir den Missbrauchsskandal nennen. Der Bonner Generalanzeiger erinnert an die Opfer im Aloisiuskolleg

03.09.2016   Notizen zum Treffen von Betroffenen mit Ordensvertretern in Köln

 

 

 

Vorstellung eines weiteren Betroffenen

 

Ein neuer Betroffener stellt sich vor und berichtet von seinem langen therapiebegleiteten Weg, um sich endlich als weiteres Opfer des unsäglichen Pater Segeroth melden zu können. Im Anschluss einer in Tiefe und Dauer von allen Teilnehmerinnen selbstbestimmt gestalteten Vorstellungsrunde wird erörtert, was Menschen bewegt, sich selbst ihren Missbrauchserfahrungen gegenüber zu öffnen bzw. was sie ermutigt, weitere Schritte der Öffnung zu gehen. Druck auf mögliche Opfer, sich zu öffnen, erscheint dabei als denkbar ungeeignetes Mittel. Das "Abwarten"  der Ansprechpartner auf aktive Schritte der Betroffenen selbst scheint deren Selbstwirksamkeitsüberzeugung und die Nachhaltigkeit des darauf folgenden Prozesses am besten zu stützen. Ein Hinweis an bestimmte Zielgruppen, sich mit persönlichen Erfahrungen zu melden - so wie es im Jahre 2010 seitens der Redemptoristen an bestimmte Jahrgänge des Josephinum geschehen ist -  kann aber im Einzelfall auch hilfreich sein.

 

 

Neue Informationen zum Missbrauch an Dieter B. im Jahr 1959

 

Die eingehende Aktenrecherche des Missbrauchsbeauftragten haben im Falle des Betroffenen Dieter B. zahlreiche neue Erkenntnisse gebracht. Der Missbrauchsbeauftragte betont, aus juristischer Sicht sei entscheidend, dass es im gesamten Aktenbestand keine staatsanwaltschaftliche Untersuchung, geschweige denn eine Anklage oder auch nur einen ausformulierten Vorwurf in Richtung sexueller Gewalt gegenüber Herrn Pater L. gebe. Deshalb sei Herr Pater L. aufgrund der Aktenlage allein nicht als Täter identifizierbar. Angesichts seiner persönlichen Erinnerungen, die nun in neuem Licht besehen würden, dürfe allerdings das Opfer auch juristisch abgesichert Pater L. als Täter ausdrücklich benennen. Tatsächlich ist die vorliegende Akte unzweifelhaft eine typische Täterakte: es gibt schon früh einschlägige Gutachten, die dazu hätten führen müssen, dass der betreffende Pater nicht hätte zum Priesteramt zugelassen werden dürfen. Es gibt zahllose Beschwerden über die unangemessene Nähe des Paters zu Jugendlichen, über gemeinsame Reisen des Paters mit Jugendlichen, es gibt ausgesprochene Verbote des Kontaktes zu Jugendlichen, Absagen von sog. Zauberveranstaltungen wegen einschlägiger Hinweise, darüber hinaus Hinweise auf unregelmäßige Geldgeschäfte. Offensichtlich wussten viele viel und viele auch nichts oder nichts Genaues. Niemand ging jemals irgendeinem Hinweis auf den Grund, es gab zahllose Ermahnungen durch die Oberen und ein Achselzucken darüber, dass es sowieso nichts fruchtete, aber nicht einen Durchgriff. Über seine langjährige Zeit (12 Jahre) und Arbeit in der Obdachlosensiedlung in Köln- Ostheim bzw. auf dem sog. Flachsacker sind die Akten vollständig bereinigt. Die, die Meldung gemacht hatten und ganz besonders die Ordensleitungen, die den unzweideutigen Meldungen nur Gespräche folgen ließen, sie ließen gewähren. Mündlich gibt es den Hinweis , dass beim Wechsel der Ordensleitung, die neue Leitung, den "gesammelten "Schmutz" nicht lesen wollte und deshalb um eine Bereinigung der Akte gebeten hat. Schonung der Nerven.

 

 

Zur Präventionsarbeit des Ordens

 

Im Folgenden ergibt sich eine intensive und vielschichtige Diskussion über die aktuelle Präventionsarbeit an der Schule des Ordens, in der fast alle Anwesenden sich zu Wort melden.

 

Im Zusammenhang mit der Präventionsarbeit im Rahmen der schulischen Institutionen des Redemptoristenordens berichtet Herr Römelt, dass Frau Haardt-Becker bis zum 31.12.2018 innerhalb des Ordens mit der Evaluation des von der Deutschen Ordensoberenkonferenz vorgegebenen Präventionskonzeptes beauftragt ist.

 

 

 

Untersuchungen zu möglichen Missbrauchsfällen durch Pater H. in Heckenmünster und Eckenhagen

Der Missbrauchsbeauftragte berichtet von den Ergebnissen seiner Archivrecherchen:

  • In Heckenmünster hat die Aktenlage keine Missbrauchsfälle zu Tage gebracht;
  • In Eckenhagen hat das offizielle Reglement noch keinen Zugriff auf die Archive ermöglicht.

Der Missbrauchsbeauftragte wird weiter berichten, sobald er Gelegenheit zur Akteneinsicht hatte.

 

 

 

Weiterschreibung des Merzbach-Berichtes, Pläne, verbindliche Zusagen

 

Herr Römelt berichtet, dass der Orden den jetzigen Missbrauchsbeauftragten mit einer Fortschreibung des Merzbach-Berichtes beauftragen wird.

 

Ein Ordensmitglied betont, dass es für die Integrität, das Geschichtsbewußtsein und die emotionale Sicherheit der Ordensmitglieder wichtig sei, bei der  anonymisierten Namensnennung von möglichen Tätern durch Abkürzungen oder divers deutbare Kürzel keine Spekulationen zu ermöglichen. Der Missbrauchsbeauftragte sichert zu, dass er in seiner weiteren Berichterstattung mit codierten Opfer- und Täterkennzeichnungen arbeiten wird. Er gibt zur Kenntnis, dass sich durch die gesellschaftlich und juristisch geänderte Sicht auf Täter, Opfer, Gelegenheiten und Ereignisse sexueller Gewalt seit der Erstellung des Merzbach-Berichtes auch die Fokussierung der seinerseitigen Fortschreibung ändern wird.

 

 

Wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

 

Im Gesprächseinstieg wird deutlich, dass "Aufarbeitung … durch Wissenschaftler" eine unscharfe Auftrags-Idee bleibt, solange der methodische Ansatz nicht näher beschrieben ist. Eine schlichte Analyse der Aktenlage scheint keine analysewertigen Erkenntnisse bringen zu können. Herr Römelt teilt mit, dass der Orden derzeit neben der Aufarbeitung durch die Fortschreibung des Merzbach-Berichtes keine weitere Aufarbeitungsinitiative angehe, ist aber bereit, sich ggf. an überregionalen wissenschaftlichen Untersuchungen zu beteiligen.

 

 

 

Verabschiedung der Missbrauchsbeauftragten Frau Kohler

Vor der formlosen Auflösung der Sitzung nimmt Herr Römelt die Gelegenheit war, Frau Kohler aus ihrer bisherigen Mitwirkung als Missbrauchsbeauftragte des Ordens zu verabschieden. Frau Kohler verabschiedet sich mit einem kurzen Rückblick über die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

 

 

Termin

 

Als Termin für das nächste Treffen wird der Samstag 2. September 2017 vereinbart. Ortsvereinbarung und Einladung auf bisherigem Wege

 

 

 

 

01.09.2016    Erneutes Treffen von Betroffenen mit Ordensvertretern am 03.09. in Köln

In Köln finden am Samstag die bewährtem Gespräche von Betroffenen mit Ordensvertretern der Redemptoristen ihre Fortsetzung.

  • Schwerpunkt der Gespräche werden sein:
  • Einführung neuer Mitglieder des Kreises
  • Prävention in den Institutionen des Ordens, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.
  • Neue Erkenntnisse des Missbrauchsbeauftragten zu bereits bekannten Berichten von Betroffenen.
  • Fortschreibung des sog. Merzbachberichts.

Wir wünschen uns gutes Gelingen!

 

 

29.07.2016  Untersuchungen zu Missbrauchsfällen in der Vergangenheit des Redemptoristenordens werden fortgesetzt

Im Fall Dieter B., über den wir im Rahmen seines Prozesses im Jahr 2012 mehrfach berichtet haben, gibt es nach nochmaliger Durchsicht der Archive neue Entwicklungen und Erkenntnisse. Wir werden nach der Sommerpause hierzu ausführlicher berichten.

 

30.05.2016  Erste gemeinsame Tagung der Missbrauchsbetroffenen des Ordens am 20.05.2016 in Hennef- ohne die Teilnahme von Ordensmitgliedern, aber vom Orden finanziert

Am 20.5.2016 fand in Hennef  das erste vom Orden der Redemptoristen finanzierte Betroffenentreffen ohne eine Beteiligung von Ordensleuten statt. Eine der ursprünglichen Überlegungen, bei einem solchen Treffen auch den Opfern, für die eine Konfrontation mit Ordensleuten undenkbar ist, einen Austausch mit uns zu ermöglichen, konnte zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider noch nicht verwirklicht werden. 

 

 

Es ergaben sich drei Themenschwerpunkte:

 

  • ·        Ein Betroffener berichtete über die Ergebnisse weiterer Untersuchungen in seinem Fall durch den Missbrauchsbeauftragten. Dabei kamen ca. 6000 Schriftstücke in den Archiven Bonn und Wittem zusammen, die der Person Pater L. zugeordnet werden können. Aufgrund der dort gefundenen Informationen besteht kein Zweifel mehr am hochgradig auffälligen Verhalten dieses Paters Jungen gegenüber. Mehrtägige Fahrten, die er mit Jungen unternahm, waren keine Seltenheit, ebenso die von ihm organisierte Unterbringung in den Ferien im Internat des CoJoBo. Ein fachärztliches Gutachten über Pater L. verbietet schon im Jahr 1959 jeden Umgang mit Jungen. Diese Fakten dürften jetzt alle Zweifel, die von Seiten einzelner Ordensmitglieder an der Richtigkeit einiger Details in den Schilderungen des Betroffenen gehegt wurden, beseitigen. Die Gruppe  äußert ihre hohe Anerkennung für das Durchhaltevermögen des Betroffen. Aus der erneuten Untersuchung dieses Falls ergibt sich für viele Betroffenen die Frage, ob auch in ihren Fällen vielleicht Fakten in den Archiven übersehen oder noch nicht untersucht wurden. Wir wünschen hierzu weitere Recherchen.

 

  • ·         Ein neuer Betroffener stellt sich erstmalig der Gesamtgruppe vor. Seine besondere Geschichte mit dem CoJoBo führte zu einer bei der Tagung vorgestellten Power Point Präsentation  „Innenansicht einer Schule“, die Gemeinsamkeiten  der Schulstruktur des CoJoBos der 50er Jahre mit den Strukturen  der Schule von heute analysiert und eine Gelegenheitsstruktur für Gewalt und Missbrauch behauptet. Inhalt und Konsequenzen, die sich aus den zusammen getragenen  Fakten ergeben, werden in Kürze für alle Interessenten einsehbar veröffentlicht.

 

  • ·         Ein dritter Schwerpunkt der Diskussion galt der möglichen Form einer künftigen "zweiten" Aufarbeitung bzw. einer Ergänzung des Merzbachberichts. Aufgearbeitet werden müssen einerseits die Fälle, die sich erst nach 2012 ergeben haben wie auch neue Erkenntnisse über schon bekannte Fälle (siehe oben). Diese Aufarbeitung sollte die rein juristische Aufarbeitung von Herrn Merzbach ergänzen. So soll ein besonderer Schwerpunkt  die Untersuchung der Frage sein, was an der Ordensstruktur so spezifisch ist, dass sie Gelegenheit zu so vielem Missbrauch und zu so vieler Gewalt geboten hat. Dazu sollten nach Ansicht der Betroffenen Archive  an allen relevanten Orten berücksichtigt werden,  gegebenenfalls z.B. auch das Erzbischöfliche Archive in Köln und Trier oder Archive an sonstigen Orten (z.B. Osnabrück). Geklärt werden muss auch, wer diese Aufarbeitung leisten kann und soll (z. B. ob Kriminologen, Historiker oder einschlägige Sozialwissenschaftler etc.) und wie die Betroffenen eingebunden werden können. Auch  Zeitzeugen im Orden selbst und Ehemalige des Internats und der Schule müssen in die Untersuchung mit einbezogen werden.

 

Für ein nächstes Treffen 2017 wird angeregt, zum Thema „Missbrauch- Verlust von innerer und spiritueller Heimat“ einen Referenten zu finden.

 

 

Im Anschluss an einen arbeitsintensiven Nachmittag hatten die Betroffenen die Gelegenheit einen Einblick in das zutiefst beeindruckende künstlerische Schaffen eines ortsansässigen Betroffenen zu bekommen, das in vielerlei Hinsicht eng mit seinen Missbrauchserlebnissen und seiner Auseinandersetzung mit der Katholischen Kirche verbunden ist.

 

Wir bedanken uns beim Orden für die Bereitstellung der finanziellen Mittel für Reisekosten, Übernachtungskosten und Tagungskosten.

 

 

18.05.2016      Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung Rörig zum Stand der Dinge. Ein lesenswertes Interview

http://www.welt.de/politik/deutschland/article155424564/Es-werden-sogar-Kinder-vor-der-Kamera-umgebracht.html

 

Lesenswertes Interview mit Johannes Rörig, UBSKM. Sechs Jahre wird inzwischen das Thema "Sexueller Missbrauch an Kindern" diskutiert und allmählich trauen sich Verantwortliche, auch die schwerst kriminelle Seite des Missbrauchs im organisierten Verbrechen zu benennen, die bislang im größten Teil der Bevölkerung nur in Horrorfilmen angesiedelt wurde.

Des weiteren fordert Rörig die Umsetzung von politischer Verantwortung und der Umsetzung der am Runden Tisch gemachten Versprechen zur finanziellen Ausstattung der Hilfesysteme.

 

04.04.2016   Aktuelle Meldung: Domspatz wegen Missbrauch angeklagt

Ein ehemaliger Domspatz, verdächtig der Ermordung seiner Freundin, soll als Domspatz mindestens zwei Mitschüler missbraucht haben.

Ein warnendes Beispiel für das, was man auch als Gelegenheitsstruktur begreifen kann. Wann werden  die Verantwortlichen begreifen, welches besondere Biotop für Missbrauch und Gewalt eine vorwiegend von Männern betriebene Jungenschule bietet- ganz besonders eine mit einer solchen Geschichte?

 

http://www.regensburg-digital.de/anklage-gegen-domspatz-zwei-mitschueler-missbraucht/04042016/

 

 

30.03.2016  Antragsfrist für den Missbrauchsfonds verlängert! Auf der Fondshomepage gibt es Anträge und Anleitungen fürs Ausfüllen.

Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums:

Bundesfamilienministerium hebt Antragsfrist beim „Fonds Sexueller Missbrauch“ auf. Betroffene, die Kindesmissbrauch im familiären Umfeld erlitten haben, können jetzt auch nach dem  30. April 2016 Anträge auf Hilfen stellen. 
Missbrauchsbeauftragter Rörig: „Dies ist ein wichtiger erster Schritt ! Ich hoffe, dass jetzt auch die Frist für das „Ergänzende Hilfesystem“ für Betroffene, die Missbrauch in Institutionen erlitten haben, gestrichen wird. 
Berlin, 29.03.2016. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat heute auf der Website des „Fonds sexueller Missbrauch“ (FSM) bekannt gegeben, dass Betroffene sexuellen Missbrauchs im Kindes- und Jugendalter über den 30. April 2016 hinaus Anträge auf Hilfeleistungen an die Geschäftsstelle des FSM richten können (www.fonds-missbrauch.de). 
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, begrüßt die unbefristete Aufhebung der Antragsfrist beim FSM: „Dies ist ein längst überfälliges Signal an Betroffene aus dem familiären Bereich! Die vom Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ Ende 2011 geforderten ergänzenden Hilfen müssen mindestens so lange erhalten bleiben, bis die seit mehr als vier Jahren überfällige Reform des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) endlich umgesetzt wird. Sollte die OEG-Reform jedoch in Kraft treten, ohne dass die dringend notwendigen Verbesserungen für Betroffene darin berücksichtigt werden, müssen ergänzende Hilfen für Missbrauchsopfer auch über die OEG-Reform hinaus weiter zur Verfügung gestellt werden!“ 
Als besonders ärgerlich bewertet Rörig, dass der FSM bereits enden sollte, bevor überhaupt alle Bundesländer eingezahlt haben. Die von drei Bundesministerinnen versprochenen 100 Millionen Euro (je 50 Millionen Euro durch Bund und Länder) sind bis heute nicht zusammengekommen. Nur der Bund und die beiden Länder Bayern und MecklenburgVorpommern haben bisher in den Fonds eingezahlt. „Es fehlen noch 42 Millionen Euro, die Betroffene dringend benötigen! Die säumigen 14 Bundesländer müssen ebenfalls ihrer gesamtgesellschaftliche Verantwortung für den tausendfachen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im familiären Bereich nachkommen!“, so Rörig. 
Eine Verlängerung für das „Ergänzende Hilfesystem“ (EHS) für Betroffene, die Missbrauch in Institutionen erlitten haben, hat das BMFSFJ bisher noch nicht in Aussicht gestellt. Die Antragsfrist für das EHS soll weiterhin am 31. August 2016 enden – obwohl es faktisch noch  nicht einmal vollständig angelaufen ist. Aktuell beteiligen sich neben den christlichen Kirchen, dem Deutschen Olympischen Sportbund und einigen Wohlfahrtsverbänden erst zehn von 16 Bundesländern an dem EHS. „Administrative Unzulänglichkeit und mangelnde politische Sensibilität gehen hier in unverantwortlicher Weise zulasten von Betroffenen aus dem institutionellen Bereich. Es ist ihnen auch nicht zumutbar, dass sie vorsorglich bis Ende August 2016 Anträge stellen sollen, obwohl viele Länder noch gar nicht beigetreten sind, sie nicht wissen, wer diese Anträge in den Händen halten wird und ob und wann sie überhaupt bearbeitet werden“, so Rörig, „auch diese Frist muss gestrichen werden!“ 
Rörig fordert außerdem verbesserte Verwaltungsabläufe und Informationen für Betroffene: „Aktuell gibt es einen Bearbeitungsstau von über einem Jahr! Betroffenen wurden von den Mitgliedern des Runden Tisches und der damaligen Bundesregierung schnelle und unbürokratische Hilfen versprochen. Tatsache ist aber, dass Betroffene, die zum Beispiel dringend therapeutische Hilfe benötigen, im Schnitt ein Jahr auf eine Rückmeldung warten. Das ist eine Missachtung der berechtigten Interessen von Betroffenen!“ Rörig mahnte auch, dass viele Betroffene nicht wissen, dass diese Hilfen überhaupt existieren beziehungsweise auch dann beantragt werden können, wenn bereits durch die Institution Anerkennungszahlen geleistet wurden. „Wenn Betroffene nicht ausreichend informiert sind, werden ihnen wichtige Hilfen vorenthalten. Es braucht dringend mehr Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um Betroffene über die ihnen zustehenden Hilfeleistungen umfassend zu informieren“, so Rörig. __________________________________________________________________________ 
Informations- und Kontaktmöglichkeiten für Betroffene zu den ergänzenden Hilfen: Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Telefonische Beratung: 0800 – 4001050 (kostenfrei)

 

http://www.fonds-missbrauch.de/

 

 

Weitergehende Informationen: Das Familienministerium hat bekannt gegeben, dass auch über den 30. April 2016 hinaus Anträge beim EHS-FSM (familiärer Bereich) gestellt werden können. Dieses vorübergehend angelegte Hilfesystem sieht Sachleistungen für alle Menschen vor, die in ihren Familien oder im familiären Umfeld sexuell missbraucht wurden. Die Definition "familiäres Umfeld" ist großzügig ausgelegt. Eine der Voraussetzungen für einen positiven Entscheid ist, dass für die beantragten Hilfen kein anderer Kostenträger einspringt. Es können sowohl Leistungen zur Überbrückung beantragt werden, z.B. wenn es um kassenfinanzierte Psychotherapien geht, als auch etwas, das in den regulären Hilfesystemen nicht vorgesehen ist. Aus dem Antrag sollte hervorgehen, inwieweit das Beantragte geeignet ist, die Missbrauchsfolgen zu lindern. Darum geht`s, nicht um Entschädigung. Zur Linderung können ggf. auch weitergehende Ausgaben zum "menschenwürdigen" Über- Leben gehören. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Angaben hat beim EHS-FSM im Gegensatz zum OEG z.B. keine zentrale Bedeutung im Sinne vorzulegender rechtssicherer Beweise und Gutachten. Alle Angaben müssen selbstverständlich plausibel sein. Anträge für Kinder werden vorgezogen entschieden, Erwachsene müssen aktuell leider mit einer längeren Bearbeitungsdauer rechnen. Es stehen pro AntragstellerIn maximal 10 000 Euro zur Verfügung, Menschen mit Behinderung können unter Umständen einen Mehrbedarf geltend machen.

 

Es besteht zwar kein Rechtsanspruch auf Hilfen über das Ergänzende Hilfesystem- Fonds Sexueller Missbrauch, aber die Antragstellung ist bewusst vergleichsweise niederschwellig, d.h. unkompliziert gestaltet worden. So ist es weder notwendig, alle Angaben zu belegen, noch detaillierte Ausführungen zu machen. Auf den Datenschutz wird sehr genau geachtet. Nach Eintragseingang gibt es eine Persönliche Anonymisierungsnummer (PAN), unter deren Verwendung der notwendige Schriftverkehr erfolgt. Wer also seinen Antrag noch nicht vollständig ausfüllen kann, z.B. weil noch keine Angaben zu Kostenvoranschlägen für Sachleistungen möglich sind, kann das später nachholen, selbst nach Auslaufen der Antragsfrist. Bislang sind gut 4000 Anträge in der Geschäftsstelle des Fonds eingegangen. Wie weit die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel reichen werden, ist zwar noch unklar. Doch da bis auf Bayern und Mecklenburg-Vorpommern fast alle Bundesländer noch nicht in den familiären Fonds eingezahlt haben, stehen von den ursprünglich veranschlagten 100 Millionen Euro noch 42 Millionen aus. Je mehr Anträge in der nächsten Zeit eingehen, desto deutlicher wird den politisch Verantwortlichen werden, wie viele Betroffene von sexueller Ausbeutung und Gewalt in unserem Land leben und dass sie dringend Unterstützung benötigen. Die Antragsfrist für Opfer institutionellen Missbrauchs, einem angegliederten Hilfesystem ist davon erst einmal unberührt und endet bis auf Weiteres am 31.8.2016.

 

Informationen gibt es auf der Homepage des EHS-FSM, www.fonds-missbrauch.de , einer Website des UBSKM, https://beauftragter-missbrauch.de/hilfe/weitere-hilfen/ und natürlich bei vielen Beratungsstellen wie z. B. Tauwetter.

 

Hier die Stellungnahme von Tauwetter:

 

http://www.tauwetter.de/en/aktuelles/214-ehs-antragsfrist-verlaengert.html

 

 

29.03.2016 Abkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt ratifiziert

 

Deutschland hat am 18.11.2015 das Übereinkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch (ETS-Nr. 201) ratifiziert (Inkrafttreten am 01.03.2016).

 

Im Abkommen gibt es Punkte, die mit den derzeit in Deutschland gültigen Gesetzen zum Sexualstrafrecht nicht konform gehen. Zum Beispiel, dass „Grooming“ unter Strafe gestellt werden soll. Wir begrüßen die Ratifizierung ausdrücklich

 

http://www.coe.int/en/web/conventions/full-list/-/conventions/treaty/201?_coeconventions_WAR_coeconventionsportlet_languageId=de_DE

 

 

 

28.03.2016  Forschung zum sexuellen Missbrauch innerhalb der kath. Kirche schon älter als 2010

Frau Witte, Vorsitzende unseres Vereins, hat einen entsprechend "alten" Artikel gefunden, der aber doch sehr aufschlussreich ist bezüglich der Geschichte und auch der besonderen Art und Weise "klerikalen Missbrauchs". Es handelt sich um ein Interview mit einem beteiligten Expater:

 

http://www.aha.lu/index.php?option=com_content&view=article&id=130&Itemid=252&lang=de

 

25.03.2016  Bemerkenswertes Interview von Bischof Ackermann zur sexuellen Missbrauchskriminalität in der Katholischen Kirche

25.03.2016   Immer wieder Schwierigkeiten, über das OEG (Opferentschädigungsgesetz) Entschädigungen zu erlangen selbst bei massivem Missbrauch in der Kindheit

Wer jemals versucht hat, über das OEG Zahlungen zu erwirken, weiß, wie schwierig das ist. Hier ein krasses Beispiel:

http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/31-Jahre-Gefangenschaft-Folter-und-Inzest-Zum-zweiten-Mal-weist-ein-Gericht-die-Klage-der-Ueberlingerin-Karina-M-ab;art372495,8609794

Alternativ bietet sich für Missbrauchsopfer bei Geldbeträgen bis 10.000,00€ der Fonds Ergänzende Hilfen beim Familienministerium an. Er soll Überbrückungshilfen bieten, bis endlich das OEG reformiert ist.

 

25.03. 2016  Antragsfrist Fonds Sexueller Missbrauch, Ergänzende Hilfen verlängert

Aktuell hat der Staatssekretär des BMFSFJ, Herr Dr. Kleindiek, verkündet, dass Anträge für den Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich über den 30. April 2016 hinaus gestellt werden können. Damit soll die Brückenfunktion, die das Ergänzende Hilfesystem hat, weiter aufrechterhalten bleiben. Die noch notwendigen intensiven Gespräche und Abstimmungen zur konkreten Umsetzung werden zeitnah geführt. Gerne informieren wir Sie anschließend über die entsprechenden Ergebnisse.

 

Wir ermutigen nichtsdestotrotz unabhängig davon alle Betroffenen, zeitnah ihren Antrag auf ergänzende Hilfeleistungen an die Geschäftsstelle des Fonds Sexueller Missbrauch zu richten.

 

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

 

 

 

Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch

 

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  
Glinkastraße 24, 10117 Berlin

 

 

Internet:       www.fonds-missbrauch.de

 

 

 

 

 

 

 

  04.03.2016 Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs Bonn fordern Medien zu mehr Mut und Recherche auf.

Nach Oscar für Spotlight:
Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

Berlin/Bonn, 29.02.2016. Anlässlich der Verleihung des Academy Awards „bester Film“ an SPOTLIGHT fordert der ECKIGE TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. die deutschen Medien zu Mut bei der Berichterstattung und Recherche über die historischen (und aktuellen?) Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf.

 

Man habe, so die Betroffenen, in den letzten Jahren nach dem Bekanntwerden der Skandale zunehmend den Eindruck gewonnen, die Medienlandschaft habe das Thema und dessen historische Aufarbeitung in der Breite aus den Augen verloren. Hinzu käme, dass sich die Kirchen mit dem medial bislang nicht öffentlich überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht hätten. Dass letzteres nicht funktioniere zeigte leuchtturmhaft die jüngste Berichterstattung rund um die Personalien im Bistum Hildesheim.

 

Der Jesuitenorden z.B. habe noch keine unabhängige Untersuchung der Missbrauchssystematiken und des Versagens im gesamten (deutschen) Orden vorgelegt. Omnipräsente Protagonisten fänden in den Medien statt, die Komplizen der Täter hätten sich im Orden eingerichtet und würden mittelbar und unmittelbar gedeckt – bis heute.

 

So wie am Aloisiuskolleg gäbe es überall vor Ort Betroffene, die „oscarreife“ Skandale und Ungeheuerlichkeiten vor, während und vor allem nach den eigentlichen Missbrauchstaten zu berichten wüssten und die noch nicht öffentlich erzählt wurden. Das sei aber wichtig, damit der systemische Aspekt und Hintergründe von Missbrauch in der Gesellschaft diskutiert werden können. Die Meinungshoheit z.B. zum Ausmaß der Aufarbeitung und Entschädigung, dürfe nicht einseitig den Kirchen überlassen werden. Das passiere aber, wenn man nur über dem Skandal (Missbrauchstaten) berichte und nicht am Thema dranbleibe.

 

Bei der Beschäftigung mit der 40 jährigen Missbrauchsgeschichte des Bonner Aloisiuskollegs habe man nur wenige standhafte Journalistinnen und Journalisten kennengelernt, die das Thema auch lokal und entgegen vieler Widerstände bis heute beleuchten. Das wünschen sich die Missbrauchsbetroffenen von der deutschen Presse, der sie vertrauen: Bringen Sie Licht in die deutsche Missbrauchsgeschichte. Fragen Sie die Betroffenen vor Ort, die kennen die dunklen Stellen!

 

 

 

Für den Vorstand
Heiko Schnitzler

 

ECKIGER TISCH BONN - Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V.
Borsigstr. 27
10115 Berlin

 

info@eckiger-tisch-bonn.de

 

Der Verein der Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen schließt sich diesem Aufruf gerne an.

 

 

 

03.03.2016 Erstes Treffen von Betroffenen sexuellen Missbrauchs und Gewalt ohne Mitglieder des Ordens

Ein Resultat des letzten Gespräches mit Vetretern des Ordens in Köln war die Etablierung von Betroffenentreffen, an denen Ordensmitglieder nicht teilnehmen, die Durchführung jedoch finanzieren.

 

Das erste Treffen findet am Freitag, den 20.5.2016 in der Zeit von 14.00 - 17.00 Uhr in Hennef bei Bonn statt.

 

Eingeladen sind alle, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt durch Angehörige des Redemptoristen Ordens geworden sind.Seit 2010 haben wir immer wieder von Menschen erfahren, die das Bedürfnis haben, über die an ihnen begangenen Verbrechen zu sprechen, dies aber nicht in Gegenwart von Patres tun wollten. Diesen Personen soll nun zusammen mit Betroffenen und Vereinsmitgliedern, die bislang auch an den Gesprächen in Köln teilgenommen haben, die Möglichkeit eines Austausches gegeben werden. Das Treffen wird aufgrund des über Jahre gewachsenen Vertrauens von Frau Annette Haardt-Becker moderiert, die seit 2010 auch die Gesprächsleitung in Köln übernommen hat.

 

Weitere Informationen erhalten Interessierte über die Kontaktdaten auf der Startseite der Homepage.

 

 

An dieser Stelle auch eine ausdrückliche Bekundung unseres Respektes für diesen Schritt des Ordens.

 

 

28.02.2016  Oskar für den Film "Spotlight"

Der Film basiert auf wahren Ereignissen und handelt von einem Team von Journalisten der Tageszeitung The Boston Globe, das den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufdeckt.

 

 Auch wenn der Film keinen Missbrauch nachstellt, geht er unter die Haut aufgrund der Interviews mit Zeugen und Tätern. Traurig und wütend macht, dass sich auch 15 Jahre nach den im Film geschilderten Tatsachen in den Strukturen der Kirche noch viel zu wenig verändert hat. Die Kultur des Verschweigens, des Leugnens und Kleinredens verhindert nachwievor fast jeden Aufarbeitungsprozess und effektive Prävention. Daran ändert sich auch nicht viel durch die positive Kritik der Kirche für diesen Film.

 Auf jeden Fall sehenswert.

 

 

23.02.2016  Kinderschutzkommission des Vatikans im Zwielicht

Aufgrund des Drucks von Opferverbänden richtete Papast Franziskus im März 2014 eine Kinderschutzkommission in beratender Funktion für die Bischöfe ein. Jetzt, fast zwei Jahre später zeigt sich, dass weiterhin viel zu wenig passiert, um Täter zu überführen und weitere Taten zu verhindern. Ein auf hoher Ebene aktives Missbrauchsopfer berichtet: 

 

"Peter Saunders saß als Missbrauchsopfer in der Kinderschutzkommission des Vatikans. Er wollte helfen, die Sexverbrechen aufzuklären. Jetzt wollen die Verantwortlichen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Hat er von der katholischen Kirche zu viel verlangt?"

 

Wie es weitergeht, lesen Sie hier:

 

http://www.christundwelt.de/detail/artikel/der-ausgestossene/

 

 

22.02.2016 Gelände der Odenwaldschule wird verkauft

22.02.2016  Missbrauchsbeauftragter veröffentlicht Expertise Häufigkeitsangaben und Forderungskatalog Forschung

Pressemitteilung

 

Missbrauchsbeauftragter veröffentlicht „Expertise Häufigkeitsangaben“ und „Forderungskatalog Forschung“:

 

Rörig: „Rund 1 Million  Kinder sind in Deutschland von sexueller Gewalt betroffen. Expertise zeigt enorme Dimension von sexueller Gewalt an Kindern auch im internationalen Vergleich!“

 

Bisher fehlt es in Deutschland an validen Zahlen zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch oder zur Differenzierung nach Geschlecht. Ein Vergleich der vorliegenden Hell- und Dunkelfeldstudien ist aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Studiendesigns kaum möglich, Entwicklungen und Tendenzen, ob Missbrauch zu- oder abnimmt und welche Faktoren hier möglicherweise eine Rolle spielen, sind so kaum zu benennen. Wichtige Ergebnisse: Mädchen sind weitaus häufiger betroffenen als Jungen. Die meisten Kinder erleiden neben sexueller Gewalt auch weitere Gewaltformen.

 

Berlin, 22.02.2016. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat heute in Berlin die Expertise „Häufigkeitsangaben zum sexuellen Missbrauch – Internationale Einordnung, Bewertung der Kenntnislage in Deutschland, Beschreibung des Entwicklungsbedarfs“ sowie den Forderungskatalog „Forschung zu sexuellem Missbrauch – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ vorgestellt, in dem mehr Investment in Forschung, Vernetzung mit der Praxis, Partizipation von Betroffenen sowie Nutzen von Forschungswissen für Aus-, Fort- und Weiterbildung gefordert wird.

 

Expertise und Forderungskatalog zum Download sowie weitere Informationen unter: https://beauftragter-missbrauch.de/nc/presse-service/pressemitteilungen/

 

Zum Download hier:

 

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Expertise Häufigkeitsangaben.pdf
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Forderungskatalog Forschung.pdf
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22.02.2016  Zwischenstand der Aufarbeitung sexueller Gewalt am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel

Die Kölnische Rundschau berichtet ausführlich zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs am erzbischöflichen Konvikt Collegium Josephinum Bad Münstereifel. Interessant auch die Hinweise zu besonderen Erschwernissen der Aufarbeitung. Beschämend, wie stark der Verein der Ehemaligen versucht, z. B. mit dem Hinweis auf Datenschutz die Aufarbeitung zu behindern. Und wenn es nur ein einziges Opfer geben würde (es gibt mehr), müsste dieser Verein ehemaliger Mitschüler doch alles daransetzen, die Aufklärung erlittenen Leids  zu unterstützen. 
Erinnert doch sehr daran, dass in der Regel Mütter, die wissen, dass der eigene Mann das eigene Kind/Stiefkind missbraucht, auch nichts unternimmt und oft das Kind auch dann im Regen stehen lässt, wenn es irgendwann den Täter anzeigt/anzeigen will. Der Schein von heiler Familie würde in dem Moment zerbrechen genauso wie für die sog. Ehemaligen einer Schule der Glorienschein der Schule, an der für sie selbst vielleicht alles so toll war, zerbrechen würde, wenn sie für sich die Schattenseite realisieren würden. Also boykottiert man die Aufarbeitung, damit der Schein von Elite oder welcher Schein auch immer gewahrt bleibt, vielleicht aber auch, damit man selbst nichts aufzuarbeiten hat. Vorwurf dahinter an die Missbrauchsopfer: "Sollen sich doch nicht so wichtig machen!"

 

http://www.rundschau-online.de/euskirchen/collegium-josephinum-in-bad-muenstereifel-missbrauch-am-knabenkonvikt-war-kein-einzelfall,15185862,33828054.html

 

http://www.ksta.de/bad-muenstereifel/collegium-josephinum-in-bad-muenstereifel-missbrauch-am-knabenkonvikt-war-kein-einzelfall,15189142,33828054.html

 

20.02.2016  Zusammenfassung der Tagung "Kind, du bist uns anvertraut" in der Evangelischen Akademie Tutzing

In der Evangelischen Akademie Tutzing wird erstmals der Vergleich zwischen katholischen Internaten, der weltlichen Odenwaldschule und grünen Tatorten versucht. Er zeigt Parallelen: Je heller der Glorienschein der "zeitgemäßen" Elite, desto leichter, die Zöglinge zu missbrauchen. Der Vergleich erbringt auch Hinweise darauf,  dass die bis heute nicht aufgearbeitete Prägung von Internaten durch ein Wertesystem, das sich am Faschismus orientiert, einen Schlüssel zum Verständnis der Vorgänge darstellen könnte. Es bestätigt sich, dass solche geschlossenen, kontrollierbaren Systeme wie es viele Internate, Heime und Privatschulen sind, für Erwachsene, deren Persönlichkeit in eine bestimmte Richtung gestört ist, besonders attraktive Betätigungsfelder darstellen. Das Bespitzeln, das nach-oben-hin-buckeln-aber nach-unten-treten, die Dysregulation von Nähe und Distanz, das Abhängigmachen, Bedrohen, Bloßstellen erscheinen als  typische Verhaltensweisen. "Sadismus" der Täter und Verantwortungslosigkeit der Kontrollinstanzen ist ein Kernthema.

 

Hier der Link:

 

http://www.ev-akademie-tutzing.de/wp-content/uploads/2016/02/Kind-anvertraut-2-Fueller_Artikel.pdf

 

 

 

15.02.2016  Licht ins Dunkel? Der Missbrauchsbeauftragte rollt den Fall Dieter B. noch einmal auf und der Orden kooperiert

Am 11.2.2016 fand ein Gespräch zwischen Herrn Dieter B. und dem Missbrauchsbeauftragten des Ordens statt. Auf Wunsch des Betroffenen nahm auch die Vorsitzende des Vereins an diesem Gespräch teil.

Hintergrund des Treffens waren die vom Orden angezweifelten Aussagen von Dieter B. bezüglich seiner Unterbringung im CoJoBo in den Sommerferien 1959.

Da der Versuch einer weiteren Klärung durch den Orden im Jahr 2015 nicht zielführend war, wurde der Fall am Jahresanfang von Pater Römelt an den Missbrauchsbeauftragten übertragen.

Anhand der Ergebnisse des Gespräches und weiterer Recherchen soll die Tatzeit noch einmal beleuchtet werden. Dazu erhält der Missbrauchsbeauftragte uneingeschränkten Zugang zu den noch vorhandenen Akten in den Archiven in Bonn und Wittem und dem Privatnachlass verschiedener Patres. Sollten sich im Zuge der anberaumten Durcharbeitung weitere Details auch im Bezug auf den Missbrauch anderer Opfer, die dem Orden bekannt sind, ergeben, wird sich der Missbrauchsbeauftragte mit diesen Personen in Verbindung setzen.

Die Wahrnehmung der Fürsorgepflicht dem Betroffenen gegenüber wurde vom Missbrauchsbeauftragten während der Dauer des mehrstündigen Gespräches sehr ernst genommen.

Im Interesse des Opfers sind wir gespannt auf die Ergebnisse und danken dem Orden für die Art und Weise der Kooperation.

 

15.02.2016    Tagung der evangelischen Akademie Tutzing zur Sexuellen Gewalt gegen Kinder   - Hinweise

Ende Januar fand in der Akademie Tutzing eine ausgezeichnete Tagung statt mit dem Thema: „Kind, du bist uns anvertraut“ Evangelische Akademie Tutzing, 29.1. – 31.1.2016 Sexuelle Gewalt gegen Kinder und der Umgang damit in Deutschland.

Veranstaltungen

 

  1. „Sexueller Missbrauch und Kinderschutz in historischer Perspektive bis heute“ Anro Görgen
  2. „Was ist sexueller Missbrauch, wie häufig und in welchen Kontexten geschieht sexueller Missbrauch?“ Prof. Fegert
  3. „Odenwaldschule – das Versagen einer missbrauchenden Institution“ Brigitte Tilmann
  4. „Ambivalenzen der sexuellen Revolution“ Christian Füller

 

  1. „Sexualisierte, psychische und physische Gewalt in kirchlichen Internaten: Die Beispiele Ettal und Kremsmünster“ Prof. Keupp
  2. „Die späte Aufarbeitung – Vom Runden Tisch zur Unabhängigen Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch“ Johannes-Wilhelm Rörig
  1. „Verantwortung und Konsequenzen – Podiumsgespräch“ Peter Bartlechner, Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Brigitte Braun, Thomas Birk, Johannes-Wilhelm Rörig und Brigitte Tilmann diskutierten unter der Moderation von Prof. Volker Beck
  1. Praxisforen
  • „Kein Täter werden – Präventive Therapie bei pädophilen Männern im Dunkelfeld“ Mag. rer. nat. Elisabeth Quendler, Ulm 
  • „Möglichkeiten und Grenzen der Prävention in pädagogischen Einrichtungen“ Harald Hofer M.A. und Dr. Stephan Kadera
  • „Männliche Betroffenheit von sexualisierter Gewalt – Hilfeansätze in einem Dunkelfeld am Beispiel der Beratungsstelle KIBS“ Dr. Peter Mosser
  1. „Mensch Otto“ in der Akademie Thorsten Otto, Moderator beim BR im Gespräch mit Miriam Sakayan „Miriam Sakayan“ ist ein Pseudonym. Es handelt sich um eine junge Frau, die in ihrer Familie von klein auf sexuelle Ausbeutung und multimodale Misshandlung erlebt hat. Sie sprach an dem Abend zum ersten Mal öffentlich über ihre Erlebnisse. Im Anschluss an das Gespräch wurde unter den TeilnehmerInnen der Tagung das Thema „Outing“ sehr kontrovers diskutiert
  2. „Netzräume- Missbrauchsräume? Grauzonen, Grenzüberschreitungen, Grooming“ Vortrag von Julia von Weiler
  3. „Trau dich“ Bundesweite Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs, Theater als Einladung, (Fort) Bildung als Grundlage und Vernetzung auf Dauer Brigitte Braun, Julia Bihl, Johannes Birlinger
  4.  Abschlusspodium

 

Der Vortrag von Prof. Fegert ist eine ausgezeichnete Zusammenfassung der aktuellen Daten (und ihrer Problematik) zur Sexuellen Gewalt und bereits downloadbar:

 

http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Kliniken/Kinder_Jugendpsychiatrie/Praesentationen/FE_2016_01_29_Tutzing.pdf

 

In diesem Zusammenhang noch einmal der Hinweis auf den möglichen Download der ausgezeichneten Aufarbeitung zum Kloster Kremsmünster unter der Überschrift "Schweigen, Aufdeckung, Aufarbeitung"

 

http://www.ipp-muenchen.de/files/bericht_kremsmuenster_ipp_issn_1614-3159_nr-11.pdf

und der Hinweis auf die Aufarbeitung im Kloster Ettal durch das gleiche Institut:

 

http://www.ipp-muenchen.de/texte/ap_10.pdf

 

Zur Odenwaldschule hier eine Aufstellung des zeitlichen Ablaufs des Skandals:

 

http://ueberhauptgarnix.blogspot.de/2010/04/kindermissbrauch-der-odenwaldschule-in.html

 

 

11.02.2016    Bewegender Film zur Gewalt gegen Frauen "Voices of Violence" läuft am 10. März 2016 in den deutschen Kinos an

Gerne weisen wir auf einen sehr besonderen Film zur Gewalt gegen Frauen hin, der im März in die deutschen Kinos kommt. Besonders ist der Film deshalb, weil es gelungen ist, die Frauen selbst zum Sprechen zu bringen und damit das Schweigen und Vergessen der Frauen zu beenden - eindrucksvoll und sehenswert.

Premiere am 01. März im Museum Ludwig in Köln:


mindjazz pictures   
&   Bildersturm Filmproduktion

 

 

mindjazz pictures & Bildersturm Filmproduktion 

laden Sie herzlich ein zur

FILMPREMIERE VON VOICES OF VIOLENCE IN KÖLN

AM DIENSTAG, DEN 1. März 2016

Im Filmforum im Museum Ludwig

Bischofsgartenstr. 1 50667 Köln

VOICES OF VIOLENCE

 

Einlass 19.00 Uhr, Filmstart 19.30 Uhr

Anschließend Filmgespräch mit Regisseurin Claudia Schmid und Thérèse Mema Mapenzi, Traumatherapeutin in der DR Kongo

 

 

Weitere Termine der Kinotour und Kinotermine finden sie unter 

www.mindjazz-pictures.de/kinotermine  

 

 

 
 
 
 

 

29.01.2016  Verlauf und Ergebnisse des Gesprächs der Betroffenengruppe Redemptoristen mit dem Orden am 23.01.2016 in Köln

Eine umfangreiche Tagesordnung stand auf dem Programm des jüngsten Treffens zwischen Betroffenen sexueller Gewalt, Vertretern des Ordens der Redemptoristen, dem Missbrauchsbeauftragten des Ordensund der Moderatorin Frau Haardt-Becker.

Auf Wunsch der Betroffenen erklärte der Missbrauchsbeauftragte zunächst, welche inhaltliche Ausgestaltung seinem Auftrag als Missbrauchsbeauftragter zugrunde liegt. Hier waren einige Details, besonders zur absoluten Vertraulichkeit und Parteilichkeit zugunsten der Opfer, so nicht bekannt. Eine genaue Erläuterung der Aufgaben wird in Kürze auf der Hompage eingestellt. Deutlich wurde, dass eine Fortführung des Merzbach- Berichtes in der gleichen Form durch den jetzigen Missbrauchsbeauftragten so nicht möglich ist. Inzwischen hat die Ordensleitung signalisiert, auch daran interessiert zu sein, den Merzbachbericht fortzuschreiben.

Aus den Schilderungen der Missbrauchsbeauftragten aus den Jahren 2014-2015 gibt es einen bislang unbekannten Hinweis auf ein weiteres weibliches Opfer, dass in Erwägung zieht, einen Antrag auf Anerkennung des Leids zu stellen. Ebenso nahm 2015 ein ehemaliger Schüler des CoJoBo aus neuerer Zeit (90er Jahre) Kontakt zum Missbrauchsbeauftragten und inzwischen auch zum Verein auf.

Die Betroffenen bitten den Orden, den Wirkungsort von Pater Otto H. noch einmal intensiv zu untersuchen. Er war bis in die 70er 15 Jahre Pfarrer in Heckenmünster, wo es belegte Übergriffe gegeben hat und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es dort noch zu weiteren Taten gekommen ist.

Im Fall Dieter B. wurde im Vorfeld des Treffens bereits die Vereinbarung getroffen, dass sich der Missbrauchsbeauftragte und nicht der Orden selbst um weitere Recherchen im Bezug auf seine Geschichte kümmert. Der Widerstand, den der Orden in dieser Sache spüren ließ, sowie das Nichteinhalten von Versprechen, sich zeitnah um einen intensive Recherche zu bemühen, stoßen bei den Betroffenen auf großes Unverständnis und Enttäuschung. Wir hoffen im Interesse von Dieter, dass die Einschaltung des Missbrauchsbeauftragten jetzt zu einem befriedigenderen Ergebnis führen wird.

 

Im Mittelpunkt des Gespräches stand eine Bilanz der letzten fünf Jahre, zu der sich alle Beteiligten schon im Vorfeld Gedanken machen sollten. Insgesamt acht Betroffene und fünf anwesende Patres zogen ein von Inhalt und Umfang breit gefächertes Resüme.

Von der "kaum aushaltbaren Wucht", mit der die Erlebnisse der Opfer bis heute auf ihn prallen und dem in Gang gesetzten und noch nicht beendeten Lernprozess ("Missbrauch wird ein Teil meiner Welt") spricht die Ordensleitung, ein Pater spricht gar über seine Zweifel, ob er aufgrund der ans Tageslicht gebrachten Taten seiner Mitbrüder überhaupt noch Mitglied dieser Ordensgemeinschaft sein möchte. Ein anderer empfindet in sich nach wie vor einen Zwiespalt, ob er seine knapp bemessenen Zeit nicht lieber den aktuellen Problemen in seiner beruflichen Gegenwart zugute kommen lässt, als über längst Vergangenes zu sprechen. Ein anderer setzt dagegen sein Statement, dass dieser Gesprächskreis ein guter Gesprächskreis sei und dass er ein Gesprächskreis sein solle "ohne Ende".

Auf Seiten der Betroffenen oder auch „Angefassten“, wie ein Teilnehmer es ausdrückte, gab es zum einen die deutliche Anerkennung, dass der Orden sich ab 2010 zu kontinuierlich fortgesetzten Treffen bereit erklärt hat und seinerzeit eine unbürokratische Abwicklung der Anträge auf eine Zahlung in Anerkennung des Leids gewährleistet hat. Große Entäuschung  zeigte sich im Bezug auf die Art und Weise, in der 2013 der Merzbach Bericht von Seiten des Anwalts der Redemptoristen in der Gerichtsverhandlung Dieter B. gegen den Orden behandelt wurde. Alle Opfer sahen dort mit dem Vorgehen des Anwalts die Ermittlungen von Herrn Merzbach und damit die eigene Glaubwürdigkeit erneut in Frage gestellt. Diese Infragestellung wurde von allen Betroffenen als erneutes Unrecht empfunden. Das gerade aufgebaute Vertrauen in den Aufarbeitungswillen des Ordens ist seitdem mindestens angeschlagen.

 

Entäuscht sind eine Reihe von Betroffenen auch durch die Tatsache, dass der Orden von sich aus in den letzten fünf Jahren nur selten aktiv geworden ist. (" Was nötig gewesen wäre? Dass sich einer von Ihnen geopfert hätte für uns. Einer, der nicht nur Scham bekundet, einer, der nicht nur um Verzeihung bittet, sondern einer der die Fahne der Aufarbeitung, der Beschämung der eigenen Zunft getragen hätte. Eine Fahne trägt und schwenkt man vorneweg.") Es wurden zwar immer wieder Anregungen der Betroffenen, wie z.B. die Fachtage zum Thema „Trauma“ umgesetzt, aber vermisst wird ein konsequentes, zielorientiertes Handeln, ein mutiges Vorangehen des Ordens selbst. Ein öffentliches Bekenntnis zu den dunklen Seiten in der Vergangenheit des Ordens ist nicht erkennbar. Der Missbrauchsbericht war auf der Ordenshomepage nicht mehr zu finden (was geändert werden soll) und auch darüber hinaus sind keine Hinweise zu finden, dass der Orden seit Jahren im Austausch mit Betroffenen steht.

Die Wirkung des erlittenen Traumas bis in die Gegenwart zeigt sich besonders deutlich in der Verzweiflung Einzelner, auch theologisch Aufschluss darüber finden zu wollen, wie diese Taten mit dem Auftrag eines Priesters überein kommen. Konkrete Fragen eines Betroffenen hierzu können tatsächlich auch von den Ordensleuten nicht im Ansatz beantwortet werden.

Die Frage eines Ordensmitglieds an die Betroffenen, wie sich sich denn verhalten würden, wenn bekannt würde, dass es in der eigenen Familie einen Täter gibt, zeigt die tiefe Betroffenheit einzelner Ordensmitglieder genauso wie die große Hilflosigkeit diesem Thema gegenüber. Neben der Anregung, sich in einem solchen Fall professionelle Hilfe zu suchen (wie man es evtl. auch in der Familie machen würde) kam auch der Hinweis aus der Betroffenengruppe, dass es nicht zielführend sei, die Opferseite in diese Frage zu involvieren. Aus Sicht der Betroffenen könnte es gerade in Bezug auf die Beantwortung dieser Frage von zentraler Bedeutung sein, die Aufarbeitung auch ordensintern zu gestalten und zu forcieren. Von ihm wurde das Anliegen deutlich ausgesprochen: "wieder heil zu werden, Sie mit uns und wir mit Ihnen"- falls es denn überhaupt gehen kann. Ein Betroffener (H. K.) drückte diese Skepsis so aus: er hoffe immer, dass es gelingen könne, noch einmal gerade Zeilen zu schreiben- aber er glaube es nicht.

 

Die Betroffenengruppe hält das Thema einer individuellen finanziellen Entschädigung weiterhin  für drängend und nicht abschließend bearbeitet.

 

Im letzten Teil des Gesprächs ging es um die Gestaltung der Zukunft:

Hier gab es ausdrücklich den Wunsch, die Prävention gegen sexuelle Gewalt vom Kopf auf die Füße zu stellen, aus der Theorie in die Praxis zu führen, vom (reichlichen) Papier in das reale Leben, Prävention also im Alltag wirksam zu machen. Dieser Wunsch wurde vom Missbrauchbeauftragten auch als oberstes Anliegen eines neuen Betroffenen formuliert. Herr Römelt sagte zu, mit dem Missbrauchbeauftragten ein entsprechendes Controlling bzw. die Impelementierung eines Schutzkonzeptes in Bonn und Kirchhellen zu diskutieren und gegebenenfalls zu vereinbaren. ("Ich lerne hier. wie geht das als Verantwortlicher?")

Über die Umsetzung der vorgetragenen Anliegen sollen in einem nächsten Treffen am Samstag, den 3.9.2016 um 11.00 in Köln gesprochen werden.

 

Der Orden erklärt sich darüberhinaus bereit, auch ein jährliches Treffen der Betroffenengruppe untereinander und mit professioneller Unterstützung durch Frau Haardt- Becker zu finanzieren. Ohne Zögern wird diesem Wunsch entsprochen. Diese erfreuliche Zusage öffnet somit für die Zukunft die Möglichkeit, mit weiteren Betroffenen in persönlichen Kontakt und Austausch zu kommen, für die ein Zusammentreffen mit Ordensmitgliedern unmöglich bzw. unerwünscht ist. 

Ein erster Termin ist für Mai angedacht. Ausführliche Informationen folgen.

 

Abschließend ein Satz des Journalisten Florian Breitmeier, der am 27.1.2016 im NDR Radio die Entwicklungen in Hildesheim kommentierte,  ein Satz, der durchaus auch auf unseren Kreis übertragbar ist:

„Wer angibt, in der Spur der Opfer gehen zu wollen, muss diesen Willen auch offensiv zum Ausdruck bringen und selbstlos auf potentiell Betroffene zugehen. Dies wäre eine Kirche, die zu den Menschen geht, und nicht wartet, bis sie zur Kirche kommen. Nächstenliebe, Achtsamkeit und Fürsorge sind theologische Schlüsselbegriffe, ebenso wie Reue, Buße, Umkehr.“ Ein Anfang ist auch hier gemacht.

 

 

28.01.2016 Aus aktuellem Anlass: Erneuter Hinweis auf professionelle Unterstützung für männliche und weibliche Missbrauchsopfer

Tauwetter heißt die Anlaufstelle, für Männer, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren.

Der Verein Tauwetter schreibt auf  seiner Homepage:

"Wir sind offen für alle, die als Junge von sexualisierter Gewalt betroffen waren. Für alle, die heute als Männer leben, und als Kind oder Jugendliche egal welchen Geschlechts sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Und für alle, die sich nicht in das Schema der zwei Geschlechter (männlich/weiblich) pressen lassen wollen, und denen als Kinder oder Jugendliche sexualisierte Gewalt widerfahren ist.

  • Viele Betroffene fühlen sich in ihrem Körper unwohl. Einige tun das schon ihr Leben lang. Bei manchen steht dabei das Geschlecht des Körpers (sex) im Vordergrund - bei anderen eher das soziale Geschlecht (gender). Einige von ihnen leben heute als Frau. Manche haben ihr biologisches Geschlecht anpassen lassen.
  • Es gibt nicht wenige, die fühlen sich unwohl mit den Zuweisungen, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat. Sie wollen oder können diese Erwartungen nicht erfüllen. Manche haben auch eine grundsätzliche Kritik an der Reduzierung auf zwei Geschlechter. Einige weigern sich konsequenterweise, sich in diese Schubladen stopfen zu lassen und suchen nach anderen Wegen.
  • Andere sind bei der Geburt körperlich weder eindeutig männlich noch weiblich. Oft wird ihnen dann nach Gutachten eines Mediziners operativ ein Geschlecht zugeordnet. Manche kommen aber auch um solche Zwangsoperationen herum.

Allen diesen Menschen steht Tauwetter offen, wenn sie das Gefühl haben, mit unserem Angebot etwas anfangen zu können."

 

http://www.tauwetter.de/info.html

 

Weitere Anlaufstellen:

 

Trotz allem e.V. für Frauen mit sexualisierten Gewalterfahrungen:

 

http://www.trotzallem.de/

 

Vielfalt e.V. für Frauen und Männer aus dem Kontext organisierter und/oder ritueller Gewalt:

 

http://www.vielfalt-info.de/

 

Gerne weisen wir auf die folgende hervorragende Zusammenstellung zahlreicher Hilfeeinrichtungen durch die Website

http://www.dissoziation-und-trauma.de   

hin, hier speziell:

 

http://www.dissoziation-und-trauma.de/links/beratung-therapie-und-selbsthilfeorientierte-angebote

 

28.01.2016  Verhaltene Reaktionen auf den Bericht zum massenhaften Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen- Fehlereingeständnis von Bischof Vorderholzer

http://www.fr-online.de/kultur/regensburger-domspatzen-matte-reaktion-auf-massenhaften-missbrauch,1472786,33617086.html

 

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat sein Schweigen gebrochen und eigene Fehler bei der Aufklärung der Fälle von Missbrauch und Misshandlung bei den Domspatzen eingeräumt.

 

"Bedauerlicherweise waren die in der Vergangenheit unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam", sagte Voderholzer am Sonntagnachmittag im Regensburger Dom.

 

Die Opfer, so scheint es, bleiben misstrauisch, ob es der Bischof tatsächlich ernst meint mit seinen Aussagen.

Dazu die Süddeutsche:

 

http://www.sueddeutsche.de/bayern/domspatzen-regensburger-bischof-bricht-schweigen-tut-mir-in-der-seele-weh-1.2833216

 

 

28.01.2016  Echte Aufarbeitung dauert lange

Aufarbeitung kann nicht aus der Hüfte geschosseen werden, ist nicht heute begonnen und morgen schon beendet. Sie bedarf stetiger Korrekturen, ständiger Neujustierung und zeitaufwändiger gegenseitiger Verständigung über Ziel und Zweck der Recherche. Hierzu ein markantes Interview mit dem Beauftragten der Bundesregierung Rörig unter folgendem Link:

 

http://www.mittelbayerische.de/bayern/oberpfalz-nachrichten/echte-aufarbeitung-dauert-lange-21684-art1335481.html

 

 

28.01.2016  Missbrauch durch Priester als Theologisches Problem

Beschäftigt die Menschen die Frage, wie "es" überhaupt "möglich" ist, schon grundsätzlich und allgemein, so beschäftigt die Frage nach der sexuellen Gewalt im Zusammenhang mit dem Priestertum die davon Betroffenen oft ganz besonders. Theologisch die Heiligung des Priesters durch Weihe und Gelübde ins Verhältnis zu setzen zur Sünde des Priesters und hier besonders zur sexuellen Gewalt gegen Kinder ist dabei nicht nur eine akademisch theologische Frage sondern - wie wir Betroffene von priesterlichem Missbrauch immer wieder erfahren- für viele Opfer ein lebenslang quälendes Thema- meist ausgehend von der Frage: Wie geht das für den Priester, mich am Abend zu vergewaltigen und am Morgen mit denselben Händen die Hostie der Gemeinde und mir selbst entgegen zu halten?

Einen ersten Einstieg in diese Auseinandersetzung finden Sie auf unserer Homepage im Abschnitt "Sieh mich sterben". Der Abschnitt wird in Kürze neu aufgearbeitet.

 

Dieses Thema wird aktuell auch in ersten Umrissen in der Katholischen Kirche selbst in den Fokus genommen:

 

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/es-stehen-grundsatzliche-theologische-fragen-an

 

 

28.01.2016  Jahrestag des Beginns des sog. Missbrauchsskandals "Canisiusday"

Heute jährt sich der Beginn des so genannten „Missbrauchs- Tsunami“ zum sechsten Mal. Sehr aufschlussreich in dem Zusammenhang, was dazu auf dem Berliner Blog „Spreeblick“ eingestellt wurde:

 

http://www.spreeblick.com/blog/2010/01/28/sexueller-missbrauch-am-canisius-kolleg-berlin/

 

 

27.01.2016 Neuer Missbrauchsfall im Bistum Hildesheim- Zusammenhang mit dem Missbrauch am Canisiuskolleg in Berlin

Im Fall des Missbrauchstäters Pfarrer Peter R. hat sich nach WDR Recherchen ein weiteres mutmaßliches Opfer gemeldet. Es handelt sich um die Mutter einer heute 20jährigen jungen Frau aus Hildesheim, die in der WDR/ARD Dokumentation „Richter Gottes“ vom 30.11.2015 bereits selbst ihren Missbrauch durch den pensionierten Pfarrer Peter R. öffentlich gemacht hatte.

 

http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/die-story/sendungen/pressemeldung-richter-gottes-100.html

 

http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/662959/neue-missbrauchsvorwurfe-im-bistum-hildesheim

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/bistum-hildesheim-familientragoedie-ueber-zwei-generationen-a-1074031.html

 

 

26.01.2016 Beauftragter der Bundesregierung setzt Aufarbeitungskommission ein

Pressemitteilung:

 

Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch startet noch im Januar

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs beruft die sieben Mitglieder für die unabhängige Aufarbeitungskommission.

 

Berlin, 26.01.2016. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die sieben Mitglieder für die Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch berufen. Damit kann erstmals eine auf nationaler Ebene angesiedelte unabhängige Kommission sexualisierte Gewalt an Kindern in Deutschland umfassend aufarbeiten.

Die Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr. Sabine Andresen: „Mit der Kommission ergibt sich die große und auch international einzigartige Chance, die Dimensionen des sexuellen Kindesmissbrauchs in Familien und Institutionen aufzudecken und so einen Beitrag auch für Kinder und Jugendliche heute zu leisten.“

 

PM_Aufarbeitungskommission Missbrauch ni
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25.01.2016   Das Gespräch der Betroffenen mit dem Orden am 23.01.2016 fand in guter Atmosphäre statt und führte zu erfreulichen Ergebnissen

Wir berichten am Ende dieser Woche Näheres.

25.01.2016   Verein und Homepage jetzt auch offiziell auf der Homepage des Beauftragten der Bundesregierung für Sexuellen Missbrauch Rörig

Anschreiben Beauftragter.pdf
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22.01.2016  Bühnenstück "Bilder von uns" . Reaktionen überwältigens

20.01.2016   Die Bonner Journalistin Hagenberg- Miliu schreibt ausführlich über das Bühnenstück "Bilder von uns" beim Evangelischen Pressedienst

Theater Bonn zeigt Stück zum Missbrauch am Aloisius-Kolleg "Schandfleck in das eigene Selbstbild integrieren"

 

Das Theater Bonn zeigt am Donnerstag die Uraufführung des Stücks "Bilder von uns". Der Berliner Dramatiker Thomas Melle verarbeitet darin die Missbrauchsfälle am Bonner Aloisiuskolleg. 

 

"Die Hintergründe im Stück sind den realen Ereignissen sehr ähnlich", sagte der 40-jährige Melle, der selbst Schüler am Aloisiuskolleg war, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei aber weder eine Fortführung der Arbeit der Betroffenenverbände noch eine Verteidigung oder Anklage der Täter, sondern eine "ästhetische Auseinandersetzung".

 

"Das Stück verhandelt fiktive Konflikte, die gleichwohl typisch für die Kämpfe in der Wirklichkeit sein mögen", sagte Melle. 

Melle will nicht richten, sondern erhellen

Laut Aufklärungsberichten werfen 60 Betroffene 18 Jesuiten und fünf weltlichen Mitarbeitern des Kollegs sexuelle Übergriffe und Missbrauch vor, die von den 50er bis in die 2000er Jahre hinein stattgefunden haben sollen. "Ich war vor Ort, verstehe die Konflikte genau, die Abneigung, die Verteidigung, den Hass, den Stolz, alles. Und eben auch die Ambivalenz", sagte Melle. Es sei aber nicht seine Aufgabe zu richten, sondern "das Ganze mit den oft genug undurchsichtigen Mitteln der Kunst zu erhellen, eine eigene, komplexe Perspektive auf das Geschehen zu werfen".

 

Die Hauptfigur im Theaterstück, ein 40-jähriger Manager, wurde wie viele Kollegsschüler einst nackt von einem Pater fotografiert. "Das ganze System, in dem man aufwuchs, steht infrage, und der Kampf um die eigene Identität und Biografie setzt ein", sagte Melle, der mit seinen Romanen "Sickster" und "3.000 Euro" zweimal für den deutschen Buchpreis nominiert wurde.

Jeder geht anders mit dem Erlebten um 

Wenn 40-Jährige erkennen, dass sie als Kinder von ihrem Erzieher nackt fotografiert wurden, löse das bei dem einen sehr viel aus, bei dem anderen gar nichts, sagte Melle. Dritte würden sich ein paar Wochen lang an den Kopf fassen und es dann verdrängen. "Ein Vierter dagegen ist schon längst zerbrochen", sagte der Dramatiker. Das liege auch daran, dass sich der Blick anderer Menschen auf die Opfer ändere. "Deshalb ist es ja auch so mutig von den Betroffenen, wenn sie zu reden beginnen."

 

Die Täter spielten in dem Stück kaum eine Rolle, sagte der Schriftsteller. Sie würden nur immer schuldiger, da sie sich nicht äußerten. "Wie schweigende, tote Götter hängen sie über der Szenerie und haben sich eigentlich schon aus dem Staub gemacht", erklärte Melle. Die Opfer müssten alles unter sich und mit sich selbst ausmachen.

 

Zum aktuellen Aufarbeitungsstand von realen Missbrauchsfällen an Schulen sagte der ehemalige Aloisiuskollegschüler, die betroffenen Institutionen könnten nur dann wieder funktionieren, "wenn sie offensiv damit umgehen, es nicht nur abarbeiten, um es wegzukriegen, sondern wirklich verarbeiten". Die Einrichtungen müssten "den Schandfleck in das eigene Selbstbild integrieren", sagte Melle. "Nur so geht es."

 

(epd-west, Ebba Hagenberg-Miliu)

Siehe auch:

 

http://www.domradio.de/themen/kultur/2016-01-20/theater-bonn-zeigt-stueck-zum-missbrauch-am-aloisius-kolleg

 

http://www.express.de/bonn/premiere-ako-missbrauch-geht-in-bonn-auf-die-buehne-23420070

 

http://www.theaterkompass.de/news-einzelansicht+M5752f5d82e6.html

 

Der WDR hat auf der Grundlage des Stückes zum Komplex der Opferidentität in bezug auf das Erinnern und Vergessern berichtet:

 

http://www.wdr3.de/buehne/bilder-von-uns-106.html

 

 

 

19.01.2016   Regensburger Domspatzen: die Zahl derer, die sich melden, nimmt täglich zu.

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/domspatzen-missbrauch-opfer-100.html

 

Gibt es für die Betroffenen gute Gründe, in die Unabhängigkeit der Aufarbeitung Vertrauen zu setzen, gelingt offensichtlich der Schritt, sich zu melden, leichter.

 

Zur Verbindung Missbrauch und NS- Vergangenheit der Täter auch:

 

http://www.idowa.de/inhalt.regensburg-berlin-ns-vergangenheit-bei-den-domspatzen-immer-mehr-klagen-ehemaliger-chorknaben.4c88021b-b5a0-4b58-bb9d-30d60b3a797e.html

 

 

http://www.dachau-institut.de/psychologie.html

 

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19.01.2016   Der Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten gibt eine Pressemitteilung zur Silvesternacht in Köln heraus

Im Anschluss finden Sie eine Stellungnahme des Betroffenenrates beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zu den Fällen sexualisierter Gewalt in der Silvesternacht in Köln und weiteren deutschen Städten. Weitere Informationen und Kontakt zum Betroffenenrat finden Sie unter https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/der-betroffenenrat/  bzw. unter  presse@betroffenenrat-usbkm.de .

Stellungnahme Betroffenenrat zur Silvesternacht in Köln
PM_Betroffenenrat_Stellungnahme Silveste
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17.01.2016 Bericht zu Missbrauch und Misshandlung bei den Regensburger Domspatzen- Reaktionen

Wie in den letzten Tagen vielfach in der Presse berichtet, hat der vom Bistum beauftragte Rechtsanwalt Weber seinen erschütternden Bericht zu Missbrauch und Misshandlung bei den Regensburgern Domspatzen vorgelegt. Er hat sich getraut, sehr weitgehende Recherchen anzustellen, er hat sich getraut auch den Bruder des ehemaligen Papstes Benedikt Georg Ratzinger in den Fokus der Untersuchung zu stellen. Er hat viele innere und äußere Hindernisse bei der Aufklärung überwinden müssen und tatsächlich auch überwunden. Beschämend die Reaktion des alten Herren Ratzinger, dem zu dem ganzen nur einfällt, sich selbst zum Opfer (der Aufarbeitungskampagne) zu stilisieren und der deshalb die Aufarbeitung schlicht "Irrsinn" nennt.

 

In der SZ vom 17.01. 2016 ist dazu ein lesenswerter kommentierender Bericht erschienen. Er sei ausschnittsweise hier wiedergegeben:

 

"Wieso Georg Ratzinger außer Ohrfeigen alles leugnet? "Kein Kommentar", sagt das Bistum

Anruf beim Bistum, die Vorzimmerdame stellt durch, in der Warteschleife singen die Domspatzen, der Bistumssprecher nimmt ab. Der Bischof werde sich zum neuen Bericht nicht äußern, sagt der Sprecher. Dann vielleicht ein Wort zu Georg Ratzinger? "Kein Kommentar", sagt er. Nach zwei Minuten ist das Gespräch zu Ende.

Wie das Bistum so tickt, erfährt man nur hinter vorgehaltener Hand. Man habe nicht das Recht, von Tätern zu sprechen, sagt einer, der im Bistum was zu sagen hat. Wer nicht verurteilt sei, sei unschuldig. Auch die Interessen der mutmaßlichen Täter müssen gewahrt werden, kein Richter wird ihre Schuld je feststellen können, die Taten sind verjährt. Aber wieso beruft sich die Kirche immer dann auf weltliches Recht, sobald es darum geht, sich selbst in Schutz zu nehmen? Was also tun, wenn die Hirten schweigen? Man fragt die Schafe.

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Es gibt Domspatzen, die nichts mitgekriegt haben, zumindest nichts vom Missbrauch, vor allem die Domspatzen der 1980er und 1990er, als es nach und nach besser wurde. Und es gibt untadelige, hochengagierte Priester, Lehrer und Erzieher, die unter Generalverdacht stehen, weil ihr eigenes Bistum nicht sagen will, wer Bescheid wusste - und wer eben nicht.

Alexander Probst redet jetzt seit eineinhalb Stunden, er sieht müde aus, er wirkt wie besiegt. Seit sechs Jahren kämpft er um Aufklärung, seit sechs Jahren rennt er gegen Kirchenmauern. Aber aufgeben? Niemals. In zwei Wochen soll ein Kuratorium tagen, auf Initiative des Aufklärers Ulrich Weber. Zum Kuratorium gehören Opfervertreter, Mediatoren, der Bischof, der Generalvikar, der Vorstand der Domspatzen. Es wird um Geld gehen, um Entschädigungszahlungen für die Opfer, womöglich um Millionen. Und um die Frage, warum das Bistum immer noch mauert. "Wir haben einen Forderungskatalog", sagt Alexander Probst, der auch zum Kuratorium gehört. "Stimmen die Herren zu, dann ist in einem Dreivierteljahr alles erledigt, dann sagen wir: Friede."

Dann steht er auf, begleitet den Gast zur Tür, vorbei an einem Klavier. Nur Deko, sagt Probst. "Ich wünschte, ich könnte heute noch spielen." Vor ein paar Jahren hat er einen Lehrer genommen. Er saß am Klavier, schaute auf die Noten, wusste, was zu tun war - als seine Finger steif wurden. Die Bilder kamen zurück: Ein falscher Ton, der Lehrer knallt ihm den Klavierdeckel auf die Finger. Die Finger, wund wie sie sind, machen erst recht Fehler, der Lehrer wird wütender, schlägt zu. "Ein Grauen", sagt Alexander Probst.

Dann setzt er seine rechte Hand auf die Tasten, vielleicht geht es ja doch. Es erklingen die ersten drei Takte eines Liedes, dann zieht er die Hand weg."

 

Was so deutlich wird: für den Präfekten war das damals eine belanglose, weil übliche Episode im womöglich  gut gemeinten pädagogischen Alltag, den Zögling hat sie lebenslang gebrochen, zumindest diesen Zögling. Ein Irrsinn fürwahr.

 

Hier der Link zum lesenwerten Bericht "Hölle auf Erden" der SZ:

http://www.sueddeutsche.de/politik/domspatzen-hoelle-auf-erden-1.2821958?reduced=true

 

Dazu auch:

 

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburger-domspatzen-missbrauch-zwischenstand-100.html

 

und:

 

http://www.regensburg-digital.de/georg-ratzinger-karl-birkenseer-domspatzen-rest-einer-jahrzehntealten-vertuschungskultur/12012016/

 

Hier auch zum downloaden das schriftliche Statement von Rechtsanwalt Weber am 8. Jan.:

Pressegespräch RA Weber
Statement_Pressegespraech.pdf
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16.01.2016  Premiere des Theaterstücks "Bilder von uns" in Bonn (Stadttheater, Werkstatt) zur sexuellen Gewalt in Institutionen (hier AKO Bonn) am 21.01.2016

Am Mittwoch läuft die Premiere des Bühnenstücks "Bilder von uns" von Thomas Melle. Das Stück behandelt den Missbrauch am Aloisiuskolleg in Bonn.