Aktuelles ab 01.02.2020

22.02.2020   Matthias Katsch über zehn Jahre Kampf um Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer der katholischen Kirche und die Frage der Entschädigung

Matthias Katsch war eines von vielen Opfern sexuellen Missbrauchs am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten. Im BZ-Interview berichtet der in Offenburg lebende Management-Trainer über seinen Kampf um Gerechtigkeit.

https://www.badische-zeitung.de/matthias-katsch-ueber-zehn-jahre-kampf-um-gerechtigkeit-fuer-missbrauchsopfer-der-katholischen-kirch--183015668.html

 

Dazu besonders das folgende Interview als PDF- Datei:

Es geht nicht um soziale Almosen an die Missbrauchsopfer
bz22.02.2020fre_es_geht_nicht_um_soziale
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21.02.2020   Das unbekannte Vermögen der Kirchen

"Ob man es glaubt oder nicht, die beiden großen Kirchen in Deutschland wissen (angeblich) tatsächlich selber nicht, über welches Vermögen sie an Grundbesitz und Immobilien verfügen. Das liegt nicht nur an der Vielzahl der eigenständigen Rechtsträger, d.h. Besitzer, die auf jede Form von Zentralismus empfindlich reagieren, sondern auch schlicht daran, dass in den kirchlichen Haushaltsplänen unter Vermögen nur das Geldvermögen verstanden wird. Grundbesitz und Immobilien werden nicht benannt oder bewertet, sondern tauchen nur in den Erträgen aus Vermögen (z.B. Mieteinnahmen) auf." schreibt Carsten Frerk in seiner Untersuchung des Kirchenvermögens.

http://www.carstenfrerk.de/wb/journalistisches/das-unbekannte-vermoegen-der-kirchen.php

 

21.02.2020  Aufruf zu konzertierten Aktionen anlässlich der Hauptversammlung der Bischofskonferenz vom 02. bis 05.03.2020 in Mainz

Vertreter*Innen von Vereinen und Initiativen, in denen sich von Klerikern sexuell missbrauchte Menschen zusammen gefunden haben, werden schwerpunktmäßig am 2. und 3. in Mainz sein, um mit einigen Aktionen ihren Unmut in der Entschädigungsfrage für die ihnen angetanen Verbrechen kund zu tun. Wir würden uns freuen, wenn sich weitere Betroffene diesen Aktionen anschließen würden und geben gern Auskunft, wenn Sie über diese Website Kontakt mit uns aufnehmen.

 

Auch Vertreter*Innen verschiedener Kirchenbewegungen werden vor Ort sein, so z. B. Frauen von Maria 2.0 und KFD.

 

Wir teilen hier ihre Aufrufe, in Mainz dabei zu sein, um ein sichtbares Zeichen zu setzen.

 

https://m.facebook.com/465664103993837/photos/a.480328322527415/611605579399688/?type=3&source=57

 

https://www.katholisch.de/artikel/24591-katholische-frauen-sammeln-130000-unterschriften-fuer-kirchenreformen

 

20.02.2020   Zahlungen an Missbrauchsopfer: Katholische Diözese in den USA meldet Insolvenz an

Katholische Diözese in den USA meldet Insolvenz an So viele Fälle von Missbrauch: Die katholische Diözese Harrisburg kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen - weil sie bei vielen Opfern Entschädigung leisten muss.

https://www.spiegel.de/panorama/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-dioezese-in-den-usa-meldet-insolvenz-an-a-98dae8a8-dcf2-4490-bfab-1816b9b60e66

https://www.n-tv.de/21588701

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/us-bistum-meldet-wegen-missbrauchs-klagen-insolvenz-an-16643376.html?GEPC=s53

 

19.02.2020   Kinderschutzexperte des Vatikans Zollner: „Zuhören und nicht davonlaufen“

Vor ziemlich genau einem Jahr, vom 21. Bis zum 24. Februar, gab es im Vatikan erstmals eine große kirchliche Kinderschutz-Konferenz, die der Papst einberufen hatte. Einer der Organisatoren war der katholische Kinderschutz-Experte Hans Zollner. Im Interview mit Radio Vatikan blickt er zurück auf die Entwicklungen in Sachen Kinderschutz in diesem Jahr.

https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-02/vatikan-kinderschutz-missbrauch-kirche-orden-frauen.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

 

18.02.2020    Recherchen zu Papst Benedikt   -   Ratzinger und der pädophile Priester

Papst Benedikt XVI. unterhielt Verbindungen ins Umfeld eines wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Priesters. Das zeigen Recherchen von "Correctiv" und "Frontal21". Er traf ihn offenbar sogar und schützte ihn wohl auch:

 https://www.zdf.de/politik/frontal-21/frontal-21-vom-18-februar-2020-100.html

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_87359134/ratzinger-und-der-paedophile-priester.html?utm_source=t-online&utm_medium=sharing-article&utm_campaign=mail-amp

 

18.02.2020   Nach Missbrauchsskandal melden Pfadfinder Konkurs an

18.02.2020  In persona mariae: Das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia und seine Folgen für die Frauen und die Männer

In den wenigen Tagen seit Erscheinen des nachsynodalen Schreibens Querida Amazonia gibt es sehr viele gegensätzliche Einschätzungen des päpstlichen Dokuments. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller unternimmt mit spitzer Feder „Theologische Rettungsversuche in Form einer Glosse und zugleich kirchenrechtlichen Optionierung“.

https://www.feinschwarz.net/in-persona-mariae-das-nachsynodale-schreiben-querida-amazonia-und-seine-folgen-fuer-die-frauen/

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-02/deutschland-kirche-theolog-seewald-synodaler-weg-frauen-zoelibat.html

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-02/vatikan-papst-franziskus-reformen-katholische-kirche?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.share.link.x

 

 

17.02.2020     Kardinal Woelki verteidigt Nein zum Frauenpriestertum. In demselben Interview äußert er sich auch zu den geplanten Entschädigungszahlungen

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat erneut die Entscheidung gegen Frauen als Priester verteidigt. Die Themen Frauenweihe, Zölibat, Verhütung und Homosexualität des Synodalen Wegs hält er für überbewertet.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-02/deutschland-kardinal-woelki-frauenpriestertum-synodaler-weg.html

 

Dazu auch der Artikel der TAZ "Matres ante Portas":

https://taz.de/!5661165/

 

Woelki plädiert richtigerweise für gleiche Entschädigungszahlungen in allen Diözesen (und Orden?). Sie werden aber wohl auch deshalb eher sehr niedrig ausfallen. Als Genugtuung wird das kaum geeignet sein. Die Kirche unterschätzt den großen damit verbundenen endgültigen Image- und Vertrauensverlust und was es dagegen bedeuten würde,  wenn die Opfer und die Öffentlichkeit endlich sagen könnten: "Aber wenigstens das haben sie gut gemacht!"  Der von der Expertenkommission erarbeitete Vorschlag war auf dem besten Weg dahin. Stattdessen bemüht Kardinal Woelki eine simple und  durchschaubare Formel. man kann es auch Ausrede nennen:  „Ein Signal wollen wir setzen, aber um Versöhnung können wir nur bitten. Egal, wie viel Geld wir zahlen." . Man möchte den Satz fortsetzen: "Wenn es denn egal ist, dann reichen doch die 5.000,00€, die wir bisher schon gezahlt haben. Und auf Versöhnung pfeifen wir."

 

Kirche schafft sich ab.

 

 

17.02.2020   Alle Kinder haben das Recht auf genitale Unversehrtheit

Hier geht es um das spezielle Thema der männlichen und weiblichen Beschneidung. Und doch berührt es das Thema des sexuellen Missbrauchs im Zentrum:

Im Mai 2019 hielt Jérôme Segal, Assistenzprofessor an der Universität Paris-Sorbonne, Forscher und Journalist in Wien und Botschafter von intaktiv e. V., einen Pecha-Kucha-Vortrag auf der Jubiläumsfachtagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung,-vernachlässigung und sexualisierter Gewalt e. V. (DgfPI). Inzwischen haben Jérôme Segal und Viola Schäfer, die Vorsitzende von intaktiv, einen Fachartikel zum Vortrag mit dem Titel "Alle Kinder haben das Recht auf genitale Unversehrtheit" verfasst, der im Dezember in der zweiten Jahresausgabe der Fachzeitschrift der DGfPI veröffentlicht wurde.

https://hpd.de/artikel/alle-kinder-haben-recht-genitale-unversehrtheit-17726

 

Wie die Foristin in ihrem Beitrag zu obigem Artikel richtig anmerkt: "Alle Kinder haben das Recht auf genitale Unversehrtheit" Damit ist eigentlich alles gesagt. Warum ist es so schwer, das zu verstehen und in geltendes Recht umzusetzen? " Das gilt für die Beschneidung, das gilt für sexuellen Missbrauch von Kindern.

 

16.02.2020   Gescheiterte Erneuerung - Katholische Kirche? Es reicht!

Den zölibatären Zwang gibt es nun seit tausend Jahren. Das reicht, das hat viel Unheil angerichtet.

Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung bescheinigt der katholischen Kirche in einem zornigen Leitartikel "totale Unfähigkeit zur Reform: Die Ausgrenzung der Frauen und der zölibatäre Zwang für die Priester hat schon so viel Unheil angerichtet."

https://www.sueddeutsche.de/politik/katholische-kirche-zoelibat-reformen-1.4800506

 

Man glaubt fast, die Kirche schafft sich selber ab. Eine Illusion, wer geglaubt hat, das könne eine Institution gar nicht, die schon irgendwie beachtliche 2000 Jahre lang existiert.

 

15.02.2020   Das bizarre Frauenbild der Katholischen Kirche, dem auch ein bestimmtes Männerbild entspricht.

Es ist nicht unser erstes Anliegen, das Frauenbild des Vatikan zu diskutieren. Aber die neuerlichen Ausführungen von Papst Franziskus verwundern doch sehr. Hier einer der interessanteren Diskussionsbeiträge unter der Überschrift: Jesus hätte gebügelt   

http://theosalon.blogspot.com/2020/02/jesus-hatte-gebugelt.html

 

15.02.2020   Kirchenrechtlerin: Kampf gegen Missbrauch ist vorangekommen

Zehn Jahre nach Aufbrechen der Missbrauchskrise in Deutschland ist die katholische Kirche heute ein weitaus sicherer Ort für Minderjährige. Davon ist die Erfurter Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens überzeugt. Sie engagiert sich seit mehr als 30 Jahren international für den Kinderschutz in der Kirche und gehört seit zwei Jahren der päpstlichen Kinderschutzkommission im Vatikan an. Ein Gespräch.

https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-02/kinderschutz-missbrauch-kirchenrechtlerin-myriam-wijlens-mission.html

 

15.02.2020   Ein bizarrer Fall: 51 jähriger Sohn verklagt einen katholischen Priester, der seine Vaterschaft wider besseres Wissen abstreitet.

Der Fall ist bizarr und auch das Licht, das er auf die eigenartige Moralvorstellung eines Priesters wirft.

https://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-aktuell/vaterschaft-abgestritten-mann-verklagt-katholischen-priester-papa-68758134.bild.html

 

15.02.2020  "Damit es aufhört. Vom befreienden Kampf der Opfer sexueller Gewalt in der Kirche" - Eine Rezension

Hier eine ausgezeichnete Rezension zum Buch von Matthias Katsch:

https://www.feinschwarz.net/damit-es-aufhoert-opfer-sexueller-gewalt-rezension/

 

14.02.2020  Trierer Bistum will Sprecher der Missbrauchsopfer im Bistum Trier Thomas Schnitzler nicht anzeigen

Aus dem Trier Volksfreund, Rolf Seydewitz: " TRIER Das Bistum Trier will trotz des möglichen Bruchs einer Verschwiegensheitserklärung vorerst nicht juristisch gegen den Sprecher der Opfervereinigung Missbit, Thomas Schnitzler, vorgehen. Man nehme aber „mit Bedauern zur Kenntnis, dass Herr Dr. Schnitzler sich offenkundig nicht an diese von ihm unterzeichnete Vereinbarung hält“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Der Trierer Historiker und Missbit-Sprecher hatte in der vergangenen Woche in einer öffentlichen Veranstaltung interne Dokumente des Bistums gezeigt. Dabei ging es um Vertuschungen von Missbrauchsstraftaten katholischer Geistlicher durch den ehema-ligen Trierer Bischof Bernhard Stein. Fotos der Dokumente waren anschließend auch auf diversen Facebookseiten veröffentlicht worden.

Als Missbrauchsopfer durfte Thomas Schnitzler die Dokumente einsehen, musste aber eine Verschwiegenheits-erklärung unterzeichnen. Nach Bistumsangaben beinhaltet die Erklärung, dass die aus den Unterlagen gewonnenen Erkenntnisse nicht veröffentlicht werden dürfen. Der Betroffene dürfe die Erkenntnisse aber für die eigenen Angelegen-heiten verwenden, etwa im Rahmen eines Gerichtsverfahrens.

Bei den von Thomas Schnitzler öffentlich gezeigten Dokumenten handelt es sich um ein Schreiben, in dem Bischof Stein von seinem obersten Justitiar über den fortgesetzten Missbrauch eines Jungen durch einen Kaplan informiert wurde. Trotzdem wurde der mehrfach aufgefallene Geistliche wenig später vom Bischof Ende der 60er Jahre in eine andere Pfarrei versetzt."

 

Besagter Geistliche missbrauchte in der Folge weitere Kinder. Klar: eine Verschwiegenheitserklärung ist eine Verschwiegenheitserklärung. Aber es ist eine, die ein zweites Verbrechen nach dem Missbrauchsverbrechen decken sollte. Aufarbeitung ist ein schmerzlicher Prozess und da darf es solche Erklärungen zu Hintergründen von Verbrechen nicht geben. Warum nur ist die Politik seit 10 Jahren unisono zu feige, so etwas wie eine Wahrheitskommission wie in Südafrika und anderen Ländern auf den Weg zu bringen? Es geht nicht an, dass eine Organisation, die mehrere 1000 Missbrauchsopfer zu verantworten hat, macht, was sie will. 

 

14.02.2020   Überfälliger Beschluss: Bundesrat will, dass eine Verurteilung wegen sexuellen Kindesmissbrauchs für immer im Führungszeugnis bleibt.

Näheres unter:

Sexueller Missbrauch und Führungszeugnis
Bundesratsbeschluss 14.02.2020.pdf
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14.02.2020   Zölibat oder Priesterweihe für Frauen. Existentiell nicht wichtig. "Aber an der Frage, wie die katholische Kirche mit ihren Opfern umgeht, entscheidet sich, ob sie noch eine Existenzberechtigung hat" (R- Löbbert in der ZEIT)

Wir empfehlen die Recherche von Raoul Löbbert in der ZEIT, aus der wir schon am 13.02. zitiert haben. Hier in voller lesenswerter Länge:

https://www.zeit.de/2020/08/missbrauchsskandal-katholische-kirche-entschaedigungsmodell-bischoefe?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.share.link.x

 

Gerne zitieren wir auch den Kommentar von Godehard Brüntrup (SJ) dazu: "Im Umgang mit den Opfern der eigenen Geschichte zeigt sich, ob ein Land oder eine Organisation die geistige und moralische Kraft zur Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft hat. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und es ist eine Überlebensfrage für die Kirche."

 

13.02.2020  FDP- Abgeordnete kritisiert die Schulen, weil sie nicht genug gegen Missbrauch tun. Die Abgeordnete soll nach dem Willen der Landes- FDP ihr Mandat im Landtag verlieren.

Die FDP-Abgeordnete Helga Lerch in Mainz kritisiert, dass an Schulen nicht genug gegen sexuellen Missbrauch getan werde. Daraufhin will ihre Fraktion sie loswerden. Das ist ein seltsames Verständnis von Liberalität. Wenn man weiß, dass allenfalls 20% aller Schulen trotz eindeutiger Empfehlung des Missbrauchsbeauftragten Rörig ein effektives Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch entwickelt haben, wird einem angst und bang. Weil sie im Landtag von Rheinland- Pfalz solches anprangert, soll eine FDP- Abgeordnete die Fraktion verlassen. Haben wir es evtl. mit organisierter Missbrauchskriminalität innerhalb der FDP- Fraktion zu tun? Diese Frage muss doch erlaubt sein. Die Fraktion riskiert nämlich sogar ihre sichere Regierungsmehrheit.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-will-die-fdp-in-mainz-die-abgeordnete-helga-lerch-loswerden-16631006.html

 

13.02.2020   Zehn Jahre Austausch zwischen Orden und Betroffenen. Der ehemalige Provinzial Pater Hermann ten Winkel zieht Resümee zu Missbrauchsaufklärung im Orden der Redemptoristen

Auf unsere Bitte, dass der Orden auch Resümee zu 10 Jahren "Missbrauchsskandal" ziehen möge, erreichte uns die Rückschau des ehemaligen Provinzials Pater Hermann ten Winkel:

 

"Nach 10 Jahren – Treffen

Ein paar persönliche Gedanken

 

Als sich im Jahre 2010 von Missbrauch/Gewalt durch Redemptoristen unserer Provinz Betroffene meldeten, war ich (bis Anfang 2011) Provinzial der Provinz St. Clemens und damit verantwortlich. Im Kontakt mit Betroffenen kam von deren Seite die Anregung zu einem Treffen von Redemptoristen und Betroffenen.

 

Im Herbst 2010 fanden die ersten beiden Treffen von Redemptoristen und Betroffenen statt. Aus meiner Sicht haben zum Gelingen der Treffen die Moderation durch Frau Annette Haardt-Becker und die Anwesenheit des den Betroffenen vertrauten Missbrauchsbeauftragten Herrn Hermann-Josef Merzbach einen wichtigen Beitrag geleistet. 

 

Vorrangig war, dass Betroffene von ihrem schrecklichen Erleben den Verantwortlichen unseres Ordens und den anwesenden Betroffenen berichten konnten und ihnen, bis sie zu Ende gesprochen hatten, zugehört wurde. Für mich persönlich war es jedes Mal wieder beschämend zu hören, was Mitbrüder von mir jungen Menschen (Mädchen wie Jungen) Fürchterliches angetan hatten.

 

Für das anschließende offene Gespräch waren zwar bestimmte Punkte vorgesehen, den Vorrang allerdings bekamen augenblicklich drängendere Anliegen. Und es gab Vieles zu besprechen, zu diskutieren und unsererseits Stellung zu beziehen. Wenn es mir im Augenblick vielleicht auch nicht angenehm war, empfand ich im Nachhinein die Anregungen, Forderungen, manchmal auch den Druck („damit seitens des Ordens dies oder jenes endlich geschieht“) der Betroffenen als hilfreich.

 

Angesichts so unterschiedlicher Ausgangspunkte, Betroffene einerseits und Verantwortliche des Ordens, zu dem die Täter gehören, andererseits, bin ich sehr dankbar für die jährlichen Treffen. Inzwischen ist eine solche Basis geschaffen, dass z.B. Betroffene, die sich bis dahin nicht bei den Missbrauchsbeauftragten oder bei der Leitung des Ordens gemeldet haben, sich lieber an den Verein der Betroffenen wenden. Dort gelingt es ihnen vielleicht eher zu sprechen und es wird ihnen Mut macht, sich an die seitens des Ordens verantwortlichen Personen zu wenden und/oder an einem Treffen teilzunehmen. Die gemeinsame Basis ermöglicht z.B. auch, dass Betroffene und Redemptoristen im Bemühen um gute Prävention in Klöstern und Projekten/Institutionen des Ordens sich ausgiebig austauschen.

 

Bei allem Auf und Ab in der Begegnung zwischen Betroffenen und Orden habe ich den Eindruck, dass die Treffen beiden guttun.

Bleibt zu hoffen, dass „Kein Raum für Missbrauch“ bei uns Redemptoristen wie allerorten auch dank dieser Treffen zunehmend verwirklicht wird.

 

Hermann ten Winkel

12.02.2020"

 

Vielen Dank!

 

13.02.2020  Revolution der Mutlosigkeit- Eine Recherche von "Christ und Welt" ( vom 13.02.2020) zur Entschädigungsfrage

Hier einige Zitate aus dem lesenswerten Beitrag:

 

"Als Stephan Ackermann am 25. September 2019 bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda vor die Presse

tritt, lässt das Großes erahnen. Schließlich ist der Bischof von Trier und Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht alleine gekommen. Neben ihm steht Matthias Katsch vom »Eckigen Tisch«, der wichtigsten Initiative für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker. Seit’ an Seit’ stellen die beiden das Ergebnispapier einer von der DBK beauftragten Arbeitsgruppe vor. Es geht um nichts weniger als einen gemeinsamen Vorschlag für die Entschädigung Tausender Missbrauchsopfer unter dem Dach der katholischen Kirche in Deutschland. Die Symbolik des Auftritts lässt nur eine Deutung zu: Zehn Jahre nachdem der Missbrauchsskandal den deutschen Katholizismus in seinen Grundfesten erschütterte, ist die Versöhnung zwischen der schuldig gewordenen Institution und ihren Opfern zum Greifen nah. Es ist ein historischer Moment, eine einmalige Chance, die selbst Optimisten bis vor Kurzem kaum für möglich hielten. Fünf Monate nach der Pressekonferenz von Fulda jedoch ergeben Recherchen im Umfeld der Bischofskonferenz: Die Chance wurde vielleicht für immer vertan in einer Mischung aus Fahrlässigkeit und Mutlosigkeit. ...

 

Die Autoren des Arbeitspapiers machen zwei Lösungsvorschläge: Das erste Modell empfiehlt einen pauschalen Entschädigungsbetrag von 300.000 Euro, das zweite gestufte Summen zwischen 40.000 und 400.000 Euro. Die Folge: Angesichts Tausender Fälle würde das schnell einen Milliardenbetrag ergeben. Da kann man als Kirchenvertreter schon mal Wortfindungsstörungen bekommen...

 

Gegen die Existenzangst empfiehlt das Papier einen Finanzausgleich mittels eines bistumsübergreifenden Fonds: Die reichen Diözesen sollen den armen und den Orden unter die Arme greifen. Je länger Ackermann in Fulda spricht, desto mehr überwindet er sichtlich seine Scheu vor der freien Rede. Bis ihm ein Satz herausrutscht, an dem er sich fortan messen lassen muss. »Die Bischöfe haben den Auftrag gegeben, auf der Grundlage dieses Modells die Weiterentwicklung unseres Anerkennungssystems zu bearbeiten.« ...

 

Nach der Herbstvollversammlung sitzen die Bischöfe erst wieder am 27. und 28. Januar beim Ständigen Rat der Bischofskonferenz in Würzburg- Himmelspforten zusammen. ... Gleichwohl nehmen die Bischöfe in Würzburg eine

Weichenstellung vor. Schnell steht fest: Entschädigungen oder Schmerzensgeld soll es auch weiterhin nicht geben.

Demnach bleibt es also bei Anerkennungsleistungen. Dass diese momentan angesichts des erlittenen Leids mit rund 6000 Euro pro Fall skandalös niedrig sind, ist den meisten Anwesenden bewusst. Angelehnt an Modelle der Bischofskonferenzen in Österreich und den Niederlanden soll diese Summe künftig aufgestockt werden, maximal

auf eine Einmalzahlung im mittleren fünfstelligen Bereich – weit entfernt also von den im Herbst noch vorgestellten Beträgen des Arbeitspapiers. Wie in Österreich präferieren die Bischöfe in Würzburg ein stufenweises Modell, das sich an der Schwere des jeweiligen Falls orientiert. Über die Einstufung der verschiedenen Fälle soll künftig eine unabhängige Kommission befinden. Kurz: Die »Weiterentwicklung « von Würzburg ähnelt sowohl in der Summe als auch in Terminologie und konkreter Ausgestaltung mehr dem Status quo, den alle Beteiligten eigentlich überwinden

wollten, als dem Arbeitspapier, das Ackermann bei der Pressekonferenz im September präsentierte.

 

Wie sieht das der Mann, der in Fulda neben dem Bischof stand? Das Fazit des Opfervertreters ist deutlich: Nachdem man im letzten Jahr noch bereit schien, in der Bischofskonferenz Verantwortung für das Versagen der eigenen Institution und ihrer Leitung in der Vergangenheit zu übernehmen, teilt Matthias Katsch Christ&Welt per Mail mit, werde jetzt zurückgerudert. »Das ist an Boshaftigkeit nicht mehr zu überbieten. Denn es spekuliert auf die Trägheit

der öffentlichen Meinung und die Feigheit der Politik, die der Auseinandersetzung mit der Kirche gerne aus dem Weg geht«, so Katsch. Die Betroffenen sollen »zermürbt werden in der Hoffnung, dass sie irgendwann entnervt aufgeben oder schlicht das Zeitliche segnen«.  ..."

 

Für uns als Betroffene bleibt festzuhalten: Wir wurden erst missbraucht, dann verraten, weil die Institution die Täter und nicht die Opfer schützte. Dann hingehalten über 10 Jahre der Diskussionsverweigerung, was Schmerzensgeld anbetrifft. Und jetzt schlicht hintergangen. 

 

11.02.2020   Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln. Ergebnisse der Unabhängigen Untersuchung. Das Erzbistum unter dem sonst so unaufgeklärt wirkenden Kardinal Woelki scheint zum Vorreiter wirklicher Aufklärung in Missbrauchssachen zu werden


Aktuelle Information

Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln

Ergebnisse der Unabhängigen Untersuchung

Am Donnerstag, 12. März 2020, stellt die Münchener Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl" die Ergebnisse ihrer unabhängigen Untersuchung der Fälle von sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln den Verantwortlichen und zugleich der Öffentlichkeit vor.

Die Pressekonferenz beginnt um 9:30 Uhr und wird auf der Internetseite des Erzbistums www.erzbistum-koeln.de live übertragen. Der Live-Stream wird von 9:30 bis 11:30 Uhr in die Konferenz der leitenden Pfarrer übertragen, die zeitgleich in Bensberg tagt.

Hierzu sind die Mitglieder des Priesterrats, die Diakonenkonferenz, die Mitarbeitervertretung der Pastoral- und Gemeindereferentinnen und –referenten und die Vorstände der beiden Berufsverbände der Pastoralreferentinnen und –referenten bzw. Gemeindereferentinnen und –referenten herzlich ins Kardinal-Schulte-Haus eingeladen.
Am Nachmittag stehen hier Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Pfarrer Mike Kolb und ein Vertreter der Kanzlei zu Information, Gespräch und Austausch mit diesen Gruppen bereit.

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hatte nach der Veröffentlichung der sog. MHG-Studie den Auftrag zu der Untersuchung gegeben. Im Januar 2019 wurde die Münchener Kanzlei damit beauftragt. Ihr Bericht ist ein wesentlicher Baustein der Aufklärung und verfolgt im Wesentlichen die drei Ziele, mögliche Fehler und Versäumnisse von Verantwortlichen im Erzbistum Köln zu benennen, organisatorische, strukturelle oder systemische Defizite aufzudecken sowie Handlungsempfehlungen für den weiteren Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt, auch über das Erzbistum Köln hinaus, aufzuzeigen.

Die Unabhängigkeit der Untersuchung zeigt sich auch darin, dass auch die Verantwortlichen des Erzbistums die Ergebnisse erst mit der Pressekonferenz erfahren.

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Nachfolgend finden Sie die Ankündigung des Interviews der Kölnischen Rundschau mit Generalvikar Dr. Markus Hofmann zur unabhängigen Untersuchung:

Köln. Im Erzbistum Köln soll es keine Tabus bei der Aufarbeitung von Missbrauchsdelikten geben. Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann kündigte in einem Interview der Kölnischen Rundschau für den 12. März die Veröffentlichung einer unabhängigen Untersuchung an. „Und da werden auch Namen genannt, da gibt es kein Tabu“, sagte Hofmann. „Von den Erzbischöfen über die Generalvikare bis zu den Personalverantwortlichen.“ Hofmann ist als Generalvikar Stellvertreter von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und leitet die Verwaltung des Erzbistums.

Auf die Frage, ob Rücktritte bevorstünden, sagte Hofmann: „Wenn sich persönliche Schuld herausstellt, dann kann ich die Forderung nach Rücktritt verstehen. Aber wir müssen jeden einzelnen Fall genau analysieren.“ Liege ein Fall vor, in dem zwar aus heutiger Sicht falsch gehandelt wurde, bei dem aber nach der damaligen Kenntnislage kein schuldhaftes Vorgehen vorliege, dann werde man das differenziert bewerten müssen. Ganz anders sei es, wenn jemand wissentlich Täter geschützt habe. Strafrechtlich relevante Fälle werde man an die Staatsanwaltschaft weiterleiten.

Rückblickend sprach der Generalvikar von einer früheren „krassen Fehleinschätzung“ der Folgen von Missbrauchsdelikten für die Betroffenen. Das Erzbistum hätte viel früher auf die Betroffenen zugehen müssen. Hofmann: „Warum das nicht geschehen ist, das ist auch Teil der unabhängigen Untersuchung, mit der wir eine unabhängige Anwaltskanzlei beauftragt haben.“ Unter anderem werde geprüft, wo gegen staatliches und kirchliches Recht verstoßen worden sei und falls ja, von wem und warum. Hofmann betonte aber auch, man habe viele Dinge angepackt, „die heute besser laufen, ohne dass ich den Eindruck erwecken will, wir seien schon am Ziel“.

Zu der vor dem Abschluss stehenden Untersuchung betonte Hofmann, „keiner von uns im Erzbistum“ werde vorab über den Inhalt unterrichtet, „auch der Kardinal nicht“. Der Generalvikar: „Das ist ganz strikt vereinbart, damit die Unabhängigkeit gewahrt und dokumentiert ist.“ Das Erzbistum hat die Münchner Rechtsanwaltskanzlei  „Westpfahl Spilker Wastl“ mit der Untersuchung beauftragt. Die Veröffentlichung wird zudem live auf der Website des Erzbistums übertragen (www.erzbistum-koeln.de). Anders als bei der von der Deutschen Bischofskonferenz 2018 vorgestellten sogenannten MHG-Studie werden im Erzbistum Köln auch Fälle beschuldigter Laien im kirchlichen Dienst untersucht. Das Verhältnis beträgt nach Hofmanns Angaben „etwa zwei Drittel Kleriker, ein Drittel Laien“. In der MHG-Studie waren Fälle von 87 Beschuldigten aus dem Erzbistum Köln erfasst worden.(KR 110220)

Zum Interview mit Generalvikar Hofmann


 

 

 

 

 

11.02.2020  Sexueller Missbrauch in der Evangelischen Kirche - Der Preis des Leids. Ein lesenswerter Beitrag zur Entschädigungsdebatte

Anerkennungszahlung, Schadenersatz, Schmerzensgeld: Ob und wie Missbrauchsopfer finanziell entschädigt werden sollen, ist umstritten. Preisschilder an Untaten zu heften, sei zynisch, heißt es in der EKD. Betroffenenvertreter kritisieren das Verfahren als intransparent und ungerecht.

https://www.deutschlandfunk.de/sexueller-missbrauch-in-der-evangelischen-kirche-der-preis.886.de.html?dram:article_id=469943

 

11.02.2020   10 Jahre Arbeit von und mit Betroffenen

Seit zehn Jahren ist unwiderruflich klar: Sexueller Missbrauch im Raum der Kirchen gehört zum Alltag. Barbara Haslbeck reflektiert über Schwieriges und Gelingendes in der zehnjährigen Arbeit von und mit Betroffenen.

https://www.feinschwarz.net/10-jahre-arbeit-von-und-mit-betroffenen/

 

11.02.2020  Bischof Voderholzer hat der MHG- Studie Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen. Jetzt wird ihm von interessierter Seite sekundiert.

Die Entstehung des synodalen Gründungsmythos. Was waren die Beweggründe für den Synodalen Weg? Und wie kam es zu den Themen, über die jetzt so heftig gestritten wird? Immer wieder wird diesbezüglich auf die MHG-Studie verwiesen. Aber die Missbrauchsstudie gibt nicht her, wozu man sie heranzieht. Dafür gibt es blinde Flecken in der Debatte, über die die Autoren der Studie nicht sprechen wollen. Etwa über homosexuelle Subkulturen im Klerus.

https://www.die-tagespost.de/serien/beilage/Die-Entstehung-des-synodalen-Gruendungsmythos;art4938,205187

 

Wir können hier nicht auf alle Argumente oder besser Scheinargumente eingehen. Der Artikel folgt aber einem bekannten Muster: es werden fälschlich Aussagen der MHG- Studie behauptet, auf die dann trefflich eingeschlagen wird. Man lese die Studie selbst und man verfolge auch die Begründungen für den Synodalen Weg. Gerade eine Begründung für den Synodalen Weg bezieht sich tatsächlich auf die MHG- Studie.

 

11.02.2020   Kardinal Marx gibt DBK-Vorsitz ab

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz findet vom 2. bis 5. März 2020 in Mainz statt. Dabei ist auch die Wahl des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz vorgesehen. Doch Kardinal Reinhard Marx tritt nicht mehr an.

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/deutsche-bischofskonferenz-marx-scheiterte-an-sich-selbst-16628526.html?GEPC=s53

https://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2020-02-11/alles-hat-seine-zeit-kardinal-marx-gibt-dbk-vorsitz-ab

https://www.sueddeutsche.de/politik/katholische-kirche-kardinal-marx-1.4793569

 

11.02.2020  Beurlaubung Gänswein. Deutscher Bischof kritisiert Erzbischof Gänswein

"Nun ist damit Schluss - endlich": In ungewöhnlicher Form kritisiert der deutsche Bischof von Caraveli in Peru, Reinhold Nann, Erzbischof Georg Gänswein, weil dieser im Vatikan "tief in die Machtspiele der Kurie verstrickt" sei.

https://www.domradio.de/themen/vatikan/2020-02-11/er-hat-sich-ueberreizt-deutscher-bischof-kritisiert-erzbischof-gaenswein

10.02.2020  Kirche und Missbrauch: Kann man noch katholisch sein?

Der Film zeigt, wie verschiedene Menschen in der katholischen Kirche mit den Missbrauchsskandalen umgehen und fragt, was passieren muss, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann.

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/unterwegs-im-westen/video-kirche-und-missbrauch-kann-man-noch-katholisch-sein-100.html

10.02.2020   Österreich: Arzt soll 109 Kinder und Jugendliche missbraucht haben

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/oesterreich-arzt-soll-109-kinder-und-jugendliche-missbraucht-haben-a-f8068aa8-c4e2-4c26-ad27-0e0d07b55b1f

 

Er soll seine Opfer missbraucht und zum Dreh pornografischer Videos gedrängt haben: In Österreich muss sich ein Urologe wohl bald vor Gericht verantworten. Ihm droht eine lange Freiheitsstrafe.

09.02.2020 „Ich kann das gar nicht glauben“… Gründe für die gesellschaftliche Sehbehinderung bei Missbrauch"

Ich bin Mitglied einer privaten Arbeitsgruppe von Betroffenen sexualisierter Misshandlung in der Kindheit. Wir haben eine Sammlung von Gründen fürs Weg-, bzw. Nichthinsehen, Ignorieren und Unglauben bei Missbrauchsfällen angelegt und freuen uns jederzeit über Ergänzungen.

Gründe warum ich nichts sehen, hören und glauben konnte, wollte oder durfte:


Ich habe mich selbst als MitwisserIn schuldig gemacht.
Ich bin selbst TäterIn oder UnterstützerIn von TäterInnen.
Ich bin selbst betroffen, leugne das aber.
Ich will mir die Illusion, in einer “heilen” Welt zu leben, nicht nehmen lassen.
Ich will mir die Illusion, die Kontrolle über meine Umgebung zu haben, nicht nehmen lassen.
Ich will mir die Illusion, die Kontrolle über mein Leben zu haben, nicht nehmen zu lassen.
Ich bewundere und beneide insgeheim TäterInnen.
Ich interessiere mich grundsätzlich nur für mich selbst.

Ich bin zu dumm, um Kinder zu schützen und Opfern zu helfen.

Ich bin zu faul/träge, um Kinder zu schützen und Opfern zu helfen.

Ich bin zu feige, um Kinder zu schützen und Opfern zu helfen.
Ich freue mich über das Unglück anderer Menschen.
Ich bin wirtschaftlich abhängig von TäterInnen.
Ich profitiere finanziell von TäterInnen bzw. vom sexuellen Missbrauch.
Ich bin sozial abhängig von TäterInnen.
Ich habe Angst vor sozialer Ächtung, weil mir, wenn ich Kinder schütze und etwas gegen sexuellen Missbrauch unternehme, das Umfeld keine Hilfe bietet.
Ich habe Angst, dass mir durch die Trennugn vom missbrauchenden Partner, der missbrauchenden Partnerin Umstände entstehen, z.B. Mehrarbeit oder ein Verlust an Komfort.
Ich habe Angst, dass die Umgebung über mich “spricht”, also Sorge vor Ausgrenzung und übler Nachrede.
Ich habe Angst vorm Jugendamt, weil ich meine Aufsichtspflicht verletzt habe.
Ich habe Angst davor, dass eine Behörde entdeckt, wie schlecht ich meine Arbeit mache. 
Ich habe Angst vor einer Verleumdungsklage.
Ich habe Angst vor meinem Arbeitgeber, meiner Arbeitgeberin, weil ich meine Aufsichtspflicht verletzt habe.
Ich habe kein Interesse an dem, was nebenan passiert.
Ich kann Kinder und Jugendliche nicht leiden.
Ich will Kindern und Jugendlichen schaden. 
Ich misstraue meiner eigenen Wahrnehmung.
Ich habe Sorge vor unangenehmen und peinlichen Fragen.

Ich habe Angst, dass ich zur Verantwortung gezogen werde.

Nicht zuletzt:

die häufigsten Gründe für das "gar-nicht-bemerkt-haben-dass..." enden auf -heit oder -keit und gelten als wenig erstrebenswerte Eigenschaften. 

 

 

Stand: Februar 2020, Angelika Oetken, Berlin-Köpenick,  „Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam“

www.spiegelstelle.de kontakt@spiegelstelle.de

 

09.02.2020  Der Pädophile Fritz H. und Prof. Helmut Kentler- Die Kinderfänger von Berlin. Eine unglaubliche Geschichte mit Gegenwartsbezug

Der Pädophile Fritz H. nahm binnen 30 Jahren neun Pflegekinder bei sich auf. Er misshandelte und vergewaltigte mindestens zwei von ihnen – unter der Zuständigkeit des Jugendamts Schöneberg. Eine exklusive Recherche der Berliner Zeitung.

Sehr gut recherchierter, ausführlicher Artikel. Es geht um das so genannte „Kentler-Experiment“, eine arg verharmlosende Bezeichnung für von prominenter Stelle aus organisierten Kindesmissbrauch. Helmut Kentler gehörte zu einem Netzwerk von Befürwortern der Missbrauchskriminalität, das eine enge Anbindung an die evangelische Kirche hatte und in Teilen bis heute besteht. Zwei Opfer eines der Haupttäter möchten Amtshaftungsklage gegen Senatsstellen erheben. Es verwundert nicht, dass ihnen bisher vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg Prozesskostenhilfe verweigert wird. Aber es sind zu mindestens so viele Spenden eingegangen, dass die Klage eingereicht werden konnte.

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/der-fall-fritz-h-missbrauch-von-pflegekindern-in-berlin-li.75778

 

08.02.2020   Theologie angesichts der Missbrauchskrise

Die Missbrauchskrise stellt Anfragen auch an die Theologie. Und Theologinnen und Theologen stellen sich der Thematik. Der Leiter Kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Andreas Heek, bespricht das Buch von  Remenyi / Schärtl (Hg.), Nicht ausweichen.

https://www.feinschwarz.net/theologie-angesichts-der-missbrauchskrise-eine-rezension/

 

06.02.2020  Wie der Missbrauchsskandal hätte verlaufen können,wenn Journalisten ihren Job gemacht hätten

Zehn Jahre nach dem Missbrauchsskandal von 2010 ist klar, dass die deutschen Bischöfe nur auf öffentlichen Druck reagieren. Aber wo soll dieser Druck herkommen, wenn die deutschen Kirchenredaktionen von Theologen dominiert werden, sich immer wieder als inkompetent und unkritisch erweisen und von der Kirche an der Nase herumgeführt werden?

https://hpd.de/artikel/wenn-journalisten-ihren-job-gemacht-haetten-17694

 

05.02.2020   Pater Klaus Mertes – ist er wirklich der Missbrauchsaufdecker als den ihn die Presse seit 10 Jahren feiert?

Auch wenn wir als Betroffene schon immer wollten, dass nicht nur von Pater Mertes als Auslöser des sog. Missbrauchs- Tsunami von 2010 gesprochen wird, sondern dass vor allem die Betroffenen Matthias Katsch und seine Mitstreiter genannt werden, blieb in der Öffentlichkeit doch eher der Name Klaus Mertes als Aufdecker des Missbrauchs am Canisiuskolleg hängen.

 

Tatsächlich passt das nicht zur wahren Geschichte: die Aufdecker waren die Betroffenen selbst. Das wird noch einmal bestätigt durch die Aussagen des Jesuitenpaters Christian Herwartz, dem bei der Vorstellung des Buches von Matthias Katsch am 23. Januar in Berlin kurz vor Schluss der Veranstaltung das Wort erteilt wird.

 

Er erzählt dann, dass er selbst der Wegbereiter dafür war, dass Pater Klaus Mertes 2010 den ehemaligen Schülern geglaubt hat und mit deren Missbrauchserfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Ob man es glauben mag oder nicht, sah diese Wegbereitung so aus, dass er schon ab 2005 fünf Jahre lang mit Pater Mertes darüber* geredet hat, „jede Äußerung, die er hatte, wo er sowas* gemerkt hat , haben wir darüber gesprochen und das war die Voraussetzung dafür, dass er euch zuhören und sagen konnte, ja ich glaube euch. …Wir sind alles Leute, die das gesehen haben und gespürt haben oder auch nicht. Bis zu dem Schritt, da* was zu tun, braucht man Leute, mit denen man reden kann….“

(Nachzuhören unter diesem Link kurz vor Ende der Aufzeichnung: https://youtu.be/DlATRa7wSIY )

 

 

Das heißt im Klartext, Pater Mertes und Pater Herwartz haben fünf Jahre darüber geredet, was sie gesehen und gespürt haben, ohne dem wirklich nachzugehen oder ehemalige Schüler anzusprechen. Noch heute scheint es Pater Herwartz nicht zu gelingen, das Wort „Missbrauch“ in den Mund zu nehmen. Gab es diesen Begriff  in Ordenskreisen zwischen 2005 und 2010 wirklich noch nicht, sodass man Dinge, die man gesehen und gemerkt hat, sprachlich nicht benennen und damit dem zu Folge auch nicht nachgehen konnte?

 Tatsächlich aber waren da die Berichterstattungen über Irland bereits in vollem Gange. 2009 erschien der sogenannte „Murphy Bericht“. Die Aufdeckung des so called "Missbrauchsskandal"s in den USA (Jesuiten) durch den „Boston Globe“ datiert bereits aus dem Jahr 2002.

 

Fast könnte man meinen, die Kirchenmänner hätten eher versucht, dass alles aus zu sitzen in der Hoffnung, dass der Tag X  nie kommen möge, an dem Opfer ihr Schweigen brechen. Es ist dann ganz anders gekommen. Der Tag X kam tatsächlich. Und Pater Mertes wollte offensichtlich die Steuerung in der Hand behalten und behielt sich selbst deshalb die Veröffentlichung vor. Sein Verdienst liegt darin, dass publizistisch mit besonderen Worten getan zu haben: "Wir glauben Euch". 

Diese Worte erzeugten in ganz Deutschland ein "Bekenntnisklima": Missbrauchsopfer der Kirche weit über den Jesuitenorden hinaus fingen endlich an, sich zu erinnern und über das Erinnerte zu sprechen. Im besonderen Fall des Canisius- Kollegs wurde eigentlich nur das, was im Orden schon lange hinter vorgehaltener Hand kolportiert wurde, nun endlich öffentlich und nicht mehr in Frage gestellt.  

 

05.02.2020  Paukenschlag im Vatikan: Papst Franziskus beurlaubt Erzbischof Gänswein oder doch nicht. Chaos

05.02.2020  Im Kampf um den Synodalen Weg, im Kampf um die MHG- Studie zum klerikalen Missbrauch scheint einigen Höchstwürdenträgern jedes Mittel der Diffamierung recht zu sein. Kardinal Müller vergleicht den synodalen Weg mit Hitlers Ermächtigungsgesetz.

Am Wochenende ist die erste Versammlung des Synodalen Wegs zu Ende gegangen. Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat die Entscheidungsfindung des Reformprozesses nun mit dem Ermächtigungsgesetz aus dem Jahr 1933 verglichen.

https://www.katholisch.de/artikel/24431-kardinal-mueller-vergleicht-synodalen-weg-mit-ermaechtigungsgesetz

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kardinal-mueller-empoert-mit-vergleich-zur-nazizeit-16618327.html?GEPC=s53

 

Dazu der Kritische Kommentar von Pater Hagenkord: Der synodale Weg braucht Kritik, aber keine Nazivergleiche. Es reicht.

https://paterberndhagenkord.blog/der-synodale-weg-braucht-kritik-nazivergleich-es-reicht/

 

05.02.2020   Zahl der Kirchenaustritte in NRW erneut stark angestiegen

Allein im vergangenen Jahr sind in Nordrhein-Westfalen mehr als 120.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Das ist noch einmal ein erheblicher Anstieg. Einen Aufschluss auf die Austritte nach Konfession lassen die Zahlen jedoch nicht zu.

https://www.domradio.de/themen/ökumene/2020-02-05/erneuter-rueckschritt-gestiegene-anzahl-der-kirchenaustritte-nrw?_gb_c=4ED433B6F5FF4E6F9E306E40CFD3AFA5&gb_clk=9-20200205171620-8673930-0-16088

 

05.02.2020  Partnerverein MissBiT (Missbrauchsopfer Bistum Trier) erwartet Konsequenzen aus der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen unter Bischof Stein

04.02.2020  Kleriker als Führungsstand, Lai*nnen als Gefolgschaftsstand, und dies unabänderlich, weil gottgewollt. Der Kirchenrechtler Lüdecke klärt auf über die Illusionen des Synodalen Weges und den Realitätssinn von Kardinal Woelki

Ist der „Synodale Weg“ Teil der Lösung oder Teil des Problems? Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke kommentiert die eröffnende Vollversammlung in Frankfurt/M. – und bleibt skeptisch.

https://www.feinschwarz.net/die-freiheit-des-herrn-woelki/

 

Dazu der Kommentar von katholisch.de: Synodaler Weg keine echte Beteiligung

https://www.katholisch.de/artikel/24420-kirchenrechtler-luedecke-synodaler-weg-keine-echte-beteiligung

 

04.02.2020  Aktivitäten von MoJoRed am Rande des Synodalversammlung in Frankfurt

 

Seit Herbst 2019 warten Betroffene auf eine Entscheidung der Bischöfe zur Frage der Entschädigung. Mitglieder unseres Vereins haben in einer Unabhängigen Arbeitsgruppe an einem Empfehlungsschreiben an die Bischöfe mitgearbeitet. 

https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-24_Anerkennung-Empfehlungen- Unabhaengige_Arbeitsgruppe_10.09.2019-final.pdf

Was vielen nicht klar sein wird, ist die Tatsache, dass eine ausgesprochene Empfehlung oder Beschluss der DBK zu diesem Thema  nicht bedeuten wird, dass ein Bischof sie/ihn in seiner Diözese umsetzen muss. Kardinal Woelki hat den Hoheitsanspruch über sein Bistum in der letzten Woche mehr als betont. Noch weniger gebunden an eine Empfehlung der Bischöfe sind die ca. 400 in der Deutschen Ordensoberen Konferenz (DOK) zusammen geschlossen Ordensgemeinschaften. Und hier fängt das Problem für Hunderte von Betroffenen in Ordensschulen, Internaten und Heimen an. Orden waren kein Gegenstand der Untersuchungen der MHG Studie, aber wir können davon ausgehen, dass die Anzahl der Opfer hier eher höher liegen wird als in den untersuchten Diözesen.

Am Rande der Synodalen Vollversammlung in Frankfurt konnten unsere 1. Vorsitzende Sylvia Witte und unser Vereinsmitglied Karl Haucke die Vorsitzende der Deutschen Ordensoberen Konferenz (DOK), Sr. Katharina Kluitmann zu einem kurzen Gespräch zum Thema „Entschädigung“treffen. 

Ob z. Zt. ein Austausch zwischen DBK und DOK zum Thema "Entschädigung" stattfindet, konnte Sr. Katharina Kluitman nicht sagen, da dies nicht ihr Aufgabengebiet ist.

Während Bischof Ackermann gestern im ZDF Interview noch davon sprach, dass man auf Grundlage des Empfehlungspapiers jetzt schauen muss, was realisierbar ist und dass die Ordensgemeinschaften möglichst an diesem System beteiligt sein und mitmachen sollen, hat uns Sr. Kluitman zwei Tage vorher schon deutlich signalisiert, dass sich die DOK keinesfalls dem Empfehlungspapier anschließen wird, da sie kein Geld haben und im Gegensatz zu den Bischöfen auch keinen Anteil an der Kirchensteuer haben. Es wird eine Änderung im Anerkennungs-/Entschädigungsverfahren bei der DOK geben, aber wie es aussieht, wird weitab von den Vorschlägen der Expertenkommission liegen.

Die DOK wird abwarten, wie sich die DBK entscheidet und dann nach einer eigenen Lösung suchen.

Die Einrichtung einer eigenen Koordinierungsstelle wird ebenfalls nicht möglich sein, weil sie diesen Arbeitsaufwand nicht erbringen können.

Nach einem gemeinsamen Bemühen nach einer für die Betroffenen guten Lösung sieht all das nicht aus. Wird eine kirchliche Entschädigungszahlung am Ende davon abhängen, in welchem Bistum, in welchem Orden man missbraucht oder vergewaltigt wurde?

Wir haben genug gelitten und gekämpft! 

Niemals darf es zu unterschiedlichen Entschädigungssystemen kommen! 

 

01.02.2020   Zwei Personen ziehen in Frankfurt (Synodaler Weg) alle Aufmerksamkeit auf sich: Mara Klein und die Ordensschwester Phillipa Rath

Mara Klein aus dem Bistum Magdeburg für das Zentralkomitee deutscher Katholiken und das Cusanuswerk geht mit den deutschen Bischöfen hart ins Gericht und fordert eine konsequentere Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche. Die Opfer müssten in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Kirche sei ein Täterverein.

https://www.domradio.de/video/synodaler-weg-mara-klein-bistum-magdeburg

 

Hier der Redebeitrag von Sr. Philippa Rath, Benediktinerinnenabtei St. Hildegard, geistliche Begleiterin der KFD-Gruppe Bingen:

https://www.domradio.de/video/synodaler-weg-sr-philippa-rath

 

Die Journalistin Christiane Florin (DLF) kommentiert in ihrem privaten Blog auf Facebook folgendermaßen:

Im Verein der Täter

 

"Ein solcher Mensch ist in der katholischen Lehre nicht vorgesehen. Als „Nicht-Mann, als nicht heterosexuelle Person, als nicht mal binäre Person“ stellt sich Mara Klein dem Plenum des Synodalen Weges vor. 

 

Zitternd und stark

 

Ich sitze am Schreibtisch und bereite die Sendung, die ich gerade moderiert habe, für unsere Homepage nach. Der Live-Stream vom Synodalen Weg läuft nebenher. Als Mara Klein spricht, höre ich mit dem Tippen auf und schaue hin. Das Wort ist abgegriffen, hier passt es: Was ich höre, ist unerhört. Den 230 Delegierten im Saal in Frankfurt scheint es ähnlich zu gehen. Sie horchen auf. Eine junge Stimme, aufgeregt, zitternd und stark zugleich. Rund zwei Minuten dauert ihr Statement: „Bischof Vorderholzer hat vorhin gesagt, er würde sich unwohl fühlen. Ich hoffe doch, dass wir uns unwohl fühlen. Wir haben allen Grund dazu. Ich fühle mich sehr unwohl, hier zu stehen. Als nicht Mann, als nicht heterosexuelle Person, als nicht mal binäre Person. Als junger Mensch in unserer Kirche fühle ich mich unwohl hier zu stehen und zu wissen, dass um mich herum die gesamte Struktur, die die Ergebnisse, die die MHG-Studie nur noch mal betont hat, verursacht hat, versammelt ist. Ich bin auch gegen eine Polarisierung Kleriker und Laien, aber ich möchte betonen: Wir haben es hier mit einer massiven strukturellen Sünde zu tun. Zeigen Sie, dass Sie da ausbrechen können. Ich stehe trotzdem hier und es fällt mir schwer, weil ich daran glaube, dass wir daraus ausbrechen können. Wenn es mir schon so schwer fällt, hier zu stehen, möchte ich auch, den Vorschlag, ein Opfer zu hören, kritisch überdacht wissen. Bedenken Sie, dass Sie als ein Verein von Tätern jemanden versuchen zu zwingen ,hier Zeugnis abzulegen. Ich weiß, es wurde sehr viel gesagt: Wir wollen zuhören. Es wurde vorhin im geistlichen Impuls gesagt: Auf Ungeahntes hören. Dass sexuelle Missbrauch von den Strukturen dieser Kirche begünstigt wird, wissen wir. Das ist nichts ungeahntes. Also bitte seien Sie betroffen. Sie sind nicht die Opfer.“

 

Fluchtweg versperrt 

 

Es ist ein Moment der Geistesgegenwart. 

 

Ich stehe dem Synodalen Weg aus verschiedenen Gründen skeptisch – nicht feindlich – gegenüber. Für diese zwei Minuten bin ich dankbar. Selbstkritisch muss ich zugeben: Ein solcher Moment wäre ohne die Versammlung nicht zustande gekommen. 

 

Nach den Worten von Mara Klein dürfte es schwer möglich sein, den Weg als Ausflucht zu nutzen.  „Missbrauch war zwar schlimm, aber jetzt müssen wir nach vorne schauen“; „95 Prozent der Priester haben sich nichts zuschulden kommen lassen“. „Unsere Gemeinde ist gut“ - solche Sätze hat Klein als No-Go markiert.

 

Ein Opfer in die Arena zu zerren, damit die Etappe „Schmerzliches Zuhören“ erledigt ist -  auch das geht nach diesem Statement nicht mehr. 

 

Man muss nicht, wie Mara Klein es ausdrückt, „nicht Mann, nicht heterosexuell, nicht einmal binär“ sein, um klar zu sehen und klar zu reden. Aber es schärft den Blick für die Ordnung, wenn ein Mensch darauf schaut und fragt: Warum bin ich hier nicht vorgesehen? Was stimmt mit der Ordnung nicht? 

 

“Humanismus der Nettigkeit“ 

 

Mara Klein hat, mit wenigen Sätzen, den Zynismus all jener ordnungsbewussten Katholikinnen und Katholiken sichtbar gemacht, die  „Gottesfinsternis“ und Glaubensverlust als Missbrauchsursache ausgemacht haben. Was Glauben ist, bestimmen sie. Auf die Frage: „Wie war es möglich?“ haben sie keine andere Antwort als die Ermahnung: „Hätten sich alle mal an die Lehre gehalten, dann gäbe es keinen Missbrauch.“ 

 

Mara Klein spricht ausdrücklich Rudolf Vorderholzer an, der ebenso kühn wie erwartbar das Plenum dafür genutzt hat, die Seriösität der MGH-Studie anzuzweifeln. Am Abend zuvor hatte Passaus Bischof Stefan Oster mal wieder den „Humanismus der Nettigkeit“ verhöhnt. Bei aller verordneten Liebe zum offenen Ohr: Ich kann diese Alternative „Gott oder Mensch“ nicht mehr hören. Mir wäre eine Kirche lieb, die um eine humane Botschaft ringt, anstatt eine harte, aber hohle Doktrin zu verteidigen. 

 

Die römisch-katholische Kirche hat die Würde von Menschen verletzt. Sie diskriminiert und sortiert aus. Sie ist nicht das Opfer der Täter. Sie ist die Institution der Täter. Mara Klein gehört ihr an, ich gehöre ihr an, 23 Millionen in Deutschland gehören ihr an. Das macht nicht alle im Verein zu Verbrechern, aber jede und jeder müsste sich die Frage stellen: Was habe ich getan – und was nicht? 

 

Harmloses wurde kriminalisiert, Kriminelles verharmlost

 

Die Spitze dieser Institution hat alle moralischen Maßstäbe verrückt. Sie hat in ihrer Lehre das Harmlose kriminalisiert und in ihrem Tun das Kriminelle verharmlost. Sie relativiert - gerne im Namen des Kampfs gegen den Relativismus -,  wo es nichts zu relativieren gibt. Die Gläubigen an der Basis  wurden Zeuginnen und Zeugen eines umfassenden Leitungsversagens. Aber wir vom Verein, wir hier unten, können uns nicht nach oben entlasten. Viele von uns haben nicht nachgefragt, bagatellisiert, weitergemacht. Die Opfer haben auch die Gemütlichkeit der Gemeinden gestört. 

 

Ich bin weder Täterin noch Opfer, ich gehöre zu denen dazwischen, die viel zu lange weggesehen und „Laudato Si“ in der Endlosschleife geschrammt haben, weil es in der Jugendgruppe immer so schön und Jesus so ein toller Typ war. Über die Doppelmoral haben wir jovial hinweggesungen. 

 

Die Saiten meiner jovial katholischen Gitarre sind gerissen. Heute hier, morgen dort, singt Hannes Wader. Gehen oder bleiben? Ich hoffe, dass Mara Klein bleibt, damit nicht alles bleibt, wie es ist. "

 

01.02.2020   Missbrauchsskandal im US-Turnen: Verband will Opfer mit 215 Millionen Dollar entschädigen

Der Missbrauchsskandal um den US-Teamarzt Larry Nassar hat die Turnwelt erschüttert. Der Verband will mit einer Millionenentschädigung reagieren. Die Opfer sind jedoch skeptisch.

https://www.spiegel.de/sport/missbrauch-im-us-turnen-verband-bietet-215-millionen-dollar-entschaedigung-an-a-6361e9ad-bdf4-4a34-8b2e-68c61f41e805

 

01.02.2020   Bischof Stephan Ackermann: Entschädigung: "Es gibt Empfehlungen an die Bistümer"

Bischof Stephan Ackermann kümmert sich in der Deutschen Bischofskonferenz um das Thema Missbrauch. Im ZDF-Interview spricht er auch über mögliche baldige Entschädigungszahlungen.

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/interview-bischof-ackermann-missbrauch-entschaedigung-100.html

 

01.02.2020   Missbrauch staatlich organisiert. Missbrauchsopfer in Berlin: „Letztlich wurde ich einem Kinderschänder ausgeliefert“

Als Marco sechs Jahre alt war, gab ihn das Jugendamt in die Obhut eines vorbestraften Pädophilen. Ein Pädagoge argumentierte, dass das Kind von der „Zuwendung“ des Pflegevaters profitiert habe. Jetzt klagt das Opfer – und die Behörden machen es ihm schwer.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article205482899/Missbrauchsopfer-in-Berlin-Letztlich-wurde-ich-einem-Kinderschaender-ausgeliefert.html

 

01.02.2020  Ist es radikal, Jungen beizubringen, nicht zu vergewaltigen?

Die Berichterstattung über Vergewaltigung und Missbrauch kranke trotz der #metoo-Debatte immer noch unter der starken Fokussierung auf Prominente, zu selten stellten Journalist*innen den gesellschaftlichen Kontext alltäglicher sexualisierter Gewalt, schreibt Teresa Bücker (@fraeulein_tessa) im Magazin der Süddeutschen Zeitung (@szmagazin).

Zu 98 Prozent seien die Täter Männer – unabhängig von Bildung oder sozialer Schicht. Wenn man darüber nachdenke, was schon in der Erziehung von Jungen anders laufen könnte, müsse man einräumen, dass auch die eigenen Söhne zu Tätern werden können – und sie dabei unterstützen, sich frei von gefährlichen Männlichkeitsnormen zu entwickeln:

Die Sorge von Eltern, dass ihre Söhne über den Diskurs zu „toxische Männlichkeit“ das Gefühl bekommen könnten, es sei etwas Schlechtes, ein Junge zu sein, und mit ihnen stimme etwas nicht, mag sogar berechtigt sein. Daher ist geeignete Prävention von sexualisierter Gewalt auch weniger, Jungen einzubläuen, so etwas niemals zu tun, sondern sie dabei zu unterstützen, ihre Identität unabhängig von Gruppendruck und rigiden Geschlechterstereotypen zu entwickeln und glücklich sein zu können.

 

01.02.2020  Der Fonds Missbrauch (EHS) ist nicht mehr beim Familienministerium angebunden sondern ab sofort  beim Bundesamt für Familie und Zivilgesellschaftliche Aufgaben

01.02.2020  Mut zur Kirchlichen Fehlerkultur. Geht das überhaupt? Wir haben nach unseren aktuellen Erfahrungen mit der Mitarbeit am Präventionskonzept des Collegium Josephinum so unsere Zweifel.

In der aktuellen pastoralplanerischen Think-Tank-Szene wird oft von einer anzustrebenden Kultur der Fehlerfreundlichkeit gesprochen. Antonia Lelle hat nachgeforscht, was diesen Trend hervorruft und welche Implikationen sich daraus für kirchliche Transformationsprozesse ergeben.

https://y-nachten.de/2020/01/fail-early-to-learn-quickly-mut-zu-einer-kirchlichen-fehlerkultur/