Aktuelles ab 01.05.2020

21.05.2020    Am Montag trat Thomas Andonie nach drei Jahren als Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zurück.

Für die Öffentlichkeit kam der Schritt überraschend: Am Montag trat Thomas Andonie nach drei Jahren als Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zurück. Im Interview spricht er über die Gründe seines Abgangs. Außerdem zieht er eine Bilanz seiner Amtszeit.

https://www.katholisch.de/artikel/25557-andonie-nur-der-form-halber-wollte-ich-nicht-vorsitzender-bleiben

 

20.05.2020    Polens Primas bittet Vatikan um Prüfung von Missbrauchsfällen

Nach einem neuen Dokumentarfilm über Kindesmissbrauch durch katholische Priester in Polen will Primas Erzbischof Wojciech Polak die Vorwürfe durch den Vatikan prüfen lassen. Priester und Gläubige bat er, „sich nicht von der falschen Logik der Sorge um die Kirche leiten zu lassen, die zur Verschleierung von Sexualstraftaten führt".

https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2020-05/polen-primas-bittet-vatikan-pruefung-missbrauch.html

 

19.05.2020   Vorbild Australien: Bischöfe begrüßen Bericht zu neuen Leitungsstrukturen

Die australischen Bischöfe begrüßen den im Vorfeld ihrer nächsten Vollversammlung vorgestellten Bericht dazu, wie die Leitung der katholischen Kirche in Australien künftig neu aufgestellt werden kann. Die Bischöfe hatten den Bericht auf Empfehlung der Royal Commission, die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in der Kirche geprüft hatte, selbst in Auftrag gegeben.

https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2020-05/australien-bischofskonferenz-leitung-kirche-missbrauch-skandal.html

 

18.05.2020  Nur eine halbe Million Euro für alle Missbrauchsopfer der Odenwaldschule

In den zehn Jahren seit Bekanntwerden des Missbrauchs von Schülern der Odenwaldschule haben fast 50 Opfer Entschädigung erhalten. Noch sind nicht alle Opfer bekannt.

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/sexueller-missbrauch-odenwaldschule-hessen-opfer-entschaedigung

https://www.n-tv.de/panorama/Viele-Fragen-in-Missbrauchsskandal-offen-article21788233.html

 

13.05.2020  Polizeiliche Kriminalstatistik 2019: Beschwörende Worte von Rörig zum Missbrauch an Kindern

Zur  Vorstellung der Zahlen kindlicher Gewaltopfer der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019 hat die Deutsche Kinderhilfe e. V.  heute zu einer Pressekonferenz eingeladen, an der auch der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, sowie der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, teilgenommen haben.

https://beauftragter-missbrauch.de/presse-service/meldungen/detail/roerig-zur-vorstellung-pks-2019

 

13.05.2020   Zartbitter zur Vereinbarung des UBSKM und Katholischer Kirche

"Herr Rörig (UBSKM – Unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung zu Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs) hat ein gemeinsames Papier mit dem Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben, in dem Standards zur Aufarbeitung festgelegt werden. Dieses Papier, dem Herr Rörig eine „historische“ Bedeutung zuspricht,  entpuppt sich auf den zweiten Blick als oberflächlicher Kuhhandel, denn der UBSKM rückt von seiner einstigen an in anderen Ländern bereits umgesetzten Forderung nach einer Aufarbeitung durch eine komplett von der Institution unabhängigen Kommission mit den rechtlichen Möglichkeiten der Vorladung von Zeugen und dem verbrieften Recht auf Akteneinsicht ab. Stattdessen obliegt es zum Beispiel weiterhin der Entscheidung der einzelnen Bischöfe, ob diese  der Vereinbarung zustimmen.  Laut Vereinbarung können sie dieser zustimmen – oder auch nicht.

Mehr als fragwürdig erscheint ferner die Vorgabe, dass die in allen Diözesen angestrebten „unabhängigen Kommissionen“ ehrenamtlich arbeiten sollen. Ehrenamtlich kann man sicherlich keinesfalls diese sehr anspruchsvolle und umfangreiche Arbeit leisten.

Neben weiteren Defiziten der Vereinbarungen ist besonders auffällig, dass diese nicht klären, ob die Aufarbeitung sich auch auf die Mittäterschaft der Vertuschung bezieht. Auch das für die katholische Kirche nicht unerhebliche Maß an sexualisierter Peergewalt durch Jugendliche wird nicht berücksichtigt. Das Wort Entschädigung wird in der gemeinsamen Erklärung mit keinem Wort erwähnt.

 

Wenn man die „gemeinsame Erklärung“ des Beauftragten der Bundesregierung und des Beauftragten der Bischofskonferenz liest, dann drängt sich die Frage, inwieweit Herr Rörig noch die für sein Amt notwendige Unabhängigkeit hat. Er scheint vor der Kirche gekuscht zu haben - wohl weniger ein Erfolg als ein „historischer“ Misserfolg."

 

Dieser Analyse von Ursula Enders schließen wir uns sehr entschieden an. 

 

11.05.2020  Kardinal Woelki bekräftigt im WDR und vor dem Betroffenenbeirat des Erzbistums seinen Willen, die für März 2020 angekündigte Studie zur Gelegenheitsstruktur für Missbrauch im Erzbistum Köln bezogen auf Fehlverhalten von Verantwortungsträgern in absehbarer Zeit zu veröffentlichen und auch Namen zu nennen

 

Kölner Kardinal Woelki redet mit Missbrauchsbetroffenen und erneuert sein Versprechen, Verantwortliche für Fehler im Umgang mit Missbrauch auch öffentlich zu benennen. Die Bekanntgabe der Namen war im März abgesagt worden. Die Betroffenen fühlten sich wieder von der Kirche vertröstet oder aber betrogen. 

 

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/kardinal-woelki-missbrauchsopfer-100.html

 

In der Sitzung des Beirats konnte der Erzbischof glaubhaft machen, dass es zu einer entsprechenden Veröffentlichung kommt. Ganz offensichtlich soll das entsprechende Gutachten durch Rechtsberatung einer einschlägig mit Presserecht befassten Kanzlei so nachgebessert werden, dass einer Veröffentlichung auch rechtlich nichts mehr im Wege steht. Das liege auch im Interesse der Betroffenen, so Kardinal Woelki.

 

Bedauerlich und ärgerlich, dass es zu dieser Verzögerung kommt, so die Betroffenen. Bei ihnen steht auf Grund bisheriger schlechter Erfahrungen selbstredend die Befürchtung im Vordergrund, dass man wieder hingehalten wird und am Schluss das Gutachten in irgendeinem Giftschrank unter Verschluss bleibt. 

 

Bericht zur Sitzung des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln
WDR-Bericht zur Sitzung am 11.05.2020.pd
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09.05.2020   Einschlägig berüchtigte Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien

Der konservative Kardinal Müller unterschreibt mit anderen Bischöfen wie Erzbischof Carlo Maria Vigano und Kardinal Joseph Zen Ze-kiun einen Text, der seltsame Thesen zu Covid-19 verbreitet. So warnt er vor der "Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht". Ihnen scheint jede dumme Verschwörungstheorie recht zu sein, um Papst Franziskus zu diffamieren. Auch der Kampf gegen Missbrauch scheint für sie übrigens Teil dessen zu sein, was den Weg für diese Weltregierung bereitet. Missbrauchsvorwürfe gegen die Kirche bzw. gegen Geistliche haben darin keinen realen Grund sondern sind Ergebnisse einer weltumspannenden Verschwörung.  

https://www.sueddeutsche.de/politik/vatikan-kirchlicher-aufruf-mit-verschwoerungstheorien-1.4901886

https://rp-online.de/nrw/panorama/essen-bischoefe-verbreiten-verschwoerungstheorien-kritik-von-klaus-pfeffer_aid-50464981

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-05/dbk-baetzing-reaktion-mueller-vigano-corona-weltregierung.html

 https://www.faz.net/aktuell/politik/kontroverse-um-corona-appell-ranghoher-geistlicher-16763060.html?xtor=EREC-7-%5BThemen_des_Tages%5D-20200510&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Themen_des_Tages&campID=OMAIL_REDNL_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_Themen_des_Tages

https://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2020-05-10/grundlegend-unterschiedliche-bewertung-der-lage-kardinal-mueller-verteidigt-unterschrift-neue-kritik

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/bischofskonferenz-distanziert-sich-von-corona-schreiben-a-84a97171-e5b1-4368-816b-47272ea58995

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/verschwoererischer-pandemieaufruf-von-kardinaelen-16764892.html?GEPC=s53

https://rp-online.de/50471551

https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-schreiben-bischof-voderholzer-geht-auf-distanz-zu-mueller,RygVEJp?UTM_Name=Web-Share&UTM_Source=E-Mail&UTM_Medium=Link

https://www.n-tv.de/panorama/Kardinal-Mueller-legt-gegen-seine-Kritiker-nach-article21778303.html

https://www.tagesspiegel.de/politik/kardinal-mueller-zu-verschwoerungstheorien-ich-muss-die-einschraenkungen-der-grundrechte-nicht-stumm-hinnehmen/25832810.html

https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-05-13/teil-einer-strategie-mit-verschwoerungstheorien-gegen-den-papst

https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-05-13/teil-einer-strategie-mit-verschwoerungstheorien-gegen-den-papst

https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-05-13/teil-einer-strategie-mit-verschwoerungstheorien-gegen-den-papst

https://www.zeit.de/kultur/2020-05/glaube-an-verschwoerungstheorien-coronavirus/komplettansicht

 

ab 14.05.:

https://www.n-tv.de/panorama/Kardinal-Mueller-legt-gegen-seine-Kritiker-nach-article21778303.html

https://www.tagesspiegel.de/politik/kardinal-mueller-zu-verschwoerungstheorien-ich-muss-die-einschraenkungen-der-grundrechte-nicht-stumm-hinnehmen/25832810.html

https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-05-13/teil-einer-strategie-mit-verschwoerungstheorien-gegen-den-papst

https://www.katholisch.de/artikel/25464-wenn-hirten-ein-schreckliches-antizeugnis-geben

https://www.deutschlandfunk.de/verschwoerungsmythen-uralter-kampf-gut-gegen-boese.886.de.html?dram:article_id=476689

 

 

 

07.05.2020  Missbrauch in der Kirche: Kardinal Pell wusste über pädophile Priester Bescheid

Der australische Kardinal George Pell soll über Fälle des Kindesmissbrauchs beziehungsweise des Verdachts darauf durch Priester Bescheid gewusst haben. Das geht aus einer Untersuchung der australischen Regierung hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. 

https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-katholische-kirche-australien-pell-vatikan-1.4900053

 

05.05.2020   Katholische Kirche und sexualisierte Gewalt - Die Blockade der Bischöfe

Der tausendfache Missbrauch ist seit Herbst 2018 auch wissenschaftlich belegt. Sämtliche deutsche Bischöfe wussten Bescheid. „Zu behaupten, sie hätten es nicht gewusst, ist eine Schutzbehauptung!“, erklärt ein gut informierter Kirchenrechtler.

 

Einige Täter sind mittlerweile namentlich bekannt, auch ein vor Jahrzehnten verstorbener Bischof wird bezichtigt.

 

Hoch geachtete deutsche Kirchenführer zeigten eine erschreckende Kälte gegenüber den Betroffenen. Bischöfe und Kardinäle äußerten Scham, Konsequenzen hatten sie nicht zu tragen. Anders als in Ländern wie Frankreich, wo der ranghöchste katholische Würdenträger wegen Nichtanzeige sexueller Gewalt vor Gericht stand.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/katholische-kirche-und-sexualisierte-gewalt-die-blockade.3720.de.html?dram:article_id=470021

 

03.05.2020  Alle Bischöfe stimmen Vereinbarung zur Aufarbeitung von Missbrauch zu. Vorreiterrolle für die Kirche?

Für den Kampf gegen den Missbrauch erscheint die Vereinbarung wie ein Meilenstein: Jetzt haben alle katholischen Bischöfe der Vereinbarung zur Aufarbeitung von Missbrauch zugestimmt. Aber nimmt die Kirche damit eine Vorreiterrolle ein?

 

Bereits am 24.04. haben wir über die Vereinbarung zwischen dem Beauftragten der Bischöfe für Missbrauch Ackermann und Herrn Rörig als Beauftragtem der Bundesregierung berichtet. In der Presse erfährt diese Vereinbarung ein durchweg positives bis euphorisches Echo:

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-04-28/vorreiterrolle-durch-unabhaengige-kommissionen-bischoefe-stimmen-vereinbarung-zur-aufarbeitung-von

 

Wir als Opfervertreter sehen diese Vereinbarung jedoch so kritisch wie keine vorher:

In dieser Mitteilung steht zwar viel drin, aber das meiste sind Allgemeinplätze und Selbstverständlichkeiten. Wir sind mehr als skeptisch hinsichtlich diesen Rörig/DBK Erklärung. Wir lesen viel „könnte“ und „sollte“ 

Konkretes für uns als Opfer von kirchlichen Tätern können wir nur mit viel gutem Willen an einigen Stellen erkennen. Und auch die haben es in sich.

 

Fangen wir mit dem Positiven an: 

Selbstredend ist die Vereinbarung mehr als keine Vereinbarung und mehr als bisher vorhanden war. Die Kirche begibt sich zumindest dem äußeren Anschein nach in die Kontrolle der Gesellschaft (hier vertreten durch UBSKM). Die Kirche bekommt durch diese Vereinbarung - bezogen auf den Prozess der Aufarbeitung - nun auch amtlich abgesegnet ein gewaltiges Mitspracherecht eingeräumt, kann aber den Prozess wohl nicht mehr in allen Facetten gesichert dominieren. Das ist begrüßenswert. Unter der Prämisse, dass mehr nicht möglich war und die Kirche  jederzeit hätte vollständig zumachen können, ein leichter Fortschritt. 

Aber genau in diesem Punkt muss unsere Kritik beginnen: Da gibt es also eine bedeutende gesellschaftliche Institution, staatlich in vielfältiger Weise unterstützt, die sich über viele viele Jahre unglaublicher Verbrechen schuldig gemacht hat, indem sie Sexualstraftäter in ihren Reihen nicht zur Rechenschaft gezogen hat, ja sie sogar gedeckt und unterstützt hat. Eine Institution, die solchen Tätern vielerorts den Weg bereitet hat durch Schaffung bester Gelegenheitsstrukturen, durch Schutz der Täter und durch das Verschweigen der Taten bis hin zu Einschüchterungsversuchen den Opfern gegenüber. Wer anderes als als die Kirche könnte sich solcher Verbrechen schuldig gemacht haben, ohne dass es eine staatlich angeordnete Untersuchung gegeben hätte? Und die Politik lässt jetzt, nach 10 Jahren Missbrauchsskandal, die Handlungskompetenz weiter bei der Institution, die diese Verbrechen ganz offensichtlich nicht aufdecken wollte und bejubelt, dass die Kirche sich nicht gänzlich der Aufklärung apodiktisch verweigert! Warum gibt es nach 10 Jahren Missbrauchsskandal in Deutschland keine vom Bundestag beauftragte Wahrheitskommission mit weitreichender Kompetenz? Ist dieser Staat zur Bananenrepublik verkommen, die es erlaubt, dass die Verantwortlichen ihre Verbrechen wesentlich selbst aufklären? 

Wie kann es sein, dass die Institutionen der Kirche, die wahrscheinlich die Mehrzahl der Täter stellen, nämlich die Orden gänzlich unter dem Radar der Politik, der Presse und der gesamten Öffentlichkeit fliegen, nicht einmal in diesem Papier erwähnt werden?

Das Papier leistet insofern weiterer gezielter Täuschung Vorschub: das Papier spricht von der Aufarbeitungsbereitschaft der Kirche, tut so, als spreche es für die gesamte deutsche katholische Kirche. Es ist dem Papier nicht mal eine Fußnote wert, zu erwähnen, dass die Orden hier gar nicht beteiligt sind. Der staunende Bürger könnte soll wohl glauben, die Kirche als Ganze wolle aufarbeiten, was aber mitnichten der Fall ist. Die Kirche tut so, als gäbe, als gäbe es die Orden nicht und die Orden gerieren sich, als gelte Grundgesetz und Rechtstaat für sie nicht. Jeder Täterorden, der jetzt nicht aufsteht und nicht mindestens eine Vereinbarung mit dem Beauftragten der Bundesregierung einfordert, verliert in unseren Augen seine Existenzberechtigung.

 

Die Orden fühlten sich bezüglich der gesellschaftlichen auch von der Bundeskanzlerin 2010 ausgesprochenen Aufarbeitungsverpflichtung offensichtlich so wenig angesprochen, dass sie zu den Gesprächen des Unabhängigen Beauftragten erst gar nicht erschienen. Soweit wir gehört haben, haben sie sich für ihr Nichterscheinen nicht mal entschuldigt sondern die entsprechende Einladung zu den gemeinsamen Gesprächen offensichtlich einfach in den Papierkorb geworfen. Ein kircheninterner Skandal ohne Beispiel.

Was bitte ist denn der so gerühmte Orden der Jesuiten jetzt noch wert? Was ist von den hehren Worten einiger seiner Vertreter, dass sie verstanden hätten, zu halten? Die Orden haben als Gesamtheit in unseren Augen jeden Respekt verloren. Übrig bleiben bei uns Ordensbetroffenen Enttäuschung, Verachtung und erneuter Zorn ohnegleichen.

 

Ach ja. Da gibt in diesem Papier schlussendlich auch ein paar konkrete Hinweise auf die inhaltliche Gestaltung des Aufarbeitungsprozesses- die aber in krassem Gegensatz stehen zu dem, was der UBSKM bisher immer gefordert hat: institutionelle Unabhängigkeit der Aufarbeitung, nicht zuletzt um ein Gesamtbild zu bekommen. Gerade das wird jetzt verunmöglicht Jede Diözese kann ihr eigenes Aufklärungsdings basteln. Der ganze Prozess zerfasert und das mit Einwilligung des Beauftragten. Besser als Nichts? Wir haben hier unsere Zweifel. Konkret wird es beim Zeitplan, immerhin! Aber der, der hat es in sich. Weitere 5 Jahre sollen vergehen, bis Ergebnisse vorliegen. Das weckt die bösesten Befürchtungen: Wird hier auf Zeit gespielt? Wird gar bewusst darauf abgezielt, dass noch mehr Zeugen versterben?

 

Immerhin, man liest in diesem Papier auch von seelsorgerischer und psychotherapeutischer Hilfe. Von Entschädigung ist im Übrigen mit keinem Wort die Rede, obwohl der Begriff sich doch im Zusammenhang mit Aufarbeitung und diesem Papier mehr als aufdrängt. Das Wort gar nicht mehr in den Mund zu nehmen, scheint vermeintlich gegen die immer wieder aufflammenden Forderungen der Opfer zu helfen. Kinderei das Ganze oder böses Spiel.

 

Wer nicht glauben konnte, dass jemals die Funktion der Kirche als moralische Instanz akut gefährdet sein könnte, wird eines Besseren belehrt, weil die Kirche weiter auf Zeit zu spielen scheint und hartnäckig auf ihrem zweifelhaften Privileg beharrt, dass sie ihre eigenen Verbrechen selber aufklären darf. In diesem Zusammenhang überhaupt noch über einen vom besonderen Kredit der Orden zu sprechen, verbietet sich in Zukunft von selbst. Sie haben sich ins Abseits gestellt. Da scheinen sie sich wohl zu fühlen.

 

Diese Vereinbarung hat kein Lob verdient. Von einer Vorreiterrolle ist die Kirche weiter entfernt als je.

 

 

Siehe auch den Artikel von Claudia Mönius: "Jetzt werden wieder neue Gremien gegründet. Und dann?" Missbrauchsopfer sieht Vereinbarung zur Aufarbeitung skeptisch. Die jüngst geschlossene Vereinbarung von Kirche und Bundesregierung zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs stößt auf Kritik. 

https://www.katholisch.de/artikel/25392-missbrauchsopfer-sieht-vereinbarung-zur-aufarbeitung-skeptisch

 

02.05.2020  Piusheim: Schüler beschreiben sexuellen Missbrauch

Die einstige Erziehungsanstalt Piusheim in der Gemeinde Baiern hatte jahrzehntelang den Ruf einer gefängnisartigen Anlage für Schwererziehbare. Anfang der Siebziger kamen neue Pädagogen und änderten das Konzept. Nun stehen Missbrauchsvorwürfe im Raum.

Frühere Schüler beschreiben, wie sie in der katholischen Erziehungsanstalt sexuell missbraucht wurden. Warum bekam niemand etwas mit? Eine Spurensuche mit zwei einstigen Abteilungsleitern.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/piusheim-schueler-beschreiben-sexuellen-missbrauch-1.4887823

 

01.05.2020  Pressebericht der "Kölnischen Rundschau" (Ingo Schmitz) über unser Mitglied Karl Haucke: "Es gibt in der Kirche eine verbrecherische Routine zur Vertuschung der Straftaten."

Wegen rechtlicher Bedenken hat das Erzbistum Köln die für den 12. März geplante Veröffentlichung einer unabhängigen Untersuchung von Missbrauchsfällen vorerst abgesagt. Karl Haucke (69) wurde als Junge von einem Pater vergewaltigt. Mit ihm sprach Ingo Schmitz.

Leider haben wir erst heute die Freigabe zur Veröffentlichung auf unserer Homepage erhalten (Artikel vom 27.03.2020)

 

Die auf den ersten Blick subversiv und ungeheuerlich  erscheinende Behauptung Hauckes: "Es gibt in der Kirche eine verbrecherische Routine zur Vertuschung der Straftaten. Ein System von Versetzungen und Verschweigen. Dieses System funktioniert teilweise immer noch." erfährt nachträglich eine ausdrückliche Bestätigung- zumindest bezogen auf den mangelnden AUFARBEITUNGSWILLEN der ORDEN. Sie, die Orden, zeichnen sich aus durch ihre hartleibige Verweigerung, sich auch nur an den Gesprächen über eine Vereinbarung des Unabhängigen Beauftragten und der Bischofskonferenz zur Aufarbeitung zu beteiligen, geschweige denn sie mit zu unterzeichnen. Sie bleiben den Treffen einfach fern. Und diese Vereinbarung ist doch selbst eher als wachsweich zu beurteilen und weit entfernt von einer gedachten und von den Opfern so dringend gewünschten "Wahrheitskommission". Die Orden und ihre ausgewiesenen Vertreter sollten sich schämen. Aller Empörung wert, dass es ihnen immer wieder gelingt, unter dem Radar der Öffentlichkeit zu fliegen: die sog. Kirche trifft eine wichtige Vereinbarung zur Aufarbeitung und bekommt in der Folge eine zumindest in weiten Teilen positive Presse. Und keiner merkt, dass die kirchlichen Täterorganisationen, die wahrscheinlich die Mehrzahl von Opfern zu verantworten haben, gar nicht beteiligt sind. Ein perfides System der Verantwortungsdiffussion, das sich christlich oder katholisch schimpft. Was wir hier gerne betonen, ist auch die Verantwortung bzw. Verantwortungslosigkeit der Politik: die Politiker quer durch alle Parteien sehen einfach nur zu und lassen die Orden bzw. die Kirche unter dem Radar gewähren. Die aber, die als Kinder Opfer, weil hilflos, waren, erleben sich so als erneut hilflos. Die fortdauernde Beschädigung der Opfer ist augenscheinlich gewollt.

 

Eine Routine zur Vertuschung
KölnischeR_20200327_Haucke.pdf
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