Aktuelles ab 01.09.2020

25.10.2020   Mea culpa oder Mea Mitverantwortung oder was? Ein alter Fragenkatalog des Bonner Kirchenrechtlers Lüdecke von 2010, der angesichts der Geschehnisse im Erzbistum Köln 2020 nichts von seiner Aktualität verloren hat

Betroffene sexueller Gewalt durch Kleriker befinden sich in aller Regel allein auf weiter Flur in der Auseinandersetzung mit den Spitzenvertretern der übermächtigen Kirche. Der Staat rührt sich nicht. Das Kirchenvolk verharrt teils in Schreckstarre. Nicht nur die Frage der Höhe von Entschädigungen ist lediglich vermeintlich, jedenfalls unangemessen geklärt. Die Frage des Verfahrens ist mindestens umstritten. Die Frage der Weitergabe von Ansprüchen auf Entschädigung (bei Tod des direkt Betroffenen) an Mitbetroffene in den Familien ist nach den derzeitig bekannten Vorgaben der DBK völlig ungeklärt. Auch stoßen wir in unseren täglichen Beratungen Betroffener immer wieder auf Tatbestände, die schlichtweg nicht in das Raster von staatlichen Schmerzensgeldtabellen passen.


Hier ist zunächst festzuhalten: Die Vorgaben, an die wir Betroffene uns beim Antrag für Zahlungen aus dem Topf "Anerkennung des Leids" zu halten haben, entstammen den Köpfen von Klerikern und Kirchenjuristen, die sich bisher nur selten dadurch hervorgetan haben, dass sie besonders empathisch mit Betroffenen umgehen. Hier liegt eine wichtige Aufgabe für uns Aktivisten, die wir ja immer wieder in Diskussionsrunden, in Kirchengemeinden, in Jugendverbänden, in Qualitätszirkeln für Präventionskonzepte den Dialog eingehen mit ebensolchen Kirchenfunktionären: Wir bestehen darauf, dass derjenige die Tätergeschichte und die Geschichte des Täterumfelds (Verantwortlichkeiten) genauso gründlich aufarbeitet und prüft, wie er es so selbstverständlich meint tun zu können, wenn er Betroffene einer zum Teil sehr harten Prüfung auf Wahrheit und Plausibilität von Erinnerungen unterzieht, bevor er der Berechtigung von materiellen Ansprüchen zustimmt.

 

Eine hilfreiche und garantiert wirksame Arbeitshilfe dazu hat der Bonner Theologe und Kirchenrechtsexperte Norbert Lüdecke bereits vor Jahren vorgelegt:

  

https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/handle/20.500.11811/1006

http://theosalon.blogspot.com/2018/11/emporung-reicht-nicht.html

 

Sein Fragenkatalog an einen Bischof hat noch heute Gültigkeit:

- was konkret ihn und seine Vorgänger vor und nach 2002 so sicher gemacht hat, in Deutschland sei alles ganz anders als in all den anderen Ländern, 

- ob er das Geheimarchiv seines Vorgängers studiert oder als schwarzes Loch behandelt hat,
 
- ob er seiner Pflicht zur Verfolgung sexuellen Missbrauchs immer angemessen nachgekommen ist und wie konkret,
 
- ob und warum er nur als Sünde behandelt hat, was kirchenrechtlich und staatlich seit langem als Verbrechen gilt,
 
- ob und warum er die kirchenrechtlichen Vorgaben nicht kannte oder missachtete,
 
- ob er selbst angemessen dokumentiert oder Dinge mündlich „bereinigt“ hat,
 
- warum konkret er sich nicht mit seinen Kollegen um die päpstliche Genehmigung zum Erlass einheitlicher verbindlicher Normen für alle Bistümer bemüht,
 
- ob und warum er und seine Vorgänger die staatlichen Gerichte lieber zum Schutz der Kirchensteuer und des eigenen Arbeitsrechts angerufen haben als zum Schutz von Kindern,

- ob und wie er über das Verhalten seiner Vorgänger, und zwar nicht nur der toten, aufklären will.

Eine Antwort schuldet ein Bischof rechtlich weder den vielen, nicht zuletzt durch das Schweigen der Bischöfe unter Generalverdacht arbeitenden Priestern noch erst recht uns Laien. Aber daran, ob er in der Ich-Form und konkret antwortet oder nicht, werden Sie erkennen, was es bedeutet, sein Amt sei Dienst.“

 



Schaut man genau hin, so lässt sich leicht feststellen: Die meisten dieser Fragen passen auch heute noch in das Gespräch mit Bischöfen (bestes Beispiel: Kardinal Woelki von Köln und Erzbischof Heße in Hamburg) und ihren Vertretern, in das Gespräch von Ordensoberen und Oberinnen, kirchlichen Personalchefs und anderen Kirchenfunktionären  bis hin zum Gemeindepfarrer. Also, worauf warten wir: Stellen wir die Fragen!

 

  Christiane Florin bringt es in ihrem neuesten Blog auf ihre unnachahmliche Art noch einmal anders auf den Punkt:

https://www.weiberaufstand.com/post/culpa-cancel-culture-oder-mea-mitverantwortung

 

 

        

23.10.2020    Katholische Bischöfe richten Beiräte mit Missbrauchs-Betroffenen ein

Die Deutsche Bischofskonferenz organisiert derzeit die Schaffung von Betroffenenbeiräten zum Thema sexualisierte Gewalt und Missbrauch in der Kirche. In jedem Bistum soll ein Beirat entstehen. Eine Rahmenordnung liegt nun vor.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/katholische-bischoefe-richten-beiraete-mit-missbrauchs-betroffenen-ein

 

23.10.2020   Überraschenderweise geht das Erzbistum Köln in der Sache Heße mit einer Presseerklärung in die Vorwärtsverteidigung

Stellungnahme des Erzbistums Köln zur aktuellen Berichterstattung zu einem möglichen Missbrauchsfall im Erzbistum Köln:

https://www.erzbistum-koeln.de/news/Stellungnahme-des-Erzbistums-Koeln-zur-aktuellen-Berichterstattung-zu-einem-moeglichen-Missbrauchsfall-im-Erzbistum-Koeln/

 

 

22.10.2020   Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung übt Kritik an Beschlüssen der Bischofskonferenz

Mit - aus unserer Sicht - dünnen Worten kritisiert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung die Beschlüsse der Bischofskonferenz zur Entschädigung:

https://hpd.de/artikel/missbrauchsbeauftragter-bundesregierung-uebt-kritik-an-beschluessen-bischofskonferenz-18601

Nichts über das Grundproblem von Anerkennung des Leids versus Entschädigung für institutionelles Versagen, nichts über die - geht es nach dem von den Bischöfen vereinbarten Verfahren - notwendige Prostitutionsverwandte Preisliste (1mal blasen 2000,00€, penetrieren 3000,00€ und so fort). Nichts darüber, dass ein Gutachten einer von der DBK selbst eingesetzten Expertenkommission mit fundierten Argumenten das genaue Gegenteil des jetzigen Verfahrens vorschlägt. 

Der Beauftragte scheint zahnlos zu werden, wenn es um die Kirche geht- ähnlich den meisten Politikern. Eine gesetzlich verankerte unabhängige Aufarbeitungs-und Entschädigungskommission muss her.

 

 

22.10.2020   Die Bundesregierung will stärker gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder vorgehen. Ein Gesetzentwurf sieht höhere Strafen vor.

Ein vorsichtiger Ansatz in die richtige Richtung. Wenn sie doch endlich die Verjährungsfristen wie bei Mord ganz aufgeben würden. Die Opfer können eher damit leben, das an ihnen begangene Verbrechen nach 30 oder mehr Jahren wegen fehlender Beweise nicht gesühnt zu wissen als erfahren zu müssen, dass sie erst gar keine Chance auf Gerechtigkeit haben.

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kabinett-kinderpornographie-wird-haerter-bestraft-17012977.html?xtor=EREC-7-%5BThemen_des_Tages%5D-20201021&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Themen_des_Tages&campID=OMAIL_REDNL_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_Themen_des_Tages

 

Die Kernpunkte des gestern vom Kabinett auf den Weg gebrachten Gesetzes zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder sind:

1. Verschärfungen des Strafrechtes

2. Prävention und Qualifizierung der Justiz

3. Effektive Strafverfolgung

Der UBSKM hat, wie sehr viele gesellschaftliche Kräfte, eine Stellungnahme zum Referentenentwurf abgegeben, natürlich unter Beteiligung des Betroffenenrates. Die Qualifizierung systemrelevanter Berufsgruppen für Fragen sexualisierter Gewalt / Traumatisierung / Traumafolgen ist bei der Arbeit im Betroffenenrat einer der Schwerpunkte unseres Mitglieds Karl Haucke. Wir sind ausgesprochen angetan, dass einige seiner Vorschläge in den jetzigen Kapiteln 5 und 6 des derzeitigen Gesetzesentwurfes eingegangen sind. Zum Entwurf im Ganzen:

 

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Bekaempfung_sex_Gewalt_Kinder.html

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/Dokumente/RegE_Bekaempfung_sex_Gewalt_Kinder.pdf;jsessionid=0CF17AF42AEFC43F548A208DF8138BBE.2_cid297?__blob=publicationFile&v=2

 

21.10.2020   Spiegel- Recherche zu Erzbischof Heße: Umgang mit mutmaßlichem Missbrauch: Hamburger Erzbischof Heße gerät unter Druck

In einer eigenen Recherche gelingt es dem SPIEGEL, die besonderen Vorwürfe gegen Erzbischof Heße aufzuarbeiten:

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/hamburger-erzbischof-stefan-hesse-brisanter-vermerk-missbrauchsvorwuerfe-vertuscht-a-6c4802be-586d-4c2a-b9ef-b49d48263dd9

Ein besonders lesenswerter Artikel. Der SPIEGEL in alter Bestform.

 

In guter Ergänzung:

https://www.zeit.de/2020/44/missbrauch-katholische-kirche-schweigen-verantwortung-gutachten

 

Der Kirchenrechtler Schüller fordert in der Folge Kardinal Woelki zu Veröffentlichung des Gutachtens auf.

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/kirche-kirchenrechtler-fordert-kardinal-woelki-zu-veroeffentlichung-von-missbrauch-gutachten-auf-a-77ad4ec0-f7bd-40a9-a1f1-c47588827266

 

20.10.2020   Sensationelle Fernsehserie "I may destroy you" zur Sexuellen Gewalt ab dem 19.10.2020 auf Sky

„I May Destroy You“ zeichnet erschütternd das Bild einer Partynacht, die ein Leben zerstört. Die sensationelle Serie "I May Destroy You" geht in ihrer Mischung aus Drastik und Komik so weit wie bislang kaum eine andere. Michaela Coel verarbeitet als Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin ihre eigene Missbrauchserfahrung.

 

I May Destroy You (englisch für Ich darf/könnte dich zerstören) ist eine Drama-Fernsehserie über sexuelle Gewalt von und mit Michaela Coel. Die britisch-amerikanische Koproduktion wurde am 7. Juni auf dem amerikanischen Sender HBO und am 8. Juni auf dem britischen Sender BBC One erstausgestrahlt. In Deutschland soll sie ab dem 19. Oktober bei Sky verfügbar sein. Sie ist wohl auch verfügbar bei Amazon prime in Deutsch.

 

Die ZEIT schreibt:

"Die Visualisierung eines sexuellen Übergriffs, eines Missbrauchs, einer Vergewaltigung ist ein heikles Unterfangen. Blendet ein Film oder eine Fernsehserie die Tat aus, kann ihm Verharmlosung vorgeworfen werden. Zeigt er sie zu explizit, verschwimmt rasch die Grenze zum Voyeurismus. Nun sind im deutschen Fernsehen gleich zwei britische Serien zu sehen, die sich durch ihren sensiblen Umgang mit dem Thema Vergewaltigung auszeichnen und sich vor allem mit der Verdrängung und Verarbeitung der Tat durch die Opfer befassen: Auf Sky läuft I May Destroy You an, eine Koproduktion von HBO und BBC, auf arte ist die Mini-Serie The Virtues (Channel 4) abrufbar. Beide Serien sind in Großbritannien und den USA schon gelaufen und haben – jede für sich – ein ebenso bestürztes wie begeistertes Echo hervorgerufen."

 

https://www.zeit.de/kultur/film/2020-10/sexueller-missbrauch-serien-i-may-destroy-you

 

Die Serie erfährt zum Teil enthusiastische Besprechungen:

https://www.sueddeutsche.de/medien/i-may-destroy-you-serie-kritik-michaela-coel-1.5079825

https://taz.de/Serie-I-May-Destroy-You/!5720013/

https://de.nachrichten.yahoo.com/die-serie-i-may-destroy-you-normalisiert-eines-der-letzten-tabu-themen-in-sachen-sex-113853401.html

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-serie-i-may-destroy-you-manchmal-hilft-nur-noch-das-meer-17008224.html

 

20.10.2020   Stellungnahme von Zartbitter e.V. zur Sachverständigenanhörung der Kinderschutzkommission des Landtags NRW zu „Prävention von Gefährdungen des Kindeswohls - Präventionsstrukturen“

 

"Im Jahre 1987 legte Ursula Enders eine im Auftrag des Landes NRW im Rahmen des Jugendberichtes NRW erstellte Expertise mit dem Titel „Sexueller Kindesmissbrauch und Jugendhilfe“ vor. Mehr als 30 Jahre später bezog sie im Juni 2019 und nun erneut im September 2020 als Sachverständige im Rahmen von Anhörungen im Landtag Stellung bzgl. des Umfanges und der Qualität der in NRW vorhandenen Hilfeangebote für betroffene Kinder und Jugendliche sowie Präventionsstrukturen. Ihre Bilanz ist relativ ernüchternd:

„Die Palette der Konzepte von Institutionen, Vereinen, Verbänden und anderen NGOs im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt und der Hilfen für Betroffene kann man bildlich gesprochen als bunten Flickenteppich bezeichnen – mit einigen großen Löchern und vor allem – erst auf den zweiten Blick erkennbaren mehr oder weniger brüchigen „Flicken“. … Verbindliche Qualitätsstandards sind in der Praxis nicht durchgängig zu erkennen – obwohl es entsprechende Vorlagen von Fachverbänden gibt. Gleichwohl gibt es zahlreiche fachlich fundierte Projekte, die oft von engagierten Einzelpersonen getragen werden, jedoch nirgendwo erfasst sind, geschweige denn – bis auf wenige Ausnahmen – evaluiert wurden.“

 

Als positiv bewertet Ursula Enders, dass die Problematik der sexualisierten Gewalt gegen Kinder endlich von Öffentlichkeit und Politik wahrgenommen wird. Auf den zweiten Blick falle jedoch auf, dass die Weiterentwicklung im Sinne des Opferschutzes vor allem durch die Ermittlungserfolge der Polizei getragen wird und von einem gewachsenen gesellschaftlichen Problembewusstsein. Betrachte man hingegen die Fachlichkeit innerhalb der Jugendhilfe, so bestehe zweifelsfrei noch ein großer Bedarf an fachlicher Qualifizierung.

In Ihrer 15seitigen Stellungnahme konkretisiert Enders beispielhaft strukturelle Defizite im Bereich der Hilfen und der Prävention und skizziert (fach-)politische Forderungen an die Weiterentwicklung der Prävention von Kindeswohlgefährdungen.

Die von der Kinderschutzkommission des Landtags NRW durchgeführte Sachverständigenanhörung machte einmal mehr deutlich, wie sehr sich der aktuelle Landtag dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor (sexueller) Gewalt verpflichtet fühlt. Nachdem die Politik drei Jahrzehnte sich ihrer Verantwortung für das Kindeswohl nur ungenügend gestellt hat, stimmt es etwas versöhnlich, dieses Engagement wahrzunehmen."

 

Hier die Stellungnahme als PDF zum Downloaden:

https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-2951.pdf

 

In diesem Zusammenhang kritisiert Zartbitter auch die mangelnde Aus- und Fortbildung professioneller Helfer und Entscheider:

"Zugleich rüttelte die öffentliche Berichterstattung über fachliche Fehler der Familiengerichte und der Jugendhilfe viele Kolleginnen und Kollegen wach, so dass Zartbitter zahlreiche Fragen nach Fachinformationen erreichten. Nicht zuletzt hat nochmals ein ausführlicher Artikel der Wochenzeitschrift Die Zeit Defizite in der beruflichen Ausbildung der Fachkräfte der Justiz, der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens anhand eines Fallbeispiels aus dem Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach veranschaulicht. In diesem Fall hatte die von dem Täter getrennt lebende Mutter des kindlichen Opfers wiederholt gegenüber dem Jugendamt, dem Familiengericht und gegenüber Klinikärzten den Verdacht des Missbrauchs der Tochter durch den Kindesvater geäußert. Dennoch entschied das Familiengericht zum Nachteil der Mutter: Die Tochter sollte zum Januar 2020 in den Haushalt des Vaters ziehen. Das kindliche Opfer hatte Glück: Im Oktober 2019, kurz nach der familiengerichtlichen Entscheidung, nahmen die Strafverfolgungsbehörden den Kindesvater aufgrund seiner Täterschaft im Missbrauchsskandal Bergisch-Gladbach in Untersuchungshaft."

 

20.10.2020   Präventionstheaterstück für Institutionen. Ein Videobeitrag von Zartbitter auf You- Tube

Zartbitter schreibt dazu:

"Das offene Gespräch über sexualisierte Gewalt in Institutionen – u.a. auch im Sport – fällt bis zum heutigen Tag vielen Menschen – Laien und Fachkräften – schwer. Das Theaterstück Bei uns (doch) nicht! fördert nicht nur das Gespräch über das Erleben kindlicher und jugendlicher Opfer sexualisierter Gewalt und deren Angehörigen, sondern gibt Vereinen, Schulen und anderen Einrichtungen Anregungen für die Entwicklung von institutionellen Schutzkonzepten.

 

Die Story von Bei uns (doch) nicht! entstand aus der alltäglichen Beratungsarbeit der Fachstelle Zartbitter in Kooperation mit betroffenen Eltern.

Die Story:
Lisa wurde von dem Fußballtrainer ihres alten Vereins missbraucht. Das Zartbitter-Theaterstück Bei uns (doch) nicht! handelt von der sexuellen Ausbeutung des Mädchens Lisa durch ihren Fußballtrainer – unter besonderer Berücksichtigung der Strategien des Täters im Kontakt mit dem betroffenen Mädchen, dessen Eltern und Vorstand sowie Mitgliedern des Vereins. Die Story wird rückblickend aus der Perspektive der Eltern entwickelt. Das Theaterstück informiert über Hinweise und Folgeproblematiken kindlicher Opfer und vermittelt den Zuschauer*innen einen Einblick in die Belastungen von Eltern betroffener Kinder. 
Lisa geht es heute wieder gut. In den Sommerferien nimmt sie am Trainingscamp ihres neuen Vereins teil. Ihre Eltern haben trotz der negativen Vorerfahrungen Vertrauen zu dem neuen Fußballverein ihrer Tochter, denn dieser leistet eine engagierte Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt.
Die Videoaufzeichnung des Theaterstücks empfiehlt sich für Info-Veranstaltungen für Eltern, Teams, Vereinsmitglieder sowie für die Aus- und Fortbildung von pädagogischen und helfenden Fachkräften. "

 

https://youtu.be/8GIzDBliQec

 

19.10.2020   Sendung über den Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln auch in der Mediathek abrufbar

Wer die aus unserer Sicht ausgezeichnete Dokumentation verpasst hat oder noch einmal anschauen will. Hier der Link:

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/echtes-leben/videos/missbraucht-video-100.html

 

Dazu auch ein interessanter Blog der Radiojournalistin Dr. Christiane Florin:

https://www.weiberaufstand.com/post/culpa-cancel-culture-oder-mea-mitverantwortung

 

18.10.2020    Ehemaliger Priester aus dem Erzbistum Köln über sexualisierte Gewalt in der Kirche. Ein Interview

Alf Spröde hat lange als katholischer Priester gearbeitet, bevor er als schwuler Mann diskriminiert wurde. Als Kind erfuhr er sexualisierte Gewalt durch einen Priester.

https://taz.de/Priester-ueber-sexualisierte-Gewalt-in-der-Kirche/!5721502/

 

 

17.10.2020  Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche: Papst Franziskus nimmt Rücktritt von polnischem Bischof an

Im polnischen Dokumentarfilm "Versteckspiel" spielt Edward Janiak eine unrühmliche Hauptrolle: Er soll Missbrauchsvorwürfe in der Diözese Kalisz ignoriert haben. Jetzt ist er zurückgetreten.

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/missbrauchsskandal-papst-franziskus-nimmt-ruecktritt-von-polnischem-bischof-an-a-670b68d9-e6c8-4a80-a483-c178e9bb5a9d

 

15.10.2020  Missbrauchs-Broschüre in Köln verteilt: Erzbischof Stefan Heße räumt Fehler ein

Das nennt man wohl katholische (Un-)Aufrichtigkeit: Erzbischof Heße räumt ein, einen Fehler gemacht zu haben, indem er 2010 eine Broschüre zum Missbrauch in der Kirche verteilen ließ. Schnee von gestern und alberne Aufgeregtheit über eine Broschüre? So meint man im ersten Zugriff. Aber dann stellt sich heraus: es geht um nichts anderes als eine gezielte Lüge zum Umfang des Missbrauchs im Erzbistum Köln. In der von Heße verantworteten Broschüre heißt es, es seien höchstens 5 Missbrauchsfälle dem Bistum bekannt. Tatsächlich waren es mindestens 10fach mehr Fälle. Gegenüber Christ und Welt äußerts sich Heße so: "Es ist sicher ein Versäumnis, dass nicht alle damals bekannten Fälle aufgeführt worden sind“. Es ist kein Versäumnis, es ist die Unwahrheit. Und weil sie bewusst tausendfach unter die Leute gebracht wurde, nennt man es Lüge. Mit jeder weiteren Entschuldigung, mit jeder Einlassung mehr wollen die Bischöfe offensichtlich den Vertrauensverlust in die Kirche vergrößern. Es bleibt nur Sarkasmus

https://www.ksta.de/koeln/missbrauchs-broschuere-in-koeln-verteilt-erzbischof-stefan-hesse-raeumt-fehler-ein-37486544

https://www.n-tv.de/panorama/Erzbischof-soll-Missbrauch-vertuscht-haben-article22100912.html

https://zeitung.faz.net/faz/politik/2020-10-15/ac910ade3bb01e3185a31fc9799b9c60/?GEPC=s3

https://eulemagazin.de/bischoefe-fallen-nicht-vom-himmel/

 

Das Ganze wird dann zur Farce, wenn Heße bezogen auf einen konkreten Missbrauchsfall, den er laut einer Telefonnotiz diskret behandelt wissen wollte, schreibt:  „Es ist also nicht etwas, was ich gesagt habe, auch nicht etwas, was mir gesagt wurde, sondern etwas, das aufgeschrieben worden und mir vorgelegt worden ist, und das wirft einige Fragen auf.“ Es war also nicht der Erzbischof, sondern womöglich eine intrigante Sekretärin. Herr Heße ist das eigentliche Opfer. Es ist wahrlich Zeit für seinen Rücktritt.

 https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-10/kirche-hamburg-missbrauch-hesse-erzbischof-vertuschung-vorwurf.html

https://www.katholisch.de/artikel/27242-hesse-zu-vertuschungsvorwuerfen-habe-nach-bestem-wissen-gehandelt

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Umgang-mit-Missbrauch-Erzbischof-geraet-weiter-unter-Druck,hesse254.html

 

Offensichtlich hat, wenn man der Bild Glauben schenken will, Erzbischof Heße die seinerzeitige Gesprächsnotiz parafiert und damit zu seinem Eigentum gemacht:

https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/vertuschung-von-kindesmissbrauch-im-erzbistum-koeln-wird-ein-namenskuerzel-stefa-73457752.bild.html

https://www.berliner-zeitung.de/news/missbrauch-in-der-kirche-neue-enthuellungen-zu-erzbischof-li.112858

https://www.zeit.de/2020/44/missbrauch-katholische-kirche-schweigen-verantwortung-gutachten?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.facebook.ref.zeitde.share.link.x&utm_medium=sm&utm_source=facebook_zonaudev_ext&utm_campaign=ref&utm_content=zeitde_share_link_x&fbclid=IwAR0c_qiBJjOwE1kYtEF2NLbF1XNdeyMQ8WVZpXpyQym9sq_U9McnbqfBPTo

https://www.t-online.de/region/koeln/news/id_88795034/koeln-erzbistum-wegen-gutachtens-in-kritik-missbrauch-vertuscht-.html

 

 

14.10.2020   Niederlande: Der Staat mischt sich in die Missbrauchsaufarbeitung ein.

Das NL-Parlament beschloss gestern - und zwar einstimmig, mit Unterstützung aller Parteien, und gegen den ausdrücklichen Willen des  Justizministers- eine Untersuchung zu Thema Organisierte Rituelle Gewalt in den Niederlanden.

https://www.infoportal-rg.de/2020/10/14/news-untersuchungskommission-zu-ritueller-gewalt-in-den-niederlanden-beschlossen/#more-2170

 

 

14.10.2020  Missbrauchskommission fordert bessere Aufarbeitung von Fällen im Sport

14.10.2020    HAMBURGER ERZBISCHOF STEFAN HESSE AN VERTUSCHUNG BETEILIGT? Ein erwartetes Gerichtsurteil und die Missbrauchsstudie des Erzbistums als Verschlusssache

Priester soll Nichten missbraucht haben und blieb Pfarrer.

https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/hamburger-erzbischof-stefan-hesse-an-vertuschung-beteiligt-koelner-priester-soll-73356546.bild.html

 

Zitat:

 "U. wurde vom Erzbistum Köln unter Personalchef später Generalvikar Stefan Heße (54, heute Erzbischof von Hamburg) weiter als Priester eingesetzt.

 

Ein Sprecher des Erzbistum Köln bestätigt gegenüber BILD: „Der Pfarrer war vom September 2002 bis März 2016 Krankenhauspfarrer in der katholischen Krankenhausseelsorge und von 2016 bis zur seiner Beurlaubung im April 2019 Pfarrvikar im Kreisdekanat.“

 

Erzbischof Stefan Heße bestreitet auf BILD-Anfrage jede Beteiligung an Vertuschung:

 

„Ich schließe für mich aus, einem Vorgehen zugestimmt zu haben, bei dem in Fällen sexuellen Missbrauchs von Gesprächsinhalten keine Protokolle angelegt oder gar Protokolle, Akten oder Gesprächsnotizen im Zweifel vernichtet werden sollen. Dies widerspricht nicht nur zutiefst meiner Überzeugung bei der Frage der Aufklärung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, sondern auch meinem jahrzehntelangen Handeln in dieser Frage.“

 

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/missbrauch-und-kirche-vertuschungsvorwurf-gegen-erzbischof-hesse-17000960.html

https://www.zeit.de/2020/43/dominikus-schwaderlapp-stefan-hesse-missbrauchsskandal-katholische-kirche-erzbistum-koeln?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

11.10.2020  Rechenspiele um die Entschädigung von Missbrauchsopfern

Die katholische Kirche erhöht die „Leistungen in Anerkennung des Leids“, die Betroffenen von sexuellem Missbrauch zugesprochen werden können. Sie wird dafür tiefer in die eigene Tasche greifen müssen, als allgemein bekannt ist.

https://eulemagazin.de/katholische-rechenspiele/

 

09.10.2020  Jetzt auch Lehmann.... Gespräch über Missbrauch im Bistum Mainz

Der Fall der Kardinäle: In „Tag für Tag“ hat Christiane Florin heute über Karl Lehmann, Joachim Meisner und die Vertuschungsvorwürfe gesprochen. "Jedes kirchenpolitische Lager tut sich schwer damit, wenn es einen der ihren trifft. Für die linksgebürsteten Schafe sind das Lehmann, Kamphaus und Heße, für die rechtsgebürsteten ist es Meisner. Aus dem wieder aktuell gewordenen DLF-Interview mit dem ehemaligen Kölner Erzbischof ist eine Minute zu hören. „Nichts geahnt“ im Original-Jetzt-passen-Sie-mal-auf-Sound." - schreibt sie zu Ihrem Beitrag.

 

https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm%3Aaudio_id=869426

 

Hans Reinhard Seeliger schreibt dazu auf Facebook:

"Was bislang fehlt, ist ein Vergleich der Möglichkeiten und Probleme zeitgeschichtlicher Forschung zwischen der Aufarbeitung der älteren NS-Zeit, besonders des Holocaust, und der jüngeren Geschichte des sexuellen Missbrauchs. Für die Forschung bestehen in beiden Fällen ähnliche Probleme: 1. Wer hat wann, was gewusst. 2. Wer ist durch Mitwisserschaft und Unterlassung als mitschuldig anzusehen. 3. Welche Namen dürfen genannt werden. Zu Frage 2 gibt es tiefschürfende methodische Überlegungen, zu Frage 3 richterliche Entscheidungen. Vielleicht sollten sich die Missbrauchsforscher mal mit den NS-Historikern unterhalten."

 

Hier auch der Originalton Bischof Lehmann: "Ich sag´s mal etwas banal"

https://www.youtube.com/watch?v=ewplhMMu5rs&feature=youtu.be&list=PLE10DCBD4E182E293&fbclid=IwAR20SaOhbZD5bSrQ0m76sISRGIfi4yAOrUZDwjJ65Xyy7Zorhk_0Me2JR_g

 

09.10.2020  Die Kirchen sollen vom Lobbykontrollgesetz ausgenommen werden

Die Kirchen sollen nach den Plänen von CDU/CSU und SPD vom Lobbyregistergesetz ausgenommen werden. Das nennt mal wohl gelungene Lobbyarbeit

08.10.2020  Programmhinweis: Sonntag, 18.10.2020, 17.30 in der ARD: "Missbraucht! - Wann nennt die Kirche endlich Namen?"  Eine Sendung zum Thema unter Mitarbeit von Karl Haucke und Winfried Ponsens

Aus der Programm- Ankündigung der TV- Zeitschrift Prisma:

"Es geht um einen echten Wechsel in unserer Haltung und um eine Begegnung mit den Betroffenen auf Augenhöhe", verspricht der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im November 2018, als er den deutschlandweit ersten Betroffenenbeirat gründet, dem nur Betroffene von sexueller Gewalt in der katholischen Kirche angehören und keine Experten. Ein vielversprechendes Novum. "Uns läuft die Zeit davon!", resümiert Karl Haucke (69) heute, knapp eineinhalb Jahre später. Und Patrick Bauer (51) ergänzt: "Unter den Betroffenen sind viele alte Menschen und die sterben. Das geht einfach nicht!" Beide sind Sprecher des insgesamt zehnköpfigen Kölner Betroffenenbeirates und wirken ernüchtert. Dabei wollte der Kölner Erzbischof doch alles besser machen. Zehn Jahre ist es her, dass 2010 in Deutschland die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche erstmals publik werden. Ehemalige Schüler des Canisius-Kollegs in Berlin erheben schwere Vorwürfe gegen ihre Lehrer. Gesellschaft und Politik sind schockiert, die Kirche verspricht Aufklärung. 2018 belegt dann die sogenannte MHG-Studie, wie flächendeckend der Missbrauch war. Aus den kirchlichen Personalakten, die die Wissenschaftler nutzen konnten, geht hervor, dass seit 1946 über 1600 Täter über 3600 Kinder missbraucht haben. Im Schnitt wären von 100 Geistlichen vier Missbrauchstäter. Wieder ist die Empörung groß. Wieder verspricht die Kirche Aufklärung. Und überlegt finanzielle "Leistungen in Anerkennung des Leids". Bislang hat die katholische Kirche in einzelnen Fällen jeweils nur bis zu 5.000 Euro an Betroffene als "Symbol der Anerkennung" ihres Leids gezahlt. Im März 2020 beschließt die DBK die finanzielle "Leistungshöhe zukünftig an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern in vergleichbaren Fällen" zu orientieren und entscheidet, "als Referenzpunkt, den oberen Bereich von Leistungen in vergleichbaren Fällen anzusetzen", womit Leistungen von bis zu 50.000,- Euro möglich wären. Anträge dafür können Betroffene aber erst ab dem 1. Januar 2021 stellen. Viele Betroffene fordern hingegen Entschädigungen bis zu sechsstelligen Eurosummen. Bislang wurden die wenigsten Täter zur Rechenschaft gezogen, die meisten Fälle sind ohnehin verjährt. Kardinal Woelki dagegen kündigt den Mitgliedern seines Kölner Betroffenenbeirates an, nicht nur die Namen von Tätern öffentlich zu machen, sondern auch derer, die im Kölner Bistum Missbrauch vertuscht haben. Für die Betroffenen eine wichtige Zusage, erinnert sich Patrick Bauer: "Wenn da schwarz auf weiß steht, dass jemand einen Namen nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben hat, spätestens dann muss doch mal jemand zurücktreten. Ein Bischof, der zurücktritt, weil er Fehler gemacht hat, das wäre für uns Betroffene ein echtes Zeichen." Aber der geplante Pressetermin im März 2020 platzt. Grund sei, so das Bistum, dass "nicht alle für eine Veröffentlichung relevanten rechtlichen Fragen abschließend geklärt werden" konnten. Und jetzt? Fast ein Jahr lang begleitet Echtes Leben die Mitglieder des Kölner Betroffenen-beirates. Mit welchen Hoffnungen haben sie sich zur Mitarbeit in diesem Gremium bereit erklärt? Fühlen sie sich wirklich auf Augenhöhe behandelt? Oder dienen sie als Feigenblatt und werden nur ausgenutzt?"

 

 

08.10.2020   Programm-Hinweis auf eine bereits ausgestrahlte Radio-Sendung, die aber noch online verfügbar ist.

08.10.2020  Kirchenrechtlerin fordert Perspektivwechsel bei Missbrauchsbekämpfung

Einen grundlegenden Perspektivwechsel bei der Bekämpfung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche fordert die Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens. Dies habe in der Konsequenz auch erhebliche Auswirkungen auf das Kirchenrecht. Dieser Perspektivwechsel von der "Sünde" des Täters zu den lebenslangen Folgen für das Kind würde auch eine Neubetrachtung der sog. Anerkennungszahlungen bzw. Entschädigungszahlungen nach sich ziehen. Genau zu dem von Wijlens angesprochenen Perspektivwechsel scheint die Kirche als Ganzes weit entfernt. Auf diesem Hintergrund ist auch das Empfinden der Missbrauchsopfer zu verstehen, dass die Kirche nichts gelernt habe bzw. dass Veränderungen einerseits oberflächlich durchaus sichtbar sind aber letztlich nicht wirklich tiefgreifend sind.

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-10-08/blickwinkel-veraendern-kirchenrechtlerin-fordert-perspektivwechsel-bei-missbrauchsbekaempfung

 

08.10.2020   Erzieher quälte Mädchen in Wohngruppe - Erstaunlich milde Gefängnisstrafe vorgeschlagen

Mehr als 25 Jahre lang wurden in einem Haus in Gifhorn Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen betreut. Doch der Leiter der familienähnlichen Gruppe soll Mädchen sexuell missbraucht und gequält haben. Das Landgericht Hildesheim schickt ihn ins Gefängnis.

https://www.freenet.de/nachrichten/topnews/urteil-im-missbrauchsprozess-gegen-ehepaar-erwartet_7986206_4702792.html

 

08.10.2020   Sexueller Missbrauch: Wo bleibt der Aufschrei?

Etliche Kongolesinnen sind von NGO-Mitarbeitern zum Sex gezwungen worden. Die Empörung aber bleibt aus. #MeToo ist eine überwiegend weiße, westliche Kampagne geblieben.

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-10/sexueller-missbrauch-kongolesinnen-hilfsorganisation-metoo-5vor8

 

07.10.2020  Studie zu sexuellem Missbrauch - Mehr Opfer und Täter im Bistum Mainz

Es sind schockierende Zahlen: Das Ausmaß sexueller Gewalt im Bistum Mainz ist laut einer Studie viel größer als gedacht. Das geht aus einer Studie zur Untersuchung von Fällen sexueller Gewalt von 1945 bis 2019 vor.

 

Laut Rechtsanwalt Ulrich Weber, der dafür unzählige Dokumente und Archivdaten geprüft hat, gab es in den untersuchten Jahren 273 Beschuldigte und 422 Betroffene.

https://www.hessenschau.de/gesellschaft/deutlich-mehr-sexuelle-gewalt-im-bistum-mainz-als-gedacht,studie-sexuelle-gewalt-bistum-mainz-100.html

https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/rhein-main/blick-in-den-abgrund-sexueller-missbrauch-im-bistum-mainz_22388456

https://www.zeit.de/news/2020-10/06/bistum-mainz-stellt-bericht-zu-sexuellem-missbrauch-vor?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.share.link.x

https://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-aktuell/studie-zu-sexuellem-missbrauch-mehr-opfer-und-taeter-im-bistum-mainz-73284518.bild.html

https://www.deutschlandfunk.de/bistum-mainz-unabhaengige-untersuchung-offenbart.1939.de.html?drn:news_id=1180929

 

Die FAZ kommentiert:

https://m.faz.net/aktuell/politik/kommentar-ueber-missbrauch-in-der-kirche-blick-in-den-abgrund-16990683.html

 

Zu den Vertuschern gehört offensichtlich auch der ansonsten hochverehrte ehemalige Mainzer Bischof Lehmann, seinerzeit  Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Sein Interview mit dem Spiegel von  2002 beschämend. Er spricht darin von 3 bis 4 Missbrauchsfällen in seinem Bistum in seiner Amtszeit. Klar wird jetzt der Abgrund und das schlichte Ausmaß. Unfassbar!

https://www.katholische-sonntagszeitung.de/layout/set/print/Nachrichten/Missbrauchsermittler-Fehlverhalten-frueherer-Bistumsleitungen-Mittwoch-07.-Oktober-2020-14-58-00

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-22955262.html

 

Zitate aus diesem Interview im Jahr 2002: 

"SPIEGEL: Herr Kardinal, der Skandal um Hunderte pädophiler Priester in den USA hat das Ansehen der katholischen Kirche weltweit schwer erschüttert. Wie steht es um die moralische Glaubwürdigkeit Ihrer Institution?

 Lehmann: Die moralische Glaubwürdigkeit leidet, wenn man mit solchen furchtbaren Ereignissen nicht verantwortlich umgeht. Insofern glaube ich durchaus, dass es ganz deutliche quantitative wie qualitative Unterschiede zwischen der Skandalwelle in den USA und dem Umgang mit der Frage in Deutschland gibt. Wir haben in Deutschland keine Skandalwelle wie in den USA.

SPIEGEL: Wie viele Fälle gibt es denn in Deutschland?

Lehmann: In meiner Diözese Mainz sind es in den 19 Jahren, in denen ich Bischof bin, insgesamt vielleicht drei oder vier Fälle gewesen. Eine bundesweite Übersicht gibt es nicht. Nochmals: Wir haben das Problem nicht in diesem Ausmaß. Warum soll ich mir den Schuh der Amerikaner anziehen, wenn er mir nicht passt?

SPIEGEL: Aber auch in Deutschland hat die Kirche, wie in den USA, jahrelang nach dem Motto gehandelt: vertuschen, versetzen, bloß keine Justiz.

Lehmann: Das mag früher in Einzelfällen so gewesen sein, Ich kenne - nicht nur in meinem Bistum - solche Fälle nicht. Dass Pädophilie ein schweres, letztlich unheilbares Fehlverhalten ist, ist seit Jahren bekannt. Seither muss jedem bewusst sein, dass man Priester, die sich verfehlt haben, nicht einfach versetzen kann. Das ist allen Bischöfen klar."

 

Unglaublich! 

 

Dass Vaticannews bei Missbrauch noch immer von Fehlverhalten statt Verbrechen spricht - wir verstehen es nicht.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-10/missbrauch-bistum-mainz-kohlgraf-bericht-untersuchung-weber-sex.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

 

 

Dazu der Bericht der Katholischen Nachrichtenagentur im Original:

 

"07.10.2020

Zwischenbericht zu Missbrauch im Bistum Mainz vorgelegt

Blick in einen "schrecklichen Abgrund"

Verantwortliche im Bistum Mainz haben in der Vergangenheit offenbar viele Fälle von sexuellemMissbrauch vertuscht und ein hartes Vorgehen gegen die Täter verhindert. Dies zieht sich offenbar bis in die Amtsperiode von Kardinal Karl Lehmann.

Fehlverhalten der Bistumsleitung habe es bis in die Amtszeit von Kardinal Karl Lehmann (1983-2016) hinein gegeben, sagte der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber am Mittwoch in Mainz. Als Leiter einer unabhängigen Untersuchung stellte er den Zwischenbericht eines mehrjährigen Aufarbeitungsprojekts vor. Er appellierte an Betroffene und Wissensträger, die bislang zu Vorfällen geschwiegen haben, sich bei ihm zu melden.

273 Beschuldigte, 422 Opfer

Für die Untersuchung hatte Weber mit seinem Team erstmals alle Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen auf dem Bistumsgebiet in den Blick genommen. Auch Fälle, in denen erwachsene Schutzbedürftige zum Opfer wurden und keine Kleriker, sondern angestellte oder ehrenamtliche Mitarbeiter des Bistums in die Vorfälle verwickelt waren, wurden erfasst. Nach über einjähriger intensiver Prüfung teils geheimer Akten und mehr als 100 Gesprächen mit Betroffenen und deren Umfeld gehe er für den Zeitraum zwischen 1945 und 2019 mittlerweile von 273 Beschuldigten und 422 Opfern von Missbrauch und sexuellen Grenzverletzungen aus.

Vorgehen der Kirche wirft Fragen auf

"Aus heutiger Sicht drängt sich ein ganzer Katalog weiterer Fragen auf", sagte Weber. So sei es nicht mehr nachvollziehbar, warum selbst nicht verjährte Fälle von der Bistumsleitung nicht zur Anzeige gebracht wurden und kirchliche Stellen beschuldigten Mitarbeitern oft ein grenzenloses Vertrauen entgegenbrachten. Pfarrgemeinden hätten Vorfälle nicht weitergemeldet. Stattdessen seien Missbrauchstäter selbst bei gravierenden Verfehlungen kirchenintern oft nur milde sanktioniert worden und Opfer unter Druck gesetzt worden, damit sie schweigen. Bei einem Wechsel von Priestern in eine Region seien die neuen Zuständigen oft über Vorfälle nicht informiert worden.

Bistum an schonungsloser Aufklärung interessiert

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte, die Arbeit der Untersuchungsgruppe helfe dem Bistum dabei, "in einen schrecklichen Abgrund" zu blicken. Er versicherte, das Bistum sei an einer schonungslosen Aufklärung der Missbrauchsthematik interessiert und werde sich auch den dunklen Seiten in der Amtsführung seiner Vorgänger Lehmann und Hermann Volk stellen.

Nach Beginn der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hatte das Bistum Mainz bereits Akten zu insgesamt 199 Fällen an die Generalstaatsanwaltschaften Koblenz und Frankfurt übergeben. Opfer erhielten bislang in knapp 60 Fällen sogenannte Anerkennungszahlungen für das von ihnen erlittene Leid in Gesamthöhe von bislang 341.000 Euro. Daneben übernahm das Bistum in einigen Fällen auch Therapiekosten."

(KNA). Und hier der Link zum Domradio:

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-10-07/blick-einen-schrecklichen-abgrund-zwischenbericht-zu-missbrauch-im-bistum-mainz-vorgelegt?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=tagesnachrichten

 

07.10.2020   Zukunft der Kirche - Viele Zweifel,  wenig Bewegung

Das zähe Ringen um kleinste Änderungen in der katholischen Kirche ist für viele Leser unverständlich. Die Entschädigung für Missbrauchsopfer sei unbefriedigend. Ein Schreiber mahnt zur Beständigkeit gegen den Zeitgeist. Leserbriefe zum Thema in der Süddeutschen Zeitung:

https://www.sueddeutsche.de/kolumne/zukunft-der-kirche-viele-zweifel-wenig-bewegung-1.5057890

 

06.10.2020   Verwirrspiele um Anerkennungszahlungen im Bistum Augsburg. Nichts Neues also

Die katholische Diözese Augsburg berät über Leistungen "in Anerkennung des Leids". Wie genau setzt sie einen Beschluss der deutschen Bischöfe um?

https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Wie-viel-Geld-bekommen-Missbrauchsopfer-im-Bistum-Augsburg-id58274611.html

 

05.10.2020   Katholische Kirche Frankreichs: Opfer sexuellen Missbrauchs sagen aus

Die Aufarbeitung sexueller Gewalt innerhalb der Kirche geht voran. In Frankreich hat eine Expertenkommission während eines Jahres rund 200 Zeugenaussagen zusammengetragen. Viele Opfer leiden auch Jahrzehnte nach dem Missbrauch unter den Folgen der traumatischen Erfahrungen.

https://www.arte.tv/de/videos/100079-000-A/katholische-kirche-opfer-sexuellen-missbrauchs-sagen-aus/

 

03.10.2020   Zwei Wahrheiten zum Umgang mit Meldungen zum Sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln. Der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Meisner wusste 2010 von nichts, obwohl sein Generalvikar bzw. Personalchef ihm jeden Missbrauchsfall vorlegte. Über dritte Wahrheiten spricht man besser erst gar nicht.

Die eine Wahrheit ist die des heutigen Erzbischofs von Hamburg Heße, der versichert, in seiner Zuständigkeit alle Missbrauchsmeldungen Kardinal Meisner vorgelegt und mit ihm besprochen zu haben. Und da ist die andere Wahrheit von Kardinal Meisner, der 2010 apodiktisch behauptete, vom Missbrauchsskandal völlig überrascht worden zu sein.  Dazu ein lesenswerter Artikel aus der "ZEIT":

https://www.zeit.de/2020/41/missbrauch-katholische-kirche-joachim-kardinal-meisner

 

Soll es uns trösten, dass es Ende der 60er Jahre unter Kardinal Höffner noch krimineller zuging? Da rief nach unseren Informationen - sein Generalvikar den Schulleiter des Collegium Josephinum in Bonn an, um ihn zu warnen! Vor einem Missbrauchstäter? Nein! Nicht vor einem möglichen Täter, sondern vor einer möglichen Erpressung. Ein Schülervater hatte sich ans Erzbistum gewandt, um einen Missbrauch an seinem Sohn durch einen Ordenspriester (Präfekt im Internat, Religions- und Mathematiklehrer am Gymnasium)  zu melden.

 

Zum Streit um die Namen der Vertuscher eine Sendung des Deutschlandfunks, hier am Beispiel des Bistums Limburg: 

https://www.deutschlandfunk.de/dlf-audio-archiv.2386.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bsearchterm%5D=&drau%5Bfrom%5D=24.09.2020&drau%5Bto%5D=24.09.2020&drau%5Bbroadcast_id%5D=171

 

Martin Schmitz, einer der Aktivisten in Mainz und Fulda, hat am Limburger Projekt mitgewirkt. Man findet seinen kurzen, knackigen Beitrag zur Abschlussveranstaltung des Projektes auf You Tube:
https://www.youtube.com/watch?v=2vMJ8K4ylyM


 

03.10.2020   Wie krisenfest ist das Erzbistum Köln? Zu den Finanzen des Erzbistums

Das ZEIT-Interview mit Gordon Sobbeck im Faktencheck. „Sind Deutschlands Kirchen trotz hoher Kirchensteuereinnahmen doch nicht krisensicher?” wollten die ZEIT-Journalisten Evelyn Finger und Arne Storn anlässlich der Corona-Situation vom Finanzdirektor des Erzbistums Köln wissen. Im Interview sprach Gordon Sobbeck von „dramatischen“ Einnahmeausfällen im zweistelligen Millionenbereich. „Das können wir nicht einfach abpuffern.” [DIE ZEIT Nr. 37 vom 3. September 2020, Seite 56].

 

Die Wahrheit scheint aber auch hier doch eine andere:

https://fowid.de/meldung/krisenfest-erzbistum-koeln

 

Leider ist das Interview mit einer Bezahlschranke versehen und nicht online abrufbar. Aber hier der Link:

https://www.zeit.de/2020/37/gordon-sobbeck-kirchenfinanzen-krise-katholisch-bistum-koeln

 

03.10.2020  Umbruch am Institut zu Missbrauchs-Prävention und Aufarbeitung (IPA) - Karl Haucke nimmt Stellung

25.09.2020    Erzbistum Köln hält an Missbrauchsstudie fest

Das Erzbistum Köln hält an der angekündigten Studie über den Umgang der Bistumsspitze mit Missbrauchsfällen fest. Das betonte Generalvikar Markus Hofmann in einem Brief an die Mitarbeiter. Auch zu den Verzögerungen bezog er Stellung.

https://www.domradio.de/themen/erzbistum-koeln/2020-09-25/warum-sich-die-publikation-verzoegert-erzbistum-koeln-haelt-missbrauchsstudie-fest

 

24.09.2020   Bischöfe beschließen dürftige Anerkennungszahlungen an Missbrauchsopfer. Die Katholische Kirche beschämt mit ihrem Angebot und durch die Art des Vortrags die Missbrauchsopfer und bleibt ihrem bisherigen Kurs treu. So kann Befriedung nicht gelingen.

Hier seien die Links aus der westdeutschen Presselandschaft zitiert. Für eine eigene Stellungnahme ist es noch zu früh. Der Schock über die Pressekonferenz (Bischof Bätzing scheint gut geübt in dem, was man Framing nennt) sitzt zu tief. Erst einmal Lähmung und Sammlung! Die Analyse folgt.

 

https://sz.de/1.5043664

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-09/deutsche-bischofskonferenz-bis-zu-50-000-euro-fuer-missbrauchsopfer

https://www.deutschlandfunk.de/sexueller-missbrauch-in-der-katholischen-kirche-streit-um.886.de.html?dram:article_id=484573

https://www.n-tv.de/22057851

https://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2020-09-24/bis-zu-50000-euro-fuer-missbrauchsopfer-katholische-bischoefe-einigen-sich-auf-anerkennungszahlungen?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=tagesnachrichten

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/missbrauchsopfer-katholische-kirche-zahlung-100.html

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-georg-baetzing-kuendigt-bis-zu-50-000-euro-fuer-missbrauchsopfer-an-a-79295708-9495-4d8e-9d55-f2a6c5e9a17e

https://www.bild.de/politik/2020/politik/katholische-kirche-bis-zu-50000-euro-ausgleichszahlungen-fuer-missbrauchsopfer-73079756.bild.html

https://focus.de/12468736

https://www.katholisch.de/artikel/26985-bischoefe-beschliessen-anerkennungszahlungen-an-missbrauchsopfer

https://www1.wdr.de/nachrichten/missbrauch-kirche-entschaedigung-100.html

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-09/missbrauch-dbk-bischoefe-anerkennungszahlung-opfer.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

https://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2020-09-24/bis-zu-50000-euro-fuer-missbrauchsopfer-katholische-bischoefe-einigen-sich-auf-anerkennungszahlungen

https://www.feinschwarz.net/geistlicher-missbrauch-nichts-gelernt/

https://m.faz.net/aktuell/2.1652/katholische-kirche-mehr-geld-fuer-missbrauchsopfer-16969879.html

https://www.domradio.de/audio/ein-zehntel-von-dem-was-uns-zusteht-ein-interview-mit-karl-haucke-sprecher-des

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-761329.html

https://hpd.de/artikel/bischof-baetzing-nur-kann-ich-hier-wirklich-nicht-sehen-18507

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-09-25/sparsamkeit-ist-hier-fehl-am-platz-missbrauchsbeauftragter-ueber-geplante-einmalzahlungen

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-09-25/so-kann-man-mit-betroffenen-nicht-umgehen-missbrauchsbetroffener-kritisiert-beschluesse-der

https://www.tagesschau.de/kommentar/bischofskonferenz-missbrauch-entschaedigung-kommentar-101.html

https://www.christoph-fleischmann.de/das-geld-liegt-auf-der-bank-corona-und-die-kirchenfinanzen/

https://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-eine-gesteigerte-anerkennung-fuer-die-opfer-1.5043351

https://hpd.de/artikel/katholische-kirche-uebertrifft-sich-ihrem-zynismus-selbst-18532

https://hpd.de/artikel/kirche-bislang-nicht-bereit-ueber-entschaedigung-sprechen-18531

https://www.cicero.de/innenpolitik/katholische-kirche-sexueller-Missbrauch-ausgleichszahlungen-opfer-baetzing

 

Bilderserie zu den Aktionen Betroffener in Fulda auf Facebook:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2791821684429845&id=1437955269816500&sfnsn=scwspmo&extid=HqDF5DS1fzsrQ8OJ

 

Aufmerksam haben wir registriert, dass dem Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz Bischof Ackermann zwar offiziell mit dünnen Worten gedankt wurde, er aber selber bei der Pressekonferenz entgegen sonstiger Gepflogenheit nicht anwesend war.

 

Hier die Pressermitteilung des Betroffenenbeirats beim Erzbischof in Köln, die am 23.09.2020 entstanden ist und in Fulda, der Presse vor Ort zugestellt wurde:

 

"Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln

Pressemitteilung

Fulda, 23.09.2020

Als Sprecher des Betroffenenbeirates des Erzbistums Köln teile ich Ihnen mit:

Ich habe, zusammen mit dem Sprecherkollegen Patrick Bauer, vor einigen Tagen eine mit dem Betroffenenbeirat abgestimmte Botschaft dem Kölner Erzbischof Kardinal Woelki zugestellt. Darin haben wir gebeten, die Überlegungen und Forderungen des Betroffenenbeirates dem derzeitigen Kollegium der Bischöfe hier in Fulda zu übermitteln.

Der Plan war, durch eine nahezu zeitgleiche Publikation in der Öffentlichkeit unseren Anregungen etwas mehr Gewicht zu geben. Dies ist uns nicht gelungen. Der bis gestern übliche Weg einer Veröffentlichung der Presseerklärung des Betroffenenbeirates auf den Sites des Erzbistums wurde uns nicht zugänglich gemacht. Die Verlautbarungen des Erzbischofes über hauseigene Medienkanäle trugen nicht dazu bei, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, was wir den Mitgliedern der Bischofsversammlung mitzuteilen haben. Dies hole ich heute und hier nach.

Ich habe aus diesem Vorgehen der Bistumsoberen gelernt, was andere Betroffenen-vertreter mir schon längst ans Herz gelegt hatten: Es ist nicht gut, wenn ein Betroffenenbeirat bezüglich seiner Publikationen vom Wohlwollen des Bistums abhängig ist. Das ist nicht gut. Ich werde für unseren Beirat andere Wege, andere Verteiler unserer Nachrichten suchen. Und vor allem: Ich werde auch andere Aspekte meines Vertrauens in die Bistumsleitung überdenken müssen. Dies betrifft auch meine bisherige Position zu der aus äußerungsrechtlichen Gründen seit sechs Monaten nicht vorgelegten Studie über personalrechtliche Vorgehensweisen im Erzbistum Köln.

Die hier vorliegende Erklärung wurde entsprechend früherer Vereinbarungen der Bistumsleitung in Köln zur Verfügung gestellt, und zwar heute Morgen gegen 8.00 Uhr.

Und nun zu den Überlegungen des Betroffenenbeirates. Wir haben Angst vor dem, was sich Verwaltungs-, Finanz- und Rechtsfachleute ohne uns Betroffene über uns Betroffene ausgedacht haben. Wir haben Sorge um das befriedete Überleben tausender Missbrauchsopfer. Ich möchte sprechen über das, was nicht passieren darf.

1. Wir erleben: Seit der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe im September 2019 wurden die Empfehlungen der Expertengruppe zum Thema Entschädigungen, die noch unter Betroffenenbeteiligung entwickelt waren, von der Kirchenleitung nahezu ignoriert. Bei der Frühjahrs-Vollversammlung im März 2020 haben die Bischöfe von der Programmatik „In Zukunft geht es nicht nur um das Leid von damals, sondern um die lebenslangen Folgen“ zurückgeschaltet auf das alte Lied von der Anerkennung des Leids. Der weitere Prozess, wie

Anerkennung des Leids zu gestalten sein, fand hinter geschlossenen Türen ohne Betroffenenbeteiligung statt. Dies ist Monolog statt Dialog.

Wir befürchten, dass dies der neue alte Stil sein soll.

Allerdings, liebe Kirche, lasst Euch sagen: Die Experten für den Umgang mit Betroffenen sind wir. Beiräte zu gründen, auf Bistumsebene oder auch auf Bundesebene, nützt gar nichts, wenn dahinter nicht die Haltung steht: Auch wir als Kirche wollen Betroffenen Gehör verschaffen und ihnen zuhören. Das ist eine Haltung, kein Verwaltungsakt.

2. Wir erleben und haben mindestens in den vergangenen 10 Jahren erlebt: Bei der Entgegennahme von Informationen über Gesetzesbrüche durch Geistliche oder andere Kirchenmitarbeiter, über sexualisierte Gewalt an kleinen Mädchen und Jungen, haben sich die Mitarbeiter der Kirche gelinde gesagt unprofessionell verhalten. Vom Schutz der Täter oder der kirchlichen Strukturen über inquisitorische Befragungen bis hin zu Bestechungsversuchen und Drohungen – wohl alles Denkbare ist den Berichten Betroffener zu entnehmen.

Wir befürchten, dass die Befragungs- und Recherchekultur in vielen Kirchenverwaltungen sich nicht wesentlich weiterentwickelt hat. Auch wenn es inzwischen durchaus in einzelnen Bistümern professionell denkende und handelnde Präventionsbeauftragte gibt - wir wissen nichts über die zu erwartenden Vorgehensweisen, und unser Vertrauensvorschuss ist aufgrund der zurückliegenden Erfahrungen arg geschmolzen. Wir befürchten neue, tiefe Retraumatisierungen auf der Seite Betroffener, wenn Sie ihre Geschichte in unprofessionellen Settings neu erzählen müssen, um endlich die moralisch ihnen zustehende Entschädigung für beschädigte oder zerbrochene Lebensläufe zu erhalten.

3. Wir erleben: Die Bistümer / Erzbistümer haben begonnen, ihre Partikularinteressen bzgl. der Entschädigungen und der Zugangsmodalitäten in die Form von Vorgaben und Richtlinien zu gießen. Dabei sind bisher keine einheitlichen Bemessungsstandards und keine einheitlichen Verfahren zu erkennen.

Wir befürchten, dass das unterschiedliche Vorgehen in den Bistümern neue Ungerechtigkeiten schafft, neue Fragen aufwirft, zu neuen Verzögerungen führt.

4. Wir erleben, dass die ständigen Verzögerungen bei der Entwicklung ausgleichender Gerechtigkeit immer weniger Betroffene in die Möglichkeit kommen lässt, mit Hilfe der Entschädigung einen würdigen Lebensabend zu begehen.

Wir befürchten, dass die 2000 Jahre alte Kirche einen längeren Atem hat als unsere Kranken und Senioren. Wie überall im Kontakt mit Kirche – wir haben den kürzeren Arm, unsere Verbindungen sind nicht so mächtig, dass wir Lebensverlängerung herbeibeten könnten. Aber Gerechtigkeit und Humanität – die können wir erbitten.

5. Wir befürchten: Die Kirche, die bei Fragen von Neuerungen immer rücksichtsvoll auf die sog. Weltkirch schielt, um sich von dieser nicht allzu weit zu entfernen, jene Kirche ist bei der Frage der Entschädigungszahlen hartsichtig bis blind beim Blick in andere Länder.

Irland, die USA, Australien etwa haben es vorgemacht: Es geht auch anders als sich an dem unterentwickelten Schmerzensgeldsystem der Bundesrepublik zu orientieren. Wenn man denn will.

Ich möchte Schließen mit dem Zitat einer Mitbetroffenen:

"Hört auf zu glauben, dass das worüber wir hier reden, in der Vergangenheit liegt. Hört auf zu glauben, dass weniger Übergriffe geschehen, dass es heute kein Vertuschen mehr gäbe, kein Leugnen. Dass Institutionen sich in den meisten Fällen richtig verhielten und die Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt stünden."

Verantwortlich: Karl Haucke und Patrick Bauer,

Sprecher des Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln"

 

Hier die Pressemitteilung der Ordensoberenkonferenz zu den Anerkennungszahlungen:

https://www.orden.de/aktuelles/

 

Weiterhin einen Link zum neuen Antragsverfahren für die "Anerkennung des

Leids":

https://dbk.de/themen/sexueller-missbrauch/informationen-fuer-betroffene/#c5069

 

Scham statt Verantwortung. Scham ist eben billig zu haben. Verantwortung kommt der Kirche teuer zu stehen.

 

Von Scham und Erschütterung reden die Bischöfe, wenn sie sich zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der Kirche äußern. Persönliche Konsequenzen zieht bisher keiner der Bischöfe. „Verbale Aufgeschlossenheit bei ausgeprägter Verhaltensstarre“, so nennt Jana Frielinghaus  in ihrem Kommentar im Neuen Deutschland:

Deshalb vor allem müsste die Politik sich endlich einmischen. Schließlich geht es um Sexualverbrechen und oft genug um Strafvereitelung im Amt. Dass die Politik das noch immer nicht tut, dürfte mit den hervorragenden Verbindungen des Klerus in Bundesregierung und Parlament zu tun haben.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1142415.katholische-kirche-etwas-scham-statt-verantwortung.html

 

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24.09.2020     Der "Eckige Tisch" nennt die Entscheidungen der Bischofsvollversammlung eine "Provokation". Wir von MoJoRed schließen uns dieser ersten Presserklärung an.

Pressemitteilung vom 24. September 2020

Erste Stellungnahme zur Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz über verbesserte Anerkennungszahlungen

an Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs durch Kleriker der katholischen Kirche

 

Die Entscheidung ist eine Provokation.

 

Nach zehn Jahren beschließen die Bischöfe, sich an staatlichem Recht zu orientieren. Damit geben Sie zu, dass die so genannte „Anerkennungszahlung“ von bis zu 5.000 Euro in den letzten Jahren Unrecht war. Die Entscheidung führt in die Irre. Denn es geht in den 5.089 in den Akten der Kirche dokumentierten Missbrauchsfällen nicht um den Ausgleich für aktuelle Taten, wie sie mit Schmerzensgeldtabellen staatlicher Gerichte erfolgt, sondern es muss um einen Ausgleich

gehen für jahrzehntelange systematische Vertuschung und Verdunkelung von Verbrechen an Kindern und Jugendlichen durch die Institution Kirche und die Folgen, die dies in den Biografien der Opfer hinterlassen hat.

 

Deshalb fordern wir, die Empfehlungen der unabhängigen Kommission zu Sexuellem Missbrauch aus 2019, in denen Expertinnen und Experten Schmerzensgeldzahlungen zwischen 40.000 und 400.000 Euro empfohlen haben, zur Grundlage von Gesprächen zwischen Betroffenen und Bischöfen zu machen.

 

Wir begrüßen es, wenn die Kirche sich in Zukunft von Betroffenen beraten lässt. Wir stellen aber klar, dass ein Gremium, welches die Kirche selbst zusammenstellt, kein Ersatz für den Austausch zwischen der Täterorganisation und ihren Opfern sein kann.

 

Matthias Katsch

Sprecher ECKIGER TISCH

 

 

Hier auch der Link zur Videoübertragung der Presekonferenz:

https://www.dbk.de/presse/videobeitraege/

 

23.09.2020  Missbrauch in katholischer Kirche: Gutachten belastet den Hamburger Erzbischof Heße, vormals Generalvikar in Köln, schwer.

Ein Gutachten zur Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche, dessen Vorstellung im März abgesagt wurde, erhebt laut „Christ & Welt“ Vorwürfe gegen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Dieser reagiert.

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article216402036/Missbrauch-in-katholischer-Kirche-Gutachten-belastet-Erzbischof-Hesse.html

 

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße wehrt sich gegen den Vorwurf der Vertuschung: Als wichtiger Mitarbeiter des Kölner Kardinals Joachim Meisner soll er sich bei Missbrauchsfällen falsch verhalten haben. Das wirft ihm ein Gutachten im Auftrag der Kirche vor.

https://www.zeit.de/2020/40/stefan-hesse-missbrauchsfaelle-vertuschung-katholische-kirche

 

Erzbischof Heße weist die Vorwürfe auch auf KNA zurück:

 

"Erzbischof Heße weist Vorwürfe zurück "Habe keine Missbrauchsfälle vertuscht"

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat Vorwürfe zurückgewiesen, nach denen er als Personalchef im Erzbistum Köln Fälle von sexuellem Missbrauch vertuscht haben soll. "Ich habe immer hin- und nicht weggeschaut", betonte er.

"Ich persönlich nehme für mich in Anspruch, dass ich meine Verantwortung wahrgenommen und nicht vertuscht habe", sagte Heße im Interview der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Donnerstag). "Ich habe immer hin- und nicht weggeschaut", betonte Heße. Sicher seien auch ihm Fehler passiert, aber er könne ausschließen, dass er jemals versucht habe, Täter zu schützen oder Taten zu vertuschen. Heße ist seit 2015 Erzbischof von Hamburg und war zuvor ab 2006 Personalchef im Erzbistum Köln und ab 2012 dort Generalvikar.

Eine bisher unveröffentlichte Studie zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln wirft Heße laut "Christ und Welt" eine "indifferente" und "von fehlendem Problembewusstsein" geprägte Haltung gegenüber dem Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker vor. Dieser Befund hat laut Heße keine Grundlage. "Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, um jedem Fall gerecht zu werden", erklärte er. So sei etwa in einem von sechs Fällen, in denen Vorwürfe gegen ihn erhoben würden, der mutmaßlich Betroffene bereits erwachsen gewesen. Zu weiteren Details wollte sich Heße unter Berufung auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht äußern.

Präsentation auf unbestimmte Zeit verschoben

Die Präsentation der vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegebenen und von einer Münchener Anwaltskanzlei erstellten Untersuchung war ursprünglich für März geplant, wurde aber kurzfristig abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut offizieller Begründung des Erzbistums Köln brauchte die geplante Nennung ehemaliger oder aktiver Verantwortlicher noch eine rechtliche Klärung und Absicherung.

Heße erklärte, von Anfang an zur Mitarbeit an der Studie bereit gewesen zu sein, übte jedoch Kritik am Konzept. Der Prozess habe sich nicht besonders transparent gestaltet. In den sechs konkreten Fällen, zu denen er Stellung nehmen sollte, habe er erst nach mehrmaligem Drängen im April alle Akten einsehen dürfen: "Ich habe insgesamt den Eindruck, die Verfasser der Studie hätten gründlicher arbeiten können."

Heße: Mitverantwortung, keine Schuld

Er bestätigte Recherchen von "Christ und Welt", nach denen er das Erzbistum Köln kurz vor der geplanten Präsentation in einer Stellungnahme auf Probleme der Studie aufmerksam gemacht habe: "Ich habe auf datenschutzrechtliche und persönlichkeitsrechtliche Aspekte hingewiesen." Heße verlangt laut dem Blatt, dass die Studie nur zusammen mit seiner Sicht veröffentlicht werden darf. Auf die Frage, ob er gegen das Erzbistum Köln oder die beauftragte Münchner Kanzlei juristisch vorgehen werde, wenn seine Forderung nicht erfüllt werde, antwortete Heße: "Ich setze auf den gesunden Menschenverstand im Erzbistum Köln und in der Kanzlei in München."

Angst um sein Amt hat der Erzbischof nach eigenen Worten nicht: "Ich stelle mich der Aufarbeitung." Er trage zwar keine Schuld, wohl aber eine Mitverantwortung "für ein System, das zweifelsohne Leid verursacht hat".

Heße räumte ein, dass der Umgang mit den Missbrauchsfällen damals sehr schwierig gewesen sei. "Wir sind nun mal nicht die Polizei oder Staatsanwaltschaft. Unsere Möglichkeiten, die Wahrheit zu recherchieren, sind begrenzt." Auf die Gespräche mit Tätern und Betroffenen sei er nicht vorbereitet gewesen. "Dafür war ich nicht ausgebildet. Das sehe ich heute als großes Defizit." Wie groß die Dimension des sexuellen Missbrauchs in der Kirche sei, sei ihm als Personalchef erst im Laufe der Zeit bewusst geworden. Für die heutigen Standards sei er sehr dankbar.

Missbrauchsakten im Erzbistum Köln vernichtet

Heße räumte zudem ein, dass Akten mit Hinweisen zu Missbrauchsfällen in einem Geheimarchiv gelagert und regelmäßig vernichtet worden seien. In seiner Zeit als Personalchef habe er diese Praxis dann gestoppt. Im Geheimarchiv würden eigentlich Akten gelagert, die der normalen Personalakte entzogen werden sollen, um den Persönlichkeitsschutz zu wahren, erklärte Heße. Auf Nachfrage räumte er ein: "Es war natürlich auch Herrschaftswissen. Und es waren die delikaten Fälle: Es war all das, was nicht vorkommen sollte." Es habe den "Ritus" gegeben, die Akten nach zehn Jahren durchzuschauen und zu vernichten. "Ich habe das einmal erlebt und mir zunächst wenig dabei gedacht." Als sich ein Missbrauchsopfer bei ihm meldete, habe er den Fall nicht mehr in den Akten finden können. "Ich habe dann sofort klar gehabt: Solche Akten müssen erhalten bleiben", sagte Heße.

Mittlerweile arbeite eine eigene Fachgruppe an den Standards zur Aktenpflege in allen deutschen Diözesen. Dies sei eine Konsequenz der 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe. Im Erzbistum Hamburg, dem Heße seit 2015 als Erzbischof vorsteht, würden keine Akten vernichtet, versicherte er.

Missbrauchsfälle waren laut Heße auch schon 2006, als er Personalchef im Erzbistum Köln wurde, Chefsache. Mit Prälat Norbert Trippen (1936-2017) habe es einen Ansprechpartner für Betroffene gegeben, der Fälle aufgenommen und "so ganz grob" geprüft habe. Heße habe dann auf dieser Grundlage zusammen mit der Justiziarin Akteneinsicht genommen und Gespräche mit Betroffenen und Beschuldigten geführt. Bei nächster Gelegenheit habe er Kardinal Joachim Meisner (1933-2017) und dem Generalvikar berichtet: "Ich habe jeden Fall Kardinal Meisner direkt dargelegt."

Meisner habe er dabei als jemanden erlebt, der sehr genau zuhört: "Jeder Fall lag anders, es waren schwierige Entscheidungen und da konnte man auch unterschiedlicher Meinung sein." Am Ende sei es immer "im Miteinander" gelaufen. Seine Haltung sei immer gewesen, "das Thema hinein ins Bistum zu tragen und klarzumachen, dass wir da ein Problem haben", so Heße. Allerdings habe das nicht jeder hören wollen.

Höhere Zahlungen an Missbrauchsopfer

Weiter sprach sich Heße für eine Aufstockung der Anerkennungszahlungen an Missbrauchsopfer innerhalb der katholischen Kirche aus. "Ich habe mich in der Bischofskonferenz immer dafür eingesetzt, die viel zu geringen Summen deutlich zu erhöhen", sagte er. "Der Missbrauch beschäftigt die Betroffenen ein Leben lang. Und ich gehe davon aus, dass das bei der Reform des Systems der Anerkennungsleistungen auch berücksichtigt werden wird."

Die deutschen katholischen Bischöfe wollen noch in dieser Woche bei ihrer Vollversammlung in Fulda ein System für die Anerkennung des von Missbrauchsopfern erlittenen Leides beschließen. Einem Grundsatzbeschluss vom Frühjahr zufolge wollen sie sich an der zivilrechtlichen Schmerzensgeldtabelle orientieren. Diese sieht für sexuellen Missbrauch derzeit Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall vor. Zuvor waren Leistungen von bis zu 400.000 Euro im Gespräch. Derzeit zahlt die katholische Kirche Opfern von Missbrauch durchschnittlich 5.000 Euro.

Statt Anerkennungsleistungen eine Entschädigung zu zahlen, lehnte Heße ab. So werde den Betroffenen erspart, ihren Missbrauch beweisen zu müssen, begründete er. Dies sei bei einer Entschädigung notwendig.

 

Der Erzbischof erklärte weiter: "Keine Summe kann das Leid kompensieren, das durch sexuellen Missbrauch angerichtet wird." Es sei selbstverständlich nicht befriedigend, dass ein so großes und schlimmes Unrecht mit einer Geldsumme verbunden werde: "Aber noch haben wir in unserer Gesellschaft offenbar keine bessere Form der Anerkennung gefunden."

 

https://www.bild.de/regional/hamburg/hamburg-aktuell/stefan-hesse-missbrauchs-gutachten-belastet-erzbischof-73062476.bild.html

https://neuesruhrwort.de/2020/09/24/erzbischof-hesse-verteidigt-sich-gegen-vorwuerfe/

 

23.09.2020   Staatliche Untersuchungskommission zum Missbrauchsskandal der Katholischen Ordensgemeinschaften gefordert

Die Zeit des Versteckspielens ist vorbei − auch für die katholischen Ordensgemeinschaften in Deutschland. Es ist Zeit für eine staatliche Untersuchungskommission. Die Orden müssen sich bereiterklären, an der Aufklärung und Aufarbeitung der dunklen Aspekte ihrer Vergangenheit mitzuwirken. Sollten sie sich einer Aufklärung verweigern, müsste ihnen der Status von Körperschaften öffentlichen Rechts entzogen werden. Wenn den "Organisationen der Täter" die Aufklärung wieder selbst überlassen wird, in der Hoffnung, dass es schon irgendwie gut gehen wird, dann verpassen wir die vielleicht letzte Gelegenheit, dieses Kapitel deutscher Zeitgeschichte aufzuklären.

https://hpd.de/artikel/staatliche-untersuchungskommission-zum-kirchlichen-missbrauchsskandal-gefordert-18491

 

23.09.2020   Opfervertreter Katsch über Rückschläge in der Aufarbeitung

Vor einem Jahr lagen in Fulda konkrete Empfehlungen zur Entschädigung von Missbrauchsopfern auf dem Tisch. Aber getan habe sich nichts, so deren Sprecher Matthias Katsch. An den Rückschlägen im Erzbistum Köln sei Erzbischof Heße nicht unbeteiligt.

 

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-09-23/mir-macht-das-auch-keinen-spass-opfervertreter-katsch-ueber-rueckschlaege-der-aufarbeitung

 

Matthias Katsch fasst treffend zusammen:

"Wir brauchen ein Format und wir brauchen einen Mediator für diesen Prozess. Ich sehe eigentlich die Politik hier in der Verantwortung zu sagen: 'Es gibt jetzt zwei konkurrierende Konzepte. Es gibt Forderungen der Betroffenen, die aber auch gestützt werden von Experten. Es gibt den Vorschlag der Bischöfe. Die sind offensichtlich weit auseinander. Wir holen jetzt die Parteien an einen Tisch und sprechen über eine Entschädigungszahlung, die die Kirche in der Lage und bereit ist zu finanzieren, aber die Opfer auch als wirkliche Entschädigung empfinden und annehmen können."

 

23.09.2020   Missbrauchsopfer richten sich mit Appell an den Bundestag

Die katholischen Missbrauchsopferverbände fordern in einer Petition Entschädigungszahlungen. Außerdem müsse die Aufarbeitung auf eine gesetzliche Basis gestellt werden.

 

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-09/katholische-kirche-missbrauch-opferverbaende-entschaedigung

 

22.09.2020   Bischöfe befassen sich erneut mit Entschädigung für MissbrauchSystem für Zahlungen an Opfer soll bis Jahresende stehen

Dazu drei Berichte der Katholischen Nachrichtenagentur, den wir hier unkommentiert zitieren:

 

"Bei ihrer Herbstvollversammlung wollen sich die Bischöfe erneut mit der Entschädigung von Missbrauchsopfern befassen: Nach den Worten des Vorsitzenden der Bischofskonferenz soll ein System bis Ende des Jahres stehen.

Welche finanziellen Hilfen sollen Opfer erhalten, die aus den Reihen der katholischen Kirche missbraucht wurden? Wer soll darüber entscheiden, und woher sollen die Mittel kommen? Mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals und zwei Jahre nach Veröffentlichung einer großen Studie (MHG-Studie) wollen die Bischöfe sich bei der am Dienstag beginnenden Herbstvollversammlung in Fulda erneut mit diesen Fragen befassen.

Im Vorfeld drängt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, auf eine zügige Entscheidung: Das System für eine Auszahlung soll bis Ende des Jahres stehen, sagte er kürzlich in einem Interview.

Bislang erhalten die Opfer von sexuellem Missbrauch eine Anerkennungszahlung von durchschnittlich 5.000 Euro, in Härtefällen zahlt die Kirche auch mehr. Vor gut einem Jahr legte eine von der Bischofskonferenz eingesetzte unabhängige Arbeitsgruppe dann einen neuen Vorschlag vor. Demnach sollen Betroffene sechsstellige Summen bis zu 400.000 Euro erhalten.

Genannte Summen irritieren

Schnell wurde klar, dass bei der genannten Summe ein Milliardenbetrag auf die katholische Kirche in Deutschland zukommen würde. Es hagelte Kritik - nicht nur aus den eigenen Reihen: Damit werde das bisherige System von Entschädigungszahlungen auch für andere Opfer völlig gesprengt, hieß es etwa. Auch die evangelische Kirche zeigte sich angesichts der genannten Summe irritiert.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, stellte schließlich klar: Das Modell für die Hilfen soll weiterentwickelt werden, über genaue Summe hätten die Bischöfe noch nicht gesprochen.

Das taten sie bei der vergangenen Vollversammlung im Frühjahr. Dort einigten sich die Bischöfe auf einen Grundsatzbeschluss. Danach wollen sich die Bischöfe an der zivilrechtlichen Schmerzensgeld-Tabelle orientieren und Anerkennungssummen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall zahlen. Eine unabhängige Kommission aus Juristen, Psychologen und Medizinern soll die Schwere jedes Falls einschätzen.

Viele Fragen sind aber weiter offen - und damit wollen sich die Bischöfe in Fulda beschäftigen. Als die unabhängige Kommission, zu der auch der Sprecher der Opfer-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, gehörte, ihren Vorschlag vorstellte, entbrannte etwa eine Diskussion darüber, ob auch Kirchensteuer-Mittel für die Opferhilfen herangezogen werden dürfen oder ob die Bistümer dafür ausschließlich auf eigene Mittel zurückgreifen müssen.

Zudem ist unklar, wie dann ein Ausgleich zwischen den ärmeren und den wohlhabenderen Bistümern erzielt werden kann und wie die Orden miteinbezogen werden.

Bundesweit einheitliches Auszahlungmodell?

Wie von Beteiligten zu hören ist, wollen sich die Bischöfe in Fulda zudem damit befassen, wie das unabhängige Gremium, das dann über die Auszahlungen entscheidet, aussehen könnte und wie es konkret berufen werden soll.

Eigentlich soll das Auszahlungsmodell dann bundeseinheitlich sein. In den vergangenen Monaten sind einzelne Bistümer aber bereits vorgeprescht und haben eigene Auszahlungsverfahren entwickelt. So will etwa das Bistum Augsburg Betroffenen bis zu 75.000 Euro zahlen. Das Erzbistum Freiburg zahlt Opfern von sexuellem Missbrauch seit Jahresbeginn monatliche Zahlungen von bis zu 800 Euro, die zunächst auf ein Jahr begrenzt sind, sowie Einmalzahlungen von bis zu 30.000 Euro.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Bätzing sagte vor wenigen Tagen, er "habe das gute Gefühl, dass wir das Versprechen, offene Verfahrensfragen bis zum Herbst zu klären, einhalten und wir bis Ende des Jahres ein System haben, so dass die Betroffenen die Anerkennungszahlungen auch bekommen können". Das System solle einheitlich sein, und alle Geschädigten sollten Zugang dazu haben, sagte Bätzing dem Bonner "General-Anzeiger".

Die Frage der Finanzierung sei hingegen sekundär: In seinem Bistum Limburg würden die Anerkennungszahlungen nicht aus der Kirchensteuer finanziert, so Bätzing. "Aber nicht jedes Bistum hat diese Möglichkeit. Und man muss letztlich ja auch sagen: Alles Geld, das eine Diözese hat, gehört den Gläubigen einer Diözese." Betroffene selbst wollen nach Fulda kommen und planen für diesen Mittwoch Protestaktionen."

Birgit Wilke(KNA)

 

Auch zum Auftakt der Vollversammlung ein Bericht der KNA:

 

"Auftakt der Herbstvollversammlung in FuldaBischof Bätzing steht Rede und Antwort

Zum ersten Mal hat sich Bischof Georg Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz den Fragen von Journalisten zum Auftakt einer Vollversammlung gestellt. Er signalisierte besonders bei einem Thema ein rasches Vorgehen.

Die katholischen Bischöfe wollen noch in dieser Woche ein System für die Anerkennung des von Missbrauchsopfern erlittenen Leides beschließen. Er sehe die "große Verpflichtung", noch auf der bis Donnerstag dauernden Herbstvollversammlung entsprechende Beschlüsse zu fassen, sagte der Konferenzvorsitzende, Bischof Georg Bätzing, am Dienstag in Fulda. Dabei gehe es um zu zahlende Summen, aber auch um die Installation eines Betroffenenbeirats.

Einem Grundsatzbeschluss vom Frühjahr zufolge will sich die Kirche an der zivilrechtlichen Schmerzensgeldtabelle orientieren. Diese sieht für sexuellen Missbrauch derzeit Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall vor. Zuvor waren Leistungen von bis zu 400.000 Euro im Gespräch.

Katholische Bischöfe: Müssen uns mit Kirchenaustritten befassen

Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen sich weiter bei ihren Beratungen intensiv mit den Gründen für die wachsende Zahl der Kirchenaustritte befassen. Der im Juli bekannt gewordene Rekordwert an Austritten im Jahr 2019 sei "erschreckend", sagte Bätzing. "Wir müssen uns mit den tiefer liegenden Gründen befassen."

2019 waren 272.771 Katholiken aus der Kirche ausgetreten. Bätzing verwies darauf, dass auch die Kirchenbindung der verbleibenden Mitglieder seit Jahren stark nachlasse. Das zeige sich bei den Statistiken zu Taufe, Eucharistieempfang und Eheschließungen.

Erstmals wollen die Bischöfe deshalb bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Dresden einen eigenen Studientag zu den Entwicklungen abhalten. Auch bei der bis Donnerstag dauernden Herbstvollversammlung in Fulda ist diese Entwicklung Thema.

Bischof Bätzing würdigt Demos von Frauen und Missbrauchsopfern

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat zudem Demonstrationen und Proteste von Frauen und Missbrauchsopfern im Rahmen der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe gewürdigt.

Die Anliegen der Frauen nach mehr Beteiligung in der Kirche und der Kampf gegen Missbrauch seien wesentliche Elemente des Reformprozesses in der katholischen Kirche, sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Dienstag in Fulda.

Er "schätze" diese Demonstrationen, fügte Bätzing hinzu. "Diese Anliegen aufzunehmen, ist für uns Bischöfe Pflicht und keine Kür." Bätzing wiederholte die Einschätzung, dass keine Kirchenspaltung und keine deutsche Nationalkirche drohe. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte zuvor vor einer solchen Entwicklung gewarnt.

Bischofskonferenz: Recht der Flüchtlinge auf Asyl in EU sichern

Die katholischen Bischöfe in Deutschland fordern des Weiteren von der Bundesregierung und der EU die Bereitschaft, weiter Flüchtlinge aufzunehmen und ihr Recht auf Asyl zu sichern. Maßnahmen, die nur auf die Abwehr von Flüchtlingen gerichtet seien, seien unchristlich, sagte Bätzing weiter.

Deutschland könne die Flüchtlingsfrage nicht im Alleingang angehen, sagte Bätzing. Notwendig sei ein geordnetes europäisches System, das die Rechte der Flüchtlinge berücksichtige. Bätzing dankte der Bundesregierung für ihr Angebot, 1.500 Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen.

Bischöfe bekunden Unterstützung für Demonstranten in Belarus

Zudem haben die katholischen Bischöfe in Deutschland ihre Sympathie für die Demokratiebewegung in Belarus bekundet. Bätzing forderte zugleich die Regierung in Minsk auf, den katholischen Erzbischof von Minsk, Tadeusz Kondrusiewicz, wieder nach Belarus einreisen zu lassen. Kondrusiewicz wird nach einem Besuch in Polen seit Ende August die Wiedereinreise in seine Heimat verweigert.

Die katholische Kirche sei solidarisch mit den Menschen, die in Weissrussland für faire Wahlen und Demokratie demonstrierten, fügte der Limburger Bischof hinzu. Die Menschen müssten ihre Regierung selbst bestimmen können. Gewalt gegen die Demonstranten sei der falsche Weg."

 

(KNA)

 

"Kirche will Zahlung an Opfer beschließen und erntet LobEin erster wichtiger Schritt

Vertreter der Bundespolitik haben positiv auf die Ankündigung der Bischofskonferenz reagiert, bis Donnerstag ein System für die Anerkennung des von Missbrauchsopfern erlittenen Leides zu beschließen. Die Bischöfe wollen sich am Zivilrecht orientieren.

Die katholischen Bischöfe wollen noch in dieser Woche ein System für die Anerkennung des von Missbrauchsopfern erlittenen Leides beschließen. Er sehe die "große Verpflichtung", noch auf der bis Donnerstag dauernden Herbstvollversammlung entsprechende Beschlüsse zu fassen, sagte der Konferenzvorsitzende, Bischof Georg Bätzing, am Dienstag in Fulda.

Dabei gehe es um zu zahlende Summen, aber auch um die Installation eines Betroffenenbeirats sowie eines Gremiums, das dann über die Auszahlung an Betroffene entscheidet. Seit Dienstag tagen die Bischöfe in Fulda bei ihrer Herbstvollversammlung.

Orientierung an der Schmerzensgeldtabelle

Einem Grundsatzbeschluss vom Frühjahr zufolge will sich die Kirche an der zivilrechtlichen Schmerzensgeldtabelle orientieren. Diese sieht für sexuellen Missbrauch derzeit Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall vor. Zuvor waren Leistungen von bis zu 400.000 Euro im Gespräch. Derzeit zahlt die katholische Kirche Opfern von Missbrauch durchschnittlich 5.000 Euro.

Auch der Vatikan-Experte für Missbrauchsprävention, Hans Zollner, hofft auf eine Einigung der deutschen Bischöfe über Anerkennungszahlungen für Betroffene. "Es wäre gut, wenn sie sich verständigen", sagte der Jesuit der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag) in München. Für manche Betroffene sei das Thema sehr wichtig, sagte Zollner, der Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission ist. "Sie wollen gemessen haben, was an verlorener Lebensqualität durch Geld aufgewogen werden kann."

Reaktionen aus der Politik

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte auf Anfrage, er wünsche sich für die Betroffenen sehr, dass eine für sie akzeptable Lösung gefunden werde. Weitere Verzögerungen seien nicht zumutbar.

Auch Bundespolitiker forderten die katholische Kirche zu Zahlungen auf. Die Bischofskonferenz müsse für Klarheit über die Zahlungen für Missbrauchsopfer sorgen, so der religionspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Benjamin Strasser. Die bereits vereinbarten Grundsätze seien ein erster wichtiger Schritt, allerdings müssten die noch offenen Verfahrensfragen nun schnell geklärt und transparent gemacht werden.

Der religionspolitische Sprecher der SPD, Lars Castellucci, betonte, er begrüße die Signale aus der Bischofskonferenz. Wichtig sei, "einen Ausgleich für das zu schaffen, was nicht wiedergutzumachen ist". Opfer zu entschädigen, bedeute "immer mehr als nur Anerkennung des Leids". Er verwies auf das Opferentschädigungsrecht, das eine richtige Grundlage für die Zahlungen an die Opfer sei. Zudem sprach er sich dafür aus, die Selbstorganisation von Betroffenen zu stärken und zu finanzieren."

 

(KNA)

 

22.09.2020    Nach Bekanntwerden von Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfen im katholischen Traunsteiner Studienseminar St. Michael geht das Erzbistum München und Freising auf die Betroffenen zu.

Ehemaligen Seminaristen sei ein Gesprächsforum angeboten worden, teilte die Diözese am Montag mit. "Die Veranstaltung sollte vor allem dem Zuhören und der Aufklärung sowie einer offenen und differenzierten Aufarbeitung der Vergangenheit dienen."

 

Im Frühsommer dieses Jahres waren Misshandlungs- und teils auch Missbrauchsvorwürfe gegen das renommierte katholische Internat St. Michael in Traunstein bekannt geworden, das einst auch der spätere Papst Joseph Ratzinger und dessen älterer Bruder Georg besuchten. 

https://www.tag24.de/thema/religion/traunstein-studienseminar-st-michael-papst-benedikt-missbrauchsvorwuerfe-erzbistum-muenchen-1655741

 

21.09.2020  Presseeinladung Fulda durch den Eckigen Tisch und MoJoRed

Einladung zum Pressegespräch am 23. September 2020 

und Informationen zum Treffen von Betroffenen 

während der Vollversammlung der DBK in Fulda

 

 

Verschiedene Betroffenengruppen sowie einzelne Betroffene treffen sich vom 22. - 24. September 2020 in Fulda zum Austausch und zur Vernetzung. Wir wollen den dort tagenden Bischöfen signalisieren, dass wir bereit und in der Lage sind, ihnen unsere Forderungen direkt zu übermitteln.

 

Unser Motto: #AusgleichendeGerechtigkeit

 

Zusammen mit Unterstützer*innen sind wir am Mittwoch und Donnerstag in der Nähe des Doms und des Stadtschlosses präsent. Der Dienstag 22. September dient der Anreise und internen Vorbereitung. Wir sind am Stand der Giordano-Bruno-Stiftung am Domplatz präsent.

 

Kunstaktion

Für Mittwoch den 23. September ist am Vormittag von 9 bis 12 Uhr eine Kunstaktion auf dem Domplatz angemeldet. Wir wollen die mehr als 5000 Opfer sexueller Gewalt der Katholischen Kirche in Deutschland präsent machen, wenn die Bischöfe ihre Beratungen aufnehmen. Es besteht die Möglichkeit, Fotos zu machen.

 

Danach sind wir am Stand der Giordano-Bruno-Stiftung am Bonifatiusplatz.

 

Pressegespräch

Wir laden zu einem Pressegespräch ein am Mittwoch 23. September 2020, 15 Uhr.

Ort: Tagungshaus Synapsis, Raum 040 (Großer Saal).

 

Teilnehmende Gruppen: Eckiger Tisch e.V., MoJoRed e.V., Initiative Johanneum, Selbsthilfegruppen Rhede, Münster und Hildesheim sowie weitere Betroffene sexueller Gewalt in der Kirche.

 

 

Themen für das Pressegespräch

• Bilanz nach zehn Jahren Ringen um Aufarbeitung, Hilfe und Entschädigung, 

• Forderung nach Unterstützung bei Selbsthilfe, Beratung und Selbstorganisation 

• Warnung vor erneuter Traumatisierung von Betroffenen im Zuge der von den Bischöfen angekündigten verbesserten Anerkennungsleistungen und 

• Appell an Bürger*innen und Parlament, sich unter dem Motto „ausgleichende Gerechtigkeit für eine angemessene Entschädigung der Opfer einzusetzen.

 

Der Saal ist unter Pandemie-Bedingungen für bis zu 50 Personen ausgelegt. Deshalb ist eine Anmeldung nicht zwingend erforderlich aber erwünscht. Dazu senden Sie bitte eine kurze Mail mit Namen, Medium und Handy-Nummer an presse@eckiger-tisch.de

Wir versuchen einen Stream des Pressegesprächs bereitzustellen und versenden den Link auf Wunsch.

 

Lesung am Mittwochabend

Ebenfalls am Mittwoch von 19 bis 21 Uhr findet am gleichen Ort eine Lesung mit Gesprächsrunde statt (Synapsis Tagungshaus, Raum 040). Thema sind Erfahrungen mit der Aufarbeitung sexueller Gewalt in der katholischen Kirche.  Es lesen Luna Born aus ihrem Buch „Missbrauch mit den Missbrauchten“, Tectum Wissenschaftsverlag, 2019, sowie Matthias Katsch aus seinem Buch „Damit es aufhört“, Nicolai Verlag, 2020.

Weitere Betroffene und Aktivisten sind anwesend, und tauschen sich im anschließenden Gespräch über ihre Erfahrungen aus.

 

Gelegenheit zur Stellungnahme am Donnerstag

Am Donnerstag unterstützen wir die Forderungen der Bewegung Maria 2.0 und sind am Stand der Giordano-Bruno-Stiftung am Bonifatiusplatz präsent.

Zum Abschluss der Vollversammlung der Bischöfe werden wir ggf. am Donnerstagnachmittag ab 15 Uhr eine Stellungnahme zu den relevanten Ergebnissen abgeben. Ort: Synapsis Tagungshaus, Raum 040.

 

Pressekontakt:

presse@eckiger-tisch.de

 

Vor Ort:

Matthias Katsch, Eckiger Tisch, 0178 167 4838

Karl Haucke, MoJoRed, 0171 325 0075 

 

 

 

ECKIGER TISCH e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und braucht Ihre Unterstützung!

Spendenkonto: DE89100205000001271777 

www.eckiger-tisch.de/spende

Missbrauchsopfer Josephinum Redemptoristen e.V. ist ein gemeinnütziger Verein 

und braucht Ihre Unterstützung! Spendenkonto: DE88 4306 0967 4071 6206 00

 

19.09.2020  Reaktion von Erzbischof Woelki auf einen Brief des Betroffenenrats im Erzbistum Köln

Bei ihrer Herbstvollversammlung kommende Woche werden die deutschen Bischöfe erneut über die Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer sprechen. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki will sich in deren Sinne für eine rasche Lösung einsetzen.

https://www.katholisch.de/artikel/26936-woelki-werde-sicht-der-opfer-in-entschaedigungsdebatte-einbringen

https://www.domradio.de/radio/sendungen/wort-des-bischofs/austausch-auf-augenhoehe-wort-des-bischofs-0

 

Offensichtlich nimmt Erzbischof Woelki die Botschaft des Betroffenrats mit nach Fulda. Soweit so gut oder auch so schlecht. Denn er sagt an keiner Stelle genau, welchen Teil der Botschaft er weitergibt. Die Vermeidung von Retraumatisierung? Unseren Zeitplan zu Antragstellung und Auszahlung? Die Einheitlichkeit der Verfahrensmodi? Die Mahnung zur Betroffenenbeteiligung? Böse Interpretation, aber gar nicht abwegig: Geht es vielleicht nur um die PR des Erzbischofs und gar nicht um die Betroffenen?

 

18.09.2020   Sexueller Missbrauch – Die Kirche, das Geld, die Politik

Was wird aus der geplanten Entschädigung für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche? Die Kirche hat für den Herbst eine Lösung versprochen. Die Betroffenen warten und die Politik hält sich weitgehend raus. Die Kirche, das Geld und die Politik - eine Dreiecksbeziehung, die gerade in Sachen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche nur bedingt funktioniert.

https://www.hr-inforadio.de/podcast/politik/sexueller-missbrauch---die-kirche-das-geld-die-politik,podcast-episode-75840.html

 

17.09.2020   Missbrauch in der Kirche und der Gesetzgeber schweigt. Ein Gastbeitrag von Matthias Katsch in der "ZEIT"

Wer sexuellen Missbrauch in der Kirche erlebt hat, muss sich oft alleine mit der Täterorganisation auseinandersetzen. Das sollte sich ändern – zum Beispiel mit einem Opfergenesungswerk.

https://www.zeit.de/2020/39/sexueller-missbrauch-katholische-kirche-bundestag-kinder-aufarbeitung

 

Den Worten von Matthias Katsch am Schluss seines Beitrags ist nichts hinzuzufügen: "Sexueller Kindesmissbrauch ist nicht einfach nur persönliches Schicksal. Es ist immer auch ein gesellschaftlicher Skandal. Das gilt auch für die besonderen Gesellschaften der Kirche. Und nur als Gesellschaft können wir die Folgen überwinden. Und wir sollten gemeinsam daran arbeiten, damit es weniger wird und damit es aufhört."

 

14.09.2020  Evangelikale Schule mobbt Transsexuellen: Mit Gebeten gegen den Dämon

Oft haben ihn die Lehrkräfte „Es“ genannt. Vor den Mit-schüler*innen, im ganz normalen Unterricht: „Es“. Max, der in Wirklichkeit anders heißt, ist ein trans*Mann, und er war Schüler der Freien Evangelischen Bekenntnisschule Bremen (FEBB). Fünf Jahre hat es gedauert, bis er den Mut aufbrachte, gegen die evangelikale Privatschule rechtlich vorzugehen. Nach seiner Aussage war er dort von seinem Outing 2015 bis zum Abschluss 2016 Mobbing und psychischen Misshandlungen ausgesetzt. „Diese Schule hat meine Zukunft zerstört!“, sagt Max.

https://taz.de/Evangelikale-Schule-mobbt-Transsexuellen/!5710942/

 

14.09.2020  25 Jahre "Wir sind Kirche"

Vor 25 Jahren wurde die Reformbewegung "Wir sind Kirche" gegründet. Heute ist ihre Forderung nach einer "menschenfreundlichen Sexualmoral" so populär wie noch nie. Ihre Arbeit macht das aber nicht einfacher.

https://www.queer.de/detail.php?article_id=37048

 

03.09.2020  Online Petition zur Sexualisierten Gewalt in der katholischen Kirche

03.09.2020  Beirat für Betroffene sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche nimmt Arbeit auf. 10 Jahre hat es gedauert.

Die Arbeit zu Prävention, Aufarbeitung und Hilfen bei sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird künftig von einem Gremium aus Betroffenen begleitet. Ein über eine öffentliche Ausschreibung besetzter zwölfköpfiger Betroffenenbeirat wird seine Arbeit Mitte des Monats aufnehmen. Dieses neue Gremium bietet Betroffenen eine strukturierte Beteiligung an den Prozessen, für die der Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche verantwortlich zeichnet.

https://www.ekd.de/beirat-fur-betroffene-sexualisierter-gewalt-nimmt-arbeit-auf-58589.htm

 

Siehe dazu auch Angelika Marquardt, Mitglied des Betroffenenrats beim UBSKM:

 https://www.deutschlandfunk.de/betroffenenrat-gegen-sexuellen-missbrauch-angela-marquardt.892.de.html?dram:article_id=480855

 

 

01.09.2020  Jede*r siebte minderjährige Sportler wird Opfer von sexuellen Übergriffen.

Im Spitzensport wurden in der letzten Zeit zunehmend Fälle von Kindesmissbrauch aufgedeckt. Weltweit melden sich immer mehr Betroffene zu Wort. Junge Sportler sind oft vielversprechende Medaillenhoffnungen. Doch um welchen Preis? Studien zeigen: Jeder siebte minderjährige Nachwuchssportler, gleich welchen Geschlechts, wird Opfer von sexuellen Übergriffen oder Missbrauch.

 

Der Filmemacher Pierre-Emmanuel Luneau-Daurignac recherchierte zwei Jahre lang in fünf Ländern und deckte Fälle von Kindesmissbrauch im Spitzensport auf, die nicht als Ausnahmeerscheinungen betrachtet werden können, sondern die Schieflage eines ganzen Systems deutlich machen. Sexuelle Übergriffe auf junge Athletinnen und Athleten sind längst keine Einzelfälle mehr. In Frankeich erzählte die ehemalige Eiskunstläuferin Sarah Abitbol kürzlich, wie sie als Minderjährige von ihrem Trainer missbraucht wurde. In der Folge meldete sich eine Reihe weiterer Spitzensportlerinnen und ‑sportler zu Wort. Das Phänomen kennt keine Ländergrenzen: Die wöchentlich publik werdenden Fälle ereigneten sich in den USA, in England, Spanien, Deutschland, Brasilien oder Südkorea. Der Sportsektor – egal ob Amateur- oder Profisport, Einzel- oder Teamdisziplinen – vereint etliche Faktoren, die Missbrauchssituationen zu begünstigen scheinen: autoritäre Persönlichkeiten, Verherrlichung von Ausdauer und Leiden, männliche Dominanz, Körperkult, psychologische Einflussnahme, Entfremdung von den Eltern, Träume von Ruhm und Reichtum, finanzielle Interessen … Die Studien sind sich einig: Jeder siebte minderjährige Nachwuchssportler, gleich welchen Geschlechts, soll Opfer von sexuellen Übergriffen oder Missbrauch geworden sein. Bereits 2009 machte er nach den Enthüllungen der Tennisspielerin Isabelle Demongeot mit einer Dokumentation auf das Phänomen aufmerksam. Ohne Sensationsdrang und in Interviews mit unmittelbar Betroffenen brachte er die uralten Mechanismen dieses tabubehafteten Milieus ans Tageslicht. Für „Kindesmissbrauch im Spitzensport“ spricht Luneau-Daurignac nun mit Leistungssportlern wie dem Fußballstar Paul Stewart, der bei Manchester City und Tottenham Hotspur spielte und im Alter von 10 bis 14 Jahren Opfer sexueller Übergriffe wurde. Auch die spanische Turnerin Gloria Viseras, die mit zwölf Jahren von ihrem Trainer missbraucht wurde, kommt zu Wort. Neben den direkt Betroffenen zieht der Regisseur Experten aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien hinzu, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigen, darunter den Sportsoziologen Mike Hartill von der Edge Hill University, die Sportsoziologin Bettina Rulofs von der Deutschen Sporthochschule Köln, den Sportpsychologen Greg Décamps von der Universität in Bordeaux sowie Donald Findlater, den Vorsitzenden der britischen Lucy Faithfull Foundation.

https://www.arte.tv/de/videos/083306-000-A/kindesmissbrauch-im-spitzensport/?fbclid=IwAR3jnBCTxIG9gLifiGa_hetn_loRO39k6nhYcYUB_kgmqyN1atmhWsO7c90

 

01.09.2020   Deutliche Kritik von Betroffenen nach Missbrauchs-Befragung der Orden

Jeder dritte katholische Orden muss sich laut einer aktuellen Befragung Missbrauchsvorwürfen stellen. Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln übt massiv Kritik: Die Aufarbeitung laufe schleppend und die Opfer stünden nicht im Mittelpunkt.

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-08-28/der-bericht-trieft-vor-selbstmitleid-deutliche-kritik-von-betroffenen-nach-missbrauchs-befragung-der

 

01.09.2020   Missbrauchsopfer überleben zwar - der Preis ist überwiegend eine lebenslange Identitätsstörung

Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuell gequält und gefoltert wurden, überleben oft nur deshalb, weil sie ihr Ich in unterschiedliche Persönlichkeiten aufgespalten haben. Verstanden werden Personen mit einer dissoziativen Identitätsstörung aber nur selten.

https://m.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/missbrauchsfolgen-leben-mit-dissoziativer-identitaetsstoerung-16917795.html?xtor=EREC-7-%5BThemen_des_Tages%5D-20200831&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Themen_des_Tages&campID=OMAIL_REDNL_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_n/a_Themen_des_Tages