Aktuelles ab 25.11.2019

Ältere Meldungen finden Sie unter Aktuelles ab 18.08.2019 bis 25.11.2019

05.12.2019   Vatikan stellt umstrittenes Missbrauchs-Mahnmal aus Deutschland auf

Papst Franziskus sei bei der Übergabe "tief bewegt und ergriffen" gewesen, heißt es: Das Missbrauchs-Mahnmahl "Mahnender Mühlstein" einer deutschen Initiative hat nun einen besonderen Platz im Vatikan gefunden. Das Mahnmal hat seinerzeit 2012 entschiedene Kritik erfahren.  Das Projekt war von Anfang an hoch umstritten, da es eine Stelle aus der Bibel aufgreift, in dem die Todesstrafe für KindesmissbraucherInnen gefordert wird. Dass der Vatikan sich dafür einsetzt, ausgerechnet dieses Mahnmal auf seinem Territorium aufzustellen, irritiert deshalb gewaltig. Offensichtlich hat es der Vatikan bitter nötig, aber auch die billigsten PR-Register zu ziehen. Er brüskiert damit die (auch in der eigenen Kirche), welche sich auf solide Weise für Aufklärung, Aufarbeitung und Ahndung der Missbrauchskriminalität engagieren. 

 

Zweifel an der Ernsthaftigkeit, mit der Papst Franziskus sexuellen Missbrauch bekämpft, nährt auch folgender Vorgang. Wir zitieren hier einen Leserbrief aus der FAZ vom 22.11.2019:

 

"Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Papstes

 

Es ist das große Verdienst dieser Zeitung, dass sie in der schier unendlichen Geschichte des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Amtsträger über alle Aspekte der kriminellen Machenschaften ausführlich berichtet hat und dies wohl auch weiterhin tun wird. Beim Lesen der vielen Stellungnahmen spürt man durchaus den ernsthaften Wunsch der Verantwortlichen in der katholischen Kirche nach strukturellen Veränderungen, die Fortführungen und Wiederholungen der schrecklichen Taten unmöglich machen sollen.

Die Berichterstattung in der F.A.Z. vom 22. November lässt jedoch Zweifel aufkommen, ob dies gelingen kann. In dem Artikel „Papst verurteilt Sextourismus“ berichtet Matthias Rüb über den Besuch des Papstes in Thailand, in dessen Verlauf sich dieser gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern ausgesprochen hat und gefordert hat, „diese Plage auszumerzen“ und „den Opfern einen Weg anzubieten, um ihre Würde wiederzuerlangen“. Auf der gleichen Seite erfährt der Leser unter der Überschrift „Haftbefehl gegen Bischof“, dass Papst Franziskus im Jahr 2013 Gustavo Oscar Zanchetta, einen seiner argentinischen Freunde aus seiner Dienstzeit als Erzbischof von Buenos Aires, zum Bischof ernannt hat. Dieser (ehemalige?) Freund des Papstes musste im August 2017 von seinem Posten zurücktreten. Er wird des sexuellen Missbrauchs  beschuldigt. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor. Nach dem erzwungenen Rücktritt des argentinischen Bischofs soll der Papst für diesen, auch der Unterschlagung beschuldigten katholischen Amtsträger, ausgerechnet einen Posten in der vatikanischen Vermögensverwaltung geschaffen haben.

Die Berichterstattung lässt an der Ernsthaftigkeit des Papstes zweifeln, die verwerfliche Praxis, Sexualstraftätern aus den eigenen Reihen einen strafvereitelnden Unterschlupf in katholischen Organisationen zu gewähren, zu beenden. Täterschutz stand (und steht?) offenbar auch nach der Aufdeckung der Sexualverbrechen im Mittelpunkt der Überlegungen. Die Heiligkeit des Heiligen Vaters der heiligen katholischen Kirche verdient vor diesem Hintergrund eigentlich nur die Bezeichnung Scheinheiligkeit.

Manfred Eberlein, Rüsselsheim"

 

Dazu auch unsere Meldung vom 26.11.2019

 

 

05.12.2019   Pressemitteilung der Initiative Verschickungskinder vom 5.12.2019

Wir begrüßen, dass REPORT-Mainz in seiner Sendung am 3.12.2019 erneut auf das Schicksal

der Verschickungskinder aufmerksam gemacht hat. Es ist sehr gut, dass dieser Bericht sowie

die vorangegangene Berichterstattung vom 10.9.2019 die Arbeit unserer Initiative weithin

bekannt machen. Schon seit über zehn Jahren bemüht sich die Initiatorin der Initiative, Anja

Röhl, um eine Vernetzung der vermutlich über 8 Millionen Betroffener. Auf ihrer Webseite

haben sich im Laufe des Jahres 2019 über 1000 Betroffene gemeldet.

Die Erforschung des Umfangs und der Hintergründe der Misshandlungen in den Kurheimen

steht noch ganz am Anfang. Der von der Initiative gegründete Verein „Aufarbeitung und

Erforschung von Kinder-Verschickungen e.V.“ besteht aus ausgewiesenen Sozialforschern,

die selbst Verschickungskinder waren und sich dafür einsetzen, dass diese Geschehnisse von

den Betroffenen selbstbestimmt erforscht werden. Schon seit einigen Wochen ist dafür ein

Fragebogen online geschaltet worden, der eine seriöse wissenschaftliche Aufarbeitung

ermöglicht.

Vom 21.-24.11.2019 trafen sich auf Initiative von Anja Röhl und einem Kreis engagierter

Betroffener auf der Insel Sylt über 70 Menschen, die als Kinder zwischen 1948 und 1981 auf

so genannte Kinderkuren verschickt wurden. Die Kinder waren zwischen zwei und vierzehn

Jahren alt und wurden in der Regel für sechs bis acht Wochen verschickt, wo sie vielfältige

Misshandlungen erlitten. Alle Teilnehmenden des Kongresses haben sich auf die Forderung

verständigt, die Aufarbeitung zu ermöglichen, indem Bund, Länder und die

Trägereinrichtungen der Kurheime gemeinsam Finanzmittel in Höhe von mindestens drei

Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Aus diesen Mitteln sollen finanziert werden:

- Eine Anlaufstelle zur Beratung und Vernetzung Betroffener

- Ein partizipativ ausgerichtetes Forschungsprojekt, das die zahlreichen Erlebnisberichte

auswertet und vor Ort Gruppen von Betroffenen bei ihren eigenen Recherchen begleitet.

Es geht nicht um Mitleid, sondern darum, dass die ehemaligen Verschickungskinder ihre

Erlebnisse selbst aufarbeiten und dadurch dazu beitragen, auch für die Zukunft die

Wachsamkeit gegenüber institutioneller Gewalt zu erhöhen und den Schutz von Kindern zu

fördern.

Kontakt:

Für die Initiative: Anja Röhl info@verschickungsheime.de Tel.: 0176-24324947

Für die Forschungskoordination: Prof. Dr. Christiane Dienel

christiane.dienel@nexusinstitut.de Tel. 030 3180 54 63

Nähere Informationen:

www.verschickungsheime.de

h"p://verschickungsheime.de/erklaerung-der-verschickungskinder/

 

05.12.2019   USA: Missbrauchsklage gegen Ex-Kardinal McCarrick eingereicht

Gegen den US-amerikanischen ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick wurde am Montag in New Jersey Anklage wegen sexuellen Missbrauchs eingereicht.

https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2019-12/anklage-gegen-mccarrick-missbrauch.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

 

04.12.2019  Das Gegenprogramm zu Berlin. Ein Herr Drewermann, der gar nichts begreift: Kirche muss Missbrauchstäter mit "Sanftmut Jesu" begleiten

In schuldig gewordenen Priestern müsse die Kirche auch Opfer sehen und diese "mit der Sanftmut Jesu" begleiten: Der Theologe Eugen Drewermann sieht einen falschen Umgang mit Missbrauchstätern.

https://www.katholisch.de/artikel/23794-drewermann-kirche-muss-missbrauchstaeter-mit-sanftmut-jesu-begleiten

Nichts gegen die grundsätzliche These, dass Missbrauchstäter selber oft genug Opfer gewesen sind. Das wissen wir aus der Geschichte unserer Peiniger sehr gut. Aber gerade diese Tatsache entschuldigt gar nichts sondern vergrößert eher die Verantwortung der Institution und des einzelnen Täters. Trotz alledem ist es immer eine Entscheidung des Täters, Täter zu werden (und sich keine Hilfe zu holen).

 

03.12.2019  Unabhängige Aufarbeitungskommission der Bundesregierung legt Empfehlungen zur Aufarbeitung in Institutionen vor

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs veröffentlicht heute ihre Empfehlungen zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in Institutionen. Damit bekommen private, öffentliche oder nichtstaatliche Einrichtungen verbindliche Kriterien an die Hand, um zurückliegenden sexuellen Kindesmissbrauch in ihrer Institution aufzuarbeiten. Seit 2016 haben sich rund 1.500 Betroffene von sexuellem Missbrauch in Familien und Institutionen der Kommission in einer Anhörung oder mit einem schriftlichen Bericht anvertraut. Aus diesen Berichten konnten viele Erkenntnisse für die Empfehlungen gewonnen werden.

 

Prof. Dr. Sabine Andresen, Vorsitzende der Kommission: „Institutionen, die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch aufarbeiten wollen, wissen oft nicht, wie sie vorgehen sollen. Auch für heute erwachsene Betroffene, die Aufarbeitung einfordern und von Widerständen in Institutionen berichten, ist es wichtig, dass sie auf klare Kriterien zurückgreifen können. Um diese Lücke zu schließen, hat die Kommission ein Empfehlungspapier zu Rechten von Betroffenen und Pflichten von Institutionen in Aufarbeitungsprozessen entwickelt. Damit wird es möglich, gegenüber Institutionen einzufordern, dass sie nicht planlos und willkürlich vorgehen, sondern sich an übergreifenden Kriterien orientieren.“

 

Institutionen haben in der Vergangenheit nur selten Aufarbeitung betrieben, auch weil sexueller Kindesmissbrauch als Gewaltform nur wenig im öffentlichen Bewusstsein war und Betroffene nicht gehört wurden. Das ist heute anders. „Wenn Mädchen oder Jungen sexualisierte Gewalt in Heimen oder Internaten, Kirchen, Schulen oder Vereinen wie dem Sport oder anderen Freizeitbereichen erlebt haben, sind diese Einrichtungen dazu verpflichtet, sich mit ihrer Gewaltgeschichte auseinanderzusetzen und durch Aufarbeitung Verantwortung für die Vergangenheit in ihrer Institution zu übernehmen“, so Prof. Dr. Sabine Andresen. „Das sind sie den heute erwachsenen betroffenen Menschen schuldig, aber auch den Kindern und Jugendlichen, die sich in ihrer Institution aufhalten und ein Recht darauf haben, geschützt zu werden.“

 

Viele Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, haben in den letzten Jahren Schutzkonzepte eingeführt. Prävention läuft ohne tiefgreifende Aufarbeitung jedoch Gefahr, wirkungslos zu bleiben, wenn Strukturen, die Missbrauch in einer Institution ermöglicht haben, unbekannt bleiben und weiterhin bestehen. Aufarbeitung fragt: Waren Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit sexualisierter Gewalt ausgesetzt? Welche persönlichen sozialen Folgen hatte das für die Betroffenen? Wer sind die Täter oder Täterinnen und arbeiten sie noch heute mit Kindern oder Jugendlichen? Wer waren die Mitwissenden, die nichts unternommen haben, um Kindern und Jugendlichen zu helfen? Kann aufgezeigt werden, was sie gebraucht hätten, um Mädchen und Jungen besser zu schützen?

 

Die Empfehlungen der Kommission benennen u.a. die Voraussetzungen, damit das Recht von Betroffenen auf Aufarbeitung verwirklicht werden kann. Dazu gehört an erster Stelle eine aufgeschlossene Haltung gegenüber den Rechten der Betroffenen und den Pflichten der Institution. Von entscheidender Bedeutung ist zudem, dass der Aufarbeitungsprozess von einem unabhängigen Aufarbeitungsteam geleitet wird. Eine öffentliche Bekanntmachung, Möglichkeiten für eine Beteiligung von Betroffenen an dem Prozess, Transparenz, Hilfs- und Begleitangebote und die Vernetzung von Betroffenen sind ebenfalls wichtige Bedingungen für eine gelingende Aufarbeitung.

 

Des Weiteren gehen die Empfehlungen auf Rechtsfragen ein, auf die verschiedenen Beteiligten im Aufarbeitungsprozess, auf Fragen der Finanzierung, auf Methoden und Formate der Aufarbeitung, auf die Gestaltung von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auf Formate der Anerkennung und nicht zuletzt darauf, wie Prävention und Schutz von Kindern nach der Aufarbeitung gestärkt werden können

 

Die Kommission liefert mit ihren Empfehlungen erstmals verbindliche Kriterien für Aufarbeitungsprozesse. Damit diese gelingen, braucht es jedoch von jeder Institution den Willen zur Aufarbeitung.

 

 

 

 

Diskussion der Empfehlungen  Foto: pethens
Diskussion der Empfehlungen Foto: pethens

Wir selbst konnten als Verein uns im Vorlauf als Experten in die Arbeit an den Empfehlungen konstruktiv einbringen. Unser Geschäftsführer Winfried Ponsens war dann auch bei der Präsentation anwesend und konnte aus vielen Gesprächen am Rande der Veranstaltung weitere wichtige Anregungen für eine mögliche Aufarbeitung im Orden der Redemptoristen mitnehmen.

 

Mehrere Diskussionsteilnehmer hoben hervor, wie wichtig die Empfehlungen sind, kritisierten aber auch, dass nicht möglich war, weder für die Kommission selbst noch für die Aufarbeitungsprojekte gesetzliche Grundlagen politisch zu verabschieden. Frau Ursula Enders von Zartbitter Köln bemängelte mit allem Recht, dass es keine unabhängigen Ombudsstellen gebe, die die Aufarbeitung evaluierten, begleiten und gegebenfalls korrigieren und anordnen könnten. Mit großem Beifall wurde der Vorschlag von Prof. Fegert begrüßt, zumindest ein Aufarbeitungsregister zu schaffen, weil so der Druck auf Institutionen wachsen könne, Aufarbeitung zu betreiben. Aufarbeitung -so seine Überzeugung - könne letztlich auch zum herausragenden Qualitätsmerkmal einer Institution werden.

 

Tiefen emotionalen Eindruck hinterließ Frau Ines Geipel mit ihrem Einführungsvortrag zum Schweigen der Opfer, der wie kein anderer Beitrag die Not- Wendigkeit von Aufarbeitung begründete. Ihre wesentliche These am Beispiel des Nationalsozialismus und der DDR aufgezeigt: was nicht aufgearbeitet ist, bleibt wirkmächtig, drängt spätestens in der nächsten oder übernächsten Generation erneut nach vorne. Der Vortrag hat die Anwesenden so sehr angesprochen, dass danach erst einmal eine tiefe Stille in den Saal einzog. Es schien gar, als könne man in der Routine des Programmablaufs erst gar nicht weitermachen. Man brauchte einen Moment der Stille, damit sich das Gesagte setzen konnte. Eine kurze Zeit des Nachdenkens. Bei der Wahl der Vortragenden hat die Kommission wahrlich eine herausragende Wahl getroffen. Wir hoffen, dass der Vortrag von Frau Geipel bald als Video oder Audio oder in Papierform vorliegt.

 

Die Aufarbeitungskommission der Bundesregierung hat in Berlin alle Institutionen, dabei aber auch sehr ausdrücklich die Sportverbände in die Verantwortung genommen. Dazu folgender Link:

https://www.deutschlandfunk.de/sexualisierte-gewalt-die-verantwortung-des-organisierten.890.de.html?dram:article_id=464959

 

Erfreut hat uns besonders, dass auch Mitglieder und Mitarbeiter des Redemptoristenordens (Pater Daniels und Frau Kückelmann) vor Ort waren. Wie wir vermuten, wohl das erste Mal, dass Ordensmitglieder eine Veranstaltung der Kommission bzw. des Unabhängigen Beauftragten besuchten.

 

Zwei Vereinsmitglieder verfolgten die Tagung per Livestream. Einer schickte uns gar die spontane Mitschrift einer Passage aus den Ausführungen von Prof. Dr. Peer Briken, die u. E. im Zusammenhang mit der Schule des Ordens, dem Collegium Josephinum in Bonn, besondere Bedeutung hat. Sie sei deshalb hier zitiert:

 

"Viele Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, haben in den letzten Jahren Schutzkonzepte eingeführt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass eine verborgene Gewaltgeschichte in die Gegenwart hineinreicht und wirksame Prävention davon abhängt, wie mit vergangenen Gewalttaten gegen Schutzbefohlene umgegangen wird. Wenn Mädchen oder Jungen sexuellen Missbrauch in Heimen oder Internaten, Kirchen, Schulen oder Vereinen wie dem Sport oder anderen Freizeitbereichen erlebt haben, sind diese Einrichtungen dazu verpflichtet, sich mit ihrer Gewaltgeschichte auseinanderzusetzen."

 

Der Kommission als Ganzer ein mächtiges Dankeschön für ihre ausgezeichnete Pionierarbeit und dafür, dass sie in jeder Arbeitsphase Betroffene intensiv in ihre Arbeitsprozesse einbezieht. Die Betroffenen brauchen die Expertise der Wissenschaft, die Wissenschaftlicher die Expertise der Betroffenen.

 

Zur Vorstellung der Empfehlungen schreibt die TAZ unter der Überschrift: "Sexuelle Gewalt gegen Kinder aufarbeiten

Kein Kochbuch, aber eine Anleitung":

https://taz.de/Sexuelle-Gewalt-gegen-Kinder-aufarbeiten/!5645433/

 

Im Zusammenhang mit dem Thema "Aufarbeitung" erschien ein aufschlussreicher Kommentar von Christof Fleischmann unter dem Thema: Wer hat die Macht bei der Aufarbeitung?

https://www.christoph-fleischmann.de/wer-hat-die-macht-bei-der-aufarbeitung/

 

02.12.2019    TV-Dokumentation über Missbrauch in der kath. Kirche

Zwei Mitglieder der INITIATIVE Ehemaliger Johanneum Homburg (Herz- Jesu- Missionare) sind Protagonisten in einer 90-minütigen TV-Dokumentation, die derzeit im Auftrag von SPIEGEL-TV gedreht wird. Der Sendetermin wird voraussichtlich im Mai 2020 sein.

 

02.12.2019   Macht und Ohnmacht aus kirchenrechtlicher Sicht – ein Beitrag zur aktuellen Diskussion um Macht und Machtmissbrauch in der katholischen Kirche

Die MHG-Studie weist nachdrücklich aus, dass die männerbündisch-klerikalen Machtzirkel der katholischen Kirche ein entscheidender Faktor für sexuellen Missbrauch und dessen systemische Vertuschung in der Kirche sind. Von daher ist es naheliegend, dass eines der vier Foren auf dem synodalen Weg diesen Sachverhalt aufgreift und nach Wegen der Machteinhegung sucht. Welchen Beitrag kann das Kirchenrecht hierzu leisten oder ist es eher ein Bremsklotz bei notwendigen Reformen, die jetzt anstehen?

http://www.futur2.org/article/macht-und-ohnmacht-aus-kirchenrechtlicher-sicht-ein-beitrag-zur-aktuellen-diskussion-um-macht-und-machtmissbrauch-in-der-katholischen-kirche/

 

30.11.2019   Strategiekongress der Thomas Morus Akademie in Bensberg mit unserem Mitglied Karl Haucke am 4. und 5.12.2019

Näheres finden Sie in folgender Datei:

Strategiekongress2019-Programm.pdf
Adobe Acrobat Dokument 5.6 MB

30.11.2019   Österreich: In der Kirche auch „Missbrauch im Kopf“ verhindern

Die katholische Kirche stellt sich inzwischen dem lange Zeit tabuisierten Missbrauch - ein Thema, das als kirchliche und gesellschaftliche Realität schmerzt. Das sagte der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl auf dem Symposium „Geistiger Missbrauch“ in seiner Bischofsstadt.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-11/oesterreich-missbrauch-kirche-geistig-glauben-abhaengig-guru.html

 

30.11.2019    Missbrauch: Einigung zu Eckpunkten

Die katholische Kirche und der unabhängige deutsche Missbrauchs-Beauftragte Johannes-Wilhelm Rörig haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-11/missbrauch-ackermann-roerig-einigung-aufarbeitung-bistuemer-kirc.html

 

29.11.2019    Männerforscher Klaus Theweleit: «Männer tragen eine 12 000 Jahre alte Gewaltgeschichte im Körper, die in unseren Gesellschaften gepflegt und gefördert wird»

Wie entsteht männliche Gewalt? Klaus Theweleit publizierte in den 70ern Jahren das Buch «Männerphantasien», in dem er die faschistoide Psyche von Soldaten analysiert. Mit der NZZ sprach er über toxische Männlichkeit, die feministische Bewegung und sexistische Prägungen aus der Vergangenheit, die bis heute unser Denken bestimmen.

https://www.nzz.ch/feuilleton/klaus-theweleit-maenner-tragen-eine-gewaltgeschichte-im-koerper-ld.1524973?mktcid=smsh&mktcval=E-mail

 

28.11.2019    Zitate aus dem Fachinfo von Zartbitter zur aktuellen Lage

Zurzeit holt uns mit Kälte und Regen richtig trübes Wetter ein. Nicht nur das: Auch überrollt uns alle der Skandal um Täternetzwerke in den sozialen Medien. Im Oktober hatten wir Mitarbeiter*innen von Zartbitter noch gehofft, dass es nach unserer großen Fachtagung „Respekt für dich!“ am 01.10.2019 bei Zartbitter wieder etwas ruhiger werden würde. Aufgrund der Vorbereitungen zur Premiere unseres neuen Jugendtheaterstücks „Respekt für dich!“ waren viele Arbeiten liegen geblieben. Doch kaum hatten wir etwas Luft geholt, da liefen Ende Oktober in den Nachrichtenagenturen die Meldungen über die Verbreitung von Missbrauchsvideos durch jugendliche Täter und wenige Tage später über die Produktion und den Vertrieb von Missbrauchsabbildungen in einem Chatroom mit 1800 Usern über den Ticker. Entsprechend groß ist seither die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Nicht wenigen Fachkräften und Eltern wurde bewusst, dass sie in der Vergangenheit Hinweise von Kindern auf digitale Ausbeutung verdrängt haben. Viele griffen zum Telefon und suchten fachlichen Rat. Anderen war es ein Anliegen, darüber zu sprechen, wie sehr es sie erschüttert, dass nach Lügde nun innerhalb eines Jahres ein Missbrauchsfall noch größeren Ausmaßes bekannt wurde.

Das deutlich gestiegene öffentliche Problembewusstsein bezüglich der (digitalen) sexuellen Ausbeutung von Kindern und die damit verbundene Aufdeckung von aktuellen Fällen ist zweifelsfrei im Sinne des Kinderschutzes eine sehr positive Entwicklung.  Auch hatten wir bereits damit gerechnet, dass nach Lügde weitere massive Fälle sexuellen Missbrauchs aufgedeckt würden. Nicht umsonst hatten wir unser Statement für die Expert*innenanhörung im Landtag NRW mit „Lügde ist kein Einzelfall“ getitelt. Gleichwohl sind wir Zartbitter- Mitarbeiter*innen ebenso wie Kolleg*innen anderer Fachberatungsstellen in den letzten Wochen wiederholt an unsere persönlichen Grenzen gestoßen: Die Häufigkeit der Konfrontation mit Fallschilderungen extrem gewalttätigen Missbrauchs, geht auch an uns nicht spurlos vorüber. Nicht nur die Polizisten, die bezüglich des bundesweiten Täter-Netzwerkes ermitteln, auch wir waren und sind immer wieder schockiert – insbesondere über Beratungsanfragen um Unterstützung in Fällen, in denen bereits Kinder im Grundschulalter wiederholt eindeutig kinderpornografische Produkte produzieren. Aufgrund der Aktualität der Problematik werden wir Anfang des Jahres 2020 eine Zartbitter-Fachinfo zusammenstellen, in der wir speziell über pädagogische Konzepte der Prävention digitaler sexueller Ausbeutung informieren.....
Thomas Schlingmann, Tauwetter Berlin e.V., Begründer der ältesten Beratungsstelle für Männer, die in Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt erlitten haben, forderte ebenso wie Ursula Enders die Einrichtung von unabhängigen Ombudsstellen zur Aufarbeitung sexueller Gewalt in Institutionen. Es könne nicht sein, dass die Aufarbeitung von Missbrauch in Institutionen weiter in den Händen der Träger liege, die zum Tatort wurden – das habe uns nicht zuletzt die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der katholischen und evangelischen Kirchen gelehrt.

Ursula Enders machte nachdrücklich darauf aufmerksam, dass in der Praxis Institutionen bei der Entwicklung institutioneller Schutzkonzepte weitgehend allein gelassen werden. Bisher veröffentliche „Handreichungen“ würden fast durchgängig lediglich Bausteine von Schutzkonzepten skizzieren, würden jedoch den Bedarfen des pädagogischen Alltags nicht gerecht. Insbesondere würde sexualisierte Peergewalt in institutionellen Schutzkonzepten maßgeblich vernachlässigt.

 

28.11.2019   Salesianerorden: Versetzung von Täter nach Afrika schien "angemessen"

Vergangene Woche waren Missbrauchsvorwürfe gegen den in Zentralafrika eingesetzten belgischen Salesianerpater und Caritas-Direktor Luk Delft bekannt geworden. Jetzt hat sein Orden zu dem Fall Stellung bezogen – und sich verteidigt.

https://www.katholisch.de/artikel/23736-salesianerorden-versetzung-von-taeter-nach-afrika-schien-angemessen

 

28.11.2019   Vertuschung: Weihbischof belastet Altbischöfe Lettmann und Tenhumberg

Der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn wirft der ehemaligen Bistumsleitung Vertuschung von Missbrauch vor. Er selbst habe von den Vorfällen gewusst und sie gemeldet – erfolglos. Belastet werden dadurch insgesamt drei frühere deutsche Bischöfe.

https://www.katholisch.de/artikel/23737-vertuschung-weihbischof-belastet-altbischoefe-lettmann-und-tenhumberg

 

27.11.2019   Warum Papst Franziskus Rihanna und Kardinal Burke braucht

http://roemischekorrespondenz.blogspot.com/2018/05/warum-papst-franziskus-rihanna-und.html

 

Der Artikel ist eine wunderbare Ergänzung zum Link unter Aktuellem vom 24.11.2019 "Ästhetik der Macht: Zur textilen Hermeneutik der „Generation Benedikt“. Er ist ausdrücklich keine Satire. Und man lernt Dinge, auf die man alleine so auch nicht gekommen wäre.

 

27.11.2019   Missbrauch in der katholischen Kirche: Der Herr vertröste dich

Teilnehmerinnen einer Tagung zu Gewalt gegen Frauen in der Kirche sprechen von einem „historischen Moment“. Die Bischöfe spielen weiter auf Zeit.

https://taz.de/Missbrauch-in-der-katholischen-Kirche/!5640628/

Der TAZ Artikel ist grundsätzlich freigeschaltet, wenn man auf "Zahl ich" oder auf "gerade nicht" drückt. Die Zeitung braucht Geld für Ihre guten Recherchen. Aber es ist jedem freigestellt, wie viel und ob er bezahlt.

 

27.11.2019   Mit Aufklärung des Missbrauchs betraut und selbst beschuldigt

Vom Papst wurde der Bischof von Brooklyn, Nicholas Anthony DiMarzio, mit der Untersuchung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch katholische Geistliche in Buffalo betraut. Noch bevor DiMarzio jedoch seinen Bericht dazu veröffentlichen konnte, wurde er selbst des Missbrauchs eines damals minderjährigen Jungen in den 1970er Jahren beschuldigt. DiMarzio widerspricht den Anschuldigungen.

https://hpd.de/artikel/aufklaerung-des-missbrauchs-betraut-und-selbst-beschuldigt-17451

 

27.11.2019  Geistlicher Missbrauch: Priester und ihre Macht

Die Skandale um sexuellen Missbrauch beuteln die römisch-katholische Kirche seit Jahrzehnten. Es tut sich einiges in Sachen Aufklärung und Prävention. Doch wenigen ist bewusst, dass Missbrauch auch auf geistiger Ebene stattfindet.

https://religion.orf.at/stories/2993895/

 

26.11.2019  Argentinien: Erzdiözese drückt Solidarität mit Missbrauchsüberlebenden aus

Die Justiz in Argentinien hat zwei katholische Priester wegen schweren sexuellen Missbrauchs an gehörlosen Kindern zu Haftstrafen von 42 und 45 Jahren verurteilt. Die Ereignisse haben „die gesamte Gesellschaft von Mendoza“ erschüttert, heißt es in einer Aussendung der Erzdiözese am Montag (Ortszeit)

https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2019-11/argentinien-erzdioezese-solidaritaet-missbrauchsopfer.html

 

26.11.2019   Den Konservativen ein Dorn im Auge: der Kirchenhistoriker und Priester Hubert Wolf wird 60

Hubert Wolf ist ungemein produktiv. Seine Bücher zur Geschichte der katholischen Kirche ermöglichen überraschende Erkenntnisse. Jetzt wird der Wissenschaftler und Priester 60. Und im Vatikan-Archiv öffnen sich neue Akten.

 

Unserer Meinung nach Hubert Wolfs bestes Buch: Die Nonnen von Sant' Ambrogio. Eine wahre Geschichte

Aufschlussreich und spannend wie ein Krimi. Eine Geschichte um Missbrauch an Nonnen. Siehe unseren Hinweis unter "Literatur"

 

26.11. 2019   Bischof Zanchetta will mit Staatsanwaltschaft kooperieren

Die argentinische Justiz ermittelt gegen Kurienbischof Gustavo Zanchetta wegen sexuellen Missbrauchs und Unterschlagung. In der letzten Zeit soll er "unauffindbar" gewesen sein. Doch nun kündigt Zanchetta an, nach Argentinien zu reisen – freiwillig.

https://www.katholisch.de/artikel/23705-wieder-da-bischof-zanchetta-will-mit-staatsanwaltschaft-kooperieren

 

25..11.2019   Strafen, Fristen, Täter: So geht das Kirchenrecht mit Missbrauch um

Gerade im Zuge der MHG-Studie wurde intensiv über Strafen für Priester diskutiert, die sexuellen Missbrauch begangen haben. Katholisch.de erklärt, was das Kirchenrecht in solchen Fällen vorsieht – und wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum staatlichen Recht liegen.

https://www.katholisch.de/artikel/23674-strafen-fristen-taeter-so-geht-das-kirchenrecht-mit-missbrauch-um

 

25.11.2019   Missbrauch- Taten ohne Täter

Der körperbehinderte Niels wurde in einem Internat von einem Mitschüler vergewaltigt. Der Junge galt als nicht strafreif, und laut Gerichtsurteil trifft auch die Erzieher keine Schuld. Niels Eltern kämpfen um eine Entschädigung und eine Entschuldigung – eine Lebensaufgabe.

https://www.deutschlandfunk.de/missbrauch-taten-ohne-taeter.2540.de.html?dram:article_id=450217

 

25.11.2019   Auch Bischof Overbeck aus dem Bistum Essen entschuldigt sich für Nichtstun und Vertuschung. Kardinal Woelki erbittet ebenfalls Vergebung: „Ich schäme mich für das, was hier geschehen ist“

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat im Umgang mit einem wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Ruhestandsgeistlichen in einer Pfarrei in Bochum-Wattenscheider verheerende Fehler seitens des Bistums Essen eingestanden.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-11/deutschland-overbeck-missbrauch-priester-bochum-entschuldigung.html

https://www.ksta.de/koeln/kardinal-woelki-erbittet-vergebung--ich-schaeme-mich-fuer-das--was-hier-geschehen-ist--33514022

 

25.11.2019   Die Kirchen und die Steuer

Der bekannte "Düsseldorfer Aufklärungsdienst" ( https://aufklaerungsdienst.de/) klärt auf:

 

"Wer zahlt keine Erbschaftssteuer?

Richtig: die Kirchen.

Wer zahlt keine Gerichts- und Notariatskosten?

Richtig: die Kirchen.

Wer zahlt keine Grundsteuer und  Grunderwerbssteuer?

Richtig: die Kirchen.

Wer zahlt keine Steuern für Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung?

Richtig: die Kirchen.

 

Allein dadurch sparen sie jährlich sieben Milliarden Euro.

 

Die Abschaffung solcher Privilegien wäre mehr als zeitgemäß. Denn die Kirchen nehmen jährlich fast 13 Milliarden Euro an Kirchensteuer ein und pflegen weiterhin die Caritaslüge, die da sagt, dass unser soziales Gesundheits- und Pflegesystem ohne die Kirchen zusammenbrechen würde. Tatsächlich ist es aber so, dass beide Kirchen zu den Etats von Caritas und Diakonie weniger als 2 % beisteuern. Den Rest zahlen Versicherungsträger und der Staat.

 

 

Kann auch als ein Beitrag zur Diskussion um die Entschädigung von Missbrauchsopfern gelesen werden.