Gästebuch

 

 

Willkommen beim Gästebuch des Vereins „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V.“

 

Hier können Sie uns gerne die Meinung sagen, Anregungen und Hinweise geben, Diskussionen anregen! Wir behalten uns vor, beleidigende Texte oder Texte, die sonstwie juristisch problematisch erscheinen (wie z.B. Klarnamen von nicht verurteilten Tätern) zu löschen. Wenn Sie mit uns persönlich (ausschließlich Vereinsvorstand) Kontakt aufnehmen wollen, benutzen Sie bitte das Kontaktformular. Persönliche Mitteilungen erscheinen nur dann im sog. Gästebuch, wenn Sie das ausdrücklich wünschen.

 

Wenn Sie einen Eintrag ins Gästebuch vornehmen, erfahren auch wir als Websitebetreiber nicht den Absender der Eintragung. Benutzen Sie gerne einen Decknamen.

 

 

 

Kommentare: 59
  • #59

    Wolfgang Schmidt (Mittwoch, 27 März 2019 18:32)

    ich bin sehr überrascht, dass Du dir die Zeit nimmst, mir so ausführlich zu antworten.

    Ich habe kein Problem, wenn Du meine Nachricht, wo und wem auch immer, öffentlich machst. Anonym ist nicht notwendig, da ich zu dem stehe, was ich erlebt und niedergeschrieben habe.

    Ich kann aus Deiner Antwort herauslesen, dass Du ebenso zerrissen bist über die Zeit, die wir „unnütz“ im Kloster verbracht haben. Bei mir waren es nur 3 1/2 Jahre. Ja, es gab schöne Momente und auch schlimme Tage in dieser Zeit.

    In Bous war ich eigentlich glücklich und zufrieden, sobald ich nach den Ferien das Heimweh überwunden hatte. Ich konnte dort meinen Traum leben, Gott nahe zu sein und mich darauf vorzubereiten, einmal Priester zu werden. Auch waren die Freizeitaktivitäten über dem Rahmen dessen, was man damals erwarten konnte. Dass eine gewisse Strenge und Ordnung herrschte, war für mich Teil des Weges zu meiner priesterlichen Zukunft. Unser Pater Schmitt war für mich das kleinste Problem. Er war ja manchmal, wenn auch selten, ganz lieb.

    Ganz anders war es in Bonn. Dort gab es keine familiäre Wärme. Die einzigen Bezugspersonen waren die Internatskollegen. Ich hatte dann massive Probleme mit meiner Einsamkeit, insbesondere nachts habe ich häufig in mein Kissen geheult und wollte nur nach Hause. Doch es wurde einem suggeriert, dass man ja zu den „Berufenen“ gehörte und alles war nur eine Prüfung Gottes, die man bestehen musste, wollte man denn sein Diener sein.

    Dann kam mein Zusammentreffen mit Pater Weltzel. Ich hatte einen jüngeren Mitschüler unabsichtlich verletzt. Dies war für Pater Weltzel ein Grund, mich so niederzumachen, dass ich extrem geschockt war und nur noch nach Hause in den Schutz der Familie wollte. Um das zu erreichen, habe ich den einfachsten Weg genommen und gegenüber meinem „Gruppenpater“ (ich weiß nicht mehr, wie er sich tatsächlich nannte, ich glaube, es war Pater Weber????) erklärt, dass ich nicht mehr die Überzeugung hätte, zum Priester berufen zu sein. Das hat auch wunderbar geklappt und ich konnte dann auf einem weltlich Gymnasium meine Schulausbildung fortsetzen.

    Allerdings gebe ich Dir Recht, dass es ein sehr schwerer Weg war, den Anschluss an meine weltlichen Klassenkameraden zu finden. Nur in Latein war ich der Superstar. Alle anderen Fächer musste ich mir erarbeiten. Und das wichtigste war: Meine Klassenkameraden waren alle in weltlichen Dingen wesentlich aufgeklärter als ich. Ich kam als 13-jähriges naives Kind aus dem Kloster. Die fehlende Reife habe ich dann schnellstens nachgeholt und war so mit 15 Jahren auf gleicher Höhe.

    Später habe ich mich gefragt, warum ich so lange so naiv war und den Patres den ganzen Unsinn geglaubt habe, mit dem sie uns alle willig und gefügig gemacht haben. In Summe kann ich jedoch sagen, dass mir aus der Klosterzeit für mein späteres Leben gottseidank keine seelischen Probleme geblieben sind. Später habe ich geheiratet, 3 Kinder und bis heute 4 Enkel bekommen. Ich bin pensionierter Diplom-Ingenieur und war in meinem Beruf sehr erfolgreich. Allerdings habe ich mich von der katholischen Kirche komplett abgewandt.

    Ich habe aus dieser Zeit im Sommer 1962 noch ein Bild, das ich Dir als Anlage übersende. Wir waren damals die UIII (Untertertia griechisch). Ich meine, mich an Deinen Namen erinnern zu können. Solltest Du dich auf dem Foto wiedererkennen oder Kontakt zu anderen haben, wäre ich Dir für eine kurze Info sehr dankbar. Ich hatte vor Jahren mal versucht, mit einigen Klassenkameraden aus Bous Kontakt aufzunehmen, aber vergeblich. Vielleicht wollten diese auch nicht mehr an die Zeit erinnert werden, was ich sehr nachvollziehen könnte.

    Ich bin sehr gespannt über die weitere Entwicklung in dieser unangenehmen Angelegenheit und wünsche Dir und Deinen Mitstreitern Stehvermögen. Und lasst Euch nicht unterbuttern.

  • #58

    admin (Mittwoch, 27 März 2019 18:30)

    Lieber Wolfgang.

    Ich darf dich als ehemaligem Mitschüler duzen, vermute ich mal. Ich finde es so einfach passender.

    Ganz herzlichen Dank für Deine aufbauenden Worte. Tatsächlich brauchen wir solche, weil wir doch oft im knietiefen Kirchen- und Klosterschlamm waten und nicht selten auch überlegen, wofür tun wir das alles eigentlich. Mit Deiner Mail wird das deutlich: Damit wir uns erinnern wollen und können und damit wir verhindern, dass Solches oder Ähnliches jemals Kindern noch einmal widerfährt. Ja. Wir brauchen Zuspruch.

    Du sprichst uns sehr aus dem Herzen, insofern du die wesentlichen Dinge so schlicht und so nachhaltig ansprichst. Ja. Wir wollten Priester und gute Menschen werden (und ich hoffe, dass wir letzteres auch ein wenig umsetzen konnten.) – und gerade diese Wünsche ließen uns zum Opfer werden. Opfer im weitesten Sinne wurden viele, die die Internate der Redemptoristen besuchten, Opfer von Gewalt in welcher Form auch immer. Manche traf es extrem, so dass sie das Leben für Ihre Zukunft nicht mehr ertrugen. Manche weniger heftig. Nachhaltig waren aber unsere kindlichen Erfahrungen für uns alle.
    Und Du beschreibst so auf den Punkt, was uns daran hinderte, uns zu wehren bzw. zu reden: es waren die Stellvertreter Gottes auf Erden und ihre „heilige“ Macht, die uns die Gefühle für das, was recht ist, verdrehten. Und der Zeitgeist entschuldigt nichts. Ihre Verantwortung für das, was sie taten, hatten sie auch damals schon- und immer konnten sie auch anders handeln wie andere eben auch anders gehandelt haben. Danke für die Worte.

    Gerne würde ich Deine Mail im Gästebuch unserer Homepage veröffentlichen. Gerne auch anonymisiert mit einem Kunstnamen oder wie du das wünschst. Deine Mail wird vielleicht auch andere ermutigen, einfach zu erzählen- ohne sich gleich in den großen Kampf mit sich oder der Kirche zu begeben. Mit Deiner Mail bestätigst Du, was wir schon länger wissen, dass auch in Bous die Welt nicht ganz in Ordnung war, so wie wir das am Anfang unserer Arbeit noch erhofften. Du bestätigst, was andere über Pater Schmitt oder eben auch Pater Niessen berichtet haben. Du trägst damit dazu bei, dass andere Betroffene, ihren Erinnerungen zu trauen wagen. Und das ist nicht so unverzichtbar für die Entwicklung einer guten Identität und wichtig zur Gesunderhaltung auch im Alter.

    Du machst mich natürlich auch neugierig. Neugierig, zu erfahren, warum Du nach einem halben Jahr Bonn verlassen hast. Gerade diese Abbrüche sind unserer Erfahrung nach für viele Mitschüler so ungeheuer bedeutsam gewesen, weil sie unter Umständen mit Schimpf und Schande sich zu Hause einfinden mussten, wegen der enttäuschten Eltern oder wegen der sich nun auftuenden Schulprobleme. Gerade für Kinder aus dem Saarland, die das Internat in Bonn verlassen mussten, tat sich schon allein das große Problem auf, ein erreichbares Gymnasium zu finden. Die meisten erlebten den Abbruch als persönliches Versagen- mit aller Scham den Eltern, den Verwandten, der Nachbarschaft gegenüber.

    Von Bedeutung ist für uns auch Dein Satz über die Eltern („Und meine Eltern waren der festen Überzeugung, dass sie mir etwas Besonderes bieten. Und ich wollte auch so ein „heiliger Priester und guter Mensch“ werden.), weil wir uns bei unserem Treffen am kommenden Freitag, genau damit beschäftigen wollen: mit der Rolle der Eltern im Zusammenhang mit dem Geschehen im Internat. Mit ihrer Verantwortung (manchmal auch Verantwortungslosigkeit durch Schweigen und eigenes Beschuldigen ihrer Kinder) genauso wie mit ihrer Hoffnung, die sie genau mit diesem Internat verbanden.

    Vielleicht magst Du auch Deine Zustimmung dazu geben, dass ich Dein Schreiben an den unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Ordens Niehüser weitergebe- es vervollständigt seine Sicht auf die damalige Zeit und erleichtert ihm die Kommunikation mit anderen Betroffenen. Es gibt tatsächlich mehr „Opfer“, die ihren eigenen Erinnerungen und sich selber nicht wirklich trauen, als dass es Opfer gibt, die wagen, auch sich und vielleicht auch anderen zu bezeugen, was sie erleiden mussten.

  • #57

    Wolfgang Schmidt (Mittwoch, 27 März 2019 18:24)

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bekomme seit einiger Zeit Ihren Newsletter zu dem Vorgängen am CoJoBo.

    Ich war von 1959 bis 1962 in Bous als Schüler am Kolleg Heiligenborn und in 1962 für ein halbes Jahr in Bonn am Collegium Josefinum.

    Obwohl ich Ihre Berichte lese und verstehe, kann ich immer noch nicht glauben, dass solche ungeheuerlichen Dinge in einem katholischen Kloster passiert sind. Und ich war mittendrin in diesem abscheulichen Sumpf. Und meine Eltern waren der festen Überzeugung, dass sie mir etwas Besonderes bieten. Und ich wollte auch so ein „heiliger Priester und guter Mensch“ werden.

    Aus meiner Erinnerung kann ich mich an die Unberechenbarkeit und Unbeherrschtheit von Pater Schmitt in Bous erinnern, u.a. an einen Vorfall, wo dieser ohne ersichtlichen Grund einen älteren Mitschüler mehrfach massiv ins Gesicht geschlagen hat. So intensiv, dass ihm sein geliebtes Brevier auf den Boden gefallen ist. Ansonsten musste man immer darauf gefasst sein, dass er schlechte Laune hatte (lt. Pater Niessen zu entschuldigen wegen angeblicher Kopfschmerzen) und uns Schüler dies spüren ließ.

    Vom Direktor, Pater Niessen kann ich nur Positives berichten. Ebenso über Pater Kühn. Beide waren für mich immer Vorbilder und Lehrer im besten Sinn.

    Aus meiner kurzen Zeit in Bonn kenne ich einige der geschilderte Vorgängen von Hörensagen. Selbst erlebt habe ich solche sexuellen Übergriffe nicht, soweit ich mich erinnere. Z. B waren die Pornoheftchen allgemein bekannt und bei einigen älteren Mitschülern auch nicht unbeliebt. Ich selbst war damals noch zu jung für solche Dinge.

    Pater Welzel ist mir allerdings in sehr negativer Erinnerung, da ich von ihm auch eine Runde Prügel erhalten habe. Damals war ich allerdings so naiv, dass ich davon ausgegangen bin, ich hatte es sicherlich auch verdient. Schließlich bekam man die Prügel von einem Vertreter Gottes auf Erden, der ja bekanntlich „ohne Fehler“ war.

    Wenn ich mich heute so zurückerinnere, mit welchen ehrfürchtigen Gefühlen man diesen Menschen gegenübergetreten ist, überkommt mich eine unglaubliche Wut. Diese „Erzieher“ waren erwachsene Menschen und haben genau gewusst, was sie taten. Und trotzdem haben sie die Unverfrorenheit besessen, zeitweise ihr „heiliges Gesicht“ aufzusetzen und so zu tun, als ob sie der bösen Welt nur Gutes bringen wollten. Mögen diese Menschen in der Hölle schmoren für das, was sie vielen Kindern angetan haben.

    Bleiben Sie am Ball, damit sich so etwas bei unseren Enkeln und Urenkeln nicht wiederholt. Vielen Dank für Ihr Engagement.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Schmidt

  • #56

    admin (Montag, 03 Dezember 2018 10:22)

    Die Schule bzw. das Internat befand sich mit Postadresse Bonn, Schiffelingsweg 43

  • #55

    ehem. Schüler CoJoBo (Donnerstag, 29 November 2018 20:11)

    (Teil 1 von 3)
    Während eines Jahrzehnts meiner Kindheit wohnte ich wenige hundert Meter Luftlinie von einer Einrichtung mir damals unbekannten Namens, in der Patres und Schüler waren. Es war ein Neubau, die kleinen Bäume im Park darum warfen noch kaum Schatten, und alles war hell – aber trotzdem war es ein dunkler Ort: Wenn wir daran vorbeikamen, wurde nichts Konkretes gesagt, aber die Jungen hätten es da schwer, die Patres seien sehr streng und ähnliches. Das passte nicht zu dem „freudig erlöst“, den man eigentlich von einer christlichen Einrichtung erwartet hätte. Es war auch nie die Rede davon, ich könne später vielleicht einmal dorthin gehen, wenn ich älter wäre, wie das bei diversen anderen Schulen der Fall war. 1984 wurde die Einrichtung aufgelöst. Obwohl es sich um einen relativ neuen Bau in guter Lage handelte, fand sich viele Jahre lang kein Interessent dafür. Dann zog schließlich eine Seniorenresidenz ein. (An dieser Stelle sollte ich aufgrund der Parallelen einwerfen, dass es sich nicht um das CoJoBo-Internat handelte.) Weil ich im Ohr hatte, dass „da was war“, wollte ich nach Informationen dazu sehen. Eine Anfrage bei der Seniorenresidenz nach dem Vornutzer des Gebäudes ergab: Schweigen. Was hätte diese Mauer des Schweigens bewirkt, wenn ich für meinen Großvater oder Vater einen Betreuungsplatz gesucht hätte, und er es zwar mitbekommen hätte, mir aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkung aber nicht mehr hätte sagen können, er wäre dort früher gewesen und wolle dorthin auf keinen Fall zurück?

    Schließlich gelangte ich über einen alten Stadtplan an die Bezeichnung der Einrichtung: Sankt Ludwig Kolleg der Franziskaner-Minoriten in Bonn. Danach war es kein Problem mehr, Informationen dazu zu finden (einige Links am Ende dieses Beitrags), die meinen Eindruck vollständig bestätigten. Ich gebe sie hier zusammengefasst wieder:

    Das St. Ludwig Kolleg wurde Anfang der 1960er Jahre von Pater Damian Mai gegründet und bestand am Minoriten-Kloster in der Bonner Brüdergasse, bevor es 1969 in den Neubau am Bonn-Endenicher Kollegienweg umzog (der vor Ansiedlung des Kollegs natürlich noch nicht Kollegienweg hieß, sondern zum Schiffelingsweg gehörte – die Straße „Am Josephinum“ hieß früher sicher auch anders). P. Mai war Rektor des Kollegs und des Internates. „Als schon 1976 in Bonn Vorwürfe gegen ihn laut geworden waren, hatte sich der Beschuldigte zwar selbst bei der hiesigen Staatsanwaltschaft angezeigt, war aber 1977 ans katholische Internat in Würzburg gewechselt. Die Staatsanwaltschaft Bonn hielt 1980 fest, dass keine strafrechtlich relevanten Taten vorlägen.“ (http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/%C3%9Cbergriffe-auch-am-St.-Ludwig-in-Endenich-article18762.html) Die Parallele zu andern Schulen/Internaten wäre erschreckend, wenn man sie nicht schon fast erwarten würde: Es werden Beschuldigungen laut, der Beschuldigte wechselt den Tätigkeitsort (um nicht zu sagen: Tatort), und eine strafrechtliche Aufarbeitung findet nicht statt. Am neuen Tätigkeitsort ist der Beschuldigte weiterhin in der Jugendarbeit aktiv (hier: Internat, Diözesankaplan der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ), geistlicher Begleiter der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Sport und des Ortsverbands Würzburg der Deutschen Jugendkraft (DJK)). Es sollte eigentlich niemanden, erst recht nicht seinen Orden, überraschen, wenn auch für den neuen Tätigkeitsort „weitere Betroffene auch für die Jahre 2000 und 2001 Übergriffe des 76-Jährigen meldeten“ (ebenda).
    Zu P. Damian Mai’s Bonner Zeit hatte ein Opfer sexuelle Belästigung angegeben und „Drei weitere Betroffene bestätigen, dass Pater Damian Jugendliche drangsaliert, auf den Mund geküsst und in Betten zu »Ringkämpfchen« in Unterwäsche animiert habe.“ (ebenda) Dann kam heraus, dass selbst 1976 nicht die ersten Vorwürfe waren: „Schon 1971 hatten Bonner Eltern seine Versetzung gefordert, eben wegen dieser Ringkämpfe mit Schülern in Unterhose und weiterem“, wie der „zweite Mann“ (1964-1974) unter Pater Damian Mai berichtet (http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Spuren-eines-Seelenverderbers-article19053.html). Sein damaliger Mitbruder „habe damals mit seinem dominanten Chef auch seine liebe Not gehabt“, ließ sich von seinem Chef aber beruhigen und wurde dadurch selbst seiner eigenen Einschätzung nach mitschuldig, weil er seine Schüler nicht schützen konnte.
    Während der Ermittlungen 1971 ist der Beschuldigte an einem anderen Ort, eine ernsthafte Prüfung und Verfolgung der Vorwürfe findet nicht statt, und dann ist er wieder an alter Stelle: „Obwohl Eltern ihre Söhne vom Kolleg nahmen, konnte der von Vorwürfen belastete Pater bis 1977 in Bonn sowie bis vor kurzem in den Bistümern Würzburg und Bamberg ungehindert für Heranwachsende zuständig sein.“ (ebenda)

  • #54

    ehem. Schüler CoJoBo (Donnerstag, 29 November 2018 20:10)

    (Teil 2 von 3)
    Zitat von http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Spuren-eines-Seelenverderbers-article19053.html

    "Seelenverderber" habe dieser Tage eines der Opfer den Täter ihm gegenüber genannt, berichtet der ehemalige Kollege. "Ich weiß selbst, Pater Damian war schon in seiner Bonner Zeit völlig uneinsichtig - wie heute." Der Pater erhielt 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
    Ein Opfer aus der Endenicher Zeit, das sich auf den Bericht im GA hin meldete, spricht von diesen erzwungenen halb nackten Rangeleien mit dem Franziskaner, davon, wie einer der Internatsjungen Damian Mai sexuell erregen musste.
    Er selbst habe sich damals ganz nah vor den Pater stellen sollen, als der am Schreibtisch gesessen und ihn fordernd gefragt habe: "Liebst du mich?" Dann habe der Mann ihn links und rechts am Kopf gepackt und "abgeknutscht".
    Er habe damals Angst gehabt und nur gedacht, sein Vater sage so etwas aber ganz anders als dieser Geistliche. Da er ein recht selbstbewusster Junge gewesen sei, habe er dem Pater später ausweichen können. "Ich bin aber 100 Prozent sicher, dass er es bei vielen Mitschülern, die schüchterner waren, immer wieder versucht hat", sagt der Mann, der wie die anderen Jungen morgens ins Beethovengymnasium ging.
    Zumal, und das ist ebenfalls neu im dunklen Bonner Kapitel des Ordens, Pater Damian Mai ja auch schon Jahre zuvor Heranwachsende "fast zerbrochen" haben soll, wie es ein anderer GA-Leser berichtet.
    Bevor der Neubau 1969 in Endenich bezogen wurde, hatte das Sankt Ludwig Kolleg seit Anfang der 60er Jahre am Kloster an der Brüdergasse bestanden. Der ehemalige Internatsschüler von 1965/66 erzählt nun von regelmäßigen drakonischen Strafaktionen des Rektors.
    Mit den Knoten der Franziskanerkordel habe er die Jungen sadistisch geschlagen. Und dann habe er den Jungen, wenn sie zum Urinieren an der Rinne standen, immer zugeguckt. Beim Schwimmenlernen habe er ihnen permanent zwischen die Beine gegriffen. "Da hat man sich zwar gedacht, die Hand hat da nichts zu suchen. Aber welcher Elfjährige hat darüber gesprochen?"
    Ihm sei erst jetzt richtig klar geworden, "was für ein ausgekochter Mistkerl das war. Wir dienten dem zum Vergnügen." Nach dem GA-Bericht habe er vor dem Ex-Kolleg gestanden. "Was da geprügelt und geschrien wurde. Das war eine geschlossene Welt."
    Zitat Ende.

    „Die Knaben sollten »hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie Windhunde« werden, habe der Pater sein Erziehungsziel beschrieben. »Ich hielt den Spruch lange Zeit für ein katholisches Erziehungsideal«, sagt der Ex-Schüler. Später habe er erfahren, dass es ein Ideal der Hitlerjugend gewesen sei.“ (http://www.fr.de/panorama/franziskaner-orden-pater-kuesste-schueler-a-1051257)

    Strafrechtlich belangt wurde P. Mai nie: „Die staatlichen Ermittlungen gegen den heute 83-Jährigen wurden den Angaben nach im August 2010 eingestellt, meist wegen Verjährung.“ (https://www.welt.de/regionales/bayern/article170075920/Glaubenskongregation-bestaetigt-Strafe.html) Immerhin kommt es zu kirchenrechtlichen Strafen (ebenda).

    In einer geschlossenen Welt gibt es (mindestens) einen Täter, der entweder selber der Leitungsebene angehört oder von dieser nicht gestoppt wenn nicht gar gedeckt wird, es werden Vorwürfe laut, es passiert entweder gar nichts oder der Täter wechselt den Ort, wo er prompt wieder Zugriff auf Heranwachsende erhält. Der Täter ist nicht nur uneinsichtig, sondern bekommt sogar noch das Bundesverdienstkreuz (P. Damian 2008). Wegen Verjährungsfristen (oder weil das Wort der Opfer gegen das Wort des Täters steht und es häufig keine Zeugen des Missbrauchs gibt) kommt es zu keiner Verurteilung. Wenn das ein Einzelfall wäre, wäre es schon erschütternd. Wenn man aber den Eindruck bekommen kann, dass Missbrauch an Schulen/Internaten, v. a. von Orden betriebenen, eher die Regel als die Ausnahme war (alleine im Bonner Raum: Collegium Josephinum Bonn (CoJoBo, Redemptoristen, https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/), Aloisiuskolleg (AKO, Jesuiten, https://de.wikipedia.org/wiki/Aloisiuskolleg#Missbrauchsf%C3%A4lle), ehemaliges Collegium Josephinum in Bad Münstereifel (Erzbistum Köln, http://www.pro-cj.de/), ehemaliges Rheinbacher Vinzenz-Pallotti-Kolleg/Internat St. Albert (Pallottiner, http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/Missbrauchsf%C3%A4lle-am-Rheinbacher-Pallottiner-Internat-article17126.html), ehemaliges St. Ludwig Kolleg der Franziskaner-Minoriten in Bonn), so ist es ein komplettes System, das versagt hat, mitschuldig wurde, und geändert werden muss. Dass Ordensangehörige (die nicht gleichzeitig im Diözesandienst waren) bei der MHG-Studie (https://www.zi-mannheim.de/forschung/forschungsverbuende/mhg-studie-sexueller-missbrauch.html) nicht betrachtet wurden, erscheint vor diesem Hintergrund nicht nur unverständlich, sondern irgendwo zwischen fahrlässig und vorsätzlich falsch.

  • #53

    ehem. Schüler CoJoBo (Donnerstag, 29 November 2018 20:09)

    (Teil 3 von 3)

    Quellen:

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/%C3%9Cbergriffe-auch-am-St.-Ludwig-in-Endenich-article18762.html

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Spuren-eines-Seelenverderbers-article19053.html

    http://www.fr.de/panorama/franziskaner-orden-pater-kuesste-schueler-a-1051257

    https://www.welt.de/regionales/bayern/article170075920/Glaubenskongregation-bestaetigt-Strafe.html

  • #52

    Schüler Bous & Bonn (Mittwoch, 28 November 2018 15:34)

    Korrektur:
    Der Name Niesemann als Leiter des Progymnasiums Bous ist natürlich falsch. Das ist der phonetischen Nachbarschaft geschuldet. Richtig muss es heissen: Pater Niessen.
    Danke an den Administrator für den Hinweis.

  • #51

    Walter (Freitag, 16 November 2018 16:26)

    Oh Mann. das regt mich schon auf. Da schreibt "Bous&Bonn" Sachen auf, die ihn bewegen, Sachen auch, die so gar nicht in Ordnung waren- auch in den 70er Jahren nicht. Und dann reißt er mit den letzten Sätzen nun wirklich die Latte, wenn er behauptet, es ginge doch nur um Einzelfälle. Die Kirche als Ganze in Verdacht zu nehmen, erscheint vielleicht unangemessen, das aber gleichzusetzen mit "Missbrauch" ist töricht und pure Polemik. Und dann in gerader Linie der Argumentation Menschen, die die Verantwortung von Orden und Kirche als Ganzes betonen, zu diffamieren als Leute, die aus vergleichsweise wenigen Einzelfällen eine große Geschichte herleiten oder ihnen geradezu Verfolgungswahn zu unterstellen, wird doch der Wirklichkeit überhaupt nicht gerecht. Weder im Orden der Redemptoristen noch in der Kirche als Ganzer waren die sexuellen Übergriffe Einzelfälle. Jede andere Organisation in Deutschland, die ähnlich viele Straftäter unter sich geduldet hätte wie die Kirche, wäre als "kriminelle Vereinigung" zu verbieten gewesen. Ca. 5% Täter unter den Priestern als unterste Schätzung in der aktuellen MHD- Studie (nicht Gewalt, sondern sexueller Missbrauch) können bei bestem Willen nicht mehr unter Einzelfall subsumiert werden. Selbst Bischöfe sprechen von einem "System" der Verantwortungslosigkeit. Es gibt eine Verantwortung des Ordens (und der Kirche) als Ganzem, begründet in der fehlenden Aufsicht und im Mangel an Sicherheit und Fürsorge für Kinder und Jugendliche. Im Übrigen scheint sich der Orden als Ganzer durchaus heute seiner Verantwortung bewusst zu werden. Beispielhaft für diese Verantwortungslosigkeit auf höherer Ebene sei auf den damaligen Schul- und Internatsdirektor Welzel verwiesen, der nachweislich 1965 von sexuellen Übergriffen des Präfekten W. S. erfahren hat und uns Kinder diesem Teufel noch drei Jahre länger ausgeliefert ließ. Fast meine ich sagen zu müssen, wenn daraus nicht ein "Freibrief für Verfolgung" abzuleiten ist, aus was dann? Allerdings kann ich aus dieser Website an keiner Stelle entnehmen, dass irgendjemand sich einen solchen "Freibrief für Verfolgung" ableitet. Mir sind die Vereinsleute und Websitebetreiber eher wegen ihrer Milde verdächtig. Bis heute habe ich mich nicht beim Verein oder gar beim Orden gemeldet.

  • #50

    admin (Freitag, 16 November 2018 15:51)

    Vielen Dank für Ihren Beitrag.
    Sind Sie sicher, dass Pater Niesemann das Progymnasium in Bous leitete? Das ist uns neu. Vielleicht überprüfen Sie hier noch einmal Ihre Erinnerung und schreiben uns etwas dazu. Möglicherweise verwechseln Sie die Namen Niesemann und Niessen. Wir sind neben der Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch auch immer bemüht um gute Recherche, was die Historie der Internate und Schulen betrifft. Danke

  • #49

    Schüler Bous & Bonn (Freitag, 16 November 2018 03:41)

    [Eintrag/2. Teil]

    Im Internat sah das etwas anders aus. Dort war die Diktion noch immer geprägt vom Heranziehen des Ordens-Nachwuchses. Solange man nicht deutlich Position dagegen bezogen hatte, herrschte Ruhe. Unangenehm wurde es, wenn man sich klar dagegen ausgesprochen hatte - dann reichte die Bandbreite von "Nicht-Mehr-Existieren" bis zu "brennender Hütte". Konflikte wurden nicht ausgetragen - Konflikten wurde man ausgesetzt, teilweise bis an den Rand von Erschöpfung. So durfte ich, einer Handlung bezichtigt, die ich nicht einmal mehr erinnere, mit der ich aber nichts zu tun hatte, den Studiensaal nicht verlassen, weder am Abendessen, noch der Abendfreizeit teilnehmen und musste dort auf dem Boden kauern, weil mir der Präfekt auch das Zubettgehen verweigerte.
    Was die Schule insgesamt an Möglichkeiten einräumte, das durchkreuzte das Internat bisweilen über Diktat, Misstrauen und Unterstellungen - so formt man nicht Menschen, so schränkt man sie ein.
    Die Krankenstation erinnere ich selbst ebenfalls. Im Gedächtnis sind mir dabei die Wadenwickel, die ich als hilfreich erfahren habe und die auch bei meinen Kindern als fiebersenkende Massnahme im hausmedizinischen Portfolio zum Einsatz gekommen sind. Suppositorien wurden mir in den sechs Jahren meiner Bonner Schulzeit zweimal gereicht - aber nicht verabreicht.

    Pater L., den Zauberpater, habe ich in Bous und Bonn bei Gastspielen erlebt. Er war ein arg bunter Vogel im Vergleich zu den "normalen Patres und Präfekten", sein Engagement für die Sinti und Roma haben wir ihm geglaubt und dieser "Paradiesvogel" hatte über die Faszination seines Zauberns, das Signalhorn seines Autos und das Auto selbst.

    Als ich von den Vorwürfen erfahren habe, war ich sehr irritiert - und zugleich betroffen, denn ich erinnerte einige Namen und kannte auch einige Personen, sowohl von Tätern wie Opfern, und war doch fern davon geblieben.
    Die Betroffenheit ist geblieben, die Irritation ebenfalls - insbesondere auch über das langjährige und unverantwortliche Sperren gegenüber Klärung und Aufklärung. Aber das scheint wohl kirchlicher Tradition zu entspringen und dem schmählichen Grundsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Umso bedeutsamer wiegt für mich das Agieren von P. Römelt, den ich bereits als Schüler kannte und P. ten Winkel, der als Präfekt für eine andere, modernere und eher auf Gegenseitigkeit basierende Pädagogik stand. Inwieweit sie dazu bewegt wurden oder sich bewegt haben, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Eines aber ist mir wichtig: aus den Missbrauchsfällen einen Generalverdacht gegen "Kirchenmänner" zu entwickeln und abzuleiten, ist ebenfalls Missbrauch. Das sei insbesondere gegenüber jenen gesagt, die glauben, aus der Missbrauchsgeschichte, die einigen (vergleichsweise wenigen) Menschen anzulasten ist, und nicht gegen Orden oder die Kirche als Ganzes, einen "Freibrief für Verfolgung" ableiten zu können. Jeder Fall ist ein Fall zuviel, und sicher gibt es eine bislang noch immer schweigende/verschwiegene Dunkelziffer, aber der Beitrag, den insbesondere die Ordensschulen und Internate geleistet haben im Sinne der Erreichbarkeit von Bildung und Ausbildung und zur Ausprägung von Persönlichkeit, ist gewaltig, wenn es um Zugang zu Bildungseinrichtungen und Chancengleichheit geht.

  • #48

    Schüler Bous & Bonn (Freitag, 16 November 2018 03:38)

    Zunächst einmal meine Wertschätzung und Anerkennung für den Versuch einer konsequenten Aufarbeitung dieser beschämenden Vorkommnisse.
    [Beim Senden des Beitrags teilte das System mir mit, dass der Eintrag mit über 5.000 Zeichen zu lang sei. Daher teile ich ihn nun auf - in zwei oder mehrere Einträge]

    Ich selbst habe sowohl das Progymnasium in Bous als auch das CoJoBo erlebt. Schulisch wurde ich bestens betreut, gefordert und gefördert - ebenso in meiner persönlichen Entwicklung .... wenn es da nicht diesen jähzornigen und übergriffigen Pater Schmidt gegeben hätte. Unberechenbar und brutal habe ich ihn im Umgang mit anderen erlebt - im Klassenzimmer/Studiensaal, im Repertorium, im Schlafsaal - und auch an mir hat er sich mehrfach vergangen - nicht sexuell, wohl aber durch bewusstes und brutales Überschreiten aller Regeln von Anstand und dem Umgang mit Schutzbefohlenen. Er hat dabei sogar meine Gesundheit auf's Spiel gesetzt - bewusst oder unbewusst, kann und möchte ich nicht bewerten. Als Sohn eines einfachen Handwerkers und Kaufmanns, gehörte ich zu den "FernerLiefen", weder gehörten wir zum Geld- noch zum Gesellschafts-Adel, mein Vater war weder Chefarzt, noch Politiker oder Fabrikant. Einerseits war das gut, weil ich damit nicht ständig im Fokus stand; andererseits war das nachteilig, wenn es etwa das Gewähren von Freiräumen oder aber um notwendige Hilfeleistungen ging.
    Anlässlich eines Unfalls, auf den ich hier nicht näher eingehen mag, zeigte sich das exemplarisch. Das ging, aus späterer Sicht, knapp an unterlassener Hilfeleistung vorbei - und hätte es da nicht die Osterferien und das beherzte Vorgehen eines Dorfarztes am frühen Ostersonntagmorgen gegeben, wäre das für mich wohl nicht gut ausgegangen.
    Pater Niesemann, der das Progymnasium in Bous leitete, kompensierte die "raue Art" von Schmidt in eher feinsinniger Weise - wobei das pädagogische Konzept von stumpfem seriellem Beschreiben von Papierblättern zur Erlangung von Groschen für die kostenpflichtigen Spielgeräte ebenso geheimnisvoll blieb wie die Züchtigung mit dem Rohrstock, in die man schriftliche Strafarbeiten "wechseln" konnte. Eine Badehose anstelle der Unterhose und darin ein Blatt Papier sollten dem Rohrstock die Schärfe nehmen - darauf schwörten "Serienwechsler" - ich bemerkte keinerlei Unterschied: das Eine wie das Andere blieb schmerzhaft.
    Randnotiz: Weder ein anlässlich der Ersten Hl. Kommunion zum Geschenk erhaltener Karl-May-Band noch die Reise des Nils Holgersson mit den Wildgänsen wurde als persönliche Lektüre erlaubt - ich musste mit "R-Büchern" (Heiligenlegenden und religiöse Bücher) Vorlieb nehmen und mich in der Quarta dann um die wenigen "Q-Bücher" (u.a. Hans Dominick, Jules Verne) bewerben.
    Auf die "Lager-Romantik" (mehr Lager als Romantik) in Bous, erschien Bonn wie der Wechsel in die Freiheit. Das änderte sich jedoch bald.

    Während ich die Schule als geniale Bildungseinrichtung in Erinnerung habe (mit Ausnahme eines gewissen Herrn Koeb, der seine fragwürdige politische Gesinnung zum Lehrinhalt erklärt hatte und einem gewissen Michael Kühnen ungemeinen Freiraum zukommen liess, während er jeden, der sein Tun hinterfragte, abstrafte und niederzumachen wusste).
    Das schulische Programm und ebenso die Vielfalt an AG's waren für mich prägend. Musik, Theater, Kunst, Biochemie, Recht u.v.a.m. Und ganz besonders in Erinnerung geblieben sind mir die geologischen Exkursionen, die Erlebniswelt der Biochemie und die subtile Arbeit zur Kafka-Ausstellung - unter der Leitung von P. Niesemann (ad 1), P.Dr. Lambertz (ad 2) und Herrn Nicolin (ad 3).

  • #47

    admin (Montag, 17 September 2018 13:26)

    Lieber Günther!
    Vielen Dank für Deine Nachricht. Wir bedauern, dass Sie so allgemein gehalten und wenig konkret ist. Offensichtlich trägst du noch an einem Vorfall Anfang der 70er Jahre. Wir wünschten, dass du Kontakt mit uns aufnehmen würdest, um das Geschehene besser einordnen zu können. Von Interesse ist für alle, die unter Pater S. gelitten haben, natürlich auch, was denn in den 70er Jahren darüber "hinter vorgehaltener Hand" kolportiert wurde. Bisher gingen wir davon aus, dass das Thema tabuisiert wurde. Alle Informationen werden von uns streng vertraulich behandelt und nur auf ausdrücklichen Wunsch eines Betroffenen weitergegeben oder gar veröffentlicht. Du musst zu diesem Zweck auch nicht den Gästebucheintrag nutzen (steht Dir aber frei) sondern kannst dich auch telefonisch oder per Mail an uns wenden. Unsere Mailadresse findest Du unter Kontakt und Newsletter.

  • #46

    Günther (Freitag, 14 September 2018 17:03)

    Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen, als ich nach verstorbenen Mitgliedern der Redemptoristen suchte. Mit großem Interesse las ich die Berichte. Das Thema ist mir nicht neu, denn ich hörte früher schon davon.
    Ich war von 1972 - 1975 als Spätberufener, der auf das Abendgymnasium in Bonn ging, im Internat CoJo Bo. Zu meiner Zeit ging es dort schon zivilisierter zu. Ich habe allerdings ein ganz schlechtes Erlebnis in Erinnerung, dass an mir von Mitbewohnern der Obergruppe begangen wurde und in den Bereich Mobbing und im Grenzbereich köperliche Unversehrtheit liegt. Der zuständige Präfekt und Internatsleiter schritt damals nicht dagegen ein.
    Doch unter der Hand hörte man andere Geschichten und ein Pater kam immer wieder vor, Pater S.
    Es muss ein schlimmer Mensch gewesen sein. Zu meiner Zeit hingegen waren die Präfekten in Ordnung und spätere Übergriffe sind mir nicht bekannt. Aber in den 70er Jahren war " Missbrauch an Kindern und Jugendlichen", egal in welcher Form, noch kein gesellschaftliches Thema.

  • #45

    AkoOpferFreund (Dienstag, 15 Mai 2018 23:07)

    Die daueralkoholisierten Opfer des sexuellen Missbrauchs am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg sitzen in ihren cannabisgeschwängerten Spelunken und jubeln…" Nein, nein, nein, dies ist eine Fake-Melduung. Diese alternativen Fakten werden übertroffen von der Wirklichkeit: Das jesuitische Haus, in dem jahrzehntelang Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht wurden, in dem noch während des Prozesses der Entwicklung von Präventionskonzepten mindestens ein Pädagoge die Gelegenheit hatte, Übergriffe und Demütigungen fortzusetzen - dieses Haus wird seine geschlossene Anstalt ab Sommer 2018 schließen (http://www.jesuiten.org/aktuelles/details/article/bonner-aloisiuskolleg-schliesst-internat-zum-ende-des-schuljahres.html). Das Internat ist dann zu. Endgültig. "Ihr dürft nur mit dem Besseren zufrieden sein" - die vermeintliche Eliteschule, die dem Qualitätsanspruch des Ordensgründers Ignatius von Loyola zumindest in moralischer und humanistischer Hinsicht nicht gerecht wurde, scheint allerdings nicht erkannt zu haben: Der "deutschlandweite Trend", in dem Internate in Deutschland ihre Pforten schließen müssen, drückt das aus, was sich die Menschen draußen nicht mehr gefallen lassen: Demütigungen, Gewalt, Missbrauch, Täterschutz und andere Verbrechen als tragende Elemente der Strukturen hinter diesen Pforten. Eine der Bastionen solcher Blendung der Öffentlichkeit muss jetzt einpacken. Ich bedauere die potentiellen Opfer, die im externen Bereich weiter in ihrer Angst verkümmern müssen.

  • #44

    admin (Freitag, 19 Januar 2018 17:19)

    Lieber Wiener,

    vielen Dank für ihre Nachricht. Jede neue Meldung eines erlittenen sexuellen Missbrauchs macht uns sehr betroffen, bestärkt uns aber auch in der Annahme, dass es nach wie vor eine große Dunkelziffer gibt und alle Meldungen bisher immer noch nur die Spitze des Eisbergs darstellen.
    Gern bieten wir ihnen unsere Hilfe in Form einer persönlichen Kontaktaufnahme an, wenn Sie dies wünschen. Dann müssen Sie sich über das Kontaktformular an uns wenden. Denn über das Gästebuch erfahren wir nie die Absenderadresse.

  • #43

    Walter (Samstag, 13 Januar 2018 16:35)

    Welche Entzauberung! Pater L. gehörte für mich bisher zu den Big Dive des Ordens, zu denen auch Pater Welzel gehörte. Wie leben die Patres heute mit diesen Verbrechen? Warum greift von denen niemand selbst zur Feder? Dies scheint doch ein Forum zu sein, das nicht ausschliesslich auf Kirchenkampf setzt. Ich wünsche ein Echo aus der Mitte des Ordens oder der Priesterschaft allgemein. Solange Ihr euch versteckt, sind solche Berichte gut und schön und hilfreich auch, aber das Entscheidende fehlt: Empathie und Glaubwürdigkeit

  • #42

    Wiener (Samstag, 13 Januar 2018 16:11)

    Ein profunder Zwischenbericht. Viel Mut auf der Ordensseite. Wenn auch spät, viel zu spät, so offen mit der eigenen Schande umzugehen. Umso schlimmer, was aus den Ergänzungen folgt: offensichtlich wurden "wir Jungs" der 60er Jahre dem Serientäter S. von der Internatsleitung wider besseren Wissens zum Missbrauch und zur Demütigung, zur Sexfolter überlassen. Wurden wir ihm gar zugeführt? Nichts, was nicht denkbar ist. Der für die Taten seines Schergen S. wirkliche Verantwortliche wird bis heute von vielen Ehemaligen fast als Heiliger verehrt. Gehöre auch zu den Opfern des S., habe mich bisher aber nie gemeldet. Ich bin aufgewühlt bis ins Mark.

  • #41

    admin (Dienstag, 10 Januar 2017 11:24)

    Der Haupttäter (Pater L.) ist uns bekannt, seine möglichen Mittäter sind uns leider nicht bekannt. Die allseitigen Recherchen haben hier zu keinem Ergebnis geführt. Pater L. ist öffentlich keine unbekannte Größe. Jedenfalls dann nicht, wenn man Größe danach bemisst, ob man öffentlich in einer Fernsehshow als Star auftreten darf, wie geschehen bei Gottschalk als "Zauberpater". Der Täter arbeitete in den 70ern lange Jahre in Köln in einem Sozialen Brennpunkt (Flachsfeld) und gründete das bekannte überregional bekannte Jugendheim Steineberg in der Eifel, erhielt schließlich das Bundesverdienstkreuz verliehen.
    Wir nennen den Täter hier nicht bei vollem Namen entsprechend unserer rechtssicheren Übung, Täter nur dann mit vollem Namen zu nennen, wenn sie rechtskräftig verurteilt sind.
    Die anderen Täter stammen entweder aus dem Umfeld des Ordens direkt oder aus dem Umfeld des Internats (Ältere Mitschüler z.B., die als Fördergymnasten auch teilweise in den Ferien im Internat wohnten). Im Falle der anderen Täter scheint weitere Aufklärung eher unwahrscheinlich, es sei denn, dass sich einer der damaligen Täter meldet. Davon haben wir aber im Zusammenhang mit priesterlichem Missbrauch bisher noch nie gehört.
    Ob die Taten auch auf Verabredung erfolgten, kann nicht bewiesen werden, es gibt aber durchaus entsprechende Hinweise, wenn man den Einlassungen des Opfers folgt.
    Nur bei Pater L. führte die Aktenrecherche soweit, dass eine Täterschaft gesichert angenommen werden muss.

  • #40

    Filius (Dienstag, 10 Januar 2017 11:04)

    Schön und gut der Artikel im Bonner Generalanzeiger zum Fall Dieter Beckmann. Ich muss es anders sagen: großartig! Aber was mir fehlt, ist der Hinweis und die Recherche bezüglich möglicher Fortsetzungen des Missbrauchs besonders durch die Mittäter, von denen Herr B. spricht. Ich bin mir sicher, dass man heute fündig werden könnte, wenn man die Spur dieser Täter verfolgt. Und auch die Frage will beantwortet werden: Wo hat Pater L. überall gewirkt?

  • #39

    admin (Dienstag, 03 Januar 2017 11:16)

    Danke für die Blumen und den Verweis auf das zentrale Problem der Beteiligung innerhalb der Präventionsanstrengungen des Ordens. Um es klar zu formulieren: wir sind nicht zufrieden mit dem, was der Orden unter "Betroffenenbeteiligung" versteht. Wir haben nach den Zusagen des Ordens erheblich mehr inhaltliche Beteiligung erwarten dürfen. Aber wir sind im Gespräch und werden berichten.

  • #38

    Pienek (Samstag, 31 Dezember 2016 22:01)

    Liebe MoJoRed, ich habe Eure Berichterstattung bisher bewegt und interessiert verfolgt. Ich bin begeistert, dass der Orden ein Präventionsprojekt finanziert. Offensichtlich auch Euer Verdienst. Mich interessiert jetzt noch die Frage: Sind die Mitglieder des Vereins der Betroffenen in dieses Projekt einbezogen? Denn: Wer könnte differenzierter nachdenken über das, was schützt, als die Opfer von damals? Wie ist die Opferbeteiligung gewährleistet?

  • #37

    admin (Sonntag, 11 Dezember 2016 11:41)

    Danke für das Memento. Die Deklaration der Menschenrechte während des Großen Krieges. Das sollte der Kanon sein, der für alle und jeden gilt, egal welcher Religion, welcher Nation, welcher Anschauung der Welt. Wie sehr auch diese Rechte danach geschunden wurden, der Kanon selbst stand nie in Frage. Bis heute. Es bedurfte eines Trump, eines Putin, eines Erdogan, eines IS, einer AFD, die das Leitbild selbst zerstören wollen. Empört euch.

  • #36

    Kalle (Samstag, 10 Dezember 2016 23:49)

    Heute ist der 10. Dezember 2016
    Es ist der "Tag der Menschenrechte".
    Am 10. Dezember 1948 wurde von den Vereinten Nationen die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" verabschiedet. Seit dem sind weltweit mehr Menschen in kriegerischen Konflikten umgekommen als in den beiden großen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts zusammen.

    Heute ist der Tag der Menschenrechte. Wenn wir über Menschenrechtsverletzungen nachdenken, neigen wir dazu, dorthin zu schauen, wo Menschen niedergemetzelt werden. Auf Internationale Aufrüstungen. Auf anerkanntes Kriegs- und Friedensrecht brechende Nachbarstaaten. Auf Grenzverletzungen mit Folgen der Vertreibung und Flucht von Menschen, die einen Anspruch auf Frieden, Wohnung, einen Hausarzt und Wasser haben.

    Heute ist der Tag der Menschenrechte. "Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person." (Artikel 3).
    In Deutschland wird alle drei Minuten eine Frau vergewaltigt und damit mindestens in ihren Rechten auf Freiheit, Sicherheit und Unversehrtheit verletzt,

    Heute ist der Tag der Menschenrechte. Der internationale Tag der Kinderrechte liegt gerade wenige Wochen zurück (20. November); er bezieht sich auf die sog. UN-Kinderrechtskonvention (CRC, 1989) - also auf ein Vertragswerk, das die Rechte von Kindern schützen soll. Die bundesdeutsche Kriminalstatistik verzeichnet für das Jahr 2013 täglich 40 Fälle von Kindesmissbrauch (nur angezeigte Fälle!).

    Lasst uns nicht zweifeln an der Arbeit von Kommissionen, Arbeitsgemeinschaften, Räten und Organisationen, welche den Schutz von Kindern vor Augen haben. Lasst uns nicht verzweifeln ob der oft vermissten Wirksamkeit von Resolutionen, Vereinbarungen, Konventionen. Sondern lasst uns lieber persönlich und täglich auf einige "Kleinigkeiten" achten, z.B.: Was kann ich zum Wohl der Kinder, denen ich begegne, beitragen? Was sage ich der Mutter, die ihr an der Supermarktkasse plärrendes Kind an den Armen zerrt? Traue ich mich, mit der Nachbarfamilie über Gedanken- und Gewissensfreiheit zu sprechen, wenn die jugendliche Tochter einen deut-schen Freund hat? Zählt für mich die Beteiligung von Kindergartenkindern an einer "Demo" vor dem Landtag zur "Meinungsfreiheit" oder "Versammlungsfreiheit"? Würde ich Eltern innerhalb meiner Freundschaften / Verwandtschaften gewaltverherrlichende Computerspiele als Weih-nachtsgeschenk für ihre Kinder auszureden versuchen? Stöbere ich in unserem Kinderzimmer nach dem Tagebuch unter der Matratze oder in den social Accounts.

    Die Rechte des Menschen. Die Rechte des Kindes. Achte sie. Überall. Täglich. Stündlich.


    Links:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte

    https://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/aktuelles/archiv/1313-alle-drei-minuten-wird-in-deutschland-eine-frau-vergewaltigt

    https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Kinderrechtskonvention

    https://www.tagesschau.de/inland/kriminalstatistik-kinder-100.html

  • #35

    Kalle (Samstag, 22 Oktober 2016 00:38)


    Regensburg (1)
    Seit Sommer 2015 untersucht der Rechtsanwalt Ulrich Weber im Auftrag des Bistums Regensburg und auf Initiative des Bischofs Rudolf Voderholzer die Gewalt- und Missbrauchstaten in den Vorschulen und im Internat der Regensburger Domspatzen. Weber, der noch im Januar 2016 von 231 Misshandlungsfällen und 50 sexuell missbrauchten Kindern seit 1953 sprach, korrigierte diese Zahlen am 17. Oktober 2016 bei der Pressekonferenz des Bischofs zum ersten Zwischenbericht zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen nach oben: 422 Opfer aus der Zeit von 1945 bis 1992 haben sich bisher gemeldet, davon 60 gesichert als unterlegene Kinder sexueller Übergriffe und sexueller Gewalt. Weber sprach aufgrund vielfältiger Zeugenberichte von einem "System der Angst" in diesen Institutionen. Bischof Rudolf Voderholzer, nach eigenen Worten "entsetzt" auch angesichts der über 40 Täter aus der Priester-und Lehrerschaft, stellte ein Konzept zur Aufarbeitung der Erfahrungen vor. Dazu gehöre die Einrichtung einer Anlaufstelle für Opfer (MIM = Münchner Informationsstelle für Männer; 089 5439556), eine wissenschaftliche Untersuchung über die internen und personellen Bedingungen der Institution "Domspatzen", eine sozialwissenschaftliche Studie über Strukturen und Mechanismen, die Missbrauch begünstigen sowie eine Entscheidung über "materielle An-erkennung des erlittenen Unrechtes", je nach Schwere der Übergriffe zwischen 5.000 und 20.000 Euro. (Quellen: Domradio, 17.10.2016; Deutschlandfunk 17.110.2016; Bayrischer Rundfunk 17.10.2016)

    Regensburg (2)
    Georg Ratzinger, Kapellmeister der Regensburger Domspatzen von 1964 bis 1994, bezeichnet die Aufklärung des Missbrauchsskandals in den Instituten der Domspatzen als "Irrsinn":
    "Es ist einfach Irrsinn, wie man über 40 Jahre hinweg überprüfen will, wie viele Ohrfeigen bei uns verteilt worden sind…", so der 91-Jährige. <http://www.sueddeutsche.de/bayern/regensburger-domspatzen-ratzinger-nennt-aufarbeitung-des-missbrauchsskandals-irrsinn-1.2814560>
    Nun denn. Mit wachsendem Alter wird man weise und gerecht. Darauf gibt es keinen persönlichen Einfluss. Oder?
    Die Opfer der Gewalt bei den Regensburger Domspatzen allerdings, wenn sie über ihre Leiden berichten, reden von ihrem Körpergedächtnis. Dieses Gedächtnis, in Milliarden von Körperzellen und zusätzlich in Milliarden von Gehirnzellen organisiert, lässt die ehemaligen Domspatzen seit Jahrezehnten und stündlich an physischen Symptomen spüren, was das Zellgedächtnis gespeichert hat. Da geht es nicht um "wie viele" Ohrfeigen.
    Jede eine ist zu viel. Die Rechte des Kindes gab es schon damals, wenn auch vielleicht noch nicht in einer UN-Konvention verfasst - jedenfalls aber in den Worten Jesu, die dem Herrn Georg Ratzinger meiner Vermutung nach bekannt waren, zumindest mal quergelesen.

    Da geht es also nicht um Menge oder Heftigkeit von Ohrfeigen. Stattdessen geht es um lebens-lange Beschädigungen. Da geht es um Körperverletzung und Seelenverletzung und deren le-benslange Folgen. Da geht es um Biografien, die im Rahmen der Anstaltsstrukturen vordefiniert waren - zumindest für diejenigen, die gelitten haben. Da geht es um ein Bild vom heranwach-senden Menschen, das nicht der christlichen Ethik entspricht. Falls man diese als wichtig erach-ten sollte. Es geht um Betreuungshäuser, die Verantwortung für Kinder formal übernommen und den Eltern versprochen haben, ohne angemessene institutionelle und personale Bedingungen zu schaffen. Es geht um Kulturen, in denen geschlagen, gedemütigt, erpresst, verraten, vergewaltigt wurde (bei zum Zeitpunkt von G. Ratzingers Aussage 231 Prügelopfer und 50 vergewaltigte Kindern). Es geht um Täter, die gesehen, aber nicht gescholten wurden, erkannt, aber nicht gestoppt, begleitet, aber nicht als schuldig gesehen. Es geht um Kollegen und Vorgesetzte, die geschwiegen haben. Es geht um ein System, in dem dies alles möglich ist, verheimlicht und gedeckt wurde, dessen monströse Menschenverachtung heutzutage durch Herrn G. Ratzinger gerechtfertigt wird. Es scheint, als möchte er noch heute die Sichtweise auf die Domspatzen-Geschichte dirigieren. Ganz der Kapellmeister. Allerdings blind auf dem Ohr, das sich über Traumaforschung, Neurobiologie, qualitative und narrative Sozialforschung informieren könnte. Gelobt sei Bischof Rudolf Voderholzer.

  • #34

    Win (Freitag, 16 September 2016 09:14)

    Konterkariert werden solche Bemühungen durch Presseberichte, die entweder Erinnerungen gerade von Missbrauchsopfern als "false memory" lächerlich zu machen versuchen oder aber behaupten, die Wahrnehmung von dem, was man Trauma nennt, sei vornehmlich der Tatsache geschuldet, dass sich die Einordnung in der DSM (Skala psychischer Erkrankungen) verschoben habe. Trauma sei sozusagen etwas ganz anderes. Aber die Tatsache, dass man früher Unrecht scheinbar als "hingenommen" hat, sagt doch nichts darüber aus, dass das Unrecht keines gewesen ist. Ein gutes Beispiel dieser seltsamen Diskussion kann man hier nachlesen:
    http://www.ruhrbarone.de/sind-wir-alle-opfer/133102?utm_source=email&utm_medium=email

  • #33

    Kalle (Mittwoch, 14 September 2016 16:32)

    Es ist der 13.09.2016: Die Gesellschaft lernt. Manchmal.
    Der Sozialrichter J.R. von Renesse hat durch seine Rechtsprechung die Position von Opfern grundsätzlich und nachhaltig gestärkt. In seinen Verfahren beim Landessozialgericht NRW ging es um die sog. "Gettorenten" für Überlebende des Holocaust. Bis 2006 wurden nahezu alle Anträge seitens der Rentenversicherungen abgelehnt, nahezu 90 % der Berufungsklagen bei den Sozialgerichten und beim Landessozialgericht abgewiesen. Basis der Urteile waren stets komplexe und in Bürokratendeutsch abgefasste Fragebögen zur Erfassung der "Fakten" aus der Erinnerung von Klägern und Zeugen. Von Renesse änderte Grundlegendes: Er reiste nach Israel und führte Anhörungen mit den hochbetagten Antragstellern durch. Dabei spielten sein Verständnis und seine Zuwendung eine wesentliche Rolle für die Gewinnung von Daten.
    Der darauf folgende Diskurs innerhalb der Justizbehörden Nordrhein-Westfalens (https://www.welt.de/politik/deutschland/article158108199/Spaete-Genugtuung-fuer-einen-ausgegrenzten-Richter.html ; http://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/renesse-justizministerium-100.html) ist unerquicklich in seiner Schildbürgerlichkeit und Verweigerung historischer Kenntnisse. International allerdings hat von Renesse mit seinen Verfahren Aufsehen erregt: Die Einführung der Methoden qualitativer Sozialforschung in die Jurisdiktion wird aufmerksam beobachtet; Narrative Interviews, d.h. Biografie-Gespräche mit systematischen Fragestellungen, haben in den vergangenen Jahren (unabhängig vom Inhalt der Täter-Opfer-Beziehung) deutlich an Stellenwert in der juristischen Opfer-Wahrnehmung gewonnen.

  • #32

    Admin (Mittwoch, 07 September 2016 09:35)

    Lieber HH!

    Du bist nicht der Erste, der von Gewalt auch in Bous berichtet. Die Hoffnung, dass Bous nur Licht war, hat sich nicht erfüllt. Auch hier gab es Schatten. Was du erlebt hast, bestürzt sehr. Und es ist gewiss nicht einzuordnen unter dem, was mancher für die 60er Jahre als "üblich" so einfach hinnehmen will. Ganz offensichtlich hatte Pater Schmitt auch damals schon ein schlechtes Gewissen, sonst hätte er dich nicht zum Geheimnisträger gemacht. Dabei ist seine Technik hier ganz perfide: er verlangt nicht einfache Geheimhaltung sondern er lässt dir keine Chance. "Wenn du es nicht erzählst, erzähle ich es auch nicht." Er wusste wohl, dass er sich auf die Eltern verlassen konnte. Die Front war unüberwindbar.
    Wenn du dich mehr mit uns austauschen willst, kannst du gerne jederzeit mit uns persönlich (Kontaktseite) Kontakt aufnehmen. Wir treffen uns offiziell zweimal im Jahr: einmal die Betroffenen ohne Orden, einmal mit dem Orden. Die Betroffenen erlebten diese Treffen bisher immer als hilfreich.

  • #31

    Admin (Mittwoch, 07 September 2016 09:08)

    Lieber Filius, danke für dein Lob und deine Anmerkungen! Fehlende Aktualisierungen und noch nicht fortgeschriebene Berichte sind zum einen den Umstand zu schulden, dass diese Seiten ehrenamtlich geführt werden und manchmal einfach Zeit fehlt, um auf Dauer alles auf dem neuesten Stand zu halten und zum anderen die Fortschreibung von Berichten vom generellen Stand der Aufarbeitung abhängt. In diesen Aufarbeitungsprozess sind Orden, Missbrauchsbeauftragte, Orte, an denen Untersuchungen stattfinden und Betroffene involviert und manches braucht leider sehr viel Zeit, bis wir abschließend etwas berichten können.

  • #30

    Filius (Donnerstag, 01 September 2016 11:28)

    Eine beeindruckende Seite. An manchen Stellen vermisse ich Aktualisierung und auch angekündigte Fortschreibung.

  • #29

    Kalle (Mittwoch, 10 August 2016 17:38)

    Es ist der 10.08.2016.
    Seit heute ist ein Kinderficker weniger in der Welt unterwegs: Ein Ettaler Täter wurde verurteilt.

  • #28

    NN (Donnerstag, 04 August 2016 18:45)

    Lieber Winfried,
    es lässt mich nicht los. Wie Dich auch. Wir hatten letztes Jahr lange miteinander korrespondiert.
    Kennst Du noch das kath. Selbstmordopferlied? Wir haben es als Kinder mit Macht und Überzeugung gesungen.
    Ich kann es heute noch auswendig und es steht wieder neu im aktuellen Gotteslob:
    Wunderschön prächtige,
    hohe und mächtige,
    liebreich holdselige, himmlische Frau,
    der ich mich ewiglich
    weihe herzinniglich ,
    Leib dir und Seele zu eigen vertrau!
    Gut, Blut und Leben (ab hier schwellen die Stimme und die Orgel besonders an)
    will ich die geben;
    alles was immer ich hab, was ich bin,
    geb ich mit Freuden, Maria dir hin.
    Dieses verlogene Getue der hochw. Herrschaften. Einfach zum Kotzen.
    Für diejenigen, welche es noch nicht wissen: Konrad W. unsere letzte Instanz in Sachen Moral hatte ein langes und ausgeprägtes Verhältnis mit min. einer Dame.
    Mehrfach haben sie in Schruns gemeinsam bei einem befreundeten Skilehrer die Ferienwohnung besucht und sich voll schmusiger Dankbarkeit ins Gästebuch eingetragen. Nicht unerwähnt hat Hochw. gelassen, dass man gemeinsam und feierlich die Hl. Messe gefeiert habe.
    Ich habe es nicht glauben wollen. Jetzt weiß ich es.
    Frau Elisabeth Hohnveelmann habe ich während meiner Studentenzeit getroffen. Sie war verheiratet und schien glücklich.
    Sie hat mich spontan in einer Gaststätte wieder erkannt und sich bei meiner Frau, während ich kurz den Raum verlassen hatte, kundig gemacht: Willibald S. habe sie seinerzeit aufgesucht und ihr erzählt, es ginge eine üble Verleumdungssache über ihn herum....Was daran wahr sei? Alles, habe ich ihr geantwortet.
    Wir Jungs hätten ihr immer leid getan. Auch an diesen Satz kann ich mich noch erinnern.
    Deinen Bericht habe ich mir wieder vorgenommen, vielleicht schreibe ich Dir nochmal persönlich.
    Schön, dass Ihr Euch bemüht.
    LG
    NN



  • #27

    Win (Freitag, 08 Juli 2016 09:14)

    "Nein ist Nein" So einfach! Das Gesetz ist die Frucht der vergangenen 6 Jahre seit 2010. Es ist gut, für sich einzustehen.

  • #26

    Kalle (Donnerstag, 07 Juli 2016 22:35)


    Es ist der 7. Juli 2016.
    Seit heute ist die Welt ein klein klein wenig besser: Nein heißt Nein.

  • #25

    HH (Sonntag, 05 Juni 2016 18:25)

    Ich, *21.10.51, war von Ostern 1963 bis Ostern 1966 im Internat in Bous, ging dann nach Bonn zum COJOBO und habe 1972 Abitur gemacht.

    Dass in Bous alles in Ordnung war, kann ich nicht bestätigen. Pater Niesen war okay, sein Adlatus nicht.

    Sommer 1963 durften wir neuen Internatsschüler erstmals nach Beginn des Schuljahrs nach Ostern, Klasse 5/Sexta zu Beginn der Sommerferien nach Hause.
    Im Haus wie in den Schlafsälen galt "Silentium", d.h. man durfte nicht mit dem Mitschüler sprechen.
    Natürlich taten wir das, insbesondere am Morgen der Heimfahrt, aufgedreht und froh. Ich hatte ein Bett zwischen 2 anderen Betten im Schlafsaal und redete mit meinem Bettnachbarn, der in der Klasse 7/Quarta war und mir als älterer Schüler/ Betreuer zugeteilt war.
    Es kam herein der stellv. Internatsleiter, Pater Schmidt, hörte mich und sprach mich an: "Hast Du gesprochen?" Was ich bejahte. Dann fragte er mich, mit wem? Ich sagte den Namen meines Bettnachbarn. (Name weiss ich heute nicht mehr.) Er fragte ihn, ob er mit mir gesprochen habe. Er sagte "Nein." Dann sagte er zu mir: "Du lügst." Und fragte mich nochmals, mit wem ich gesprochen hätte. Ich wiederholte. Dann holte er aus und schlug mich mit voller Wucht seiner Hand zu Boden. Ich rappelte mich auf. Wurde wieder gefragt, wiederholte das Gesagte. Wieder schlug er mich zu Boden.
    Dann war die Situation zu Ende.
    Das Niederträchtige war nicht diese Sache, sondern was jetzt kommt:
    Noch bevor mich meine Eltern am Ende des Schulvormittags nach Hause mitnahmen, rief er mich auf sein Zimmer und sagte zu mir: "Wenn Du das deinen Eltern nicht erzählst, erzähle ich es Ihnen auch nicht."
    Ich erzählte es nicht. Ein großer Fehler meinerseits.



  • #24

    EL (Sonntag, 27 März 2016 17:58)

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin bei meiner eigenen Vergangenheitsbewältigung auf Ihre Homepage gestoßen. Ich bin in einem tief katholischen Umfeld in NW aufgewachsen. Wenn ich Ihre persönlichen Schicksalsberichte lese, durchzieht mich zum einen eine tiefe und (wohl auch egoistische!) Dankbarkeit, dass es mir nicht so ergangen ist, wie Ihnen, zum anderen aber auch große Empörung und Wut sowie ein tiefes Mitgefühl für all die Opfer der verbrecherischen klerikalen Übergriffe. Und doch bin auch ich ein Opfer der heuchlerischen und verlogenen kirchlichen Sexual-Moral. Denn ich bin ein Opfer der Sexualaufklärung durch den unseligen Pater Clemente Pereira. Ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie das furchtbare Dokument: „Wer sagt mir die Wahrheit?“ für persönliche Recherchen gerettet haben. Denn genau durch dieses Pamphlet habe ich einen großen seelischen Schaden davon getragen, bin in meiner persönlichen sexuellen Entwicklung beeinträchtigt worden. Insofern ist es für mich sehr aufschlussreich zu lesen, dass dieser Pater parallel zu den eklatanten sexuellen Missbräuchen im Raum Bonn-Bad Godesberg durch Priester (AKO) seine diesem verbrecherischen Verhalten eklatant widersprechenden Irrlehren verbreitet und gerade so den Tätern die Wege geebnet hat. Schlimmer geht Heuchelei nicht! Gestern habe ich den Film Spotlight gesehen. Es ist einfach unglaublich, wie viele Opfer diese kirchlichen Verbrechen gefordert haben und wie diese Verbrechen in allen Ebenen bis zum Vatikan (Wojtyla und Ratzinger) vertuscht, die Opfer, also Sie, im Stich gelassen wurden (siehe auch YouTube: Mea maxima culpa!). Diese Kirche ist nicht heilig und deren Vertreter noch viel weniger. Danke. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie die Genugtuung noch erfahren werden, die Sie verdienen und auf die Sie einen Anspruch haben. Sie dürfen diese Email gerne veröffentlichen, aber bitte ohne Namens-Nennung. Danke.

    Mit freundlichen Grüßen
    E.L.

  • #23

    jan.kleymann (Dienstag, 23 Dezember 2014 20:25)

    Buchempfehlung: Doris Wagner, Nicht mehr ich, Verlag edition a, Wien 2014
    Das Buch mag vielleicht dem ein oder anderen von Betroffenen einen Ansatz von Antwort geben auf die Frage, wie es möglich war, dass "Hirten" Ihre Schutzbefohlenen so übergriffig behandeln konnten, wie es vielen von uns widerfahren ist.
    Das im Geleitwort angeführte Buch "Die Nonnen von Sant'Ambrosio" von Hubert Wolf, das wohl einen eher außergewöhnlichen Fall darstellt, ist gleichwohl eine erschütternde Lektüre, die besonders lohnt, wenn man sich mit dem Phänomen der Macht innerhalb der römischen Kirche beschäftigt.
    Jan

  • #22

    Jürgen Brand (Mittwoch, 02 April 2014)

    Hallo liebe Leser,
    nicht wundern, ihre Adresse habe ich in einem Gästebuch gefunden.
    Ich heiße Jürgen Brand, stamme aus Magdeburg, wohne aber seit 30 Jahren in Brühl bei Köln. Ich bin Stasi-Opfer und Buchautor.
    Das zweiteilige Buch „Hafterlebnisse eines DDR-Bürgers“ habe ich geschrieben und veröffentlicht.
    Die Geschichte handelt davon, dass ich damals in Magdeburg die Ausreise aus der DDR wollte. Ich wurde bespitzelt und von der Stasi verhört. Einige Jahre musste ich ins Gefängnis, wo ich lange Zeit im Arrest und in der Einzelhaft verbringen musste.
    Ob ich oder wie ich es schaffte halbwegs heil aus der DDR rauszukommen, dass erzählt das Buch.
    Wie Sie in der Homepage lesen können, haben mehrere Zeitungen über die Buchveröffentlichung berichtet.
    Das Buch wurde vor einem Jahr neu Lektoriert und deshalb sind die geschriebenen negativen Kritiken bei Amazon nicht mehr zutreffend.

    Schauen sie doch mal hier auf meine Homepage. http://rurufi.ibk.me

    Freundliche Grüße
    Jürgen Brand

  • #21

    alrosch (Freitag, 03 Januar 2014 11:47)

    Durch die Seite von Dirk Schäfer, bin ich auf diese Seite aufmerksam geworden, danke dafür.
    Bin Jahrgang 1934 und war mit meinen 6 Geschwistern, von 1936 (das Jahr der Olympiade in Deutschland)
    bis 1950 in verschiedene Anstalten unter gebracht. Habe schon sehr viele Versuche unternommen, eine Entschädigung zu bekommen, habe es aufgegeben, denn Du musst überall deine Geschichte ausbreiten und das geht an die Nieren.
    MfG.

  • #20

    Kynos (Sonntag, 22 Dezember 2013 17:46)

    mein erster Versuch in diesem Gästebuch versank im Internetchaos,
    so versuche ich es nochmals.
    Mein Respekt und meine Wertschätzung gilt den Betroffenen, den Überlebenden dieser Seelenmorde.
    Es freut mich, dass und wie Sie zum einen öffentlich in die Solidarität gehen, um sachlich präzise, konsequent und nachhaltig die lebenslangen psychischen Beschädigungen durch sexualisierten Gewalt, emotionale Ausbeutung und Missbrauch aufzuklären und um die Täter-innen und/oder deren Institutionen auf- und herauszufordern, Verantwortung für das angetane Unrecht zu übernehmen.
    Zum anderen haben Sie meine Hochachtung, für die Art und Weise, wie Sie sich mit-ein-ander austauschen, sich wechselseitig unterstützen und Ihre Hilfe weiteren Betroffenen anbieten.
    Nach all dem Erlebten, Erfahrenem und seinen Folgen eine solche Widerstandsfähigkeit aufzubringen,
    ohne im Ton verletzend zu werden oder die Diskussion emotional aufzuheizen, grenzt an ein Wunder und zeigt zugleich Ihre menschliche Größe und Reife und die Transformation Ihrer eigenen Beschädigungen in ein Engagement und eine Parteilichkeit für eine Welt, in der Kinder nicht schutzlos Erwachsenen ausgesetzt sind.

  • #19

    Win (Freitag, 20 Dezember 2013 12:08)

    Ganz herzlichen Dank für Ihren bewegenden Gästebucheintrag. Es tut auch uns gut, auf so anrührende Weise zu erfahren, dass wir das, was wir mit unserer Homepage erreichen wollen, auch tatsächlich erreichen. Gerne können Sie uns auch per Mail kontaktieren, wenn Sie möchten. Vielleicht können wir Ihnen helfen, einzelne Fragen zu klären, die Sie vielleicht noch umtreiben. Vielleicht können Sie auch uns helfen bei der Beantwortung von zur Zeit noch unbeantworteten Fragen.

  • #18

    Katinka (Mittwoch, 18 Dezember 2013 01:21)

    Sehr sehr froh, diese Seite gefunden zu haben!
    Mein Vater war direkt nach dem Krieg Schüler am CoJo - und ist dort geschlagen und gedemütigt und - aller Wahrscheinlichkeit nach - auch sexuell mißbraucht worden. Er konnte fast nie darüber sprechen.
    Wenigstens ist er irgendwann mit einem gestohlenen Fahrrad aus dem Juvenat geflüchtet.
    Ich habe eine tiefe Bewunderung für die Männer, die sich auf dieser Seite zu Wort melden, die den Mut haben, sich nach so vielen Jahren dem alten Schmerz zu nähern und zu stellen. Ich wünschte, das wäre auch in unserer Familie möglich gewesen.
    Sie alle helfen auch mir, sozusagen stellvertretend, indem ich durch Sie auch die Stimmen derjenigen höre, die keine Worte finden konnten, für das, was ihnen angetan worden ist. Vielen Dank!

  • #17

    Daniel W. (Samstag, 30 November 2013 19:16)

    Wundervolle Seite. Gratulation!

    Sehr beeindruckend ist, wie fair hier die Auseinandersetzung mit und weniger gegen den Redemptoristenorden geführt wird. Dass dabei den wechselhaften Emotionen ein gebührlicher Platz eingeräumt wird, finde ich bemerkenswert.

    Zitat:
    "Deutlich wird auch, in welchem Dilemma die heute Organisationsverantwortlichen sich befinden, wollen sie eine gute Balance finden zwischen den Wünschen der Opfer nach Wiedergutmachung und den Ansprüchen der Organisation, nicht zerstört zu werden. Die Opfer selbst stehen im Dilemma sowohl die eigene Opfergeschichte anzunehmen so wie sie war als auch sich andererseits nicht zum Berufsopfer zu machen und diesen Objekt- Status verlassen zu können. Dieses Dilemma führt in Teilen zu gegenseitigen Erwartungen, die die jeweilige Seite aus unterschiedlichen Gründen nicht erfüllen kann."


    Vielen Dank auch für die persönlichen und differenziert geschriebenen Erfahrungsberichte.
    Schockierend, grauenvoll, unheimlich ... und mit einem Blick gesegnet, der die verlogenen institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Missbrauch wahrnimmt.

    Darüber hinaus sehe ich auch ein Interesse an den Ursachen und Gegebenheiten, die Menschen zu Tätern werden lässt. Das empfinde ich als hilfreich.


    Was noch zu sagen bleibt:
    Mir scheint sie gehen einen guten Weg.
    Für die Redemptoristen sollte die Zusammenarbeit - gerade auch hinsichtlich ihrer Ordensbestimmung - selbstverständlich sein. Ich finde, dass das von ihrer Seite her auch ausdrücklich eingefordert werden kann.
    Faszinierend ist ihre Dialogbereitschaft und ebenso ihre Geduld und Unermüdlichkeit. Ich habe nicht den Eindruck als wäre ihre Arbeit einseitig oder würde die Gegenseite (oder irgendwelche andere Menschen) überfordern. [Anmerkung: Das Letztere ist, was mir als Interessierten unmöglich macht, die Seite von netzwerk-B länger zu besuchen. Mit der dort gepflegten Unerbittlichkeit komme ich nicht klar.]


    Mit den besten Wünschen für ihr Tun
    Daniel Wießner
    (angehender Sozialarbeiter + ang. evang. Diakon, sowie Freund der liguorianischen Spiritualität)

  • #16

    Win (Montag, 25 November 2013 17:13)

    Liebe Angelika Oetken!

    Vielen Dank für die Blumen. Solchen Zuspruch brauchen wir. Und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich die Dinge noch ändern

  • #15

    Angelika Oetken (Sonntag, 24 November 2013 18:45)

    Herzlichen Glückwunsch zu Vereinsgründung und der sehr gelungenen Homepage.

    Was die Klage in Osnabrück angeht: das hat für genug Aufsehen gesorgt und damit seinen Zweck schon mehr als erfüllt.

    Nichts fürchten die Verantwortlichen mehr als die Öffentlichkeit. Ich könnte an deren Stelle nicht ruhig schlafen, aber ich habe ja auch nie ein Priesterseminar besucht, wo man offenbar lernt alle im Namen und unter dem Schutz der Katholischen Kirche begangenen Vergehen und Verbrechen in gute Taten umzudeuten.

    Viele Grüße aus Berlin-Köpenick
    Angelika Oetken

  • #14

    Wanda (Montag, 08 Juli 2013 18:45)

    Danke für die Aktualisierungen unter Aktuelles. Der Fall Kremsmünster schlägt dem Fass nun wirklich den Boden aus und steht in zufälliger aber schlüssiger Nachbarschaft zur Leistung des Bundestages bezüglich der Verbesserung von Opferrechten. Himmelschreiend das Ganze. In Deutschland wären die Taten längst verjährt und so bleibt es. Tatsächlich ist das Täterschutz pur und das sei erlaubt: eine richtige Schweinerei.

  • #13

    Maxim (Freitag, 14 Juni 2013 12:28)

    Sahara- fast ein Gleichnisname für den Zustand von Menschen nach Gewalt und Missbrauch. So wie die Sahara einmal blühende Landschaft gewesen ist, so ist sie heute wüst und leer, ohne Anfang ohne Ende, brutales Nichts. Was diese Menschen im Kind hinterlassen, ist Verwüstung für immer. Wenn du es schaffst, dort wieder vereinzelt Leben zu schaffen, dann darfst du dich glücklich nennen- gewiss. Welche Arbeit, welche Anstrengung sind dafür nötig.

    Und der Gleichnisname Kämpfer? Wogegen eigentlich? Wofür?

  • #12

    sahara (Freitag, 14 Juni 2013 12:11)

    Es ist sehr bedauerlich, dass es immer noch Menschen gibt, die die Augen vor dem Unrecht verschließen, dass so vielen das Leben zerstört hat. Aber das sind wohl alles nur Lügner, deren Hobby es ist, grausame Geschichten zu erfinden, um dem Ansehen der Kirche zu schaden.

  • #11

    Kämpfer (Freitag, 14 Juni 2013 08:17)

    Alles antikirchlicher Unsinn!

  • #10

    Quinius (Dienstag, 11 Juni 2013 07:45)

    Ich war von 1965 bis 1972 im Collegium Josephinumg. Ich habe böse Erinnerungen an diesen Pater S., der es nötig hatte, seinen Mut öffentlich an mir zu kühlen, indem er den "Kleinen" als Sextaner vor allen anderen demütigte und schlug. Ich hatte fortan schreckliche Angst vor diesem bösartig drein blickenden schlagenden Pater. Vereinzelt handelten auch weltliche Lehrer übertrieben und nicht kinderfreundlich. Trotzdem lass ich auf den Laden nichts kommen. Ich verdanke ihm viel und an viele Lehrer und viele Patres habe ich gute Erinnerungen und zolle ihnen hohen Respekt.