Historie Aktuelles

Auf vielfachen Wunsch sammeln wir hier wichtige ältere Nachrichten, die wir unter "Aktuelles" bisher veröffentlicht haben.

04.04.2016   Aktuelle Meldung: Domspatz wegen Missbrauch angeklagt

 

Ein ehemaliger Domspatz, verdächtig der Ermordung seiner Freundin, soll als Domspatz mindestens zwei Mitschüler missbraucht haben.

Ein warnendes Beispiel für das, was man auch als Gelegenheitsstruktur begreifen kann. Wann werden  die Verantwortlichen begreifen, welches besondere Biotop für Missbrauch und Gewalt eine vorwiegend von Männern betriebene Jungenschule bietet- ganz besonders eine mit einer solchen Geschichte?

 

http://www.regensburg-digital.de/anklage-gegen-domspatz-zwei-mitschueler-missbraucht/04042016/

 

 

30.03.2016  Antragsfrist für den Missbrauchsfonds verlängert! Auf der Fondshomepage gibt es Anträge und Anleitungen fürs Ausfüllen.

Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums:

Bundesfamilienministerium hebt Antragsfrist beim „Fonds Sexueller Missbrauch“ auf. Betroffene, die Kindesmissbrauch im familiären Umfeld erlitten haben, können jetzt auch nach dem  30. April 2016 Anträge auf Hilfen stellen. 
Missbrauchsbeauftragter Rörig: „Dies ist ein wichtiger erster Schritt ! Ich hoffe, dass jetzt auch die Frist für das „Ergänzende Hilfesystem“ für Betroffene, die Missbrauch in Institutionen erlitten haben, gestrichen wird. 
Berlin, 29.03.2016. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat heute auf der Website des „Fonds sexueller Missbrauch“ (FSM) bekannt gegeben, dass Betroffene sexuellen Missbrauchs im Kindes- und Jugendalter über den 30. April 2016 hinaus Anträge auf Hilfeleistungen an die Geschäftsstelle des FSM richten können (www.fonds-missbrauch.de). 
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, begrüßt die unbefristete Aufhebung der Antragsfrist beim FSM: „Dies ist ein längst überfälliges Signal an Betroffene aus dem familiären Bereich! Die vom Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ Ende 2011 geforderten ergänzenden Hilfen müssen mindestens so lange erhalten bleiben, bis die seit mehr als vier Jahren überfällige Reform des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) endlich umgesetzt wird. Sollte die OEG-Reform jedoch in Kraft treten, ohne dass die dringend notwendigen Verbesserungen für Betroffene darin berücksichtigt werden, müssen ergänzende Hilfen für Missbrauchsopfer auch über die OEG-Reform hinaus weiter zur Verfügung gestellt werden!“ 
Als besonders ärgerlich bewertet Rörig, dass der FSM bereits enden sollte, bevor überhaupt alle Bundesländer eingezahlt haben. Die von drei Bundesministerinnen versprochenen 100 Millionen Euro (je 50 Millionen Euro durch Bund und Länder) sind bis heute nicht zusammengekommen. Nur der Bund und die beiden Länder Bayern und MecklenburgVorpommern haben bisher in den Fonds eingezahlt. „Es fehlen noch 42 Millionen Euro, die Betroffene dringend benötigen! Die säumigen 14 Bundesländer müssen ebenfalls ihrer gesamtgesellschaftliche Verantwortung für den tausendfachen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im familiären Bereich nachkommen!“, so Rörig. 
Eine Verlängerung für das „Ergänzende Hilfesystem“ (EHS) für Betroffene, die Missbrauch in Institutionen erlitten haben, hat das BMFSFJ bisher noch nicht in Aussicht gestellt. Die Antragsfrist für das EHS soll weiterhin am 31. August 2016 enden – obwohl es faktisch noch  nicht einmal vollständig angelaufen ist. Aktuell beteiligen sich neben den christlichen Kirchen, dem Deutschen Olympischen Sportbund und einigen Wohlfahrtsverbänden erst zehn von 16 Bundesländern an dem EHS. „Administrative Unzulänglichkeit und mangelnde politische Sensibilität gehen hier in unverantwortlicher Weise zulasten von Betroffenen aus dem institutionellen Bereich. Es ist ihnen auch nicht zumutbar, dass sie vorsorglich bis Ende August 2016 Anträge stellen sollen, obwohl viele Länder noch gar nicht beigetreten sind, sie nicht wissen, wer diese Anträge in den Händen halten wird und ob und wann sie überhaupt bearbeitet werden“, so Rörig, „auch diese Frist muss gestrichen werden!“ 
Rörig fordert außerdem verbesserte Verwaltungsabläufe und Informationen für Betroffene: „Aktuell gibt es einen Bearbeitungsstau von über einem Jahr! Betroffenen wurden von den Mitgliedern des Runden Tisches und der damaligen Bundesregierung schnelle und unbürokratische Hilfen versprochen. Tatsache ist aber, dass Betroffene, die zum Beispiel dringend therapeutische Hilfe benötigen, im Schnitt ein Jahr auf eine Rückmeldung warten. Das ist eine Missachtung der berechtigten Interessen von Betroffenen!“ Rörig mahnte auch, dass viele Betroffene nicht wissen, dass diese Hilfen überhaupt existieren beziehungsweise auch dann beantragt werden können, wenn bereits durch die Institution Anerkennungszahlen geleistet wurden. „Wenn Betroffene nicht ausreichend informiert sind, werden ihnen wichtige Hilfen vorenthalten. Es braucht dringend mehr Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um Betroffene über die ihnen zustehenden Hilfeleistungen umfassend zu informieren“, so Rörig. __________________________________________________________________________ 
Informations- und Kontaktmöglichkeiten für Betroffene zu den ergänzenden Hilfen: Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Telefonische Beratung: 0800 – 4001050 (kostenfrei)

 

http://www.fonds-missbrauch.de/

 

 

Weitergehende Informationen: Das Familienministerium hat bekannt gegeben, dass auch über den 30. April 2016 hinaus Anträge beim EHS-FSM (familiärer Bereich) gestellt werden können. Dieses vorübergehend angelegte Hilfesystem sieht Sachleistungen für alle Menschen vor, die in ihren Familien oder im familiären Umfeld sexuell missbraucht wurden. Die Definition "familiäres Umfeld" ist großzügig ausgelegt. Eine der Voraussetzungen für einen positiven Entscheid ist, dass für die beantragten Hilfen kein anderer Kostenträger einspringt. Es können sowohl Leistungen zur Überbrückung beantragt werden, z.B. wenn es um kassenfinanzierte Psychotherapien geht, als auch etwas, das in den regulären Hilfesystemen nicht vorgesehen ist. Aus dem Antrag sollte hervorgehen, inwieweit das Beantragte geeignet ist, die Missbrauchsfolgen zu lindern. Darum geht`s, nicht um Entschädigung. Zur Linderung können ggf. auch weitergehende Ausgaben zum "menschenwürdigen" Über- Leben gehören. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Angaben hat beim EHS-FSM im Gegensatz zum OEG z.B. keine zentrale Bedeutung im Sinne vorzulegender rechtssicherer Beweise und Gutachten. Alle Angaben müssen selbstverständlich plausibel sein. Anträge für Kinder werden vorgezogen entschieden, Erwachsene müssen aktuell leider mit einer längeren Bearbeitungsdauer rechnen. Es stehen pro AntragstellerIn maximal 10 000 Euro zur Verfügung, Menschen mit Behinderung können unter Umständen einen Mehrbedarf geltend machen.

 

Es besteht zwar kein Rechtsanspruch auf Hilfen über das Ergänzende Hilfesystem- Fonds Sexueller Missbrauch, aber die Antragstellung ist bewusst vergleichsweise niederschwellig, d.h. unkompliziert gestaltet worden. So ist es weder notwendig, alle Angaben zu belegen, noch detaillierte Ausführungen zu machen. Auf den Datenschutz wird sehr genau geachtet. Nach Eintragseingang gibt es eine Persönliche Anonymisierungsnummer (PAN), unter deren Verwendung der notwendige Schriftverkehr erfolgt. Wer also seinen Antrag noch nicht vollständig ausfüllen kann, z.B. weil noch keine Angaben zu Kostenvoranschlägen für Sachleistungen möglich sind, kann das später nachholen, selbst nach Auslaufen der Antragsfrist. Bislang sind gut 4000 Anträge in der Geschäftsstelle des Fonds eingegangen. Wie weit die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel reichen werden, ist zwar noch unklar. Doch da bis auf Bayern und Mecklenburg-Vorpommern fast alle Bundesländer noch nicht in den familiären Fonds eingezahlt haben, stehen von den ursprünglich veranschlagten 100 Millionen Euro noch 42 Millionen aus. Je mehr Anträge in der nächsten Zeit eingehen, desto deutlicher wird den politisch Verantwortlichen werden, wie viele Betroffene von sexueller Ausbeutung und Gewalt in unserem Land leben und dass sie dringend Unterstützung benötigen. Die Antragsfrist für Opfer institutionellen Missbrauchs, einem angegliederten Hilfesystem ist davon erst einmal unberührt und endet bis auf Weiteres am 31.8.2016.

 

Informationen gibt es auf der Homepage des EHS-FSM, www.fonds-missbrauch.de , einer Website des UBSKM, https://beauftragter-missbrauch.de/hilfe/weitere-hilfen/ und natürlich bei vielen Beratungsstellen wie z. B. Tauwetter.

 

Hier die Stellungnahme von Tauwetter:

 

 

http://www.tauwetter.de/en/aktuelles/214-ehs-antragsfrist-verlaengert.html

 

 

29.03.2016 Abkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt ratifiziert

 

Deutschland hat am 18.11.2015 das Übereinkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch (ETS-Nr. 201) ratifiziert (Inkrafttreten am 01.03.2016).

 

Im Abkommen gibt es Punkte, die mit den derzeit in Deutschland gültigen Gesetzen zum Sexualstrafrecht nicht konform gehen. Zum Beispiel, dass „Grooming“ unter Strafe gestellt werden soll. Wir begrüßen die Ratifizierung ausdrücklich

 

http://www.coe.int/en/web/conventions/full-list/-/conventions/treaty/201?_coeconventions_WAR_coeconventionsportlet_languageId=de_DE

 

 

 

28.03.2016  Forschung zum sexuellen Missbrauch innerhalb der kath. Kirche schon älter als 2010

Frau Witte, Vorsitzende unseres Vereins, hat einen entsprechend "alten" Artikel gefunden, der aber doch sehr aufschlussreich ist bezüglich der Geschichte und auch der besonderen Art und Weise "klerikalen Missbrauchs". Es handelt sich um ein Interview mit einem beteiligten Expater:

 

http://www.aha.lu/index.php?option=com_content&view=article&id=130&Itemid=252&lang=de

 

 

25.03.2016  Bemerkenswertes Interview von Bischof Ackermann zur sexuellen Missbrauchskriminalität in der Katholischen Kirche

25.03.2016   Immer wieder Schwierigkeiten, über das OEG (Opferentschädigungsgesetz) Entschädigungen zu erlangen selbst bei massivem Missbrauch in der Kindheit

Wer jemals versucht hat, über das OEG Zahlungen zu erwirken, weiß, wie schwierig das ist. Hier ein krasses Beispiel:

http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/31-Jahre-Gefangenschaft-Folter-und-Inzest-Zum-zweiten-Mal-weist-ein-Gericht-die-Klage-der-Ueberlingerin-Karina-M-ab;art372495,8609794

Alternativ bietet sich für Missbrauchsopfer bei Geldbeträgen bis 10.000,00€ der Fonds Ergänzende Hilfen beim Familienministerium an. Er soll Überbrückungshilfen bieten, bis endlich das OEG reformiert ist.

 

25.03. 2016  Antragsfrist Fonds Sexueller Missbrauch, Ergänzende Hilfen verlängert

 

Aktuell hat der Staatssekretär des BMFSFJ, Herr Dr. Kleindiek, verkündet, dass Anträge für den Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich über den 30. April 2016 hinaus gestellt werden können. Damit soll die Brückenfunktion, die das Ergänzende Hilfesystem hat, weiter aufrechterhalten bleiben. Die noch notwendigen intensiven Gespräche und Abstimmungen zur konkreten Umsetzung werden zeitnah geführt. Gerne informieren wir Sie anschließend über die entsprechenden Ergebnisse.

 

Wir ermutigen nichtsdestotrotz unabhängig davon alle Betroffenen, zeitnah ihren Antrag auf ergänzende Hilfeleistungen an die Geschäftsstelle des Fonds Sexueller Missbrauch zu richten.

 

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

 

 

 

Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch

 

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  
Glinkastraße 24, 10117 Berlin

 

 

Internet:       www.fonds-missbrauch.de

 

 

 

 

 

 

 

  04.03.2016 Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs Bonn fordern Medien zu mehr Mut und Recherche auf.

 

Nach Oscar für Spotlight:
Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

Berlin/Bonn, 29.02.2016. Anlässlich der Verleihung des Academy Awards „bester Film“ an SPOTLIGHT fordert der ECKIGE TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. die deutschen Medien zu Mut bei der Berichterstattung und Recherche über die historischen (und aktuellen?) Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf.

 

Man habe, so die Betroffenen, in den letzten Jahren nach dem Bekanntwerden der Skandale zunehmend den Eindruck gewonnen, die Medienlandschaft habe das Thema und dessen historische Aufarbeitung in der Breite aus den Augen verloren. Hinzu käme, dass sich die Kirchen mit dem medial bislang nicht öffentlich überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht hätten. Dass letzteres nicht funktioniere zeigte leuchtturmhaft die jüngste Berichterstattung rund um die Personalien im Bistum Hildesheim.

 

Der Jesuitenorden z.B. habe noch keine unabhängige Untersuchung der Missbrauchssystematiken und des Versagens im gesamten (deutschen) Orden vorgelegt. Omnipräsente Protagonisten fänden in den Medien statt, die Komplizen der Täter hätten sich im Orden eingerichtet und würden mittelbar und unmittelbar gedeckt – bis heute.

 

So wie am Aloisiuskolleg gäbe es überall vor Ort Betroffene, die „oscarreife“ Skandale und Ungeheuerlichkeiten vor, während und vor allem nach den eigentlichen Missbrauchstaten zu berichten wüssten und die noch nicht öffentlich erzählt wurden. Das sei aber wichtig, damit der systemische Aspekt und Hintergründe von Missbrauch in der Gesellschaft diskutiert werden können. Die Meinungshoheit z.B. zum Ausmaß der Aufarbeitung und Entschädigung, dürfe nicht einseitig den Kirchen überlassen werden. Das passiere aber, wenn man nur über dem Skandal (Missbrauchstaten) berichte und nicht am Thema dranbleibe.

 

Bei der Beschäftigung mit der 40 jährigen Missbrauchsgeschichte des Bonner Aloisiuskollegs habe man nur wenige standhafte Journalistinnen und Journalisten kennengelernt, die das Thema auch lokal und entgegen vieler Widerstände bis heute beleuchten. Das wünschen sich die Missbrauchsbetroffenen von der deutschen Presse, der sie vertrauen: Bringen Sie Licht in die deutsche Missbrauchsgeschichte. Fragen Sie die Betroffenen vor Ort, die kennen die dunklen Stellen!

 

 

 

Für den Vorstand
Heiko Schnitzler

 

ECKIGER TISCH BONN - Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V.
Borsigstr. 27
10115 Berlin

 

info@eckiger-tisch-bonn.de

 

Der Verein der Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen schließt sich diesem Aufruf gerne an.

 

 

 

03.03.2016 Erstes Treffen von Betroffenen sexuellen Missbrauchs und Gewalt ohne Mitglieder des Ordens

 

 

Ein Resultat des letzten Gespräches mit Vetretern des Ordens in Köln war die Etablierung von Betroffenentreffen, an denen Ordensmitglieder nicht teilnehmen, die Durchführung jedoch finanzieren.

 

Das erste Treffen findet am Freitag, den 20.5.2016 in der Zeit von 14.00 - 17.00 Uhr in Hennef bei Bonn statt.

 

Eingeladen sind alle, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt durch Angehörige des Redemptoristen Ordens geworden sind.Seit 2010 haben wir immer wieder von Menschen erfahren, die das Bedürfnis haben, über die an ihnen begangenen Verbrechen zu sprechen, dies aber nicht in Gegenwart von Patres tun wollten. Diesen Personen soll nun zusammen mit Betroffenen und Vereinsmitgliedern, die bislang auch an den Gesprächen in Köln teilgenommen haben, die Möglichkeit eines Austausches gegeben werden. Das Treffen wird aufgrund des über Jahre gewachsenen Vertrauens von Frau Annette Haardt-Becker moderiert, die seit 2010 auch die Gesprächsleitung in Köln übernommen hat.

 

Weitere Informationen erhalten Interessierte über die Kontaktdaten auf der Startseite der Homepage.

 

 

An dieser Stelle auch eine ausdrückliche Bekundung unseres Respektes für diesen Schritt des Ordens.

 

 

28.02.2016  Oskar für den Film "Spotlight"

Der Film basiert auf wahren Ereignissen und handelt von einem Team von Journalisten der Tageszeitung The Boston Globe, das den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufdeckt.

 

 Auch wenn der Film keinen Missbrauch nachstellt, geht er unter die Haut aufgrund der Interviews mit Zeugen und Tätern. Traurig und wütend macht, dass sich auch 15 Jahre nach den im Film geschilderten Tatsachen in den Strukturen der Kirche noch viel zu wenig verändert hat. Die Kultur des Verschweigens, des Leugnens und Kleinredens verhindert nachwievor fast jeden Aufarbeitungsprozess und effektive Prävention. Daran ändert sich auch nicht viel durch die positive Kritik der Kirche für diesen Film.

 Auf jeden Fall sehenswert.

 

 

23.02.2016  Kinderschutzkommission des Vatikans im Zwielicht

 

Aufgrund des Drucks von Opferverbänden richtete Papast Franziskus im März 2014 eine Kinderschutzkommission in beratender Funktion für die Bischöfe ein. Jetzt, fast zwei Jahre später zeigt sich, dass weiterhin viel zu wenig passiert, um Täter zu überführen und weitere Taten zu verhindern. Ein auf hoher Ebene aktives Missbrauchsopfer berichtet: 

 

"Peter Saunders saß als Missbrauchsopfer in der Kinderschutzkommission des Vatikans. Er wollte helfen, die Sexverbrechen aufzuklären. Jetzt wollen die Verantwortlichen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Hat er von der katholischen Kirche zu viel verlangt?"

 

Wie es weitergeht, lesen Sie hier:

 

http://www.christundwelt.de/detail/artikel/der-ausgestossene/

 

 

22.02.2016 Gelände der Odenwaldschule wird verkauft

22.02.2016  Missbrauchsbeauftragter veröffentlicht Expertise Häufigkeitsangaben und Forderungskatalog Forschung

 

Pressemitteilung

 

Missbrauchsbeauftragter veröffentlicht „Expertise Häufigkeitsangaben“ und „Forderungskatalog Forschung“:

 

Rörig: „Rund 1 Million  Kinder sind in Deutschland von sexueller Gewalt betroffen. Expertise zeigt enorme Dimension von sexueller Gewalt an Kindern auch im internationalen Vergleich!“

 

Bisher fehlt es in Deutschland an validen Zahlen zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch oder zur Differenzierung nach Geschlecht. Ein Vergleich der vorliegenden Hell- und Dunkelfeldstudien ist aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Studiendesigns kaum möglich, Entwicklungen und Tendenzen, ob Missbrauch zu- oder abnimmt und welche Faktoren hier möglicherweise eine Rolle spielen, sind so kaum zu benennen. Wichtige Ergebnisse: Mädchen sind weitaus häufiger betroffenen als Jungen. Die meisten Kinder erleiden neben sexueller Gewalt auch weitere Gewaltformen.

 

Berlin, 22.02.2016. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat heute in Berlin die Expertise „Häufigkeitsangaben zum sexuellen Missbrauch – Internationale Einordnung, Bewertung der Kenntnislage in Deutschland, Beschreibung des Entwicklungsbedarfs“ sowie den Forderungskatalog „Forschung zu sexuellem Missbrauch – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ vorgestellt, in dem mehr Investment in Forschung, Vernetzung mit der Praxis, Partizipation von Betroffenen sowie Nutzen von Forschungswissen für Aus-, Fort- und Weiterbildung gefordert wird.

 

Expertise und Forderungskatalog zum Download sowie weitere Informationen unter: https://beauftragter-missbrauch.de/nc/presse-service/pressemitteilungen/

 

Zum Download hier:

 

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22.02.2016  Zwischenstand der Aufarbeitung sexueller Gewalt am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel

Die Kölnische Rundschau berichtet ausführlich zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs am erzbischöflichen Konvikt Collegium Josephinum Bad Münstereifel. Interessant auch die Hinweise zu besonderen Erschwernissen der Aufarbeitung. Beschämend, wie stark der Verein der Ehemaligen versucht, z. B. mit dem Hinweis auf Datenschutz die Aufarbeitung zu behindern. Und wenn es nur ein einziges Opfer geben würde (es gibt mehr), müsste dieser Verein ehemaliger Mitschüler doch alles daransetzen, die Aufklärung erlittenen Leids  zu unterstützen. 
Erinnert doch sehr daran, dass in der Regel Mütter, die wissen, dass der eigene Mann das eigene Kind/Stiefkind missbraucht, auch nichts unternimmt und oft das Kind auch dann im Regen stehen lässt, wenn es irgendwann den Täter anzeigt/anzeigen will. Der Schein von heiler Familie würde in dem Moment zerbrechen genauso wie für die sog. Ehemaligen einer Schule der Glorienschein der Schule, an der für sie selbst vielleicht alles so toll war, zerbrechen würde, wenn sie für sich die Schattenseite realisieren würden. Also boykottiert man die Aufarbeitung, damit der Schein von Elite oder welcher Schein auch immer gewahrt bleibt, vielleicht aber auch, damit man selbst nichts aufzuarbeiten hat. Vorwurf dahinter an die Missbrauchsopfer: "Sollen sich doch nicht so wichtig machen!"

 

http://www.rundschau-online.de/euskirchen/collegium-josephinum-in-bad-muenstereifel-missbrauch-am-knabenkonvikt-war-kein-einzelfall,15185862,33828054.html

 

http://www.ksta.de/bad-muenstereifel/collegium-josephinum-in-bad-muenstereifel-missbrauch-am-knabenkonvikt-war-kein-einzelfall,15189142,33828054.html

 

20.02.2016  Zusammenfassung der Tagung "Kind, du bist uns anvertraut" in der Evangelischen Akademie Tutzing

In der Evangelischen Akademie Tutzing wird erstmals der Vergleich zwischen katholischen Internaten, der weltlichen Odenwaldschule und grünen Tatorten versucht. Er zeigt Parallelen: Je heller der Glorienschein der "zeitgemäßen" Elite, desto leichter, die Zöglinge zu missbrauchen. Der Vergleich erbringt auch Hinweise darauf,  dass die bis heute nicht aufgearbeitete Prägung von Internaten durch ein Wertesystem, das sich am Faschismus orientiert, einen Schlüssel zum Verständnis der Vorgänge darstellen könnte. Es bestätigt sich, dass solche geschlossenen, kontrollierbaren Systeme wie es viele Internate, Heime und Privatschulen sind, für Erwachsene, deren Persönlichkeit in eine bestimmte Richtung gestört ist, besonders attraktive Betätigungsfelder darstellen. Das Bespitzeln, das nach-oben-hin-buckeln-aber nach-unten-treten, die Dysregulation von Nähe und Distanz, das Abhängigmachen, Bedrohen, Bloßstellen erscheinen als  typische Verhaltensweisen. "Sadismus" der Täter und Verantwortungslosigkeit der Kontrollinstanzen ist ein Kernthema.

 

Hier der Link:

 

http://www.ev-akademie-tutzing.de/wp-content/uploads/2016/02/Kind-anvertraut-2-Fueller_Artikel.pdf

 

 

 

15.02.2016  Licht ins Dunkel? Der Missbrauchsbeauftragte rollt den Fall Dieter B. noch einmal auf und der Orden kooperiert

 

Am 11.2.2016 fand ein Gespräch zwischen Herrn Dieter B. und dem Missbrauchsbeauftragten des Ordens statt. Auf Wunsch des Betroffenen nahm auch die Vorsitzende des Vereins an diesem Gespräch teil.

Hintergrund des Treffens waren die vom Orden angezweifelten Aussagen von Dieter B. bezüglich seiner Unterbringung im CoJoBo in den Sommerferien 1959.

Da der Versuch einer weiteren Klärung durch den Orden im Jahr 2015 nicht zielführend war, wurde der Fall am Jahresanfang von Pater Römelt an den Missbrauchsbeauftragten übertragen.

Anhand der Ergebnisse des Gespräches und weiterer Recherchen soll die Tatzeit noch einmal beleuchtet werden. Dazu erhält der Missbrauchsbeauftragte uneingeschränkten Zugang zu den noch vorhandenen Akten in den Archiven in Bonn und Wittem und dem Privatnachlass verschiedener Patres. Sollten sich im Zuge der anberaumten Durcharbeitung weitere Details auch im Bezug auf den Missbrauch anderer Opfer, die dem Orden bekannt sind, ergeben, wird sich der Missbrauchsbeauftragte mit diesen Personen in Verbindung setzen.

Die Wahrnehmung der Fürsorgepflicht dem Betroffenen gegenüber wurde vom Missbrauchsbeauftragten während der Dauer des mehrstündigen Gespräches sehr ernst genommen.

Im Interesse des Opfers sind wir gespannt auf die Ergebnisse und danken dem Orden für die Art und Weise der Kooperation.

 

15.02.2016    Tagung der evangelischen Akademie Tutzing zur Sexuellen Gewalt gegen Kinder   - Hinweise

Ende Januar fand in der Akademie Tutzing eine ausgezeichnete Tagung statt mit dem Thema: „Kind, du bist uns anvertraut“ Evangelische Akademie Tutzing, 29.1. – 31.1.2016 Sexuelle Gewalt gegen Kinder und der Umgang damit in Deutschland.

 

Veranstaltungen

 

  1. „Sexueller Missbrauch und Kinderschutz in historischer Perspektive bis heute“ Anro Görgen
  2. „Was ist sexueller Missbrauch, wie häufig und in welchen Kontexten geschieht sexueller Missbrauch?“ Prof. Fegert
  3. „Odenwaldschule – das Versagen einer missbrauchenden Institution“ Brigitte Tilmann
  4. „Ambivalenzen der sexuellen Revolution“ Christian Füller

 

  1. „Sexualisierte, psychische und physische Gewalt in kirchlichen Internaten: Die Beispiele Ettal und Kremsmünster“ Prof. Keupp
  2. „Die späte Aufarbeitung – Vom Runden Tisch zur Unabhängigen Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch“ Johannes-Wilhelm Rörig
  1. „Verantwortung und Konsequenzen – Podiumsgespräch“ Peter Bartlechner, Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Brigitte Braun, Thomas Birk, Johannes-Wilhelm Rörig und Brigitte Tilmann diskutierten unter der Moderation von Prof. Volker Beck
  1. Praxisforen
  • „Kein Täter werden – Präventive Therapie bei pädophilen Männern im Dunkelfeld“ Mag. rer. nat. Elisabeth Quendler, Ulm 
  • „Möglichkeiten und Grenzen der Prävention in pädagogischen Einrichtungen“ Harald Hofer M.A. und Dr. Stephan Kadera
  • „Männliche Betroffenheit von sexualisierter Gewalt – Hilfeansätze in einem Dunkelfeld am Beispiel der Beratungsstelle KIBS“ Dr. Peter Mosser
  1. „Mensch Otto“ in der Akademie Thorsten Otto, Moderator beim BR im Gespräch mit Miriam Sakayan „Miriam Sakayan“ ist ein Pseudonym. Es handelt sich um eine junge Frau, die in ihrer Familie von klein auf sexuelle Ausbeutung und multimodale Misshandlung erlebt hat. Sie sprach an dem Abend zum ersten Mal öffentlich über ihre Erlebnisse. Im Anschluss an das Gespräch wurde unter den TeilnehmerInnen der Tagung das Thema „Outing“ sehr kontrovers diskutiert
  2. „Netzräume- Missbrauchsräume? Grauzonen, Grenzüberschreitungen, Grooming“ Vortrag von Julia von Weiler
  3. „Trau dich“ Bundesweite Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs, Theater als Einladung, (Fort) Bildung als Grundlage und Vernetzung auf Dauer Brigitte Braun, Julia Bihl, Johannes Birlinger
  4.  Abschlusspodium

 

Der Vortrag von Prof. Fegert ist eine ausgezeichnete Zusammenfassung der aktuellen Daten (und ihrer Problematik) zur Sexuellen Gewalt und bereits downloadbar:

 

http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Kliniken/Kinder_Jugendpsychiatrie/Praesentationen/FE_2016_01_29_Tutzing.pdf

 

In diesem Zusammenhang noch einmal der Hinweis auf den möglichen Download der ausgezeichneten Aufarbeitung zum Kloster Kremsmünster unter der Überschrift "Schweigen, Aufdeckung, Aufarbeitung"

 

http://www.ipp-muenchen.de/files/bericht_kremsmuenster_ipp_issn_1614-3159_nr-11.pdf

und der Hinweis auf die Aufarbeitung im Kloster Ettal durch das gleiche Institut:

 

http://www.ipp-muenchen.de/texte/ap_10.pdf

 

Zur Odenwaldschule hier eine Aufstellung des zeitlichen Ablaufs des Skandals:

 

http://ueberhauptgarnix.blogspot.de/2010/04/kindermissbrauch-der-odenwaldschule-in.html

 

 

11.02.2016    Bewegender Film zur Gewalt gegen Frauen "Voices of Violence" läuft am 10. März 2016 in den deutschen Kinos an

Gerne weisen wir auf einen sehr besonderen Film zur Gewalt gegen Frauen hin, der im März in die deutschen Kinos kommt. Besonders ist der Film deshalb, weil es gelungen ist, die Frauen selbst zum Sprechen zu bringen und damit das Schweigen und Vergessen der Frauen zu beenden - eindrucksvoll und sehenswert.

Premiere am 01. März im Museum Ludwig in Köln:

 


mindjazz pictures   
&   Bildersturm Filmproduktion

 

 

mindjazz pictures & Bildersturm Filmproduktion 

laden Sie herzlich ein zur

FILMPREMIERE VON VOICES OF VIOLENCE IN KÖLN

AM DIENSTAG, DEN 1. März 2016

Im Filmforum im Museum Ludwig

Bischofsgartenstr. 1 50667 Köln

VOICES OF VIOLENCE

 

Einlass 19.00 Uhr, Filmstart 19.30 Uhr

Anschließend Filmgespräch mit Regisseurin Claudia Schmid und Thérèse Mema Mapenzi, Traumatherapeutin in der DR Kongo

 

 

Weitere Termine der Kinotour und Kinotermine finden sie unter 

www.mindjazz-pictures.de/kinotermine  

 

 

 
 
 
 

 

29.01.2016  Verlauf und Ergebnisse des Gesprächs der Betroffenengruppe Redemptoristen mit dem Orden am 23.01.2016 in Köln

 

Eine umfangreiche Tagesordnung stand auf dem Programm des jüngsten Treffens zwischen Betroffenen sexueller Gewalt, Vertretern des Ordens der Redemptoristen, dem Missbrauchsbeauftragten des Ordensund der Moderatorin Frau Haardt-Becker.

Auf Wunsch der Betroffenen erklärte der Missbrauchsbeauftragte zunächst, welche inhaltliche Ausgestaltung seinem Auftrag als Missbrauchsbeauftragter zugrunde liegt. Hier waren einige Details, besonders zur absoluten Vertraulichkeit und Parteilichkeit zugunsten der Opfer, so nicht bekannt. Eine genaue Erläuterung der Aufgaben wird in Kürze auf der Hompage eingestellt. Deutlich wurde, dass eine Fortführung des Merzbach- Berichtes in der gleichen Form durch den jetzigen Missbrauchsbeauftragten so nicht möglich ist. Inzwischen hat die Ordensleitung signalisiert, auch daran interessiert zu sein, den Merzbachbericht fortzuschreiben.

Aus den Schilderungen der Missbrauchsbeauftragten aus den Jahren 2014-2015 gibt es einen bislang unbekannten Hinweis auf ein weiteres weibliches Opfer, dass in Erwägung zieht, einen Antrag auf Anerkennung des Leids zu stellen. Ebenso nahm 2015 ein ehemaliger Schüler des CoJoBo aus neuerer Zeit (90er Jahre) Kontakt zum Missbrauchsbeauftragten und inzwischen auch zum Verein auf.

Die Betroffenen bitten den Orden, den Wirkungsort von Pater Otto H. noch einmal intensiv zu untersuchen. Er war bis in die 70er 15 Jahre Pfarrer in Heckenmünster, wo es belegte Übergriffe gegeben hat und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es dort noch zu weiteren Taten gekommen ist.

Im Fall Dieter B. wurde im Vorfeld des Treffens bereits die Vereinbarung getroffen, dass sich der Missbrauchsbeauftragte und nicht der Orden selbst um weitere Recherchen im Bezug auf seine Geschichte kümmert. Der Widerstand, den der Orden in dieser Sache spüren ließ, sowie das Nichteinhalten von Versprechen, sich zeitnah um einen intensive Recherche zu bemühen, stoßen bei den Betroffenen auf großes Unverständnis und Enttäuschung. Wir hoffen im Interesse von Dieter, dass die Einschaltung des Missbrauchsbeauftragten jetzt zu einem befriedigenderen Ergebnis führen wird.

 

Im Mittelpunkt des Gespräches stand eine Bilanz der letzten fünf Jahre, zu der sich alle Beteiligten schon im Vorfeld Gedanken machen sollten. Insgesamt acht Betroffene und fünf anwesende Patres zogen ein von Inhalt und Umfang breit gefächertes Resüme.

Von der "kaum aushaltbaren Wucht", mit der die Erlebnisse der Opfer bis heute auf ihn prallen und dem in Gang gesetzten und noch nicht beendeten Lernprozess ("Missbrauch wird ein Teil meiner Welt") spricht die Ordensleitung, ein Pater spricht gar über seine Zweifel, ob er aufgrund der ans Tageslicht gebrachten Taten seiner Mitbrüder überhaupt noch Mitglied dieser Ordensgemeinschaft sein möchte. Ein anderer empfindet in sich nach wie vor einen Zwiespalt, ob er seine knapp bemessenen Zeit nicht lieber den aktuellen Problemen in seiner beruflichen Gegenwart zugute kommen lässt, als über längst Vergangenes zu sprechen. Ein anderer setzt dagegen sein Statement, dass dieser Gesprächskreis ein guter Gesprächskreis sei und dass er ein Gesprächskreis sein solle "ohne Ende".

Auf Seiten der Betroffenen oder auch „Angefassten“, wie ein Teilnehmer es ausdrückte, gab es zum einen die deutliche Anerkennung, dass der Orden sich ab 2010 zu kontinuierlich fortgesetzten Treffen bereit erklärt hat und seinerzeit eine unbürokratische Abwicklung der Anträge auf eine Zahlung in Anerkennung des Leids gewährleistet hat. Große Entäuschung  zeigte sich im Bezug auf die Art und Weise, in der 2013 der Merzbach Bericht von Seiten des Anwalts der Redemptoristen in der Gerichtsverhandlung Dieter B. gegen den Orden behandelt wurde. Alle Opfer sahen dort mit dem Vorgehen des Anwalts die Ermittlungen von Herrn Merzbach und damit die eigene Glaubwürdigkeit erneut in Frage gestellt. Diese Infragestellung wurde von allen Betroffenen als erneutes Unrecht empfunden. Das gerade aufgebaute Vertrauen in den Aufarbeitungswillen des Ordens ist seitdem mindestens angeschlagen.

 

Entäuscht sind eine Reihe von Betroffenen auch durch die Tatsache, dass der Orden von sich aus in den letzten fünf Jahren nur selten aktiv geworden ist. (" Was nötig gewesen wäre? Dass sich einer von Ihnen geopfert hätte für uns. Einer, der nicht nur Scham bekundet, einer, der nicht nur um Verzeihung bittet, sondern einer der die Fahne der Aufarbeitung, der Beschämung der eigenen Zunft getragen hätte. Eine Fahne trägt und schwenkt man vorneweg.") Es wurden zwar immer wieder Anregungen der Betroffenen, wie z.B. die Fachtage zum Thema „Trauma“ umgesetzt, aber vermisst wird ein konsequentes, zielorientiertes Handeln, ein mutiges Vorangehen des Ordens selbst. Ein öffentliches Bekenntnis zu den dunklen Seiten in der Vergangenheit des Ordens ist nicht erkennbar. Der Missbrauchsbericht war auf der Ordenshomepage nicht mehr zu finden (was geändert werden soll) und auch darüber hinaus sind keine Hinweise zu finden, dass der Orden seit Jahren im Austausch mit Betroffenen steht.

Die Wirkung des erlittenen Traumas bis in die Gegenwart zeigt sich besonders deutlich in der Verzweiflung Einzelner, auch theologisch Aufschluss darüber finden zu wollen, wie diese Taten mit dem Auftrag eines Priesters überein kommen. Konkrete Fragen eines Betroffenen hierzu können tatsächlich auch von den Ordensleuten nicht im Ansatz beantwortet werden.

Die Frage eines Ordensmitglieds an die Betroffenen, wie sich sich denn verhalten würden, wenn bekannt würde, dass es in der eigenen Familie einen Täter gibt, zeigt die tiefe Betroffenheit einzelner Ordensmitglieder genauso wie die große Hilflosigkeit diesem Thema gegenüber. Neben der Anregung, sich in einem solchen Fall professionelle Hilfe zu suchen (wie man es evtl. auch in der Familie machen würde) kam auch der Hinweis aus der Betroffenengruppe, dass es nicht zielführend sei, die Opferseite in diese Frage zu involvieren. Aus Sicht der Betroffenen könnte es gerade in Bezug auf die Beantwortung dieser Frage von zentraler Bedeutung sein, die Aufarbeitung auch ordensintern zu gestalten und zu forcieren. Von ihm wurde das Anliegen deutlich ausgesprochen: "wieder heil zu werden, Sie mit uns und wir mit Ihnen"- falls es denn überhaupt gehen kann. Ein Betroffener (H. K.) drückte diese Skepsis so aus: er hoffe immer, dass es gelingen könne, noch einmal gerade Zeilen zu schreiben- aber er glaube es nicht.

 

Die Betroffenengruppe hält das Thema einer individuellen finanziellen Entschädigung weiterhin  für drängend und nicht abschließend bearbeitet.

 

Im letzten Teil des Gesprächs ging es um die Gestaltung der Zukunft:

Hier gab es ausdrücklich den Wunsch, die Prävention gegen sexuelle Gewalt vom Kopf auf die Füße zu stellen, aus der Theorie in die Praxis zu führen, vom (reichlichen) Papier in das reale Leben, Prävention also im Alltag wirksam zu machen. Dieser Wunsch wurde vom Missbrauchbeauftragten auch als oberstes Anliegen eines neuen Betroffenen formuliert. Herr Römelt sagte zu, mit dem Missbrauchbeauftragten ein entsprechendes Controlling bzw. die Impelementierung eines Schutzkonzeptes in Bonn und Kirchhellen zu diskutieren und gegebenenfalls zu vereinbaren. ("Ich lerne hier. wie geht das als Verantwortlicher?")

Über die Umsetzung der vorgetragenen Anliegen sollen in einem nächsten Treffen am Samstag, den 3.9.2016 um 11.00 in Köln gesprochen werden.

 

Der Orden erklärt sich darüberhinaus bereit, auch ein jährliches Treffen der Betroffenengruppe untereinander und mit professioneller Unterstützung durch Frau Haardt- Becker zu finanzieren. Ohne Zögern wird diesem Wunsch entsprochen. Diese erfreuliche Zusage öffnet somit für die Zukunft die Möglichkeit, mit weiteren Betroffenen in persönlichen Kontakt und Austausch zu kommen, für die ein Zusammentreffen mit Ordensmitgliedern unmöglich bzw. unerwünscht ist. 

Ein erster Termin ist für Mai angedacht. Ausführliche Informationen folgen.

 

Abschließend ein Satz des Journalisten Florian Breitmeier, der am 27.1.2016 im NDR Radio die Entwicklungen in Hildesheim kommentierte,  ein Satz, der durchaus auch auf unseren Kreis übertragbar ist:

„Wer angibt, in der Spur der Opfer gehen zu wollen, muss diesen Willen auch offensiv zum Ausdruck bringen und selbstlos auf potentiell Betroffene zugehen. Dies wäre eine Kirche, die zu den Menschen geht, und nicht wartet, bis sie zur Kirche kommen. Nächstenliebe, Achtsamkeit und Fürsorge sind theologische Schlüsselbegriffe, ebenso wie Reue, Buße, Umkehr.“ Ein Anfang ist auch hier gemacht.

 

 

28.01.2016 Aus aktuellem Anlass: Erneuter Hinweis auf professionelle Unterstützung für männliche und weibliche Missbrauchsopfer

Tauwetter heißt die Anlaufstelle, für Männer, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren.

Der Verein Tauwetter schreibt auf  seiner Homepage:

"Wir sind offen für alle, die als Junge von sexualisierter Gewalt betroffen waren. Für alle, die heute als Männer leben, und als Kind oder Jugendliche egal welchen Geschlechts sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Und für alle, die sich nicht in das Schema der zwei Geschlechter (männlich/weiblich) pressen lassen wollen, und denen als Kinder oder Jugendliche sexualisierte Gewalt widerfahren ist.

  • Viele Betroffene fühlen sich in ihrem Körper unwohl. Einige tun das schon ihr Leben lang. Bei manchen steht dabei das Geschlecht des Körpers (sex) im Vordergrund - bei anderen eher das soziale Geschlecht (gender). Einige von ihnen leben heute als Frau. Manche haben ihr biologisches Geschlecht anpassen lassen.
  • Es gibt nicht wenige, die fühlen sich unwohl mit den Zuweisungen, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat. Sie wollen oder können diese Erwartungen nicht erfüllen. Manche haben auch eine grundsätzliche Kritik an der Reduzierung auf zwei Geschlechter. Einige weigern sich konsequenterweise, sich in diese Schubladen stopfen zu lassen und suchen nach anderen Wegen.
  • Andere sind bei der Geburt körperlich weder eindeutig männlich noch weiblich. Oft wird ihnen dann nach Gutachten eines Mediziners operativ ein Geschlecht zugeordnet. Manche kommen aber auch um solche Zwangsoperationen herum.

Allen diesen Menschen steht Tauwetter offen, wenn sie das Gefühl haben, mit unserem Angebot etwas anfangen zu können."

 

http://www.tauwetter.de/info.html

 

Weitere Anlaufstellen:

 

Trotz allem e.V. für Frauen mit sexualisierten Gewalterfahrungen:

 

http://www.trotzallem.de/

 

Vielfalt e.V. für Frauen und Männer aus dem Kontext organisierter und/oder ritueller Gewalt:

 

http://www.vielfalt-info.de/

 

Gerne weisen wir auf die folgende hervorragende Zusammenstellung zahlreicher Hilfeeinrichtungen durch die Website

http://www.dissoziation-und-trauma.de   

hin, hier speziell:

 

http://www.dissoziation-und-trauma.de/links/beratung-therapie-und-selbsthilfeorientierte-angebote

 

28.01.2016  Verhaltene Reaktionen auf den Bericht zum massenhaften Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen- Fehlereingeständnis von Bischof Vorderholzer

http://www.fr-online.de/kultur/regensburger-domspatzen-matte-reaktion-auf-massenhaften-missbrauch,1472786,33617086.html

 

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat sein Schweigen gebrochen und eigene Fehler bei der Aufklärung der Fälle von Missbrauch und Misshandlung bei den Domspatzen eingeräumt.

 

"Bedauerlicherweise waren die in der Vergangenheit unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam", sagte Voderholzer am Sonntagnachmittag im Regensburger Dom.

 

Die Opfer, so scheint es, bleiben misstrauisch, ob es der Bischof tatsächlich ernst meint mit seinen Aussagen.

Dazu die Süddeutsche:

 

http://www.sueddeutsche.de/bayern/domspatzen-regensburger-bischof-bricht-schweigen-tut-mir-in-der-seele-weh-1.2833216

 

 

28.01.2016  Echte Aufarbeitung dauert lange

Aufarbeitung kann nicht aus der Hüfte geschosseen werden, ist nicht heute begonnen und morgen schon beendet. Sie bedarf stetiger Korrekturen, ständiger Neujustierung und zeitaufwändiger gegenseitiger Verständigung über Ziel und Zweck der Recherche. Hierzu ein markantes Interview mit dem Beauftragten der Bundesregierung Rörig unter folgendem Link:

 

http://www.mittelbayerische.de/bayern/oberpfalz-nachrichten/echte-aufarbeitung-dauert-lange-21684-art1335481.html

 

 

28.01.2016  Missbrauch durch Priester als Theologisches Problem

Beschäftigt die Menschen die Frage, wie "es" überhaupt "möglich" ist, schon grundsätzlich und allgemein, so beschäftigt die Frage nach der sexuellen Gewalt im Zusammenhang mit dem Priestertum die davon Betroffenen oft ganz besonders. Theologisch die Heiligung des Priesters durch Weihe und Gelübde ins Verhältnis zu setzen zur Sünde des Priesters und hier besonders zur sexuellen Gewalt gegen Kinder ist dabei nicht nur eine akademisch theologische Frage sondern - wie wir Betroffene von priesterlichem Missbrauch immer wieder erfahren- für viele Opfer ein lebenslang quälendes Thema- meist ausgehend von der Frage: Wie geht das für den Priester, mich am Abend zu vergewaltigen und am Morgen mit denselben Händen die Hostie der Gemeinde und mir selbst entgegen zu halten?

Einen ersten Einstieg in diese Auseinandersetzung finden Sie auf unserer Homepage im Abschnitt "Sieh mich sterben". Der Abschnitt wird in Kürze neu aufgearbeitet.

 

Dieses Thema wird aktuell auch in ersten Umrissen in der Katholischen Kirche selbst in den Fokus genommen:

 

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/es-stehen-grundsatzliche-theologische-fragen-an

 

 

28.01.2016  Jahrestag des Beginns des sog. Missbrauchsskandals "Canisiusday"

Heute jährt sich der Beginn des so genannten „Missbrauchs- Tsunami“ zum sechsten Mal. Sehr aufschlussreich in dem Zusammenhang, was dazu auf dem Berliner Blog „Spreeblick“ eingestellt wurde:

 

http://www.spreeblick.com/blog/2010/01/28/sexueller-missbrauch-am-canisius-kolleg-berlin/

 

 

27.01.2016 Neuer Missbrauchsfall im Bistum Hildesheim- Zusammenhang mit dem Missbrauch am Canisiuskolleg in Berlin

Im Fall des Missbrauchstäters Pfarrer Peter R. hat sich nach WDR Recherchen ein weiteres mutmaßliches Opfer gemeldet. Es handelt sich um die Mutter einer heute 20jährigen jungen Frau aus Hildesheim, die in der WDR/ARD Dokumentation „Richter Gottes“ vom 30.11.2015 bereits selbst ihren Missbrauch durch den pensionierten Pfarrer Peter R. öffentlich gemacht hatte.

 

http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/die-story/sendungen/pressemeldung-richter-gottes-100.html

 

http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/662959/neue-missbrauchsvorwurfe-im-bistum-hildesheim

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/bistum-hildesheim-familientragoedie-ueber-zwei-generationen-a-1074031.html

 

 

26.01.2016 Beauftragter der Bundesregierung setzt Aufarbeitungskommission ein

 

Pressemitteilung:

 

Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch startet noch im Januar

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs beruft die sieben Mitglieder für die unabhängige Aufarbeitungskommission.

 

Berlin, 26.01.2016. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die sieben Mitglieder für die Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch berufen. Damit kann erstmals eine auf nationaler Ebene angesiedelte unabhängige Kommission sexualisierte Gewalt an Kindern in Deutschland umfassend aufarbeiten.

Die Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr. Sabine Andresen: „Mit der Kommission ergibt sich die große und auch international einzigartige Chance, die Dimensionen des sexuellen Kindesmissbrauchs in Familien und Institutionen aufzudecken und so einen Beitrag auch für Kinder und Jugendliche heute zu leisten.“

 

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25.01.2016   Das Gespräch der Betroffenen mit dem Orden am 23.01.2016 fand in guter Atmosphäre statt und führte zu erfreulichen Ergebnissen

Wir berichten am Ende dieser Woche Näheres.

25.01.2016   Verein und Homepage jetzt auch offiziell auf der Homepage des Beauftragten der Bundesregierung für Sexuellen Missbrauch Rörig

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22.01.2016  Bühnenstück "Bilder von uns" . Reaktionen überwältigens

20.01.2016   Die Bonner Journalistin Hagenberg- Miliu schreibt ausführlich über das Bühnenstück "Bilder von uns" beim Evangelischen Pressedienst

 

Theater Bonn zeigt Stück zum Missbrauch am Aloisius-Kolleg "Schandfleck in das eigene Selbstbild integrieren"

 

Das Theater Bonn zeigt am Donnerstag die Uraufführung des Stücks "Bilder von uns". Der Berliner Dramatiker Thomas Melle verarbeitet darin die Missbrauchsfälle am Bonner Aloisiuskolleg. 

 

"Die Hintergründe im Stück sind den realen Ereignissen sehr ähnlich", sagte der 40-jährige Melle, der selbst Schüler am Aloisiuskolleg war, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei aber weder eine Fortführung der Arbeit der Betroffenenverbände noch eine Verteidigung oder Anklage der Täter, sondern eine "ästhetische Auseinandersetzung".

 

"Das Stück verhandelt fiktive Konflikte, die gleichwohl typisch für die Kämpfe in der Wirklichkeit sein mögen", sagte Melle. 

Melle will nicht richten, sondern erhellen

Laut Aufklärungsberichten werfen 60 Betroffene 18 Jesuiten und fünf weltlichen Mitarbeitern des Kollegs sexuelle Übergriffe und Missbrauch vor, die von den 50er bis in die 2000er Jahre hinein stattgefunden haben sollen. "Ich war vor Ort, verstehe die Konflikte genau, die Abneigung, die Verteidigung, den Hass, den Stolz, alles. Und eben auch die Ambivalenz", sagte Melle. Es sei aber nicht seine Aufgabe zu richten, sondern "das Ganze mit den oft genug undurchsichtigen Mitteln der Kunst zu erhellen, eine eigene, komplexe Perspektive auf das Geschehen zu werfen".

 

Die Hauptfigur im Theaterstück, ein 40-jähriger Manager, wurde wie viele Kollegsschüler einst nackt von einem Pater fotografiert. "Das ganze System, in dem man aufwuchs, steht infrage, und der Kampf um die eigene Identität und Biografie setzt ein", sagte Melle, der mit seinen Romanen "Sickster" und "3.000 Euro" zweimal für den deutschen Buchpreis nominiert wurde.

Jeder geht anders mit dem Erlebten um 

Wenn 40-Jährige erkennen, dass sie als Kinder von ihrem Erzieher nackt fotografiert wurden, löse das bei dem einen sehr viel aus, bei dem anderen gar nichts, sagte Melle. Dritte würden sich ein paar Wochen lang an den Kopf fassen und es dann verdrängen. "Ein Vierter dagegen ist schon längst zerbrochen", sagte der Dramatiker. Das liege auch daran, dass sich der Blick anderer Menschen auf die Opfer ändere. "Deshalb ist es ja auch so mutig von den Betroffenen, wenn sie zu reden beginnen."

 

Die Täter spielten in dem Stück kaum eine Rolle, sagte der Schriftsteller. Sie würden nur immer schuldiger, da sie sich nicht äußerten. "Wie schweigende, tote Götter hängen sie über der Szenerie und haben sich eigentlich schon aus dem Staub gemacht", erklärte Melle. Die Opfer müssten alles unter sich und mit sich selbst ausmachen.

 

Zum aktuellen Aufarbeitungsstand von realen Missbrauchsfällen an Schulen sagte der ehemalige Aloisiuskollegschüler, die betroffenen Institutionen könnten nur dann wieder funktionieren, "wenn sie offensiv damit umgehen, es nicht nur abarbeiten, um es wegzukriegen, sondern wirklich verarbeiten". Die Einrichtungen müssten "den Schandfleck in das eigene Selbstbild integrieren", sagte Melle. "Nur so geht es."

 

(epd-west, Ebba Hagenberg-Miliu)

Siehe auch:

 

http://www.domradio.de/themen/kultur/2016-01-20/theater-bonn-zeigt-stueck-zum-missbrauch-am-aloisius-kolleg

 

http://www.express.de/bonn/premiere-ako-missbrauch-geht-in-bonn-auf-die-buehne-23420070

 

http://www.theaterkompass.de/news-einzelansicht+M5752f5d82e6.html

 

Der WDR hat auf der Grundlage des Stückes zum Komplex der Opferidentität in bezug auf das Erinnern und Vergessern berichtet:

 

http://www.wdr3.de/buehne/bilder-von-uns-106.html

 

 

 

19.01.2016   Regensburger Domspatzen: die Zahl derer, die sich melden, nimmt täglich zu.

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/domspatzen-missbrauch-opfer-100.html

 

Gibt es für die Betroffenen gute Gründe, in die Unabhängigkeit der Aufarbeitung Vertrauen zu setzen, gelingt offensichtlich der Schritt, sich zu melden, leichter.

 

Zur Verbindung Missbrauch und NS- Vergangenheit der Täter auch:

 

 

http://www.idowa.de/inhalt.regensburg-berlin-ns-vergangenheit-bei-den-domspatzen-immer-mehr-klagen-ehemaliger-chorknaben.4c88021b-b5a0-4b58-bb9d-30d60b3a797e.html

 

 

http://www.dachau-institut.de/psychologie.html

 

.

19.01.2016   Der Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten gibt eine Pressemitteilung zur Silvesternacht in Köln heraus

 

Im Anschluss finden Sie eine Stellungnahme des Betroffenenrates beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zu den Fällen sexualisierter Gewalt in der Silvesternacht in Köln und weiteren deutschen Städten. Weitere Informationen und Kontakt zum Betroffenenrat finden Sie unter https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/der-betroffenenrat/  bzw. unter  presse@betroffenenrat-usbkm.de .

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Stellungnahme Betroffenenrat zur Silvesternacht in Köln
PM_Betroffenenrat_Stellungnahme Silveste
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17.01.2016 Bericht zu Missbrauch und Misshandlung bei den Regensburger Domspatzen- Reaktionen

Wie in den letzten Tagen vielfach in der Presse berichtet, hat der vom Bistum beauftragte Rechtsanwalt Weber seinen erschütternden Bericht zu Missbrauch und Misshandlung bei den Regensburgern Domspatzen vorgelegt. Er hat sich getraut, sehr weitgehende Recherchen anzustellen, er hat sich getraut auch den Bruder des ehemaligen Papstes Benedikt Georg Ratzinger in den Fokus der Untersuchung zu stellen. Er hat viele innere und äußere Hindernisse bei der Aufklärung überwinden müssen und tatsächlich auch überwunden. Beschämend die Reaktion des alten Herren Ratzinger, dem zu dem ganzen nur einfällt, sich selbst zum Opfer (der Aufarbeitungskampagne) zu stilisieren und der deshalb die Aufarbeitung schlicht "Irrsinn" nennt.

 

In der SZ vom 17.01. 2016 ist dazu ein lesenswerter kommentierender Bericht erschienen. Er sei ausschnittsweise hier wiedergegeben:

 

 

"Wieso Georg Ratzinger außer Ohrfeigen alles leugnet? "Kein Kommentar", sagt das Bistum

Anruf beim Bistum, die Vorzimmerdame stellt durch, in der Warteschleife singen die Domspatzen, der Bistumssprecher nimmt ab. Der Bischof werde sich zum neuen Bericht nicht äußern, sagt der Sprecher. Dann vielleicht ein Wort zu Georg Ratzinger? "Kein Kommentar", sagt er. Nach zwei Minuten ist das Gespräch zu Ende.

Wie das Bistum so tickt, erfährt man nur hinter vorgehaltener Hand. Man habe nicht das Recht, von Tätern zu sprechen, sagt einer, der im Bistum was zu sagen hat. Wer nicht verurteilt sei, sei unschuldig. Auch die Interessen der mutmaßlichen Täter müssen gewahrt werden, kein Richter wird ihre Schuld je feststellen können, die Taten sind verjährt. Aber wieso beruft sich die Kirche immer dann auf weltliches Recht, sobald es darum geht, sich selbst in Schutz zu nehmen? Was also tun, wenn die Hirten schweigen? Man fragt die Schafe.

.....

 

Es gibt Domspatzen, die nichts mitgekriegt haben, zumindest nichts vom Missbrauch, vor allem die Domspatzen der 1980er und 1990er, als es nach und nach besser wurde. Und es gibt untadelige, hochengagierte Priester, Lehrer und Erzieher, die unter Generalverdacht stehen, weil ihr eigenes Bistum nicht sagen will, wer Bescheid wusste - und wer eben nicht.

Alexander Probst redet jetzt seit eineinhalb Stunden, er sieht müde aus, er wirkt wie besiegt. Seit sechs Jahren kämpft er um Aufklärung, seit sechs Jahren rennt er gegen Kirchenmauern. Aber aufgeben? Niemals. In zwei Wochen soll ein Kuratorium tagen, auf Initiative des Aufklärers Ulrich Weber. Zum Kuratorium gehören Opfervertreter, Mediatoren, der Bischof, der Generalvikar, der Vorstand der Domspatzen. Es wird um Geld gehen, um Entschädigungszahlungen für die Opfer, womöglich um Millionen. Und um die Frage, warum das Bistum immer noch mauert. "Wir haben einen Forderungskatalog", sagt Alexander Probst, der auch zum Kuratorium gehört. "Stimmen die Herren zu, dann ist in einem Dreivierteljahr alles erledigt, dann sagen wir: Friede."

Dann steht er auf, begleitet den Gast zur Tür, vorbei an einem Klavier. Nur Deko, sagt Probst. "Ich wünschte, ich könnte heute noch spielen." Vor ein paar Jahren hat er einen Lehrer genommen. Er saß am Klavier, schaute auf die Noten, wusste, was zu tun war - als seine Finger steif wurden. Die Bilder kamen zurück: Ein falscher Ton, der Lehrer knallt ihm den Klavierdeckel auf die Finger. Die Finger, wund wie sie sind, machen erst recht Fehler, der Lehrer wird wütender, schlägt zu. "Ein Grauen", sagt Alexander Probst.

Dann setzt er seine rechte Hand auf die Tasten, vielleicht geht es ja doch. Es erklingen die ersten drei Takte eines Liedes, dann zieht er die Hand weg."

 

Was so deutlich wird: für den Präfekten war das damals eine belanglose, weil übliche Episode im womöglich  gut gemeinten pädagogischen Alltag, den Zögling hat sie lebenslang gebrochen, zumindest diesen Zögling. Ein Irrsinn fürwahr.

 

Hier der Link zum lesenwerten Bericht "Hölle auf Erden" der SZ:

http://www.sueddeutsche.de/politik/domspatzen-hoelle-auf-erden-1.2821958?reduced=true

 

Dazu auch:

 

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburger-domspatzen-missbrauch-zwischenstand-100.html

 

und:

 

http://www.regensburg-digital.de/georg-ratzinger-karl-birkenseer-domspatzen-rest-einer-jahrzehntealten-vertuschungskultur/12012016/

 

Hier auch zum downloaden das schriftliche Statement von Rechtsanwalt Weber am 8. Jan.:

Download
Pressegespräch RA Weber
Statement_Pressegespraech.pdf
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16.01.2016  Premiere des Theaterstücks "Bilder von uns" in Bonn (Stadttheater, Werkstatt) zur sexuellen Gewalt in Institutionen (hier AKO Bonn) am 21.01.2016

Am Mittwoch läuft die Premiere des Bühnenstücks "Bilder von uns" von Thomas Melle. Das Stück behandelt den Missbrauch am Aloisiuskolleg in Bonn.

 

 

16. Januar 2016

General-Anzeiger Bonn, Feuilleton S. 1

Interview mit Thomas Melle
Bühnenstück "Bilder von uns" behandelt Missbrauch am Aloisiuskolleg

 
Am Donnerstag, 21. Januar, lädt das Theater Bonn zur Uraufführung des Stücks "Bilder von uns". Thomas Melle nimmt den Missbrauch an seiner Schule Aloisiuskolleg (Ako) zum Ausgangspunkt. Mit dem Autor sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

 

 

Das Thema Missbrauch gilt als "abgefrühstückt" ...
Thomas Melle: Wenn die Medien verstummt sind, setzt die Kunst zu sprechen an. Erst mit genügend Abstand zum Geschehen kann man versuchen, den Komplex in ein Theaterstück zu übersetzen, das ihm noch einmal andere Dimensionen abgewinnt. Und "abgefrühstückt" ist das Thema nicht, solange es Machtstrukturen gibt, die ausgenutzt werden.

Ihr Stück erinnert an Fälle am Bad Godesberger Aloisiuskolleg?
Melle: Ich erzähle eine alternative Geschichte des Skandals. Der Ausschnitt, den ich wähle, beschränkt sich auf das Hochkochen der Tatsachen und die sofort anspringende Deutungsmaschine samt Kollaps. Auch Zuschauer, denen der faktische Hintergrund fremd ist, werden mit den Fragestellungen viel anfangen können. Es geht um eine Neubewertung der Vergangenheit, um den Kampf um eigene und kollektive Biografien.

Sind nicht auch Parallelen zum Ako-Haupttäter der letzten Jahrzehnte da?
Melle: Unbedingt. Und doch ist es kein Schlüsselstück, sondern Fiktion. Die Figuren teilen nur den biografischen Hintergrund miteinander, der wiederum motiviert ist von den tatsächlichen Ereignissen. Ursprünglich wollte ich viel deutlicher vom Faktischen abweichen, aber irgendwann fragte ich mich: Warum eigentlich? Es ist doch alles genau der richtige Rahmen für den Kampf, den ich beschreiben will, die richtige Wirrnis, die richtige Bestürzung.

Bei Ihnen geht der Kampf weiter?
Melle: Mit den flirrendsten Positionen, von Schuldzuweisungen bis zu Abwehrmechanismen, von Hysterisierungstendenzen bis zu Totschweigeversuchen. Jeder, der auf dieser Schule war, muss seine Vergangenheit neu betrachten. In was für einem System ist man eigentlich aufgewachsen? Diese Umdeutung hat ein fast schon lebensbedrohliches Konfliktpotenzial, wenn man es genau bedenkt.

Ist das Nackt-Fotografieren von Kindern überhaupt Missbrauch? Stichwort Edathy.
Melle: Mein Statement dazu ist mein Stück. Als Autor finde ich diese graduelle Verfehlung sogar interessant: Es sind Bilder, und auch die harmlosen werden von denen, die ins Pornografische gehen, kontaminiert. Wo beginnt der Übergriff? Ab wann werden Leben womöglich traumatisiert? Das ist auch von Mensch zu Mensch verschieden: Was dem einen ein Witz, ist dem anderen ein Trauma. Für den Dramatiker ist das erst einmal ein guter, schillernder Stoff.

Sie ziehen Parallelen zur griechischen Tragödie?
Melle: Der Einzelne findet sich in einem Schuldzusammenhang wieder, für den er nichts kann, und opfert sich und die Seinen symbolisch oder gar real. Und lädt so wieder Schuld auf sich.

Wie spielt Ihr persönlicher Hintergrund als ehemaliger Ako-Schüler ins Stück hinein?
Melle: Ich war vor Ort, kenne die Zusammenhänge, habe Erinnerungen angezapft, dann aber wieder, um des Textes willen, so getan, als wäre ich nicht dabei gewesen. Ich weiß genau, worum es geht, gerade ich, der ich, trotz aller Verachtung, dieser Schule auch viel verdanke.

Und wie beurteilen Sie den Stand der realen Aufarbeitung der Ako-Fälle?
Melle: Ich weiß nicht, wie dieses Problem zu lösen ist. Was wäre die adäquate Form? Wann wäre die Aufarbeitung zu Ende? Ich wundere mich über die Kleingeistigkeit, die offenbar wurde, gerade bei Menschen, die ich sehr schätzte.

Wie beurteilen Sie die Lage nach der aktuellen Ako-Erklärung?
Melle: Die Schule macht meiner Meinung nach einen großen Fehler: Sie integriert den Schandfleck nicht in ihr Selbstbild, tut meist nur das Nötigste, versucht, aus Gründen der PR - hier ganz weltliches Unternehmen - das Geschehene zu "managen". Dann wieder folgen unverhältnismäßig emotionale Beichten, die durch Kniefall mit allem abschließen wollen. Doch die Vergangenheit ist gegenwärtig. Die Schule müsste diesen Komplex deshalb aktiv in ihre Identität aufnehmen, um ihn tatsächlich zu verarbeiten - und so irgendwann womöglich wieder die Wahrhaftigkeit auf ihrer Seite zu wissen.

 


Zur Person
Thomas Melle, 1975 in Bonn geboren, Absolvent des Aloisiuskollegs, schreibt Romane und Theaterstücke. Seine Romane "Sickster" und "3000 Euro" wurden für den deutschen Buchpreis nominiert. Für das Theater Bonn übersetzte er in der letzten Spielzeit William Shakespeares "Königsdramen", die Alice Buddeberg in der Halle Beuel als zweiteiliges Theaterspektakel in Szene setzte.

Die Inszenierung

"Bilder von uns" kommt in der Regie von Alice Buddeberg als Uraufführung am Donnerstag, 21. Januar, auf die Werkstattbühne des Bonner Theaters. Es spielen Benjamin Grüter, Hajo Tuschy, Holger Kraft, Benjamin Berger, Johanna Falckner, Mareike Hein und Lydia Stäubli. Weitere Aufführungen am 27. Januar, 2., 11., 13. und 19. Februar, 20 Uhr. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/kultur/buehnenstueck-bilder-von-uns-behandelt-missbrauch-am-aloisiuskolleg-article1803485.html#plx441984411

 

http://unheiliger-berg.jimdo.com/aktuell/

 

Leider sind die Bausteine zum Stück ja sehr real:

http://unheiliger-berg.jimdo.com/leseproben/kindernacktfotos/

 

15.01.2016  Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung startet heute neue wissenschaftliche Begleitforschung beim bundesweiten Hilfetelefon Sexueller Missbrauch und das zusätzliche Angebot Hilfetelefon Forschung.

Im Folgenden die beiden Presseerklärungen des Missbrauchsbeauftragten:

 

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13.01.2016 "Was lange braucht, wird endlich gut?"- Aufarbeitung am Aloisiuskolleg in Bonn

In der Tat: das ist schon einmalig, dass das Jesuitenkolleg sich in einer öffentlichen Erklärung auf gemeinsame Aufarbeitung mit den Betroffenen festlegt und zum schändlichen Teil seiner Geschichte stehen will. Eine Erklärung, an der sich die Aufarbeitungs- Taten werden messen lassen müssen und gemessen werden können.

 

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AKO-Erklaerung-2016-01.pdf
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Das Bonner Nachbarinternat bzw. Nachbarschule vollzieht damit einen Schritt, den der Orden der Redemptoristen in seinem Gesprächskreis inhaltlich bereits 2011 vollzogen hat: Aufarbeitung unter Beteiligung der Betroffenen. Das AKO vollzieht ihn jetzt erst, aber in seinen Auswirkungen gewiss konsequenter und folgenschwerer. Unsere Aufarbeitung des Missbrauchs im Orden der Redemptoristen bedarf immerzu des Goodwills aller Beteiligten (vor allem des Ordens), bedarf ständiger gegenseitiger Versicherung und Aushandlung, dass und wie es weiter geht. Der Aufarbeitungsprozess findet dabei in gewissem Sinn in Abhängigkeit vom Orden statt und überwindet somit nicht das Macht- und Abhängigkeitsgefälle, das eben damals den Missbrauch selbst erst ermöglicht hat. Was fehlt, ist die unverbrüchliche Festlegung, was fehlt ist auch die Öffentlichkeit. Herzlichen Glückwunsch an die Beteiligten, die diese Erklärung ausgehandelt haben und ein gutes Gelingen.

 

Der Eckige Tisch hat seinerseits zu dieser Erklärung des Kollegiats eine lesenswerte Erklärung abgegeben, die im Folgenden auch heruntergeladen werden kann. Sie betont die Zuversicht und auch das Misstrauen. Sie benennt die zentrale Stolperstelle, von der jeder (Alt-) Schüler einer dieser Vorzeige- Schulen weiß, wie sehr sie das jahrzehntelange Schweigen begünstigt hat: die Selbstüberhöhung als besondere Schule oder bestimmter Aktionen als einmalig und besonders.

 

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Stellungnahme des ECKIGEN TISCH BONN zur
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Außerordentlich lesenswert die kritische Berichterstattung des Bonner Generalanzeigers:

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/opfer-haben-hier-eine-anlaufstelle-article1802149.html

 

und:

http://unheiliger-berg.jimdo.com/aktuell/

 

auch der Blog von Christian Herwartz SJ:

https://unheiligemacht.wordpress.com/author/ztra/

 

Wie der Zufall spielt: diese Erklärung kommt gut eine Woche vor unserer Bilanzsitzung und "Zukunftswerkstatt". Sie macht Mut und bringt wichtige Anregung.

 

05.01.2016  Vorbereitung des Gemeinsamen Gesprächs von Betroffenen und Orden am 23.01.2016 in Köln

In einer intensiven Telefonkonferenz wurde heute das nächste gemeinsame Gespräch vorbereitet. In einem ersten Teil soll nach 5 Jahren Aufarbeitung und vielen Gesprächen Bilanz gezogen werden und in einem zweiten Teil überlegt werden, wie Aufarbeitung und Wiedergutmachung in der Zukunft gestaltet werden sollen. Die Teilnehmer werden persönlich gemeinsam von Ordensleitung und Vereinsvorstand eingeladen.

 

 

10.12.2015  Großer Prozess in England um organisierten Missbrauch hat begonnen

 

Sexueller Missbrauch ist sehr viel häufiger als organisierter Missbrauch zu sehen als wir selbst glauben wollen. Die Aufdeckung der Rotherham- Connection liefert den Beweis, dass solche Szenarien nicht irgendeiner Verfolgungs-  Fantasie entspringen und uns auch heute noch bedroht:

 

http://www.n-tv.de/panorama/Acht-Rotherham-Taeter-stehen-vor-Gericht-article16499661.html

 

 

09.12.2015   ARD/WDR Dokumentation "Richter Gottes" in der ARD- Mediathek abrufbar

 

ARD/WDR-Dokumentation „Richter Gottes“ 
Canisius Kolleg: Katholische Kirche behindert Ermittlungsbehörden

Taten im Missbrauchsfall „Canisius Kolleg“ nicht verjährt – Haupttäter äußert sich erstmals 

Die katholische Kirche hat die Aufklärung der Straftaten des Haupttäters Pfarrer Peter R. im Missbrauchsskandal am Berliner Gymnasium Canisius Kolleg 2010 aktiv behindert. Das zeigt erstmals die ARD/WDR-Dokumentation „Richter Gottes“ von Eva Müller aus der Sendereihe „Die Story im Ersten“ am Montag, 30. November um 22.45 Uhr. Darin äußert sich der Täter zum ersten Mal öffentlich. Die Staatsanwaltschaft Berlin prüft nun die Aufnahme neuer Ermittlungen. 

Anfang 2010 berichteten ehemalige Schüler von Pfarrer Peter R. am Berliner Gymnasium Canisius Kolleg, dass er sie nackt fotografiert, angefasst und zur Selbstbefriedigung genötigt habe. Sie lösten damit den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland aus. Die Rede ist von mehr als 100 Opfern. Bereits im Februar 2010 meldete die Staatsanwaltschaft Berlin, dass Peter R.’s Taten verjährt seien und deshalb keine strafrechtlichen Konsequenzen hätten. 

Vier Wochen später, Anfang März 2010, meldete sich jedoch im Bistum Hildesheim ein 14-jähriges Mädchen, das dort angibt, Peter R. habe auch sie bedrängt. Die Kirche veröffentlicht diese Meldung nicht, informiert die Familie der 14-Jährigen und die Behörden nicht, vernimmt aber den Täter selbst dazu und leitet durch den Hildesheimer Bischof Norbert Trelle eine interne, kirchenrechtliche Voruntersuchung zu diesem Fall ein. Zur selben Zeit sagt der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, öffentlich eine umfassende, „ehrliche Aufklärung“ und bessere Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden zu. 

Erst als das Mädchen im Oktober 2010 in eine Kinderpsychiatrie eingewiesen wird und sich seine Familie daraufhin von sich aus beim Bistum Hildesheim meldet, informiert das Bistum auf ihr Drängen Ende Dezember 2010 auch die Behörden. Die Tatsache, dass es sich bei dem Beschuldigten um den Haupttäter des Berliner Canisius-Missbrauchsskandals mit mutmaßlich mehr als 100 Opfern handelt, erwähnt das Bistum Hildesheim offenbar bei seiner Anzeige nicht: „Aus den Ermittlungsakten ergeben sich keinerlei Hinweise darauf, dass die Kollegen irgendwelche Hinweise darauf hatten, dass es sich bei dem Beschuldigten um eine der Hauptpersonen des Missbrauchsskandals um das Canisius Kolleg handeln könnte. Wir mussten davon ausgehen, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt und haben die Sache auch entsprechend behandelt“, sagt der Berliner Oberstaatsanwalt Martin Steltner in der ARD/WDR Dokumentation. Die Staatsanwaltschaft Berlin stellt 2011 die Ermittlungen im Fall des Mädchens wegen geringen öffentlichen Interesses gegen Zahlung einer Geldauflage von Pfarrer Peter R. ein. „Wir sind möglichen weiteren Opfern schuldig, dass wir die neuen Erkenntnisse, die wir jetzt bekommen haben, prüfen. Dass wir prüfen, ob sich daraus neue Ermittlungsansätze ergeben“, sagt Oberstaatsanwalt Steltner. 

In der ARD/WDR-Dokumentation „Richter Gottes“ bestätigt Pfarrer Peter R. selbst diesen Vorfall und äußert sich erstmals in einem Interview zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er bestätigt außerdem, dass er von einem Berliner Kirchengericht noch 2012 zu diesem Fall befragt und dort „wegen sexueller Handlungen an einer Minderjährigen“ zu 4.000€ Geldstrafe verurteilt worden sei, die er auch abbezahlt habe. Von diesem kircheninternen Prozess hat das junge Opfer aus Hildesheim selbst nie erfahren. Auch eine finanzielle Entschädigung bekam die inzwischen 20-Jährige bis heute nicht von der Kirche.

„Die Story im Ersten: Richter Gottes“ (ARD/WDR) zeigt Das Erste am Montag, 30. November, um 22.45 Uhr. Online first wird der Film bereits ab Montag, 10 Uhr, in der ARD-Mediathek und der WDR-Mediathek zu sehen sein. Verantwortlicher Redakteur im WDR ist Joachim Angerer.

07.09.2015    Herr Spitczok von Brisinski, Referent auf der gemeinsamen Tagung des Ordens der Redemptoristen und der von Missbrauch Betroffenen zum Thema "Missbrauch und Trauma", hat freundlicherweise seine zentralen Thesen auf seiner Homepage als PDF- Datei veröffentlicht.

Unter der Überschrift "Texte, Fachinfos" finden sie Hintergründe zu Trauma, Informationen zu Stabilisierung und Selbstfürsorge als Download auf der Startseite seiner Homepage.

www.KreativeKommunikation.de

18.08.2015  Organisierte Sexuelle Gewalt in Grossbritannien

Die Tagesschau berichtet aktuell über organisierte sexuelle Gewalt in Grossbritannien. Ganz besonders involviert Politiker und die bessere Londoner Gesellschaft. Hier der Link der Tagesschau, der aber heute nicht funktioniert hat: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-108937.html

 

Hier der entsprechende Link aus dem Weltspiegel, der funktioniert:

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/grossbritannien-kinder-100.html

 

Hier der Text als PDF- Datei:

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15.08.2015  Zahlreiche Meldungen von Ehemaligen der Internate In Bous und in Bonn

Zur Zeit melden sich ungewöhnlich viele ehemalige Schüler aus beiden Internaten, am häufigsten Schüler, die die Internate vorzeitig verlassen mussten oder mehr oder weniger freiwillig verlassen haben. So beispielsweise auch ein ehemaliger "Internatszögling" aus Bonn, der die Schule und das Internat noch 1 Jahr vor dem Abitur (!) 1968 verlassen musste. Deutlich wird in den Telefongesprächen, dass gerade Schüler, die vorzeitig gehen mussten (meist wegen sexueller "Verfehlungen" oder wegen ihrer Widerständigkeit) in ihrem Lebensvollzug erheblich beschädigt worden sind. Die Beschädigung betrifft erst einmal schlicht ihre wirtschaftliche Reproduktion: sie fanden keinen Anschluss mehr, um das Abitur zu machen oder fühlten sich dermaßen der realen Welt entfremdet, dass sie keinen gesellschaftlichen Anschluss fanden. Die psychische Traumatisierung ist in den meisten Fällen so schwerwiegend, dass der weitere Lebensvollzug vor allem durch "Anstrengung" gezeichnet ist. Eine Anstrengung, die auch den ersten Kontakt mit uns begleitet, so dass es oft einzig beim Erstanruf bleibt. Die Beschädigung durch das im Internat Erlebte ist ganz offensichtlich: In einem zusammenhängenden Erzählstrang das Erlebte schildern, kann kaum einer der Anrufer- eine sehr typische Folgerscheinung von Traumatisierung in Kindheit und Jugend: Erinnerungen werden in allen Einzelheiten (von Hölzchen zu Stöckchen) wiedergegeben, bleiben bruchstückhaft an Einzelheiten gebunden, die Gesamterzählung wirkt zum größten Teil chaotisch desorganisiert. Alle haben lange Zeit gebraucht, bevor sie sich entscheiden können, überhaupt zu sprechen.

 

Darüber zu reden, was die Anrufer eigentlich bewegt, verschieben viele auf einen zweiten Termin. Die Belastung ist so hoch, dass sie darüber im ersten Kontakt nicht reden wollen. Viele wollen offensichtlich auch gar nicht über ihre Erlebnisse reden, finden es nur wichtig einmal zu sagen, wie schlimm "es" war.

 

Es scheint an der Zeit, mit dem Orden beim nächsten Treffen im Januar Vereinbarungen darüber zu treffen, wie eine bessere Plattform für Gespräche aussehen könnte. Gespräche, in die mehr Ehemalige eingebunden werden müssten, als die, die sich bisher "offiziell" gemeldet haben oder die "offiziell" angeschrieben wurden. 

 

Es bestätigt sich immer mehr die Annahme der im Verein organisierten Betroffenen, dass sich verhälnismäßig wenige von Gewalt und Missbrauch Betroffene melden, nicht etwa weil die Beschädigungen denn doch vernachlässigbar wären, sondern weil sie so tiefgreifend sind, dass sie "vergessen" bleiben sollen.

 

Trotz alledem und alledem gilt: Ruft an! Erzählt! Nehmt Kontakt auf. Wir alle haben Ähnliches durchgemacht.

 

Nach vielen Gesprächen müssen wir auch unser Urteil zum Internat in Bous revidieren: weiterhin gilt, dass kein Fall von sexueller Gewalt durch Mitarbeiter des Internats berichtet wird. Harte Schläge ins Gesicht und auch der Rohrstock waren aber für einzelne Mitarbeiter durchaus gebräuchlich.

26.06.2015   Zwischenbericht von Dr. Michaela Schumacher jetzt abrufbar

Bei ihrem Ausscheiden aus dem Amt der Missbrauchsbeauftragten für den Orden der Redemptoristen hat Frau Dr. Michaela Schumacher einen kurzen Zwischenbericht erstellt, der jetzt endlich unter http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/ich-bin-nicht-verj%C3%A4hrt/  abrufbar ist.

 

 

22.06.2015   Wissenschaftlichkeit des sog. Präventionskonzeptes "Kein Täter werden" (Charité Berlin, Prof. Beier) fragwürdig

Aus Wikipedia: "Das Forschungsprojekt „Kein Täter werden“ wurde 2005 unter der Leitung von Klaus Michael Beier ins Leben gerufen. Im Gegensatz zu bestehenden Therapieangeboten für bereits straffällig gewordene Personen, sogenannte Hellfeldtäter, entstand mit dem Berliner Projekt weltweit erstmals ein Angebot, welches sich speziell an Menschen richtet, die noch nicht straffällig wurden oder solche, die zwar bereits sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben und/oder Missbrauchsabbildungen (sogenannte Kinderpornografie) konsumiert haben, jedoch nicht justizbekannt sind, sogenannte Dunkelfeldtäter.[1] Die Teilnahme steht aber auch Personen offen, die bereits wegen entsprechender Taten angezeigt oder verurteilt wurden und gegebenenfalls verhängte Strafen vollständig verbüßt haben.[2] Die Teilnahme ist kostenlos und durch die Schweigepflicht geschützt.

Mittlerweile wird das Projekt auch in Kiel, Regensburg, Leipzig, Hannover, Hamburg, Stralsund, Gießen, Düsseldorf sowie in Ulm angeboten. Die Standorte haben sich im Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden" zusammengeschlossen und arbeiten nach gemeinsamen Qualitätsstandards. Weitere Standorte sind geplant. Ziel ist der Auf- und Ausbau eines Netzwerks zur bundesweiten Etablierung der primären Prävention sexueller Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen. Seit 2009 wird die Therapie auch den Konsumenten von Missbrauchsabbildungen (so genannte Kinderpornografie) angeboten.

Finanziert wurde das Projekt in den ersten Jahren durch die Volkswagenstiftung Hannover und durch die Opferschutzorganisation Hänsel & Gretel, seit 2008 wird der Berliner Standort des Projektes durch das Bundesjustizministerium finanziert. Die anderen Standorte werden von verschiedenen Landesministerien gefördert. 2005 erhielt das Projekt den Politikaward, 2006 den Bscher-Medienpreis und 2007 den Deutschen Förderpreis Kriminalprävention.[3][4]

Hintergrund

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge (siehe https://www.kein-taeter-werden.de/story/18/3818.html) haben rund ein Prozent der Männer auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien. Das bedeutet, dass bei ihnen eine teilweise oder ausschließliche sexuelle Neigung im Sinne einer Pädophilie vorliegt. Demnach fühlen sich in Deutschland ca. 250.000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren sexuell zu Kindern hingezogen.

Die Ursachen einer Pädophilie sind weitgehend unbekannt. Tatsache dagegen ist, dass viele der Betroffenen – in der großen Mehrheit Männer – erhebliche Schwierigkeiten haben, mit ihrer sexuellen Präferenz zu leben. In der Regel treten Unsicherheiten oder Ängste auf, wenn sie ihre Neigung erstmals bemerken. Viele der Betroffenen erkennen das Auftreten sexueller Gedanken an Kinder als Problem und wissen, dass deren Umsetzung tabu ist. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, mit diesem Wissen umzugehen. Die Neigung belastet Beziehungen zu (Sexual-)Partnern oder macht sie oft unmöglich. Fest steht: Es kann zu vielfältigen Problemen in der normalen Lebensführung kommen. Vielen gelingt es nicht, ihre Neigungen dauerhaft zu kontrollieren. Sie nutzen Missbrauchsabbildungen im Internet oder begehen sexuelle Übergriffe auf Kinder. Diese Handlungen haben nicht nur für die Opfer schwerwiegende körperliche und seelische Folgen, sondern sind zudem Straftaten, die erhebliche gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Folgende Selbstbeobachtungen geben Anlass zur Vermutung, dass eine Pädophilie vorliegt:

• Sexuelle Erregung beim Betrachten von oder beim Kontakt zu Kindern • Sexuell erregende Fantasien, in denen Kinder eine Rolle spielen • Konsum von Missbrauchsabbildungen im Internet

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet kostenlose und schweigepflichtgeschützte Behandlung für Personen, die eine sexuelle Neigung zu Kindern verspüren und therapeutische Hilfe suchen. Wer teilnehmen will, muss bezüglich seiner auf Kinder gerichteten sexuellen Impulse über ein Problembewusstsein verfügen und von sich aus therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen.

Therapeutische Ansätze

Das primäre Ziel einer Therapie besteht darin, sexuelle Handlungen an Kindern und den Konsum von Missbrauchsabbildungen zu verhindern. In Einzel- und Gruppentherapien lernen die Teilnehmer, ihre Impulse zu kontrollieren und Verhaltensmuster, die den sexuellen Missbrauch begünstigen, zu vermeiden. Weitere Ziele sind die Aufdeckung von Wahrnehmungs- und Interpretationsfehlern der Teilnehmer bezüglich des Verhaltens von Kindern sowie die Stärkung der Empathiefähigkeit.[5]

Bei dem für die Therapie verwendeten Handbuch, dem "BEDIT – The Berlin Dissexuality Therapy Program", handelt es sich um eine angepasste Version des im Hellfeld verwendeten Sex Offender Treatment Programmes.

Einbezogen in das Therapieprogramm werden: • Personen, die bislang keine Straftaten (sexuelle Übergriffe, Konsum von Kinderpornografie, etc.) begangen haben, aber befürchten, diese in der Zukunft zu begehen • Personen, die bereits Straftaten begangen haben, aber den Strafverfolgungsbehörden (noch) nicht bekannt sind • Personen, die bereits Straftaten begangen haben und dafür angezeigt und/oder rechtskräftig verurteilt wurden, vorausgesetzt, dass sie ihre Strafe vollständig verbüßt haben, nicht mehr unter Aufsicht durch die Justiz stehen und somit alle rechtlichen Angelegenheiten abgeschlossen sind

Nicht einbezogen in das Therapieprogramm werden Personen, gegen die aktuell wegen möglicher Straftaten ermittelt wird, die ihre Strafe nicht vollständig verbüßt haben und/oder deren Urteil Auflagen bzw. Bewährung beinhaltet.

Die gesamte Therapie erfolgt kostenlos und unter Schweigepflicht.

Ziel der Therapie ist es, Probleme im Umgang mit der sexuellen Neigung zu bewältigen. Dazu gehört insbesondere, das eigene Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt.

Im Verlauf der Therapie erlernen die Teilnehmer daher • die angemessene Wahrnehmung und Bewertung ihrer sexuellen Wünsche und Bedürfnisse • die Identifizierung und Bewältigung gefährlicher Entwicklungen • Strategien zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen

Die Therapie findet wöchentlich in Gruppen sowie bei Bedarf auch in Einzelgesprächen und unter Einbeziehung Angehöriger statt. Die Behandlung folgt einem strukturierten Therapieplan, berücksichtigt aber die individuellen Bedürfnisse und erfolgt in Absprache mit den Teilnehmern. Sie integriert psychotherapeutische, sexualwissenschaftliche, medizinische und psychologische Ansätze sowie die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Unterstützung. [6]"

 

In der aktuellen Ausgabe (1/2015) der Zeitschrift "Kindesmisshandlung und -vernachlässigung" ist ein ausführlicher kritischer Artikel erschienen, der grundlegende Kritik am Projekt "kein Täter werden" der Sexualwissenschaft der Berliner Charite formuliert. Er hinterfragt, ob es überhaupt so etwas wie "Pädophilie gibt", weist darauf hin, dass selbst, wenn dies angenommen wird, die sogenannte "Präferenzstörung Pädophilie" keineswegs unheilbar ist und begründet warum die diagnostischen Methoden der Charite nicht tauglich sind. Autor des lesenswerten Artikels ist Herr Schlingmann, Leiter von Tauwetter in Berlin, der bekannten "Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren" (http://www.tauwetter.de/aktuelles.html)

 

Hier der ausgezeichnete Beitrag zum Download:

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2015-06-10_Schlingmann_Kaisers_neue_Klei
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18.06.2015  Hearing des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Rörig zum Thema: „Forschung zu sexueller Gewalt –Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“

Heute findet in Berlin ein beachtenswertes Hearing statt zum Thema "Forschung und Aufarbeitung" Hierzu die Presseerklärung des Unabhängigen Beauftragten:

 

Rörig: „Die enorme Dimension von sexuellem Missbrauch muss sich in den Forschungsanstrengungen widerspiegeln:Wir brauchen mehr Wissen und mehr Vernetzung der Forschungsdisziplinen mit der Praxis vor Ort, wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen!“
Berlin, 18.06.2015. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Europa rund 18 Millionen Kinder von sexueller Gewalt betroffen. Die deutsche Traumafolgekostenstudie spricht von rund 11 Milliarden Euro jährlich, die durch die Folgen von sexuellem Missbrauch und anderer belastender Kindheitserlebnisse in Deutschland entstehen. Angesichts dieser Größenordnung werden auf dem heutigen Hearing „Forschung zu sexueller Gewalt – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, und seines Beirates rund 250 Expertinnen und Experten über die Verantwortung von Wissenschaft und Forschung im Themenfeld des sexuellen Missbrauchs diskutieren und den künftigen Handlungsbedarf erörtern.
Rörig: „In der Vergangenheit wurde sexueller Missbrauch oft als gesellschaftliches Randphänomen betrachtet und stellte auch im Bereich von Wissenschaft und Forschung allenfalls ein Nischenthema dar. Heute wissen wir, dass die Dimension von sexuellem Missbrauch ein Problem mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen darstellt. Dies sollte sich auch im Engagement von Wissenschaft und Forschung abbilden. Mit dem Hearing möchten wir Expertinnen und Experten ein Forum bieten, sich über zentrale Forschungsfragen auszutauschen und gemeinsame Empfehlungen für die Zukunft zu entwickeln.“
Eröffnet wurde das Hearing durch Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. In ihrem Grußwort unterstrich sie die Bedeutung von Forschung zu sexuellem Missbrauch in Deutschland: „Schon bei der Arbeit am Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch im Jahre 2010 wurde festgestellt, dass es nur wenig wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu diesem Thema gibt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat deshalb sehr schnell die Forschungsförderung auf den Weg gebracht und dafür rund 35 Millionen Euro bereitgestellt. Ziel war und ist der Aufbau einer Wissenschafts- und Forschungslandschaft, die gesicherte Erkenntnisse zum Kindesmissbrauch, zur Prävention und zur Hilfe für Betroffene bereitstellt. Mittlerweile gehört Deutschland zu den führenden Ländern in diesem Forschungsbereich.“
Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm und Sprecher der „Konzeptgruppe Forschung“ im Beirat des Unabhängigen Beauftragten betonte in seiner heutigen Keynote: „Kinderschutz und insbesondere der Schutz vor sexuellem Missbrauch gehören zu den größten Gesundheitsherausforderungen in der Welt und in Europa. Wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen, müssen wir die Forschung zu sexuellem Missbrauch künftig noch weiter im wissenschaftlichen Mainstream verorten. Dies erfordert auch, vermehrt fächerübergreifend in transdisziplinären Forschungsinitiativen zu arbeiten. Darüber hinaus müssen wir dringend Forschungsprioritäten definieren, ein kontinuierliches Monitoring etablieren, welches die Folgen von Verbesserungen in Prävention und Intervention erfasst, sowie die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass wir über die richtigen Themen forschen und gleichzeitig die richtigen Antworten auch in der Praxis ankommen.“
Zudem soll auf dem Hearing erörtert werden, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen für Forschung in diesem Bereich eingesetzt werden und wie Forschungsförderung künftig durch weiterführende Forschungsinstrumente wie beispielsweise Graduiertenkollegs, Forschergruppen und Sonderforschungsbereiche vertieft werden kann.
Eine weitere zentrale Fragestellung des Hearings wird sein, wie Akteure der Praxis, beispielsweise Fachberatungsstellen, Kitas, Schulen, aber auch Betroffene, mit ihren jeweils spezifischen Perspektiven und Expertisen frühzeitig in Forschungsvorhaben eingebunden werden können, welchen ethischen Standards die Forschung über und mit Betroffenen genügen muss und wie Forschung mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung verknüpft werden sollte.
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Das Hearing findet heute von 10 bis 18 Uhr in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt. Im Herbst 2015 sollen die Ergebnisse in einem Forderungskatalog veröffentlicht werden. Das Forschungshearing ist das 5. Hearing des Unabhängigen Beauftragten im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Dialog Kindesmissbrauch“, die sich mit Themen befasst, die aus Sicht des Unabhängigen Beauftragten und seines Beirats in Politik und Gesellschaft weiter erörtert werden sollten.

 

Der Beauftragte stellt weitergehende Informationen auf seiner Homepage zur Verfügung: http://beauftragter-missbrauch.de/nc/presse-service/pressemitteilungen/

 

Hier die wichtigsten Hinweise zum direkten Download (Programmflyer, Eckpunkte Forderungen, Bonner Ethikerklärung, Häufigkeitsangaben zu Gewalt und Missbrauch in der Kindheit, Traumafolgekosten, WHO zur Prävention

 

 

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3_Eckpunkte_Forderungen_Hearing.pdf
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8_Häufigkeitsangaben_Fegert_et_al._Forum
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1_Programmflyer.pdf
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7_Bonner Ethik Erklärung_gefördert vom B
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9_Traumafolgekostenstudie.pdf
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11_Broschüre WHO_Prävention_dt. Kurzfass
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17.06.2015   Besonderer Missbrauchsfall durch Kinderarzt in Augsburg

Ähnlich wie der Missbrauch durch Priester durch die dem Priester zugesprochene "Heiligkeit" oder der durch Lehrer durch das Konzept der Nähe zum Kind (Odenwaldschule) erleichtert sein kann, ist auch Missbrauch im medizinischen Bereich durch die besondere heilende Autorität des Arztes erleichtert. Hier ein aktueller Fall aus Augsburg:

 

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_74408490/kinderarzt-soll-13-jungen-missbraucht-haben.html

 

 

10.06.2015    Matthias Katsch zum perfekten Tatort

Matthias Katsch spricht  in der Zeitschrift "Kontext" über den perfekten Tatort am Beispiel Korntal. Matthias Katsch war Schüler des Berliner Canisius-Kollegs und hat die dortigen sexuellen Übergriffe 2010 öffentlich gemacht. Er saß am Runden Tisch des Missbrauchsbeauftragten und hat den Eckigen Tisch für Betroffene gegründet. Dass nun auch die evangelische Kirche mit Korntal ihren Skandal hat, überrascht ihn nicht. Ein Interview, das verstehen lässt- ein Interview, das zeigt, wie die Sicht von Betroffenen  eine Analyse nach vorne bringt.

 

 

http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/219/der-perfekte-tatort-2931.html

 

Besonders lesenswert.

 

 

10.06.2015 Vatikan will Vertuschung von Missbrauch auch strafrechtlich ahnden

28.05.2015   Pressemeldungen über einen deutlichen Rückgang der Gewalt gegen Kinder in Deutschland in den letzten Jahren sind falsch

Rechtsmediziner können kaum einen Rückgang der Gewalt feststellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62952

 

 

 

28.05.2015  Wichtige Korrektur: Termin des nächsten Treffens Orden und Betroffene

Das nächste Gespräch des Ordens der Redemptoristen und der Gruppe der Betroffenen findet nicht wie unten fälschlich angekündigt am 16.01. 2016 statt sondern ist für den 23.01. 2016 in Köln avisiert.

 

 

27.05.2015   Ein Beispiel für die Aufarbeitung in der evangelischen Kirche: Korntal

Hier zwei Verweise auf lesenswerte Berichte, die sich mit der Aufarbeitung von Missbrauch und Gewalt im evangelischen Heim "Korntal" auseinandersetzen:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.missbrauchsfaelle-korntal-ein-stetes-werben-fuer-den-langen-weg.6a4b6144-b163-4479-b782-f02fb7401d0f.html

http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/217/neun-quadratmeter-harmonie-2912.html

 

14.04.2015 Gemeinsame Tagung Betroffenkreis und Ordensmitglieder der Redemptoristen in Köln

 

 

Am 11.4.2015 fand in Köln die Fortsetzung der Tagung zum Thema "Missbrauch- Trauma- Traumafolgen" statt. Referent war, wie schon im November, Herr Spitczok von Brisinski. Moderiert wurde das Treffen wie inzwischen schon so viele Male von Frau Haardt-Becker.

Vorweggeschickt sei, dass bedauerlicher Weise der angedachte, gleiche Teilnehmerkreis wie im November nicht zustande kam, da einige Patres aufgrund der Osterwoche anderweitig im Einsatz waren. Umso erfreulicher, dass der Kreis erstmalig durch Pater Paulus erweitert wurde.

Auch auf Seiten der Betroffenen gab es einen „Neuzugang“, der sowohl im Internat in Bous  als auch später im Internat in Bonn war. Zum ersten Mal wurde auch von Bous über Gewalt gegen Schüler (Pater S.) berichtet. Sein bewegender Bericht über den sexuellen Übergriff von Pater S.  in Bonn und die Folgen sorgten wie schon bei so vielen anderen Berichten in den letzten Jahren für tiefe Betroffenheit. D.M. ist im Übrigen  einer derer, die sich gewehrt haben. Und wie! Er ohrfeigte den Präfekten, so dass dieser hinterrücks aufs offene Bett fiel. Das "Opfer" bezahlte dafür einen hohen Preis. Der Internatsleiter verwies ihn am selben Tag von Schule und Internat wegen des tätlichen Angriffs. Den Beteuerungen des Jungen, der betroffene Pater habe sich an ihm vergriffen, wurde nicht geglaubt. Ihm wurde erst gar nicht zugehört. Stattdessen fing er sich  die schmerzenden Ohrfeigen des Leiters ein und musste die verbale Demütigung des Leiters gegenüber seinem Vater , der am nächsten Tag im Internat erscheinen musste, ertragen. Das Opfer war "der Böse" und "der Lügner" sowieso. Widerworte hatte es nicht zu geben.

Tatsächlich hat das „Sich wehren“  nicht dazu geführt, den Übergriff besser zu verarbeiten als die, die ihn hinnahmen, sondern sich viel eher und direkter gegen den Betroffenen selbst gewandt. Das Leben dieses ehemaligen Schülers ist später keineswegs mit weniger Problemen  als das der meisten anderen Opfer verlaufen: beschädigt bis ins Mark.

 

Bei aller Traurigkeit, den Kreis der Betroffenen erweitern zu müssen, haben wir uns gefreut, dass Herr M. den Weg nach Köln und in die Gruppe gefunden hat.

 

Zum ersten Mal mit dabei war auch der zum Ende des vergangenen Jahres  berufene Missbrauchsbeauftragte Herr Günter Niehüser, der zusammen mit Sr. Martina Kohler in Zukunft als Ansprechpartner zur Verfügung stehen wird.

Herr Niehüser überzeugte bei seiner Vorstellung und später auch in der Diskussion durch seine breit gefächerten Erfahrungen und sein Wissen im Bereich „Sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche.“

 

Nach dieser intensiven Vorstellungsrunde folgte die Fortsetzung der Traumatagung, in der es diesmal schwerpunktmäßig darum ging, welche institutionellen Strukturen Missbrauchsgeschehen in Internaten eines Ordens ermöglicht haben und wie Täter hier agiert haben, um ihre Ziele zu verfolgen. Wie schon im November verstand Herr Spitczok von Brisinski durch eingehende Skizzen an der Flipchart seine Erläuterungen zu verdeutlichen. Herr Spitzcok stellt entsprechende Skizzen auf seiner Homepage zur Verfügung (wir weisen dann darauf hin)

 

In der anschließenden  Diskussion waren insbesondere die Schilderungen von Pater ten Winkel interessant, der den Täter Pater S. in jungen Jahren als Mitbruder und Arbeitskollege im Internat erlebte, ohne etwas von seinen pädophilen Neigungen zu ahnen. Pater ten Winkel konnte enorm viel dazu beitragen, Täterstrategien zu beschreiben:  Pater S. machte sich unentbehrlich und erhielt für seine pädagogische „Durchschlagskraft“ die Bewunderung der anderen Präfekten und auch der Lehrer. Die dabei angewendete körperliche Gewalt gegen Schüler führte in Teilen zwar zu innerer Distanzierung aber auch zu Neid auf den sichtbaren Erfolg. Offensichtlich war, dass die körperliche Gewalt von der Internatsleitung gebilligt und sogar gewünscht wurde und Pater S.  das besondere Wohlwollen des Leiters genoss.

 

Erfreulicher Weise konnten am Rande des Treffens die Erinnerungen eines anderen Betroffenen durch weitere Zeitzeugen untermauert werden. So fügt sich in diesem Fall über einen langen Zeitraum Stück für Stück der Tatumstände zusammen und trägt hoffentlich positiv zum Verarbeitungsprozess bei.

 

In der Abschlussrunde bekundeten alle Teilnehmer den Eindruck, dass das Treffen in einer erstaunlich entspannten und offenen Atmosphäre stattgefunden hat. Betont wurde von Seiten der Betroffenen, wie wichtig ihnen inzwischen diese Zusammenkünfte in Köln sind und dass eine Fortsetzung sehr gewünscht ist. Dies auch im Hinblick darauf, weiteren Betroffenen, die sich bislang nicht gemeldet haben, die Möglichkeit offen zu halten, zu diesem Kreis dazu zu stoßen.

 

In diesem Zusammenhang sei zum Schluss der Missbrauchsbeauftragte des Ordens zitiert, der davor warnte, sich der Illusion hinzugeben, dass in kirchlichen Institutionen der Missbrauch gestern war und heute kein Missbrauch mehr stattfinden würde.

 

Wir bedanken uns bei allen, die mit ihrem Engagement und ihrer Offenheit zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben und würden es sehr begrüßen, wenn der Orden an dem angeschobenen Prozess der internen Reflektion weiter arbeiten würde.

 

Das nächste Gespräch wird voraussichtlich am 23.1.2016 in Köln stattfinden.

 

 

27.03. 2015   Aufarbeitungsbericht zum institutionellen Missbrauch im Benediktinerstift Kremsmünster nach zweijähriger Forschungsarbeit veröffentlicht

 

Dem Studienbericht zufolge kam es im Benediktinerstift Kremsmünster seit 1950 bis zum Bekanntwerden der Taten im Jahr 2010 zu 350 Fällen sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt.

Zwei Jahre lang untersuchte das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) unter der Leitung des Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Heiner Keupp die Missbrauchsfälle des österreichischen Klosterinternats.
Für die Planung und Durchführung der Studie wurden von Anfang an Betroffene miteinbezogen. Den Kern der Untersuchung bildeten ausführliche Interviews mit ehemaligen Schülern, Angehörigen, Patres und weltlichen Angestellten. Schriftliche Materialien wie Gerichtsakten, Briefe oder Protokollnotizen ergänzten die Auswertung.

Unter folgendem Link steht der Forschungsbericht zum Download auf der Website des IPP zur Verfügung: http://www.ipp-muenchen.de/

 

(Textübernahme aus: http://beauftragter-missbrauch.de/presse-service/meldungen/detail/news/aufarbeitungsbericht-zu-institutionellen-missbrauch-im-benediktinerstift-kremsmuenster-in-oesterreic/)

 

 

23.03.2015   Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten Rörig hat sich konstitutiert- Herzlichen Glückwunsch und auf gute Zusammenarbeit!

Konstituierung Betroffenenrat


Der Betroffenenrat, bestehend aus 15 Mitgliedern, wird in den kommenden Jahren die Arbeit des Missbrauchsbeauftragten begleiten. Die Mitglieder wurden durch ein Auswahlgremium – bestehend aus dem Missbrauchsbeauftragten und vier vom Deutschen Bundestag vorgeschlagenen Expertinnen – aus rund 200 Bewerbungen ausgewählt.
Berlin, 23.03.2015. Mit der heutigen ersten Zusammenkunft des Betroffenenrats wird die im Koalitionsvertrag der Großen Koalition vorgesehene Beteiligung von Betroffenen auf Bundesebene verwirklicht. Dies war stets eine zentrale Forderung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig.
Rörig: „Das heutige Datum ist ein wichtiger Meilenstein für die Anerkennung Betroffener sexueller Gewalt in der Kindheit. Exakt fünf Jahre nach Einrichtung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ haben Betroffene endlich ein Gremium, durch das sie auf Bundesebene kontinuierlich im Themenfeld des sexuellen Missbrauchs mitwirken können. Ich danke allen Bewerberinnen und Bewerbern für ihren Mut und ihren Gestaltungswillen. Die 15 berufenen Mitglieder des Betroffenenrats bündeln zusammen vielfältige Erfahrungen und Expertisen. Sie sind hochmotiviert, sich für die Belange von Betroffenen auf Bundesebene zu engagieren. Ihr enormer Wissensschatz ist für meine Arbeit unverzichtbar. Ich freue mich sehr auf die künftige Zusammenarbeit.“
Pressemitteilung

Dem Betroffenenrat gehören 10 Frauen und 5 Männer an. Die Mitglieder kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, ihr Alter reicht von Mitte 20 bis Anfang 60 Jahre. Bei der Auswahl wurden die verschiedenen Kontexte des sexuellen Kindesmissbrauchs wie beispielsweise Missbrauch in der Familie/im sozialem Umfeld, in der Institution – konfessionell/nicht konfessionell sowie durch Fremdtäter/innen oder im Rahmen von ritueller/organisierter Gewalt berücksichtigt.
Der Betroffenenrat wird sich mehrmals im Jahr treffen, als nächstes im Frühjahr 2015 zu einer ersten Klausurtagung in Berlin.
Dem Auswahlgremium gehörten neben dem Missbrauchsbeauftragten vier aus dem Deutschen Bundestag fraktionsübergreifend vorgeschlagene Mitglieder an: Prof. Dr. Sabine Andresen, Goethe-Universität Frankfurt/Main, Dr. Heide-Rose Brückner, Kinderfreundliche Kommunen e. V., Marlene Rupprecht, Mitglied des Deutschen Bundestages 1996–2013, und Julia von Weiler, Innocence in Danger e. V.

 

Leider ist von uns trotz Bewerbung von Sylvia Witte und Dieter Beckmann niemand berufen worden. Wir hoffen, dass wir gut vertreten sind.

 


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20.03.2015  Staatliche Schulbehörde beginnt sich ihrer Verantwortung zu stellen- Missbrauch an Darmstädter Schule

Alles, was die Schulbehörde im Fall des Darmstädter Lehrers Buß bisher unternommen oder eben nicht unternommen hat, schien eher auf Komplizenschaft denn auf Aufarbeitung hinaus zu laufen. Als dann auch noch die Personalakte für unauffindbar erklärt wurde, wähnte man sich in die Zeit vom Beginn der Bundesrepublik zurück versetzt, als es darum ging, massenhaft jedwedes Belastungsmaterial über die Tätigkeiten von Beamten im Dritten Reich verschwinden zu lassen. Jetzt hat es 10 Jahre nach der Verurteilung und 7 Jahre nach dem Tod des Täters ein gemeinsames Gespräch von Betroffenen und staatlicher Schulbehörde gegeben, auf dem gemeinsamer Aufarbeitungswille demonstriert und in ersten Schritten umgesetzt wurde.

 

 

http://taz.de/Aufklaerung-sexuellen-Missbrauchs/!156676/

 

 

Zusätzlich gibt es eine Homepage der Betroffenen, die deshalb so einmalig ist, weil zum ersten Mal privates Material eines Täters (Tagebuch, Brief) veröffentlicht wird. Für die Aufarbeitung eine wahre Fundgrube von Einsichtsmöglichkeiten.

 

 

http://missbrauchte-jungs.de/

 

 

 

 

 

15.03.2015  Link zum Feature der TAZ "Verlorene Jungs" (siehe 14.03.2015)

Artikel musste wegen einer evtl. Verletzung von Persönlichkeitsrechten entfernt werden

 

 

14.03.2015 TAZ- Artikel von heute zum Missbrauch an einer hessischen Schule. Missbrauchstäter schreibt Tagebuch. Ein unglaublicher Text!

Der Text selbst ist heute noch nicht im Internet bzw. auf TAZ. de zu finden. Journalistisch vielleicht der beste Text zum Thema.

 

Hier ein Hinweis auf die Hintergründe des Textes: http://www.taz.de/Aufklaerung-paedophiler-Taten/!156363/

10.03.2015  Film "Verfehlung" startet am 26. März in den Kinos. Sehenswert, weil Filmemacher selbst Priesteramtskandidat gewesen ist. Film hat schon seinen ersten Preis gewonnen.

09.03.2015   Hinweis auf Feature "Das Schweigen der Männer"- ein Feature zum Missbrauch in der Kath. Kirche im 1. Fernsehprogramm am 16. März (Montag) um 23.30 Uhr

 

Die Autoren des Films sind bekannt für ihre ausgezeichneten und ausgewogenen Features. Unbedingt sehens- oder aufnehmenswert!

 

"Die Autoren Birgit Wärnke und Sebastian Bellwinkel haben hinter die Mauern der katholischen Kirche geschaut. Sie fragen nach, wie frei die Wissenschaftler wirklich forschen können, ob die neuen kircheninternen Leitlinien zum Umgang mit den Tätern konsequent umgesetzt werden und welche Rolle die Ordensgemeinschaften spielen, in deren Zuständigkeit viele Schulen und Internate liegen. Der Film fragt auch nach den Verantwortlichen und lässt namhafte Katholiken zu Wort kommen, die die Verbindung von Priesteramt und Zölibat hinterfragen. Sexualpsychologen weisen darauf hin, dass der Zölibat Männer mit gestörter Sexualität anziehe und selbst bei psychisch gesunden Priestern zu einer "seelischen Unterernährung" führen könne.

 

Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle kommen Bischöfe, Ordensleute und Opfer zu Wort. Kritiker beobachten, dass es der katholischen Kirche zuweilen mehr um das Wohl der Täter aus den eigenen Reihen als um das Schicksal der Opfer geht. Manche befürchten, die groß angekündigte wissenschaftliche Aufarbeitung sei nicht viel mehr als eine PR-Aktion der Bischöfe." (Aus der Vorankündigung)

 

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/ndr/Missbrauch-Kirche-das-Schweigen-der-Maenner-100.html

08.03.2015 Transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrung

Zur transgenerationalen Weitergabe traumatischer Erfahrung hat das Deutsche Ärzteblatt einen aufschlussreichen Artikel veröffentlicht. Hier der Link:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50781/Kindesmissbrauch-Den-Teufelskreis-transgenerationaler-Traumatisierung-durchbrechen

 

Zum Schweigen der Männer siehe auch den Filmhinweis

06.03.2015  Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs kündigt neues Präventionsmaterial und veränderte Homepage an

 

 

Missbrauchsbeauftragter bietet Schulen, Sportvereinen und Praxen  neues Informationsmaterial für die Prävention von sexueller Gewalt

Neu gestaltete Homepage des Beauftragten erweitert das Informationsangebot insbesondere zu Prävention, Hilfen und rechtlichen Fragen.

 

Angefügt finden Sie die Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, zu seinem neuen Informationsangebot.

 

 

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05.03.2015    Allseitige Empörung über Edathys abgebrühte Zockerei mit der Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit

 

 

 

 

http://www.fr-online.de/politik/sebastian-edathy--gestaendnis--empoert-politiker-und-promis,1472596,30039776.html

 

Der Obmann der Unionsfraktion im Edathy-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Armin Schuster, forderte die Staatsanwaltschaft auf, der Einstellung des Verfahrens nicht zuzustimmen, solange Edathy die Summe noch nicht überwiesen habe. Denn die Entscheidung basiere auf falschen Voraussetzungen, da weder ein Geständnis vorliege noch Reue zu erkennen sei. Die Menschen empöre das zu Recht. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, hatte bereits am Dienstag erklärt, sie könne die Weigerung des Kinderschutzbunds, die 5000 Euro nicht anzunehmen, gut nachvollziehen. Der Obmann der Linksfraktion, Frank Tempel, äußerte sich ebenso kritisch.

 

Auch die Betroffenen des Redemptoristenordens bzw. des Collegium Josephinums kennen dieses Ausreizen und an die Grenze gehen und Zocken ihrer Täter sehr gut. Fast meint man, sie legten es darauf an, dass ihre Taten entdeckt würden. Tatsächlich scheint die egozentrierte Bedürftigkeit dieser Täter so hoch, dass es ihnen ein unverzichtbarer Kick wird,  unter Beweis zu stellen, dass ihnen aber auch niemand etwas kann. Das Spiel, das Edathy treibt, macht ihn nur noch verdächtiger. Es ist schon unglaublich, vor dem zweiten Prozesstag auf dem Weg zum Gericht triumphierend zu tönen, der Wahrheit eine Gasse, kurz danach ein mit der Staatsanwaltschaft bereits abgesprochenes Geständnis abzulegen (die Ermittlungesergebniss entsprechen der Wahrheit) und dann zu behaupten, man habe kein Geständnis abgelegt. Dieses typisch triumphierende egomanische Auftreten der Täter hat es auch uns als Opfer zusätzlich zu Scham und den anderen Faktoren so erschwert, sich zu wehren und zu reden. Fremd ist uns Betroffenen der Ablauf des Edathy- Theaters nicht, gleichwohl sind auch wir empört und empfinden Verachtung für das schlechte Schauspiel.

02.03.2015    Erschütterung in der Leitung des Benediktinerordens (Kloster Ettal) groß- aber wenig überzeugend

 

 

http://www.merkur-online.de/bayern/nach-missbrauchsgestaendnis-falschen-geglaubt-4773831.html

 

Der konservative Merkur berichtet heute über das Geständnis von Pater Georg zum Missbrauch an seinen Schülern, weitaus ausführlicher berichtet er aber über Erschütterung und Bestürzung in der Leitung des Ordens. Die Opfer sind schon im Nachrang. Angesichts der detaillierten Vorwürfe der Opfer und der Geschichte des Missbrauchs in Ettal wirken Erschütterung und Bestürzung der Ordensleitung allerdings wenig überzeugend in ihrer Larmoyanz bezüglich der Opfer. Die "Bestürzung" und das Jammern über sich selbst mag dabegen durchaus echt und nicht gespielt sein. Nur weiß man nicht wirklich, ob es aus Erschütterung daraus resultiert, was die Opfer erlitten haben oder daraus, dass einmal mehr das "Mauern" nicht mehr geholfen hat. Der dem Kloster Ettal in vielerlei nahestehende Merkur verrät darüber vielleicht doch mehr als man erst denkt: der Artikel beschäftigt sich nur in zweiter Linie mit den Opfern, in erster Linie und ausführlicher mit dem Kloster und dem Orden. Dass der Angriff auf die Glaubwürdigkeit der Opfer in sein Gegenteil umschlug, weil der Täter selbst diesmal nicht "stark" und abgezockt genug war, kann schon im Mark erschüttern- wie wir verstehen. Möglicherweise war der Panzer des Täters dünner als der des Ordens. Zu dünn eben, um das Lügengebäude angesichts der anwesenden Zeugen zu verteidigen bzw. die Opfer direkt und öffentlich zu konfrontieren und der Unglaubwürdigkeit zu bezichtigen, um im nächsten Schritt möglicherweise Zeugen und Opfer wegen Verleumdung zu belangen- gegen Schmerzensgeldzahlung versteht sich.

 

Das Zocken bis über die Grenze gehört bekanntlich immer zum Handwerkskasten des Missbrauchs- Täters. Hier in Ettal 2015 haben die Vorgesetzten gleich mitgezockt. War diese Zockersolidarität in den 50 bis in die 90er Jahre noch  mehr oder weniger üblich und für Betroffene aus jener Zeit nicht unerwartet, so verwundert sie heute nach 5 Jahre währenden Aufarbeitungsversuchen unterschiedlicher Güte doch sehr. Dass auch 2015 Verantwortliche zum gleichen Handwerkszeug wie der Täter, zur Diffamierung der Opfer, greifen und  Täter darauf bauen können, dass sie Unterstützung in der Leitung finden, ist schon aller "Erschütterung" wert und zeigt, wie sehr solche und ähnliche Institutionen noch am Beginn des Begreifens stehen. Leitung hat sich hier zum Mittäter gemacht, weil ihr in ihrer Zockersolidarität das Schicksal der Opfer gleichermaßen gleichgültig ist wie dem Täter. Fast möchte man fragen, welche Schuld schwerer wiegt, die erste des Täters oder die zweite seiner Mittäter, die versuchen, die Opfer noch um das Letzte zu bringen, das ihnen gehört: ihre eigene Geschichte.

 

Wenig Empathie der Verantwortlichen in die Opfer hätte hier im konkreten Fall schon gereicht, um an der Glaubwürdigkeit der Zeugen nicht zu zweifeln. Selbstmitleid im Stile "Wir haben doch alles getan. Was hätten wir denn noch tun können?" ist das Schlechteste, was dem Abt dazu einfallen kann.

27.02.2015  Der Ettaler Prozess: Erschütterung der Glaubwürdigkeit, Geständnis des Täters und soziale Zockerei - differenzierter Bericht in der Süddeutschen

 

 

http://www.sueddeutsche.de/bayern/kloster-ettal-pater-gesteht-missbrauch-1.2369779

 

Vermutlich ist der Hintergrund für das überraschende Geständnis die Tatsache, dass weitere Zeugen aufgetaucht sind, möglicherweise auch Dokumente.

 

Dr. Deckers als Anwalt (siehe unsere gestrige Meldung) ist Profi durch und durch. Er wird seinen Mandanten davon überzeugt haben, dass damit die ursprüngliche Strategie der Einschüchterung und Leumundsschädigung der Opfer hinfällig geworden ist. Darum wohl auch das berühmte Hinterzimmergespräch mit dem entsprechenden „Deal“.  

 

Am Täter zeigt sich wie so oft: eines der Kernmerkmale der Pädokriminellen ist ihr Hang zur sozialen Zockerei. Sie missbrauchen schließlich ihr kindliches Opfer beim Besuch bei ihm zu Hause oder in der Kirche unter der Gefahr der Entdeckung, sie laden Kinderpornos herunter auf dem Server des Bundestages und und. Sie lügen und tun das ohne rot zu werden, sie tun es öffentlich und unter Anschuldigungen der Opfer. Sie müssen sich und andere versuchen. Solche Leute merken erst, dass Schluss ist, wenn man ihnen die Wand zum Dagegenrennen direkt vor den Kopf hält.

 

http://www.kath.net/news/49635

 

Noch im Januar sah alles ganz anders aus:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kloster-ettal-pater-bestreitet-vor-gericht-sexuellen-missbrauch-a-1014430.html

 

27.02.2015    Öffentliches Hearing des Unabhängigen Beauftragten am 18. Juni in Berlin.

Gemeinsam mit seinem Beirat lädt der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig,

am 18. Juni 2015 im Zeitraum von 10.00 – 18.00 Uhr zu einem öffentlichen Hearing zum Thema Forschung nach Berlin ein.

 

Die Veranstaltung der Reihe „Dialog Kindesmissbrauch – Forderungen und Perspektiven“ wird sich mit den Fragen beschäftigen, wie Forschung im Themenbereich des sexuellen Missbrauchs stärker im wissenschaftlichen Mainstream verankert werden kann und wie wissenschaftliche Ergebnisse der Forschung besser in die Praxis übertragen werden können. Veranstaltungsort ist die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin. 

 

Unser Kommentar: Eine Teilnahme an Veranstaltungen des Unabhängigen Beauftragten ist immer ein Gewinn

26.02.2015    Gemeinsame Fachtagung des Vereins "Missbrauchsopfer Josephinum und Redemptoristen"mit dem Orden der Redemptoristen krankheitsbedingt verschoben

Die für den 28.02.2015 geplante Fachtagung zum Thema "Folgen von Traumatisierung durch Missbrauch" ist kurzfristig auf den 11. oder 18.04. verschoben worden. Angesichts vieler fehlender Mitglieder und vor allem des Referenten blieb keine andere Wahl.

26.02.2015   Missbrauchsprozess in Ettal nimmt überraschende Wende

Die Täterseite (Orden der Benediktiner) hatte mit dem prominenten Rechtsanwalt Dr. Deckers ("Erfinder" der Nullhypothese, so vom Bundesgerichtshof in die allgemeine Rechtssprechung höchstrichterlich übernommen) schwerstes Geschütz aufgefahren, um die Glaubhaftigkeit einzelner Zeugenaussagen zu erschüttern. In der Presseöffentlichkeit wurde der Zweifel an der richtigen Darstellung einzelner Gegebenheiten schon als "Erschütterung der Glaubwürdigkeit" des Zeugen dargestellt. Jetzt nimmt der Prozess eine plötzliche Wendung durch das überraschende Geständnis des Täters, das die Tat in ein schärferes Licht setzt, als es der Zeuge erinnert. Eine bemerkenswerte Entwicklung. Ein Urteil wird im April erwartet.

 

 

 

http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/missbrauch-ettal-moench-prozess-102.html

24.04.2015 Das Bistum Regensburg anerkennt das erlittene Leid ehemaliger Domspatzen mit einer Zahlung von je 2500,00€

Das Bistum Regensburg zahlt jedem der Gewaltopfer in Anerkennung des erlittenen Unrechts 2500,00€:

 

 

 

http://www.regensburg-digital.de/das-bistum-zahlt-schmerzensgeld-fuer-koerperverletzungen/25022015/

08.02.2015  Rosa von Praunheim dreht bewegenden Film zum Tabuthema "Missbrauch durch die Mutter" (Triggergefahr)

Rosa von Praunheim hat einen schonungslosen Film zum Tabuthema weiblichen bzw. mütterlichen Missbrauchs gedreht. Der Film heißt "Härte". Praunheim setzt sich im Film an Hand der Biografie von Andreas Marquardt mit dem Thema, aber auch mit dem selbst durch seine eigene Mutter erlittenen Missbrauch auseinander. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass sowohl der Film als auch Berichte zum Film eine hohe Trigger- Gefahr bedeuten.

 

 

http://www.berliner-zeitung.de/film/rosa-von-praunheims-neuer-film--haerte--dein-schwanz-gehoert-mir-,10809184,29759986.html

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/film-rosa-von-praunheim-bricht-tabu_id_4458598.html

 

2011 berichtete der Spiegel schon einmal über missbrauchende Frauen/Mütter. Auch Andreas Marquardt kam in dem Artikel zu Wort. Analog seiner Biografie wurde jetzt ein Film gedreht, von dem zu hoffen ist, dass er für die notwendigen Diskussionen sorgt. Hoffentlich wird das Thema in der öffentlichen Diskussion nicht so reduziert, dass es nur noch heißt: „aus einem von der Mutter missbrauchten Jungen wird ein Schläger und Zuhälter“. Das wäre fatal. Es gibt viele Hinweise darauf, dass gerade missbrauchende Priester zumindest ein hochproblematisches Nähe- Verhältnis zur eigenen Mutter hatten bzw. möglicherweise in ihrer Kindheit sogar missbraucht worden sind. Auch einer der Täter aus dem Orden der Redemptoristen weist ein entsprechendes Profil auf.

 

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sexueller-missbrauch-durch-frauen-verkehrte-lust-a-788332.html

 

 

 

07.02.2015   Opferbefragung der Uni Heidelberg zum Thema Missbrauch und Strafanzeige

Hier der Link:

 

http://www.opferbefragung.de/

07.02.2015     Aktuelle Urteile zu sexuellem Missbrauch durch Priester

Wir möchten auf zwei aktuelle Urteile hinweisen. Das erste Urteil:

 

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/viersen/willicher-priester-zu-sechs-jahr

 

 

Zu diesem Urteil:

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KG Marc Pfarrer Urteil, Welle Niederrhei
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DPA Nachrichtendienst vom 6.2.2015.doc
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Express online vom 6.2.2015.doc
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KNA vom 6.2.2015.doc
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06.02.2015  Papst stellt sich klar gegen jede Vertuschung von Missbrauch

 

Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, sexuellen Kindesmissbrauch durch katholische Priester nicht zu vertuschen. Ein entsprechendes Schreiben aus Luxemburg ist bekannt geworden.

 

http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/20210137

 

 

06.02.2015  Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, nimmt Stellung zur Aufarbeitung des sog. Missbrauchsskandals

 

http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=47580&key=standard_podcasting_hr_info_thema&mediakey=podcast/hr_info_thema/hr_info_thema_20150128_58227290&type=a

 

 

Es geht in dem Interview, das mit Matthias Katsch anlässlich des Jubiläums des „Canisius-Day“ geführt wurde, unter Anderem um den folgenden Satz von Robert Zollitsch, der damals als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz drei Wochen nach Bekanntwerden der Serienkriminalität an der Canisiusschule verlautbarte: „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist immer ein abscheuliches Verbrechen. Und ich entschuldige mich im Namen der Katholischen Kirche Deutschlands bei Allen, die Opfer eines solchen Verbrechens wurden“.

 

So gut dieser Satz auch erstmal klingt, wirft er doch Fragen auf:

 

  • Wieso muss ein Erzbischof der Katholischen Kirche Deutschlands in seiner ersten Erklärung nach Ausbruch eines Medientsunamis, der die Kirche in eine ihrer schwersten Krisen ihrer jüngeren Geschichte stürzt, extra betonen, dass sexueller Missbrauch immer ein Verbrechen ist? Gibt es sexuellen Missbrauch, der kein Verbrechen ist? Ist Klerikern sexuelle Übergriffigkeit etwa so vertraut gewesen, dass ihnen jedes Unrechtsbewusstsein dafür abhanden gekommen war und das "Immer" erst jetzt eine neue Leitlinie darstellt?
  • Warum wählt er an Stelle der korrekten Formulierung „Ich bitte im Namen der Katholischen Kirche Deutschlands Alle, die Opfer eines solchen Verbrechens wurden, um Entschuldigung“ den Satz: „Und ich entschuldige mich…?

 

Der Prozess der Entschuldigung folgt im sozialen Miteinander bestimmten Regeln. Bei Banalitäten reicht ein genuscheltes „Tschuldigung“. Vielleicht. Aber bei einem Verbrechen gegen das Menschsein? Da kann allenfalls um Entschuldigung gebeten werden. Aber auch dazu war es zu früh, insofern die ungeschriebenen sozialen Regeln für Entschuldung von Straftaten überhaupt nicht eingehalten waren, ja teilweise bis heute nicht eingehalten sind.

 

Seine Opfer um Verzeihung zu bitten, heißt im sozialen Reglement des Täter- Opferausgleichs (auch rein juristisch verstanden): 

 

  1. Aufklärung des Sachverhaltes
  2. Anerkenntnis der ermittelten Schuld
  3. Täter/Verantwortliche unterbreiten ein Angebot zur Güte
  4. Opfer/Opfervertreter und Täter/Verantwortliche verhandeln über das Angebot
  5. Wenn man sich einig wird: Entschuldung evtl. sogar Verzeihen seitens des Opfers

 

Der Verantwortliche hier, Bischof Zollitsch, setzte gekonnt und manipulativ darauf, dass die Opfer des sozialen Friedens willens sind zu vergeben, ohne dass vorab die Schritte 1 – 4 gegangen worden sind. Mit der fatalen, aber möglicherweise beabsichtigten Folge: Wenn die Opfer die Entschuldigung nicht annehmen, liegt der Schwarze Peter wieder bei ihnen. (Hier mehr zum Entschuldungsverfahren: http://www.aufrecht.net/utu/verzeihen.html) Die Öffentlichkeit reagierte zumindest in Teilen prompt: "Was wollt ihr Opfer denn noch und schon wieder? Denen geht es nur ums Geld!"

 

Dass dies mindestens unbewusst im Kalkül der Katholischen Kirche lag, ist mehr als naheliegend, haben doch Zollitsch und sein Pressebüro damals sich drei lange Wochen Zeit genommen, um an ihrer ersten Stellungnahme zu feilen. Herausgekommen ist ein entlarvender Satz. Er erntlarvt den Unwillen zur Aufarbeitung und zum Schuldanerkenntnis, er entlarvt erschreckenden Mangel an sozial angemessenen Umgangsformen oder mindestens Unerfahrenheit damit im Alltag. Das dahinter stehende Denkgebäude beleuchtet den Hintergrund, warum Vieles danach schrecklich schief gegangen ist und auch heute noch das Meiste in den Kinderschuhen steckt:

  • Aufarbeitung hier und da, mehr oder weniger- aber nicht grundlegend und bei geöffneten Archiven und in Beteiligung der Betroffenen.
  • Geldzahlungen als Anerkennung des zugefügten Leids ohne individuell zugemessene Entschädigung und ohne Beteiligung der Betroffenen.
  • Gespräche und Verhandlungen mit den Betroffenen hier und da, hier mehr, da weniger, aber nicht grundsätzlich
  • und und...

 

 

Hat sich überhaupt etwas verändert?

Wir hoffen mit Matthias Katsch Ja sagen zu können. Wir stimmen zu: Es hat Veränderungen gegeben. Es ist zu wenig. Aber es ist mehr als Nichts.

 

 

04.02.2015  Wie kann Aufarbeitung gelingen? Braucht Aufarbeitung Ahndung? Braucht sie Wiedergutmachung und wie kann sie aussehen? Fragen, mit denen sich die Betroffenen am Aloisiuskolleg in Bonn noch immer herumschlagen müssen trotz vieler öffentlicher Bekundungen von Schuld und trotz Bitten um Verzeihung.

Im Generalanzeiger von heute dazu ein Interview mit dem Provinzial der Jesuiten, Pater Stefan Kiechle:

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/orden-vertraut-pater-schneider-article1553485.html

 

Ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie (noch) unter:

 

http://www.anselmneft.de/2012/12/12/warum-jesuitenprovinzial-stefan-kiechle-dem-ehemaligen-ako-rektor-pater-schneider-nicht-sein-vertrauen-aussprechen-sollte/

 

 

 

03.02.2015    Opfer des Aloisiuskollegs klagen über Blockade

03.02.2015    Kardinal Woelki beurlaubt einen Pfarrer. Die Wogen schlagen hoch.

30.01.2015   Es ist soweit: Bundestag beschließt Kommission zur gesellschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

 

Am 30. Januar 2015 debattierten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages über die Einrichtung einer Unabhängigen Kommission zur systematischen und umfassenden Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Deutschland- endlich.

Hier Text und Bild:

 

 

http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/18/18083.pdf#page=63

 

https://www.youtube.com/watch?v=urBb7vBlTQQ&feature=youtu.be

 

 

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Johannes-Wilhelm Rörig verfolgte die bewegende Debatte von der Besuchertribüne des Bundestages.

 

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Zusammen mit rund 20 Betroffenen hörte er engagierte und eindrückliche Reden von Vertretern aller Parteien, die sich parteiübergreifend für die Einrichtung einer Unabhängigen Kommission zur systematischen und umfassenden Aufarbeitung aussprachen und die Bundesregierung aufforderten, diese Kommission entsprechend auszustatten.

 

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Alle Redner würdigten das Engagement von Betroffenen und die Arbeit von Herrn Rörig. Der Antrag der Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD wurde zur weiteren Beratung in die Ausschüsse überwiesen.

Hier die Pressemitteilung des Missbrauchsbeauftragten mit dem Titel: „Grünes Licht des Bundestages ist wegweisend für die Aufarbeitung von Missbrauch!“

Weitere Informationen auf der Internetseite des UBSKM

 

Beeindruckend die Redebeiträge einzelner Abgeordneter. Hervorgehoben sei der Beitrag der Abgeordneten Christina Schwarzer von der CDU/CSU:

 

 

 

„Aber nicht nur mit dem Tragen des weißen Kreuzes leisten wir unseren Beitrag dazu, dass die so wichtige Debatte zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im institutionellen und privaten Bereich nicht verstummt. Es darf nicht nur eine Bundestagsdebatte, sondern muss auch eine gesellschaftliche Debatte sein und bleiben. Das sind wir den Opfern schuldig, die vor fünf Jahren einen unbeschreiblichen Mut aufgebracht haben und mit ihren Qualen an die Öffentlichkeit gegangen sind. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, welche Kraft es braucht, diesen Schritt zu gehen, welche Belastungen an den Menschen zerren. Allein schon die Angst vor Unverständnis, Bagatellisierung, Ignoranz oder Leugnung hält viele Opfer davon ab, zu sprechen. Da Angst kein gutes Gefühl ist, schweigen viele. Das Wort „Danke“ ist heute schon oft gefallen. Ich glaube, man kann es nicht oft genug sagen: Danke für den Mut, den Sie bewiesen haben!“

 

Dieser Redeauszug beschreibt auch, wer hauptsächlich dafür gesorgt hat, dass es endlich soweit ist. Es waren eben nicht im Wesentlichen die FunktionärInnen, PolitikerInnen und ExpertenInnen in den Institutionen, die für Kinderschutz zuständig sind, sondern von Anfang an vor allem mutige Opfer und Mitbetroffene. Auch wir selbst dürfen stolz auf uns sein.

 

 

 

 

 

 

26.01.2015 Fünf Jahre ist es her, dass über institutionellen Missbrauch auch in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Dank an die Opfer, die das Schweigen gebrochen haben.

 

Ende Januar 2010 löste ein Zeitungsbericht über Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg eine Lawine von weiteren Betroffenenberichten in anderen Institutionen aus. Unter anderem meldeten sich auch die ersten Opfer aus dem Umfeld des Ordens der Redemptoristen.

 

Heute zogen der Unabhängige Beauftragte, die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Andresen, der ehemalige Schulleiter vom Canisius-Kolleg P. Mertes SJ sowie Betroffene in Berlin eine kritische Bilanz.

 

Hier erfahren Sie mehr: www.beauftragter-missbrauch.de

 

Sie können aber auch die entsprechende Stellungnahme des Beauftragten als PDF herunterladen:

 

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Dass die Presseberichte zu diesem "Jubiläum" kaum noch zählbar sind,scheint mittlerweile selbstverständlich. Das ist ein Fortschritt für die Sache des Kinderschutzes. Der Inhalt der meisten Presseberichte stößt allerdings bei uns als den Betroffenen auf zorniges Unverständnis, wenn wir es milde ausdrücken: Herr Pater Klaus Mertes hat den Skandal entgegen allen Behauptungen nicht losgetreten, losgetreten haben ihn die Opfer, die ihr Schweigen gebrochen haben. Sie und nicht Pater Mertes gehören auf die Pressebilder und ihnen gehört der Dank der Gesellschaft. Pater Mertes war einer der Ersten, die zugehört haben. Dass das "Zuhören", wenn man über ein schweres Verbrechen informiert wird, bis dahin nicht zum kirchlichen und gesellschaftlichen Umgang mit sexuellem Missbrauch gehörte, ist der Skandal hinter dem Skandal und es ist die zweite Schuld der Verantwortlichen in den verschiedenen Institutionen. Diese zweite Schuld wiegt schwer wie die erste. Manche meinen, sie wiege schwerer, insofern es menschlich verständlich erscheint, dass Täter ihre Taten nicht selbst zur Anzeige bringen. Dass Menschen dabei zugeschaut haben, wie Täter anderen Menschen Gewalt angetan und nichts dagegen unternommen haben, dass sie gar die Täter deckten- machte für die Betroffenen ihr Leben erst richtig zur Hölle.  Dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Rehabiliation der Betroffenen (Hilfessysteme) immer noch in den Anfängen stecken und dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Ahndung dieser Verbrechen (Verjährungsfristen) ebenfalls ungenügend sind, ist die dritte Schuld derer, die nicht begreifen wollen, dass Kinder Schutz brauchen, wenn sie Zukunft gewinnen wollen. Wir bedanken uns also bei Pater Klaus Mertes für das Zuhören, auch wenn es in unserer Gesellschaft zumindest ungewöhnlich ist, sich für Selbstverständlichkeiten  zu bedanken. Es erscheint in diesem Fall gewiss angebracht.

 

 

 

Der heutige Tag ist für uns Anlass, dem Orden der Redemptoristen gegenüber unseren Respekt zu äußern für die Art und Weise, wie er ab 2010 uns zugehört hat und dass er das auch heute noch tut. Er hat die Zuhörerschaft im letzten Jahr gar über die Leitung des Ordens hinaus auf weitere Ordensmitglieder ausgeweitet.

 

 

 

 

 

02.12.2014  Bericht im Ärzteblatt zu den Folgen "katholischen" Missbrauchs: das Vertrauen in Religion bleibt für immer gebrochen. Religiösität auch im weitesten Sinne fällt als Coping- Strategie weg.

01.12.2014   "Heilige Macht" des Priesters, "Heil- Macht" des Arztes -  Arzt wird in England extrem hart bestraft, weil er seine Machtposition schamlos ausgenutzt hat zum Missbrauch an Kindern.

In England ist ein missbrauchender Arzt extrem hart bestraft worden, weil er seine Machtposition ausnutzte. Diese besondere zugesprochene heilende Macht ist vergleichbar der zugesprochenenen heiligen Macht des Priesters. Es ist wahrscheinlich, dass zumindest in England ein missbrauchender Priester heute mit einer harten Strafe rechnen müsste.


Hier der Link:

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_72006386/englischer-arzt-missbrauchte-schwer-kranke-jungen-.html



27.11.2014 Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (Pfeiffer) veröffentlicht Missbrauchsstudie zum Missbrauch durch katholische Priester

Das KFN hat nach der Kündigung des Vertrages mit der Katholischen Kirche seinerseits eine kleine Studie veranlasst. Die Ergebnisse liegen jetzt vor:


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20.11.2014   Tagung findet auch im Netz Beachtung

Auf Regensburg Digital findet gerade eine Diskussion statt zum Aufarbeitungsprozess. In einem Kommentarbeitrag wird auch auf unsere Meldung zur Tagung am Samstag Bezug genommen. Hier der Link:

http://www.regensburg-digital.de/es-gibt-noch-viel-gespraechs-und-aufarbeitungsbedarf/



15.11.2014   Missbrauchsopfer beeindruckt durch Fachtagung des Ordens der Redemptoristen gemeinsam mit dem Verein der Betroffenen zum Thema: "Missbrauch- Trauma- Traumafolgen"

Das hat es unseres Wissens auch noch nicht gegeben, dass eine kirchliche Institution, die mit Missbrauchsvorwürfen an einzelne Mitglieder konfrontiert ist, die von Missbrauch Betroffenen schlichtweg beeindruckt. So geschehen gestern. Bisher haben die institutionell Betroffenen allgemein ja eher den Eindruck, dass sie jede Bewegung der Institution mühsam erkämpfen müssen und dass sie der Institution immer hinterher laufen müssen.

 

Imponiert hat schon die Bereitschaft der Ordensleitung in gemeinsamer Federführung von Verein und Orden eine solche Tagung zu planen und zu organisieren.

 

Imponiert hat die Bereitschaft des Ordens, die Tagung zu finanzieren sowohl was die Kosten des Referenten aus dem fernen Berlin anbetrifft als auch die Kosten für die zusätzliche fachliche Moderation als auch die Reise- und Übernachtungskosten der Betroffenen unabhängig vom Ort der Anreise. Vielen Dank.

 

Bestochen hat uns die schiere Anzahl der Ordensmitglieder dieses kleinen Ordens, die bereit waren, an diesem Tag nach Köln zu kommen, um mit den Betroffenen gemeinsam zu arbeiten. Und das an einem Samstag, der für Priester, deren Hauptarbeitszeit für gewöhnlich das Wochenende ist, sicher nicht der günstigste ist, um andere Dinge zu betreiben.

 

 

Dem ausgezeichneten Referenten, Herrn Spitzock von Brisinski, gelang es mit seinem Input zur Traumaforschung dem Tag die notwendige innere Struktur zu geben und sowohl für die Betroffenen selbst wie auch für die mittelbar Betroffenen aus der Täter- Institution neue Impulse zu setzen zum besseren Verständnis dessen, was sexueller Missbrauch in den Betroffenen aber auch in der verantwortlichen Institution anrichtet.

 

 

Immer wieder waren durchaus die Klippen sichtbar, die das gemeinsame Gespräch grundsätzlich erschweren: die Frage nach Wahrheit und Richtigkeit der beiderseitigen Darstellungen als auch die Tatsache, dass bei Betroffenen den Angehörigen der Institution gegenüber auch im persönlichen Umgang und Gespräch Misstrauen schnell die Oberhand gewinnen kann (durchaus verständlich) und Skepsis bleibt wie umgekehrt und ebenfalls durchaus verständlich, dass Mitglieder der Institution sich grundsätzlich schon angegriffen fühlen und in schiere Verteidigungshaltung gehen, wenn Opfer auch nur kritische Anmerkungen zu Strukturen der Institution machen. Die gemeinsame Arbeit konnte aber dank gewohnt professioneller Moderation durch Frau Hardt- Becker immer aufrecht erhalten und auf eine neue Stufe geführt werden.

 

Wirklich eingeschlagen bei den Betroffenen hat aber die Schlussfolgerung, die Pater Heitkamp aus Essen für sich aus diesem Tag gezogen hat: „Wir müssen auch nach innen gucken. Wir haben viele unter uns, die ebenfalls im Internat waren, teilweise unter denselben Leuten, von denen wir heute wissen, dass sie Täter waren. Was ist eigentlich mit denen? Welche Hilfen brauchen die vielleicht?“

Dass das Schweigen dieser „Mitbrüder“ nicht heißen muss, dass es ihnen gut geht und das Schweigen nicht heißt, dass etwas nicht geschehen sein könnte- dass eine Institution nach innen schauen will und nicht nur danach strebt, dass der „Skandal“ bald aus der Welt sei, mit einem solchen Ergebnis haben die Betroffenen nicht gerechnet. Ein Orden, der nach Opfern unter seinen Mitgliedern zu suchen begönne, das wäre denn schon eine außerordentliche neue Dimension im Aufarbeitungsprozess.

 

Werte Ordensleute: Sie imponieren uns.

 

Nachgeschoben sei, dass eine Fortsetzung dieses Tages mit der gleichen Besetzung für den 28.Febr. 2015 vereinbart wurde.

24.10.2014   Sexuelle Ausbeutung und Esoterikszene

Wie gefährlich Heilsversprechen sein können, wird immer wieder deutlich auf dem Gebiet der Psychotherapie allgemein wie besonders auf dem der psychotherapeutisch angehauchten Esoterikszene:


http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/186/toedlicher-blick-in-die-kranke-seele-2505.html




23.10.2014   Keine Toleranz in der Rechtsprechung bei geplantem Kindesmissbrauch in den USA

Wir als Missbrauchsopfer sind weit davon entfernt, unmäßige Vergeltung in der Rechtsprechung bei Straftaten im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu fordern- egal welche persönlichen Rachegefühle wir in uns tragen. Trotzdem oder deshalb gilt: es muss in jedem Fall ein Strafrecht geschaffen werden, dass die Täter nicht auch noch zu Straftaten ermutigt. Manchmal lohnt sich dann doch der Blick über den Teich, wo ein deutscher Lehrer wegen geplantem (!) Kindesmissbrauch zu 15 Jahren Haft und weiteren bedeutenden Einschränkungen seiner Lebensvollzüge verurteilt worden ist.


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kindesmissbrauch-lehrer-aus-schleswig-holstein-muss-in-us-haft-a-995270.html

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/justiz/id_71280436/geplanter-kindesmissbrauch-15-jahre-haft-fuer-deutschen-lehrer-in-den-usa.html


Der Täter muss sich in Deutschland wie im Schlaraffenland gefühlt haben.

23.10.2014    Grüne gegen Toleranz bei Sexualstraftaten

Wie Netzwerk B berichtet, gibt es auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Hamburg einen Antrag einer großen Gruppe von Delegierten, die jede Toleranz bei Sexualstraftaten und Pädokriminalität ablehnen. Siehe hierzu den Link:

https://netzwerkb.org/2014/10/23/keine-toleranz-fur-pado-kriminalitat-und-sexualstraftaten/

 

Die Begründung allerdings- die spricht für sich und verrät zumindest wenig ernsthafte Diskussion. Alles nur Schein? Alles nur kleinliche Kritik?:


„Begründung:

Für uns GRÜNE war die Pädophilie-Aufarbeitung unserer Parteigeschichte im Wahljahr 2013 eine heikle Angelegenheit, die uns Stimmen gekostet hat. Umso mehr sollten wir

jetzt deutlich machen, dass wir Pädo-Kriminalität und Sexualstraftaten keinesfalls tolerieren, sondern uns geschlossen dagegen zur Wehr setzen. Null Toleranz für

Pädo-Kriminalität und Sexualstraftaten! Aus Sorge um die Arbeitsplatz-Perspektiven von Pädo-Kriminellen und Sexualstraftätern sollten wir die Betroffenen nicht vergessen: Sie vor weiteren Übergriffen zu schützen ist in dem Fall eindeutig das höherwertige Gut.“

 

Sprachlich eine Katastrophe. Fast möchte man sagen, solche grassen sprachlichen (und inhaltlichen) Fehlleistungen haben wir doch bisher nur der Katholischen Kirche zugetraut.  Solche Fehlleistungen erschweren es immer wieder, dem Aufarbeitungswillen der einzelnen Institutionen zu vertrauen.

 

Bischof Ackermann unterlaufen solche Fehler mittlerweile nur noch selten oder gar nicht mehr. Liegt es an gewonnener Einsicht oder guter Politikberatung? Heißt das auch, dass den Betroffenen in der katholischen Kirche mittlerweile mehr Gerechtigkeit widerfährt als anderswo?

 

 

 

22.10.2014 Einladung der Betroffenen zu einem Thementag durch die Ordensleitung der Redemptoristen gemeinsam mit dem Verein der Missbrauchsopfer am 15. Nov. 2014

Endlich liegt sie vor uns: die gemeinsame Einladung der von Missbrauch durch Ordensangehörige Betroffenen und von Ordensangehörigen zu einem Thementag "Traumatisierung durch Missbrauch" in Köln. Wir bedanken uns, dass der Orden unsere Anregung aus dem letzten Treffen aufgenommen hat und überdies alle Kosten des Tages trägt. Ein - wie wir meinen- beachtlicher Schritt in Aufarbeitung und Wiedergutmachung.


Fanden die Gespräche mit dem Orden bisher in kleinem Kreise statt, so ist der Kreis diesmal auf Ordensseite deutlich ausgeweitet: Ihre Teilnahme haben unter anderen auch Pater Heitkamp (selbst Internatsschüler in Bonn in den 60er Jahren) und Pater Cholewszinski (selbst Internatsschüler in Bonn in den 50er Jahren, später kurzzeitig Präfekt in Glanerbrück und Nachfolger von Pater Welzel in der Internatsleitung in Bonn) zugesagt. Wir freuen uns.

 

Einladung_Koeln.pdf
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21.10.2015 Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten endlich so installiert, dass Bewerbungen möglich sind. Bewerbungen sind bis zum 21.11.2014 erwünscht.

Wir möchten auf die Möglichkeit hinweisen, sich für den neu zu bildenden Betroffenenrat zu bewerben. Was hier etabliert wird, bietet Opfern sexueller Ausbeutung und sexualisierter Misshandlung eine einmalige Chance, sich betroffenenpolitisch zu engagieren. Und das im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements.

Ehrenamt im besten Sinne.


Näheres dazu hier: http://www.beauftragter-missbrauch.de/


Auszug aus der Presseerklärung
“Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch können die Arbeit des
Missbrauchsbeauftragten künftig kontinuierlich begleiten und sich daran beteiligen.
Hierfür wird ein Betroffenenrat auf Bundesebene eingerichtet. Das
Bewerbungsverfahren startet heute. Bewerbungsschluss ist am 21. November 2014.”

01.10.2014   Zum Film und zur Fernsehdiskussion

Wir begrüßen die Entscheidung der ARD, den Film "Die Auserwählten" auszustrahlen, auch wenn wir um die Verkürzung in der Darstellung der Dämonie eines Gerold Becker und in der Darstellung der Hintergründe des institutionellen Missbrauchs wissen. Das Problem der Wahrung der Persönlichkeitsrechte ist uns sehr bewusst. Aber hier gilt: kein Einzelner kann  das alleinige Recht auf Authenzität geltend machen, wenn das Dargestellte vielen genau so oder ähnlich widerfahren ist. Das, was Andreas Huckele in seinem bewegenden Buch "Hört mich denn keiner schreien?" beschrieben hat, hat er tatsächlich nicht als Einziger erlebt- sondern viele Schüler der Odenwaldschule haben dies so und nicht anders erlebt. Hier kann es kein Urheberrecht geben. So traurig das auch ist: das, was Andreas Huckele erlebt hat, ist schicksalhafterweise gleichzeitig "geistiges Eigentum" aller betroffenen Mitschüler, ausdrücklich auch derer, die sich im Betroffenenverein "Glasbrechen" organisiert haben. Ohne das Wort Schicksal überstrapazieren zu wollen, aber sogar wir, die wir in einem katholischen Internat missbraucht wurden, finden uns schicksalhafterweise im  "geistigen Eigentum" eines Andreas Huckele wieder und sind daher immer dankbar gewesen für sein frühes Buch und besonders dafür, so früh an die Öffentlichkeit gegangen zu sein.

Der Verein "Glasbrechen" hat sich im Übrigen für den Film und für die Ausstrahlung ausgesprochen. Eine gute Entscheidung, wie wir meinen.


Jetzt steht wohl auch die Teilnehmerliste der Diskussion unter Leitung von Anne Will fest. Die Besetzung heute Abend:


http://daserste.ndr.de/annewill/


 




30.09.2014   Film "Die Auserwählten" wird ausgestrahlt

Siehe hierzu den interessanten Beitrag der FAZ und die nachfolgenden Kommentare von Lesern:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ard-film-ueber-odenwaldschule-eine-geschichte-vieler-opfer-13180603.html

29.09.2014 Kritische Fragen an den Film "Die Auserwählten"

Im Hintergrund wird um die Ausstrahlung des Films am Mittwoch mit unterschiedlichen Argumenten gekämpft. Einerseits würden wir die mögliche Nicht- Ausstrahlung bedauern, weil der Film emotional in der Missbrauchsdebatte erreichen könnte, was in der Debatte rational bisher nicht erreicht worden ist. Andererseits verstehen wir als Opfer eines anderen Systems die Opfer, die durch den Film ihre eigene Lebensgeschichte ohne Möglichkeit der Einflussnahme ausgeschlachtet sehen und damit auch erneut zum Opfer werden (der Film ist zu wenig fiktional, die Personen sind erkennbar und sozusagen 1:1 in einen Spielfilm übersetzt). Die Opfer, deren Geschichte hier gespielt wird, haben das Recht darüber zu entscheiden, ob der Film ausgestrahlt werden darf oder nicht.

 

Bedenklich ist auch, dass der Film die dämonische Gestalt von Gerold Becker in der Person von Ulrich Tukur sicher bestens besetzt hat, dass aber dennoch die wirkliche Dämonie des Mannes nicht gezeigt oder gar aufgearbeitet wird, vielleicht auch nicht dargestellt werden kann. Wir als institutionelle Opfer katholischen Missbrauchs wissen um die Dämonie der Täter, die ja darin besteht, uns selbst am Missbrauch an uns selbst zu (beteiligen)- wissen aber auch darum, wieso es ihnen möglich war: der Missbrauch war durch die höhere Macht des Priesters geheiligt und unsere Opferung schien also gerechtfertigt vor Gott und uns selbst, das repressive System und die Mauern ringsum taten das Ihrige dazu.  Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Opfer selbst haben also Erklärungsmöglichkeiten für die Verbrechen in der katholischen Kirche finden können- und auch das hat geholfen, um weiter leben zu können. Wie es aber möglich gewesen ist, dass ein geradezu provokant offenes und kritisches, auf Nichteinordnung angelegtes System - die Odenwaldschule ist geradezu das Gegenmodell zum katholischen Internat-, einem Oberverbrecher Becker und anderen alle Möglichkeiten des Missbrauchs von Kindern gestattete, das ist zu wenig aufgearbeitet geschweige denn verstanden. Wir als katholische institutionelle Opfer sind wie alle Missbrauchsopfer für ihr mögliches Leben zerstört worden,  aber wir konnten uns in der Regel von der Ideologie von Heiligung und Repression distanzieren und auch intellektuell befreien. Wie viel schwerer es für Betroffene der Odenwaldschule sein mag, die Ideologie der Nähe und der emanzipatorischen Menschheits- Rettung durch Reformpädagogik als notwendige Bedingung des eigenen Missbrauchtwerdens zu durchschauen und auszuhalten, vermögen wir kaum zu ahnen. Einen Hinweis auf diese Schwierigkeit oder auch Unmöglichkeit  geben die am Missbrauch nicht unmittelbar beteiligten Lehrer an der Odenwaldschule, die das Offensichtliche und Nahe-liegende weder sehen wollten noch konnten und besonders die, die dem Oberguru Becker nicht folgten und dennoch nichts unternahmen und sich auch heute noch wegducken.

 

Zur Diskussion siehe folgende Links:

http://pisaversteher.com/2014/09/27/2779/

http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/koeln/Kritik-an-Film-ueber-Odenwaldschule-WDR-rein-fiktive-Aufarbeitung-article1462000.html

http://juliaweiler.wordpress.com/2014/09/28/eine-vertane-chance/

https://netzwerkb.org/2014/09/27/so-viel-kaltschnauzigkeit-hatte-ich-nicht-erwartet/




 

 

25.09.2014    Vorankündigung: Mutiger Spielfilm zum Missbrauch an der Odenwaldschule am 1. Oktober in der ARD. Danach Diskussion zum Film und zum Thema mit Adrian Koerfer

 

Am 1. Oktober wird die ARD einen Themenabend veranstalten. Beginn: 20.15 "Die Auserwählten" (Film über den Missbrauch an der OWS (Odenwaldschule). Die Hauptrolle (Schulleiter Becker) spielt Ulrich Tukur. Dann Tagesthemen. Danach "Anne Will" mit Tilman Jens (Ex- Odenwaldschüler), Alice Schwarzer, N.N. und Adrian Koerfer (Ex- Odenwaldschüler und Missbrauchsopfer). Unbedingt ansehen- meinen wir.

 

Aus der Ankündigung: Ende der 1970er-Jahre. Begeistert tritt die 29-jährige Petra Grust (Julia Jentsch) ihre Stelle als Biologielehrerin an der Odenwaldschule (OSO) an, der legendären Vorzeige-Einrichtung der Reformpädagogik. Das Vertrauen des charismatischen und berühmten Schulleiters Simon Pistorius (Ulrich Tukur) ehrt sie. Doch der Inter-natsalltag ist irritierend. Schüler und Lehrer beiderlei Geschlechts benutzen dieselben Duschen, junge Schüler trinken Alkohol und rauchen, und ein Kollege hat sogar ein Verhältnis mit einer minderjährigen Schülerin. Petra wird auf den 13-jährigen Frank Hoffmann (Leon Seidel) aufmerksam, der verstört wirkt und offensichtlich Probleme hat. Sie nimmt sich seiner an, findet aber nicht heraus, was mit ihm ist. Mit der Zeit befällt sie ein schrecklicher Verdacht: Sie sieht im Wald einen Lehrer mit einem nackten Jungen; sie sieht, wie Pistorius eine Dusche verlässt, unter der ein verzweifelter Frank kauert. Petra fragt nach. Doch ihre Kollegen wollen von all dem nichts wissen. Auch Franks bester Freund Erik (Béla Gabor Lenz) wird von Pistorius missbraucht. Als er seiner Mutter davon erzählt, muss er die Schule wegen Drogenbesitzes verlassen. Frank ist verzweifelt. Als er erfährt, dass er mit Pistorius sogar die Ferien verbringen soll, droht er mit Selbstmord. Petra begreift mehr und mehr, was Pistorius mit ihm macht. Doch Franks Vater Helmut (Rainer Bock), Vorsitzender des Trägervereins der Schule, glaubt lieber dem scheinbar untadeligen Schulleiter als seinem Sohn und der jungen Lehrerin. Petra bittet ihren Freund, einen Journalisten, Recherchen über den berühmten Reformpädagogen anzustellen. Doch gegen Pistorius' Netzwerk aus Beziehungen bis in die höchsten Kreise ist sie letztendlich machtlos. 30 Jahre später begegnen sich Frank (Patrick Joswig) und Petra (Johanna Gastdorf) wieder. Als Lehrerin hat sie nie wieder gearbeitet. Aus der Vorankündigung der HÖR- ZU.

25.09.2014    Nachdem Erzbischof bzw. Nuntius Wesolowski bereits strafweise laisiert wurde, ist er offensichtlich wegen akuter Fluchtgefahr im Vatikan arrestiert

Hierzu ein interessanter Artikel aus der App der Süddeutschen Zeitung:

 

Aussenpolitik, 25.09.2014
Katholische Kirche
Test für den Vatikan
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Von Stefan Ulrich

Wenn der Ausschuss der Vereinten Nationen gegen Folter den Vatikan unter Beschuss nimmt, dann muss es um einen gravierenden Fall gehen. Die mutmaßlichen Verfehlungen des früheren Erzbischofs und Diplomaten der Päpste Józef Wesołowski sind ein solcher Fall. Der polnische Geistliche soll in seiner Zeit als Nuntius in der Dominikanischen Republik regelmäßig Kinder missbraucht haben. Zeugen schilderten, er habe in den Armenvierteln von Santo Domingo Ausschau nach Jungen gehalten und diesen Geld für Sex gegeben. Im Mai erklärte der UN-Ausschuss gegen Folter, der Fall werde zum Test, ob der Vatikan wirklich massiv gegen Kinderschänder vorgehe. Er müsse den Erzbischof entweder an die Dominikanische Republik ausliefern, oder ihm im Vatikan den Prozess machen. Denn Wesołowski ist vatikanischer Staatsbürger.

Jetzt hat die Justiz des Papstes eine starke Antwort gegeben. Am Dienstagnachmittag verhafteten Gendarmen Wesołowski auf dem Gelände des Kirchenstaats. Der Vorwurf des Staatsanwalts beim vatikanischen Tribunal erster Instanz: schwerer Kindesmissbrauch. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit kam der 66-jährige Ex-Erzbischof nicht ins Gefängnis, sondern wurde unter Hausarrest gestellt. Dort muss er jetzt auf seinen Strafprozess warten. Der Fall erregt in Italien großes Aufsehen. Es sei das erste Mal, dass ein ehemals hoher Geistlicher im Vatikan verhaftet werde, heißt es. Und das auch noch wegen Kindesmissbrauchs. Italienische Kommentatoren loben, dies zeige, dass es Papst Franziskus ernst meine, wenn er "null Toleranz" gegen Pädophile predige.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betont, der Papst selbst habe angeordnet, die vatikanische Justiz solle schnell und mit der nötigen Strenge gegen Wesołowski vorgehen. Damit wird zugleich klar, dass der frühere Nuntius weder an die Dominikanische Republik noch an Polen ausgeliefert wird, das dies ebenfalls verlangt hat. In Polen gibt es eine ganze Reihe ähnlicher Skandale, weswegen es auch zu Verurteilungen kam. Der Fall des Erzbischofs gilt dort aber als der gewichtigste.

Wesołowski, der 1972 in Krakau vom späteren Papst Johannes Paul II. zum Priester geweiht wurde, seit 1999 als Nuntius in verschiedenen Ländern arbeitete und 2013 zwangsweise in den Laienstand versetzt wurde, kommt nun vor ein irdisches Gericht des Heiligen Vaters. Die Vatikan-Justiz ähnelt dabei in vielen Belangen der italienischen Justiz, etwa bei der Strafprozessordnung und beim Strafgesetzbuch. Es gibt auch im Vatikan Staatsanwälte, Untersuchungsrichter und drei Gerichtsinstanzen. Die Ermittlungen sind geheim. Die Prozesse selbst werden dagegen öffentlich im Palazzo del Tribunale an der Piazza Santa Marta abgehalten. Entscheiden die Richter auf eine Gefängnisstrafe, so kann der Vatikan beantragen, den Verurteilten in einem italienischen Gefängnis einzusperren. Eine Besonderheit gibt es noch in der Vatikan-Justiz: Der Papst kann jederzeit eingreifen und auch gegen die Meinung von Staatsanwälten und Richtern zu Gunsten des Angeklagten entscheiden.

Im Fall Wesołowski will der Vatikan aller Welt beweisen, dass er entschlossen gegen pädophile Priester vorgeht und nichts verheimlicht. Das war nicht immer so, im Gegenteil. Über Jahrzehnte wurden in vielen Ländern zahlreiche Kinder von katholischen Geistlichen missbraucht. Die Verbrechen wurden oft vertuscht, teilweise mit Wissen und Willen zuständiger Bischöfe. In den vergangenen Jahren kam das Ausmaß des Skandals ans Licht, zum Beispiel in Irland, den USA und Deutschland. Auch der Vatikan geriet unter Druck. Es war dann Papst Benedikt XVI., der einen Kurswechsel vollzog. Er traf sich mehrfach mit Missbrauchsopfern, entschuldigte sich für die Verbrechen und versetzte Hunderte verdächtige Priester in den Laienstand.

Franziskus machte rasch klar, dass er diese Linie weiterführen wolle. So empfahl er im April 2013 seiner Glaubenskongregation, in Missbrauchsfällen entschlossen vorzugehen. Auch setzte er eine Untersuchungskommission unter Vorsitz des Erzbischofs von Boston ein. Ihr gehört die Irin Marie Collins an, die als Mädchen von einem Priester missbraucht wurde. Im Mai sagte Franziskus vor Journalisten, ein Priester, der Kinder missbrauche, "verrät den Körper des Herren". Es sei so, als halte er eine schwarze Messe ab. Die Kirche müsse da mit "null Toleranz" vorgehen.


Stefan Ulrich
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Nach dem Jurastudium in München und Freiburg, Assessorexamen und Promotion zum Presserecht kam Stefan Ulrich 1994 als Volontär zur Süddeutschen Zeitung. Redakteur im Nachrichten- und im Außenpolitik-Ressort. Von 2005 bis 2009 Italien- und Vatikan-Korrespondent in Rom. Von 2009 bis 2013 Frankreich-Korrespondent in Paris. In den Auslandsjahren entstanden die Bücher "Quattro Stagioni", "Arrivederci, Roma!" und "Bonjour la France!". Im Sommer 2013 zurück in die Zentrale nach München, freiwillig. Theodor Wolff Preis. Deutsch-Italienischer Journalistenpreis.

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23.09.2014   Papst Franziskus stellt Erzbischof Wesolowski unter Hausarrest


Tatsächlich ein ungewöhnliches Vorgehen des Papstes: Erzbischof Wesolowski steht wegen Missbrauchsvorwürfen unter Hausarrest im Vatikan. Die andere Seite: Er ist damit auch der weltlichen Justiz entzogen.


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kindesmissbrauch-vatikan-stellt-ex-erzbischof-unter-hausarrest-a-993384.html

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_71137188/vatikan-stellt-ex-nuntius-josef-wesolowski-unter-hausarrest.html

18.09.2014 Bundesregierung legt Gesetzentwurf zur Verschärfung des Sexualstrafrechts vor:

 

Wir begrüßen die Initiative von Justizminister Maas zur Verschärfung des Sexualstrafrechts. Die Gesetzesvorlage sieht vor, dass die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch von Kindern erst mit 30 Jahren einsetzt. Sie dauert dann 20  Jahre. Das ist ein entscheidender Fortschritt gegenüber der bisherigen Gesetzeslage. Wir bedauern sehr, dass die Gesetzesvorlage nicht weiter geht und die Verjährungsfrist (wie in den meisten anderen Ländern) nicht vollständig aufhebt. Verjährungsfristen schützen ausschließlich den Täter.

 

Tatsächlich würde- bezogen auf unsere Betroffenengruppe- die vorgesehene Sexualstrafrechts-Änderung eben nichts verändern: die Taten wären weiter strafrechtlich nicht verfolgbar, Schmerzensgeld oder Ähnliches deshalb auch nicht einklagbar. Wer sein Schweigen später brechen würde als es die Srafverfolgungsmöglichkeit zulässt, bleibt angewiesen auf den Goodwill des Täters oder der Täterorganisation, damit sein Reden nicht seinerseits strafrechtlich verfolgt wird. Eine Tat, die verjährt ist, hat eben in der Logik der Verjährungsfristen auch nie stattgefunden. Ein unhaltbarer Zustand.

 

Trotzdem schließen wir uns der Pressemitteilung des Sprechers des Eckigen Tisches Heiko Schnitzler an:  „Dieses Gesetz ist ein wichtiger Meilenstein. Es wird höchste Zeit, dass die Verjährungsfrist für sexuelle Übergriffe auf Kinder verlängert und das Strafmaß für den Besitz von kinderpornographischem Material erhöht wird“, sagte Heiko Schnitzler, Sprecher des Eckigen Tischs Bonn.

 

Die Gruppe begrüße vor allem auch, dass Justizminister Maas nun auch Aufnahmen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung, so genannte Posingbilder, zu kinderpornographischen Fotos zählt. „Wer solche Bilder aufnimmt und besitzt, macht sich nun also auch schon strafbar. Es geht hier also nicht mehr nur noch um Bilder, auf denen Kinder sexuelle Handlungen ausführen“, sagte Schnitzler. "Das Fotografieren von fremden nackten Kindern ist nun also endlich verboten."

 

Als Link lesenwert:

http://www.freenet.de/nachrichten/topnews/regierung-billigt-verschaerfung-von-sexualstrafrecht_4554938_533312.html


Der allfällige Einwurf der Grünen, der Gesetzentwurf zur Pornografie gehe zu weit und schränke unnötig persönliche Freiheit ein, ruft Unverständnis hervor.

 

Wir setzen uns dafür ein, dass im Gesetzgebungsverfahren die Verjährungsfrist mindestens noch um 10 Jahre verlängert oder ganz abgeschafft wird. Den bisherigen Argumentationen ist hier nichts hinzuzufügen:

Argumente zum Wegfall der Verjährungsfristen bei Sexuellem Missbrauch
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17.09.2014  Vorbesprechung zum Treffen von Redemptoristen und Missbrauchs- Betroffenen am 15.11.2014 in Köln


Wir freuen uns, dass es am 15.11. 2014 eine erste gemeinsame Begegnung von Betroffenengruppe und Ordensmitgliedern außerhalb des bisherigen engen Kreises geben wird. Der Orden hat zusammen mit der Betroffenengruppe einen gemeinsamen Studientag in Köln organisiert, den der Orden auch vollständig finanziert. Der Studientag steht unter dem Thema: "Sexuelle Gewalt- Traumatisierung von Opfern und Täterorganisation". Referent wird Herr Spitczok von Brisinski sein. Die Moderation übernimmt in bewährter Form Frau Hardt- Becker. Ziel der Veranstaltung soll sein, dass beide Seiten mit Hilfe eines explizierten Traumabegriffs die individuellen wie institutionellen Folgen sexualisierter Gewalt besser verstehen- als Grundlage einer weiterführenden Aufarbeitung mit besseren Gelingensbedingungen.


Wir bedanken uns für das besondere persönliche und finanzielle Engagement der Ordensleitung und wünschen uns, dass möglichst viele Ordensmitglieder und möglichst viele Betroffene teilnehmen können. Im gemeinsamen Vorgespräch verständigten wir uns darauf, den Teilnehmerkreis auf Ordensmitglieder und direkt Betroffene zu begrenzen, um die vorhersehbare Komplexität des gemeinsamen Treffens nicht noch zu erhöhen. Wir bitten hier um das besondere Verständnis vor allem derer, die als sogenannte Mitbetroffene (z.B. Angehörige) an diesem Studientag nicht teilnehmen können.



28.08.2014  Rückblick auf das, was sich bewährt hat

Die verschiedenen Initiativen haben in diesen Tagen einen Rückblick auf das gewagt, was sich im ehrenamtlichen Engagement von Missbrauchsbetroffenen seit 2010 bewährt hat und wofür zu arbeiten sich weiter lohnt:

 

Das ehrenamtliche politische Engagement von Missbrauchsbetroffenen in Rückschau

 

 

Was sich bisher bewährt hat 

 

 

Vor über viereinhalb Jahren, im Januar 2010 begann mit den Berichten über Missbrauchsfälle am Canisiuskolleg Berlin eine breit angelegte öffentliche Debatte, die seitdem nicht mehr abgerissen ist. Im März desselben Jahres trat Frau Dr. Christine Bergmann ihr Amt als Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs an, der Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ wurde einberufen. Menschen, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer sexueller Ausbeutung geworden waren, verschafften sich nach und nach Platz und Stimme in einigen politischen Gremien, die mit Aufgaben rund um Aufklärung, Aufarbeitung, Hilfe, Genugtuung und Prävention befasst sind.

 

Im Januar 2012 lud Johannes-Wilhelm Rörig, der Frau Bergmann im Amt nachfolgte, erstmals zum Austausch mit Betroffenen, den „Jour Fixe“ ein. Öffentliche Hearings zu wichtigen Themen wurden veranstaltet, ein Fachbeirat eingesetzt, Kampagnen gestartet, Gesetze angepasst, Arbeitsgruppen gebildet. In den meisten dieser Initiativen ergänzen sich Experten und Betroffene mit ihren jeweiligen Blickwinkeln.

 

Am 10. Juli 2013 nahm der Betroffenenbeirat des EHS-FSM mit damals 13 Mitgliedern seine Arbeit auf. Mittlerweile hat sich die Zahl der Beiräte auf 22 erhöht und wir blicken auf gut ein Jahr engagierte und erfolgreiche Mitarbeit im Erweiterten Hilfesystem zurück.

 

Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Teilhabe von Missbrauchsopfern an politischen Entscheidungsprozessen steht dieses Jahr noch an:  der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarte Betroffenenrat wird berufen werden und dann eng mit dem UBSKM kooperieren.

 

Wir, eine Runde von engagierten Opfern möchten die Gelegenheit ergreifen und aufzeigen, was sich unserer Ansicht nach in der betroffenenpolitischen Arbeit bewährt hat.

 

 

 

1. Die Mischung macht`s

 

Der EHS-Betroffenenbeirat bildet ein Beratungsgremium für Missbrauchsbetroffene, die in den Lenkungsausschüssen der EHS-Fonds mitarbeiten. Gleichzeitig sind alle Beiräte über offizielle und informelle Initiativen und Netzwerke verzahnt.

 

Alle betroffenen KooperationspartnerInnen verstehen sich als ErfahrungsexpertInnen. Das, womit wir uns beschäftigen, haben wir buchstäblich am eigenen Leib erlebt. Unser Blick aufs Thema ist der von innen heraus. Im Gegensatz zu dem der Fachleute, die eine Außensicht beisteuern.

 

Wir engagieren uns ehrenamtlich in verschiedenen rund um das Thema „Missbrauch“ angeordneten Feldern. Manche von uns saßen mit am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“, etliche sind in Gremien des UBSKM, z.B. im Fachbeirat. Die meisten von uns haben an den Jour Fixe teilgenommen, zu denen der UBSKM geladen hatte.

 

Zu uns gehören etwa gleich viele Frauen wie Männer verschiedener Altersstufen, sowohl Einzelbetroffene, Mitglieder von Initiativen und Vereinen, als auch Mitbetroffene, einige von uns sind in informellen Opfernetzwerken. Es sind fast alle Tatorte vertreten. Wir engagieren uns als Opfer aus Internaten, konfessionellen Schulen, Sportvereinen, Kinder- und Jugendheimen. Wir repräsentieren gleichermaßen Menschen, die im Zuge eines Handicaps zu Missbrauchsopfern wurden, wie auch Opfer aus dem familiären Umfeld und dem organisierten sexuellen Missbrauch.

 

Dass auf diese Weise viele verschiedene Informationen zusammen fließen und wir an Themen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen heraus herangehen können, hat sich bislang was unseren Beratungsauftrag angeht bezahlt gemacht.

 

 

2. Gut vernetzt sein

 

Wir alle sind betroffenenpolitisch aktiv und engagieren uns vor allem, um die Perspektive von Missbrauchsopfern in Gesellschaft und Politik einzubringen. Wir möchten, dass mit Opfern statt über sie gesprochen wird. So können wir Meinungen herausarbeiten und Informationen einholen, um sie in die Projekte einzubringen, welche u. A. im Zusammenhang mit der Einrichtung der Stelle des UBSKM entwickelt wurden. 

 

Themen sind: 

 

·         Aufarbeitung

·         Strafrecht 

·         Gesundheitspolitik

·         Hilfen 

·         Prävention

 

Diejenigen von uns, die im EHS-Betroffenenbeirat vertreten sind, halten kontinuierlich Rücksprache mit den Betroffenenvertretungen im Lenkungsausschuss des Fonds Sexueller Missbrauch. So ist ein möglichst direkter Draht zur Basis gegeben.

 

 

3. Sich erreichbare Ziele stecken und sie regelmäßig überprüfen

 

Unsere Grundanliegen sind:

 

·         Verbesserung der Lebensbedingungen für Betroffene

·         Enttabuisierung des Themas

·         Aufarbeitung des Phänomens „sexueller Missbrauch“

·         Stigmatisierung entgegenwirken

·         Reduktion des Phänomens Missbrauch

·         Verbesserungen bei Gesetzgebung und juristischer Praxis

·         Politische Beteiligung der ErfahrungsexpertInnen

     (Betroffenen)   

·         Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches 

·         Eine langfristige politische Einbindung der 

     ErfahrungsexpertInnen (Betroffenen) 

 

Aus diesen Anliegen leiten wir konkrete Teilziele ab, für deren Erarbeitung wir kleine Unterarbeitsgruppen bilden. Per Telefonkonferenz, Rundmail und auf unseren Sitzungen werten wir sie aus und passen unser Vorgehen ggf. an.

 

 

 

4. Durch eine effektive und Ressourcen schonende Zusammenarbeit Kräfte bündeln

 

Unser Engagement ist für alle von uns auch ein Stück persönliche Aufarbeitung. Die Erfahrung, schon früh im Leben auf Grund von gesellschaftlichen und individuellen Defiziten und den Unterlassungen und Fahrlässigkeiten der verantwortlichen Erwachsenen einer besonders ordinären Form von Kriminalität ausgesetzt worden zu sein prägt für das ganze Leben. Der Wunsch hier ein Gegengewicht zu setzen eint uns.

 

Auch wenn „sexueller Missbrauch“ ein sehr negativ besetztes und tabuisiertes Thema ist: bewährt hat sich in unserer Runde, regelmäßig gemeinsam auf das bereits Erreichte zu blicken. Und an Aufgaben zwar grundsätzlich pragmatisch heranzugehen, aber dabei nie den Blick für gesellschaftliche Zusammenhänge zu verlieren.

 

Wir politisch engagierte Betroffene verfügen über sehr unterschiedliche Lebensläufe und Kompetenzen. Deshalb überlegen wir sehr genau, wer welche Aufgabe übernehmen, bzw. welches Projekt durchführen kann.

 

Dadurch, dass wir alle über unsere Zusammenarbeit mit dem UBSKM und ein Engagement in den Gremien des EHS-FSM hinaus noch in verschiedenen anderen Netzwerken aktiv tätig sind, ist es für uns möglich, schnell gezielt Informationen von vielen Opfern einzuholen.

So können wir sowohl zu aktuellen Themen, als auch zu langfristigen Projekten etwas beitragen.

 

 

 

5. Werte leben

 

In unserer Arbeit für demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien einzustehen heißt für uns auch, entschieden gegen rassistische, antisemitische, sexistische oder homophobe Einstellungen vorzugehen. Mit denen wir leider im Zuge unseres Engagements immer wieder konfrontiert werden. Mit Personen und Initiativen, an deren demokratischer und rechtsstaatlicher Orientierung wir Zweifel haben oder die mit extremistischen oder sektenähnlichen Organisationen oder Einzelpersonen im engen Austausch stehen kooperieren wir erst, nachdem unsere Bedenken ausgeräumt sind. 

 

Nicht zuletzt durch unseren umfassenden Austausch auf verschiedenen Ebenen erkennen wir immer mehr, dass sich unser Ansatz, sexuellen Missbrauch als gesamtgesellschaftliches, weit verbreitetes Phänomen und dessen Bekämpfung als kollektive, umfassende Aufgabe zu betrachten bewährt.

 

Wir sind der Ansicht, dass es für ein so komplexes Problem keine einfachen Lösungen geben kann und dass die Missbrauchsbekämpfung etwas ist, was nur langfristig gelingen wird. Dann wenn viele gesellschaftliche Gruppen konstruktiv und friedlich zusammenarbeiten.

 

Uns ist bewusst, dass wir neben der Beratungstätigkeit und Netzwerkarbeit auch Repräsentanten sind. Deshalb bemühen wir uns, kooperativ, sachlich, authentisch und möglichst offen auf alle Beteiligten zuzugehen. Dabei machen wir uns immer wieder klar, dass etwaige Vorbehalte und Widerstände auf die wir dabei stoßen, weniger uns als Personen gelten, als dass sie Zeichen einer allgemeinen grundsätzlichen Verunsicherung was das Thema angeht darstellen.

 

Wir begegnen daher allen Menschen, mit denen wir im Zuge unserer Beiratstätigkeit zu tun haben, mit der gleichen Wertschätzung und mit demselben Respekt, den sie auch uns gegenüber an den Tag legen.

 

 

 

6. Geben und Bekommen

 

Wir alle investieren einen nicht unerheblichen Teil unserer Lebenszeit in die betroffenenpolitische Arbeit. Die meisten von uns setzen dabei auch finanziell zu. Sei es durch Verdienstausfälle, Reisekosten oder Ausgaben, die im Zuge von Veranstaltungen oder durch Info- oder Materialbeschaffung entstehen.

 

Das was wir tun, neudeutsch als „Bürgerschaftliches Engagement“ bezeichnet, wird allerdings auch immer wieder kritisch diskutiert. Eines der vorgebrachten Argumente lautet, dass Ehrenamtler ohne Entgelt Aufgaben übernehmen, die eigentlich der Staat zu leisten habe. Finanziert von der Gesamtheit seiner Mitglieder. Andere mutmaßen beim ehrenamtlichen Einsatz einen verdeckten individuellen Zweck. Zum Beispiel, über die entstehenden Beziehungen in die Administration oder zu Experten an bezahlte Ämter oder Posten zu gelangen.

 

Es ist deshalb für uns betroffenenpolitisch Aktiven wichtig, möglichst genau zu definieren und nach außen darzustellen, welche Kriterien angelegt werden sollen, damit eine Funktion als Ehrenamt bezeichnet werden kann. Wann welche Aufwandsentschädigungen geleistet werden. Und wie damit umzugehen ist, wenn ein Bürgerschaftlich Engagierter im Zuge seiner Aktivitäten, zum Beispiel über Kontakte, die er dabei knüpft berufliche oder private Vorteile erlangt.

 

 

 

Fazit: unsere Heterogenität ist zugleich Vorteil und Herausforderung. Dass Opfer in politischen Entscheidungsprozessen nicht von Experten vertreten, sondern gleichrangig beteiligt werden, ist eine recht neue Entwicklung. „Teilhabe“ ist zwar erwünscht und wird auch zunehmend ermöglicht. Erfordert aber in vielen Bereichen neue Organisationsformen, Umgehensweisen und Einstellungen.

 

Wir freuen uns, dass wir in einem gesellschaftlich derart relevanten Bereich wie dem Umgang mit dem Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Kindern dazu beitragen können, solche neuen Herangehensweisen zu entwickeln.

 

 

Berlin, den 22.August 2014

 

Tina Dewes, Hannah Stiftung gegen sexuelle Gewalt, Mitglied Betroffenenbeirat

Ergänzendes Hilfesystem

Jacqueline Ehmke, Berlin/Brandenburg,“ Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam“, Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kindheit, Mitglied im Betroffenenbeirat u. Lenkungsausschuss EHS-FSM, Mitglied im Fachbeirat des UBSKM

Christian Fischer

Dieter Grah, Glasbrechen e.V., Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem, Mitglied im Fachbeirat des UBSKM

Bernd Held, Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg

Matthias Katsch, Sprecher ECKIGER TISCH, stellv. Vors. Fachbeirat beim

Unabhängigen Beauftragten sexueller Missbrauch, Co-Sprecher Betroffenenbeirat

Ergänzendes Hilfesystem

Marianne Kastrati, „Missbrauch in DDR-Heimen“ e.V. , Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Adrian Koerfer, 1. Vorsitzender Glasbrechen e.V., Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Anselm Kohn, Initiative „Missbrauch in Ahrensburg“

Sigrid Kumberger, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, „Sexualisierte Misshandlung-Betroffenenteam“, Opfer von Missbrauch im familiären Umfeld, Co-Sprecherin des Betroffenenbeirates des EHS-FSM

Winfried Ponsens, „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V.“, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Maren Ruden, Brandenburg, Initiative „Die Rose“, Betroffene von sexuellem Missbrauch in der Familie, Mitglied des Lenkungsausschusses EHS-FSM

Hermann Schell, „Schafsbrief“, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Heiko Schnitzler, ECKIGER TISCH BONN, Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Thomas Schnitzler, MissBit („Missbrauch-im-Bistum-Trier“), Mitglied Betroffenenbeirat Ergänzendes Hilfesystem

Renate Schusch, AG Kinderschutz, stellv. Vorsitzende Aktivverbund e.V., Mitglied Betroffenenbeirat EHS-FSM

Dr. Henning Stein, Monika Stein, Mitglieder Betroffenenbeirat Ergänzendes

Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ e.V.

 

 


03.07.2014 Kloster Ettal: Niemand will mehr ins Internat. Folge des Missbrauchsskandals?

Die Anmeldezahlen sind seit 2010 stark rückläufig. Der das Internat betreibende Benediktinerorden verweist auf den Missbrauchsskandal und darauf folgende Fehleinschätzungen des Ordens.

 

http://www.tz.de/bayern/ettal-niemand-will-nach-missbrauchsskandal-mehr-internat-3673826.html

27.06.2014 Vatikanbotschafter und polnischer Erzbischof von einem Kirchengericht im Vatikan wegen Missbrauchs zu Gefängnis verurteilt

Der Vatikan hat erstmals einen früheren Botschafter wegen sexuellen Missbrauchs des Amtes enthoben. Der frühere Botschafter in der Dominikanischen Republik und polnische Erzbischof Jozef Wesolowski wurde von einem Kirchentribunal verurteilt. Er wurde nicht nur zu einer nur innerkirchlich verstehbaren Strafe (Entzug des Priesteramtes o.ä.) verurteilt sondern auch mit Gefängnis bestraft.

 

Zum ersten Mal in der Neuzeit geht der Vatikan damit gegen einen seiner Angestellten in Bezug auf den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs als staatliche Institution mit all ihren Rechten vor. Der Fall macht augenscheinlich, welche Möglichkeiten dem Vatikan beim Vorgehen gegen Missbrauch offen stehen bzw. immer schon offen gestanden hätten.

 

Das ist die eine Seite. Weil dieses Vorgehen des Vatikans so einmalig ist, drängt sich leicht der Verdacht auf, dass es eine zweite Seite gibt, die sich hinter der ersten verbirgt: es könnte auch um Täterschutz gehen. Wenn der politische Einfluss des Klerus in den einzelnen Ländern oder weltweit (UNO) die Täter in ihren eigenen Reihen nicht mehr vor staatlicher Verfolgung schützen kann, werden die Täter über eine solche Straffestsetzung in Sicherheit gebracht. Noch in den letzten Jahren wurden sie in der Regel versetzt, höchstens laiziert oder in Klöster geschickt. Das reichte meist aus, um die Täter in den Augen der Öffentlichkeit unschädlich zu machen- mit den bekannten Folgen, dass die Täter auch an ihrem neuen Einsatzort missbrauchten. Dieses Vorgehen der Amtskirche ist heute mehr oder weniger obsolet. Jetzt also das bestehende Gefängnis des Vatikans als Strafe zu nutzen, ist gleichzeitig öffentlichkeitswirksam ("Wir tun was"), kann aber auch ein weiterer kluger Schachzug sein, um die Institution selbst zu schützen. Dann handelt man wie man immer gehandelt hat, indem man die Täter in ihrem Einsatz verschoben hat und sie vor staatlicher Strafverfolgung geschützt hat. Man hätte hier das klassische Beispiel dafür, wie Kirche für Täter einen sicheren Ort schafft. Sogenannte sichere Orte für Kinder zu schaffen, scheint in einem solchen Denken weniger vordringlich. Dieser hohe Funktionär ist jedenfalls unter Kontrolle, wenn er seiner Auslieferung durch die Dominikanische Republik nicht widerspricht.

 

Links:

http://www.welt.de/newsticker/news1/article129546228/Ex-Vatikanbotschafter-wegen-Kindesmissbrauchs-verurteilt.html

http://www.donaukurier.de/nachrichten/topnews/Vatikan-Papst-Religion-Missbrauch-Justiz-Ex-Vatikanbotschafter-wegen-Kindesmissbrauchs-verurteilt;art154776,2931246

http://polen-heute.de/mutmasslicher-paedophiler-bischof-aus-klerus-geworfen-97311/

 

27.06.2014 Die Schülerzeitschrift des AKO in Bonn stellt sich in seiner neuen Ausgabe dem Thema "Sexuelle Gewalt" an der eigenen Schule

Wie der Generalanzeiger Bonn berichtet

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/Wahrheiten-aussprechen-article1387242.html

stellt sich die Schülerzeitung des Aloisisiuskollegs in Bonn "AKO Kompakt" der Vergangenheit der eigenen Schule.

 

Wir möchten die Schüler- Redakteure ausdrücklich zu Ihrem Mut beglückwünschen, in der nächsten Schülerzeitung das Thema „Missbrauch“ am AKO anzupacken und auch mit Betroffenen Gespräche zu führen. Es scheint uns ein entscheidender Schritt in der Prävention zu sein, wenn heutige Schüler sich die Geschichte ihrer Schule aneignen. Im "Collegium Josephinum" scheinen die Schüler leider noch nicht so weit zu sein, dass sie sich diesem Thema stellen wollen.

19.06.2014 Ein Offener Brief einer Missbrauchsbetroffenen zu dem Leserbrief des Missbrauchsbeauftragten Scherchel

Eine Missbrauchsbetroffene aus dem Bistum Trier, Frau Claudia Adams setzt sich in einem Offenen Brief mit den Äußerungen des ehemaligen Missbrauchsbeauftragten auseinander. Wir empfinden diese Auseinandersetzung aus dem Bistum Trier deshalb mitteilenswert, weil der Brief in besonderer Weise klar macht, woran die Gespräche der Opfer und der Institution so oft scheitern.  Hier der Brief:

 

Herr Prälat Dr. Scherschel!


Ich beziehe mich auf Ihren öffentlichen Leserbrief zum Artikel "Missbrauchsvorwürfe gegen Trierer Bistumspriester" (TV, 7./8/.9. Juni 2014):

 

Offensichtlich scheint es eines Ihrer derzeit größten Probleme zu sein, dass der „Trierische Volksfreund“ ausgerechnet am Pfingstwochenende (!) obigen Artikel veröffentlichte. Da scheint der Heilige Geist doch tatsächlich - zumindest Ihrer Meinung nach -  das Bistum Trier verfehlt zu haben - aber völlig!

 

Glauben Sie mir, mir wäre es auch lieber gewesen, der Artikel wäre ein paar Jahre früher erschienen, so dass die Verjährungsfrist noch nicht eingetreten wäre und sich der mutmaßliche Täter hätte vor Gericht verantworten müssen. Womöglich hätten sich sogar mögliche weitere Übergriffe an Kindern durch eine sofortige Anzeige verhindern lassen können -  aber dieses Interesse geht aus Ihrem Leserbrief leider nicht hervor. Im Gegenteil – Sie verwenden mehrere Zeilen Ihres Textes auf das Layout des Artikels und echauffieren sich sogar darüber, wie es möglich sein kann, dass man angeblich sogar die „Untaten“  (!!) aufzähle - und das noch am Pfingstwochenende!

 

Ich darf Sie korrigieren, Herr Dr. Scherschel!  Die Anzahl - der von Ihnen durch das Wort „Untaten“ absolut verharmlosten Tatsache - der zum Teil schweren sexuellen Übergriffe sind bis heute nicht bekannt.  Sie selbst scheinen offensichtlich mit den Zahlen zu jonglieren. Bei derzeit 74 bekannten Priestern, die - erfahrungsgemäß nur die Spitze des Eisbergs darstellen - ist davon auszugehen, dass die Anzahl der "Untaten" im hohen dreistelligen Bereich, vermutlich sogar eher im vierstelligen Bereich liegt.  "Lediglich" 74 Priester wurden mit plausiblen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert.  – Viele Vorwürfe wurden von Ihrem Nachfolger, Herr Rütten, als „Distanzunterschreitung“ oder als „nicht plausibel“ eingestuft, da den Betroffenen nicht geglaubt wurde. Die Zahl "74" entspricht also weder der Anzahl der "Untaten", geschweige denn der Zahl der Priester, gegen die überhaupt Vorwürfe erhoben worden sind und von denen einige weiterhin im Einsatz sind - diese Zahl ist nämlich nachweislich noch höher. Denn nachweislich wurde - entgegen Ihrer Behauptung - nicht jeder Priester, gegen den Vorwürfen erhoben wurden, umgehend "beurlaubt". 

 

Ihre Behauptung „Außerdem werden Vorgänge zusammengezählt, die man eigentlich gar nicht zusammenzählen kann, nämlich sowohl nach deutschem Recht strafbare wie auch nicht strafbare Handlungen, denen nur die Kirche wegen ihrer eigenen Gesetze nachgeht“  scheint an Zynismus kaum mehr zu überbieten.

 

Wollen oder können Sie nicht verstehen? - Zur Erinnerung: Ich wurde als Kind während meiner Zeit im Kindergarten mehrfach von dem katholischen Pfarrer vergewaltigt. Ich war 3 (!) Jahre alt, als der Missbrauch begann.. Als ich diese "Untaten" (wie Sie es formulieren)  zur Anzeige brachte, waren die Taten zivil- wie strafrechtlich verjährt.  Der Täter inzwischen verstorben -  Vielleicht war es sein Glück. Zumindest kann ich von Glück sprechen, wenn ich davon ausgehe, dass mein Täter sich nicht an weiteren Kindern vergehen konnte.

 

Verdammt noch einmal, Herr Scherschel, ich erwarte von der Kirche, dass sie WENIGSTENS ihren eigenen Gesetzen nachgeht und kirchenrechtliche Verfahren einleitet und die Priester, die noch am Leben sind, aus dem „Verkehr“ gezogen werden! 

 

Damit es nicht wieder geschieht. Verstehen Sie? – Einen Sexualstraftäter weiterhin im Einsatz zu lassen und dadurch Kinder dieser Gefahr auszusetzen, darf nicht sein. Die Tat mag vielleicht verjährt sein, aber meinen Sie tatsächlich, der Trieb sei auch verjährt? 

 

Es ist unglaublich, dass ausgerechnet Sie, nicht nur in Ihrer Funktion als ehemaliger Ansprechpartner für uns Betroffene – sondern auch als ehemaliger Personalchef (!) - solche Worte äußern!

Sie werden verstehen, dass ich auch an Ihrer Aufrichtigkeit, welche den angeblichen Aufklärungswillen der katholischen Kirche betrifft, zweifle. Schließlich waren Sie über Jahre hinweg der Personalverantwortliche. Und schließlich hatten Sie Zugang zu den Personalakten - deren Vollständigkeit nach wie vor in Frage gestellt wird!  Und ausgerechnet Sie erheben jetzt den moralischen Zeigefinger? Sie - bei dem ich mich frage, ob Sie von sich selbst behaupten können,  ein reines Gewissen zu haben!

 

Wären Sie wenigstens sich selbst gegenüber so ehrlich gewesen und hätten Sie diese Einstellung bereits zu dem Zeitpunkt geäußert, als man Sie zum „Missbrauchsbeauftragten“ ernannte, wäre uns diese Enttäuschung erspart geblieben.

 

Weiter behaupten Sie in Ihrem Leserbrief: „In dieser Statistik finden sich sogar Beschuldigungen gegen Priester, die bereits verstorben waren, als die Vorwürfe erhoben wurden, und die nie die Gelegenheit hatten, sich dazu zu äußern.“ 

 

Herr Dr. Scherschel! Soll ich Ihnen jetzt auch noch meine rechte Wange hinhalten?

 

Ein Schlag ins Gesicht! Mit der flachen Hand. Und das von dem Mann, dem wir Opfer vertrauten. Voller Hoffnung.

 

Wo auch immer Sie auf meinen Täter treffen sollten – mag es nach Ihrem abstrusen Glauben im Himmel oder vielleicht doch in der Hölle sein – fragen Sie ihn. Schauen Sie ihm in die Augen und fragen Sie ihn, was er mit angetan hat. - Und verdammt noch einmal, Herr Dr. Scherschel, schauen Sie mir in die Augen und versuchen Sie, Ihre Anspielung  ("Priester, die verstorben waren als die Vorwürfe erhoben wurden , hatten nie die Gelegenheit, sich dazu zu äußern") aufrecht zu erhalten - nach all der Korrespondenz, die Sie und ich miteinander führten. 

 

„Wohlgemerkt, jeder Missbrauch eines Priesters tut weh und ist zutiefst zu bedauern, weil menschliches Vertrauen missbraucht worden ist.“ – Ja, Herr Dr. Scherschel, der Missbrauch tut weh – allerdings ist nicht nur körperliche Schmerz unsagbar grauenvoll. Dieser Schmerz geht irgendwann vorbei, doch die Seele bleibt verwundet. Ein Leben lang.  Wir Opfer haben lebenslänglich. Jahr für Jahr, Tag für Tag spüren wir die Folgen dieses Schmerzes. – Sie behaupten jedoch, der Missbrauch sei schmerzhaft,  "weil menschliches Vertrauen missbraucht wurde". Oh ja. Dieser Schmerz kommt auch noch hinzu!  Auch unser Vertrauen wurde missbraucht. Ebenso, wie das Vertrauen derer, die uns Kinder der Kirche anvertrauten.  Und genau dieses Vertrauen wurde derart massiv verletzt, dass unsereiner sich komplexe neue  Überlebensstrategien  erarbeiten musste, um überhaupt überleben zu können.  Und in diesem Überlebenskampf trafen sich unserer Wege, als wir Opfer Menschen wie Ihnen erneut Vertrauen entgegenbrachten. Aus der letzten Reserve heraus, in der Hoffnung, man würde uns Glauben schenken, die Taten aufklären und die Wahrheit ans Licht bringen. Damit sich das alles niemals wiederholen würde. - Dasselbe Vertrauen, mit denen wir damals völlig unbedarft als Kinder den Tätern in der katholischen Kirche ausgeliefert waren, haben Sie, Herr Dr. Scherschel,  erneut missbraucht. - Und dies nicht minder schmerzhaft.

Ihre Aussage, dass dies alles "zutiefst bedauernswert" sei, lässt daher weitere Fragen zu: Was bedauern Sie denn angeblich „zutiefst“? – Bedauern Sie den Priester, der seiner Neigung nachgegangen ist? Bedauern Sie Ihren Gott, dass er diese  „Untat“ zuließ? Bedauern Sie, dass so vieles ans Tageslicht kam - wohlwissend, dass es sich hier nur um die Spitze des Eisberges handelt? Oder bedauern Sie, dass es ein paar Betroffenen gelungen ist, ihr Schweigen zu brechen?   Bedauern Sie, dass ausgerechnet am Pfingswochenende ein solcher Artikel erscheint? -  Dann müsste es mir ja schon quasi Leid tun, dass ich Ihnen diese Zeilen an Fronleichnam schreibe. - Aber: Uns Betroffenen ist es gleich, welcher Tag ist. Denn wir leiden täglich. Auch an Sonn- und Feiertagen!

 

Herr Dr. Scherschel, das Einzige, was zu diesem Zeitpunkt bedauernswert ist, ist Ihre offensichtliche Einstellung!  -  Scheinbar sind Sie sich über die Auswirkungen Ihrer Zeilen als ehemaliger Ansprechpartner für Betroffene sexuellen Missbrauchs durch Angehörige der katholischen Kirche nicht bewusst. - Wir haben Ihnen die Tathergänge auf mehreren Seiten detailliert geschildert. Unsereiner musste Personen wie Ihnen den Vertrauensvorschuss geben und Tathergänge möglichst  detailliert schildern - die Angst im Nacken sitzend, dass diese Beschreibung nicht erneut zu sexuellen Handlungen Ihrerseits führten. Wissen Sie, was das für eine Qual war? Solch' grausame Einzelheiten weiterzugeben und sich erneut eiuem Fremden gegenüber "blank zu ziehen" zu müssen,  als wäre der Missbrauch, den wir Jahre zuvor am eigenen Körper erleiden mussten an sich nicht schon grauenvoll genug gewesen? Als würde man alles noch einmal erleben?! Und nicht wissend, in welche Hände die Beschreibung gelang.  Und jetzt dieser gefühlte Schlag ins Gesicht. Ausgerechnet von Ihnen. 

 

Ihre Aussage: „Das war jetzt die 73. Straftat eines Polizisten in den letzten 60 Jahren oder der 75. Missbrauchsfall eines Lehrers seit dem Zweiten Weltkrieg?“ lässt übrigens eindeutig darauf schließen, dass Sie offensichtlich einem großen Denkfehler unterliegen – womöglich aber auch die Realität nicht wahrhaben wollen: Es war nicht die 76. Straftat eines Priesters, sondern es gibt derzeit offiziell 74 Priester im Bistum Trier, die mit plausiblen Tatvorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden! Ich hoffe und wünsche Ihnen,  dass Sie diesen Unterschied begreifen. - Davon ab wage ich stark an Ihrem Verstand  zu zweifeln, wenn Sie als Beispiel nehmen, dass "niemand auf die Idee käme,  die  73.  Straftat eines Polizisten" in Erinnerung zu rufen. Wissen  Sie, warum es niemals dazu kommen wird? - Weil der Polizist bereits vorher seines Amtes enthoben werden würde! - Dass die Kirche allerdings mit erhobenem Zeigefinger auf andere verweist, sind wir Betroffenen bereits gewohnt. Sie, Herr Dr. Scherschel, sollten allerdings nicht ein Beispiel aufnehmen, dass als "Eigentor" bezeichnet wird und das eigene Versagen noch deutlicher macht!

Ihr Hinweis, die "Bürger" seien geschützt, erscheint ebenso aufschlussreich Ihre Sichtweise offenzulegen. Ich gehe davon aus, Sie meinen in diesem Fall die Sexualstraftäter. Warum bezeichnen Sie diese dann nicht als solche?  Nein, Sie betonen sogar, dass man die Täter schützen müsse! - Der Täter steht - wie so oft - im Vordergrund. Ihm wird das Hauptanliegen und die Hauptfürsorge gewidmet. Und das alles im Namen des Herrn.

 Herr Dr. Scherschel, ich gebe Ihnen den Tipp, Ihre Scheuklappen ein wenig hochzuziehen, vielleicht würden Sie dann auch Ihre Aussage revidieren: „Eine solche Statistik, wie sie bei den katholischen Priestern aufgemacht wird, ist bei anderen Bevölkerungsgruppen nicht möglich.“ Diese Aussage entspricht nämlich nachweislich nicht der Wahrheit.  Allerdings gebe ich zu, dass einem solche Statistiken nicht bekannt sein müssen, wenn man sich – scheinbar wie Sie  – nicht damit beschäftigt. Wozu auch, schließlich waren Sie ja lediglich Missbrauchsbeauftragter …?! – Und nach Ihrem Leserbrief zu urteilen: Leider in dieser Funktion völlig fehl am Platz!

 

Weiterhin behaupten Sie: „Obwohl die katholische Kirche als einzige verfolgt, was jenseits der bürgerlichen Verjährungszeiten liegt, wird sie an den Pranger gestellt, als zu lasch“. – Ich hoffe, der Hinweis auf die Vorgehensweise der evangelischen Kirche im Umgang mit verjährten Sexualstraftaten reicht bereits aus, um auch diese Behauptung zu wiederlegen.  

 

Dass die Vorgehensweise sowohl der Aufklärung der Missbrauchsfälle wie auch im Umgang mit der Thematik „Prävention“ aus Betroffenensicht das Handeln der Kirche als „lasch“ bezeichnet wird, dürfte inzwischen also auch bei Ihnen angekommen sein.  Auf der einen Seite freut mich dies  – es zeugt allerdings auch davon, dass Sie die letzten Jahre offensichtlich nicht die ernstzunehmenden Kritiken an der katholischen Kirche verfolgt haben. Und das wiederum  ist für einen ehemaligen Missbrauchsbeauftragten traurig!

 

Ein weiterer trauriger Höhepunkt liest sich im letzten Satz Ihres Leserbriefes: "Danach können wir darüber reden, ob für den Trierer Bischof die Einsetzung einer unabhängigen Kommission erforderlich ist." - Herr Dr. Scherschel! - Sie erheben auf diese Weise von ganz oben herab sinnbildlich den Zeigefinger gegenüber uns Betroffenen und scheuen sich nicht davor, klarzustellen, dass erneut die Kirche bestimmt, was geschieht!

 

Genau wie damals. Zum Tatzeitpunkt. Als die Pfarrer uns gegenüber nach den Taten mit dem Zeigefinger drohten: Wir sollten schweigen. - Der Schmerz, der durch Ihre Zeilen ausgelöst wird, ist derselbe wie damals. Glauben Sie mir!

 

Sie reißen mit dem in Ihrem Leserbrief geäußerten erniedrigenden Gedankengängen eine Wunde auf, deren Heilung womöglich ein Leben lang dauert, insofern man überhaupt von "Heilung" sprechen kann. 


Das,  was Sie mit diesem Leserbrief an Gedankengut geäußert haben, Herr Dr. Scherschel, stellt einen weiteren schmerzhaften Tiefpunkt der Glaubwürdigkeit an einem ernstgemeinten Aufklärungswillen der katholischen Kirche dar.

Fazit:  Durch Ihre Meinung, die Sie, Herr Dr. Scherschel,  in Ihrem Leserbrief veröffentlichten, veranschaulichen Sie als trauriges Beispiel das Versagen der katholischen Kirche - in seiner ganzen Form.

 

Zu den der katholischen Kirche inzwischen zugeschriebenen Attribute wie „scheinheilig“, „unglaubwürdig“, „ täterschützend „ etc.  haben Sie Ihren Teil dazubeigetragen.

 

Sie hätten besser geschwiegen! 

 

Claudia Adams

13.06.2014 Wenig verstanden: Der ehemalige Missbrauchsbeauftragte im Bistum Trier Scherchel äüßert sich in einem Leserbrief zu einem Artikel des "Trierer Volksfreund"s

Auf einen Pressebericht im "Trier Volksfreund" reagiert der ehemalige Missbrauchsbeauftragte des Bistums in einem Leserbrief auf eine Weise, die deutlich macht, wie wenig er wohl von den Betroffenen verstanden hat und wie sehr er möglicherweise seine Tätigkeit als Missbrauchsbeauftragter so verstanden hat, als sei vor allem die Institution Kirche in Schutz zu nehmen. Im Bericht des Volksfreunds wird berichtet, dass der Trierer Bischof Stephan Ackermann einen katholischen Priester der saarländischen Pfarreiengemeinschaft Weiskirchen wegen Missbrauchsvorwürfen beurlaubt hat. Der Geistliche soll Anfang der 80er Jahre eine 16-Jährige im Raum Koblenz missbraucht haben. Nach Angaben des Bistums wurde die Staatsanwaltschaft informiert. Dem Priester wurde zunächst untersagt, öffentlich Gottesdienste zu feiern.

 

Herr Scherchel reagiert mit einem Leserbrief:

 

"Zum Artikel "Missbrauchsvorwürfe gegen Trierer Bistumspriester" (TV vom 7./8./9. Juni):

 

In der Ausgabe von Pfingsten lässt sich der Volksfreund nicht die Gelegenheit entgehen, auf der Titelseite in einer Schlagzeile zu texten: "Missbrauchsvorwürfe gegen Trierer Bistumspriester". Und weiter in hervorgehobener Schrift: "Erneut ist ein katholischer Priester mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert." Im Text werden sogar die Untaten gezählt: "Damit hat sich die Zahl der mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Bistumspriester auf insgesamt 74 erhöht." Nirgendwo wird erwähnt, dass es sich um einen Zeitraum von 60 Jahren handelt und dass in dieser Zeit etwa dreitausend Priester im Bistum Trier tätig waren. Außerdem werden Vorgänge zusammengezählt, die man eigentlich gar nicht zusammenzählen kann, nämlich sowohl nach deutschem Recht strafbare wie auch nicht strafbare Handlungen, denen nur die Kirche wegen ihrer eigenen Gesetze nachgeht. In dieser Statistik finden sich sogar Beschuldigungen gegen Priester, die bereits verstorben waren, als die Vorwürfe erhoben wurden, und die nie die Gelegenheit hatten, sich dazu zu äußern. Wohlgemerkt, jeder Missbrauch eines Priesters tut weh und ist zutiefst zu bedauern, weil menschliches Vertrauen missbraucht worden ist. Aber man hat den Eindruck, dass hier die gesamte Priesterschaft des Bistums kollektiv beschuldigt wird wegen der Vergehen einiger weniger. Hat man denn schon einmal lesen können: Das war jetzt die 73. Straftat eines Polizisten in den letzten 60 Jahren oder der 75. Missbrauchsfall eines Lehrers seit dem Zweiten Weltkrieg? Niemand käme auf eine solche Idee. Bei den Priestern aber tut man es. Die Bürger sind gegen solche Darstellungen durch das Verjährungsrecht geschützt. Jenseits der Verjährungsgrenzen darf nicht ermittelt werden. Also darf auch darüber nicht geschrieben werden, und eine solche Statistik, wie sie bei den katholischen Priestern aufgemacht wird, ist bei anderen Bevölkerungsgruppen nicht möglich. Obwohl die katholische Kirche als einzige verfolgt, was jenseits der bürgerlichen Verjährungszeiten liegt, wird sie an den Pranger gestellt: als zu lasch. Völlig absurd ist es, dem Bischof, der fünf Jahre im Amt ist, Vorwürfe zu machen wegen eines (nach deutschem Recht nicht strafbaren) Missbrauchsfalles vor 34 Jahren. Nachdem der Bischof nach Kenntnis der Beschuldigung sofort die Beurlaubung vom Dienst verfügt hat, zitiert Herr Seydewitz die Äußerung einer Opferinitiative: "Der jüngste Fall zeige, dass die Aufarbeitung in der Kirche nicht funktioniere." Man zeige uns den Minister, der sich für den Missbrauch eines seiner Beamten vor fast vierzig Jahren heute noch in die Pflicht nehmen lässt. Danach können wir darüber reden, ob für den Trierer Bischof die Einsetzung einer unabhängigen Kommission erforderlich ist." Dr. Rainer Scherschel, Trier 

Anm. d. Red.: Herr Scherschel war im Bistum für den Priestereinsatz zuständig und acht Jahre lang Missbrauchsbeauftragter.

 

Der entsprechende Link:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/kolumnen/leserbriefe/Leserbriefe-Katholische-Kirche;art8042,3911833

 

 

Für uns noch einmal ein wichtiger Hinweis darauf, wie sehr der ehemalige Missbrauchsbeauftragte des Ordens Merzbach die Opfer im Blick hatte und sie zur Sprache brachte.

12.06.2014 Kirche Irlands fordert eine gründliche Untersuchung nach dem Fund von 800 Kinderleichen nahe einem katholischen Kinderheim

30.05.2014 Katholikentag Regensburg- Matthias Katsch überreicht Bischof Ackermann Forderungen der Missbrauchsopfer

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion überreichte Matthias Katsch vom Eckigen Tisch Forderungen der Missbrauchsopfer der katholischen Kirche, die von den Unterzeichnern gemeinsam auch mit unserer Unterstützung aufgestellt worden waren. Hier die Forderungen im Original:

Erwartungen an die Katholische Kirche in Deutschland
Forderungen an die Kirche in Deutschland
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22.05.2014 Bemerkenswerte Zusage der Ordensleitung an den Kreis der Betroffenen: Orden bestellt zum nächsten Gesprächtermin einen zusätzlichen Referenten zum Thema und trägt auch die Kosten

Beim letzten Treffen der Missbrauchsopfer mit der Ordensleitung sagte diese zu, zum nächsten Gespräch einen Fach- Referenten einzuladen zum Thema "Traumatische Missbrauchserfahrung und die Folgen. Konsequenzen für die Aufarbeitung". In enger Abstimmung von Gesprächskreis, Verein und Orden wurde ein Referent für das Gespräch am 15.11. 2014 (14.00 bis 18.00) ausgewählt und beauftragt.

Es ist Marec Spitczok von Brisinski. Wir bedanken uns bei der Vorsitzenden des Vereins Frau Witte und dem Provinzial des Ordens Pater Römelt für die Mühe, die sich beide gemacht haben und hoffen, dass zu diesem Termin vielleicht auch weitere Mitglieder des Ordens anwesend sein werden.

 

Genaueres über den Referenten ist zu finden unter:

www.KreativeKommunikation.de

12.05.2014 Überprüfung der Betriebserlaubnis der Odenwaldschule durch die zuständige Bezirksregierung

Eine gute Nachricht, die auch andere "Betreiber" von Schulen in freier Trägerschaft in Unruhe versetzen dürfte. Bisher war es so, dass die Erteilung der Genehmigung die eigentliche Hürde war, wenn man eine Privatschule betreiben wollte. Danach gab es kaum noch Kontrolle. Der Staat beginnt, seine Verantwortung wahrzunehmen:

 

https://www.morgenweb.de/newsticker/heppenheim-ministerium-%C3%BCberpr%C3%BCft-genehmigung-f%C3%BCr-odenwaldschule-1.1695745

 

http://www.n-tv.de/panorama/Odenwaldschule-droht-Aus-article12815576.html

 

In der "Zeit" wurde im Zusammenhang der neuen Vorwürfe ein ausgezeichnetes und lesenswertes "Kommentargespräch" geführt zu einem Interview des ehemaligen Odenwaldlehrers Salman Ansari:


http://www.zeit.de/2014/19/odenwaldschule-salman-ansari?commentstart=129#cid-3632509

 

 

 

 

11.05.2014 Italienische Missbrauchsopfer produzieren ein Video und senden es an Papst Franziskus

Gerne weisen wir auf diese Aktion italienischer Überlebender klerikaler sexueller Gewalt hin, die ein Video produziert und es an Papst Franziskus geschickt haben. Das Video hat englische Untertitel - bitte anschalten:

 

http://retelabuso.org/papafrancesco-il-filmato-shock-della-rete-labuso/

 

 

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5rhnBb3Y8Ww

 

 

11.05.2014 Neuerscheinung zur rechtlichen Verantwortlichkeit des Vatikans bzw. des Papstes für Missbrauchsfälle in der Kath. Kirche

Das Buch des Juristen Geoffrey Robertson hält, was der provokative Titel verspricht, urteilt Peter Kriesel zum 2011 auf Deutsch veröffentlichen Buch „Angeklagt: Der Papst. Die Verantwortlichkeit des Vatikans für Menschenrechtsverletzungen.“

 

http://www.diesseits.de/panorama/rezensionen/1399327200/kann-man-papst-verklagen

 

Geoffrey Robertson QC: Angeklagt: Der Papst: Die Verantwortlichkeit des Vatikans für Menschenrechtsverletzungen. Gabriele-Verlag Das Wort 2011, Broschiert, 400 Seiten, EUR 9,95

11.05.2014 Professoren Lautmann und andere positionieren sich gegen die von Justizminister Maas vorgeschlagene Verschärfung des Sexualstrafrechts

Als Justizminister Maas Mitte April seine Initiative zur Verschärfung des Sexualstrafrechts veröffentlichte, meldete sich prompt eine Gruppe von 27 Experten zu Wort, die von den Medien gleich dankbar zitiert wurden. Zu den Unterzeichnern einer entsprechenden Erklärung gegen die Verschärfung des Sexualstrafrechts gehören die Professoren  Lautmann, Sack, Frommel und Böllinger, die auch schon an anderer Stelle haben deutlich werden lassen, dass sie die Folgen kindlichen Missbrauchs falsch einschätzen:

 

http://criminologia.de/2014/04/keine-weiteren-verschaerfungen-im-sexualstrafrecht

 

http://www.emma.de/artikel/der-justizminister-die-kinderfreunde-316827

09.05.2014 Betroffeneninitiative zum "Missbrauch in DDR- Heimen" gegründet

Uns erreichte die Mitteilung über die erfolgreiche Gründung einer Betroffeneninitiative "Missbrauch in DDR- Heimen". Herzlichen Glückwunsch!

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

gerne informieren wir Sie mit der beiliegenden Pressemitteilung über die Gründung der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“, dem ersten Opferverein ehemaliger DDR-Heimkinder. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie das Engagement ehemaliger DDR-Heimkinder bekanntmachen würden. Insbesondere Betroffenen sexuellen Missbrauch in DDR-Heimen kann damit geholfen werden, um Kontakt zu anderen Betroffenen zu finden, weitere Hilfsmöglichkeiten zu erfahren und sich für das Anliegen des Vereins zu engagieren.