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Willkommen beim Forum des Vereins „Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V.“

 

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Jetzt aber sind Sie an der Reihe!

 

 

Kommentare: 54
  • #54

    Sumsie (Montag, 29 März 2021 19:22)

    Hallo, auch ich habe einen Antrag gestellt, jedoch ohne jede vorherige Rechtsberatung. Telefonat und doch eine ehr sehr mitfühlende Korrespondenz mit Missbrauchsbeauftragten hatte ich schon. In meinem Fall war es Leid, das sich in jahrelangen Missbrauch und steter Gewalt dargestellt hat. Damals war ich so zwischen 8 und 12 Jahre alt, habe trotzdem auch versucht, dem zu entfliehen, natürlich erfolglos. Man schaute weg, das u.a. weiß ich heute, viele Jahre später. Es gab sogar mal Gespräche mit dem Vater und einem Kleriker dort...jedoch erfolglos. Kaum zu verstehen aus heutiger Sicht! Ich bin sehr gespannt, wie ein danach teilweise doch sehr problematisches Leben - insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich - in Euro nun gewertet wird. Da es sich um meines handelt, möchte ich auch endlich um Wiedergutmachung kämpfen, das ist es mir wert, nachdem man so lange selbst immer falsche Schuld und Unverständnis in sich trug. Das war furchtbar und unfassbar schwer!

  • #53

    campio (Donnerstag, 18 März 2021 13:35)

    Danke für die Information. Ich werde mich dann noch einmal melden, wenn ich den Bescheid bekommen habe.

  • #52

    admin (Dienstag, 16 März 2021 10:27)

    Lieber Campio! Heute erfahre ich von einem ersten Bescheid der UKA an einen Betroffenen aus unserem Verein. Demnach scheint sich erst einmal die Einschätzung derer zu bestätigen, die darauf vertrauen, dass die Kommission eher großzügig zu Gunsten der Betroffenen entscheidet.

  • #51

    campio (Montag, 15 März 2021 11:08)

    Herzlichen Dank!

  • #50

    admin (Sonntag, 14 März 2021 16:31)

    Lieber Campio!
    Geduld ist bei Kirche in diesen Fragen immer angesagt. Wie weit entfernt die Zahlungen von gerichtlichen Entscheidungen sind, ist schwer einschätzbar wegen der wenigen Bescheide bisher und auch deshalb, weil diese nicht begründet werden. Dass man "eher großzügig" sein wird, bezweifele ich persönlich eher. Was ich jedenfalls zur Zeit nicht bezweifle, ist, dass die Kommission selbständig entscheidet. Im Fall der diözesanen Opfer weist sie wohl auch das Geld direkt an. Wieviele Schwierigkeiten sich für die Kommisssion ergeben durch den aufgeführten Kriterienkatalog auf der einen Seite und durch die Orientierung an der sog. Schmerzensgeldtabelle auf der anderen, ist kaum zu durchschauen. Tatsächlich beziehen sich die Schmerzensgeldzahlungen, die in der Tabelle genannt werden, fast ausschließlich auf Einzeltaten und Taten mit Penetration. Ob das nun heißt, dass bei einem Opfer z.B., das 1mal vergewaltigt wurde, dann 50.000,00€ bezahlt werden und bei einem Opfer, das 40mal vergewaltigt wurde , dann 40mal 50.000,00 € bezahlt werden, ist völlig unklar. Bliebe man bei der Zahlung von 50.000,00 als grundsätzliche Höchstauszahlung, gäbe es hier ja eine Ungleichbewertung der Vergewaltigungsakte, die regelrecht nach öffentlicher Gerichtsbarkeit schreit. Ob dann den Opfern lebenslang schädigende Missbrauchshandlungen unterhalb der Schwelle der Penetration nur mit Zahlungen im Bereich von mehreren 100,00€ vergolten würden- ich mag mir den Proteststurm, der über die Kirche hereinbricht, erst gar nicht ausmalen. Transparenz eines Verfahrens ist etwas völlig anderes und Gerechtigkeit wohl auch. Ob die Bischöfe genau das beabsichtigt haben, als sie die Vorschläge der eigenen Expertenkommission in den Wind schlugen, werden wir wohl nie erfahren. Auch das bleibt festzuhalten: es handelt sich nur um Anerkennungen des Leids und ausdrücklich nicht um Entschädigungen, obwohl man sich an Entschädigungszahlungen staatlicher Gerichte orientiert. Wer will das alles verstehen? Eines ist offensichtlich: Die Kirche braucht staatliche Unterstützung bei der Aufarbeitung und auch, was die Entschädigungsfrage angeht.

  • #49

    campio (Sonntag, 14 März 2021 15:40)

    Danke für die interessanten Informationen. Ist halt blöd, wenn man Einzelkämpfer ist und man Monat für Monat älter wird. Mein Antrag ist von Mitte Januar und ich habe bisher nichts gehört. Spannend wäre ja eine Tendenz.
    Wie weit entfernt ist die Höhe der Zahlungen in Bezug auf gesetzliche Entschädigungen bei ähnlichen Mißbrauchsfällen? Ist "man" eher großzügig? Hängt eine Entscheidung auch von der jeweiligen Diözese ab (Häufigkeit der Fälle, Finanzsituation)?

  • #48

    admin (Montag, 08 März 2021 15:18)

    Die aktuellen Bescheide werden verschickt ohne weitere Begründung, weshalb die Kommission zu der entsprechenden Entscheidung gekommen ist. Damit will man offensichtlich jedem Versuch entgegenwirken, die Bescheide zu vergleichen und schließlich wohl auch Widerspruch einzulegen. Möglicherweise soll dieses Vorgehen die Freiwilligkeit der Anerkennungsleistung unterstreichen. Inwiefern das gegen den Rechtsgrundsatz der Nachprüfbarkeit vergleichbarer Leistungen (Willkürausschluss) verstößt, werden am Schluss wohl Gerichte klären müssen.

  • #47

    admin (Montag, 08 März 2021 15:07)

    Vielen Dank für ihre Nachfrage. Tatsächlich trudeln nun die ersten Bescheide ein. Unseres Wissens tagt die sogenannte UKA turnusmäßig. Für Ordensgeschädigte gibt es naturgemäß noch keine Bescheide, weil die Orden sich erst kürzlich dem Verfahren der Bischöfe (jedenfalls ein Teil der Orden, unter anderem die Redemptoristen) angeschlossen haben.

  • #46

    campio (Donnerstag, 04 März 2021 15:49)

    Gibt es schon Erfahrungen mit der "Unabhängige Kommission"? Treffen die sich turnusmäßig oder schicken sie die Unterlagen reihum? Hat es schon Entscheidungen gegeben oder wird es, wie von der Betroffeninitiative Hildesheim prognostiziert, zwei Jahre in Anspruch nehmen?
    Die katholische Kirche steht ja momentan ziemlich unter Druck, da wäre wohl jede weitere schlechte Nachricht nicht sehr von Nutzen.

  • #45

    admin (Donnerstag, 25 Februar 2021 20:14)

    Sorry. Ihr Beitrag blieb versehentlich unberücksichtigt. Selbstverständlich hat man die Möglichkeit des Widerspruchs oder die Möglichkeit, einen Härtefallantrag zu formulieren.
    Das Besondere am Verfahren: es handelt sich um freiwillige Leistungen. Das heißt aber keinesfalls, dass man die Höhe willkürlich festlegen könnte. Sie muss schon den deutschen Rechtsgrundsätzen z.B. auf Gleichbehandlung etc. entsprechen. Problem: es gibt naturgemäß noch keine gerichtlichen Entscheidungen zu den Anerkennungsleistungen. Wenn es sie gibt, ist man danach schlauer.

    Was man aber auf jeden Fall sagen kann: Es ist sicher sinnvoll, einen solchen Antrag erst nach anwaltlicher Beratung zu stellen. Fallstricke gibt es ohne Ende. Fängt an bei der Frage, nach welchen Kriterien letztlich entschieden wird. Rekurriert man auf den sog. Kriterienkatalog der DBK oder auf die Begründungen einzelner gerichtlich angeordneter Schmerzensgeldzahlungen im Bereich der Vergewaltigungen bzw. sexualisierter Gewalt. Die DBK hat hier zumindest Unklarheit gelassen, weil sie sich in der Beschränkung der Höhe der Zahlungen einerseits auf diese Urteile bezieht, sie andererseits inhaltlich aber nach ihrem Kriterienkatalog abarbeiten will. Orientiert sie sich an den Schmerzensgeldtabellen, ist zum Beispiel die Frage sehr entscheidend, ob der sexuelle Übergriff die Hautgrenze überschritten (Eindringen in den Körper womit auch immer) hat oder auch ob er mit Gewalt erzwungen wurde etc. Richtig ist in jedem Fall, das, was passiert ist, äußerst präzise und mit klaren Worten zu berichten. Scham ist hier fehl am Platz. Gerade das aber ist für uns als Betroffene in der Wirkung so fatal, weil es zur Retraumatisierung regelrecht einlädt. Insgesamt ist das Verfahren der Stoff, aus dem dann unendliche viele Themen für Doktorarbeiten erwachsen. Es scheint fast so, als wolle die Kirche diese Zahlungen unbedingt zur never ending story machen

  • #44

    campio (Donnerstag, 17 Dezember 2020 12:00)

    Die DBK hat sich gegen eine Pauschallösung bei den "Entschädigungen" entschieden und eine Einzelfallprüfung der Mißbrauchsfälle favorisiert. Dabei soll eine "Unabhängige Kommission" die Leistungshöhe feststellen und die Auszahlung an Betroffene anweisen.
    Die Vergleichbarkeit der Vielzahl an Fällen ist vermutlich sehr schwierig und wird wohl auf eine Art "Kataloglösung" basieren.
    Was ich bisher nirgenwo nachlesen konnte, welche Möglichkeiten/Rechtsmittel ich habe, wenn ich mit der festgestellten Leistungshöhe nicht einverstanden bin und sie für unangemessen halte?
    Weiß da jemand schon etwas mehr?

  • #43

    admin (Samstag, 12 Dezember 2020 16:40)

    Auf der Website der DBK ist die Verfahrensordnung zu finden. Die Antragsformulare sind noch nicht eingestellt. Wir informieren umgehend.

    Ordensgeschädigte richten ihre Anträge über die externen Beauftragten des zuständigen Ordens an die Kommission der DBK. Geschädigte sollten vorher mit dem oder der Beauftragten persönlich Kontakt aufnehmen. Die Namen und Anschriften der Beauftragten des Ordens der Redemptoristen finden Sie auf der ersten Seite der Homepage.

  • #42

    Hans-Peter Scheerer (Samstag, 12 Dezember 2020 06:16)

    wo, bei wem stelle ich einen Antrag auf Entschädigung

  • #41

    admin (Freitag, 11 Dezember 2020 15:43)

    Zum Antrag werden wir noch eingehender informieren. Dass wir diese Art der Anerkennung nicht angemessen und in vielen Fällen auch retraumatisierend finden, haben wir an anderer Stelle unter Aktuelles mehrfach betont.

    Trotzdem haben wir dieses Verfahren. Keinesfalls sollte man ein solches Angebot wie im Bistum Münster nutzen. Es bleibt dann für den Betroffenen undurchsichtig und oder unüberprüfbar, was im neuen Antrag steht. Seit der Ersbeantragung haben sich bei vielen Betroffenen neue Aspekte ergeben, die unbedingt Berücksichtigung finden müssen.

  • #40

    Günter Lippke (Donnerstag, 10 Dezember 2020 10:43)

    Das Bistum Münster hat angeboten, die Antragstellung zu übernehmen. Alle Betroffenen können ein-bzw. nachreichen, was es noch zu berichten, zu ergänzen und zu betonen gäbe. Ich meine, auf dbk.de vor ein paar Tagen Kriterien zur Entscheidungsfindung des Gremiums entdeckt zu haben, finde sie nun aber nicht wieder. Häufigkeit und Dauer des Missbrauchs, Schwere wie Anwendung körperlicher Gewalt, gezieltes Ausnutzen eines Vertrauensverhältnisses waren dabei. Es ist zynisch, weil sich jeder den Preis eines einzelnen Missbrauchs ausrechnen kann. Und es bleibt grundverkehrt und unmöglich, sich nach 50,60 oder noch mehr Jahren überhaupt eine Entscheidung anzumaßen.

  • #39

    campio (Mittwoch, 09 Dezember 2020 17:58)

    Danke schön!

  • #38

    admin (Mittwoch, 09 Dezember 2020 15:12)

    Lieber campio!

    Interessante Fragen. Fragen, auf die auch wir gerne eine Antwort hätten. Allerdings ist das Kommunikationsmanagment der DBK schlecht. Man hört schon mal was. So soll die Kommission stehen. Aber Genaues weiß man leider nicht. Ach ja. Transparenz ist was anderes. Und Transparenz wäre nun gerade im Umgang mit Missbrauchsopfern das, was Kirche gelernt haben könnte. Sie machen die Dinge in den Hinterstuben unter sich aus.

    Wenn wir Genaueres erfahren, melden wir uns sofort.

  • #37

    campio (Mittwoch, 09 Dezember 2020 12:52)

    "Die Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe im September 2020 hat die Ausgestaltung der Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids beschlossen. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat am 24. November 2020 diese Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids abgeschlossen. Hierdurch wird, entsprechend der Empfehlungen der MHG-Studie, für Betroffene sexuellen Missbrauchs ein einheitliches, transparentes und unabhängigeres Verfahren zur Anerkennung des Leids in den deutschen Diözesen etabliert. Zukünftig werden die Zahlungen an Betroffene durch ein unabhängiges und interdisziplinär besetztes Gremium festgelegt, das auch die direkte Auszahlung der Leistungen anordnet."
    ...
    "Die Antragsstellung ist ab dem 1. Januar 2021 möglich.
    Die neuen Unterlagen für Anträge nach dem überarbeiteten Verfahren (Merkblatt/Antragsformular) sind in Bearbeitung und werden vor dem 1. Januar 2021 zur Verfügung stehen."

    Kennt denn jemand den aktuellen Sachstand? Ist die Kommission berufen? Sind Handlungsgrundsätze der Kommission bekannt? Wann soll es die neuen Unterlagen für Anträge nach dem überarbeiteten Verfahren (Merkblatt/Antragsformular) geben?

  • #36

    Ulrich Sanktjohanser (Freitag, 23 Oktober 2020 17:05)

    Lieber Karl,
    nein, an Dich erinnere ich mich nicht konkret. In meinem Berufsleben sind mir tausende von Namen über den Schreibtisch gerauscht, sie sind nach dem Fall abgehakt und vergessen worden. Manche Namen, aber nicht viele, von damals habe ich noch drauf. Meine Frau erzählt mir immer wieder von Leuten, die ich kennen müsse, weil ich deren Scheidungsverfahren oder was auch immer hatte.
    Ich war ab ca 1990 Fachanwalt für Fam- und ArbRecht und habe für Strafrecht keine Ambitionen.
    Meine letzte Strafsache, die ich ca 1986 hatte, erinnere ich, und sie kotzt mich auch heute noch an, weil der Mandant, ca 70 + Jahre, katholisch, etliche Jahre zuvor seine eigene Nichte missbraucht hatte. Es war im Wesentlichen eine Frage der Verjährung, weil die Schwere der Tat vom Alter des Opfers abhängt. Der Kerl saß im ersten Gespräch vor mir und hat geheult wie ein kleines Kind und betonte, das Mädchen sei bereits älter als 14 gewesen. Er lüge nicht. Schließlich sei er katholisch und Lügen sei die schwerste Sünde. Er kam mit einer ganz milden Geldstrafe davon.
    Alle Strafsachen in meiner Kanzlei hat danach entweder der Sozius oder die angestellte RAin gemacht.
    Deine juristischen Fragen kann ich Dir nach einem kurzen Blick ins Gesetzbuch, nur ungefähr beantworten: Die Verjährungsregel, § 78 StGB, besagt, dass die Strafvereitelung in den Dich interessierenden Fällen zumeist nach nur drei Jahren verjährt ist. Dies gilt sowohl für die Strafvereitelung § 258 StGB (= Vertuschung einer Straftat) als auch für das Unterlassen oder die Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung § 286 StGB, das was wir unserem Direx vorwerfen, der wohl die kriminelle Neigung seines Mitbruders in Christo kannte. Wir bewegen uns hier auch nicht in dem Gebiet der Verbrechen, d.i. eine Strafandrohung von min. 1 Jahr Freiheitsentzug, sondern dem der Vergehen.
    Auch die sex. Handlung an Personen unter 14 Jahren Jahren, § 176 StGB, ist kein Verbrechen, weil die Tat mit Freiheitsentzug von 6 Mon. bis 10 Jahren verfolgt wird. Auch gerade § 177 StGB, sexuelle Nötigung, ist kein Verbrechen, nur die Verjährung ist kürzer als bei §176 StGB.
    Und Ratzinger hat sich in dieser Hinsicht nicht strafbar gemacht. Im Zweifel unterliegt er der berufsmäßigen Schweigepflicht. Und Fake News hat er schon immer verbreitet. Immerhin behauptet er, u.a. Jesus habe übers Wasser laufen, Wasser in Wein verwandeln oder seinem Jünger Petrus das abgeschlagene Ohr ohne Nadel und Faden augenblicklich wieder ankleben können. Auch hat er, der über viele Jahre die Amtsgeschäfte seines Vorgängers Johannes Paul II und bereits seit 1981 die Hl. Katholische Inquisition geführt hat, auf dem Balkon des Vatikans gelogen, weil er nach seinen Worten "ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn (,) Papst" geworden sei.
    Privates werde ich Dir demnächst privat mitteilen.
    LG
    Uli


  • #35

    Karl Haucke (Samstag, 17 Oktober 2020 21:01)

    Ich schreibe hier in meiner Eigenschaft als Privatmensch.
    Lieber Ulrich, vielleicht erinnerst Du meinen Namen, ich war 1963 - 1968 am Collegium Josephinum in Bonn eine Klasse unter Dir und in verschiedenen Gruppen dem geweihten Vergewaltiger Willibald S. ausgeliefert. Lange Zeit konnte ich die Verbrechen vergessen, in 2012 wurde mein Körpergedächtnis wieder aktiv und empfahl mir, mich per Suizid aus der lebensfeindlichen Situation zu befreien. Das hat nicht funktioniert, ich habe dann mit Unterbrechungen 15 Monate in der Psychiatrie verbracht. In 2016 stieß ich dann auf MoJoRed und all die Klassenkameraden von damals. Der Verein ist inzwischen eine Art Familie für mich geworden, auch wenn wir uns meist nur 2 Mal im Jahr sehen. Es sind die einzigen Menschen, die verstehen, warum ich so ticke wie ich es tue. Inzwischen bin ich Rentner, habe allerdings keine elektrische Eisenbahn, sondern stecke meine Energie auf verschiedenen Ebenen in die Arbeit für die Belange Betroffener und potentieller Betroffener an failed schools. Seit jüngster Zeit tue ich dies z.B. im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.
    Soviel zu meinem Hintergrund. Jetzt zu meinen Anmerkungen / Fragen.
    Es darf nicht unerwähnt bleiben: Der geweihte Verbrecher Willibald S. hatte ein sehr viel breiteres Interessenspektrum, als wir alle jahrelang geglaubt haben. Korrumpieren zum gemeinsamen Masturbieren, Oralverkehr in beide Richtungen, Analverkehr und Aufforderung dazu, gfs. musste auch die Achselhöhle herhalten; dann die vielfältigen Formen geistigen Missbrauchs, vom sog. Anbetungskreis über die wöchentliche Gehirnwäsche in den "Ordnungskonferenzen" bis hin zur sadistischen Instrumentalisierung der Beichte. Aber Willibald S., der geweihte Christ und Pädagoge, machte auch, wie wir heute wissen, vor minderjährigen Mädchen nicht halt.
    Nun beschreibst Du, Ulrich, mit Deiner Expertise als Rechtsanwalt im Hintergrund, dass Ratzinger, der Bruder des Schläger-Sängers in Regensburg, in der Glaubenskongregation Kenntnis über die Serienseelenmorde an der Bonner Schule hatte. Frage: Unterliegt die Mitwisserschaft an einem Verbrechen auch den bekannten Verjährungsfristen? Ist das Vergraben solcher Informationen in den geweihten vatikanischen Archiven nicht auch ein Straftatbestand? Immerhin wurden die Verbrechen den Verfolgungsbehörden vorenthalten. Wenn ja: Welche Verjährungsfristen hat dieser?
    Du hast diese und ähnliche Fragen vermutlich schon mit Winfried besprochen. Auch wenn in diesem Forum hier keine Rechtsberatung angeboten erdrn kann, so wäre es für mich und vielleicht auch andere Betroffene hilfreich, die Auskünfte zu erfahren, die Du geben kannst / darfst.
    Wäre schön, von Dir zu hören.
    Karl Haucke
    karl.haucke@betroffenenrat-ubskm.de
    Hilfetelefon beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs:
    0800 22 55 530

  • #34

    Sylvia (Samstag, 17 Oktober 2020 17:47)

    Herzlichen Dank für diesen Leserbrief. Hoffen wir, dass er den Weg in die Welt findet!

  • #33

    Ulrich Sanktjohanser (Freitag, 16 Oktober 2020 16:07)

    Leserbrief an die FAZ zum Artikel: Ende des Beschweigens
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    zu den genannten großen Beschweigern und Vertuschern des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche zählt unbedingt auch Prof. Ratzinger, Papst Benedikt XVI. emeritus.In den 60er Jahren hat der Redemptoristen Pater Willibald S. über ca. 6 bis 8 Jahre als Präfekt (= Gruppenleiter und Erzieher) am Collegium Josephinum Bonn, sich an geschätzt min. 60 Klosterschülern sexuell in unterschiedlichen Graden, durch Onanieren im privaten Präfektenzimmer bis zum Oralverkehr, vergangen. Hierüber gibt es über 30 dezidierte Dokumentationen, nachzulesen auf der Homepage missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de.
    Einige meiner Mitschüler waren Ende der 60er Jahre in den Orden der Redemptoristen eingetreten und zu Priestern geweiht worden. Sie sind dann, die Zahl ist mir nur ungefähr bekannt, später aus dem Orden ausgetreten und haben sich mit der konkreten Begründung des sexuellen Missbrauchs von Rom laizieren lassen ( d.i. die römische Rücknahme der Priesterweihe und die Befreiung vom ewigen Ordensgelübde). Zuständig für diese Befreiung ist die Hl. Glaubenskongregation, für die Ratzinger, bevor er Papst wurde, verantwortlich war. Einer dieser betroffenen Männer hat den Brief seiner Laizierung, der von seiner Höchstwürden Kardinal Erzbischof Prof. Dr. Ratzinger unterzeichnet ist, meinem Freund W. Ponsens, der für die Homepage verantwortlich ist, gezeigt.
    Noch vor wenigen Jahren hat Ratzinger noch in der Presse verbreitet, für die sexuellen Missbräuche in der Kirche sei die Generation der 68er verantwortlich. Auch über diese Verlautbarung gibt es eine gründliche Dokumentation auf der Homepage der Missbrauchsopfer.
    Aus diesem und den anderen Laizierungsprozessen meiner Mitschüler war dagegen Ratzinger bekannt, dass die Missbrauchsfälle in diesem katholischen Internat 1968 zu Ende gingen, nachdem sie über ca 6 Jahr dort gewütet haben.
    Bitte haben Sie keine Scheu, auf diese Heuchelei zu verweisen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rechtsanwalt
    Ulrich Sanktjohanser
    Hermannstraße 26
    57537 Wissen

  • #32

    Ulrich Sanktjohanser (Montag, 20 Juli 2020 19:05)

    Hallo Winfried,
    ich unterschreibe/unterstütze auch.

  • #31

    Günter Lippke (Freitag, 17 Juli 2020 23:37)

    Ich bin nicht Mitglied einer Organisation oder Initiative. Aber als Betroffener unterstütze ich den Offenen Brief an Bischof Bätzing vom 12.7.2020 voll und ganz.

  • #30

    N.N. (Dienstag, 17 März 2020 13:55)

    Lieber Winfried,
    Deine neuen Beiträge zu Entschädigung und Verheimlichen von Täternamen und Verheimlichen von kirchlichen Verheimlichern habe ich mit Belustigung gelesen.
    Die Kirche wird Sache aussitzen. Da wir fast alle in der letzten Lebensphase sind, kann Gott mit Wohlgefallen auf die Verwalter seiner Vermögenswerte schauen. Hinzu kommt, dass Corona den einen oder anderen von uns zum sozialverträglichen Frühableben bewegen wird. Es wird dann auch gottgewollt sein.
    Wir können uns postum dann bei IHM persönlich beschweren.
    "Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.
    Sprüche 10,28"

  • #29

    Winfried Ponsens (Donnerstag, 05 März 2020 20:03)

    An dieser Stelle nur soviel: Wir sind nicht zufrieden. Wir halten die Diskussion um Entschädigung und Anerkennungsleistung für fatal und falsch. Das waren schwere Verbrechen. Verbrechen, bei denen nicht nur der Täter unermessliche, weil lebenslang sich auswirkende Schuld auf sich geladen hat sondern auch und vor allem die Kirche als Institution. Der Kampf um die Begriffe, der Kampf um die Verantwortungen, der Kampf um die Entschädigung durch die Kirche fängt gerade erst an. Dieses jetzige Ergebnis von höchstens 50.000,oo€, das ist pure Niedertracht. Erwartet, befürchtet und doch auch gehofft, es könnte einmal anders sein. Ich werde nicht ruhen, bis das Ding Entschädigung oder Schmerzensgeld heißt und es muss sechsstellig sein. Für ein nicht freigegebenes Foto einer - sorry - dahergelaufenen Prinzessin oder sonstigen Sternchens sind mindestens 400.000,00€ fällig und für ein beschädigtes Leben höchstens 50. 000,00? Nein. Nein.
    Ach ja. Und arm gerechnet haben sie sich auch gleich wieder. Sie sprechen über Kirchensteuern aber nicht über jahrelange Anhäufung und Umwidmung von Rücklagen in Eigenkapital. Ja, es wäre ein Klacks, alle zu entschädigen- und das mit Signalwirkung. Schaler Nachgeschmack!

  • #28

    Günter Lippke (Donnerstag, 05 März 2020 19:25)

    Mein Dank und mein Respekt für alle, die sich in Mainz in der Frühmessenkälte zur Demonstration aufgestellt und mit einigen Bischöfen gesorochen haben.
    Leider lässt sich das in der Pressekonferenz zur Eröffnung erwähnte hoffnungsvolle "deutliche Signal" im heutigen Ergebnis nicht wiederfinden.
    Beschämend.

  • #27

    Winfried Ponsens (Montag, 10 Februar 2020 19:03)

    Vielen Dank für die Blumen. Dass sich die Seiten unter Aktuelles so schnell füllen, ist vielleicht in Teilen meiner Presseaufmerksamkeit geschuldet, aber zum größten Teil doch dem, was täglich an Missbrauch von Kindern und Jugendlichen widerfährt und zum anderen dem zähen Fluss der Dinge, was Aufarbeitung und vor allem Entschädigung betrifft.
    Dein Hinweis auf Prof. Pfeiffer, den finde ich sehr gut. Wenn man ihn hören und erst recht mit ihm diskutieren kann, dann sollte man das unbedingt tun. Es bringt einen weiter. Ich selbst habe ihn gerade bei einem Vortrag in Trier erlebt und kann nur sagen: es lohnt sich. Weil es geht nicht nur um Kirche und Verbrechen, sondern er berichtet auch ganz allgemein aus seiner Arbeit und stutzt einen schon ganz enorm zurecht, was unser aller Gefühl von Bedrohung durch schwere Verbrechen anbetrifft.
    Sehr klar wird, warum er seinerzeit den Auftrag zur Aufarbeitung entzogen bekam: er wollte die Missbrauchsverbrechen Diözese für Diözese aufarbeiten und er wollte die Verantwortlichen- Kette bis oben hin offenlegen. Das war nicht gewünscht. Umso erstaunlicher, dass der Erzbischof von Köln Woelki eine Studie in Auftrag gegeben hat, die Ross und Reiter benennen will. Wir sind gespannt, ob er bei der Zusage bleibt, diese Studie am 12. März tatsächlich der Öffentlichkeit vorzustellen.
    Danach gilt es, auch die Entschädigungsfrage neu zu bewerten. Das ist ja das eine: die Entschädigung für das erlittene Unrecht, aber eine wirklich akzeptable honorige Schmerzensgeldzahlung begründet sich ja gerade in dem, was wir das zweite Verbrechen nennen: das Schweigen und Vertuschen durch die Amtskirche und die jahrzehntelange Verhinderung jedweder Genugtuung.

  • #26

    N.N. (Montag, 10 Februar 2020 18:01)

    Lieber Winfried,
    beachtlich, das fasche Wort, der Elativ wäre angemessen, was der Verein in den letzten Monaten wieder zusammen getragen hat.
    Zunächst, Missbrauchsopfer ist, so denke ich, unscharf, zu mild. Wir sind Geschändete. Von Segeroth wurden wir zum Onanieren gezwungen und einige von uns wurden, wie Karl Hauck, er wird nicht der einzige gewesen sein, in der Sendung Brisant berichtet, darüber hinaus als unfreiwillige Lustknabe gehalten. Gar soweit ist seine Hochwürden bei mir nicht gegangen.
    Ich erinnere mich an eine Unterredung nach dem Rauswurf des Täters mit einem Mitschüler, der von sich erzählte, er habe die Katalogseiten mit den Dessous umgeschlagen und die Waffenseiten studiert. Zu erklären ist, dass Segeroth seinen Opfern Versandhauskataloge vorgelegt hat, das Zimmer für einige Zeit verließ, damit sich der Knabe erregte, dann wieder kam und seinerseits für eigenen Lustgewinn mit diesem zusammen sorgte.
    Möglicherweise hat er seine Aufmerksamkeit den unterschiedlichen Knaben unterschiedlich gewidmet. Vielleicht war er sensibel für das, was er dem einzelnen zumuten konnte.
    Aber ich denke nicht, dass auch nur einer von uns verschont wurde.
    Sehr richtig Deine Ausführungen zu den Entschädigungszahlungen. Es wird nichts geben. Auf 5000,00 € pfeife ich. Ob es ein unverschämtes Kalkül von Ackermann war, die Einnahmen aus der Kirchensteuer ins Gerede zu bringen? Nicht auszuschließen. Sofort jedenfalls ging der Sturm der Entrüstung der nicht klerikalen Katholiken los, dass es ein Missbrauch der Gelder sei. Ein Unfug. Die Frage ist nämlich: Wer bitte schön kann über die Einnahmen und das Vermögen eines Bistums verfügen? Nach dem Kirchenrecht nur der Bischof.
    Als damals bei dem Limburger Bauskandal sich die Laien erregten, dass Tebartz-van Elst über das Geld des Bistums schamlos verfügt habe, war niemanden von diesen bekannt, dass dem Bischof in die finanziellen Transaktionen des Bistums niemand hineinzureden hat. Das Geld und Vermögen und das Wissen über beides gehört kirchenrechtlich ausschließlich dem Bischof; so auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer.
    Die Vermögen und Einnahmen der Bistümer sind geheimste Verschlusssache. Da die Kirche keine Steuern bezahlt, kennt das Finanzamt nur die Einnahmen aus der Kirchensteuer und die üppigen Gehaltszahlungen aus dem allgemeinen Steueraufkommen für sämtliche Bischöfe. Vermutlich erhalten auch die in Rom beschäftigten deutschen Bischöfe Tebartz-van Elst, Gänswein, die Kardinäle Ratzinger, Müller weiterhin ihre Appanagen vom deutschen Steuerzahler.
    Die angemessene Entschädigung für uns alle wurde bis jetzt ausgesessen. So bleibt es. Die Kirche ist von Gott und damit ewig und wir die Geschändeten sind in absehbarer Zeit tot.
    Wen es interessiert: die giordano-bruno-Stiftung, eine Plattform für Agnostiker und Aufgeklärte, veranstaltet am 08.03. einen Vortrag des auch von Dir geschätzten Prof. Pfeiffer zu unserer Problematik. Einfach den Newsletter der Stiftung anfordern und anmelden, wenn es recht ist.
    Liebe Grüße
    N.N.

  • #25

    Winfried Ponsens (Mittwoch, 29 Januar 2020 10:34)

    Lieber Günter Lippke. Der Druck ist da. Aber er scheint nicht zu reichen. Einzelne Bischöfe wie z. B. Kardinal Woelki beugen schon mal mit Erklärungen vor, die ihren absolutistischen Herrschaftsanspruch unterstreichen. Der Fürst bin ich und ich allein entscheide. So die Übersetzung dessen, was der Erzbischof gewiss frommer, scheinbar aufgeklärter und nichts desto trotz die wahren Interessen kaschierend gerade verlautbaren ließ.
    Und die neueste Erklärung der Bischofskonferenz heißt übersetzt: wir können uns nicht einigen und wir wollen es auch nicht. Schämen sollen sich die Opfer für ihre Forderungen, nicht die Kirche für ihre Schuld. Den Bischöfen reicht es bekanntlich nicht aus, mit "Hochwürden" wie alle einfachen Priester angesprochen zu werden sondern es muss ein "Hochwürdigst" sein. Ein Wort, das es nach menschlicher Logik gar nicht geben kann. Entweder ist man würdig oder nicht. Alles deutet darauf hin, dass wahre Würde der katholischen Kirche in jeder Steigerungsform eher fremd gewesen ist, mindestens dann, als sie die Täter ihre Verbrechen ohne jede Konsequenz begehen ließ als auch heute, wo sie so leicht beweisen könnte, dass sie es mit ihrem "billigen" Schuldbekenntnis ernst meint. Sie könnte so leicht ein kleines Stück Würde zurückgewinnen, wenn...Aber ich befürchte, sie verstehen den Gedankengang schon nicht, weil sie Würde mit einer Form der Anrede verwechseln.

  • #24

    Günter Lippke (Dienstag, 28 Januar 2020 16:29)

    Im Vorfeld der Konferenz des Ständigen Rats der Bischofskonferenz und der Vollversammlung im März wird der Druck auf die Bischöfe, sich in der Aufarbeitung und in der offenen Frage der Entschädigung auf ein nennenswertes Ergebnis zu verständigen, erhöht. Der bekannte Kriminologe aus Hannover, der Weiße Ring, der Regierungsbeauftragte, die bundesweiten Zeitungen und heute auch ARD und ZDF widmen dem Thema Berichte und Interviews. Mir tut es gut. Ich empfinde es als solidarisch.
    So hoffe ich, dass die Energie und die Kreativität der Bischöfe nicht auf neue Ausflüchte zum Zeitgewinnen verwendet wird, sondern auf das baldige Aufzeigen eines Lösungsweges. Alles andere wäre unwürdig. Un-würdig. Ohne Würde.

  • #23

    Winfried Ponsens (Freitag, 13 Dezember 2019 19:53)

    Ich auch nicht. Aber es bleibt uns ja die Hoffnung.

  • #22

    Katrin Nauber (Freitag, 13 Dezember 2019 19:33)

    Tja, ich will es ja immer nicht glauben - aber es klingt schon recht plausibel.

  • #21

    Winfried Ponsens (Donnerstag, 12 Dezember 2019 10:43)

    Schon irre das Ganze. Dass wir als Betroffene misstrauisch gegenüber der Amtskirche sind, wen wundert das? Aber dass ein Kirchenrechtler, ein prominenter dazu, hinter der Entschädigungsdebatte ein "abgekartetes Spiel" und möglicherweise gar eine gezielte Kampagne vermutet, das ist schon ein Ding. Tatsächlich weist Vieles darauf hin, dass Herr Lüdecke recht hat. Wann werden sie verstehen, wie bedeutungsvoll die Entschädigung von Verbrechensopfern unter dem weiten Mantel der Kirche, auch für die Kirche selbst ist? Wenn für eine Institution der Respekt vollends verloren ist und nur noch Verachtung übrig bleibt, dann ist sie auf dem besten Wege, sich selber abzuschaffen.

  • #20

    Günter Lippke (Donnerstag, 12 Dezember 2019 07:30)

    Der Artikel der Frankfurter Rundschau vom 11.Dezember beleuchtet viele Aspekte, die in den jüngsten Einträgen im Forum behandelt wurden.
    https://www.fr.de/kultur/kirche-missbrauch-deutsche-bischoefe-katholische-laien-entschaedigung-opfern-hintertreiben-13284905.html

  • #19

    Winfried Ponsens (Mittwoch, 11 Dezember 2019 18:57)

    Jetzt sollte es der Link aber tun. Leider (oder besser zum Glück) können wir in einem älteren Beitrag, der einmal freigeschaltet ist, nichts mehr verändern. Hier der Link:

    https:/www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-24_Anerkennung-Empfehlungen-Unabhaengige_Arbeitsgruppe_10.09.2019-final.pdf

  • #18

    Katrin Nauber (Mittwoch, 11 Dezember 2019 18:07)

    Der link funktioniert leider nicht.

  • #17

    Winfried Ponsens (Mittwoch, 11 Dezember 2019 16:55)

    Ich empfehle gerne, immer mal wieder in die Empfehlungen der sog. Expertenkommission hinein zu schauen. Man kann darin, wie ich finde, eine klare und bestimmte wie auch nüchterne und ausgewogene Argumentation verfolgen:

    https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-ab-18-08-25-11-19/%20https:/www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-24_Anerkennung-Empfehlungen-Unabhaengige_Arbeitsgruppe_10.09.2019-final.pdf

  • #16

    Michael Meurer (Dienstag, 10 Dezember 2019 23:36)

    Ich empfehle zum Thema "Entschädigungszahlungen aus Kirchensteuermitteln" die Ausführungen von Pater Mertens.
    https://www.katholisch.de/artikel/23578-die-kirche-ist-mit-blick-auf-entschaedigungen-keine-solidargemeinschaft

  • #15

    Katrin Nauber (Montag, 09 Dezember 2019 17:35)

    Eine Richtigstellung vorweg: Ich meinte nicht die "Beruhigung der Opfer", sondern die "Beruhigung der Diskussion".
    Das mit dem Brief, von dem Sie, Herr Ponsens, sprechen, lässt natürlich alles in anderem Licht erscheinen. Ich fürchte, das Ganze wird so enden: In einigen Jahren oder Jahrzehnten wird das Zölibat fallen, die Frauenfrage bearbeitet sein, die Opfer mit irgendeiner Summe abgefunden worden sein, und dann wird man sich rühmen, was man alles Tolles vollbracht hat. Von persönlicher Verantwortung oder gar Konsequenzen personeller Art wir wohl keine Rede mehr sein.

  • #14

    Winfried Ponsens (Sonntag, 08 Dezember 2019 18:02)

    Liebe Frau Nauber.
    Wahrscheinlich vermischen sich in der Diskussion um Entschädigung (wieviel, woher und an wen und wen nicht?) vielfältige Motivationen und unterschiedliche Interessen. Umso wichtiger, darüber auch öffentlich zu streiten. Das ist allemal besser als die im geheimen Hinterstübchen seinerzeit ausgekungelte "Leidanerkennungsprämie".

    Dabei sind zwei Dinge interessant zu beobachten:
    - wie brüchig und marode die so viel beschworene Solidargemeinschaft von Klerus und Laien, von Bischöfen und Ordensoberen in Wirklichkeit ist,
    - wie sehr "Solidargemeinschaft" doch dazu dienen kann, sich hinter einem "Wir" zu verstecken, wo das Bekenntnis zu persönlicher Verantwortung gefordert ist. Wie sehr hat in der Kirche das "Wir" nur dann Bedeutung, wenn es von persönlichem Nutzen ist.

    Ihr Satz :"Ich glaube aber auch, dass diese Diskussion um Steuern und Solidargemeinschaft fast versehentlich die wichtigere Frage überdecken. Ich glaube nicht, dass dies aus niederen Beweggründen geschah." in Gottes Ohr, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Unsere, meine Perspektive, aus der ich auf das Ganze schaue, ist sehr von einem uns als Verein zugespielten Brief der Deutschen Oberen Konferenz (DOK) an die Bischofskonferenz beeinflusst. Thema des unsäglichen Elaborats: zuviel Geld für Betroffene und die klare Botschaft: da machen wir nicht mit. Und in der Argumentation ist dann jedes Mittel recht, indem man behauptet, dass der der DBK vorliegende Entwurf zur Entschädigungsfrage "einseitig die Perspektive der beteiligten Betroffenen wiedergibt". Waren die 27 Experten alle mit dem Holzhammer geschlagen, dass sie sich der "Mehrheit" (!) der Betroffenen (es waren gerade mal 8 von 27!) ergaben. Der Wortlaut dieses Briefes und des Interviews von Pater Klaus Mertes lässt mich daran zweifeln, ob die Kirche und ihre Verantwortungsträger wirklich begriffen haben, was die Verbrechen einzelner Mitglieder (gedeckt durch das System) in Kindern angerichtet haben.

    Und Sie haben recht: viele Betroffene, auch die, die heute der Kirche eher fernstehen, würden gerne sagen können: "Das aber (mit dem Schmerzensgeld) haben sie gut gemacht". Wir waren als Kinder ja blind der festen Überzeugung, dass die Kirche "gut" sei. Lasst doch wenigstens - möchte ich fast sagen - einmal durchscheinen, dass der Hintergrund dafür, als Kind Vertrauen in die Kirche, in den Priester gehabt zu haben, nicht auch noch ganz und gar Täuschung war.

    Die von Ihnen angesprochene "Beruhigung" der Opfer ist immer so eine zwiespältige Angelegenheit, aber ein unübersehbares Signal der Kirche, durch eine hohe Schmerzensgeldzahlung anzuerkennen, dass sie (und nicht die 68er oder sonstwer) die Verantwortung für die verübten Verbrechen hatte und diese auch heute übernimmt (und nicht nur davon wohlfeil redet) - das würde nicht alles gut machen, aber doch in den Opfern und in der Öffentlichkeit ein Gefühl von Respekt gegenüber der Kirche anbahnen, die Mindestvoraussetzung dafür, innerlich Ruhe zu finden.

  • #13

    Katrin Nauber (Sonntag, 08 Dezember 2019 13:36)

    Zunächst einmal finde ich es sehr interessant, Ihre Sichtweise nachzuvollziehen. Wir haben tatsächlich ganz unterschiedliche Perspektiven.

    Ich persönlich habe bei dem Ruf der Verantwortlichen nach der Solidargemeinschaft immer das unangenehme Gefühl, dass sich die Verantwortlichen hinter einem Kollektiv verstecken wollen. Das ist für mich das Störendste überhaupt - an der ganzen Misere - von Anfang an. Es hieß immer "wir", "die Kirche". Das ist ganz leicht zu sagen. Die wirklich Verantwortlichen tun sich nicht weh, sie beugen sich nicht.
    Und nun, wenn es um Schmerzensgeld geht, sehen wir dasselbe Spiel wieder. Sie wollen nicht in erster Linie Geld einsparen, sie wollen Verantwortung aufteilen, damit es nicht weh tut. So empfinde ich das. Und das verhindert am Ende echte Aufarbeitung, so meine Befürchtung.

    Wir von der Initiative #NichtmitUns sehnen uns nach Zeichen, nach starken sicht- und fühlbaren Zeichen der Demut und des "Sich-Beugens" derer, die schuldig sind. So stark wie das Zeichen von Willi Brand damals in Warschau ein starkes Zeichen war.

    Sie, Herr Ponsens, schreiben ja auch "Was wäre das für ein Signal, wenn..." Das Signale wichtig sind, scheint bei der DBK noch nicht verstanden worden zu sein. Sie ergehen sich noch immer in Worten.

    Von daher denke ich auch, es spielt eine zweitrangige Rolle, woher das Geld letztendlich stammt. Zuerst muss mal schnellstens über Art und Höhe entschieden werden.

    Ich glaube aber auch, dass diese Diskussion um Steuern und Solidargemeinschaft fast versehentlich die wichtigere Frage überdecken. Ich glaube nicht, dass dies aus niederen Beweggründen geschah. Das ganze Thema ist einfach hoch emotional. Umso wichtiger wären die starken Zeichen, auf dass mal etwas Beruhigung möglich würde. Damit man nicht immer geneigt ist, seinem Gegenüber Schlechtes zu unterstellen, damit man endlich mal konstatieren kann: Das haben sie gut gemacht.


  • #12

    Winfried Ponsens (Freitag, 06 Dezember 2019 16:56)

    Ich stimme Ihnen ganz und gar zu: es geht bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern um Solidargemeinschaft, es geht um Solidarität, um Solidarität mit den Opfern

  • #11

    Winfried Ponsens (Donnerstag, 05 Dezember 2019 19:05)

    Vielen Dank für Ihren Beitrag, der mich zu folgendem " Gedankenspiel" führt:

    Die Deutsche Bischofskonferenz – so in der ersten Pressekonferenz der DBK am 23.09.2019 - will Betroffene von sexualisierter Gewalt besser und großzügig entschädigen. Welches Signal! So dachten Betroffene, so hofften Betroffene.
    Zum ersten Mal anerkennt eine Institution, dass Kinder, die sexuelle Gewalt erfahren, oft lebenslange und meist tiefgreifende Folgen zu tragen haben. Zum ersten Mal übernimmt eine Institution Verantwortung für Täter aus ihren Reihen.
    Zum ersten Mal erscheint es möglich, dass Betroffene Pauschalbeträge erhalten und nicht mehr in teils unwürdiger Weise nachweisen müssen, welche Schädigung sie erlitten haben oder welche Hilfen sie gerade dringend benötigen. Zum ersten Mal erscheint es denkbar, dass Betroffene nicht endlosen Verhören und Verhandlungen ausgesetzt sind.
    Welches Signal, wenn die katholische Kirche hier voranginge. Alle anderen Institutionen könnten an diesem Beispiel lernen- ganz besonders der Staat selbst.

    Dass die Entschädigungsfälle plausibel sein müssen, versteht sich von selbst. Dass sie darauf geprüft sein müssen durch eine unabhängige Clearingstelle, auch. Endlich kein Geschacher mehr, endlich keine erneute Retraumatisierung, endlich keine Ungleichbehandlung mehr, endlich keine Unterscheidung mehr zwischen schwerem Missbrauch und leichtem (was ist das jeweils?), endlich keine…

    Stattdessen leicht durchschaubare Ablenkungsmanöver, stattdessen Instrumentalisierung der Kirchensteuer, stattdessen …. Stattdessen gar Hinweise darauf, nicht wenige „Opfer“ wollten kein Geld von der Kirche, wollten lieber ein Gespräch mit dem Bischof oder ein gemeinsames Gebet. Einige Kirchen“führer“ scheinen gerne auf den Zug aufzuspringen, weil sie um welches Geld auch immer fürchten.

    Was wäre das für ein Signal, wenn die katholische Kirche sich darum nicht scherte, sondern signalisierte, dass sie verstanden hat, was Missbrauch anrichtet, wenn sie sozusagen „von oben herab“ (wie sie es sonst so gerne getan hat) dekredierte, dass sie Schmerzensgeld auf jeden Fall zahlt, weil sie genau das für richtig und angemessen hält.

    Nur ein Gedankenspiel?

  • #10

    Günter Lippke (Donnerstag, 05 Dezember 2019 17:39)

    Ich habe Ihren Beitrag gerne gelesen, Frau Nauber.
    Ich nehme allerdings zwischen den geschriebenen und gesprochenen Zeilen vieler Personen doch wahr, dass die Diskussion um den Geldtopf für die Entschädigungszahlung den Betrag drücken soll. Desweiteren verzögert die Diskussion das von Bischof Ackermann Ende September in Fulda gemachte zeitliche Zugeständnis. Die Steuerdiskussion verdrängt seit der Bischofskonferenz die Entscheidungsfindung der beiden Hauptaufgaben. Die Konferenzteilnehmer haben sie sich selbst gestellt, nämlich welche der zwei Optionen angewendet und in welcher Höhe entschädigt wird. Die Prioritätensetzung könnte anders vorgenommen sein. Ich erkenne zwar nach jeder Wortmeldung eines Kirchenvertreters an, wie diese miteinander um eine Lösung ringen, sich ihr dabei aber keinesfalls nennenswert annähern. Währenddessen zieht der Missbrauch insgesamt weitere Kreise. Bischof Overbeck und Bischof Genn haben sich in einem alten Fall aufgrund neuer Erkenntnisse zwar wieder einmal glaubwürdig entschuldigt, aber die angekündigten Schlüsse daraus gleichen denen aus den vergangenen zehn Jahren fast wortgleich.
    Also: Die Diskussion um die Verwendung von Steuern hat merklich abgelenkt. Die Liste der Wortführer darin ist lang und vielfältig: von kirchlichen Vertretern bis zu Frau Lale Akgün von den säkularen Sozis.
    Ich fand den Vergleich von Bischof Ackermann mit der Auto-Maut nicht unpassend und keine Entschuldigung wert. Mir fielen wie Herrn Ponsens auch andere Beispiele wie Versicherungen ein, in denen ein Solidarprinzip zugrunde liegt. Im Übrigen gibt es in einem Gemeindeleben zwischen Altar, Sakristei, Gemeindehaus, Jugendraum und Ferienlager genügend Helfer*innen, Lektoren, Vorsitzende von Chor, KAB oder Gemeinderat etc, die nicht eingegriffen haben und damit meiner Ansicht nach mitverantwortlich sind. Das Solidarprinzip ist durchaus angebracht. Die Täter zur Kasse zu bitten, ist nur scheinbar plausibel. Es ist bei Taten, die nahezu oder deutlich über 50 Jahre zurückliegen, in den meisten Fällen nicht möglich.
    Dieser riesige zeitliche Abstand zu zahlreichen Missbrauchsfällen macht deutlich, dass die katholische Kirche ihren in den Bischofskonferenzen 2018 und 2019 mühsam begonnenen Weg weitergehen und ihrer besonderen ethischen Verantwortung nachkommen muss. Davon darf auch die aktuell vorgeschlagene Erarbeitung einheitlicher Standards zur Entschädigung mit Heimträgern, Behörden, Sportvereinen und Kirchen unter staatlicher Federführung nicht ablenken. Eine gemeinsame Regelung stellt grundsätzlich ein begrüßenswertes Ziel dar. Daraus würde jedoch ein Langzeitprozess werden, den nicht jede*r abwarten möchte.
    Denn nicht nur die geplante Entschädigungszahlung an sich, sondern auch eine zügige Umsetzung weist einen nicht zu unterschätzenden entschädigenden Charakter auf.

  • #9

    Mirek (Mittwoch, 27 November 2019 16:38)

    Ihr Vorschlag, Herr Ponsens, für die sog. Entschädigung die Mittel, die jährlich in Höhe von ca. 500 Millionen als Schadensausgleich für Enteignungen im Gefolge der franz. Revolution vom deutschen Staat an die Kirchen ausgezahlt werden, zu verwenden, hat einen großen Charme. Insbesondere weil dadurch die leidliche Diskussion, ob die Orden und in welcher Form die Orden sich an Entschädigungszahlungen beteiligen, vermieden werden kann. Meines Wissens profitiert nicht nur die diözesale (?) Kirche von diesen Zahlungen sondern auch die Orden. Wer weiß das genau? An wen fließen die Gelder aus diesen Zahlungen?

  • #8

    Winfried Ponsens (Mittwoch, 27 November 2019 16:30)

    Wie gut das tut, sich konstruktiv auseinanderzusetzen. Vielen Dank für Ihre Antwort.
    Das war mir so gar nicht klar, dass man eine mögliche Entschädigung aus Kirchensteuermitteln auch ablehnen kann, wenn man durchaus dafür ist, dass großzügig entschädigt wird. Warum ich das so nicht sehen konnte, liegt daran, dass der Erste, der auf die Kirchensteuer Bezug nahm, Pater Klaus Mertes war, der in seinem Interview hohe Entschädigungszahlungen grundsätzlich in Frage stellte. Pater Klaus Mertes diskutiert in seinem Artikel nämlich nicht nur die Kirchensteuerfrage sondern führt ein meiner Meinung nach "unterirdisches" und allzu durchsichtiges Argument gegen höhere Entschädigungszahlungen ins Feld, nämlich: es gehe doch nicht an, dass die Kirche es sich zu einfach mache, indem sie Missbrauchsopfer mit Geld entschädige. Aus den Gesprächen mit Missbrauchsopfern wisse er, dass diese zuallererst das Gespräch suchten. Das Gespräch mit dem Bischof sei wichtiger als Geld.
    Lassen wir es dahingestellt sein, was letztlich wichtiger ist. Wahrscheinlich brauchen Missbrauchsopfer beides: Gesprächsmöglichkeit und Entschädigung. (siehe den bitteren Kommentar zu Klaus Mertes vom 29.09.2019 unter Aktuelles auf dieser Website)

    Zu der Frage, was angemessen sein kann, was evtl. auch großzügig bedeutet und welche Umgangsformen unter "normalen" Menschen eigentlich üblich sind, haben Sie das Wichtige gesagt. Und wer Missbrauchsopfer kennt, weiß auch, dass kein Geld das Verbrechen "angemessen" entschädigen kann. Der Begriff "Schmerzensgeld" würde - glaube ich - daher besser passen, weil er den Versuch der Wiedergutmachung ausdrückt.


  • #7

    Katrin Nauber (Mittwoch, 27 November 2019 15:21)

    Sie haben recht, Herr Ponsens, es bleibt ein Linke-Tasche-rechte-Tasche-Ding. Ich hatte bisher aber nicht das Gefühl, dass die Diskussion um die Kirchensteuern beabsichtigt, die Entschädigungszahlungen niedrig zu halten. Dass die Zahlungen hoch sein müssen, sollte eigentlich außer Frage stehen. Die Empörung über die bisherigen 5.000 € entstand ja aus dem Gefühl, dass diese Summe beschämend ist. Angemessen können die Zahlungen aufgrund der Schwere der Verbrechen und der Folgen leider nicht sein. Also gibt es nur die Wahl zwischen "beeindruckend hoch" - also merklich schmerzhaft für die Zahlenden und "beschämend niedrig", so wie es bis jetzt ist.
    Ich bin wahrscheinlich naiv, aber ich verstehe Folgendes nicht: Wenn man jemandem einen Schaden zugefügt hat oder erkennt, dass man für einen Schaden verantwortlich ist, dann hat man doch normalerweise selbst das Bedürfnis, das mehr als angemessen wieder gutzumachen. Im Kleinen würde man z.B. zum Geldschein noch einen Blumenstrauß oder die Pralinenschachtel dazugeben. Warum haben die Kirchenoberen dieses Bedürfnis nicht? Als das Forschungsinstitut Niedersachsen damals beauftragt wurde, unabhängig zu forschen und aufzuklären, hatte ich den Eindruck, die Bischöfe haben verstanden. Als das Unterfangen so unrühmlich abgebrochen wurde, haben sie die Chance vertan, Vertrauen zurückzugewinnen. Die Forscher um Prof. Pfeiffer trotz des Zerwürfnisses weiter forschen zu lassen, hätte ein Zeichen von Demut sein können. Seitdem ist nichts Vernünftiges mehr geschehen.
    In dem Offenen Brief, den wir damals mit 1440 Unterschriften an Bischof Overbeck überreicht haben, war unsere wichtigste Forderung die nach einem Zeichen der Reue und Demut. Aber es kommt nichts. Jetzt, in der aktuellen Diskussion hätten die Verantwortlichen wieder eine Gelegenheit, Zeichen zu setzen und ich fürchte, es kommt weiterhin nichts.
    Könnte man nicht darauf dringen, diejenigen Opfer, die Mitglied der Kirche bleiben möchten, per se von der Kirchensteuer zu befreien? Dann hätte man wenigstens dieses Dilemma schonmal vom Tisch. - Es bleibt schwierig.

  • #6

    Winfried Ponsens (Montag, 25 November 2019 18:30)

    Fange ich mit Ihrer berechtigten Frage an: „Können Opfer, die ja vielleicht auch Kirchensteuerzahler sind, es wirklich ertragen, gewissermaßen selbst an den Zahlungen beteiligt zu werden?“ Ihre berechtigte Frage ist für mich gar keine Frage nur „darüberhinaus“, wie Sie schreiben, sondern eigentlich sogar die zentrale Frage. Geht nicht! Geht nicht! Jedenfalls, solange ich diese Zahlungen moralisch bewerten soll.
    Und doch lohnt es sich, hier ganz rational zu urteilen: es ist in unserer Gesellschaft üblich, Kosten gemeinsam aus Steuermitteln zu tragen, auch wenn wir wünschten, dass jemand anderes dafür aufkommen sollte: wir sind beteiligt an den Kosten, die Verbrecher verursachen durch ihren Gefängnisaufenthalt, an den Kosten für Rehabilitationen von Opfern, die von den Tätern in der Regel nicht getragen werden können, wir sind beteiligt an den Kosten, die im Opferentschädigungsgesetzt (OEG) entstehen, wir tragen als Gemeinschaft viele Kosten, die eigentlich niemand anderes zu tragen hat als der Täter oder die Täterin.

    Im Fall der staatlichen Justiz sind wir beteiligt, ob wir das so wollen oder nicht. Im Fall der Kirchensteuer muss man auf einer Besonderheit bestehen: dass man diese Steuer sozusagen freiwillig und erst nach einer Entscheidung, diese Steuer entrichten zu wollen, zahlt. Mit der Zahlung unterstützt man das System Kirche als Ganzes und nicht etwa nur die Kosten für eine kirchliche Kita oder Ähnliches. Indem man Kirchensteuer zahlt, zahlt man – so bitter diese Einsicht ist- auch für den Unterhalt dessen, der Täter geworden ist, man zahlt unter Umständen gar für die Räume, in denen der Missbrauch geschieht, man bezahlt auch für die, die vertuscht haben und für die, die geschwiegen haben.

    Wenn man die Entschädigungen für Opfer nicht aus der Kirchensteuer bezahlen will, was verständlich ist, muss man konsequenterweise eigentlich die Kirche verlassen- weil dann zahlt man keine Kirchensteuer.
    Soviel zur Kirchensteuerdiskussion ganz allgemein.

    Was mich allerdings am meisten gestört hat, ist der schnelle Rekurs auf die Kirchensteuer durch Pater Klaus Mertes und noch mehr, wie schnell Bischof Ackermann auf diesen Zug dann aufgesprungen ist. Zu allererst hätte diskutiert werden müssen, welche Entschädigung angemessen und sinnvoll ist. Dazu haben die Experten Vorschläge unterbreitet.
    Woher das Geld dann kommen soll? Sicherlich zuerst einmal von den Tätern (aber dazu muss meines Wissens das Kirchenrecht geändert werden. Und wenn, dann ist der „Beitrag“ gering), dann gerne aus dem sog. Vermögen der Kirche. Aber in Wirklichkeit ist das doch letztlich nur ein Verschiebebahnhof. Was in der einen Tasche fehlt, muss dann aus der anderen bezahlt werden. Die Kirche kennt ja in diesem Sinn kein Privatvermögen, sondern jeder Ertrag aus Immobilienbesitz schont sozusagen die Kirchensteuer. Kirche bzw. das einzelne Bistum führt eben einen Gesamthaushalt. Schöner aussehen tut das mit dem Vermögen („Die viel zu reiche Kirche!“), aber wirklich hilfreich scheint es mir nicht, um dem Dilemma zu entkommen, dass auch die Laien und sogar die Opfer mitbezahlen.
    Mir scheint die Kirchensteuerdiskussion vielmehr die niederen Instinkte in uns Menschen anzusprechen: es geht an „unseren“ Geldbeutel. Es geht nicht mehr um die moralische Empörung und den Ruf nach großzügiger Entschädigung, sondern um ein Feilschen darum, die Entschädigung möglichst niedrig ausfallen zu lassen. Die Kirchensteuerdiskussion wird instrumentalisiert, um elegant und mit dem Segen der Laien und der ganzen Gesellschaft die Kosten möglichst niedrig zu halten.
    Es wundert nicht, dass im Zuge dessen auch die Gleichbehandlung der Opfer angesprochen wird: die Entschädigungszahlung an die Missbrauchsopfer 2019 wird mit Entschädigungszahlungen an die Opfer der Konzentrationslager oder aber mit den möglichen Zahlungen an die Opfer sexuellen Missbrauchs in den Sportvereinen verglichen. Wohl wissend, dass im ersten Fall die Entschädigungszahlungen in den 50er und 60er Jahren beschämend gering waren, aber jetzt auch nicht mehr zu verändern sind und im zweiten Fall, dass gegebenenfalls ein kleiner Sportverein schon dann insolvent geht, wenn er auch nur 100,00€ Entschädigung zahlen müsste.

    Hätte ja einen Vorschlag zu machen: die Entschädigung aus den jährlichen horrenden „Entschädigungszahlungen des Staates an die Kirche für enteignetes Vermögen“ (Reichsdeputationshauptschluss von 1805), ein Dauerärgernis zwischen Gesellschaft und Kirche, zu nehmen. Aber auch hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Ich höre schon die Schreie: Jetzt soll auch noch der gemeine Steuerzahler….

    Wie man sich dreht und wendet: die Kirche, Diözesen und Orden müssen einen Fonds auflegen, aus dem die Missbrauchsopfer endlich angemessen und eher großzügig entschädigt werden. Dabei kann man Signale setzen, wenn man will und halt möglichst wenig aus Kirchensteuermitteln nehmen.

  • #5

    Katrin Nauber (Sonntag, 24 November 2019 15:54)

    Als Mitglied der Initiative #NichtmitUns, die sich Ende 2018 infolge der MHG-Studienveröffentlichung in Essen gegründet hat, verfolge ich die aktuellen Wortmeldungen sehr interessiert. Wir wollen fest an der Seite der Opfer stehen, haben uns seinerzeit an der Aktionswoche Maria 2.0 beteiligt und bemühen uns, das Thema durch kontinuierliche Arbeit in der Öffentlichkeit und den Druck auf die Verantwortlichen aufrecht zu erhalten. Ich bin nun irritiert, dass die Tatsache, dass die Kirchensteuerzahler sich über die Diskussion bezüglich Solidargemeinschaft - Steuermittel etc. aufregen, so aufgefasst wird, als wollte man sich der Opferentschädigung entziehen. Dabei gilt "unsere" ungeteilte Solidarität den Opfern. Oder habe ich das missdeutet? Wir sind empört darüber, dass die Verantwortlichen nicht endlich nach ihrer Schuld suchen, dass sie keine Zeichen der Verantwortungsübernahme setzen, dass sie sich hinter kollektivem WIR verstecken. Da passt es ins Bild, dass bei möglichen Entschädigungszahlungen nahezu in erster Linie über die Kirchensteuern nachgedacht wird. Hier geht es mir wirklich ums Prinzip. Natürlich konnten diese Verbrechen nur geschehen, weil andere weggeschaut haben. Aber auch das gesellschaftliche Klima, in dem solche Tabus herrschten, dass es einfacher war, die Opfer zu ignorieren, statt den Skandal zu riskieren, auch an einem solchen Klima ist die Kirchenspitze ja nicht schuldlos. Und der Umgang der Bischöfe heute damit stellt uns auch nicht gerade zufrieden.
    Ich meine deshalb, als erstes sollten Täter persönlich ihren Beitrag leisten. Da das natürlich nicht reichen wird, wären die Bischöfe und andere Verantwortliche als nächstes an der Reihe, persönlich Geld in den Topf zu geben. Dann sollten als drittes Vermögensanteile, Güter, Schätze etc. zu Geld gemacht werden und in den Topf fließen. Das darf man meiner Meinung nach ruhig spüren bzw. sehen! Als vierte Maßnahme können die Bischöfe in Rom um Zuschuss bitten. Und dann, aber erst dann, können sie von der Solidargemeinschaft der Gläubigen reden. Ich glaube nicht, dass sich dann jemand verweigern würde.
    Darüber hinaus: Können Opfer, die ja vielleicht auch Kirchensteuerzahler sind, es wirklich ertragen, gewissermaßen selbst an den Zahlungen beteiligt zu werden?
    Ich freue mich darüber, dass Sie mit diesem Forum einer konstruktiven Diskussion Raum geben.